Am selben Tag, abends 8 Uhr, wird in der Stadtkirche ein Gottesdienst für innere Mission gehalten werden, bei dem Pfarrer Groth(Rödgen) die Predigt zu halten über⸗ nommen hat.
* Konzert⸗Verein. Das zweite dieswinterliche Konzert i am Sonntag, 14. November, in der Neuen Aula, wunktlich 5d½ Uhr nachmittags, statt. Es ist dem Liebling aller Musi 1275 Kammer musik, gewidmet. Der Konzert⸗ Verein hat sich die Pflege dieser Kunstgattung von jeher angelegen ein 1 die beliebten e— 5
ie vielen Ja hindurch bezeugen. Die önlichkeiten der Aus⸗ fühvenden verleihen dem neuesten Konzert einen befonderen Anreiz. Meister Reger führt zwei seiner neuesten Werke unter Mitwirkung des Leipziger Gewandhausquartetts vor; der Kom⸗ ponist selber am Flügel und als seine Partner die mit seinen Ab⸗ sichten durch wiederholte gemeinsame Aufführungen vertrauten Künstler des Streichquartetts: Konzertmeister Edgar Woll⸗ gandt, Karl Wolschke, Carl Herrmann und Professor J. Klengel, die übrigens zum erstenmal nach Gießen kommen, nachdem sie in Frankfurt mehrmals mit großem Erfolg konzertier⸗ ten. Das Programm bringt am Anfang und am Schluß die er⸗ wähnten beiden Kompositionen Regers und als Mittelstück das herrliche unter dem Namen„Harfenquartett“ bekannte und beliebte Op. 74 Beethovens, das vor vielen Jahren durch das Berliner Halierquartett hier gespielt wurde..
** Im Lichtspielhaus gibt es auch während des Krieges angenehme und einwandfreie Unterhaltung. Der neue Spielplan, der bis einschließlich Freitag sich abwickelt, enthält Bilder von hohem künstlerischem Wert. Das Drama„Märtyrerin der Liebe“ scheint auf den ersten Blick zu jener Kunstware 25 ge⸗ hören, die dem Geschmack der breiten Masse zu dienen berufen ist, aber es wird uns dabei in drei Akten keineswegs eine sen⸗ sationelle Häufung von Banalität vorgeführt, sondern ein Vorgang, der eines zartsinnigen, psychologischen Romans würdig wäre. Eine junge Aristokratin, mit ganzer Seele der Bildhauerkunst er⸗ geben, richtet ihr Talent im Atelier eines berühmten Meisters zu größten Leistungen auf, die sie auch nach der Vermählung mit diesem fortsetzt, bis in ihrem Gatten die peinigende⸗ Gewißheit aufkommt, daß sie ihm in seiner Kunst überlegen ist. Als ihr diese Eifersucht ihres Mannes allmählich offenbar wird, zerschlägt sie die Ursache des Unheils, das Werk, das ihr den ersten Preis, ihrem Gatten nur den zweiten eingebracht hat. Henny Porten überwindet in der Titelrolle alle Klippen, die in diesem Kinostück stören könnten. Ihre Darstellung, ihr Ausdruck verlieren sich
nie ins Allgemeine und in berechnete Aeußerlichkeiten, sondern sie bietet Seelenstimmung, soweit sich diese ins Bildhafte übersetzen läßt. Wir bewundern bei der Darstellerin ein sicheres Stilgefühl und vornehmes Maßhalten. Auch ihr Partner legte Proben feiner Darstellungskunst ab, und er würde darin nicht mit einem nachgeordneten Preise bedacht werden. Lobend sind auch die übrigen darstellenden Personen sowie die geschmackvollen Lei⸗ stungen der Regie zu erwähnen, die u. a. flotte, lebensvolle
Gruppenbilde Künstlerkneipe, Gartenfest) zusammenzustellen wußte. Daß 0 0 Spielplan des Nichte heuses auch der
Humor zur vollen Geltung kommt, wird ebenfalls die Besucher anlocken, denn befreiende Heiterkeit zu lösen ist auch eine dankbare Aufgabe der Licht⸗ und Schattenspiele. * Metalle anmelden! Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß die Anmeldung der beschlagnahmten Gegenstände aus Kupfer, Messing und Reinnickel unter Verwendung des Meldevordrucks bis zum 16. No⸗ vember 1915 auf dem Stadthaus, Zimmer Nr.“ zu er⸗ folgen hat. Die vorgeschriebenen Meldevordrucke sind im Stadthaus, Zimmer Nr. 7, sowie in den Brotmarkenaus⸗ gabestellen zu erhalten. Letztere sind täglich von 8—9 Uhr vormittags geöffnet. Wer die Anmeldung unterläßt und wer ige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mk. bestraft. 5 5 Häute und Felle. Mit dem 10. November 1915 treten anstelle der bisherigen Bestimmungen über die Beschlagnahme von Großviehhäuten die Anordnungen einer Bekanntmachung betreffend Beschlagnahme, Behandlung, Verwendung und Meldepflicht von rohen Häuten und Fellen in Kraft, die den Handel mit Häuten und Fellen in einschneidender Weise regeln Durch diese Bekauntm g werden alle im Inland gefallenen Großviehhäute und Kalbfelle, die ein bestimmtes Gewicht erreichen, beschlagnahmt. Trotz der Beschlagnahme ist jedoch ihre Veräußerung und Lieferung an bestimmte Abnehmer zugelassen. Die Regelung des zugelassenen Handels mit Häuten und Fellen lehnt sich an diejenige an, die bis⸗ her auf Grund der Bekanntmachung dom 22. November 1914 be⸗ slanden hat. Die endgültige Sammelstelle des beschlagnahmten Ge⸗ fälles ist die Deutsche Rohhaut⸗Aktiengesellschaft in Berlin, während die Kriegsleder⸗Aktiengesellschaft in Berlin seine Verteilung an die Gerbereien vorzunehmen hat. Als Aenderung in dem bisherigen nde kommt insbesondere in Betracht, daß ein Schlächter, der nicht Mitglied einer Häuteverwertungs⸗Vereinigung ist, an einen Händler ohne Rücksicht darauf liefern darf, ob er an diesen Händler bereits vor dem 1. August 1914 geliefert hat; daß Händler, deren monatlicher Umsatz eine bestimmte Höhe nicht über⸗ steigt, außer an einen zugelassenen Großhändler auch an einen an⸗ deren Händler verkaufen dürfen; daß der unmittelbare Ankauf von Häuten durch eine tei von einem Schlächter, der bisher in 8 Umfang zulässig war, in keinem Falle mehr statthaft ist. ie Veräußerungserlaubnis der beschlagnahmten Häute und Felle ist aber an die Beachtung bestimmter Vorschriften geknüpft, die für die Behandlung der Häute und Felle aufgestellt sind und ins⸗ die schnelle Weiterleitung des beschlagnahmten Gefälles durch die am Hä beteiligten Kreise bezwecken. Eine bemerkenswerte Neuerung der Bekanntmachung gegenüber dem bisherigen Zustand besteht auch darin, daß von der Ver⸗ äußerungserlaubnis innerhalb einer bestimmten Frist Ge⸗ brauch gemacht werden muß. Wer diese Veräußerung innerhalb der gestellten ist unterläßt, unterliegt einer Meldepflicht über die in seinem itze befindlichen Häute und Felle an die Melde⸗ stelle der Kriegs⸗Rohstoff⸗ Abteilung für Leder und Leder⸗ rohstoffe in Berlin. Es darf angenommen werden, daß gegenüber der unberechtigten Ansammlung von Häuten oder Fellen von dem Rechte der Enteignung Gebrauch gemacht wird. Die Ablieferung und Verwendung des aus militärischen Schlach⸗ tungen sowie aus den besetzten feindlichen Gebieten, aus den Etappen⸗ und Operationsgebieten stammenden Gefälles ist durch besondere Vorschriften geregelt. Ein Bezug derartigen Gefälles ist jedenfalls nur von der Kriegsleder⸗Aktiengesellschaft erlaubt. Besondere Bestimmungen gelten für die aus dem neutralen Ausland eingeführten Häute und Felle. Sie sind nicht beschlag⸗ nahmt; ihre Besitzer unterliegen aber einer Pflicht zur Meldung und Lagerbuchführung. Ueber Ausnahmen von den Anordnungen der Bekanntmachung, halten ist, hat nur die Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung des Königlich Preußischen Kriegsministeriums, Berlin W., Verlängerte Hede⸗ mannstraße 9—10, zu befinden.. ** In französischer KHriegsgefangenschaft. Wir kommen gerne einer uns gege Anregung nach, auf ein Schriftchen unseres Mitbürgers Hans Horst auf⸗ merksam zu machen, der als Wehrmann im Landwehr⸗In⸗ fanterie⸗Regiment 116 die große Marneschlacht im vorigen Jahre mitgemacht hat, dabei schwer verwundet wurde und in französische Gefangenschaft geriet. In lebens⸗
voller und sympathischer Art schildert der im Wege des Austauschs vor einigen Monaten in die Heimat Zurück⸗
gekehrte seine Erlebnisse und Erfahrungen vom Augenblick seiner Verwundung bis zum Wiedereintreffen in seiner Vaterstadt. Obwohl ihm sein Schicksal manche Bitterkeit gegenüber dem Feind verzeihen müßte, hält sich seine Schil⸗ derung frei von allen Ausfällen gegen denselben; und wenn man noch gegenüber manchen Einzelheiten die Faust ballen möchte, so ist immer die objektiv dargestellte Tatsache und nie eine künstliche Aufpeitschung der Gefühle schuld 7 n. Es wird manchen interessieren, aus erster Quelle
deren Wortlaut im heutigen Kreisblatt ent⸗
soviel Persönliches über französische Kriegskultur zu er⸗ fahren, und wir ektüre des im
5 ni t, daß die
Selbstverlag des fassers, Mittelweg 13, erscheinenden Büchleins dazu beitragen wird, die blinde Ueberschätzung machen Wesens mehr und mehr verschwinden zu machen.
* Post nachrichten. Der Postanweisungs⸗ und Nachnahmedienst mit der Türkei wird wieder auf⸗ genommen. Der Meistbetrag einer Postanweisung ist von 500 Fr. auf 1000 Fr. erhöht worden. Der Meistbetrag der Nachnahmen(500 Fr. bz. 400 Mk.) bleibt vorläufig unver⸗ ändert.— Im Reichspostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende Oktober 1915 auf 110 233 gestie⸗ gen(Zugang im Monat Oktober 641). Auf diesen Postscheckkonten wurden im Oktober gebucht 2146 Millionen Mark Gutschriften und 2162 Millionen Mark Lastschriften. Bargeldlos wurden 2292 Millionen Mark des Umsatzes beglichen. Das Gesamtgut⸗ haben der Kontoinhaber betrug im Oktober durchschnittlich 278 Millionen Mark. Im Postüberweisungsverkehr mit dem Aus⸗ lande wurden 5,2 Millionen Mark umgesetzt.
* Pfserdeversteigerung. Samstag, den 13. Nov., vormittags 9 Uhr, kommen auf dem Hofe des Pferde⸗ lazaretts zu Babenhausen 15 Stück Beutesohlen im Alter von 4 Monaten bis zu 2 Jahren zur Versteige⸗ rung. An der Versteigerung können nur hessische Landwirte teilnehmen. Die Versteigerung erfolgt gegen Barzahlung. Eine Rückvergütung auf die Steigpreise wird für diese Fohlen nicht gewährt.
Landkreis Gießen.
ü. Lollar, 9. Nov. Eisenbahn⸗Assistent Brettnich ist seit 8. d. Mts. zur Militär⸗Eisenbahn⸗Direktion 6 Brest⸗ Litowsk abkommandiert. Es sind zur Dienstleistung nach Feindesland bis jetzt vom hiesigen Bahnhof abkommandiert: 2 Eisenbahn-Assistenten, 2 Rangierer und 1 Wetchensteller.
ü. Mainzlar, 9. Nov. Hier traf die Nachricht ein, daß Musketier Heinrich Hörmann, Sohn vom Schuhmachermeister Hormann und Musketier Kaspar Vogel, Sohn vom Landwirt Ludwig Vogel II., beide im selben Regiment, im Krieglazarett in Serbien an ihren schweren Verwundungen den Tod fürs Vater— land gestorben sind.— Der seit der letzten französischen Offen— sive in der Champagne vermißte Landwehrmann Klingelhöfer, Sohn vom Kreisstraßenwart Klingelhöfer von hier, hat nunmehr baus französischer Gefangenschaft geschrieben.
H. Hungen, 10. Nov. Das am verflossenen Freitag im hiesigen Schlosse veranstaltete Konzert hat einen glänzenden Verlauf genommen. Das Quartett in A-Dur von Beethoven und das Klavier⸗Quintett von Dvorak wurden von Frankfurter Künst⸗ lern in vollendeter Weise vorgetragen, und Konzertmeister F. Kaufmann zeigte sich in dem Violin⸗Konzert Nr. 3 in C⸗Dur von Aulin als ein hervorragender Meister auf seinem Instrument. Die von Kammersänger Hermann Gura aus Berlin vorgetrage⸗ nen 7 Lieder rissen das Publikum zu wahren Beifallsstürmen hin, welche den Vortragenden zur Zugabe von 2 weiteren Liedern ver⸗ anlaßten. Ohne die Veranstalterin des Konzertes, Frau Prinzessin Hermann zu Solms⸗ Braunfels, wäre wohl das Zusam⸗ menwirken so vieler Künstler für unsere Stadt nicht zu erreichen gewresen. Mit der ganzen Veranstaltung hat sich dieselbe den er⸗ neuten Dank der Bewohner unserer Stadt und ihrer Umgebung, sowie auch der verwundeten Soldaten im hiesigen Vereinslazarett erworben. Infolge des außerordentlich zahlreichen Besuches des Konzertes fließt dem Roten Kreuz, welchem die gesamte Ein⸗ nahme zugute kommt, bei äußerst billigem Preis der Plätze eine nicht unbeträchtliche Einnahme zu.
Kreis Lauterbach.
rr. Augersbach, 9. Nov. Pfarrer Hechler hat uns nach noch nicht einjähriger Wirksamkeit dahier wieder verlassen, um die Stellung eines Vereinsgeistlichen im Hessischen Diakonieverein zu übernehmen.
Kreis Schotten.
F. C. Schotten, 9. Nov. Im Alter von 69 Jahren ver- starb der Fürstlich Stollbergische Revierförster Reimann, der 31 Jahre lang dem weit ausgedehnten Revier Seemen vorstand.
Starkenburg und Rheinhessen. 0 . Mainz, 9. Nov. In der Rheinallee fuhr ein Straßenbahnzug in die Musikkapelle der 21er Pio⸗ niere und schleifte eine Anzahl Musiker mit. Mehrere . erlitten erhebliche Verletzungen; die Mehrzahl der Leute kam mit leichten Quetschungen und Hautabschürfungen davon. Kreis Wetzlar.
ib Ehringshausen, 9. Nov. Heute in der Frühe gingen zwei englische Kriegsgefangene flüchtig, und zwar 1. Georg Mae Donald, 21 Jahre alt, 1,70 Meter groß, hat runde Kopfform, blaue Augen, glattrasiertes Gesicht, kräftige Statur, kleine Nase, blonde Haare und schlechte Zähne. Der Flüchtling ist bekleidet mit englischem Uniformrock, Manchesterhose und schottischer Militärmütze, sämtlich mit rotem Oelfarbanstrich gezeichnet.— 2. Frederick Smitt, 24 Jahre alt, 1,68 Meter groß, hat läng⸗ liche Kopfform, braune Augen, krästige Gestalt. spize Nase, dunkel⸗ blonde Haare und schlechte Zähne. Der Flüchtling ist glatt rasiert, trägt englischen Uniformrock, blaue Hose, graugrüne Mütze. Die Kleidungsstücke sind mit roten Oelsarbenstrichen gezeichnet. Beide Gefangene sprechen nur englisch; sie tragen Wickelgamaschen und Schnürschuhe. Es wird gebeten, die Flüchtigen sestzunehmen und dem Lagerkommando Gießen telegraphisch Nachricht zu geben.
Hessen⸗Nassau.
1 Marburg, 10. Nod. Die Eheleute Rentier Koppel Strauß und 8 geb. Kann, feiern heute ihre diamantene Hochzeit. Herr Strauß steht im 85. und seine Gattin im 82. Lebensjahre. Beide Jubilare erfreuen sich noch einer für ihr hohes Alter be⸗ merkenswerten Rüstigkeit und Gesundheit.
fo. Fron hausen, 9. Nov. Dem inzwischen an einer Ver⸗ wundung verstorbenen Pionier Joh. Jakob Felden von hier wurde das Eiserne Kreuz J. und 2. Klasse verliehen.
— n 9. Nov. Am letzten Tage seines Urlaubs ist der Soldat Schmidt aus Alpenrod hier zu Tode gekommen. Auf einer Radfahrt nach hier stürzte der junge Mann auf der steil abfallenden Straße vom Rade. Er erlitt einen Schädelbruch, dem er am nächsten Tage erlag. a
ul. Limburg, 9. Nov. Heute vormittag entwich hier, als er zusammen mit fünf anderen Gefangenen zum Bahnhof ge⸗ bracht werden sollte, der auf dem Transport von Bruchsal nach Dortmund befindliche Strafgesangene Markus Morsch. Der Ausreißer trug Sträflingskleidung.
.——
Vermischtes.
* Der„Tag der Toten“ in Frankreich. Der Aller⸗ 2 der auch in Frankreich seit vielen Jahrhunderten als
8 Weihefest der Toten des Jahres gilt, hat diesmal besonders reiche Trauerversammlungen auf den Friedhöfen der gallischen Erde gesehen. Auf alle Gräber an der Front und hinter der Front waren Blumen gelegt von zahlreichen Trauernden, und in Paris fanden Wallfahrten zu diesen feierlich 5 letzten Ruhe⸗ plätzen statt. Auf den Gräbern der im Kriege Gefallenen ist nach einem neuen Gesetz jetzt überall die Inschrift angebracht:„Ge⸗ storben für Frankreich“. Außerdem zeigten in Paris auf den großen Kirchhöfen alle Gräber der Gefallenen besondere Zeichen in Gestalt von kleinen Fähnchen in den Nationalfarben. Auch von den Soldaten 15 wurde der Tag der Toten, wie wir den Schilderungen französischer Blätter entnehmen, in Geden⸗ ken an die dahingegangenen Kameraden gefeiert. Die Gräber, die sich so zahlreich an der weiten Schlachtfront entlangziehen, zeigten nicht nur Blumenschmuck, sondern man legte auch irgend welche Gaben auf den Erdhügel, wie Granatsplitter, Kugeln oder bunte Steine. Ueber die in den einzelnen Gräbern Ruhenden werden genaue Listen geführt, von denen eine der Befehlshaber
des in der Nähe des Soldatenfriedhofs liegenden Korps hat, während die andere im Hauptquartier aufbewahrt wird. Es soll
dadurch nach dem Kriege den Angehörigen jedes Gefallenen die Möglichkeit gegeben werden, die letzte Ruhestätte ihrer teuren Toten aufzufsuchen.
Handel.
— Essen, 9. Nov. Die heutige Hauptversammlung der Friedr. Krupp, A.-G. Essen genehmigte den Abschluß für das Geschästsjahr 1914/15 und beschloß den Anträgen gemäß. Es ergibt sich aus dem Geschästsjahr 1914/15 ein Reingewinn von Mk. 86 465 611(im Vorjahre 38 904 224); hierzu tritt der Ueber⸗ trag aus dem Vorjahr mit Mk. 9 385 347(86 926 334), so daß die Hauptversammlung über den Betrag von zusammen Mk. 95 850 958(40 830 558) Beschluß zu sassen hatte. Zu diesem Ergebnis bemerkt der Geschästsbericht, daß es wesentlich beeinflußt ist durch die großen Ansorderungen unserer Heeres- und Marine⸗ Verwaltung, die derart gesteigert worden sind, daß die Ablieserungen für deutsche Rechnung im abgelaufenen Geschäftsjahre fast den 2½ fachen Betrag des entsprechenden Gesamtumsatzes(In- und Aus- land) im Vorjahre erreicht haben. Demgemäß ist auch der Gewinn ge⸗ stiegen. Auf der anderen Seite bedingten die sortgesetzt steigenden An⸗ sprüche an die Leistungsfähigkeit der Firma umfangreiche Neubauten und Erweiterungen der Werksanlagen, deren Kosten zum größeren Teil dem folgenden Jahre 1915/16 zur Last fallen. Aus diesem Grunde ist eine weitere Erhöhung des Geschäfts kapitals notwendig; daher soll die noch nicht eingezahlte Hälfte der im Vorjahre be⸗ schlossenen Erhöhung des Aktienkapitals mit 35 Millionen Mark zur Einzahlung, eingefordert werden. Nach Abzug der Abschreihun⸗ gen, Kriegsbeihilfen usw. verbleibt ein Gewinnbetrag von 47,4 Mill. Mark, der nach den bisherigen geschäftlichen Gepflogenheiten die Verte hung einer Dividende in Höhe von 24 Prozent gestatten würde. Da aber die Familie die Absicht hat, in diesem Kriegs⸗ jahre keine höhere Dividende als vor dem Kriege zu beziehen und den die vorjährige Dividende übersteigenden Betrag der Kriegs⸗ fürsorge für die Allgemeinheit zuzuführen, so ist die Dividende auf 12 Proz. wie im Vorjahre festgefetzt worden.
8 Märkte. Schweinemarktbericht vom 10. Nov.
1
Je. Frankfurt a. M. Au ssgetrieben waren 1489 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 112.00— 125.00 Mk., Schlachtgewicht 140.00- 155.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 110.00 120.90 Mk., Schlachtgewicht 130.00— 140.00 Ml. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 110.00— 125.00 Mk, Schlachtgewicht 140.00—155 Mk. vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 110.00— 125.00 Mt., Schlachtgewicht 140. 0015.00 Mk. Geschäft rege.
fe. Frankfurt a. M., 10. Nov. Frucht- und Futtermittel⸗ markt. Getreide geschäftslos, Stimmung zurückhaltend. Das Angebot in Futtermitteln ist etwas belebter, die Nachfrage groß, der Umsatz gering. Man notierte: Spelzspreu 12—13 Mk., Raps⸗ kuchen 60—62 M., Kokoskuchen 72 bis 75 Mk., Leinkuchen 80 bis 84 Mk., Sesamkuchen 7074 Mk. Alles für 100 Kg.
fe. Frankfurt a. M., 10. Nov. Kartoffelmarkt. Es fehlte an Angebot von Speisekartoffeln, sür die große Nachfrage berrscht. Nur Futterkartoffeln sind angeboten.
Meteorologssche Beobachtungen der Ssalson Gleßen.
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Nov. 2 8. 88 S 252 5 5 S e e Wette
2016 E 88 2 8 2 2 5 5 s
8 88 S2 S2 5
16 a S
9. 2— 7,9 66 83—— 10
9.%— 7 5 7— 0
10. 7— 6,7 6,3 85—— 10
Höchste Temperatur am 8. bis 9. Nov. 1915 + 8,5 0. Niedrigste„ d,„ eie. e Niederschlag: 0,0 mm.
—— 5— 5 2 8— Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 11. Nov. 1915: Meist bedeckt, Niederschläge, Temperatur wenig geändert.
Lege Nachrichten.
Die bulgarische Stoßkraft gegenüber Engländern und Franzosen.
Sofia, 10. Nov. Die Bulgaren traten den etwa 80 000 Mann starken Truppen der Engländer und Franzosen auf der Front Prilep—Krivolac—Strumitza in einer Frontlänge von mehr als 50 Kilometer entgegen. Der Kampf währte zwei Tage. Als die Bajonettan⸗ griffe begannen, ergaben sich die Ententetruppen in Haufen oder ergriffen die Flucht. Die Verluste der Feinde sind ungeheuer, während die der Bulgaren verhältnis⸗ mäßig gering sind.(Berl. Tagebl.)
Die russische Politik.
Hamburg, 10. Nov. Das„Hamburger Fremdenblatt“ meldet aus Stockholm: Der russische Ministerrat hält nach dem„Rjetsch“ täglich Sitzungen ab. Einen Haupt⸗ gegenstand der Beratungen bildet die Frage einer gründlichen Reform der auswärtigen Politik. Ein großer Teil der Minister besteht auf einer vollständigen Neugestaltung des bisheri⸗ gen Systems und Entfernung seiner Träger. Diese Forderungen finden die Unterstützung des Zaren. N
Friedensstimmen im englischen Oberhaus.
Rotterdam, 10. Nov. Der„Nieuwe Rotterdamsche Cou⸗ rant“ meldet aus London: Im englischen Oberhause warf Lord Milner der g vor, daß sie die amtlichen Kriegsmel⸗ dungen zu optimistisch färbe und daß daher die englischen Offiziere die deutschen Meldungen für zuverlässiger ansähen als die eng⸗ lischen. Lord Curzon versprach namens der Regierung Ne- formen. Der betagte Lord Courtney erklärte, daß Vater⸗ landsliebe nicht das einzig N in diesem Augenblick
fei. Er sehe den europüischen Kultur voraus, wenn dem Krieg nicht bald ein Ende ge⸗ macht würde. Er warf die Frage auf, ob nicht durch
Vermittlung neutraler Mächte handlungen angebahnt werden könnten. Niemand antwortete ihm darauf. Einleitend hatte Courtney ausgeführt, daß Eng⸗ land eine freie Nation sei und bleibe oder untergehen müßte. Die Engländer sollten weiter kämpfen, bis Belgien und Franh⸗ reich vom Feinde geräumt seien. Man müsse in Deutschland die tiefeingewurzelte Ueberzeugung, daß es einen Schadenersatz er⸗ halten würde, aufgeben Dennoch wünsche er, daß Bespvechungen unter den neutralen Staaten stattfinden sollten und er wolle Greys Anregung, daß über das freie Meer ein Gedankenaustausch stattfinde, in diesem Zusammenhange zur Sprache bringen, um diesen Gedanken zu befürworten. Die Frage sollte jedoch zwischen den Staaten nicht erst nach dem geregelt werden. (Berl. Lokalanz.) England und die amerikanische Note.
Haag, 10. Nov. Eine halbamtliche Meldung aus London besagt, daß England die letzte Note Wilsons gegen die eng⸗ lische Blockadepolitik ablehnen und nichts an seinem bisherigen Standpunkt ändern werde.
Ein deutscher Fesselballon abgetrieben.
Amsterdam, 10. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Hiesige Blätter melden, daß bei Biggekarka ein deutscher Fesselballon niedergegangen ist. Er wurde pon den Militärbehörden beschlagnahmt.
Od ol Das Beste
zur Zahnpflege
Friedensver⸗


