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Dienstag den rten Jun. r-fa» m

Hande geben / womit er uns erwürge? hiesse das nicht/ die Pflichten gegen sich selbst schändlich aufd!S Seite setzen? al|o sagen wir ihm IN solchen Umständen falsches/ und er nuq sich W jiirechnen/ daß er übel unterrichtet worden/ weil er nasenweiß war und Din'e wissen wollte, die ihn nichts angeben. Ja es giebt Umstä-ide/ dminn man sich gröblich versündigen würde / wenn man nicht die Unwahrbeit sagte. Wenn E. em vor Zorn äusser sich gesetzter Mensch mit dem bloscn Degen uns auf der Sttasse fragte/ wo sein verfolgter- Widerpart/ den wir kaum in ein sichres AiuO sich stuchten gesehen/ hm sey: wollen wir nun schweigen / so müssen ivir uns gefallen las­sen/ baß er uns anfällt/und daß wir schuld sind an dem Mord oder sonliigen Unglücke/ daS in diesem Kampfe uns oder dem andern begegnet. Wollen wir die Wahrheit sa­gen; so höhlet er den flüchtigen ein / bringet ihn um das Leben / oder wenigstens um die Gesundheit und die gerade Glieder, rind sein Blut schreyet über uns. Also bleibt uns nichts übrig / als wir sagen fälschlich er sey rechts hinaus/ wenn wir schon wis­sen/ baß er links ist / damit alles Uelxl / so viel an rms ist/ verhütet werbe.

Es giebt zwar einige die aus übertriebener Gerechtigkeit behaupten/ es gezie­me sich nicht vor einen aufrichtigen Menschen / auch so gar in solchen Fällen die Un­wahrheit zu sagen/ und man solle GOtt den Ausgang überlassen / auf seiner Seite aber / wenn man ja nicht schweigen darf/ die Sache sagen / wie sie ist ; mit einen, Worte/ man solle nicht Böses lhun / Damit Gutes daraus komme. Allein / waS das letztere betritt; so giebt man zwar die Regel willig zu/ leugnet aber / daß man in solchen Umständen böses thue. Was das erste angehet/ so getrauet man sich zu ver- thaidigen / daß es solchen Uebergerechten kein Emst ist. Wenn sie selbst die Flüchtige wären/ und sich in der beschriebenen Gefahr befänden; so würden sie ihre Meinung bald ändern/ und alödenn leiden müssen/ daß wir nach dem Gebott: was du wilst/ daß dir die Leute thun, das thue ihnen auch/ den Schluß machen. WaS tbat Da^ vib da er in Nöthen war i* B Sam. xxi ? GOtt muß man freylich auch bey sol­chen Gelegenheiten / wie in jeden andern/ den Ausgang überlassen/ allein daö wäre GOtt versucht/ wenn man durch unnüthige Verplauderung der Wahrheit bis dahin kommen lassen wollte / daß wir oder andre durch ein Wunderwerk aus der Gefahr gerissen werden müßten.

So wenig man aber leugnen kann / daß dergleichen durch die Noth abge­zwungene falsche Reden erlaubt sind; so viel soll man sich doch derselben nach aller Möglichkeit enthalten. Man wird sich darüber nicht verwundern. Denn es giebt mehrere dergleichen Fälle/ wovon man mit allem Fuge sagen kann/ man solle daS nicht thun/ was einem gleichwohl zu thun sonst wohl an sich vergönnet ist. Die Ur- fed)t ,ft diese. Aus der öfteren Wiederhohlung einer Handlung entspringet eine Ge­wohnheit/ und die Geivohnheit wird leicht zur Sünde. Wer dergleichen erlaubte fal­sche Reden in solchen Umständen/ da er sie hätte unterlassen können/ öfters führet/ Der wirb nach und nach gewohnt / anders zu sprechen / als er denket. Weil man nun dgS/ dessen man einmal gewohnt ist/ bey vorfallendrn Gelegenheiten ohne weitläuf-

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