Ausgabe 
(10.11.1915) 265. Erstes Blatt
Seite
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Ur. 205 Der Sießener Anzeiger

erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen:

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Mittwoch, 10. November 1015 Bezugsvrei;:

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5 1 die Post Mk. 2.30 viertel⸗. 75 jährl. ausschl. Bestellg. 0 Zeilenpreis: lokal 15 Pf., 955 ausw. 20 Pf. Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

die Einnahme von Leskopac. Ein Seppelinschiff über Sofia.

(WTB.) Großes Hauptquartier, 9. November.

Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Es sind keine Ereignisse von Bedeutung zu melden. Versuche der Franzosen, das ihnen am Hilsenfirst ent⸗ rissene Grabenstück zurückzugewinnen, wurden vereitelt.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.

Die russischen Angriffe wurden auch gestern westlich und südlich von Riga, westlich von Jakobstadt und vor Dünaburg ohne jeden Erfolg fortgesetzt. 5

In der Nacht vom 7. zum 8. November waren feindliche Abteilungen westlich von Dünaburg in einen schmalen Teil unserer vorderen Stellung eingedrungen. Unsere Trup⸗ pen warfen sie im Gegenangriff wieder zurück und machten fange Offizier, dreihundertzweiundsiebzig Mann zu Ge⸗

angenen.

sgruhpe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.

Im Laufe der Nacht fanden an verschiedenen Stellen

Patrouillenkämpfe statt.

Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Bei einem erfolgreichen Gefecht nördlich von Koma row(am Styr) wurden dreihundertsechsundsechzig Russen gefangen genommen.

Balkan⸗Kriegsschauplatz. Südlich von Kralje vo und südlich von Krusevac ist der Feind aus seinen Nachhutstellungen geworfen. Unsere Truppen sind im weiteren Vordringen.

Die Höhen bei Gjunis auf dem linken Ufer der Süd⸗ lichen Morava sind erstürmt.

Die Beute von Krusevac erhöht sich auf fünfzig Geschütze darunter zehn schwere, die Gefan⸗

genenzahl auf über siebentausend.

Die Armee des Generals Bojadjieff hatte am 7. 11.

abends nordwestlich von Aleksinac, sowie westlich und

besteigen soll? Ein Züricher Mitarbeiter der

südwestlich von Nisch die Südliche Moraya erreicht und hat im Verein mit anderen, von Süden vorgehenden bulgarischen Heeresteilen Leskovac genommen.

Oberste Heeres leitung.

1**

*

Der letzte Lebenspunkt der serbischen Nordarmee im westlichen Moravatal, Leskovac, ist von den Bulgaren genommen worden; die österreichisch-ungarischen Truppen

saben im Tal der oberen Morava das hochgelegene Ivanjica erstürmt. Die Serben müssen in die Richtung nach Mitro⸗ witza zurück. 5

Dagegen versteifen sich, so schreibt der BernerBund, an der Südfront die Kämpfe immer mehr. Paketweise treffen englisch⸗französische Verstärkungen von Saloniki am Wardar ein. Auf der Linie RabrowoKrilovac tobt eine Reihe von Gefechten, die den Charakter einer großen Schlacht an⸗ genommen haben. Die Allierten suchen den Serben bis zur Bregalnitzamündung Luft zu machen und Prilep von Osten sicherzustellen, Am Babunapaß, südwestlich von Veles, kämpfen die Serben verzweifelt, um den Durchbruch der Bulgaren von Nordosten zu verhüten. In welchem Maße die Bedeutung der Balkanoffensive der Zentralmächte und Bulgariens jetzt von den Vierverbandsmächten anerkannt wird, geht aus den Absichten und Reisen ihrer leitenden Militärs hervor. Lord Kitchener hat London verlassen, um sich nach dem Orient zu begeben und hält neuerdings Besprechungen mit französischen und italienischen Generälen ab. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Lord, der als Kriegs⸗ minister gewaltige organisatorische Arbeit geleistet hat, den Oberb efehl übernimmt, da jetzt britische Interessen von e bis Malta und Khartum bis Cypern auf dem Spiele

ehen.

Ob die angeblichen Pläne Lord Kitcheners wirklich so ernst zu nehmen sind, das haben die neuesten Enthüllungen über die Ursachen der Maßregelung eines Londoner Blattes, desGlobe, recht zweifelhaft gemacht. Wir verweisen auf die nachste benden Meldungen, die das weitere enthalten. Danach scheint es festzustehen, daß Lord Kitchener auf das Ernsteste mit Asquith und den übrigen Größen des jetzigen Ministeriums zerfallen ist. Es gibt bekanntlich jetzt eine ganze Menge Zankäpfel auf dem Inselreich; einzelne gehen schon in Fäulnis über, so daß auch mancher Streit um die

Schuldfragen entbrannt sein mag. Hat man nun den Rekru⸗

tierungsgeneral unsanft abgeschoben oder hat ihn selbst das Bedürfnis angewandelt, einen Luftwechsel vorzunehmen, wo⸗ bei er selber noch nicht weiß, welches neue Schlachtroß er 0Köln. Ztg. ver⸗ mutet, daß er zum Oberbefehlshaber in Aegypten aus⸗ ersehen seiß und überrascht uns dabei mit der in Lon⸗ don stark verbreiteten Annahme, deutsche Truppen seien bereits nach Konstantinopel geschafft worden, um die türkische Armee in Syrien zu verstärken. Was man Deutschland und seiner Stärke nicht alles zutraut! Noch bei den letzten Beratungen des englischen Unterhauses erklärte Asquith, in Saloniki würden Truppen gelandet, um den Deutschen, wenn sie nach Konstantinopel durchmarschiert wären, in den Rücken zu fallen. Und jetzt soll, bevor man

sich erst gründlich hat beraten lönnen, der deutsche Feind schon sein Ziel erreicht haben? Da bliebe freilich den Eng⸗

n nichts übrig, als im Lande der Mumien noch ein, zum Widerstande zu rüsten.

ö

Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.

Wien, 9. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 9. November 1915. 2

Russischer Kriegsschauplatz. Nördlich von Jasloviec an der unteren Strypa und westlich von Czartorysk am Styr wurden russische Angriffe abgeschlagen. Sonst nichts Neues. 1

Italienischer Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Mehrere feindliche Angriffe an der Jsonzo⸗Front auf Zagora in den Dolomiten, auf den Col di Lana und den Siefsattel wurden abgewiesen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. An der montenegrinischen Grenze ist die Lage unverändert.

Von den in Serbien kämpfenden k. und k. Truppen hat eine Gruppe JIvanijicabesetzt, eine andere den Feind aus seinen, an der Straße IvanijicaKraljewo an⸗ gelegten Höhenstellungen geworfen. Deutsche Kräfte vertrieben den Gegner aus seinen Verschanzungen südlich von Kraljewo. Südlich von Trstnik stehen unsere Ba⸗ taillone im Kampf. Die im Raume von Krusevac ope⸗ rierenden deutschen Divisionen dringen südwärts vor.

Die Bulgaren haben Leskovac in Besitz genommen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.

* 8*

Der bulgarische Bericht

Sofia, 9. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Heeresbericht vom 7. Nov. Unsere Truppen, welche die geschlagene serbische Armee zu verfolgen fortfuhren, sind am 7. November auf der ganzen Front bis zur Morawa gelangt und bereiten sich vor, auf ihr linkes Ufer überzusetzen. Besetzt wurden. die Städte Aleksinac, Wlasotince, Iltowar in Mazedonien und die Stadt Tetowoo. Auf den anderen Fronten keine Aen⸗

derung. Unsere Truppen wurden in Nisch von der Be⸗ K

völkerung mit Blumen, Freudenrufen, Hurras und den Rufen:Willkommen die Befreier! empfangen. Die Stadt

war von den abziehenden serbischen Soldaten geplün⸗ 0

dert. Als Kriegsbeute wurden in Nisch und Umgebung bis jetzt gezählt: 42 Festungsgeschütze, Tausende von Ge wehren und Kisten mit Munition, 700 Eisenbahnwaggons, die Mehrzahl beladen mit Lebensmitteln, viele Automobile, viel Sanitätsmaterial u. a., 12 Desinfektionsmaschinen, 500 Wasserpumpen, 500 neue Fahnen und Hunderttausende

von Soldatenwäschestücken und Uniformen. Es befinden sich

noch viele Pulverdepots in der Stadt und Umgebung. Weiter haben die Serben bei ihrem Rückzuge zahlreiche Geschütze, Maschinengewehre und Gewehre, die noch nicht gezählt sind, zurückgelassen. Bis jetzt wurden bei Nisch 5000 Gefangene gezählt. Neue Angriffe der Entente auf die bulgarischen Truppen zurückgeschlagen.

Berlin, 9. Nov.(Privattelegramm.) DieB. Z. a. M. meldet aus Budapest: Aus Sofia wird gemeldet: Zwi⸗ schen Krivolac und Prilep, wo die Bulgaren in der Defensive sind, richteten die Truppen der Entente gestern heftige Angriffe gegen die bulgarischen Stel⸗ lungen, die aber von den Bulgaren unter riesigen Verlusten für den Gegner zurückgeschlagen wurden. Zahlreiche Gefangene wurden gemacht.

Ein Zeppelin⸗Luftschiff in Sosia.

Sofia, 9. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Bulgarischen Telegraphen-Agentur. Ein Zeppelin luft⸗ schiff, das mit dem Herzog von Mecklenburg in Temesvar aufgestiegen war, landete in Sofia. Der Hönig wohnte mit Gefolge der Landung auf dem Flugplatze bei. Das Erscheinen des Zeppelinluftschiffes, das über der Stadt Schleifen beschrieb, rief großes Aufsehen hervor.

Berlin, 10. Nov. Ueber den Zeppelinbesuch in Sofia und die Begrüßung des ersten deutschen Luftschiffes in Bul⸗ gariens Hauptstadt durch König Ferdinand heißt es in einem Bericht von Kurt Aram an denBerliner Lokalanzeiger: Sofia, 9. Nov. Punkt ½11 Uhr erschien heute morgen bei prachtvollstem Herbstwetter, nachdem er von Temesvar mehr als acht Stunden gegen den Wind geflogen war, ein Zeppelin über Sofia, zog in majestätischem Bogen über die Stadt und senkte sich dann langsam auf das für ihn bestimmte Feld, wo bulgarische Soldaten alles für die Landung vorbereitet hatten. Hier wartete der König schon eine ganze Weile und folgte mit dem Fernglase voll regsten Interesses der Fahrt des Riesen, der im Sonnen⸗ licht durch die windstille, klare Luft seine Bahn zog. Auch der Ministerpräsident und der Kriegsminister, viele hohe bulgarische Beamte und Abgeorduete, der deutsche Gesandte mit seinem ersten Sekretär und der Militärattachs von Massow, Damen der Gesell⸗ schaft. die deutsche Kolonie und hinter dem Militärkordon halb Sofia, harrten des imposanten Schauspiels. Immer wieder zog der König Herrn von Massow ins Gespräch und der Ministerpräsident meinte lächelnd, es freue ihn ganz besonders das Luftschiff und damit wieder einmal deutschen Boden zu be⸗ treten, das erste Mal seit seiner Heidelberger Studentenzeit Als die bulgarischen Soldaten die Seile des Luftschiffes ergriffen und es sich immer tiefer senkte, brachen die Menschenmassen in begeisterte Hurrarufe aus, während der König schnellen Schrit⸗ tes auf die vordere Gondel zueilte und den Herzog von Meck⸗ lenburg und die Offiziere begrüßte, die der Gondel entstiegen. Der König ließ sich auf das genaueste mit Radoslawow, dem Kriegsminister und anderen Würdenträgern alle Einzelheiten zeigen und erklären. Bis 2 Uhr lag der Zeppelin für die Besichtigung da.

Die Bevölkerung kam in immer größeren Scharen herbei und be⸗

munderte das Ungetüm, das in seine vordere Gondel immer lvieder

neue Besucher aufnahm, denen die deutsche Mannschaft, so gut es gehen wollte, alles zu erklären suchte. Nach 2 Uhr erhob sich der Zeppelin in sein natürliches Element und segelte stolz mit dem Winde von dannen, Der König blieb bis zur Abfahrt und winkte dem sich majestätisch erhebenden Fahrzeug nach.

5**.

Rücktritt Kitcheners?

Rotterdam, 9. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) DerNieuwe Rotterdamsche Courant meldet aus London: Im Ober hause beschuldigte Lord Milner die Regierung, daß sie alle Berichte optimistisch färbe, so daß die britischen Offiziere die deutschen Be⸗ richte für verläßlicher hielten als die englischen. 0

um Suezkanal.

n

i. Köln, 10. an es Züricher Korrespondent der Köln. Ztg. drahtet seinem Blatte auf Grund von Mel⸗ dungen aus Londoner Citykreisen, Kitcheners Reise werde dahin gedeutet, daß er zum Oberbefehlshaber über die englischen Streitkräfte in Aegypten ausersehen sei. Man erfährt, daß England gewaltige Anstrengungen macht, um den Suezkanal zu verteidigen. Seit Wochen gehen zahlreiche Transporte von Menschen und Munition nach Aegypten ab. Die englischen Geschäftsleute glauben zu wissen, daß auf dem Donauwege Massentrans⸗ porte deutscher Soldaten nach Konstantinopel geschafft werden, um die türkische Armee in Syrien zu⸗ verstärken. Man hegt in London allgemein die Ansicht, daß der Suezkanal zum Angelpunkt des Weltkrie⸗ ges werden und daß dort der Krieg entschieden würde. Die ganze Linie des Kanals ist in eine riesige Festung umge⸗ wandelt worden. Tausende von Eingeborenen sind an den Befestigungsarbeiten beschäftigt. Man verhehlt sich nicht, daß zur Verteidigung der ungeheuren Linie riesige Mengen von Geschützen und Munition erforderlich sind.

Die Sühne für englische Mordtaten.

Berlin, 9. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) DieNordd. Allgem. Ztg. schreibt: Wir haben heute nach amerikani⸗ schen Blättern den Wortlaut der Vernehmung amerika⸗ nischer Bürger über die Tötung deutscher Mannschaften eines Unterseebootes durch die Besatzung eines englischen Kriegsschiffes veröffentlicht. Der von dem kaiserlichen Botschafter in Washington eingefor⸗ derte Bericht steht, wie wir hören, noch aus. Sobald dieser Bericht und das ihm zugrunde liegende eidliche Material eingegangen sein wird, werden, wie bereits früher mit⸗ geteilt, die danach erforderlichen Schritte unter⸗ nommen werden.

Ministerkrise in Rußland.

Petersburg, 9. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Kriwo⸗ schein ist auf seinen Wunsch aus Gesundheitsrücksichten von dem Posten des Dirigenten der Hauptverwaltung für Landwirtschaft enthoben worden. Der Kaiser hat an ihn ein Handschreiben gerichtet und verlieh ihm den St. Alexander⸗ Newsky⸗Orden. Ein kaiserlicher Erlaß hat die Umwandlung der Hauptverwaltung der Lanbwirtschaft wegen Ausdeh⸗ nung der Geschäfte in ein Landwirtschaftsministe⸗ rium angeordnet.

Heriugsausfuhrverbot in Norwegen. Christiania, 9. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung des Ritzauschen Bureaus. Durch Königlichen Erlaß