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Dienstag dm i tert Sept. i7fo.

flüf nichts/ als die Lust der guten Hofnung/ gegründete Vermuthung/ daß iS inSkünf- tige gut gehen wird/ bringt den armen Sterblichen eine Begierde bcy/ wenn es mög. lich wäre/ die Uhr der Welt etwas geschwinder lausten <u lassen. Man denkt- die- seö Jahr gehr mirS Nicht nach Wunsch/ überöJahr wirds besser gehen; könnte ich Ten CaknOev GOtteSdas gegenwärtige ausstreichen und machen/ daß dw Welt ein Jchr alter wäre.' Ein Wunsch/ der in dem Munde besten/ der ungern stirbt/d,,. in dem Munde aller Menschen sehr thöncht lautet. Ebendiese Betrachtung vielleicht/ oder wemgstenS die Erwägung der Unmöglichkeit der erzählten unbilligen Begierde lindert dieselbe in so weit/ daß man zwar/ weil es doch scyn muß/ warten will/ bis die künftige Zeit kommt; man möchte sich aber doch unterdessen gern mit den sllssen Einbildungen des bevorstehenden Glückes kützrln/ und den Verdruß der langen Weile, den man wegen dem ungewissen Warten fühlet/ mit einer Art von angenehmen Träumen vertreiben. Diese Neigung wird e,n jjeder in seinem eigenen Oerzen antreffen/ zuweilen wird ste auch zeigen / daß sie ungcstümm seyn kann. Und es,st sehr zu verwundern/ daß man ihr Platz giebt/ da man sie doch gar leicht unter­drücken könnte/ wenn man dächte: das Unvermnthetegiebt dem Guten/ so uns wie- tzerfähret/ dir meiste Annehmlichkeit; wir würden eS also mit keinein oder wenigstens nur mit halbem Vergnügen zu seiner Zeit geniessen/ wenn wir es lange vorher gewußt hät­ten: ja wie würde uns zu Muth seyn/ wenn wir hörten/ unter dem/ das uns ge­schehen soll / werden drey Tbeile böse und der vierte gut seyn; schwehrlich würde alS- denn jemand verlangen zu wissen / wie alles gehen wird; vermulhlich würde man dm bitten stille zu schweigen/ der es uns erzählen wollte. Wer aber ja an dem zukünfti- gen Vergnügen bereits Tbeil nehmen will / der kann nicht besser zu recht kommen / als wenn er recht gottesfürchtig lebt/ und alSdenn die ewige Glückseligkeit sich gewis ver­spricht/ mit deren Vorschmack er sich auf eine lobenswürdige Weise und so sehr ergö­tzen kann/ als er will.

Wiewohl man also erkennen muß/ daß eS uns weder gut/ noch möglich ist/ das Zukünftige voraus zu sagen/ so hat man sich doch um! allerlei) Wege umgesehen/ die zu dem verlangten Ziele führm sollten. Der gerade/ ordentliche und einzig siche­re Weg/ da man auS der Gegenwart der Ursachen auf die Zukunft derWürkungen schliesset/ war verhauen; so schlug man andre ein/ die/ ie mehr sie dm Verstand in die Wüste führten/desto richtiger zu seyn schienen. Einige/ die da auf dem Erdboden nicht- fanden/ suchten Spurm in dem Himmel/ und wer weis was für confuft Vorstellun­gen vom Gestirne ihnen Anlaß mochte gegeben haben/ demselben eine wahrsagende Kraft beyzulegen. Man legte den Planeten gewisse Einflüsse zu / die da stärker oder schwä­cher seyn sollten/ nachdem sie sich an diesem oder jenem Orte des Himmels befinden. Man beurtheilte daraus/ was für einen Erfolg ihre verschiedene Stellungen gegen ein- ander/ ihre Annäherungen/ Entfernungen / Gegenstände u. d. g. haben müsten. Daraus wollte man / als aus ganz unstreitigen und vom Himmel hergenommenen Gründen/ alle Fragen wegm dem Zukünftigen mit Gewiöheit beantworten. Wenn «an die Gebmsstunde eines Menschen wüste/ so rechnete man die Aspekten auf den-

Mm » selbi-