Ausgabe 
(13.12.1915) 293. Erstes Blatt
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setner Mieter abhängt. Anfänglich stellte es sich in häufi⸗ e Fällen heraus, daß ilien mit 12 Monaten der

iete im Rückstande waren. Auch hier hat die Krieger⸗ fürsorge der Stadt eingegriffen. Man hat mit den Betei⸗ ligten verhandelt und ein Einverständnis erzielt, daß diese Mietsschuldreste in kleineren Monatsraten getilgt worden 1 85 so daß diese Familien in der Mehrheit jetzt schon glatt astehen, wofür manche der betreffenden Frauen N Krieger der Stadt dankbar sind. Man schätzt, wenn der Krieg wirklich noch bis Winter übers Jahr nicht beendet 500 sollte, den Betrag, den unsere Stadt im Interesse der Familien der Kriegsteilnehmer, aber auch im Interesse der Hausbesitzer in Gießen, die ihre Hypothekenzinsen auch

bezahlen müssen, in Form von Mietsbeihilfen opfern wird,

auf höchstens 300 000 Mark. Hoffentlich aber kehrt der Friede früher bei uns ein.

** Der silberne Sonntag hat für unsere Ge⸗ schäftswelt leider nicht gehalten, was man von ihm erwartet hatte, er ist, wie man uns sagt, im allgemeinen nicht einmal kupfern, sondern höchstens bleiern ausgefallen. Das schlechte, für den Verkehr denkbar ungünstige Wetter hat zweifellos den größeren Teil der Kund chaft vom Lande, ganz besonders aber aus den kleineren Städten der Provinz, abgehalten, nach Gießen zu kommen und so hat der Tag 1 echt abgeschnitten. Wieder waren es die Schuhgeschäfte,

ie sich gestern eines recht starken gels if zu erfreuen e die Umsätze dieses Artikels ist das jetzt vor⸗ herrsche nasse Wetter eben günstig. Ein ebenfalls kark begehrter Artikel wird heuer allerdings nicht auf den Weihnachtstisch kommen, nämlich der Nikolausmann aus Pfefferkuchen. Abgesehen davon, daß es an Arbeits⸗ kräften fehlt, um die viel begehrten Herzerchen und Nikels⸗ männer mit der schönen Spritzarbeit zu machen, fehlt es auch an Mehl, um die vielbegehrten Weihnachtsartilel her⸗ zustellen. Das vorhandene Mehl langt kaum, um den Bedarf an 8 herzustellen. Ueberhaupt wird es heuer mit den Süßigkeiten für den gemeinen Mann sauer aus⸗ sehen, denn erstens knappt es an allen dazu nötigen Zutaten und zweitens sind solche sehr im Preise gestiegen. In den meisten Familien wird man der Makronen und der Plätz⸗ chen zu Weihnachten wohl entsagen müssen. Es ist eben Krieg und da muß sich der Arme und eigentlich erst recht der Reiche, wenn es sich um Schleckereien handelt, einschränken. Ja das Einschränken ist eine schöne Sache, aber dies sollte am richtigen Ort geschehen. Unsere Geschäftsleute klagen besonders, daß auffälligerweise unsere besser gestellte Bevölkerung jetzt zu Weihnachten furchtbar spare und sich selbst mit dem Einkauf nützlicher Geschenke sehr einschränke. Diese 5 ist aber falsch angebracht. Wer es machen kann, soll heute bei den wirtschaftlich schweren Zeiten sein Geld mit vollen Hän⸗ den ausgeben und dabei bedenken, daß es lobenswert und sogar patriotisch ist, den Kaufleuten und Gewerbetreibenden, die stark zu den Lasten von Staat, Provinz, Kreis und Ge⸗ meinde beitragen müssen, einen Verdienst zuzuwenden. Man klagt auch wieder in unserer Stadt, daß vielfach gewisse Leute sich ihren Weihnachtsbedarf von außerhalb aus den Groß⸗ städten schicken lassen, statt die heimische Kaufmannschaft damit zu unterstützen, die jede Unterstützung in der Kriegszeit doppelt 1 0 hat. Noch trennt uns über eine Woche von dem frohen Gabenfeste, es gilt, zum Christfest trotz der schwe⸗ ren Kriegszeit frohe und fröhliche Menschen zu schaffen. Es prüfe daher jeder einzelne, was er in dieser Richtung noch tun kann, um auch der schwer ringenden Geschäftswelt zu einem guten Weihnachtsgeschäft zu verhelfen. Die Lager sind heuer noch stark gefüllt. Die Auswahl in Geschenkartikeln ist in allen unseren Läden außerordentlich reich. Gießen steht darin keiner Großstadt nach und die Gelegenheit zum Einkauf ist 6 2 Weihnachtsfest nur einmal im Jahre so günstig gegeben.

Seeiserne Fünfer sind Münde, keine Kriegsandenken. Bekanntlich ist eine steigende Knapp⸗ heit an kleinen Zahlungsmitteln, insbesondere an Nickel⸗ münzen, hervorgetreten. Die zum Ersatz der Nickelmünzen eingeleiteten Prägungen von eisernen Fünfpfennigstücken werden zwar von der Reichsleitung nach allen Kräften gefördert; es besteht jedoch anscheinend in weiten Kreisen die Neigung, die eisernen Fünfpfennigstücke als sogenannte Kriegsandenken zurückzubehalten. Hierdurch wird aber er⸗ reicht, daß die eisernen Fünfpfennigstücke ihrem eigent⸗ lichen Zweck, dem mit schwerer Schädigung der Volkswirt⸗ schaft verknüpften Mangel an Zahlungsmitteln ab helfen, entzogen werden. Es darf hiernach von der Einf des Publikums erwartet werden, daß W ungen von Fünfpfennigstücken als Kriegsanden auf eine spä⸗ tere Zeit verschoben werden, in der ein Mangel an kleine⸗ ren Zahlungsmitteln nicht mehr besteht.

Vonder Feuerwehr. Am Samstag abend wurde die erwache nach der Licher Straße gerufen, wo bei der 4. Schneise eine. durch den rm gefällte Tanne quer über die Straße lag und diese vollständig sperrte. Ein leeres Bierfuhrwerk, beiten Kutscher versucht hatte, über den Baum wegzusahren, hing mit dem einen Rad fest. Kurz entschlossen 606 die Feuerwehr den Baum durch, beseitigte die Stücke und zog den Bierwagen mit der Motorspritze auf die Mitte der Straße. Binnen 10 Minuten war die gert Störung beseitigt und der mit den Pferden noch in

Nähe weilende Kutscher konnte einspannen und den unterbrochenen Heimweg antreten. Wie praktisch die Ein⸗ richtung einer ständigen mit allerlei Hilfsmitteln aus⸗ E Wache ist, zeigt sich et so recht, wo es überall an Arbeitskräften mangelt. gilt es ein 1 7 5 5 Pferd zu heben oder gar beiseite zu schaffen, bald verun⸗ 1 Fuhrwerken zu helfen und was dergleichen Hilfe⸗ leistungen mehr sind, immer ist die Feuerwehr schnell zur Stelle und erledigt ihre Aufgabe in kurzer Zeit. Leider wird

die ordnungsgemäße Besetzung der Wache durch die fort⸗ 8 inztehung von Leuten immer mehr in Frage ge.

Kupfer, Messing⸗ und Nickelbestandsan⸗ meldungen sind ber der Bürgermeisterer 1800 Stück eingegan⸗ en. Es befanden sich bei den angemeldeten Gegenständen aus Kupfer mehr wie 1800 Waschkessel. Enthielt doch eine einzige An⸗ meldung aus rund 40 Häusern, die in einer Hand sich befinden, 39 solcher Kessel. Anmeldungen mit 312 Waschkesseln kommen zahlreich vor, so daß, wenn hier und da auf einer Anmeldung auch mal kein kupferner Waschkessel egeben ist, der Ausfall doch reichlich durch die vielfachen Hausbesitzer gedeckt wird.

Die hessische Lazarett⸗ Zeitung Nr. g ist so⸗ eben erschienen. In ihrem Inhalte bringt sie Hebels köstliche Geschichte von den merkwürdigen Schicksalen eines jungen Eng⸗ länders, Einhards Lebensbild Kaiser Karls des Großen, eine Abhandlung über vor- und frühgeschichtliche Ansiedlungen in

Umgebung von Gießen, von Major Kramer, Weihnachten auf dem Lande, von O. Schulte, einen Mahnruf an Kriegs⸗

beschädigte, sowie den Arbeitsmarkt und die Unterhaltungsbeilage.

Der Kopf der Lazarettzeitung wird demnä ünstleris Entwurse 1 9 7 zeitung wird demnächst nach 1

Die Brücke zum Orient, so lantet das hoch al⸗ tuelle Thema, über das Herr Oit. Dr. Paul Rohrbach heute Montag, den 13. Dezember, abends Uhr im Saale des Ge⸗ sellschaftsvereins(Kinbsaal), Sonmenstraße, auf Veraulassung der Fortschrittlichen Volkspartei sprechen wird. Der Vortrag ist rein vaterländiscker Natur, unter Ausschaltung jeder parteipolitischen oder lonfessionellen Tendenz. Der Vortragende wird die ungeheure Bedeutung unseres Vorgehens auf dem Balkan beleuchten. Der Sieg unserer Truppen macht ja nicht nur den Weg zu unseren Ver⸗ bündeten Bulgarien und der Türkei frer, was schon in wirtschaft⸗ licher und militärisch⸗taltischer Beziehung von nicht zu unter⸗ schätzender Bedeutung ist, sondern bedroht durch die Möglichkeit eines weiteren Vorgehens gar in der Richtung auf Persien und Aegypten die Quellen der englischen Macht aufs allerempfind⸗ lichste. In der Grade, wie diese Gefahr für England wächst, in demselben Maße wird die Friedensstimmung Englands, wohl unseres nächst Rußland gefährlichsten und hartnäckigsten Feindes, zunehmen und uns so dem Ende dieses gewaltigen aller Weltkriege näher bringen. Der Vortrag ist demnach wohl geeig⸗ net, weiteren Kreisen einen Einblick in die ungeheuren Entschei⸗ dungen zu gewähren, die durch die jetzige Phase des Weltkrieges vorbereitet werden. Die Person des Vortragenden, der durch seine schriftstellerische Tätigkeit in den weitesten Kreisen als hervorragender Auslands⸗ und Kolonialpolitiker bekannt ist, gibt eine Gewähr für eine vornehme und kenntnisreiche Behandlung des Stoffes. Die Eintrittspreise sind angesichts der nam⸗ haften Kosten der Veranstaltung mit 1.50 Mk. für reservierte und numerierte Plätze erster Reihen, 1. Mk. für reservierte und nu⸗ merierte Plätze weiterer Reihen und mit 50 Pfg. und 20 Pfg. für alle anderen Plätze vorgesehen. Karten im Vorverkauf sind zu haben in der Ferber'schen Universitäts⸗Buchhandlung, Seltersweg und in der Zigarrenhandlung von Richard Buchacker, Neuen Bäue.

* Der Buchführungskursus für Handwerker⸗ frauen und Töchter, veranstaltet vom Allgemeinen Deut⸗ schen Frauen⸗Verein, hat eine so starke Beteiligung gefunden, daß er in drei Abteilungen abgehalten werden muß. Der Beginn des Unterrichts für die zweite und dritte Abteilung wird im Anzeigen⸗ teil des Gießener Anzeigers rechtzeitig bekannt gegeben werden.

** Die Generalversammlung des Konsumver⸗ eins Gießen fand gestern abend statt. Aus Raummangel sind wir genötigt, den Bericht auf morgen zu verschieben.

5 Landkreis Gießen.

e. Rüddingshausen, 13. Dez. Die anläßlich des all- gemeinen Opfertages durch Vorstandsmitglieder des Kriegervereins in hiesiger Gemeinde vorgenommene Haussammlung ergab 167 Mk. 10 Pfg.

Kreis Büdingen. g

Büdingen, 13. Dez. Bei dem Abbruch einer Licht⸗ leitung stürzte ein morscher Mast um und riß einen Arbeiter mit in die Tiefe. Der Mann erlitt schwere Verletzungen und mußte dem Krankenhause zugeführt werden.

Kreis Friedberg.

. Butzbach, 13. Dez. In der letzten Gemeinderats⸗ sitzung wurde auf Antrag des Finanzausschusses die Rechnung des Armenfonds für 1914 für richtig befunden und dem Rechner Ent⸗ lastung erteilt. Der Voranschlag des Armenfonds für 1916, der mit einer Einnahme und Ausgabe von 19 200 Mark abschließt, wurde genehmigt. Die Rechnung des städtischen Elektrizitäts⸗ werks für 1914 schloß mit einer Gesamteinnahme von 69793.57 Mark und einer Gesamtausgabe von 66 955.84 Mk. ab, so daß ein Kassenvorrat von 2837.73 Mk. verblieb. Infolge der Minder⸗ einnahmen für Stromverbrauch durch den Krieg ergab sich ber der

Abschreibung des Werkes ein Defizit von 5202.31 Mk., das durch,

Betriebsüberschüsse vorhergehender Jahre gedeckt werden konnte, so daß eine Erhöhung des Strompreises für das Rechnungsjahr 1916 nicht erforderlich ist. Bei Beratung des Voranschlags für 1916, der mit einer Einnahme und Ausgabe im Betrage von 74000 Mk. abschließt, wurde vorgeschlagen, die Zählermiete von 40 Pfg. auf 20 Pfg. herabzusetzen. Da sich hiergegen Bedenken erhoben, wurde der Antrag zurückgezogen. Auf Antrag des Finanz⸗ ausschusses wurde die Rechnung für 1914 gutgeheißen und der Voranschlag für 1916 genehmigt. Dr. Vogt erstattete noch in längeren Ausführungen Bericht über die Verhandlungen in der n der ButzbachLicher⸗Eisenbahn⸗Aktiengesell⸗ aft. 0

Butzbach, 12. Dez. Am 9. Dezember, abends zwischen acht und neun Uhr, haben sich 2 französische Kriegsgefangene, die hier beschäftigt waren, aus ihrer Stube entfernt. Ihr Aufenthaltsort konnte bis heute noch nicht ermittelt werden. Gestern fand eine vaterländische Feierstunde in der Stadtkirche statt, die gut besucht war; die verwundeten Krieger hatten sich zahlreich beteiligt.

Starkenburg und Rheinhessen. l

ch. Bingen, 12. Dez. Die Anschwellungdes Rhein⸗ wasserstandes ist ganz bedeutend. Heftige Regengüsse am oberen Laufe bewirkten eine weitere gewaltige Erhöhung des Wasserstandes. Auch die Nebenflüsse steigen schnell, so ist die Mosel im oberen Laufe auf fast sechs Meter gestiegen, doch fällt sie jetzt langsam ab. Am mittleren und unteren Laufe steigt sie aber noch stark. Auch die Nahe wächst beträchtlich und hat eine ansehnliche Höhe erreicht. Allenthalben ist das Wasser über die Ufer getreten. Der Rhein hat sein Vorflutgelände überschwemmt. Die tiefer gelegenen Straßen der am Rheine liegenden Orte sind im Gebirge und weiter talwärts teilweise oder auch ganz über⸗ schwemmt. Besonders heftig steigt auch der Neckar.

Hessen⸗Nassau.

l] Marburg, 12. Dez. Gestern nachmittag gegen 5 Uhr zog ein schwerer Sturm mit starkem Regen und elektrischen Ent⸗ ladungen über das Lahntal. Auch letzte Nacht und heute ging unaufhörlich Regen, mehrere Stunden auch Schnee, nieder. Das Ohmtal bei Kirchhain und das Lahntal südlich Marburg ist überflutet. 2.

] Laasphe, 12. Dez. In Allenbach stürzte ein 83jähriger Greis namens Wilhelm Haberkamm insolge eines Fehltrittes eine Treppe hinunter und starb bald darauf.

Wm. Kirchhain, 13. Dez. Die Maul⸗ und Klauen⸗ seuche ist hier ũerloschen. Die Stadt Kirchhain hat Speise⸗ bohnen beschafft. Der Verkaufspreis ist auf 55 Pfg. für das Pfund festgesetzt. In der letzten Sitzung des Landwirtschaftlichen Kreisvereins wurde beschlossen, dem Reichsverband zur Unter- stützung deutscher Veteranen 50 Mark zu überweisen. Kornhaus⸗ verwalter Riebeling hielt einen Vortrag über die Maßnahmen, die zur Sicherung der Volksernährung getroffen sind, und kam zuletzt auf die Abgabepflicht von Kartoffeln zu sprechen, deren Befolgung Redner als eine vaterländische Pflicht erachtete.

Frankfurt a. M., 13. Dez. Am letzten Freitag oder Samstag wurde im Städtischen Museum das Gemälde von Spitzweg,Forellenbach, von unbekannter Hand aus dem Rahmen geschnitten und gestohlen. Das gestohlene Bild 55 eine Größe von 37:29 Zentimeter und stellt einen Wild⸗ aach in einer Talschlucht mit fischendem Franziskanerpater und daneben stehendem Knaben dar. ist eine Schenkung von Leopold Sonnemann und hat einen Wert von 56000 Mk.

Frankfurt a. M., 13. Dez. Der Mitteldeutschen Gummi⸗ warenfabrik von Louis Peter(Gummipeter) gelang es jetzt künst⸗ lichen Kautschuk nach den Angaben des Erfinders Professor Memmler(Berlin) technisch zu verwerten und den ersten Auto⸗ reifen aus ausschließlich künstlichem Kautschuk herzustellen. Der Reifen ist von hervorragender Güte und ausgezeichneter Dauer⸗

ftigkeit. Der Reichskanzler, der erst am Donnerstag in seiner

eichstagsrede das stolze Wort sprach, daß er aus Mangel an Gummi 1 0 18 K. ee r 1 8 91 1 be⸗ deutsamen ofort telegraphisch in Kenntnis gesetzt.

5 1 a. M., 13. Dez. Auf der Verbindungsbahn zwischen dem West⸗ und Osthafen nahe der Wilhelmsbrücke wurde Samstagabend der Steuermann Philipp Previseni, als er die Gleise überschreiten wollte, von einem Güterzuge überfahren und getötet. Bei Oberrad wurde am Samstag die Leiche eines etwa 50 jährigen Arbeiters aus dem Main geborgen.

Frankfurt a. M. 12 Dez. Im Hotel Monopol⸗Metro⸗ pol hielt der Deutsche Schriftstellerverband, Landesgruppe Hessen⸗Nassau und Großherzogtum Hessen, unter

dem itz des Rektors Georg Lang seme diesjährige Jahtes⸗ 5 ab. Dem Jahresbericht zufolge hat die Gruppe troßz

des Krieges rührig gearbeitet und gute Erfolge erzielt. 1 1 8 Lang, der nach 20 jähriger verdienstooller Tätigkeit sein Vorstands amt niederlegte, wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. An 1 7 Stelle trat Haupkmann Dr. Gantter⸗Frankfurt a. M. 5 den geschäftlichen Teil schlossen sich Vorträge von Dichtungen und unveröffentlichten Aufsätzen verschiedener Mitglieder.

Griesheim, 3. Dez. Im hiesigen Elektron⸗Werte at⸗ mete der in der Nitro-Abteilung beschäftigte Arbeiter Josef Rie⸗ derer giftige Gase ein. Er verstarb nach wenigen Stunden. 85 Ferner erlitt der Arbeiter Gaul beim Anblasen einer 3 flasche schwere Verbrennungen im Munde und Halse. Durch Brandwunden verletzte sich der Arbeiter Link am ganzen Körper derart schwer, daß er nackend vom Platze getragen werden mußte. Er wurde dem Höchster Krankenhause zugeführt.

X Hanau, 12. Dez. Eine Ehefrau Raue, deren Mann im Felde steht, wollte sich und ihre Kinder durch Einatmen von Gas töten. Als die Kinder schliefen, drehte sie den Gas⸗ hahn auf. Auf unaufgeklärte Weise explodierte das ausströmende Gas und richtete starke Verwüstungen in der Wohnung an. Eines der schlafenden Kinder war bereits an den Folgen der Gasvergiftung gestorben, ein zweites Kind ist später gestorben. Die Frau selbst befindet sich außer Lebensgefahr. 7 5

AKassel, 13. Dez. Bei der Anwesenheit der Kaiserin gab es während des Freitags nur steischlose Kost. Die Kaiserin er- klärte, daß sie sich mit dem ganzen kaiserlichen Haushalt streng an die Vorschriften der Behörden zu halten pflege und daß sie auch auf ihren Reisen hiervon nicht abzuweichen gedächte.

ul. Limburg, 19. Dez. Der Kreisausschuß hat auf An⸗ frage betont, daß das Verbot des Kuchenbackens auch während der Weihnachtstage besteht. Die Lahn ist infolge der hestigen Regenfälle derart gestiegen, daß bereits ein Teil der unterer Au der Ueberschwemmungsgefahr ausgesetzt ist.

Gießener Strafkammer. th. Gießen, 11. Dezbr.

Am Freitag verhandelte unsere Strafkammer unter Vorsitz des Landgerichtsrat Schudt. Wegen Unterschlagung. 2 von 677 Mk. amtlich empfangener Beträge zum Nachteil der Stadt und des Kreises Gießen wurde der geständige stellvertretende

Pfandmeister Friedrich B. zu einer Gefängnisstrafe von 3 Mo⸗

naten verurteilt. Wegen Diebstahls im Rückfall wurde der noch nicht 18 Jahre alte Arbeiter Karl K. von Gießen zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Der noch junge Mensch hatte mehrere Messingkranen abgeschraubt und sich angeeignet. Mit dem Messer gearbeitet

hat Heinrich D. von Garbenteich, er ist der ihm zur Last gelegten schweren Körperverletzung geständig und erhielt für die Tat 2 Mo⸗ nate Gefängnis zuerkannt; weil er die Tat in angetrunkenem Zustand begangen hat, ist die Strafe verhältnismäßig milde be⸗

messen. Dieb und Wilderer. i

Der 18 Jahre alte Arbeiter Karl K. von Gießen hatte sich wegen mehrerer Diebstähle und wegen Wilderei, und dessen Mut⸗ ter wegen Hehlerei zu verantworten. K. ist geständig, im Schützen⸗ hause und in der Kaserne an der Kaiser⸗Allee mehrere Gewehre und die dazu nötige Munition gestohlen zu haben, lediglich zu dem Zwecke, um im Schiffenberger Wald damit die Jagd auszuüben. Er will nur ein Häslein erlegt haben, es wird ihm aber in der Verhandlung nachgewiesen, daß er auch Rehwild in die elterliche Wohnung geschafft hat. Die Strafkammer verurteilte den jungen Menschen wegen 6 Fällen von Diebstahl, unter denen sich ein Ein⸗ bruchsdiebstahl befindet, den K. begangen hat, ehe er das 18. Le⸗ bensjahr erreichte, und wegen gewerbsmäßigen Jagens zu einer Gesamtgefängnisstrafe von 1 Jahr 2 Monaten, wovon 1 Monat der erlittenen Untersuchung als verbüßt anzusehen ist. Die Mutter des jungen Menschen bekam wegen Hehlerei 14 Tage Gefängnis. Mildernd für die Ehefrau K. fiel bel der Strafzumessung ins Ge⸗ wicht, daß es der eigene Sohn gewesen ist, dessen verbotenes Trei⸗ ben sie durch ihre Tat verheimlichen wollte. 5 Eine jugendliche Sünder in ist die noch nicht 17jährige Magd Elisabeth E. von Gießen. Sie wurde wegen versuchten Verbrechens gegen das keimende Leben zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt, wobei die Jugend und die Lage, in der sich die Angeklagte befand, mildernd bei der Straf⸗ zumessung berücksichtigt wurden.

5 Eines schweren Diebstahls und eines einfachen Diebstahls hat sich die Dienstmagd Ida H. von Gießen schuldig gemacht, die in Butzbach einen Koffer erbrochen und sich vom Inhalte Gegenstände angeeignet hat. Als ausreichende Strafe wurde gegen die Angeklagte auf 3 nate und 1 Tag Gefängnis erkannt.

5 Urkundenfälschung hat die Ehefrau Marie D. von Gießen begangen indem sie eine Vollmacht angefertigt hat, auf Grund deren sie auf ein ihr nicht gehörendes Sparkassenbuch sich von der Sparkasse 15 Mark ver⸗

schaffen wollte. Die Strafkammer erkannte auf eine Gefängnis⸗

strafe von 15 Tagen.

Amtlicher Wetterbericht. DOeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 14. Dez. 1915: Ziemlich heiter, trocken, kalt.

Letzte Nachrichten.

Ein französischer Sendbote zum Papst.

Berlin, 13. Dez. DieVoss. Ztg. meldet: Aus i erfährt unser Amsterdamer Berichterstatter, daß eine sranzosische hohe diplomatische Persönlichkeit vor einigen Tagen über Le Havre nach Rom abgereist ist. spricht in Pariser diplomatischen 5 7 5 besonderen Mission dieses Diplomaten, eim a.

Russische Truppenverschiebungen. Stockholm, 13. Dez.Stockholms Tidningen ärt, sie glaube bestimmt, daß die nunmehr seit 10 See ae russische Sperre für Privatdepeschen nach und über Schweden wahrscheinlich auf bedeutende russische Truppen verschiebun⸗

gen zurückzuführen sei. Eine Anzahl von Bahnlinien beförderten

nur Truppentransporte. Auch die gegenwärtige Reise des Generals Pau nach Rußland stehe möglicherweise in Jusammenhang dan Das alte Spiel.

Sofia, 12. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Die Bulgarisch Telegraphen⸗Agentur meldet: Der römische e Daily Telegraph will glauben machen, daß zwischen Bulgarien und seinen Verbündeten Mißverständnisse bestehen, die ihren Grund in der erdichteten Ueberlassung Monastirs an Un⸗ garn und in der Anwesenheit türkischer Truppen in Bulgarisch⸗ Thrazien hätten. Das Mißverständnis sei derart tief, daß man auf ernste Ereignisse gefaßt sei und sogar ein Anschlag auf das

Leben des Königs nicht ausgeschlossen sei. Wir wif i

woher der oben angeführte Berichterstatter seine.

schöpft hat, aber wir sind in der 1 Rind allemal erklären a sind.

zu können, daß sie vollkommen

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