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Vierte Probe.
Von der Gottseligkeit.
AAU Je heilige Zeit nahet heran, worin wir die Geburt unserElösers feyren CjU und uns der allergrösten göttlichen Wohllhat dankbarlich erinnern. Wer in den hier geöffneten Abgrund der Liebe und Barmherzigkeit GOtteS einen andächtigen Blick wirft, der muß gestehen,daß, ob wir gleich an einem Tage, wie am andern, verbunden sind unfern Schöpfer zu rühmen und zu preisen und, kurz zu sagen, aus unferm ganzen Leben einen besiändigen immerwährenden Gottesdienst zu machen; wir dennoch durch das, so in diesen Tagen geschehen ist , den wichtigsten Bewegungsgrund erhalten, alle unsre Kräften zu verdoppeln um mit Leib und Seele und allen Vermögen , die in und sind , den Namen dessen zu verherrlichen, der so grose Dinge an uns thut. Einem jeden lieget also ob, wie immer, also besonders jetzo, drese unermeßliche Gnade recht zu beherzigen, und die Erkenntniß dersel» den in sich zu einem starken Trieb werden zu lassen, durch einen frommen GOtt wohlgefälligen Wandel seine innerste Dankbarkeit zu offenbaren, und durch sein Beyspiel andere zu gleichem aufzumuntern. Wir wurden demnach unrecht thun, wenn wir in diesem Blatte unfern Leser mit einer Betrachtung aufhielten, die hierzu nicht- beytrüge, oder dessen Gedanken auf etwas anders zöge. Daher ist vor gut b.fun- den worden , diesesmal mit wenig Worten von der Goktsseligkeir und ihrem Einflüsse in alle unsre Handlungen zu. reden.
Ein Mensch, der bey allen seinen Unternehmungen GOlt vor Augen hat, und mit Sorgfalt überleget, was sich in Betrachtung der Eigenschaften des allerheilig- sien Wesens zu thun, oder zu lassen gezieme; der also nicht allein nichts vornimmt, womit er einige Gertngachtung gegen dasselbe zu erkennen gebe; sondern auch das Gute eben aus der Ursache verlanget, und das Böse gerade deswegen verabscheuet, weil die Erwägung vergöttlichen Vollkommenheiten ihn zu jenem beweget,und von diesem abhält, der verdienet den ehrwürdigen Namen eines Gsttscligen. Es i|t ihm also mchr genug, daß man an dem, war- in ftincnHandlungen in die Sinnen fällt, nichts auszusetzen findet ; sondern seine Absicht ist auch ganz rein. Ja es ist ihm nicht genug, daß sein Endzweck ruhmwürdig und unsträflich ist ; sondern er wird auch zu dessen Erwählung und Ausführung durch den edelsten und erhabensten Be- wegungsgrund angetrieben. So oft eine Gelegenheit, etwas zu thun vorfällt, so erinnert ihn der immerdar in seinen Gedanken schwebende Begriff GDttes an die Frage: Wie ist mein Schöpfer beschaffen ? wie ist der gesinnet ? was thut der an mir, an meinem Nebenmenschen, am Vieh, an aller Creatur? was verlangt er von m>r, daß ich jetzo thun soll ? und daraus ziehet er den Schluß: also muß ich mich so und so aufführen, und diesen Entschluß führet er ohne allen Anstand aus. Er fraget nicht erst nach ; ists auch nützlich? denn er rechnet alles vor Schaden, wordurch ein Vater mi Himmel nicht gepriesen wird. Er fraget nicht nach, ob es auch de-


