Ausgabe 
(2.12.1915) 284. Erstes Blatt
Seite
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0eine Treppe, Zimmer Nr 13, Dienstags, Donnerstags und Samstags, nachmittags von 45 Uhr, eine Sprechstunde eingerichtet, in der Anliegen wegen Unterstittzung vorgetragen werden können; besonders wird es sich dabei um Gewährung von Schu hzeug und Milch ssche die Kinder handeln. Die Einrichtung der Sprechstunden scheint einem Bedürfnis zu entsprechen, denn es finden sich an den betreffenden Nachmittagen häufig mehr Krieger⸗ frauen ein, als in einer Stunde abzufertigen sind.

* Beschlagnahme von Strickwarenlumpen. Eine Bekanntmachung ist erschienen, die sich mit der Beschlagnahme, Veräußerung und Verarbeitung von wollenen und halbwol⸗ lenen Wirk⸗ und Strickwarenlumpen und von wolle⸗ nen und halbwollenen Abfällen der Wirk⸗ und Strickwaren⸗ herstellung befaßt. Nach dieser Bekanntmachung sind alle wollenen und halbwollenen Lumpen und Abfälle in jeder Mischung und Farbe beschlagnahmt, die im Besitz von Personen sind, die sich mit dem Handel oder der ng von wollenen und halb⸗ wollenen Lumpen und Abfällen gewerbsmäßig befassen. Der Ver⸗

kauf der beschlagnahmten Lumpen und Abfälle bleibt aber weiter zulässig zu Heeres⸗ oder Marinezwecken. Als ein derartiger erlaub⸗ ter Verkauf ist die unmittelbare oder mittelbare Veräußerung an Lellimmte Sortierbetriobe anzusehen, die von der Kriegswollbedarf⸗ Atktiengesellschaft in Berlin mit dem Ankauf für die Zwecke der Heeres⸗ und Marineverwaltung beauftragt sind und deren Liste von der Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung des Preußischen Kriegsmini⸗ steriums veröffentlicht wird und auch von dort anfordert werden kann, Ohne Rücksicht auf die Beschlagnahme ist das Sortieren von Lumpen erlaubt und durchaus erwünscht. Lumpen und Abfälle, die vor Inkrafttreten der Bekanntmachung bereits gewolft waren, dürfen weiter verarbeitet werden. Ebenso ist die Verwendung und Verarbeitung zur Herstellung solcher Ganz⸗ und Halberzeugnisse

zulässig, deren Anfertigung unmittelbar von dem Preußischen Kriegsministerium, dem Reichs⸗Marine⸗Amt, dem Bekleidungs⸗Be⸗ schaffungsamt, durch Vermittelung der Kriegswollbedarf⸗Aktien⸗ gesellschaft oder des Kriegs⸗Garn⸗ und Tuch⸗Verbandes in Berlin veranlaßt ist. Der genaue Wortlaut der Bekanntmachung, die mit Beginn des 1. Dezember 1915 in Kraft tritt, kann in der heutigen Nummer des Gießener Anzeigers eingesehen werden, und ist an dem Bürgermeistereigebände hier ausgehängt. das Ergebnis der hessischen Opfertage in der vorigen Woche betrug in Gießen die Summe von

6021,40 Mk., die durch Sammlung in den Häusern und auf den i und durch Postkartenverkauf aufgebracht wurde. Die beiden Opfertage zum Besten der Gefangenen in Rußland hatten fast 10 Mk. erbracht. Das Wetter war der zweiten Veranstaltung allerdings so ungünstig wie möglich. f 0 Geh. Schulrat Prof. Dr. Buch hold ist gestern vormittag nach längerer Krankheit verschiede 7 N

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diesem Jahr nicht so rasch vor sich ging wie sonst, wird bei vernünftiger Ueberlegung jedermann verstehen, denn überall fehlen die Hilfskräfte. Weniger verständlich ist es schon, warum die einen rascher bei der Hand waren als die an⸗ deren, obwohl sicherlich in den meisten Fällen diese nicht geringeres Hilfspersonal hatten als jene. Ganz unverständ⸗ list aber ist es, warum die Stadt ihren Bürgern ein so schlechtes Beispiel gab. Während diese Zeilen geschrieben wer⸗ den, am Nachmittag des 1. Dezember, während Süd- und Ost⸗Anlage nach manchem Anlauf endlich wieder am Ziel der Reeinlichkeit angelangt sind, liegen diekläglichen Reste von Schnee und Eis immer noch unberührt von Spaten und Schaufel an der Bürgermeisterei. Am Vormittag war die Umgebung des alten Schlosses(Provinzialmuseum) noch ebenso ungesäubert wie die des Schlößchens. Deutlich hob sich die Grenze ab, als man bei Annäherung an die alte Kaserne auf militär⸗fiskalische nBoden kam. Möchte beim nächsten Schneefall die Stadt sich darauf besinnen, daß sie den Bürgern vorangehen soll, nicht ihnen nachhinken. Ohne auf die Einzelheiten dieser Ausführungen eingehen zu wollen, kann man dem Einsender vor allem die stellenweise unglaub⸗ liche Langsamkeit bestätigen, mit der vielfach der Pflicht, die Bürgersteige zu säubern, nachgekommen wurde. Auch den oft gehörten Wunsch, daß Gefangene zur Straßenreini⸗ gung in solchen Ausnahmefällen herangezogen werden, kann man nur verständlich finden. Freilich ist der dafür einzuhal⸗ tende Weg unseres Wissens einigermaßen zeitraubend und führt für Fälle sofortigen Bedarfs nicht zum Ziele; aber eine Lösung dürfte immerhin zu finden sein. Jedenfalls bot und bietet Gießen in diesen Schneetagen einen Anblick, der einer Provinzialhauptstadt nicht würdig ist.

k Pakete an Angehörige der österreichisch⸗ ungarischen Feldarmee und ihr zugeteilte Personen kön⸗ nen bei den deutschen Postanstalten fortan nicht mehr unbe⸗ schränkt, sondern nur für gewisse, von der österreichisch-ungarischen Verwaltung bezeichneten Feldpostämter zur Beförderung ange⸗ nommen werden. Es ist Sache der Absender, sich über die Zu⸗ lässigkeit der Versendung und über die Feldpostämter, von denen Pakete angenommen werden, zu vergewissern. Zu Unrecht auf⸗ gelieferte Pakete werden von den österreichischen Grenzstellen zu⸗ rückgeleitet. Näheres über die Versendungsangelezenheiten wird bel den Postanstalten durch Aushang in den Schalterräumen bekannt gegeben.

cal Märkte.

fe. Wiesbaden, 1. Dezöor. Viehmarkt. Auftrieb: 208 Rinder(darunter 22 Ochsen, 10 Bullen, 176 Kühe), 165 Kälber, 21 Schafe, 267 Schweine. Ber lebhaftem Handel und gleichen Preisen wie am 29. November wurde schnell der Auftrieb ab gesetzt.

Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen.

Weihnachts- Preisrätsel! Aufg

epasst, ihr Jungen und Mädel!

Ihe sollt dieses Jahr ganz was Feines zu

Letzte Nachrichten.

Die Isonzo⸗Offensive von den Italienern aufgegeben?

Wien, 2. Dez. DasNeue Wiener Journal meldet aus Lugano: Die italienische Presse scheint die öffentliche Meinung auf das Aufgeben der Offensive am Isonzo vorzu⸗ bereiten, denn seit gestern veröffentlicht sie Artikel über die Schwierigkeiten dieser Offensive und über die Vorteile, die der Feind durch seine Stellungen hat, an denen sich alle Kräfte brechen müßten. Die bisherigen Erfolge seien trotz aller Kraft⸗ anstrengung ganz bedeutungslos.

Weitere Truppenlandungen auf dem Balkan. 6

i. Sofia, 2. Dez. Die Engländer beabsichtigen auch

in Kavalla Truppen zu landen. Innerhalb 4 Tagen trafen in Saloniki 6 französische und 2 englische Regimenter sowie wei⸗ tere große Positionsgeschütze ein. Die Transporte nach Serbien werden beschleunigt. In Gewgheli befinden sich an 20 000 serbische Flüchtlinge. Das englisch⸗französische Oberkommando hat gestattet, an sie 3 Waggon Mehl auszufolgen. In Florin a treffen gleichfalls zahlreiche serbische Flüchlinge ein und berichten, im serbischen Heere herrsche großer Mangel an Lebensmitteln.

Der Schnellzug BerlinKonstantinopel.

München, 2. Dez. Die bayerische Staatscisenbahnverwal⸗ tung wird zu der Konferenz über die direkte Eisenbahnver⸗ bindung BerlinKonstantinopel nach Temesvar(Ungarn) Ver⸗ treter abordnen. Von den süddeutschen Eisenbahnver⸗ waltungen soll die Führung direkter Züge nach dem Orient oder wenigstens der Anschluß dieser Züge in Wien oder Budapest an die direkte Verbindung BerlinKonstantinopel angestrebt werden. So werden demnächst sowohl die großen bayerischen Städte wie die größeren Orte des besetzten Gebietes und des Rheinlandes in den neueingerichteten Verkehr nach Serbien, Bul⸗ garien und der Türkei eingeschlossen werden können.

Sonninos Parlamentsrede..

Lugano, 2. Dez. Wie vorauszusehen war, wurde die Kammersitzung durch mehrfache nationalistische Kundgebungen N eingeleitet und begleitet. Zunächst sprach der Kammerpräsident Marcora. Er feierte den König mit pathetischen Worten. Während die große Mehrheit der Kammer sich erhob und Beifall llatschte, blieben die Sozialisten, aus deren Reihen der Ruf Hoch die Republik erscholl, sitzen. Die Mehrheit protestierte unter den RusenNieder mit Euch Oesterreichern, Euch Vater⸗ landsfeinden! i l 5 1

Alsdann sprach Sonnino, indem er zunächst die diplo⸗ matische Lage darlegte und dann mitteilte, daß auch Italien den Londoner 25 unterschrieben habe. Lärmender Beifall, der vermutlich die Regierung dafür trösten sollte, daß sie nicht ein⸗ mal kurz der Ergebnis der halbjährigen Kriegszeit vor der Kammer darzulegen vermochte. Verschiedene Zwischenrufe und Proteste der Sozialisten wurden stets von der Mehr⸗ heit niedergeschrien, die die Sozialisten durchaus nicht zu Worte kommen ließen. Sonninos Rede wurde mit großem Beifall auf⸗

genommen. Die Absicht der revolutionären Klubs, die

einzuschüchtern, scheint ergebnislos geworden zu sein. Nur eine ge⸗ ringe Anzahl von Menschen hatte sich auf der Piazza Monte

Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 3. Dez. 1915: Cittorio versammelt. Die Besorgnis vor Gewaltkätigkeiten des Wechselnd bewölkt, zeitweise Niederschläge, mild. Pöbels war diesmal unbegründet, ein Beweis, daß der künstlich entfachte Fanatismus der Maitage verflogen ist. 1 L aefeee ear rocker daa er dre dad dba dbb dd brd Hmmm mmm

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