Ausgabe 
(22.11.1915) 275. Erstes Blatt
Seite
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F g mehrerer Pakete mit einer Paketkarte ist für die Beit 558 h bis einschließlich 24. 1 weder im Ae deut Verkehr noch im Verkehr mit dem Auslande gestattet. abe liche Einlieferungsbescheinigungen über mehrere ge⸗ wöhnli kete werden in der bezeichneten Zeit nicht ausgestellt.

* Totensonntag. Nie 15 dem Bestehen des Tages, der dem Gedächtnis unserer Toten geweiht ist, sind der Zweck und der Gedanke des Totensonntags überwältigender und für jeden Einzelnen ie pen, gewesen, als am 21. November 1915. Als ob der Himmel das angehäufte Leid verklären wollte, strahlte vom Morgen bis zum Abend eine milde Wintersonne und geleitete Tausende zu den beiden Friedhöfen hinaus. Die Wanderung dorthin begann schon in den Vormittagsstunden. Bei den Morgengottes⸗ diensten waren die Kinthen überfüllt; die Worte der Geist⸗ lichen fielen in empfängliche Herzen, und auch viele von denen, denen der Krieg bisher noch kein Totenopfer abge- nommen hat, konnten den Tränen nicht gebieten, als die Gotteshäuser bei den Predigten vor Schluchzen widerhallten. Nachmittags strömte dann die Menge wieder zu den Fried⸗ höfen hinaus. In der Kapelle des alten Friedhofs sprach um Uhr Pfarrer Schwabe, in der des neuen Friedhofs eine Stunde 15 N Bechtolsheimer. Am Rod⸗ berg sammelten sich die Friedhofsbesucher namentlich um den Ehrenfriedhof, wo schon weit über hundert deutsche und feindliche Krieger den letzten Schlaf tun. Die Grab⸗ stätten boten unter grüner Rasendecke, versehen mit ein⸗ fachen einheitlichen Namenskreuzen, die bei den deutschen Toten die Form des eisernen Vorbilds haben, ein würdiges und ergreifendes Bild. Bis in die späten Tagesstunden. drängte sich die große Zahl der Besucher auf den stillen Wegen; sie wird kaum jemals so groß und so zu andächtiger Trauer gestimmt gewesen sein, wie in diesem Jahre.

* Der Männerturnverein beging am Sams⸗ tag die Feier seines 30jährigen Bestehens in ein⸗

facher und erhebender Weise durch eine gemütliche Zusam⸗ di

menkunft im Vereinsraum Hotel Höhler. Turner aller Altersstufen, darunter drei Mitbegründer, sowie Mitglieder der Damenriege waren zahlreich erschienen, um ihrer An⸗ hänglichleit und Treue zur Vereinssache an diesem bedeu⸗ tungsvollen Tag besonderen Ausdruck zu geben. Der erste

5 Lang sowie Turnwart Weiß u. a. begrüßten die Mitglieder unter Hinweis auf die außergewöhnlichen Zeitumstände der diesmaligen Festestagung, deren Freude gedämpft werde durch die en Verluste, die gerade der Verein durch den Heldentod seines Führers Kauf⸗ mann sowie so vieler wackerer Turngenossen erlitten habe.

Diese seien in Verwirklichung der turnerischen Ideale für die heilige Sache des Vaterlandes gestorben, die auch wie⸗ derum an den in neue Anforderungen stelle, durch die

Einberufung der beiden Redner zur Fahne. Ehrenmitglied Turner A. Bindewald, in dessen Hände nunmehr die Leitung des Vereins übergeht, spann den Faden weiter, indem er in zündender Rede, gewürzt mit Rückblicken in die Vergangenheit und Ausblicken in die Zukunft, zum Gelöb⸗ nis de Selce opferfreudiger Mitarbeit auch im 4. Jahr⸗ zehnt des nnertürnvereins aufforderte. Alte Turner⸗ kieder sowie schließlich eine Blitzlichtaufnahme der Teil⸗ nehmer bildeten den en der würdigen Feier. nee Leil Jugendpflege, der alle auf vaterländischem Boden stehenden und Jugendpflege treibenden Organisationen umfaßt, veranstaltet in Berlin in der Zeit vom 22. November bis 8. Dezember abends 810 Uhr in der Aula der Gemeindeschule, Albrechtstraße 20, einen Lehrgang zur Einführung in die Jugendpflege, bei dem Vorträge aus den verschiedensten Gebieten der Jugend⸗ puede e und auch die militärische Jugendvorbereitung be⸗ handelt werden soll. jeden Vortrag schließt sich eine Aus⸗ sprache an. Anmeldungen zur Teilnahme sind zu richten an die Geschäftsstelle des Hauptausschusses für Leibesübungen und Jugendpflege, Berlin W. 62, Bayreuther Straße 13, dort ist auch die N olge erhältlich. 5 0 und Frau geb. Baer feierte, wie schon kurz matgeteilt/ am gestrigen Sonntag der Goldene Hochzeit. Der Großherzog hat dem Jubelpaar aus diesem Anlaß seine schrüftlichen Glückwünsche ausgedrückt und ihm sein Bild mit eigenhändiger Namensunterschrift überreichen en. Oberbürgermeister Keller nahm ebenfalls Veran⸗ lassung, den Jubilaren seinen Glückwunsch auszusprechen. Die israelitische Gemeinde, der das Ehepaar fe 30 Jahren angehört, ließ demselben einen prächtigen Blumenkorb als Angebinde überreichen. Aus dem Leben der beiden alten Leute wird uns noch mitgeteilt, daß der Jubelbräutigam, der in jungen Jahren nach Amerika gegangen ist, nach siebenjähriger Abwesenheit in sein Heimatland zurückkehrte, um sich mit seiner 7 7 7 zu verheiraten; das junge Paar machte dann die Reise über den großen Teich gemein⸗ acht Jahre in der neuen Welt und kam dann nach Gießen, wo es sich endgültig niederließ. Von seiner 3 geschäftlichen Tätigkeit erzählt die Entwicklung

belpaares kennen lernen durfte, wird seiner gestern ebenfalls herzlich gedacht haben.

tem Futter im Werte von 85 Mk. Mitteilung erbittet die hiesige Kri⸗

he daß

Gedeutung

chuß für Leibesübungen und

dene Hochzeit. Das Ehepaar Rentner Süß fk

usw. hin, wofür sie eine von deen Koch⸗ 2 gibt. Auch hier in Gießen ist der Bezug von Seemuscheln durch eine Fischhandlung ermöglicht, von dem zum Besten unserer Volksernährung, wie wir hoffen dürfen, in der jetzigen Zeit der Fleischknappheit ein recht ausgiebiger Gebrauch gemacht werden wird.

Landkreis Gießen.

Watzenborn, 22. Nop. Dem Unteroffizier Heinrich Philipp von hier wurde das Eiserne Kreuz verliehen.

Lollar, 21. Nov. In der in vergangener Woche abgehal⸗ tenen Sitzung desOrtsausschusses vom Roten Kreuz Lol⸗ lar wurde deschlalten, die vomKreisausschuß des Roten freu⸗ zes für unsere Gemeinde überwiesenen 1200 Mi. Ersparnisse der Getreideeinkaufs⸗Gesellschaft, sowie weitere vom Gemeinderat bewil⸗ ligte 1000 Mk. 114 bedürftigen und kinderreichen Familien zugute kommen zu lassen. Es werden zu diesem Zwecke Kartoffeln, Erb⸗ sen, Granpen, Nudeln, Reis und Seife eingekauft und zum Ein⸗ kaufspreise an die 114 Familien gegen bar verkauft. Außerdem. erhalten die Familien noch 25 Prozent Nachlaß so lange, bis der Ausschlag er betrügt aus 1200 Ml. auf den Kopf der Fa⸗ milie 2,50 Mk. aufgebraucht ist. Die von der Gemeinde gespen⸗ deten 1000 Mk, werden anschließend geradeso verwendet. Um we⸗ entlich mehr als 25 Prozent wird hierdurch die Lebenshaltung er bedachten Familien verbilligt. Die Liste der vom Ortsausschuß als unterstützungsbebürftig ausgewählten Familien wird auf hie⸗ iger Bürgermeisterei zur Einsicht offen gelegt. Der Ortsausschuß,

r bisher aus den Herren: Direktor Weber, Bürgermeister Schmidt, Lehrer Daab, Bauunternehmer Deibel, Fabrikant Schiemangk, Schlossermeister Mattern, Metzgermeister Moos und Bauunternehmer Nuhn bestand, ist durch Beigeord⸗ neten Gerlach und Gemeinderat Vorbach erweitert worde D In dem heutigen Gottes dienste zum Gedächtnis gor Toten, insbesondere der im Felde Gefallenen, wurden die Na⸗ men der im Kirchspiel Kirchberg, dazu gehören die Gemeinden Stau⸗ fenberg, Lollar, Mainzlar, Daubringen, Ruttershgusen, auf dem Felde der Ehre gefallenen 75 Helden, wovon nahezu die Hälfte Familienväter waren, unter feierlichem Glockengeläute pom Altar aus verlesen. Hierbei fehlten noch die schon lange Vermißten, ie noch kein Lebenszeichen von sich gegeben haben. Es blieb kaum ein Auge tränenleer.

O Grünberg, 21. Nov. Bei den Kämpfen in Serbien starb den Tod fürs Vaterland Musketier Georg Hoffmann, Sohn von Bäckermeister Karl Hoffmann III. Die Zahl der Opfer aus unserer Gemeinde beträgt nunmehr 21. Außerdem werden noch vier Krieger vermißt.

Kreis Schotten.

* Gedern, 19. Nov. Wieder hat der Krieg drei Opfer aus unserer Gemeinde gefordert. Den Tod fürs Vaterland starben der Rekrut Wilhelm Stöhr, der Wehrmann Heinrich Ruhl, der eine Witwe mit zwei Kindern hinterläßt, und der Schulberwalter Karl Philippi. Letzterer war gebürtig aus Utphe, Kr. Gießen, und wirkte an hiesiger Schule von Ostern 1914 bis zum 1. Juni 1915, dem Tage seines Eintritts in das Heer. Wegen seines freundlichen Wesens und seiner Pflichttreue in seinem Beruse ersreute er sich

ier und in dem benachbarten Orte Steinberg, wo er bis zum

lai d. J. aushilfsweise tätig war, größter Beliebtheit. Die beiden Gemeinden werden dem tüchtigen Lehrer ein ehrendes Andenken bewahren. Wie im vorigen Jahre, so ist auch in diesem Jahre von der Ortsfürsorge und dem Zweigverein des Roten Kreuzes ge plant, für die im Felde stehenden Gederner Krieger Weihnachts- sendungen hinausgehen zu lassen.

an Ober⸗Lais, 20 Nov. Am letzten Sonntag fand in unserer sirche für den gefallenen Krieger Adolf Kirchhof eine Gedächtnisfeier statt. Das Gotteshaus war überfüllt. Der Dottesdienst wurde verschönert durch den Gesang verschiedener Lieder der Schulkinder, und vor allem durch den eindrucksvollen ChoralNäher mein Gott zu Dir. Der Ortsgeistliche gedachte in ehrenden Worten des Gefallenen im Ansctluß an das Schriftwort Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben, Kirchhof ist das siebente Opfer, das der Krieg in unserer Gemeinde gefordert hat. Er fiel am 25. September bei dem französischen Angriff im Westen.

Starkenburg und Rheinhessen.

m. aten ach a. M., 22. Nov. Hier wurde eine Treuhand⸗ und Hypothekenvermittlungs⸗ e e e. G. m. b. H. begründet, deren Zweck

aer(Hypothekennachweis), der Uebernahme der Aus⸗ eber uche für die vermittelten Hypotheken und der ebernahme von Verwaltungen zu treuen Händen zum Zwecke der Verhütung von Zwangsvollstreckungen. Der Ge⸗ schäftsanteil beträgt 100 Mark, der sofort ganz oder in bierteljährlichen Raten von 10 Mark bezahlt werden kann.

essen⸗Nassau.

IJ Marburg, 21. Nov. An der heute nachmittag auf dem Friedhose bei den Kriegergräbern abgehaltenen Gedächtnis⸗ sejer für die Gefallenen nahmen außer den Angehörigen der Garnison, der Studentenschast, den Krieger- und Gesangvereinen noch zahlreiche Bewohner aus Stadt und Land leil. Die Ansprache 9155 er derzeitige Garnisonpfarrer Professor Dr. Bornhä 0 2 lußer der Jägerkapelle wirkte bei der Feier auch der aus Mit- gliedern der verschiedenen Gesangvereine gebildete Marburger Sängerchor mit.

Frankfurt a, M., 21. Nov. Das Polizeipräsi⸗ dium 115 in sämtlichen hiesigen Lebensmittel- geschäften, die Kleinhandel betreiben, ange Er⸗ hebungen über die Einkaufs⸗ und Verlaufspreise an⸗ stellen lassen. Wo sich erhebliche Unterschiede feststellen ließen, würde das Strafverfahren wegen Lebensmittel⸗ wuchers eingeleitet. Einem eee Kartoffelhändler, der kranke 1 feln zum Preise von 3,90 Mark den Zentner verkauft hatte, wurde das Geschäft geschlos⸗

en. Den noch vorhandenen Vorrat überwies man zur Vieh⸗ ütterung einem Landwirt.

X. Schlüchtern, 21. Nov. In der Samstags⸗Ausgabe desGieß, Anz wurde berichtet, daß jetzt als verantwortlich für die Schlüchterner Zeitung eine Dame zeichne. Dieser Vorgang hängt jedoch, wie man uns schreibt, mit dem Kriege nicht zu⸗ sammen, da bereits seit 4 Wochen für die Redaktion der Schlüchterner Zeitung die Besitzerin des Blattes, Frau Lina 8 o h⸗ meister, verantwortlich zeichnet.

X Hanau, 21. Nov. Die Landwirtschafts⸗ kammer für den Reg.⸗Bezirk Kassel teilt mit, daß dem Vernehmen nach der Bedarf der größeren Städte Kassel und Hanau an Speise kartoffeln bisher wegen man⸗ gelnden Angebots im freien Verkehr nicht voll befriedigt werden bonnte. Die Reichskartoffelstelle habe daher an die Stadtkreise auf deren Antrag Kartoffelbezugsscheine aus⸗ gegeben, nach welchen von den benachbarten Landkreisen bestimmte Mengen von Kartoffeln an die Städte geliefert werden sollen. Die Landwirtschaftskammer fordert die Land⸗ wirte ihres Bezirks auf, möglichst viel kartoffeln un⸗ mittelbar oder durch den Handel oder durch die Kommunal⸗ verbände den größeren Städten zuzuführen. In der gestrigen Sitzung des landwirtschaftlichen Kreisvereins Hanau wurde die Kartoffelfvage ebenfalls erörtert und von vielen Landwirten die Versicherung abgegeben, daß sie be⸗ deutend mehr Kartoffeln als früher ihrer städtischen Kund⸗ schaft zugeführt hätten. Als Tatsache könne aber sestgestellt werden, daß viele Abnehmer weit größere Mengen

5 sals in früheren Jahren sich zugelegt hätten, auch der eigene

Bedarf der Landspirte jetzt weit größer 15 als früher.

Rüdesheim, 22. Noy. Die 13⸗ und 15jährigen Töchter der hiesigen Einwohner Kraß und Weber stürzten Freitag abend in den Rhein. Auf ihre Hilferufe sprang ihnen der Brfckenwärter Möslerx nach. Ihm gelang es, die sich fest umklammert haltenden Mädchen dem Strome zu entreißen und mit Hilfe des Matrosen Trapp aus

*

esteht in der Vermittlung und Beschaffung von Hypotheken⸗ fe

Bingerbrück ans Land du bringen. Die schon bewußtlosen Mädchen wurden ins Leben zurückgerufen. 5 KFassel, 21. Nov. Der Beweis für die unvergleich⸗ liche Stärke des deutschen Wirtschaftslebens ist zweifellos auch durch eine Darlegung der Landesversicherungs⸗ anstalt Hessen⸗Nassau erbracht worden. Bei dieser Anstalt mußten am 1. Okt. 1914 vertragsmäßig 1259 217,08 Mark an Zinsen und Abträgen 5 Hiervon waren nach nur 14 Tagen am 15. Oktober 1914 bereits 1116 163,30 Mark eingezahlt. Bis zum 15. November 1914 waren weiter eingelaufen 134 223,88 Mk. und der Rest von 8829,90 Mk. war am 15. Dezember 1914 eingegangen. Die Gesamtsumme aller Zinsen und Abträge mit Millionen Mark war also bis zum 15. Dezember 1914 bis aufden letzten Pfen⸗ nig eingegangen. Das Ergebnis im Januar 1915 war noch besser. Am 1. Januar 1915 waren fällig 696 566,35 Mk. Davon waren nach 14 Tagen bis zum 15. Januar 1915 be⸗ reits eingezahlt 686 203,52 Mk. Es waren also nur noch rund 10 000 Mk. rückständig, die aber auch bis Mitte März restlos eingezahlt sind, und die Erfahrungen im Laufe des Jahres 1915 sind erfreulicherweise die gleichen geblieben. Hiernach kann man wohl keinen besseren Nachweis dafür er⸗ bringen, daß das Wirtschaftsleben des Deutschen Reiches durch den Krieg in keiner Weise erschüttert ist.

Gießener Straftammer.. th. Gießen, 20. November 1915. Die Strafkammer verhandeilte gestern fünf Anklagefälle. Einer Ueberschreitung des Züchtigungsrechts hatte sich der Lehrer L. von Ober⸗Wöllstadt gegen einen Knaben schuldig gemacht. Er hatte denselben, weil er ihn belogen, derartig gestraft, daß von den Schlägen schwere Striemen am Körper sichtbar blieben. Eine Geldstrae von 50 Mark und Kostentragung wurde als ausreichende Sühne angesehen. Wegen Diebstahls eines geringen Geldbetrages, zu dessen Erlangung er sich eines falschen Schlüssels bediente, wurde der Installateur Heinr. Sch. von Bad⸗Nauheim zu 14 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Beleidigung eines Landstürmers hat den Bürmermeister M. von Zeilhach in Ungelegenheiten gebracht. Der Valerlandsverteidiger war von seinem Bataillon zur Vor⸗ nahme angeblich wichtiger häuslicher Arbeiten in die Heimat beurlaubt. Tas Dorfoberhaupt war aber der Ansicht, daß die Arbeiten nicht wichtig genug feien, um den Mann vom Dienst zu dispensieren. Er äußerte sich in diesem Sinne und übte Kritik, indem er erklärte: des Landstürmers Tätigkeit sei nicht so viel wert wie der Rock, den er auf dem Leibe trage, Der Gerichtshof nahm den Fall nicht so tragisch, wie der sich schwer gekränkt fühlende Landstürmer, mußte aber wegen Beleidigung auf eine Strafe erkennen und bemaß diese auf 3 Mark, hilfsweise 1 Tag Ge⸗ fängnis. Eine Unterschlagung brachte die russische Untertanin Frau Rosa F. auf die Anklage⸗ bank. Die in Warschau geborene Frau, deren Mann in Deutsch⸗ land interniert ist, ernährt sich in Bad⸗Nauheim vorübergehend während des Kriegs durch Nähen. Sie fand eines Tages ein wert⸗ volles Geschmeide. Sie behielt den Fund vorläufig, ohne ihn, wie es das Gesetz will, beim Polizeiamt anzumelden. Die Russin hütete das Fundobjekt längere Zeit, kam dann in Not und brach aus dem Schmuck eine Perle, mit der sie zu einem Juwelier ging, um dieselbe in Geld umzusetzen. Es kam aber zwischen den Parteien nicht zu einem Handl; doch diee Sache kam jetzt ans Tageslicht. Die Straffammer war der Ansicht, es handle sich um Unterschlagung, erkannse auf einen Monat Eisen gegen die Angeklagte, rechnete aber bie Strafe gegen die erlittene Untersuchungshaft auf, so daß die Frau F. auf freien Fuß gesetzt wurde. Das her wilder Radler ist der 70 Jahre alte Lehrer Strack von Orleshausen geworden. 2 legraphenarbeiter W. von Büdingen und R. und B. von Lingheim waren in angetrunkenem Zustande in einer November⸗ nacht vorigen Jahres hinter dem alten Manne hergefahren, und W. und R. hatten ihn mit ihren Rädern zu Fall gebracht. Der leberfahrene hatte ein Bein gebrochen und sich auch andere hafte Verletzungen zugezogen. Gleichwohl ließen ihn die 0 11 geklagten, die vom Büdinger Schöffengericht der hie⸗ gen Str hilflos liegen. Dem Angeklagten B. wurde eine Schuld nicht nackgewiesen; er wurde freigesprochen. W. und R. erhielten 14 Tage Gefängnis.

Universitäts⸗ Nachrichten. [1 Marburg, 21. Nov. Die theologische Fakultät der hie⸗ sigen Unwersität ernannte den Psarrer Karl Deismann in Weilburg zum Ehrendoktor.

Amtlicher Wetterbericht. Wetteraussichten in Hessen am Djenstag, den 23. Nov. 1915: Keine wesentliche Aenderung der bestehenden Witterung.

LLeetzte Nachrichten.

Die deutsch⸗bulgarischen Verhandlungen.

Berlin, 22. Nov. Der bulgarische Finanz⸗ minister Tontschew hat die Verhandlungen, die ihn nach Berlin führten, zu einem glücklichen Ende geführt. Es ist mit der deutschen Regierung vereinbart worden, daß deutsche Banken, an deren Spiße die Diskontogesellschaft steht, dem bulgarischen Staat zur Begleichung der Kriegs⸗ kosten einen Vorschuß Fe der später in eine Anleihe verwandelt werden soll.

Kriegsvorträgeverbot in Dänemark.

Kopenhagen, 22. Nov. Nach einer Meldung von Fünnes Socialdemokraten steht ein Verbot des Ju⸗ stizministers gegen Vorträge von Ausländern über den Krieg oder damit zusammenhängende Themen in Aussichk.

Spaltung der schweizerischen Sozialdemokratie.

Ag vau, 22. Nov. Auf dem in Aarau am Samstag abge⸗ an Parteitag der sozialdemokratischen Partei haben die Meinungsverschiedenheiten zwischen Revisionisten und Ra⸗ dikalen zu einem offenen Bruch geführt. Die gemäßigten Elemente der schweizerischen Sozialdemokratie haben sich in dem Gartliverein zusammengefunden. Mit 393 gegen 37 Stimmen wurde die Auflösung der Organisation des Gartlivereins sowie die Aufhebung des Rechtes der Gurklier, fünf Mitglieder in den Par⸗ teivorstand zu wählen, beschlossen. Mit 330 gegen 51 Stimmen wurde die Zimmerwalder Konferenz begrüßt und ihre Beschlüsse gut geheißen und gegen eine etwas größere Minderheit wurde allen ossen in den kriegführenden Ländern,die den Grund⸗ sätzen der Internationale und des Klassenkampfes treu geblieben sind, herzliche Sympathie ausgesprochen.

Kriegstotensonntag in Berlin.

Berlin, 22. Nov. Im Zirkus Busch fand am Toten⸗ sonntag eine von der Soldatenfürsorge des ostdeutschen Jünglings⸗ bundes veranstaltete Gedächtnisfeier für unsere Gefallenen statt. Der Zirkusraum war reich besucht. Auch die Kronprinzesfin war erschienen. Professor Döhring in Feldpredigeruniform hielt die Gedächtnisrede. Alle Anwesenden sprachen unter dem Gelftute der Domglocken gemeinsam das Vaterunser. Auch der Berliner Verein für Feuerbestattung hatte eine Gedächtnis für die Ge⸗ fallenen veranstaltet. Alse Friedhöfe und Kirchen waren von Fejernden überfüllt. 0

Odol

Das Beste zur Zahnpflege

afkammer überwiesen worden waren, bei 10 Grad Kälte