Ausgabe 
(3.12.1915) 285. Zweites Blatt
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Ur. 285 Zweites Blatt

enchenn lagug nit Ausnahme des Sonntags. SieSietzenet Faulllendlätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Sießen zweimal

wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen öeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

General⸗Anzeiger für

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165. Jahrgang

staatliche Maßnahmen zur Regelung der Lebensmittelversorgung.

VI. Weitere Gegenstände des täglichen Konsums. (Leucht⸗ und Heizstoffe, Leder usw.)

Wenn gewiß die Gestaltung der Lebensmittelversorgung wäh⸗ rend des Krieges für den privaten Haushalt der wichtigste Punkt isto rechtfertigt sich doch auch ein kurzer Blick auf die Politik der Regierung jenen Verbrauchsgütern gegenüber, die nächst den Le⸗ bensmitteln wichtige Posten im Haushalt bilden.

Es sind das vornehmlich Leuchtstoffe, Heizstoffe und Leder.

f Leuchtstoffe.

Soweit elektrisches Licht und Gas in Frage kommen, er⸗ Übrigten sich Maßnahmen: hier hatte der Krieg an den Versor⸗ ingungen nichts Wesentliches geändert. Ganz anders bei Petroleum. Es ist für die weitesten ärmeren Volkskreise das wichtigste Leuchtmittel, und wird fast ganz durch Auslandsbezug ge⸗ deckt. Mit dem Kriege stockte der Import. Zunächst war das darum nicht gefährlich, weil die ersten Kriegsmonate Sommer⸗ monate waren, und weil ziemliche Bestände im Lande waren; die Pveise blieben auf Grund einer Verständigung der Regierung mit den Großhandelsfirmen ungefähr auf der alten Höhe auch im Kleinhandel. Erst gegen Ende des ersten Kriegswinters stiegen die Kleinhandelspreise, teilweise aus spekulativen Gründen, in manchen Gegenden sogar auf 7080 Pfennig pro Liter. 7 0 wurden im Juli 1915 Großhandels⸗ und Kleinhandelshöchstpreise festgesetzt. Um für den Winterkonsum reichlich vorzusorgen, wurden

die größeren Petroleumgesellschaften verpflichtet, den Tankwaren⸗

wurden

betrieb vorläufig einzustellen, und Petroleum mit behördlicher Genehmigung nur für gewerbliche Zwecke abzugeben. Gleichzeitig

aßnahmen für eine geregelte Verteilung 5 15 Bei dem gleichzeitigen Mangel an Oelen aller Art wurden auch hier Verbrauchsbeschränkungen, insbesondere für Sport⸗ und Luxus⸗ fahrzeuge, angeordnet. Im ganzen ist eine Einschränkung der Leuchtstoffverwendung eine unabweisbare Notwendigkeit. Dankens⸗ werterweise haben sich die Kirchenbehörden erboten, ihren Verbrauch an knappgewordenen Leuchtmitteln einzuschränken. So nahe es ge⸗ legen hätte, den ziemlich umfangreichen Verbrauch von Weihnachts⸗ lichtern zu untersagen, so hat doch die Regierung davon Abstand genommen aus dem richtigen Gefühl heraus, daß das Volksempfin⸗ dem, dem die Poesie aller Weihnacht von Weihnachtsbaum und Weihnachtslichtern unzertrennlich ist, sein Recht behalten soll. Im übrigen hat die Fegierung die weitere Ausdehnung der Gas⸗ und Elektrizitätsbeleuchtung nach Möglichkeit gefördert und empfohlen.

1 Heizstoffe.

Hier handelt es sich im wesentlichen um Kohle. Den Ausfall der englischen Kohle, die in einigen Gebieten auf Grund ihrer frachtgünstigen Zufuhr sehr viel gebraucht wurde, konnten die deutschen Reviere wett machen. Wesentliche Voraussetzung dazu ist Frachtermäßigung und e und beidem ist Rech⸗ mung getragen worden. Ein kritischer Punkt waren die Schwierig⸗ keiten zur Erneuerung des am 31. Dezember ablaufenden Kohlen⸗ syndikates. Bei der großen Bedeutung der im Kohlenbergbau be⸗ stehenden Organisationen konnte die Regierung nicht untätig zu⸗ sehen, daß das Syndikat eventuell aufflog, und der freie Verkehr mat all seinen, unter den jetzigen Umständen besonders gefähr⸗ lichen Erscheinungen, sich wieder herstellte. Für den Haushalts⸗ verbrauch wie für die Industrie, aber auch für den glatten und schnellen Verkehr zwischen Regierungsanforderungen und Gewerbe mußten die bisherigen Organisationen erhalten bleiben ganz abgesehen von Rücksichten auf die finanzielle Gefährdung vieler Kohlen⸗ und Bergbaugemeinden, und von den spezifischen Ge⸗ fahren, die der freie Verkehr auf dem Kohlenmarkte beim Uebergang zur Friedenswirtschaft zeitigen mußte. Die Reichsregie⸗ rung drohte deshalb, falls am Widerstand der Außenseiter die Ver⸗ handlungen über den neuen Syndikatsvertrag scheitern sollten, mit dem Zwangssyndikat. Dessen Durchführung sollte unter Normierung der wesentlichen Grundlagen den Landeszentralbehör⸗ den überlassen bleiben, denen auch die Wahrung der öffentlichen

Interessen im Syndikat zustehen würde. Uebrigens sollte auch,

falls das Syndikat durch freiwilligen Zusammenschluß erneuert werden würde, den Landeszentralbehörden das Recht zustehen, auf Wahrung der öffentlichen Interessen zu halten eine sehr angebrachte Bestimmung in Hinsicht auf die Macht der im Syndikat vereinigten privaten Interessen. Wie man im übrigen das Kohlensyndikat beurteilen mag ein Interessenverband solcher

Macht und so weit reichender Bedeutung fliegt nicht auf ohne schwere Erschütkerungen des gesamten Wirtschaftskörpers. Und ein solches Experiment wagt man nicht in schweren Kriegszeiten. Die Reichsregierung kann es auf ihr Verdienstkonto buchen, hier ein⸗ geschritten zu sein.

Leder.

Hier galt es im wesentlichen, ungerechtfertigte Preistreibereien zu unterbinden. Die Heeresverwaltung lieh dazu ihre Hand, indem sie für Zivilzwecke nicht unbedingt von ihr benötigte Leder⸗ bestände freigab, die Lederproduzenten aber gleichzeitig verpflichtete, auch bei privaten Verkäufen sich an den. gsministerxium festgesetzten Richtpreisen zu halten. Zur Verhütung von Miß⸗ ständen wurde unter Kontrolle des Reichsamts des Innern eine Kontrollstelle für freigegebenes Leder errichtet. Eine neue, ab 1. Dezember 1915 in Kraft tretende Bekanntmachung setzt Höchst⸗ preise für Leder fest im Groß⸗ und Kleinhandel und trifft Bestim⸗ mungen über die Beschlagnahme von Ledersorten für Militärzwecke.

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Damit ist in großen Zügen ein Bild des staatlichen Ein⸗ greifens, soweit es direkt oder indirekt den Verbraucher und seinen Privaten Haushalt betrifft, gezeichnet worden. Ueberblickt man die Darlegungen, hält man andererseits im Auge, wie schwierig es ist, den riesigen komplizierten Wirtschaftskörper des Reiches nach bestimmten Gesichtspunkten zu regeln und zu beeinflussen, so wird man nicht sagen können, es sei nichts geschehen. Aller staatlichen Wirtschaftspolitik, die ex improviso zu schaffen hat, wird man mit Leichtigkeit bedenkliche, Kritik herausfordernde Maßnahmen nachweisen können. Dazu gehört sich nur, daß man lediglich seinen Verbraucher⸗ oder lediglich seinen Produzenten und Händler⸗ gesichtswinkel anlegt. Kritik dieser Art wird aber auch nie den Anspruch erheben dürfen,objektiv zu sein. Wir lassen dabei ganz dahingestellt, ob in jedem Falle die richtigen Wege ge⸗ gangen worden sind. Nur dies ist festzuhalten: jede Kritik ist im Kernpunkt falsch, die wirtschaftspolitische Maßnahmen beurteilt vont Grundgedanken aus, der Staat müsse oder könne gleich⸗ zeitig alle Interessen wahren. Das ist eine unkritische, naive Auffassung. Auch für die stagtliche Wirtschaftspolitik gilt das ultra posse nemo tenetur!

Aus dem englischen Unterhaus. Eine Auseinandersetzung über die Kritik der Presse.

London, 2. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) In der Unter haussitzung am Dienstag griff der Staatssekretär für Indien John Simon in einstündiger Rede die Northeliffe⸗Presse an und warf ihr vor, daß sie den Feind ermutige, die Allierten verwirre und die neutralen Länder gegen England einnehme. Der Redner behandelte ausführlich eine Anzahl von Fällen, in welchen die Times und dieDaily Mail den Deutschen Waffen in die Hand gespielt hätten, die von den Deutschen erfolg⸗ reich in den neutralen Ländern benutzt worden seien. Eine gewisse von derDaily Mail veröffentlichte Karte mit der Ueberschrift: Der Weg nach Indien sei von der deutschen Presse wiedergegeben e den deutschen Behörden in den Balkanländern verbreitet morden. 5

Mac Neil verteidigte die Northeliffe⸗Presse gegen die An⸗ griffe, die er als eine unbegründete und unwürdige Rache des Mi⸗ nisters bezeichnete.

Hodge bestätigte, daß gewisse Artikel derTimes und Daily Mail eine ernste Beunruhigung in Frankreich ver⸗ ursacht und eine unheilvolle Wirkung auf die öffentliche Meinung dieses Landes gehabt haben.

Lord Robert Cecil sagte, die Agitation, die dieTimes undDaily Mail geführt haben, stellten in der Kriegszeit eine ernste Gefahr dar. Die Wirkung solcher Artikel auf den Feind sei nicht die Hauptsache. Das Auswärtige Amt habe zahlreiche Be⸗ richte erhalten, daß jene Artikel in den neutralen Ländern eine sehr ernste und schädliche Wirkung gehabt haben. Sie hätten in Bulgarien die Freunde Englands entmutigt und seine Gegner ermutigt. In Spanien sei die Auffassung der Deutschenfreunde, daß die Zentralmächte siegen würden, gekräftigt worden. Die Regierung habe zahlreiche Berichte aus den alliierten und neutralen Ländern erhalten, daß die Artikel der Northeliffe⸗Presse die bri⸗ tische Sache schädigen würden. ö

Dalziel führte an, die Regierung scheine zu glauben, daß sie durch eine große Debatte den Krieg gewinnen helfen könne. Die Northcliffe⸗Presse habe sich nicht pessimistischer geäußert, als

die heilige Bärbara als Schutzpatronin der Artillerie.

Zum 4. Dezember.) 5 Vor einigen Jahren berichtete ein in einer norddeutschen Stadt erscheinendes Blatt, daß das Artillerieregiment, das dort seinen Standort hatte, am 4. Dez. eine Barbarafeier veranstaltet habe, bei der es barbarisch lustig hergegangen sei. Es handelte sich hierbei keineswegs um eine Vorahnung des SchimpfwortesBar⸗ baren, mit dem unsere Feinde, ja sogar die Russen, im Laufe dieses Weltkrieges unsere tapferen Truppen in der ausgiebigsten Weise bedenken, sondern nur um einen Druckfehler: das in Rede stehende Artillexieregiment beging in althergebrachter Weise, wie alle deutschen Artillerieregimenter es tun, am Gedenktage der hei⸗ ligen Barbara, der auf den 4. Dezember fällt, seine Barbara⸗ feier. Die Heilige, eine wunderbar schöne Jungfrau, die nach einer Version im Jahre 240, nach einer anderen im Jahre 306 in Nikomedia in Kleinasien durch die Hand des eigenen Vaters den Märtyrertod erlitt, ist auf eine merkwürdige Art zu dem Patronat über die Artillerie gelangt. Sie war ohne Wissen ihres Vaters, der streng am heidnischen Kultus festhielt, zum Christentum übergetreten. Als der Vater dies erfuhr, sperrte er sein chter bei Wasser und Brot in einem Turmkfeller ein und ließ sie N sogar eine Zeitlang mit dem Kopfe nach unten an den Füßen auf⸗ hängen. Als alles nichts half, zeigte der Vater die Tochter bei dem Präfekten an, und dieser ließ sie zum Tode verurteilen. Niemand aber fand sich, um das Todesurteil an der schönen Jungfrau zu vollstrecken. Da erbot sich der unmenschliche Vater, sein eigenes Kind zur Strafe für den Abfall von dem alten Götterglauben zu enthaupten, und er verübte wirklich die grausige Tat. Da fuhr, wie die Legende erzhlt, ein Blitzstrahl vom Himmel nieder und

Ehren. In der Sainte Barbe des französischen Kriegsschiffes Liberté explodierte vor einigen Jahren im Hafen von Toulon das ominöse Pulver B, dessen Entzündung in einem einzigen Augenblick das stolze Kriegsschiff vernichtete und viele Hunderte französischer Seesoldaten ums Leben brachte.. In vielen Offt⸗ zierskasinos der deutschen Artillerieregimenter prangt an bevor⸗ zugter Stelle ein großes Bild der heiligen Barbara, meist um⸗ rahmt von Sinnbildern der Artillerie: Kanonenrohre, Geschütz⸗ kugeln, Bomben und Granaten. In den meisten Fällen handelt es sich um eine Nachbildung des berühmten Gemäldes der Heiligen von Palma Vecchio, dessen Original sich in der Kirche Santa Maria Formosa in Venedig befindet. Dieses Bild hat den bekannten schwäbischen Aesthetiker Friedrich Theodor Vischer in das höchste Entzücken versetzt. Der Held seines berühmten RomansAuch Einer feiert in seinem Tagebuch die stolze Barbara⸗Gestalt des Palma Vecchio als eineSiegerin über alles Wilde, an deren, Anblick er täglich eine neue Freude hatte.

Hamburger Uraufführung. Aus Hamburg wird uns geschrieben: In der neuaufgeführten KomödieDas ba⸗ dende Mädchen wird wieder einmal höchst unnößtigerweise an den Diebstahl der Mona Lisa angeknüpft. Der Verfasser, Siegmund Neumann, gibt im ersten Alt zunächst einen schwachen, unbe⸗ holfenen Abklatsch von MurgensBohsme und geht dann in einer überwitzigen, sich wichtig machenden Art an die Verspottung der Pariser Regierungsverhältnisse heran. Der Held des Stückes ist ein eleganter Hochstapler, der überall als besondere geistige Potenz gefeiert wird. Er stiehlt das Bild, hält Minister und Präsidenten zum Narren und bringt die Maschinerie des Ruhms für einen armen Teufel von Künstler in Gang. Die Komödie, die eine rechte Talmiarbeit ist, füllte im Uraufführungszyklus des Thalia⸗Thea⸗ ters den dritten Abend. In den Hauptrollen wurde, zum Glück für den Verfasser, mit solcher Lust und darstellerischer Behendigkeit gespielt, daß der Beifall zuletzt sozusagen sein angebrachtes Maß

füberstieg und einige Zischlaute unter sich erstickte.

SchillingsMona Lisa in Mannheim. Aus Mannheim wird uns geschrieben: Max Schillings neue OperMona Lisa erlebte gestern abend im Mannheimer Hof⸗ und Nationaltheater ihre höchst erfolgreiche Erstaufführung. Der Abend zeigte die harmonische Zusammenarbeit der beidenneuen Männer in Mannheim: Intendant Dr. Karl Hagemann führte die in allen Teilen wunderschön gelungene Regie, und Hof⸗ kapellmeister Wilhelm Furtwängler(bisher in Lübeck) saß am Dirigentenpult und wurde den interessanten, wenn auch wohl nicht bedeutenden Eigenheiten der Musik mit einem wohl ausge⸗ glichenen Orchester gerecht. Zum Schluß wurde Schillings, der der Aufführung beiwohnte, mit den recht tüchtigen Hauptdarstellern lebhaft gerufen. 2

Bilder aus Monastir. Es ist ein überraschendes,

schönes Bild, das sich dem Reisenden bietet, wenn der von Saloniki

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Freitag, 3. Dezember 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗

leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichtem Anzeiger Gießen.

das bekannte Vorwort Lloyd Georges und der Brief Chur⸗ chill gelautet hätten. Das britische Publikum erkenne jetzt, daß der Krieg nur wegen der Fehler der Regierung noch nicht beendet

sei. Aber die Regierung kritifiere die Leute, welche die Fehler der

Regierung aufdeckten.

King(Liberal) sagte: Die Regierung hatte von Anfang an vor derDaily Mail und derTimes Angst. Sie hat sechs

Blätter unterdrückt, es aber nicht gewagt, gegenüber derTimes undDaily Mail eine Drohung auszusprechen. Der Redner würde die Regierung mit größerer Ueberzeugung unterstützen, wenn sie mehr Konsequenz und Mut zeigen würde.

Pringle(liberal) führte an, die Regierung müsse der Feig⸗ heit gegenüber der Northoliffe⸗Presse für schuldig befunden wer⸗ den. Sie habe gegenüber demGlobe einen Willkürakt be⸗ gangen. Der Chefredakteur desGlobe sei ein armer Mann

und habe sein Brot verloren. Die Regierung habe einen Armen

geopfert, sei aber nicht gegen den reichen Mann und Napoleon der Journalistik eingeschritten. Die Hauptschuld trage die Zensur.

Der englische Nachrichtendienst habe seinen Ruf der größten Ge⸗

nauigkeit, Wahrheit und Zuverlässigkeit verloren. Die amtlichen englischen Nachrichten würden verdächtigt. Die Regierung habe 115 Entgelt für die Northeliffe-Presse die größte Reklame ge⸗ macht. 4

Sir Frederik Banbury(Unionist) sprach die Hoffnung aus, die Debatte werde zur Folge haben, daß die Presse fort⸗ fahre, die Regierung zu kritisieren, wenn sie salsch handle, und daß die Parlamentsmitglieder diesem Beispiel folgen würden

Thorne(Sozialdemokrat) sagte, er habe gefunden, daß

die Offiziere an der Front die größte Sorge hätten, ob die

Parlamentsmitglieder und die Journalisten die Verantwortung der Nation in vollem Umfange erkannt hätten. Persönliche und 92 90 Streitigkeiten seien den Munitionsarbeitern daheim ein Greuel. den, um bald den Sieg zu erringen.

Dillon Nationalist) wies auf die Erklärung Sir Robert Cecils hin, daß dieTimes im Auslande in den letzten fünf⸗ zig Jahren als amtliches oder halbamtliches Regierungsblatt gegol⸗ ten habe. Der Sekretär des Auswärtigen habe früher, wenn der Redner dies behauptet habe, es in der Regel entrüstet abgeleugnet. DieTimes und dieDaily Mail hätten die Stimmung der Neutralen in dem letzten halben Jahre sehr stark beeinflußt. Dillon fuhr fort: Die Northeliffe-Presse hat in einer geheimen Sitzung im April beschlossen, Asquith, Grey, Haldane und Kitchener zu stürzen. Sie wird nicht ruhen, bis die drei anderen das Los Hal⸗ danes geteilt haben. Es bestehe ein Kampf zwischen den Ministern und Northceliffe. Es sei möglich, daß North⸗ cliffe jetzt die stärkste Macht Englands darstelle. Der Redner sprach die Befürchtung aus, daß der Regierung der Mut fehle, der Lage entsprechend zu handeln. Dann würde der Streit erst 9 wenn die vier genannten Minister das Kabinett verlassen hätten.

Alden(liberal) sagte, ein holländischer Minister habe ihm

mitgeteilt, er lese alle englischen und deutschen Zeitungen und habe gefunden, daß die deutsche Presse im allgemeinen zuver⸗

lässiger wäre, als die englische. Harold Smith sagte, die 1

Frage, ob die Regierung die Presse oder die Presse die Regierung beherrsche, müsse entschieden werden. Kitchener. London, 2. Dez.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reu⸗ terschen Bureaus. Im Unter hause erklärte Asquith, daß Kitchener seine Arbeiten im Kriegsamtwieder auf⸗

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Sie wünschten, daß alle Anstrengungen gemacht wür⸗

genommen und den Beratungen des Kriegsausschusses des

Kabinetts in seiner Eigenschaft als Staatssekretär für den Krieg beigewohnt habe.

Märkte. fe. Wiesbaden, 2. Dez. Heu⸗ und Strohmarkt. Man notierte: Heu 7,00- 0,00 Mark. Alles per 50 Kilo. fehlte. Am Fruchtmarkt war nichts angefahren.

Die Aerzte empfehlen

F Ulver Asthma eme

U 10 Papier) ö Mk. 3.79

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Apotheker Neumeier, Frankfurt am Main.

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kommende

durchschnitten hat und nun sich der Blick auf die fruchtbare velago⸗ nische Ebene öffnet, die die Erna, des Wardars bedeutendster Ne⸗

benfluß, durchströmt. Da ist wieder Leben, Anbau, Anmut: es mehren sich die freundlichen Ortschaften mit stattlichen Gehöften und sorgsam gepflegten Obstgärten, und bald erscheint in einiger Entfernung auch die Hauptstadt diesens Beckens: das jetzt so viel genannte Monastir. Der Blick auf Monastir ist von seltener Schön⸗

Stroh

heit. Ueber der Stadt erhebt sich die lange, zackig gefurchte Alpen⸗

kette der Neretschka Planina, deren Gipfel der gewaltige, von Glet⸗

schern umpanzerte Paristert bildet, der bis zu 2300 Metern hoch

emporragt. Von diesem Hintergrunde hebt sich um so wirksamer

die Stabt ab, die, unmschlossen von einem Kranze blühender Gärten und mit ihren weißen Landhäusern, ein mazedonisches Damaskus

zu sein scheint. Aber, wie so oft in diesem Leben, so trügt der Schein auch hier. Betritt man die Stadt, so zerrinnt der Zauber, den der Fernblick atmete, und Monastir zeigt sich als ein ziemlich armseliges Nest mit bescheidenen Häusern, deren verlottertes Aus⸗ sehen mitunter durch üppig wuchernde Schlingpflanzen gemildert wird. Immerhin verleihen der Stadt die vielen Balsone an den H bäumen und zahlreichen Pappeln, dazu endlich die mannigfaltige

und buntgelleidete Bevölkerung der Stadt einen malerischen Cha⸗

rakter. Ein besonderes Gepräge erhält sie do dar daß hier Osten

und Westen, Morgenland und Ab nd'and so prall aufe nander⸗

stoßen, wie wohl an wenigen Stellen der Bal lunhalbinsel. Zu⸗ weilen, besonders auf der ziemlich stattlichen Hauptstraße sieht man europäische Häuser, die schließlich ebensogut in einer unseter Städte

stehen könnten: aber in ihrer unmittelbaren Nac barschaft erblickt

äusern, das enge Gewirr der Gäßchen, die Görten mit ihren Obst⸗ 4

man, wie Lindenberg in einer Schilderung von Monastir bemerkt 15

hat, die wackeligsten hölzernen Baracken mit verkrümmten winzigen 11 mit den vergitterten Fenstern der Frauengemächer, drit wind Das größte Gebäude der Stadt ist die noch aus der Türkenzeit her⸗ stammende Kaserne, sodann folgt die Militärschule und der alte Konak. Allein reizvoller als die modernen Anlagen bleibt das malerische Leben und Treiben im alten Monastir. Da sind nicht eben große Menschen von ehrwürdigem Alter, träumende, kaum gepflegte Friedhöfe. Die Straßen sind in übler Verfassung: Hirten treiben da ihre Schaf⸗ und Schweineherden, auch Esel und Büffel. In dieser primitiven Umgebung hausen oder hausten en f.

in Friedenszeiten die Konsuln der ve edens 8

Mächte und Großmächte und an lein Mangel; gehörte doch Monastir sch letzten beiden Balkankriege immer zu

er Halbinsel. Das

schaftliches Bild; der Dr überspann, brausend durch die Stadt ergießt

. n großen tterwinkeln nste an der Stadt aber bleibt ihr land⸗

die auf die alte Stadt herabblicken.

iefem Dach, das der nöchste heftige Sturm fortreißen kann. 5

rfluß, der sich 11 hölzernen Brücken d die Schneegebirge,