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tyl Giesser W-chen-Blatt/ Num. XXXV.

so aus/ daß mau eben nid)t viele Fragen habet) leiden kann/ sondern am glücklichsten damit fort kommt/ wenn man Leute antrift/ die mit Verachtung der grüblenden Ver­nunft sich an Glauben halten. Denn was vor eine Gemeinschaft hat wohl die Linie/ die dieMauS des Daumens einschließt/ müdem Leben? Woher weis man/ daß ihre Lange ein langes und ihre Kürze ein kurzes Leben bedeutet? Wer hat uns gelehret/ daß die darin befindliche Puncte Krankheiten / Unglücksfälle u. d. g. bedeuten? AuS der Erfahrung kann man es nicht wissen / denn eine oder die andre Beobachtung rei­chet nicht zu eine allgemeine Regel zu machen/ und von einer Samrnstmg so vieler/ als hierzu nöthig wären /hat man keine Nachricht; Die Vernunft weis besagter massen auch nicht- davon/ und eins göttliche Offenbarung weis man noch weniger davon auf- juweisen. Wiewohl es sind doch auch einige Sprüche in der heil. Schrift/ die man zwinget/ zu beweisen/ waö man verlanget. Z. E. Jesi xlix, if. 16. Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen / daß sie sich nicht erbarmet über den Sohn ihres Leibes? und ob sie dessen vergässe/ so will ich doch dein nicht vergessen. Siehe in di« Hände hab ich dich gezeichnet. Diese letzte Worte haben in der That eine sehr grosse Kraft: was sie aber in gegenwärtigem Falle helfen sollen/ kann man nicht absehen/ man sey denn mit Vorurtheilen eben so angefüllet/ als diejenige selbst/ die dergleichen albere Auslegungen erdichten. Im Hiob Lap. xxxvn. 7. stehet ferner: Alle Menschen hat er (GOlt) in der Hand/ als verschlossen/ daß die Leute lernen/ was er thun kann; und daraus soll folgen / aus den Liniamenten der Hand könne man wahrsagen.

Von gleichem Schlage sind auch die Metoposcopie/ da man aus der Stirne: Podoscopie/ da man aus den Füssen / und wer weis was für andre Grillen/ da man aus andern Theilen des Leibes den Grund der Lügen vom Zukünftigen hernimmt. Wir nennen es Lügen und zwar ohne Anstand / wenn man diese Wörter in dem ge- meini^ich gebräuchlichen Verstände nimmt. Dadurch aber wollen wir eine sehr edle Wissenschaft aus dem äusserlichen Ansehen und allem / was an einem Menschen in die Augen fällt/ die GemülhSart desselben zu erkennen/ die da Physiognomie genennet wird und einen Theil der wichtigen Kunst der Menschen Gemüther zu erforschen auS- macht/ nicht gescholten haben/ auch nicht leugnen / daß man aus der einmal ergründe­ten HerzenSbeschaffenheit eines andern auch vieles von seinem Glück und Unglück/ daS er sich dadurch zuziehen wird/mit grösier Wahrscheinlichkeit voraus sagen könne. Dar­auf wird sich auch / wenn wir doch bey dieser Gelegenheit wiederum der Bibel geden­ken sollen / besser ziehen lassen / was Spröchw- Galom. xxx. ij. vi. 13. Swack), xix. t6. 27. u. a. stehet/ als auf die im Anfänge dieses Absatzes gedach­te bodenlose Künsten.

Himmel und Erde haben wir durchsucht/ auch unfern eignen Leib visitiret/ ohne etwas zu finden/ das die Neubegierde sättigen könnte. Was ists wunder/ daß man auch unter die Erde und in die Gräber gekrochen/ um von denen/ die Nichtwis­sen/ waö jetzo hier geschiehet/ zu erfahren/ was hinführo geschehen wird. Diese in vielen