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schlag gekommnenr Handlung damit/ und führet keine aus/ als womit er jenen ein Genüge jti thun überzeuget i,t. Man darf ihn also nicht fragen/ warum er etwas gewisses nrchc lhut; denn er thut das alles nicht/ wodurch er keine Pflicht eifüllet Er besitzt eine gewisse Art von Trägheit/ die man die tugendhafte nennen könnte/' vermöge der er an und vor sich selbst ruhet, ohne daß er Hinderungen bedürfte / die ihn vom Wirken zurück hielten; und vermöge der er erst durch die Ueberlegung seiner Schuldigkeit aus der Ruhe herausgebracht und durch die Kraft des Guten zum wirken angetrieben werden muß. Wie er sich in allem verhält/ so verhält er sich auch im Reden. Zum Schweigen braucht er keine Ursache/ cs ist nichts nülhig/ daß ihm den Mund zuhält,- sondern Schweigen ist sein natürlicher und gewöhnlicher Zustand; zum Reden aber muß er Ursache haben; eben wie man keine Kraft anzuwenveii Ursache bat/ um einen liegenden (grein zu halten/ daß er liegen bleibet/ wohl aber eitle/ daß «r sich beweget/ wenn er fort soll. Ein ehrlicher Mann ist also stille/bis seine Pflicht zu ihm sagt: nun rede. Und eben daher lhut man uns Unrecht / wenn man glaubet/ daß ein ehrlicher Mann nach unserer Beschreibung wegen seiner Stille in Gesellschaften unangenehm seyn müsse. Denn die Pflicht erinnert ihn gar oft zu reden/ so oft er nämlich damit zu GOttes Ehren/ zu seinem und zu seines anwesenden und abwesenden Nächsten Vortheil / ja auch zu einem erlaubten und vernünfti- gem Vergnügen etwas beytragen kann.
Zur Verschwiegenheit gehöret nicht nur/ daß man nichts/ wodurch man sich oder andern offenbaren Schaden zufügt/ sondern auch daß man das nicht aussage/ wodurch man liebel anzurichren mit einiger Wahrscheinlichkeit besorgen kann. Zur Erkenntniß des ersten gehört nicht sonderlich viel Verstand / aber desto mehr zum letzten. Denn die Personen des Redenden/ der Zuhürenden/ derer/ wovon derDis- courshandelt/ eines jeden Verwandten/ Freunde und Feinde/ eines jeden Absichten/ der Ort/ die Zeit/ das vorhergehende Gespräch und so viel hundert andere Dinge müssen hier in Betrachtung gezogen werden/ daß man scharfsichtig ftyn muß/ um gewiß zu entdecken/ wieviel zu reden ein jeder Umstand zuläßt. Za man muß auf die Worte achtung geben, damit keines mit unsier Schuld übel ausgelegt werden könne; man muß ins Zukünftige sehen und die Folgen seiner Rede beurtheilen/ damit darun- ter keine siy/ derenthalben es einen alsdenn reue/ geredet zu haben- Die Tugend der Verschwiegenheit ersparet einem alle Sorgen bey dieser Ueberlegung; dis mit ihr verknüpfte Einsicht in den Zusammenhang der Dingen/ lässet nicht zu/ daß man sich auch nur der ge'iiigsten Gefahr ausstze; sondern hält die Zunge zurück/ so lange sie nicht mir vollkommener Ueberzcugung wahrnimmt/ daß man sprechen darf/ ohne etwas zu befürchten-
Die Verschwiegenheit ist endlich auch/ wie alle übrige Tugenden eine Fertigkeit. Es ist nicht genug/ daß es einem zuweilen gelinget/ wenn man alle Leiber und Seelenkräfte anwendet/ es muß einen keine Mühe kosten/ man muß sich keine Gewalt amhun/ man muß sich nur einmal vornehmen dürfen/ etwa- nicht zu sagen/ ss
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