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Ü Giesser wöchett-Blatt

drs rechten Begriffs von der Kinderzucht sich denselben in Nebenstunden durch ver. nünftigeS lesen zu wege zu bringen suchen ? Haben sie ferner keiner Selbsterkenntnis unD keiner Verbesserung des Verstandes und des Willens nöthig t Sind ihnen die Regeln einer guten Aufführung, die man ihrenthaiber aufsetzet nicht nützlich ? Kön­nen sie wohl gemächlicher darzu gelangen, als wenn

0). Aber sollen die Weibsleute auch juristische Sachen lesen, welche, wie ich gehöret habe, in dem Wochenblatt erscheinen werden?

Z. Sie thun wohl, daß sie wieder auf die Einrichtung des Wochenblatts kommen. Ich vermuthe eben nicht, daß man aus der bürgerlichen Rechtsgelahrt­heit, viele Stücke, die nach der juristischen Schreibart abgefasset sind, hinein setzen wird? Man hat versprochen , sich nach den meisten Lesern zu richten, nach deren Sinn der gemeine rechtsgelehrte Vortrag nicht seyn möchte. Um nun seinem Ver­sprechen ein Gnüge zu thun, und viele Liebhaber zu finden, werden die vornehmste Abhandlungen wohl in andere Wissenschaften einschlagen, wovon auch das Frauen­zimmer was verstehen kann , und man wird zur Veränderung allerley gemeinnützi­ges Vorbringen. Und in soweit scheinen mir diese Blätter vor den wöchentlichen hallischen Anzeigen, welche man sonst, wie ich sehe, zum Muster genommen hat, einen Vorzug zu erhalten : denn in diesen kämen meistens Sachen vor, die nur vor Rechtsgelehrte waren.

V. Wenn man nun auch allerhand vorbrächte, wird es deßhalben jeder- man gefallen?

Z. Das getraue ich nicht zu behaupten. Der Geschmack ist, wie bekannt, verschieden, und man kann es nicht einem jeden recht machen. Es ist genug , wenn man durch dasMannigfaltige und durch Anwendung des Angenehmen undNützlichen zu gefallen sucht. Dabey verdienet es allen Beyfall, wenn gute Lehren gehörig er# rheilet werden, welche die Mitbürger zur Tugend lenken und sie zur Glücksee- ligkeit anführen können.

P. Damit wollensie ohne Zweifel einemWochenblattschreiber die Vollmacht geben, sich nach Belieben zu einem Sittenlehrer aufzuwerffen. Solcher Leute, die sich ohne Beruf die Freyheit nehmen, andern die Wahrheit zu sagen, kan man mit ihren Sittenlehren wohl entbehren. Was braucht man ihrer ? Man darf nur Die Bibel lesen, und fleißig in die Kirche gehen, da werden genug Lehren ertheilet.

Z. Gantz recht! was das lesen Der H. Schrift und das Kirchengehen betrifft, so wäre sehr zu wünschen, daß es geschähe, wie es sich gebührte. Man würde alsdann so viel andern Unterrichts nicht bedörffen. Allein es ist ihnen nicht verborgen, wie in der Welt gehet, und nach Beschaffenheit der Sachen werden sie wohl zugeben, daß es nicht überflüßig ijl, wenn auch andere gute Lehren auf eine schickliche Art gege­ben werden. Sie wissen, daß vieles, das die Vernunft lehret, und einen so starcken Einfluß in das menschliche Leben hat, entweder nicht auf die Cantzel gehöret, oder dar­auf nicht vorgebracht wird. Daher ist ein ^der rechtschaffener Mann, der geschickt ist, etwas