Giesser Wochen--Blnr
IS'
Zweyte Probe.
Von den wahren und falschen
starclm Geistern.
Namen haben das UnMk, daß ihre Bedeutung von der Willkühr d r Menschen abhänget. Sie müssen sich daher auf vieierley Weise miß- Vi5z<j handeln lassen und geduldig lenden, daß man sich ihrer bedienet, um denen schlechtesten Dingen ein gutes Ansehen zu geben, ja um die allerschlimmste Sache als etwas kostbahres und unvergleichliches vorzustellen. £at z. E. ein un# Leschikter Schrift-Steller feine Träume zrr Papier gebracht, so sinnet er auf eine pralende Aufschrift und scheuet sich nicht, seiner Mißgeburt einen Namen zu geben, daß man sie vor das gröste Meisterstück versehen feite. Wie mancher unkräftiger Staub, der die Wunde von einem ausgerauften Haare zu heilen nicht vermag, führet den Titel einer Panacee, und soll die Todte lebendig machen können. ES wäre eine Schwachheit, sich hierüber zu verwundern. Dann, da dieWortenichts als Zeichen unsrer Gedancken sind, aus welcher Ursache wollen wir mehr Aufrichtigkeit , Treue und Beständigkeit von ihnen fordern, als sie ihres Amtes halber haben können?
Allein das ist allerdings zu bedamen, daß durch ihren verführerischen Schein viele unvorsichtige Menschen überey'et und verblendet werden. Denn ob gleich jedermann die Warheit mit dem Stunde bekennet , daß nicht alles Gold ist, was glänzet; so ist doch nichts gemeiner, als daß man gerade zu der Zeit, da es am nötigsten wäre, nicht daran gedenket. Bey so bewandten umständen kau es nicht undienlich seyn, wenn man seinen Neben -Menschen vor den bösen und verderblichen Dingen warnet, die unter einem vortresschen Namen verkauftet werden- In dieser Absicht ist gegenwärtige kurze Abhandlung von denen starcken Geistern auf* gesetzet worden.
Ist je ein Wort in einem betrügerischen Sinne genommen, und um die unachtsame zu berücken angewendet worden, so ist es gewißlich dieses- Die von den unvernünftigsten und albersten Zrrthümere eingenommene Köpfe haben sich diesen vornehmen Titel zugeeignet, und ziehen damit, wie mit einer Kette, diejenige in ihre unglückseelige Gesellschaft , die da gerne vor etwas wollen angesehen seyn, das sie nicht find. Lasset uns also erst die warhaftige starcke Geister besehen und alsdenn den Betrügern die Larve abziehen, womit sie unsere Augen verblenden wollen.
Der Verstand und der freye Wille sind die Kräfte woran man einen Geist erkennet, und wir nennen unsre Seelen deßwegen Geister, weil sie mit besagten Eigenschaften geziem find, wie wir dagegen die Seelen der Th>ere aus der Zahl jener


