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Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Hleßener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Sießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗
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Mb. Deutscher Reichstag.
21. Sitzung, Dienstag, den 30. November 1915. Am Tische des Bundesrats: Dr. Delbrück, Dr. Helf⸗
ferich, Dr. Lisco, Dr. von Jagow, von Kraetke, von Wandel.
Das Haus ist gut besetzt, die Tribünen sind überfüllt. Präsident Dr. Kaempf
eröffnete die Sitzung um 2½ Uhr mit folgender Ansprache: Meine Herren, während auf dem westlichen Kriegsschauplatz
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. ein mit großer Uebermacht unternommener feindlicher Durch⸗ . bruchsversuch an der Todesverachtung un serer Trup⸗ J pen und ihrer Führer gescheitert ist, während im Osten die deut⸗ . schen und österreichisch-ungarischen Heere mit eiserner Hand fest⸗
halten, was in kühn angelegten und heldenmütig durchgeführten
N Kämpfen errungen wurde, während am Isonzo die Italiener N wenigstens einen Teil dessen von Oesterreich mit Waffengewalt .. erobern wollen, was sie vor Kriegsausbruch ohne Schwertstreich 6 von Oesterreich hätten erlangen können(sehr richtig!), haben sich auf der Balkanhalbinsel Ereignisse und Waffentaten vollzogen, die diplomatisch und militärisch glänzend und mit unübertroffene Sicherheit durchgeführt worden sind, die es unserer, der öster⸗ . reichisch⸗ungarischen und der bulgarischen Armee ermöglicht haben, 1 den Mord von Serajewo zu fühnen und den serbischen Um-
trieben, die sich als so unheilvoll für Europa erwiesen haben, hoffentlich für alle Zeit ein Ende zu bereiten.(Beifall.) In enger Waffenbrüderschaft mit dem tapferen Heere Seiner Majestät des Königs von Bulgarien und des bulgarsschen Volkes, die wir als unsere sieggekrönten Verbündeten aus vollem Herzen begrüßen(Beifall), haben unsere Truppen Serbien gereinigt von der serbischen Armee und stehen siegreich an den Toren der Türkei, deren Heer, seines alten Ruhmes würdig, das Dar⸗ danellenunternehmen zum Scheitern gebracht hat, eine der größten moralischen und militärischen Niederlagen, die unsere Feinde erleiden.(Beifall.) Das stolze England zittert um den Schlüssel zu seiner Weltmacht. Allen unseren Feinden ist zum Bewußtsein gekommen, daß wir auf den Schlachtfeldern nicht zu besiegen sind.(Beifall.) Um so eifriger klammern sie sich an die Hoffnung, uns wirtschaftlich zugrunde zu richten, und an den Gedanken, uns durch Hunger zu bezwingen. Wie sie sich in unserer finanziellen Kraft getäuscht haben und die staunens⸗ werten Erfolge unserer Kriegsanleihen haben das bewiesen(Bei⸗ fall), so täuschen sie sich auch in der Beurteilung unserer wirt- schaftlichen Stärke.(Lebhafte Zustimmung.) Was im beson⸗ deren die Lebensmittelfrage anlangt, so find Brotgetreide und a Kartoffeln, diese beiden wichtigsten Volksnahrungsmittel, reich⸗ 4 lich vorhanden.(Sehr richtig.) Daß zum Teil bei anderen Lebensmitteln Knappheit herrscht, ist nicht zu bestreiten, das wird allerseits zugegeben. Aber die Härten, die dadurch für einen großen Teil der minder bemittelten Bevölkerung entstanden sind, werden überwunden werden durch die Organisation, die dem Lebensmittelmarkte während des Krieges gegeben wird und die es auch minder Bemittelten ermöglichen wird, sich die notwen⸗ digen Nahrungsmittel zu erschwinglichen Preisen zu beschaffen. (Sehr richtig.) N Finanziell und wirtschaftlich haben wir den vollsten Grund, mit fester Entschlossenheit und mit unerschütterlichem Vertrauen in die Zukunft zu blicken.(Beifall.) 5 1 Die Sinigkeit der deutschen Stämme hat das Reich auf⸗ gebaut, die Einigkeit des gesamten Volkes ist jetzt und in Zu⸗ kunft die feste Grundlage, auf der wir der Zukunft entgegen⸗ sehen und die verhindern wird, daß das Reich von neuem durch einen frevelhaften Angriff in eine Lage versetzt wird, in der wir diesen großen Krieg zu führen gezwungen sind.(Lebh. Beifall.)
Meine Herren, ich begrüße Sie zu der neuen und wichtigen Arbeit und hoffe und bin dessen sicher, daß diese Arbeit segens⸗ reich sein wird und zum Heile unseres Vaterlandes.
Der Präsident verliest das Antworttelegramm des Kaisers auf die beim 500jährigen Jubiläum der Hohenzollernherrschaft vom Reichstag ausgesprochenen Glückwünsche(Bravo!) und gedenkt des am 17. Oktober verstorbenen Abgeordneten Wam hoff, zu dessen Ehren sich das Haus erhebt.
In der ersten Beratung der Bemerkungen des Rech⸗ nungshofes zur Reichshaushaltsrechnung 1911 ergreift niemand das Wort. Die Vorlage geht an die Rechnungs⸗ kommission.
Es folgt die dritte Beratung des vom Abg. Schiffer (Magdeburg) und Genossen eingebrachten Gesetzentwurfs, be⸗ treffend Abänderung des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851, auf Grund der in zweiter Beratung unver⸗ ändert angenommenen Vorlage.
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Abg. Scheidemann(Soz.):
Wir bedauern, daß im Wentz diese wichtige Frage nicht er⸗ ledigt worden ist. Mit der Verabschiedung dieses Gesetzentwurfs wird ja nur der kleinste Teil der vorhandenen Beschwerden abge— stellt. Wir behalten uns vor, im Laufe der weiteren Sitzung dar⸗ auf zurückzukommen.
Der Gesetzentwurf wird in dritter Beratung verabschiedet.
Auf Antrag des Abg. Basser mann(snl.) werden die Ge⸗ setzentwürfe über 1. Besteuerung der Kriegsgewinne, 2. Die Kriegsabgaben der Reichsbank, 3. erneute Beschlußfassung über die Herabsetzung der Altersgrenze für die Invalidenversicherung auf die heutige Tagesordnung gesetzt.
In erster Lesung wird der Gesetzentwurf über die Herab⸗ setzung der Altersgrenze auf Antrag Bassermann ohne Aussprache an den Haushalksausschuß überwiesen.
Das gleiche geschieht mit dem Gesetzentwurf über die Kriegsabgaben der Reichsbank.
Die Besteuerung der Kriegs gewinne.
In der Aussprache zur ersten Beratung des Ge⸗ setzentwurfes über die Besteuerung der Kriegs⸗ gewinne ergreift der
Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich
das Wort: Zur Verteidigung der allgemeinen Gedanken der so⸗ genannten Kriegsgewinnsteuer brauche ich hier nichts zu sagen. Die Ueberzeugung von der finanziellen Notwendigkeit ist, wie sich die Begründung der Vorlage ausdrückt, Gemeingut des ganzen deutschen Volkes. Ueber die Ausgestaltung im einzelnen gehen allerdings die Meinungen noch auseinander. Ich bin überzeugt, daß es bei der Durchberatung der endgültigen Vorlage gelingen wird, zu einer Uebereinstimmung zu kommen. Es handelt sich vorläufig um die juristischen Personen, die Erwerbszwecke verfolgen. Sie werden den Wunsch haben, über die großen Grundlagen unterrichtet zu werden, auf denen sich nach den Gedanken derer, die mit der Feststellung des endgültigen Entwurfes befaßt sind, die ganze Kriegsgewinnbesteuerung auf— bauen soll.
Der erste dieser Grundsätze ist die Erfassung der Kriegsgewinne im allerweitesten Sinne des Wortes Damit ist von vornherein eine Anlehnung an das, Reichsbesitzsteuergesetz vom 3. Juni 1913 gegeben. Jeder, der in, der Lage ist, im Gegensatz zu der großen Masse der Volksgenossen, in dieser schweren Kriegszeit seine materiellen Verhältnisse zu verbessern, muß dazu angehalten werden, einen ansehnlichen Teil seines Vermögenszuwachses der Allgemeinheit zu opfern.(Bei⸗ fall.) Im Wege der durch das Besitzsteuergesetz ohnedies vorge— sehenen Veranlagung werden wir also am 81. Dezember 1916 den Vermögenszuwachs gegenüber dem 1. Januar 1914 feststellen und danach die Steuern ermitteln. Daß bei der Durchführung dieses Verfahrens, im Gegensatz zum Besitzsteuergesetz, Anfälle aus Erbschaften und anderen ähnlich gearteten Vermögensver— mehrungen ausscheiden, habe ich schon früher erwähnt. Gegen diese allgemeine Auffassung des Vermögenszuwachses, also gegen eine Besteuerung, die über das Gebiet der Gewinne an direkten und indirekten Kriegslieferungen hinausgeht, sind Einwendun⸗ gen laut geworden. Es widerstrebt mir und wird auch Ihnen widerstreben, die geplante Kriegsgewinnsteuer als eine Art Straf⸗ handlung gegen übermäßige Gewinne bei Kriegslieferungen und auch deren Vermittlung zu behandeln.(Sehr richtig.)
Die Steuer soll nicht in den Augen der Steuerpflichtigen als eine Zuchtrute erscheinen, sondern als eine Ehrenpflicht genau ebenso, wie die allgemeine Wehrpflicht. Das muß gerade bei der Kriegsgewinnbesteuerung vermieden werden. Wir dürfen den Industriellen, der sein Werk mit dem ganzen Aufwand seines Geldes und seiner Intelligenz in eine Munitionsfabrik ver⸗ wandelt hat, den Landwirt, der alles getan hat, um für eine genügende Lebensmittelversorgung Vorkehrungen zu treffen, einen Händler, der seine ganze Arbeitskraft für die Versorgung unseres Volkes eingesetzt hat, nicht zu einer Sondersteuer heranziehen, während etwa der Kapitalist, der auf seinen amerikanschen Wert⸗ bapieren gesessen hat, ruhig seine Gewinne einstecken kann. Im Interesse der Neuordnung der Reichsfinanzen können wir auf einen ausgiebigen Ertrag der Kriegsgewinnsteuer nicht verzichten. Ein solcher wird sich sicher erzielen laffen. Unsere Kriegsaus⸗ gaben sind erfreulicherweise zum größten Teil im In lan de berblieben. Sie müssen irgendwo in die Erscheinung treten. Die neuen Werte, die geschaffen sind, sind sicherlich nicht geringer als die in diesem Kriege zerstörten. Die Kriegsgewinnsteuer muß sich auch auf die juristischen Personen erstrecken, und zwar ohne Rücksicht auf ihren etwaigen Zusammenhang mit dem Kriege. Wie bei dem Vesitzsteuergesetz wird auch der Kriegsgewinnbesteue⸗ rung ein dreijähriger Zeitraum zugrunde gelegt. Hierbei handelt
Aus neuen Briefen Gottfried Kellers.
Seiner kürzlich bei Cotta erschienenen Neubearbeitung der Bächtoldschen Lebensbeschreibung Gottfried Kellers beabsichtigt Emil Ermatinger in zwei weiteren Bänden des Dichters Briefe, soweit erreichbar, vollständig folgen zu lassen. Da indes die Herausgabe der Briefe infolge der Zeitumstände sich verzögern dürfte, so teilt er, um die Kellergemeinde nicht gar zu lange warten zu lassen, aus der Fülle von neuen Briefen Kellers, die er gehoben hat, im Dezemberhefte der„Deutschen Rundschau“ (Verlag von Gebr. Paetel in Berlin) eine Reihe erlesener Stücke als ein wahres Weihnachtsgeschenk für alle Freunde und Ver⸗ ehrer Meister Gottfrieds mit. Die Perle darunter ist vielleicht
der Brief zu nennen, den Keller am 7. Juni 1878 an Paul
Heyse geschrieben hat; Heyse hat ihn noch kurz vor seinem Tode Ermatinger übergeben.
„Dein Brief, lieber Freund, ist mir mit dem angebotenen Du
ein rechtes Maigeschenk gewesen. Du wirst gedacht haben 8 5
5 habe schon so viel für ihn getan, daß mir zu tun fast ni mehr übrig bleibt“ usw. Nun, unsereins nimmt und frißt alles dankbarlich, was ex bekommt, wie ein schmunzelndes Bettelweib. Deine leidenden Zustände will ich weder betrösten noch an⸗ zweifeln; wenn es Dir vergnüglich zu Mute wäre, würdest Du nicht klagen und jeder hat die Seite, wo ihn das Unhei packen kann. Ich kann mir auch denken, daß das Zuzweitsein. von Mann und Frau gewisse Leidenskategorien verdoppelt, wenigstens erscheinen diese dadurch nach außen hin feierlicher und tiefer oder mit einer Art von Erhöhung uff. Gewiß ist nur, daß ich herzlich teilnehme und Besserung wünsche. AIgndessen nimmt mich wunder, was Du schaffen willst, n Dir wieder wohl sein wird, da Du schon fleißiger und produktiver bist, als mancher gesunde Kaffer. Uebrigens, was mich betrifft, bist Du ein bißchen ein Schmeichelkater mit nicht undeutlichen Krallen. Wenn ich alles habe, was Dir fehlt, so braucht Dir blos nichts zu fehlen und ich habe säuberlich gar 5 Solche Ve ketts kann jeder dem anderen unter der Nase wegziehen. verhält es sich auch mit der Anführung mei⸗ nes Winterliedchens in Deinem meisterhaften„Seeweib“. Das Buch kam mir erst vor vier Wochen in die Hände, und als ich an die Stelle kam, war ich ganz verblüfft und dachte nur: Donnerwetter! Als aber nachher das Buch beiseite geschafft wurde in der Novelle, hatte ich genau das Gefühl eines hospi⸗ e Nachbarknäbleins, das wegen begangener Unnützlich⸗ en aus der Stube gebracht wird und heult.“
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Der Schalk, dessen Treiben in diesem feinen Briefe fühlbar wird, sitzt Keller als Briefschreiber auch sonst gar oft Inter den Ohren. Mit der vollen Anmut Kellerscher Laune tummelt er sich in einem der Briefe, die er an Lydia(Welti⸗)Escher, die
unglückliche Freundin Karl Stauffers, seine hochverehrte Gönnerin
und„dame incomprise“, wie Keller sie nennt, gerichtet hat.
Unterm 13. Dezember 1881 schreibt er ihr: „Mit Betrübnis erfahre ich, daß Sie schon wieder unwohl sind, und ich muß einen kleinen Schreibtränenschirm meiner Erfindung vorhalten, um diese Zeilen schreiben zu können, ohne das Papier mit den Zeichen meines Kummers zu benetzen. Es ist ein sehr zierliches Schirmlein von durchsichtigem Papier, welches man aufspannen und am Nasenzipfel befestigen kann. Als ich neulich zum Schulratsdiener kam und mich nach Ihren
Befehlen ausstaffiert hatte, trug ich eine Halsbinde, die aus S
einem alten, brodierten Musselinumhang gemacht war und mir tief auf den Busen herunterhing. Dazu hatte ich eine schöne Brillantennadel für 2 Fr. 70, Ron. gekauft. Ich sah aus wie ein ungarischer Magnat. Allein das Fräulein lag im Bett!“ Im weiteren Verlaufe dieses launigen Schreibens kommt Keller auf eine Dame zu sprechen, die ihn mit der Zusendung ihrer dichterischen Erzeugnisse bedrohte.
„Wenn Sie mir wollen gefällig sein, so warnen Sie die Unglückliche gütigst vor Zusendung des Romans! Könnten Sie ihr nicht schreiben, ich stecke alle Manufkripte, die man mir schicke, sogleich in den Ofen? Oder so was. Oder: ich lese sie nicht und schicke sie auch nicht zurück? usw. Letzteres kommt auch wirklich vor. Wollen Sie sagen, ich sei im Wiener Unglück (Ringtheaterbrand) mit verbrannt, so habe ich auch nichts da⸗ gegen.“ 1
Eine Photographie von sich, die er als Gegengabe für Lydia Eschers Bild ihr überreichte, kennzeichnet er mit etwas grim⸗ migem Humore dahin, die Bilder seien so schofel geraten,„daß sie eher das Bild eines alten Vorsingers und Schnapsbruders darstellen als dasjenige des ersten Schöngeistes und Arbitri elegantiarum des Jahrhunderts.“
in Brief an den Dichter Hermann Friedrichs, der
seit 1880 in Zürich weilte und bei Keller Zutritt gefunden hatte, zeigt diesen als Kritiker— wieder in einer kennzeichnenden Mischung von ernstem Bedenken und feinem Humore.
„Die zwei Stücke— so schrieb er ihm am 24. Januar 1882— der„Erntekranz“ und„Die Hirtenflöte“, halte ich für gute Gedichte, die in Stimmung und Ausdruck wohl gelungen sind. Dieselben könnten in jeder guten Gedichtsammlung der österreichischen oder schwäbischen Dichterschulen der dreißiger
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Mittwoch, J. Dezembe. 1015
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es sich nicht lediglich um eine Anlehnung an das bestehende Besitz⸗ steuergesetz, sondern starte sachliche Gründe haben uns veranlaßt, auf diesen Boden zu treten.
Manches Unternehmen der Industrie und der Landwirtschaft mag eim ersten Kriegsjahre glänzend verdient haben, während es in der Folgezeit dech vor recht schwierigen Verhältnissen steht und vielleicht mit großen Verlusten und Zubußen arbeitet, um weiter zu bestehen und, worauf es besonders ankommt, seine Arbeiter⸗ schaft durchhalten zu können. Bei den mäßigen Steuersätzen, wie wir sie bisher in Deutschland hatten, konnte man das einzelne Jahr zugrunde legen Das geht aber nicht bei so hohen Sätzen, wie sie für die Kricosgewinnbesteuerung in Frage kommen, wenn sie überhaupt einen Wert haben soll. Wenn Sie den einzelnen Fabriken einen großen Teil der Gewinne des ersten Jahres weg⸗ steuern, erschweren Sie ihnen das Durchhalten. Das wäre nicht nur eine große Ungerecktigkeit, eine große ungerechte Härte diesen Betrieben gegenüber, sondern auch eine Schädigung unserer gesam'en Volkswirkschaft, eine Schwächung der wirtschaftlichen Kräfte die wir brauchen, wenn wir den Krieg zum guten En führen wollen, und dieses Ziel ist und bleibt die Hauptsache, dem sich alles andere unterzuordnen hat.(Beifall.) Gegenüber dem bisherigen Besitzsteuergesetz unterscheidet sich die Kriegsgewinnbesteuerung im wesentlichen dadurch, daß der Ver⸗ mögenszuwachs durch Erbschaft und ähnliche Vermögensfälle aus⸗ scheiden soll. 5
Ferner werden neben dem reinen Vermögenszuwachs auch die Einkommensverhälrnisse bei der Bemessung der Steuersätze voraussichtlich Berücksichtigung finden und zwar wohl in der Weise, daß dem Vermögenszuwachs, soweit er auf einem bestimmten Einkommenszuwachs während der Kriegszeit beruht, ein erhöhter Satz zugrunde gelegt wird. Die Grundlage wird immer die Besteuerung des Vermögenszuwachses bilden; ihr wird ein Zuschlag zugeführt, soweit nachgewiesen werden kann, daß der Zuwachs auf einem Kriegsgewinn beruht. Weiter werden im Gegensatz zu dem Besitzsteuergesetz auch die juristischen Personen zur Kriegsgewinnsteuer herangezogen werden. Gegen diesen Grundsatz läßt sich manches sagen. Aber hier im Hause wird wenig dagegen gesagt werden. Die Bedenken liegen namentlich auf dem Boden der Doppelbesteuerung. Wichtige Gründe sprechen aber dafür, daß wir die Gewinne im ganzen bei den Gesellschaften erfassen und nicht erst bei den einzelnen Gesell⸗ schaftern zu treffen versuchen. Bei diesem Punkt der Heran⸗ zlehung der juristischen Personen setzt der vorliegende Entwurf ein, um eine Verflüchtigung der Kriegsgewinne bis zum Zeit⸗ punkte der Veranlagung und der Erhebung der Kriegsgewinn⸗ steuer zu verhindern.
Im Gegensatze zu den physischen Personen behalten ja die juristischen Personen ihre Gewinne nicht bei sich. Abgesehen von Rückstellungen werden die Gewinne verteilt und sind dann kein einheitliches Steuerobjekt mehr. Wir können nicht darauf ver⸗ zichten, die juristischen Personen grundsätzlich dieser Besteuerung zu unterwerfen. Wenn über diesen Punkt Uebereinstimmung besteht, so handelt es sich darum, so rasch wie möglich jetzt einen Riegel vorzuschieben, der verhindert, daß die Gesellschaften weiter⸗ hin, wie das schon für das erste Kriegsjahr geschehen ist, ihre Gewinne ausschütten und verteilen. Ich gebe gern zu, daß eine
macht hat, die durchaus ausreichen, um für das erste Kriegsjahr die Steuern zu gewährleisten. Aber mit dieser Freiwilligkeit kommen wir nicht aus, wir müssen einen gesetzlichen Zwang, eine gesetzliche Norm haben, und diese zu schaffen ist der Zweck des vor⸗ liegenden Entwurfes. Die Refervestellungen des Entwurfes sollen 50 Prozent des im Kriegsjahre erzielten Mehrgewinnes betragen. Das ist ein weiter Rahmen, namentlich wenn Sie die Möglichkeit der Doppelbesteuerung in Rücksicht ziehen wollen, ein Rahmen, der der späteren Ausgestaktung des Gesetzes im einzelnen nach un⸗ ferer Ansicht durchaus genügend Spielraum läßt.
Wie die Sätze im einzelnen ausfallen werden, kann ich heute noch nicht sagen. Die verbündeten Regierungen haben noch keine bindenden Entschlässe hierüber gefaßt; die Verhandlungen sind noch im Gange. Soviel ist aber sicher: die Sätze werden ganz erheblich über das Maß der bisher gewohnten Steuer sätze hinausgehen. Wir werden voraussichtlich nicht, wie in England, mit einem einheit⸗ lichen Satz für alle Gewinne vorgehen, sondern, anlehnend an unser bisheriges bewährtes System verschiedene Sätze einführen. Sie werden gewiß bedauern, eine endgültige Vorlage über die Kriegsgewinnsteuer noch nicht zu bekommen. Ich kann das Ihnen nachfühlen und ich hätte gern ganze Arbeit gemacht, zumal über meine Aeußerungen vom 4. August vielfach eine mißverständliche Auffaffung herrscht. Ich habe damals nicht von der Festsetzung der Steuersätze gesprochen, sondern von der Erhebung der Steuern. Für die Erhebung der Steuern ist zunächst einmal die Verab⸗ schiedung des Gesetzes und dann die Veranlagung erforderlich, bis dahin wird also noch einige Zeit vergehen.
Bei dem Fortgang der Beratungen werden Sie sich davon überzeugen, daß die an sich so einfach aussehende Kriegsgewinn⸗
und des Göttinger Hainbundes zieren. Denn schon Grün, Lenau, Uhland und Kerner würden in Ton und Takt der dichterischen
mir nun im vorliegenden Falle die Schranke zu liegen. Es ist eine alte paradoxe Geschichte, die nicht recht zu definieren ist und doch bei jedem neuen Dichter wiederkehrt; die Frage der Ursprünglichkeit und Neuheit. Der Gegenstand aller Poesie ist immer derselbe und doch immer dieselbe Frage nach dem N und Zwingenden, das der neue Poet mit sich 1 in 8 0
auch Kellers gutes Herz zum Worte. Als er 1888 erfuhr, daß sein alter Freund aus der Münchener Zeit, der Maler Johann alomon Hegi, sich in Not befinde, da säumte der Schreib⸗ faule nicht, zur Feder zu greifen: „Für jetzt drängt es mich nur, Dir mit der bescheident⸗ lichen Einlage für die größte Tagesmisere, die ich aus alter eigener Erfahrung gut genug kenne, zu nahen, damit Du Dich nicht über Gebühr zu kasteien brauchst? Du hättest mir ja längst einen Wink mit dem Holzschlägel geben können und ich hoffe nur, Du werdest nicht etwa Bedenklichkeiten aushecken. Wir wollen hoffen, daß die Sonne bald wieder scheint! im
zum nächsten Mal, und wenn die Lage sich nicht ändert, so sei nicht des Teufels und schreib' es mir.“
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— Max Reinhardt in Kristianig. Aus Hristia⸗ nia, 30. Nov. wird gemeldet: Max Reinhardt hielt gestern abend infolge einer Aufforderung des Vorstandes im Norwegischen Studentenverein einen Vortrag über Wesen und Bedeutung des modernen Theaters und der Schauspielkunst. Die männliche und weibliche norwegische alademische Jugend und die zahlreichen hervorragenden Vertreter der Literatur und der Künstler⸗, Schauspieler⸗ und Gelehrtenkreise Kristianias, die den großen Saal bis auf den letzten Platz gefüllt hatten, dankten ihm mit jubelndem Beifall. Der Studentenverein ernannte Reinhardt und seine Frau zu Ehrenmitgliedern, worauf dieser eine Szene aus Ibsens„Gespenstern“ vorlas, die neuen stürmischen Beifall fand. Die Mitglieder der deutschen Gesandtschaft mit Graf und Gräfin v. Oberndorff an der Spitze wohnten als Gäste
dem Vortrag und dem daran sich anschließenden Festmahl bei, das der Vorstand zu Ehren Reinhardts gab. 5
e
große Anzahl von Gesellschaften freiwillig Rückstellungen ge⸗ 5
und vierziger Jahre stehen, ja sogar noch das Zeitalter Vossens g
Weise moderner und eigenartiger gewesen sein. Hierin scheint
Schließlich kommt aber in den hier neuveröffentlichten Stücken
übrigen aber guten Mutes sein! Soeben werde ich wieder müde an meinem Stehpult und muß schließen. Lebe wohl bis
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