Ausgabe 
(29.12.1915) 306. Erstes Blatt
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1 l 8 15 denkende Mann im Deutschen Reich wei tttermittelnot auf der Landwirtschaft und auf den virten lastet. Aber ein jeder weiß auch, daß uns diese rge nicht davon abbringen darf, jedes einzelne Korn, das Brotkonsum zur Verfügung gestellt werden kann, tat⸗ sächlich für die Versorgung unseres Volkes nutzbar zu machen. In Friedenszeiken sind wir gewohnt, minder⸗ wertiges Brotgetreide, insbesondere das überfeuchte Brot⸗ getreide, zu Futterzwecken zu verwenden. In Kriegszeiten, in Zeiten, in denen wir vom Auslande abgesperrt sind, muß auch das minderwertige Getreide durch Bearbeitung dem Brotkonsum nutzbar gemacht werden. Darum sind Verstöße gegen das Verfütterungsverbot nicht als bloße Ueberschrei⸗ tungen irgendwelcher polizeilichen Bestimmungen anzu⸗ sehen, sondern sie sind ein Verbrechen, das an nserm Vaterland im Kriege begangen wird, nd der vaterlandslose Sinn, der diesen Vergehen zugrunde liegt, kann durch keine Geldstrase geahndet werden. Was acht es auch schließlich für den Landwirt aus, wenn er einige Hundert Mark Strafe bezahlen muß, aber dafür an dem verfütterten Brotgetreide einen tüchtigen Gewinn ge⸗ acht hat? Es muß die Einsicht durchdringen, daß derjenige, welcher Brotgetreide verfüttert, für alle Zeiten den Stempel einer Verfündigung an den wichtigsten Interessen unseres Vaterlandes trägt. In allen ländlichen Kreisen, in allen Versammlungen, in den Schulen und wo es sonst möglich ist, sollte immer wieder mit Nachdruck darauf hingewiesen werden:. Wer Brotgetreide verfüttert, macht sich straf bar und versündigt sich an dem Vaterland! 9*

Spenden zugunsten des Türkischen Roten Halbmonds und der Dardanellenkämpfer werden nach wie vor gerne bei dem Kaiserlich Türkischen Generalkonsulat, Frankfurt a. M., Kaiserstr. 18/20, entgegengenommen. Der tapferen Dardanellenkämpfer möge gerade zur Jahreswende besonders gedacht werden. Welche Bücher schicke ich ins Feld? Der mit Recht immer wieder erschallende Ruf: Schickt Bücher ins Feld! verhallt oft wirkungslos, weil viele nicht wissen, welche Bücher sie hinausschicken sollen. Ein kurzer Wegweiser für sosche wird will⸗ kommen sein. In erster Linie 1 natürlich Unterhaltungs⸗ bücher ins Feld geschickt werden; Was den Inhalt betrifft, so empfiehlt es sich, möglichst wenig Kriegsgeschichten zu nehmen. Man wähle nicht zu ernste Bücher, sondern heitere, spannende Romane und Erzählungen. Auf feine Ausstattung der Bücher kommt es nicht an. Man braucht draußen keine gebundenen Bücher; was hinaus geht, kann alles geheftet sein. Von den vielen Sammlungen billiger Bücher seien einige wenige hervorgehoben. Die N aller sind wohl die Hefte desHinkenden Boten Verlag M. Schauenburg in Lahr i. B.), die von 2 Pfg. an in jeder Preislage zu haben sind Dann wären zu nennen die überall erhältlichen Reclambände, Meyers Volksbücher usw. Guten Druck haben die Hefte vonHesses Volksbücherei(Verlag Hesse u. Becker, Leipzig), jede Nummer 20 Pfg. Eine gute Auswahl von Erzählungen und Romanen bieten dieWiesbadener Volksbücher (Verlag Volksbildungsverein zu Wiesbaden) zum Preise von 10 is 50 Pfg. Es seien davon erwähnt: O. Müller, Münchhausen ee 30 Pfg., O. Ludwig, Zwischen Himmel und Erde, 50 Pfg., weiterhin Erzählungen von Raabe, Rosegger, Stern u. a. f Alle diese Sammlungen werden, was Druck, Papier, Ausstattung anlangt, übertroffen von den Volksbüchern der Deutschen Dichter⸗

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Gedächtnis⸗Stiftung(Verlag der D. D.⸗Ged.⸗St. Hamburg⸗Groß⸗ borstel), die zudem zum größten Teil illustriert sind. Von den bisher erschienenen Nummern seien genannt E. J. Groth, Die 1 ut(Militär⸗Humoreske), 15 Pfg.: Schmitthemaer, Die locke, 20 Pfg. War oben davon abgeraten, Kriegsgeschichten

s Feld zu senden, so sind davon auszunehmen Schilderungen wie

e des Kap.⸗Lts, von Mücke(Emden, Ayesha), sowie wertvolle Erzählungen aus früheren Kriegen, die in den beiden zuletzt ge⸗ annten mmlungen zu haben sind. Gern gelesene Bücher ietet auch die Insel⸗Bücherei(jede Nummer 50 Pfg.). Darin ist besonders zu empfehlen: Datterich, der im Feld wie im Lazarett gern gelesen und viel belacht wird. Es sind in dieser wenig erschöpfenden Aufzählung in der Hauptsache die Bücher erwähnt, die für wenig Geld viel bieten und deshalb für die meisten, die Bücher ins Feld oder ins Lazarett schicken wollen, in

Betracht kommen. Die StenographengesellschaftGa⸗ 5. Jamu

* Stenographie. belsberger und Damenabteilung eröffnen Mittwoch, 5. ar 1916, wieder einen Anfängerlehrgang in der Gabelsbergerschen Stenographie. Da überall eine starke Nachfrage nach tüchtigen Stenographen herrscht, so kann die rechtzeitige Erlernung der Kurzschrift nur empfohlen werden.(Siehe Anzeige in heutiger Nr.) 5 Kreis Büdingen. c. Ober⸗Widdersheim, 29. Dez. Gestern wurde in unserer Kirche unter allgemeiner Teilnahme der Gemeinde die oldne Hochzeit zweier Paare gefeiert, die am 28. und 29. Dezember 1865 getraut worden waren, nämlich der Eheleute Lud⸗ wig Frank und Friedrich Karl Eiser. Nach der Ansprache des Dekan Brill wurde jedem der Paare als Geschenk der hiesigen Kirche eine schöne Ausgabe des Neuen Testaments überreicht, und er Großherzog ehrte beide durch Glückwunsch und das Geschenk seines Bildes. Die alten Leute konnten den Tag in erfreulicher

Rüstigkeit begehen. i Kreis Lauterbach. g. Herbstein, 29. Dez. Am vorigen Donnerstag fand hier bie Beerdigung des bisherigen Bürgermeisters, des Fabrikanten Engelbert Schneider statt. Schon in verhältnismäßig jungen Jahren wurde der Verstorbene von seinen Mitbürgern in die Stadtverwaltung gewählt, der er vom Jahre 1883 an ununter⸗ brochen angehörte. Seit dem Jahre 1889 bekleidete er das Amt des Beigeordneten und vom Jahre 1902 ab das des Bürgermeisters. Seine unbeugsame Schaffenskraft und Pflichttreue verschafften ihm dauernd das Vertrauen der vorgesetzten Behörden und Mit⸗ bürger, die dieses Vertrauen noch besonders vor fünf Jahren durch seine einstimmige Wiederwahl zum Bürgermeister be zeugten. Seit einigen Jahren war Bürgermeister Schneider uch Direktor der Bezirkssparkasse Herbstein und bis kurz or seinem Tode Mitglied des Kreis-, zeitweilig auch Provinzialtages. Drei Monate nach Kriegsausbruch mußte er seiner angegriffenen Gesundheit wegen Urlaub nehmen. Ueber eein Jahr lang rang er mit einem inneren Leiden, bis er, noch schwer getroffen durch den Verlust eines im Felde gefallenen Sohnes, der Krankheit erlag. Treffend kennzeichnete Pfarrer Winter den Verstarbenen in der Gedächtnisrede mit den Bibel⸗ vorten:Seinem Nächsten lebte er zum Guten und zur Erbauung.

N Kreis Friedberg. v. Bad⸗ Nauheim, 29. Dez. Bis zum 23. Dezember 1915 waren hier 23 227 Kurgäste angekommen. Bäder wurden bis dahin 317 653 abgegeben. a

12 Kreis Wetzlar. * ra. Krofdorf, 29. Dez. Ein militärpflichtiger Bursche, der

zur Abschiedsfeier mit Kameraden zusammengekommen, stürzte unglücklich eine Treppe hinunter, daß er insolge einer Gehirn chütterung gestorben ist. ra. Kinzenbach, 29. Dez. Am Montag fand inchiesiger Feldmark ein größeres Treibjagen statt, das mit einem Unfall endete. Von einem Geschwisterpaar, das auf dem Wege nach Heuchelheim war, wurde die ältere Schwester durch einen Fehlschuß an der linken Kopfseite getroffen. Trotz sofortiger ärzt⸗ licher Hilfeleistung konnten die beiden Schrotkörner bis jetzt noch nicht aus der Schläse entfernt werden.

f Hessen⸗Nassau.

Marburg, 29. Dez. Für das Jahr 1916 sind die te in Marburg wie folgt festgesetzt: 2. Februar, 27. März,

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1. Mai, 3. Juli, 27. September, 20. November und 29. Vezem⸗

ber Krammärkte. 17. Februar, 13. April, 15. Junt, 13. Juli, 10. August, 5. Oktober und 23. November Schweinemärkte. 9. März, 18. Mai und 7. September Vieh⸗ und Schweinemärkte. 16. März und 12. September Pferdemärkte.

Wm. Kirchhain, 29. Dez. Vorgestern abend fand hier im Bahnhofshotel die feierliche Nagelung 255 Kriegswahrzei⸗ chens der Stadt Kirchhain, eines dem Eisernen Kreuz nachge⸗ bildeten, fast einen Meter im Quadrat großen Kreuzes statt. Nach einigen einleitenden Musikstücken hielt Bürgermeister Grün die Ansprache und sprach herzliche Grüße unseres im Felde stehenden Landrats v. Gilsa aus. Die von Schülern und Schülerinnen zum Vortrag gebrachten Deklamationen fanden reichen Beifall, desgleichen die von den beiden hiesigen Gesangvereinen gemeinsam vorgetragenen Lieder. Den Weihespruch sprach Frl. L. Henze. Bürgermeister Grün schlug im Namen der Stadt den ersten Nagel 15 das e dem bald von den zahlreichen Anwesenden fast alle folgten.

ch. Bon der Lahn, 29. Dez. Die Lahn brachte in der letzten Zeit regelrechtes Hochwasser. In Diez stieg sie auf 4.40 Meter. Der Fluß hat große Strecken unter Wasser gesegt. Die Keller der tieser gelegenen Orte mußten geräumt werden.

ch. Braubach, 29. Dez. In den Waldungen naserer Gegend treibk eine ganze Anzahl Wildschweine ihr Wesen. Es wird Zeit, diese abzuschießen, da die Tiere sonst im kommenden Frühjahre großen Schaden anrichten.

Vermischtes. Ein Urlauberzug entgleist.

Posen, 28. Dez.(W. T. B. Amtlich.) Heute morgen um 3 Uhr 40 Minuten ist ein von Berlin kommender Militärurlauberzug auf der Durchfahrt auf dem Bahnhof Bentschen entgleist. Von den Urlaubern und dem Begleitpersonal sind achtzehn getötet und 47 ver⸗ wundet worden. Der Sachschaden ist bedeutend.

Berlin, 29. Dez. Zu dem Eisenbahnunglück ig Bentschen wird noch mitgeteilt: Hilfe war sofort zur Stelle. Die Landsturmkompagnie Bentschen eilte im Laufschritt nach der Unfallstelle. Die Aerzte der Umgegend wurden alarmiert. Die Bevölkerung strömte herbei und leistete hilfreiche Hand. Der Korpsarzt traf mit einem Lazarett⸗ zug aus Posen ein. Den Verwundeten wurden alle mög lichen Erleichterungen zuteil. Sie wurden nach dem Bentschener Krankenhaus gebracht und in einer schnell hergerichteten Unter kunftsstelle untergebracht.

Orkan über England.

London, 28. Dez.(W. T. B. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Ein gewaltiger Sturm, wie er seit Jahren nicht vorgekommen ist, hat England heimgesucht und großen Schaden angerichtet. Die telegraphischen und telephonischen Ver bindungen sind unterbrochen. Im ganzen Lande wurden von vielen Hunderten von Häusern die Dächer weggefegt. Berichte zahlreicher Schiffbrüche sind eingelaufen. Die Küste ist mit Wrackholz übersät.

Archaugelsk eingefraren.

Kopenhagen, 28. Dez.(WT. Nichtamtlich.)National Tidende berichtet aus Kristiania: Ueber hundert Schiffe, zu⸗ meist amerikanische, englische und französische, sowie einige nor⸗ wegische sind im Weißen Meere vom Eise überrascht worden, so daß sie gezwungen sind, dort zu überwintern. Das letzte Schiff, das rechtzeitig Archangelsk verlassen hat und damit der Eisumklammerung im Weißen Meere entgangen ist, war der norwegische DampferModig, der jetzt in Tromsoe eingetroffen ist. Das Schiff hatte einen furchtbaren Orkan zu überstehen. Die Vesatzung hatte schrecklich unter der strengen Kälte gelitten.

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* Italienische Rekrutierungs⸗Psychologie. Es hat im Kreise der Alliierten nicht an Stimmen gefehlt, die ihre große Enttäuschung über die bisher so erfolglosen Rekru⸗ tierungsversuche in England recht eindringlich zum Ausdruck gebracht haben. Die in Turin erscheinendeStampa sucht nun für dies nicht mehr gut wegzuleugnende Phänomen einige psycho⸗ logische Erklärungsgründe beizubringen, die freilich der Opfer⸗ willigkeit des englischen Patrioten auch kein sehr rühmliches Zeugnis ausstellen:Die Langsamkeit der Rekrutierung in Eng⸗ land ist etwa kein böser Wille, sondern hängt mit einer besonderen Eigenschaft der Engländer zusammen. Ein Engländer tut niemals eine Sache, bevor er sich davon überzeugt hat, daß sie gemacht werden muß und daß der günstige Zeitpunkt, der letzte geeignete Augenblick, gekommen ist.. Die englischen Rekruten sind größten⸗ teils verheiratet oder verlobt, so heißt es weiter,was wieder

ist

5 eine Seite der englischen e enthüllt. In England steckt in der Frau ein kampfbereiterer Geist als im Mann. Die meisten. großen Bewegungen in England gingen von Frauen aus. Heut haben die Frauen ihren Kampfessinn in den Dienst des Vaterlandes gestellt; sie haben ihre Männer und Verlobten zum Rekru⸗ tierungsbureau geschleppt; manche Verlobung wurde durch den Rekrutierungs⸗Vertrag geschlossen. Der Ruf Lord Derby's an die FrauenIhr könnt nicht die Braut eines schlechten Bürgers, eines Faulen, eines Feiglings sein, machte Eindruck. Die Frauen sehen die noch nicht Khaki⸗Gekleideten mit Verachtung an..

Mürkte.

te. Frankfurt a. M., 29. Dez. Schweinemarkt. Auf⸗ getrieben waren 431 Schweine. Es kosteten: Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 Kiiogramm Lebendgewicht 108,00 00, Mk., Schlachtgew. 138,00 Mk.; Vollfleischige Schweine unter 80 Kg. Lebendgewicht 00,00 000 Mk., Schlachtgew. 00,00 Mk.; Voll⸗ fleischige Schweine von 100 bis 120 Kg. Lebendgewicht 118,00 bis 118,00 Mk., Schlachtgew. 148,00 Mk.; Vollfleischige Schweine von 120 bis 150 Kg. Lebendgewicht 129,00- 129,50 Mk., Schlachtgewicht 161,00 Mk., unreine Sauen und gesehnittene Eber Lebeudgewicht 103.00 Mk, Schlachtgewicht 129.00 Mk. Geschäft flott; wird fast geräumt.

fe. Fraukfurt a. M., 29. Dez. Frucht⸗ und Futter mittelmarkt. Wie nicht anders zu erwarten, war der heutige Fruchtmarkt nur schwach besucht. Abschlüsse nur vereinzelt, Ge⸗ treide ohne Handel. Futtermittel, soweit im freien Verkehr, knapp und sest im Preis. Man notierte: Malzkeime 5860 Mk., Frucht⸗ treber 53 Mk., Leinkuchen 76 78 Mk., Kokoskuchen 6870 Mark. Alles für 100 Kilo.

fe, Frankfurt a. M., 29. Dez. Kartoffeln per 100 Kilogramm 6,10 Mk.

fe. Frankfurt a. M., 28. Dez. Heu⸗ und Strohmarkt. Auf dem heutigen Heu- und Strohmarkt war nichts augefahren.

Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.

Kartoffelmarkt.

EEC De. ES 5 5 3 2 5= 3 1015 E 8 8 8 8 S 1 e 2 5 8 228 28. 25 9,4 6,1 69 5 Sonnenschein 28.9 4,5 5,6 88 10 Bed. Himmel 29. 7 23% 0 10 1 5

Höchste Temperatur am 27. bis 28. Dez, 1915= 10,1 C. Niedrigste 27. 28, 1915% C. Niederschlag: 0,0 mm.

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Amtlicher Wetterbericht. 8 Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 30. Dez. 1915: Meist trüb, leichte Niederschläge, etwas wärmer,

Letzte Nachrichten. 5 Die englische Munitionsfrage. Rotterdam, 29. Dez. Das englische BlattNation bezeichnet Lloyd Georges Mitteilungen im englischen Unterhaust über die englischen Geschütze als beunruhigend. Die schweren Belagerungsgeschütze, die bei Beginn des Krieges im Heere ge⸗ braucht wurden, gehören jetzt nach den Angaben Lloyd Georges zu denleichtesten Feldgeschützen, Obgleich die Lieferung der mittleren Geschütze und Haubitzen befriedigend sei, seien die Ge⸗ schütze doch erst bestellt worden. Wenn diese Tatsache an und für sich schon entmutigend sei, schreibt das Blatt, was müssen wir dann erst von Lloyd Georges Mitteilungen sagen, daß der Mangel an Maschinengewehren und die Wichtigkeit dieser Tatsache erf durch einen Besuch des Premierministers bekannt wurde, den dieser im Juni an der Front machte. Daß es möglich war, daß die Ent⸗ deckung eines solchen Mangels dem Zufall eines Besuches an der Front zehn Monate nach Kriegsausbruch zu verdanken ist, läßt ernste Bedenken über die Tätigkeit unserer Offiziere oder des obersten Kommandanten aufkommen. 0. Amsterdam, 29. Dez. Aus London wird berichtet, in England herrsche augenblicklich großer Munftionsman⸗ gel, so daß man sogar Truppen, die für die Front bestimmt waren, für die Arbeit in den Munitionsfabriken zurückgelassen hat. Für normale Verhältnisse genügt die bisherige Produktion, aber da die ägyptische Gefahr plötzlich unverhüllt auftaucht, müß⸗ ten alle Munitionsvorräte für Aegypten requiriert werden und die meisten Munitionsfabrilen arbeiten jetzt für Aegypten.

Deutschlandswirtschaftliche Erdrosselung.

Genf, 28. Dez. DasJournal des Débats be⸗ spricht den Mißerfolg der von den Verbündeten gegen Deutsch⸗ land verhängten Seesperre. Deutschland leide nicht an Hungersnot. Die deutsche Artillerie sei hinreichend mit Ge⸗ schossen versehen, mit denen Deutschland außerdem noch die Hälfte Europas versorge. Die Blockade gegen die Zentralmächte sei unvollständig, aber der Hauptgrund ihres Scheiterns sei der Widerstand, den ihr die Neutralen entgegensetzten. Das Blatt erinnert an bie Noten Amerikas, das formellen Einspruch gegen die indirekte Blockade neutraler Häfen und gegen die Beschlag⸗ nahme der nach neutralen Lindern gesandten Waren erhob. Selbst die Ausfuhr Deutschlands leide nur wenig unter der Blockade der Verbündeten. Deshalb fordert das Blatt eine Ver⸗ schärfung der Blockade und der Bestimmungen über Bannware, unter welcher Flagge sie auch segle. Mehr noch als eine mili⸗ tärische und diplomatische Entscheidung müßten die Verbündeten eine wirtschaftliche Entscheidung suchen, die in einer vollständiger Unterbindung der deutschen Ein⸗ und Ausfuhr in einer wirt⸗ schaftlichen Erdrosselung Deutschlands bestehen müsse.

Millionendefizit der römischen Jubiläumsausstellung.

Lugano, 29. Dez. Die italienische Regierung legte gestern dem Parlament einen Gesetzentwurf zur Bewilli⸗ gung von 17 Millionen Lire zur Deckung des De⸗ fizits der unglücklichen Jubiläums ausstellung von 1911 vor. Solange schreibt derAvanti hat die Regierung gezögert, ehe sie sich mit der skandalösen Angelegenheit an die Kammer zu wenden wagte. Aber jetzt hofft sie, werde im tragischen Wirrwarr des Krieges und im Tanze der Millionen auch dieser Posten in Bausch und Bogen bewilligt werden, ohne daß die Kammer der uner hör⸗ ten Mißwirtschaft und der gewissenlosen Ver⸗ schwendung seitens der herrschenden Romklique auf den Grund gehe. Aber die Sozialisten werden nicht dulden, daß diese Schlamperei vertuscht wird. Insbesondere ist es die Schuld des Ausstellungspräsidenten Senators San Mar⸗ tino gewesen, wenn dank seiner sträflichen Schwäche die Nationalausstellung zum Tummelplatz beutegieriger Para⸗ siten würde.(Berl. Tagebl.) 5

Amtlicher Teil.

Bekanntmachung. Betr.: Feierabendstunde. 5. Für die ee wird für die Wirtschaften in den Landgemeinden die Feierabendstunde auf 1 Uhr festgesetzt. Gießen, den 28. Dezember 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. V.: Langermann.

Bekanntmachung.

Betr.: Ausführung des Reichsgesetzes vom 28. Mai 1894 über den s d Brieftauben und Brieftaubenverkehr im

Kriege.

Gemäß 8 3 Abs. 2 und unter Bezugnahme auf die nachstehend abgedruckten weiteren Bestimmungen des genannten Reichsgesetzes bringen wir hiermit die Namen der Mitglieder des Brieftauben⸗ Klubs Gießen, welcher dem Verbande deutscher Brieftaubenlieb⸗ haber⸗Vereine angehört und seine Tauben der Militärverwaltung zur Verfügung gestellt hat, zur öffentlichen Kenntnis..

1. Altensen, Johannes, Bruchstraße 12 Debus, in Garbenteich. g Balser, August, Braugasse 6. Hainer, Willy, Kaiserallee 40. Hambach, Georg, Walltorstraße 44. Henkel, Heinrich, Walltorstr 27. Schmidt, Hugo, Bleichstraße 9. Ulrich, Ernst, Walltorstr. 44. Wallbott, Heinrich, in Garbenteich. Bohling, Karl, Kaplausgasse 14. Reuling, Karl, Steinstraße 72. Reusch, Karl, Wiesecker Weg 3. Rosenbaum, Fritz, Löwengasse 20.

14. Trautmann, Karl, Wieseck, Ludwigstraße 20.

Gießen, den 22. Dezember 1915. n

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hemmerde. Auszug aus dem Gesetz. 8 betr. den Schutz der Brieftauben und den Brieftaubotberkeht vom 28. Mai 1894.

8 1. Die Vorschriften der Landesgesetze, nach welchen das Recht, Brieftauben zu halten, beschränkt ist, und nach welchen im Freien betroffene Tauben der freien Zueignung oder der Tötung unterliegen, finden auf Militärbrieftauben keine Anwendung.

Dasselbe gilt von landesgesetzlichen Vorschriften, nach welchen Tauben, die in ein fremdes Taubenhaus übergehen, dem Eigen⸗ tümer des letzteren gehören. 5 0

§ 2. Insoweit auf Grund landesgesetzlicher Bestimmungen Sperrzeiten für den Taubenflug bestehen, finden dieselben auf die Reiseflüge der Militärbrieftauben keine Anwendung. Die Sperrzeiten dürfen für Militärbrieftauben nur einen zusammen⸗ hängenden Zeitraum von höchstens je 10 Tagen im Frühjahr und Herbst umfassen. Sind längere als zehntägige Sperrzeiten ein⸗ geführt, so für Militärbrieftauben immer nur die ersten zehn Tage.

§ 3. Als Militärbrieftauben im Sinne dieses Gesetzes gelten Brieftauben, welche der Militär⸗Marine⸗Verwaltung gehören und von derselben gemäß den von ihr erlassenen Vorschriften zur Ver⸗ fügung gestellt und welche mit dem vorgeschriebenen Stempel ver⸗

ehen sind. 8 2

5 Privatpersonen gehörige Militärbrieftauben genießen den Schutz dieses Gesetzes erst dann, wenn in ortsüblicher Weise belannt⸗ gemacht worden ist, daß der Züchter seine Tauben der Militär⸗

verwaltung zur Verfügung gestellt hat.

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