Ausgabe 
(1.12.1915) 283. Erstes Blatt
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28³ Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; ie

latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche öeitfragen Ferusprech Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled 1 Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher.

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165. Jahrgang

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General⸗Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7.

Mittwoch, J. Dezember 1015

Bezugspreis monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf. Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

prizren von den Bulgaren genommen. Neue Angriffe der Italiener zurückgeschlagen.

WTB.) Großes Hauptquartier, 30. November.

Amtlich.) 5 Westlicher Kriegsschauplatz. Die Gefechtstätigkeit blieb auf Artillerie-, Wurfminen⸗ . an verschiedenen Stellen der Front be⸗ rünkt.

Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Ein deutsches Flugzeuggeschwader griff die Bahnanlagen von Ljachowitschi(östlich von Baranowitschi) an.

Balkan⸗Kriegsschauplatz.

Bei Rudnik(südwestlich von Mitrovica) wurden feindliche Kräfte von Teilen der Armee des Generals v. Köveß zurück⸗ geworfen. Hier und westlich der Sitnica von Truppen der Armee des Generals v. Gallwitz wurden zusammen etwa tausend Gefangene gemacht.

Bulgarische Kräfte haben am 28. November Prizren genommen. Sie brachten über dreitau sen d Gefangene und acht Geschütze ein.

Oberste Heeresleitung.

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Mit einer sehr kernhaften Ansprache hat gestern Präsident . Dr. Kämpf die Reichstagsverhandlungen exöffnet. Die Sitz⸗ 1 ung war im übrigen keineswegs sen alionell, und die deutsche Volksvertretung zeigte aller Welt, daß bei uns nicht mehr mit großen Worten gekämpft zu werden braucht. Einen sehr packenden Gedanken hat Präsident Kämpf besonders hervor⸗ gehoben: daß Serbien jetzt für den Mord von Sarajewo seine Strafe gefunden hat. In der Tat, Serbien hat die un⸗ mittelbare Veranlassung zu dem großen Völkerringen ge⸗ geben; große Staaten sind ihm beigesprungen, und es ist jetzt vor aller Welt dargetan worden, daß diese großen Staaten nicht vermocht haben, die Bestrafung ihres Schütz⸗ lings zu verhindern. Beinahe anderthalb Jahre haben die Fieeinde an dieses heiße Bemühen verschwendet, all ihre Kräfte, all ihr Ansehen dafür eingesetzt. Und jetzt haben deutsche und österreichisch-ungarische Truppen unter der Führung eines deutschen Feldmarschalls dennoch das Sühnewerk restlos voll⸗ bracht. Das bedeutet eine außerordentliche Stärkung unseres Ansehens in der Welt! Wie erhebend und bedeutungsvoll durchklingen jetzt die Dankesworte des greisen Kaisers Franz Josef an den deutschen Heerführer alle Länder! Der durch so vielerlei persönliches Leid gebeugte Monarch darf am Abend seines Lebens noch den herrlichsten Triumph seines . Landes erleben. Der angekündigte und jetzt vollzogene Wechsel 4 auf österreichischen Ministerstühlen bezieht sich nur auf innere Angelegenheiten und erinnert an die Neubesetzung des ersten Postens im Reichsschatzamt des Deutschen Reichs. Die öster⸗ reichisch-ungarische Monarchie wird neue, sprossende Zweige

an ihrem Baum zur Entfaltung bringen. In aller Stille hat der deutsche Reichskanzler seinen Geburtstag begangen; er hat gestern das 59. Lebensjahr vollendet. Der Kaiser hat ihm wiederum, wie vor einigen Jahren, eine wertvolle Vase geschenkt und ihm in nicht überschwänglicher, aber sehr herzlicher Weise seine Glück⸗ wünsche ausgesprochen.Sie waren mir in dieser schweren Zeit eine treue und bewährte Stütze, deren Erfol ge meine aufrichtigen Glückwünsche ebenso verdienen, wie sie Ihnen von unseren Feinden beneidet werden. Man er⸗ innert sich dabei unwillkürlich an die dreisten Schmähworte, die Herr Salandra bei der Kriegstagung des italienischen Parlaments gegen denmittelmäßigen deutschen Staatsmann ausgesprochen hat. Nun, jedenfalls kann dieseMittelmäßigkeit heute auf die genialen Künste der italienischen Phantasten und Schreier wie Zeus vom Olymp herabblicken. Der aiser bestätigt Herrn v. Bethmann Hollweg seine Erfolge, und er hat zugleich im Namen des deutschen Volkes wieder den rechten Ausdruck gefunden, denn auch dieses weiß, daß es an dem treuen, charakterfesten Manne an der Spitze . der Reichsregierung eine vollauf bewährte Stütze hat. Ita⸗ liens große Stütze aber, Herr Salandra, muß heute bei der italienischen Volksvertretung betteln gehen. Er drahtete die Abgeordneten, wie nachstehend näher mitgeteilt wird, an, derErnst der augenblicklichen Lage erheische ihre Anwesenheit in der Kammer. Wahrscheinlich will er damit seinen Troß und Anhang mobil machen, damit Worterausch und Schönfärberei noch einmal über die wach⸗ sende Ernüchterung, die sich im Volke geltend zu machen be⸗ ginnt, siegen. Der österreichisch-ungarische Tagesbericht be⸗ weist heute von neuem, daß die italienischen Streitkräfte in den ersten Monaten des Weltkrieges stark überschätzt worden sich 167555 österreichisch-ungarische Riegel hält unbeweg⸗

ich fest!

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Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.

Wien, 30. November.(Wi. Nichtamtlich.) Amtlich

wird verlautbart: 30. November 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz.

Es zeigt sich immer mehr, daß die Italiener in diesen Tagen, koste es, was es wolle, am Isonzo, wenn e en Görz, einen Erfolger zwingen wollen. Gestern waren ihre Angriffe gegen die ganze Front zwischen mein und dem Meere, mit besonderer Heftigkeit aber

gegen unsere beiden Brückenköpfe und den Nordteil der Hoch⸗ fläche von Doberdo gerichtet. Vorstöße gegen unsere Bergstellungen nördlich von Tolmein brachen bald zu⸗ sammen. Der Tolmeiner Brückenkopf stand nachmittags unter Trommelfeuer. Hierauf folgten drei starke Angriffe auf den nördlichen, mehrere schwächere auf den südlichen Abschnitt; alle wurden unter größten Verlusten des Feindes abgeschlagen. Ebenso erfolglos waren mehrere Angriffsver⸗ suche auf Pla va. Vor dem Görzer Brückenkopf sind sehr starke italienische Kräfte aller Fronten zusammengezogen. Zum Angriff schritt der Feind gestern nur bei Os lavija. Er wurde zurückgeschlagen; nur ein schmales Frontstück wurde etwas zurückgenommen. Görz erhielt nachts wieder etwa hundert schwere Bomben in das Stadtinnere.

Im Abhschnitt der Hochfläche von Dober do setzten nach vierstündiger Artillerievorbereitung Angriffe von besonderer Wucht und Zähigkeit gegen den Monte San Michele und den Raum von San Martins ein. Auf dem Monte San Michele schlug das Budapester Honved⸗Infanterie⸗ Regiment Nr. lacht Massenstürmeblutig ab. San Martino wurde dreimal in dichten Massen angegriffen; hie behaußtete das Nagyvarader Honved⸗Infanterie⸗Regi⸗ ment Nr. 4 in erbittertem Handgemenge seine Stellungen. Auch e des Ortes wurde ein feindlicher Angriff ab⸗ gewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Südwestlich von Pribojwarfen wir die Monte⸗

negriner gegen Pleylje zurück. An der montenegrini⸗ schen Grenze südwestlich von Mitrovicg überfielen öster⸗ reichisch⸗ ungarische Truppen eine serbische Nachhut und nahmen ihr zweihundertundzehn Gefangene ab. Die Bul⸗ garen nähern sich dem Becken von Prizren.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

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Kaiser Franz Josef an Generalfeldmarschall von Mackensen.

Wien, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Seine Kaiserliche und Königliche apostolische Majestät haben geruht, das nach⸗ stehende Handschreiben zu erlassen:

Lieber Generalfeldmarschall von Mackensen! Dank Ihrer mustergültigen Führung, der vortrefflichen Mitwirkung der Ihnen unterstellten Kommandanten und der aus⸗ gezeichneten heldenmütigen Leistungen der verbündeten Truppen, wurde der Feind empfindlich geschlagen, ist am Balkankriegsschau⸗ platz ein hocherfreulicher Erfolg erreicht. Führergeschick und zähe Ausdauer der Truppen, die das bisherige Ergebnis errun⸗ gen haben, werden auch die noch übrigbleibenden Aufgaben be⸗ wältigen. Danker füllten Herzens verleihe ich Ihnen, lieber Generalfeldmarschall, die Brillanten zum Militär⸗

verdienstkreuz Erster Klasse mit der Kriegsdekoration, und den Führern der Ihnen unterstellten Armeen, General der

Artillerie von Gallwitz und General der Infanterie v. Koe⸗ veß, das Militärverdienstkreuz Zweiter Klasse mit der Kriegs⸗ dekoration. Vermitteln Sie all den Braven, die unter Ihrer 8 ruhmgekrönten Führung Hervorragendes geleistet, meinen Dank und Gruß. Wien, am 23. November 1915. Franz Josef. 5

Wechsel im österreichischen Ministerium.

Wien, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) DieWiener Zeitung veröffentlicht ein kaiserliches Handschreiben, durch das der Kaiser dem Minister des Innern Baron von Heinold, dem Handelsminister v. Schuster und dem Finanzminister Baron v. Engel die ausgebetene Entlassung vom Amte unter dem Vorbehalt der Wiederverwendung im Dienst in Gnaden gewährt, den Minister des Innern Baron v. Heinold und den Finanzminister Baron v. Engel als Mit⸗ glieder in das Herrenhaus beruft und dem Handelsminister v. Schuster taxfrei den Freiherrnstand verleiht. In dem huld⸗ vollen Handschreiben spricht der Kaiser den Ministern für deren unter schwierigen Verhältnissen entfaltete hingebungs⸗ volle, erfolgreiche Tätigkeit seinen Dank und volle Anerken⸗ nung aus. Gleichzeitig ernennt der Kaiser den gene des Obersten Rechnungshofes, Prinzen zu Hohenlohe⸗ Schillings fürst zum Minister des Innern, den Gouver⸗ neur des Postsparkassenamtes, Ritter v. Leth, zum Fi 5 minister und den Direktor der Oesterreichischen Kreditanstalt, v. Spitzmüller, zum Handelsminister.

Aus Italien. 1 Mailand, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) DemCor⸗ riere zufolge hat Salandra gestern an die Abge⸗ ordneten, die teilweise unter den Waffen stehen, fol⸗ 9 gedrahtet: Der Ernst der augenblicklichen age berechtigt mich, die Kollegen zu bitten, an allen Sitzungen der Kammer teilzunehmen. Gestern vereinigte sich in Monte Cittorio eine Gruppe offizieller Sozialisten, die den Abgeordneten Treves damit beauftragte, auf die Mit⸗ teilung der Regierung zu antworten. Die sozialdemokratische Fraktion wird außerdem an den Debatten über die wirt⸗ schaftlichen und finanziellen Maßnahmen, sowie über diß Einschränkung der persönlichen Freiheit teilnehmen. f Eine bulgarische Auszeichnung für Enver Pascha. Sofia, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Der König hat

Enver Pascha das Großkreuz des St. Alexander⸗Ordens verliehen. 5 Eine japanische Erklärung. 5 New Pork, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Durch Funk⸗ spruch von dem Vertreter des W. T. B.New Pork Times ver⸗ öffentlicht folgendes Telegramm des ja panischen Mi⸗ 5 nisters des Aeußern Baron Yshii, das derTimes durch den hiesigen japanischen Konsul zugegangen ist: Tokio, 26. Nov. DieNew Pork Times hat sich durch Kabeltelegramm wegen des Interviews mit einem Vertreter desPetit Parisien befragt. Dies Interview ist unrichtig wiedergegeben worden. Was ich gesagt habe, ist folgendes: Wenn Japan ein Heer nach Europa schicken wollte, so müsse dieses ein großes und mächtiges sein. Aber eine solche militärische Expedition ist infolge vieler unüberwindlicher Schwierigkeiten, die sich ihr ent⸗ gegenstellen, undurchführbar

Vom serbischen Uriegsschauplatz. Der bulgarische Bericht.

Sofia, 30. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 28. November. In der Richtung von Prizren verfolgen unsere Truppen rastlos die Serben, welche sich in großer Unordnung 5 gegen Montenegro zurückziehen. Auf der Straße PristinaPrizren liegen allenthalben Ausrüstungsstücke und Kriegsmaterial. Auf beiden Seiten der Straße sieht man zahlreiche tote Pferde und Ochsen sowie beschädigte Wagen und Motorlastwagen. Wir ent⸗ deckten in der Umgegend des Dorfes Suharska eine erhebliche Menge Munition sowie zahlreiche Geschütze, von denen nur noch die Lafetten und Achsen übrig waren. Weiter südlich fanden wir die Trümmer eines Pontonparks einer Pionierkompagnie. Das alles beweist, daß die Reste der serbischen Armee nur noch umher⸗ irrende Massen sind. Im Laufe dieses Tages machten wir 2200 Gefangene und erbeuteten 16 Geschütze und 22 Munitionswagen. Auf der Südfront entwickeln sich die Operationen für uns günstig. Unsere Truppen besetzten am 26. ds. Mts. die Stadt Kichewo, heute nahmen sie die Stadt Kruschawo in Besitz. Die Serben operieren in dieser Gegend nur noch als kleine verein⸗ zelte Abteilungen. Unsere Truppen, die längs der oberen Carna operieren, überschritten diesen Fluß und bemächtigten sich der Brücke und Straße, die nach Bitolia(Monastir) führt. Auf den übrigen Fronten wenig Veränderung.

In den täglichen Heeresberichten unseres Großen General⸗ stabs werden die Operationen unserer Truppen nur da skizziert, wo Aenderungen in der Lage eintreten. Im allgemeinen wird nichts erwähnt von den Fronten, wo die Lage unverändert blieb. Dies bezieht sich besonders auf die südliche Front, wo infolge der passiven Haltung der englisch⸗französischen Truppen unsere Berichte nur weniges über die Operationen meldeten, die dort stattgefunden haben. Um jeder Deutung dieses Schweigens in Europa vorzubeugen, die diese vielleicht als ein Zeichen von Mißerfolgen darstellen wollte, gibt der bulgarische Generalstab bekannt, daß die Operationen der englisch⸗ französischen Truppen sich auf das Cernatal beschränkt haben. Die englisch⸗französischen Truppen haben nicht nur um keinen einzigen Schritt vordringen können, über die Stellungen, die sie zurzeit der Ankunft unserer Truppen

besetzt hielten, sondern sie wurden sogar un einige Kilometen

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