Ausgabe 
(28.12.1915) 305. Erstes Blatt
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Der Sleßener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Gießener amilienblätter; zweimal wöchentl. Kreis⸗ blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Seitfragen Fernsprech- Anschlasse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelledl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher.

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berhessen

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Dienstag, 28. Dezember 1015

Bezugsprei monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf. Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; sür Stadt und Land, Vermischtes und Ge richtssaal: Fr. R. Zenz; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

die Bedrohung Englands in Aegypten und Indien.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 27. Dezember.

(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Ein von den Franzosen nordöstlich von Neuville vor unserer Stellung gesprengter Trichter ist von uns besetzt. Eine feindliche Sprengung auf der Combres⸗Höhe vichtete nur geringe Beschädigungen an.

Sonst keine Ereignisse von Bedeutung.

Oestlicher und Balkankriegsschauplatz. Nichts Neues. 25 e Oberste Heeresleitung.

5 Vf. . Die englische Niederlage in Aegypten, die von der türki⸗ schen Heeresleitung amtlich bekanntgegeben worden ist, ist als ein außerordentlich bedeutsamer Erfolg der Araber zu werten, die unter dem Befehl des Obersenussen stehen. Der türkische Bericht in seiner Kürze und Nüchternheit überläßt es dem Urteil von Freund und Feind, die Wichtigkeit des Sieges der Wüstenkrieger abzuschätzen. Die Engländer sind denn auch mit einer solchenWürdigung ihrer Schlappe bereits bei der Hand gewesen. Man weiß, daß es die Praxis der Entente ist, stets, wenn sie ein vernichtender Schlag ge troffen hat, den Schaden als kaum nennenswert, jedenfalls aber als leicht reparabel darzustellen. So liest man in den englischen Berichten über die letzten Ereignisse in West⸗ ägypten wohl davon, daß Verstärkungen unterwegs sind, und daß Solum vor arabischen Aufständischen einstweilen von der Garnison geräumt worden sei. Vergebens sucht man aber nach dem Eingeständnis der mörderischen Kämpfe bei Ma⸗ truh, wo der englische Kommandant zusammen mit 300 wei⸗ teren Toten das Schlachtfeld deckte; verschwiegen wird weiter, daß den muselmanischen Kriegern eine ganz beträchtliche Beute in die Hände fiel, und daß die Gegend von Sina, südlich von Solum, aufgegeben werden mußte. Allein das genügt nicht, um die volle Bedeutung der englischen Schlappe in ihrem ganzen Umfang zu verstehen. Es handelt sich nicht schlechthin darum, daß auch von Westen her mit starker Faust an die Tore Aegyptens geschlagen worden ist, es geht mehr als um einenRaubzug, wie die Engländer glauben machen möchten es geht um den Besitz von Aegypten. Der Ver⸗ lust Solums ist ein großer Schritt auf dem Wege zu diesem Ziele; er hat nicht nur eine strategische, sondern mehr noch eine politische Bedeutung.

Als sich Italien mit der Türkei in Tripolis schlug, legte der britische Löwe die gierige Tatze auf den Golf von Solum. Der Golf sollte mit Alexandrien durch eine Bahnlinie ver⸗ bunden werden, von der bereits ein Stück von mehr als 200 Kilometer fertiggestellt war. Matruh, wo den englischen Obersten Gordon mit den Seinen die Niederlage traf, liegt ungefähr in der Mitte der Bahnstrecke; bis zu ihm führte die neue Bahn bereits. Weiter werden die Engländer ihre Verstärkungen also schwerlich werfen können. Es ist demnach anzunehmen, daß Solum im Besitze der Araber bleiben wird. Damit stürzt aber wie ein Kartenhaus einer der wich⸗ tigsten, aber auch geheimsten Pläne Albions einstweilen zusammen, nämlich die Schaffung eines großen nordafrika⸗ nischen Kulturgebietes, das als wogendes Kornfeld an die Stelle der Wüste zu treten berufen sein sollte. Die genannte Bahn sollte das Nildelta mit Tripolis verbinden. Sie bildet den westlichen Fortsatz der Kap⸗Kairobahn und sollte nach dem Traume der Ententepolitiker einst als Nord⸗ afrikanische Küstenbahn durch Tunis, Algerien und Marokko bis zu den Säulen des Herkules führen. Aber keine Landkarte zeigt eine Spur davon, kein englischer Prospekt, keine der sonst so beliebten Bilanzveröffentlichungen verriet bisher den gewaltigen Plan. Die Engländer haben hier in aller Stille gearbeitet. Wurde man neugierig, so erklärten sie mit geheuchelter Verdrießlichleit, daß da doch allesWüste und nichts zu machen sei. Diesen Plänen, soweit sie von England ausgeführt werden sollten, ist einstweilen ein Rie⸗ gel vorgeschoben, und hier dürfte die Bedeutung der Schlacht von Matruh liegen.

Das Vorgehen des neuen Vierbundes auf dem Balkan,

das Bevorstehen des Angriffs auf den Suezkanal auch von Osten her und nebenbei die wankenden Fundamente Indiens leiten für England eine Götterdämmerung im Orient ein, über die keine Täuschung mehr hinweghilft. Man dürfte sich in London nachgerade klar darüber sein, daß der große Kampf der Zentralmächte und ihrer Verbündeten in der Hauptsache England gilt. Darum die fast vollständige Auf⸗ gabe des Dardanellenunternehmens und die Bemühung, bei Saloniki den Franzosen den Vortritt zu lassen, um die eng⸗ lischen Truppen in der Hauptsache für den Schutz Aegyptens zur Verfügung zu haben. Nur zu gut weiß man, was von dem Besitze des Suezkanals für England abhängt, daß Aegypten und der Suezkanal für England und seine Ver bündeten bedeutend wichtiger sind als die Balkan⸗ staaten oder die Dardanellen. Ist man nicht im⸗ stande, ihn zu halten, dann würde man Unruhen in Indien, Bestürzung in ganz Australien und unmittelbar darauf den Zusammenbruch des englischen Ansehens im fer⸗ nen Osten erleben. Es ist echt englische Art, wenn die Expedi⸗ tion der Senussi als nur von geringer Bedeutung hingestellt wird mit der Behauptung, daß es sich nur um Plünderungs⸗ zwecke handele. Gewiß geht es auf Raub aus aber, wie schon gesagt, den Engländern den Besitz Aegypten zu entreißen!

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Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 27. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautet: 27. Dezember 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert.

Italienischer Messschaup lat.

Die Tätigkeit der italienischen Artillerie gegen die Tiroler Südfront war gestern wieder lebhafter. Bei einem Gefechte, das auf den östlichen Begleithöhen des Etsch⸗ Tales südlich Rovereto stattfand, verlor der Gegner 200 Mann an Toten und Verwundeten. An der Isonzo⸗ Front vereinzeltes Geschützfeuer. 5

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Keine besonderen Ereignisse. In Bjelopolje wurden bisher an Beute 5400 Handfeuerwaffen eingebracht.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

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Erfolgreiche Angriffe der Senussi gegen Aegypten.

Konstantinopel, 27. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Die Krieger des Scheiks der Senussi setzen in mehreren Kolonnen ihre Angriffe gegen die Engländer in Aegypten mit Erfolg fort. Die Gegend von Siva ist vollständig von den Engländern gesäubert. Die Kolonne, die an der Küste vorrückt, griff die Ortschaft Matruh(240 Kilometer östlich von Solum) an. Im Kampfe wurden-der Kommandant von Matruh und 300

englische Soldaten getötet, der Rest der Feinde.

floh gegen Osten. Die muselmanischen Krieger erbeu⸗ teten bei Solum und Matruh von den Engländern zwei Feldkanonen und eine Menge Artilleriemunition, sowie zehn Automobile, wovon drei gepanzert sind, und eine Menge Kriegsmaterial. Die Lage in Aegypten.

Lugano,, 28. Dez. In einem in derStampa ver⸗ öffentlichten Brief aus Kairo wird bestätigt, daß die Lage an der ägyptischen Westgrenze bedrohlich sei, da der Groß ⸗Senusse sich offenbar jetzt gegen Aegypten kehre. Allein bei Solum seien 8000 mohammedanische Krieger konzentriert. Wie es an anderen Punkten der äghptischen Grenze stünde, sei nicht bekannt.

Ueber den Aufstand der Araber an der ägyptischen Grenze erfährt dasJournal, daß die Engländer So⸗ lum, an der Bucht des gleichen Namens, 500 Kilometer westlich von Kairo gelegen, vor einigen Tagen nach einem sehr ernsten Treffen räumen mußten. Außer der Küsten⸗ bewachung stand in Solum eine kleine Jufanteriegarnison unter dem Befehl eines englischen Offiziers. 2 Kilometer von Solum befindet sich ein großes Araberlager, von wo der Angriff gegen die englische Garnison ausging. Bereits am 15. Dezember fanden Kämpfe bei Matruh, 220 Kilometer östlich der Grenze, statt. Arabische Streitkräfte, die von Gaafra Pascha befehligt wurden, 1200 Gewehre stark, griffen mit Kanonen und Maschinengewehren die englischen Trup⸗ pen, die unter dem Befehl des Generals Gordon standen, heftig an. Obwohl der Angriff abgewiesen wurde, mußten die Engländer sich nachts in ihr Lager zurückziehen.

Kitchener Vizekönig von Indien?

Berlin, 28. Dez.(WTB Nichtamtlich.) Wie lautVoss. Ztg. derSecolo aus London meldet, sei Lord Kitche⸗ ner zum Vizekönig von Indien ausersehen. Die Voss. Ztg. schreibt dazu: Geht Kitchener wirklich nach Indien, dann wäre diese Tatsache an sich für uns nur hocherfreulich, denn sie zeigt nicht nur, wie sehr die eng⸗ lische Herrschaft dort schon zu wanken begonnen hat, sondern auch die offenbare Angst der Engländer vor einem Angriff von außen her auf ihr indisches Reich.

Kämpfe in Mesopotamien.

Delhi, 27. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. General Townshend, der die briti⸗ schen Truppen in Mesopotamien befehligt, berichtet, daß das heftige feindliche Gewehrfeuer gestern durch Artilleriefeuer unterstützt wurde, aber der Feind keinen Versuch unternahm, die britischen Linien anzugreifen. 5 ö*

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Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 27. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) An der Dardanellenfront zwang in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember unsere Artillerie ein Torpedoboot, das die Landesstelle bei Ari Burun beschoß, sich zu ent⸗ fernen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr warf der Feind eine ziemlich große Menge von Bomben und Lufttorpedos. Unsere Ar- tillerie zerstörte feindliche Minenwerfer und verursachte bedeutenden Schaden in der ersten und zweiten Linie der feindlichen Schützengräben. Unsere Artillerie traf vier- mal einen feindlichen Kreuzer, der verschiedene Male Altschi Tepe und Umgebung beschoß. Unsere Meer- engenbatterien beschossen wirksam die Landesstellen von Sedd⸗ül⸗Bahr und die Versammlungsplätze der Truppen bei Morto Liman, sowie die feindlichen Schützengräben in der Umgebung von Kere Visodere, die Reservetruppen westlich von Eski und Hissarlik und eine Haubitzenbatterie. Sie nichteten merkbaren Schaden an und versenkten zwei ge

panzerte Boote bei Morto Liman. Am 25. Dezember führte eines unserer Wasserflugzeuge erfolgreiche Erkundungs⸗ flüge über Tenedos, die Iusel Navro und die feindlichen Stellungen bei Sedd⸗ül⸗Bahr aus und traf ein Tor⸗ pedoboot südlich von Sedd-ül⸗Bahr mit einer Bombe. Sonst nichts von Bedeutung.

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Der Eutscheidungskampf auf dem Balkan.

Budapest, 28. Dez.Az Est berichtet aus Saloniki: Von kompetenter Seite erfahre ich, daß die Entente⸗ truppen mit den Deutschen, Oesterreichern und Ungarn

auf den Höhen von Kilkisch einen Entscheidungskam pf

schlagen wollen. Auf der Grenze herrscht Ruhe. Die Eng⸗ länder arbeiten fieberhaft an der Verstärkung der Befest i⸗

gungen von Saloniki und Umgebung. Sie konzentrie⸗

ren bedeutende Truppenmassen auf den Höhen von Kilkisch, Langada und Hotjadan. Kilkisch wird auch eine Basis für Luftschiffaktionen werden und es werden hier mehrere Luft⸗ schiffe der Alliierten stationiert werden. Mit dem Bau der Luftschiffhallen ist bereits begonnen worden. Ausfuhrverbot nach Saloniki.

Budapest, 28. Dez. Der Athener Spezialkorrespondenc desPetit Journal meldet, die griechische Regierung habe die Ausfuhr von Lebensmitteln nach Saloniki unt er⸗ sagt. Die französische Presse ist darob sehr verstimmt und er⸗ klärt, das Aussuhrverbot sei eine bedauernswerte Maßnahme,

die die Zivilbevölkerung und die Soldaten belästige und beweise,

daß die Unannehmlichkeiten, denen die Soldaten andauernd von

der griechischen Verwaltung ausgesetzt seien, noch nicht beende

sind. 175 e

Bulgarien hält mit durch.

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Sofia, 27. Dez.(WTB. Nichtamtlich.)Woeni Izwestia

schreibt: Dieser heilige Krieg wird nicht eher beendet sein, als bis unsere nationale Einigung gegen jede mögliche Gefahr gesichert sein wird. Erst dann können wir uns der kulturellen Entwicklung mit der jungfräulichen Kraft unseres so nüchternen Volkes widmen. Der Krieg endet erst, wenn wir die Freunde Serbiens überzeugt haben, daß ihre Sache endgültig ver⸗ loren und daß Serbien, das den Krieg angezettelt hat, wirk⸗ lich tot ist. Wird die Entente dies bald erkennen? Nein! Die⸗ jenigen, die glauben, das Aufgeben der Dardanellenaktion sei ein Schritt zum Friedensschlusse, irren. Die Entente wird vielmehr bei Kawalla und Salonik versuchen, die Scharte von den Darda⸗ nellen auszuwetzen. Der Kampf wird hart und lang sein. Wir und unsere mächtigen Verbündeten werden sre⸗ gen; doch wird dies weder schnell noch leicht bewerkstelligt werden. Jeder von uns muß sich klar sein, daß der Krieg für uns erst dann endet, wenn er für unsere Verbündeten endet. Bis dahin müssen wir Geduld in dem Bewußtsein haben, daß wir in der größten Zeit leben, seitdem Bulgarien besteht.

. Eröffnung der Sobranje. 5

Sofia, 27. Dez.(WTB. Nichtamtlich!) Meldung de

Bulgarischen Telegraphen⸗Agentur. In besonders feier⸗ licher Weise ist heute die Sobranje vom König er⸗ öffnet worden. Die Prinzen Boris und Kyrill wohnten der Feier bei. Ein überaus zahlreiches Publikum füllte die Galerien und Gänge. Die vom König verlesene Thron⸗ rede wurde mit langanhaltendem Beifall auf⸗

genommen.

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Die Beschießung des Görzer Spitals.

In der vierten Isonzoschlacht scheuten sich die Italiener

nicht, neben der zwecklosen Zerstörung der Stadt Görz auch das dortige Spital unter Artilleriefeuer zu nehmen, obwohl es, wie der österreichische Heeresbericht wiederholt feststellte, auch den Italienern als Einrichtung des Roten Kreuzes unbedingt kenntlich war. Cadorna hat versucht, die Vorwürfe der Italiener als ungerechtfertigt hin⸗ zustellen, indem er die Beschädigungen des Spitals als un⸗

vermeidliche und unbeabsichtigte Zufallserscheinungen be⸗

zeichnete. Die österreichische Heeresleitung stellt diesem Doppelspiel heute die Sprache der Tatsachen gegenüber, die jeder Kommentar nur in ihrer Eindringlichkeit beeinträch⸗ tigen kann: 5

Wien, 26. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs⸗

pressequartier wird gemeldet:

Bübische Zerstörung des Görzer Spitals und au⸗ thentische Feststellungen über die barbari italienische Kriegführung.

Ueber das italienische Heldenstück der Beschießung des Roten Kreuz⸗Spitales in Görz wird amtlich folgendes festgestellt: Protokoll, aufgenommen auf Befehl des k. u. k. Korps⸗Sanitäts⸗ chefs, über die Beschießung des Vereins⸗Reserve⸗Spitals in Görz durch schweres Artilleriefeuer am gestrigen Tage: Von bis 11½ Uhr vormittags schlugen schwere Granaten, abwech⸗ selnd mit Schrappnells, hinter dem Spitale gegen die Via Rovese zu ein. Kurz vor 11 Uhr 30 Minuten krepierte eine Granate etwa siebzig Schritte hinter dem Spitale. Punkt 11 Uhr 30 Minu⸗ ten vormittags schlug eine Granate schweren Kalibers(15 Zenti⸗ meter wie die später aufgefundene Geschoßspitze erwies) als Vol l⸗ treffer durch das Dach in den Operationssaal und platzte hier. Die Splitter gingen durch den Fußboden in das Offizierskranken⸗ zimmer im zweiten Stock, töteten im Operationszimmer einen dort beschäftigten Zugsführer und einen Infanteristen sofort und verwundeten einen Infanteristen schwer und einen anderen leicht. Bis 12 Uhr mittags schlugen mehrere Granaten rings un das Spital in Entfernungen von 10 bis 100 Schritten ein. Um 12 Uhr erfolgte ein Volltreffer in den Turm der das Wasser⸗ reservoir durchschlug, so daß ein knöcheltiefer Bach vom dritten Stocke ins Souterrain floß. Um 12 Uhr 15 Minuten erfolgte ein Treffer neben dem Turm ins dritte Stockwerk und durch ein bereits geleertes Krantenzimmer ins zweite Stockwerk. Um

½1 Uhr war bereits die Abtraaung der Verwundeter und Kralle

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