,74 Giesser Wochen ♦ Blarv/ Num. XXXV.
twn. Alles/ 4v«8 noch kommen wird/ ist zwar schon heute gewis/ und G-Ottes all* sehendes Auge stehet schon jetzo ohne allen Zweifel / ohne einige Gefahr zu irren/ was in tausend Jahren geschehen wird. In Ansehung dessen ist kein Nebel da/ der die Aussicht hemmte; denn er weis/ ivie m der ganzen Welt alles an einander hangt/ was aus einem jeden folgt/ zn was ein jedes bcyträgt/ wie/ wann und wo also «in jedes seine Wirklichkeit erreichen wird; er hat auch bereits von Ewigkeit her beschlos. ssn/ was er zulassen / was er befördern/ und was er Hintertreiben will. Allein vor unfern Augen sind diese Dinge verborgen/ und müssen uns auch/ eS sey denn daß uns GOtt dieselbe selbst offenbarte / so lange davor verborgen bleibet, / so lange wir die Verknüpfung aller Dingen in der Welt nebst ihren Kräften und Gesetzen einzusehm nicht vermögen/ das ist so lange wir nicht Götter/ sondern Menschen sind.
Diese unsre Unwissenheit hat ihren guten Nutzen. Denn wir sind von solcher GemüthSbefchaffenheit/ daß/ wenn wir deutlich wüßten / waS uns bevorstehet/ wir in der Welt viel weniger taugen würden. Man glaubet zwar gemeiniglich das Gegentheil; wofern man aber nicht gar wünschet/ alles zukünftige/ das uns und andre angehet/ so deutlich und noch deutlicher/ als das gegenwärtige/ zum voraus zu sehen/ so wird man zwar hier und da einige Vortheile/ in den meisten Gelegenheiten ■ aber weit grössere Nachtheile antreffen. Um nur eine zu berühren / so bedenke man/ zu wie vielem Guten die Ungewiöheit der Todesstunde diene-. Wie mancher wurde noch viel toller/ als jetzo geschiehek/ Haussen/ wenn er noch eine lange Reche Jahren Dor sich sähe? Wie mancher andrer würde vor Vetrubniß vergehen/ wenn er wüste/ daß er nach Verfließung weniger Monathen schon fort müste? Er wurde nichts lesen/ nichts schreiben/ nicht studieren/ nichts arbeiten/ und dazu denen / die ihn deswegen rur Rede stellten / eine Antwort geben/ die wiederum zu beantworten ihnen schwehr fallen möchte; er würde sagen: zu was Ende soll ich mich bemühen/ ich werde doch die frucht meines FleiseS nicht geniessen. Es möchte zu lange fallen / zu erzählen / wie viel Böses geschehen und wie viel Gutes unterbleiben wurde/ wenn man nur m die- fern einigen Falle Gewisheit vom Zukünftigen hätte- Die Einrichtung und die Bestellung seines HauseS/ die einer etwa machen möchte/ sehen wir nicht für einen Einwurf von Wichtigkeit an- Denn es ist ohnstreitig/ daß man zwar,etzo viel davon sprechen/ aber in der That alsdenn wenig thun würde/ weim man das wußte/ wovon die Rede ist Denn man weis ja/ daß man sterben muß / und das ganz gewiß/ und richtet stch doch nicht darnach. Ja z- E- ein alter Mann von siebzig und mehr Jahren weiS so wohl / daß fast gar nichts mehr zur Unwidersprechlichkeit erfordert wird/ daß er in» mrhalb sechs bis zehen Jahren auf dem Kirchhofe liegen wird; man sieht aber gleich- wobl nickt/ daß er sich diese Erkenntnißviel zu Nutze macht.
y Bey so bemannten Umständen sollte man denken/ die Menschen wurden GOtt danken/ daß er ihnen vor dem Zukünftigen einen Vorhang vorgezogen/ der ihnen Gleichwohl erlaubt/ ein und andres nahe hinter demselben befindliches noch einiger Wm dMl ju MM Allein dir Erfahrung lehret dqö Gegmthesi. Eine gewisse


