Ausgabe 
(9.11.1915) 264. Zweites Blatt
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Ur. 264 Sweites Blatt Erscheint täglich itt Ausnahme des Sonntags.

Die iechener Famflienblätter tperden dem Arseiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gietzen ztoenal macherulich. DieLanswirtschaftsichen Seit⸗ hagen exsdbemen monatlich zweumal.

*

Eine amtliche Darstellung über den Verlauf der Offensive gegen Serbien.

Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Als in der zweiten Hälfte des Monats September der Aufmarsch verbündeten Heere auf dem nördlichen Donauufer vollzog,

dachte man in Serbien noch nicht an die von dort drohende Gefahr. 2 5

Der Feind hatte wohl Kenntnis von Truppenausladungen, er rechnete aber nur, wie spätere Gefangenen⸗Aussagen bestätigen, mit einer stärkeren Besetzung der Verteidigumgsstellung der ungari⸗ schen Donauseite. Wie konnte auch an eine Offenswe der Verbünde⸗ ten in einer ganz neuen Richtung cht werden, zu einer Zeit, in der die Entente Angriffe größeren Stils auf allen Kriegs⸗ schauplätzen vorbereitete. So vereinigte Serbien seine Hauptkraft

gen den Erbfeind Bulgarien, dessen Haltung sich immer mehr 25 Entente zu entfreinden schien. Es galt für die Verbündeten, den Serben möglichst lange in seinem Glauben zu belassen, um dann überraschend mit sarker Kraft an verschiedenen Stellen gleich⸗ zeitig serbischen Boden betreten zu können. Welche Schwierigkeiten 8e macht, einen Fluß zu überwinden, dessen Breite durchschnittlich 700 Meter und mehr beträgt, dessen llen bei der herbstlichen Kossava denen der See gleichkommen, und der zumeist von Höhen überragt ist, die einer feindlichen Artillerie denkbar günstige Wir⸗ kung ermöglichen, wird auch jedem Fernstehenden klar sein. Hielten 23 nicht die Hauptkräfte der Serben das südliche Donauufer besetzt, so ergaben doch die angestellten Erkundungen, daß der Feind

ebenfalls hier auf der Hut war und die Nordgrenze seines Reiches Ab

mit fortlaufenden Verteidigungsanlagen versehen hatte, zu deren Besetzung nicht unerhebliche Truppen und Artillerie bereit standen. Den Hauptstützpunkt der Verteidigungsanlagen bildete die Festung Belgrad, jenes alte Bollwerk, das seinerzeit von den Türken an⸗ gelegt, der ruhmvolle Kriegsschauplatz Prinz 1 Truppen gewesen war, Hier follten 200 Jahre später die Nachtommen jener siegreichen Hoere, wiederum zum Bunde vereint, sich ihrer Vorfahren würdig erweisen. Unter dem Oberbefehl des General⸗ seldmarschalls v Mackensen hatte sich der Aufmarsch der Armeen Kveveß und Gallwitz planmäßig vollzogen. In den ersten Oktober⸗ tagen standen, die deutsch⸗österreichisch⸗ungarische Armee im Save Donau⸗Dreieck, die deutsche Armee zwischen Temes⸗ und Karas⸗ Fluß. An der Savemündung und an dem Donaubogen bei Ram sollte zuerst der Uebergang erzwungen werden, dort war die Masse der Geschütze in Stellung gebracht, dort hatten die Pioniere in mühevoller nächtlicher Arbeit Brücken und Uebersetz⸗Material aller Art bereitgestellt Vom 7 war in den Zeiten der Vorbereitun⸗ gen wenig zu merken; hin und wieder feuerte serbische Artillerie vom füdlichen Ufer, doch ohne Erfolg, hier und dort mahnten serbische Flieger, noch nicht zu offen die Karten aufzudecken. Ihrem zu häufigen Erscheinen wurde indessen bald von den inzwischen 01 deutschen Fliegerabteilungen ein Ziel gesetzt; in breiter Front überflogen sie serbisches Gebiet, bekämpften im Luftkampf ihre Gegner, belegten die Arsenale und Militärlager ausgiebig mit Bomben und ergänzten durch ihre Aufklärung jenes Bild, das man sich an oberster Stelle über den serbischen Aufmarsch gemacht hatte. Am 6. Oktober begann an genannten Stellen das sich von Stunde zu Stunde steigernde Artillerie⸗Feuer und mit ihm die unmittelbare Vorbereitung zum Donauübergang Tas Oberkommando boabsichtigte zunächst auf den Höhen süͤdlich Belgrad und beiderseits der Anatema⸗Höhe, fpäter rechts und links der Morava, Brückenköpfe 85 schaffen unter deren Schutz die Truppe befähigt sein sollte. das ur Hffenstpe erforderliche Material auf das südliche Donauufer zu ziehen. Gleichzeitig aus⸗

General⸗Anzeiger für

geführte kleinere Unternehmungen längs der Drina, an der mitt⸗ leren Save, sowie an der Donau zwischen Vk. Gradite und Orsowa sollten den Feind über die Absichten der Verbündeten im Unklaren lassen. Am späten Nachmittag des 6. Oktober stießen im Beisein des Generalfeldmarschalls von Mackensen die ersten Freiwilli⸗ gen bei Palank vom ungarischen Donauufer ab. In schneller Tahrt wurde der reißende e überwunden und in gespanntem Schweigen begleiteten die zurückgebliebenen Kameraden jene braven üringer, die als erste Deutsche serbischen Boden betraten. Noch immer hatte sich beim Feind nichts gerührt, zeit⸗ weise grüßte ein serbischer Kanonenschuß von der Anatema⸗Oöhe gus, sonst schien das feindliche Ufer wie ausgestorben. Direkter Widerstand war demnach hier nicht zu erwarten. Trotzdem entschied man sich, den Uebergang der Massen an dieser Stelle nicht in die Nacht hinein vorzunehmen. Die steil vom Ufer aus steigende Gorica⸗ Höhe konnte in ihren Schluchten feindliche Kräfte bergen, der en Vorstoß bei Dunkelheit den Unseren e werden konnte. Am frühen Morgen des 7, begann der llebe gang der Infanterie an drei verschiedenen Stellen. Komitatschis(Freischärler), die sich in dem Dorfe Ram und seinem hart am Fluß gelegenen malerischen Kastell zur Wehr setzen wollten, wurden überrannt. Was den deutschen Kolben nicht ke lernte, wanderte auf den zurück⸗ fahrenden Pontons in 10 Gewahrsam. Mit Bergstöcken aus⸗ 1 begleitet von zahllosen kleinen Pferden, deren Rücken

unition und Maschinengewehre trugen, so erkletterte unser⸗ Infanterie das wegelose ungewohnte Höhengelände. Schwache, mit ungenügenden Kräften geführte Gegenstöße der Serben vermochten das Fortschreiten deutscher Truppen nicht aufzuhalten. Bis zum. end war die Gorica⸗Höhe in unbe treitbarem deutschen Besitz, starke Infanterie hatte sich eingegraben, Maschinengewehre waren eingebaut und Gebirgsgeschütze lauerten in Stellung auf den Versuch des Feindes, uns das besetzte Gebiet wieder zu entreißen. Anders stand es um den Uebergang bei Belgrad; dort verfügte der Feind schon zum Schutze seiner Hauptstadt über starke Artillerie. Englische und französische Geschütze krönten gemeinsam mit serbischen den Kalimegdan, jene der Hauptstadt vorgelegene weithin sichtbare Zitadelle, und mittlere und schwere Kaliber harrten auf den überragenden Höhen des Topeider und Barnovo ihrer Ziele. War die Wirkung von der Karas⸗Mündung ßer eine mehr moralische, so galt es hier im schweren Axtillerie⸗Duell erst seine Ueberlegenheit zu beweisen. Noch war es nicht geglückt, die zum Teil gut eingedeckten schwer auffindbaren Geschütze zum Schweigen zu bringen, als bereits die Zeit für den Uebergang gekommen war. Die gegen Sicht schützende Nacht mußte hier helfend beistehen. Als der Morgen graute, lagen vier österreichisch⸗unga⸗ rische Bataillone am Fuße der Belgrader Zitadelle. Not⸗ dürftig durch einen Bahndamm gedeckt, mußten jene Tapferen in schwerem Kampfe 12 Stunden ausharren, bis die Nacht er⸗ sehnte Verstärkungen brachte Deutsche waren unterdessen in fortlaufendem Uebersetzen auf die vom Feind besetzte südwestlich Belgrad gelegene Große Zigeuner ⸗Insel gewesen. Hier lauerte im dichten e ein gut bewaffneter, zäh sich verteidigender Gegnek. Trotzdem viele Pontons von Schüssen durchbohrk ken⸗ terten oder auf Minen liefen, trotzdem die Strömung manches Fahrzeug mit sich riß, trozdem durch Handgranaten und Ma⸗ schinengewehrfeuer große Lücken in die Reihen gerissen wurden, die braven Mannschaften ließen sich nicht aufhalten, sie drangen vorwärts und entrissen im Bajonettkampf dem Feinde Schritt für Schritt. Die Verbindung zum nördlichen Ufer war abgerissen, da sämtliche Uebersetzgelegenheiten zerstört, die sie bedienenden Pioniere außer Gefecht gesetzt waren. 6 Kompagnien aber

Oderhessen

hielten gogen starke Ueberlegen hit im heldenhaften Kampfe eine notdürftig mit dem Spaten geschaffene uneinnehmbare Stellung.

Brabant und hessen. V.

Ganz vergessen war Brabant freilich auch nach dem Aus⸗ sterben der herzoglichen Hauptlinie in Hessen mit nichten. Die brabantische Erbschaft hat zu verschiedenen Malen in der hessischen Geschichte eine wenn auch nur sehr bescheidene Rolle gespielt. Neuerdings ist das Andenken daran durch die Kriegs⸗ ereignisse, die Brabant und die Namen Brüssel, Antwerpen, Löwen, die alle enge mit der Geschichte unseres Herrscherhauses verknüpft sind, wieder in aller Munde gebracht hat, geweckt worden. hat Major a. D H. v. Pfister, der immer in der ersten Reihe zu finden ist, wenn es um Lebensfragen der hessischen Heimat gilt, in einem mit altgewohnter Frische ge⸗ schriebenen Aufsatz in derWormser Zeitung Hessens Ansprüche auf Brabant dargelegt und geschichtlich begründet.Des Hauses 85 Ansprüche auf Brabant hat außerdem noch er sonderen lesenswerten Schristchen(Marburg, bei N. G. Elwert) behandelt. Hier findet man knapp zusammengefaßt eine zum Teil auf Akten des Marburger Archivs gegründete, vortreffliche Darstellung der verschiedenen Versuche, die von hessischer Seite zum Wiedergewinn der verlorenen Erbschaft gemacht wurden. Die nachstehenden Ausführungen gehen zum größten Teile auf diese Darstellungen zurück. In Einzelheiten können sie ernige Ergänzungen bieten. Die große Zahl handschriftlicher Ausarbei⸗ tungen, Tissertationen und Gutachten, von denen Dr. Knetsch eine rasche Uebersicht gibt, kann hier übergangen werden.

ach Aussterben des Mannesstamms der Brabanter Herzogs⸗ familie hätte es für den hessischen Nebenzweig nahe gelegen, seine unbestreitbaren Ansprüche auf die Erbschaft sofort anzu⸗ melden und zu betreiben. Es fällt auf, daß der nächste und bestberechtigte Erbe, Landgraf Heinrich der Eiserne, der Enkel einrichs des Kinds und Urenkel Herzog Heinrichs II. und phiens, davon anscheinend ganz und gar absah. Allerdings

hat er bei seinem Regierung santritt 15 den Brabanter Löwen H.

als Beizeichen in sein Siegel aufgenommen, hat sein Neffe und Nachfolger Lan f Hermann der Gelehrte dieses Beizeichen weitergeführt. Zu einer ernsthaften Inanspruchnahme der Erb⸗

schaft ist es aber erst unter Hermanns Sohn, Ludwig I., dem Friedfertigen, gekoemmen. Die Gründe für den stillschweigenden Verzicht Heinrichs des

Eisernen liegen nahe. Die junge Landgrafschaft stand damals in den heftigsten Kämpfen mit den Nachbarn, vor allem mit dem Erz⸗ bischof von Mainz. Das Land war arm. Die Streitkräfte, über die der Landgraf verfügte, waren ganz und gar unzuläng⸗ lich zu einem Kampf mit dem mächtigen Hause der Luxemburger, das Hand auf die Erbschaft gelegt hatte. Kaiser Karl IV., der Oberlehnsherr, bei dem er Schutz für seine Rechte hitte suchen müssen, war selbst ein Luxemburger und e die zugunsten der mit seinem Bruder Herzog Wenzel von uxemburg vermählten Tochter Johanns III. von Brabant unternommene Aenderung der Erbfolge gutgeheißen und begünstigt. Ein Auflehnen gegen Luxemburg und den Kaiser wäre für Heinrich Eisernen und seinen Neffen Wahnsinn gewesen. 2

ruhten Hessens Ansprüche, bis die Landgrafschaft unter dem tatkräftigen und unternehmungstustigen Landgraf Ludwig J. soweit erstarkt war, daß sie sich mit einiger Aussicht auf Erfolg in eine Heerfahrt nach Brabant einlassen konnte, und bis die politischen Verhältnisse dafür günstiger lagen. Nach dem kinderlosen Tode Johannas von Brabant(1404), der ter Johanns III., ging das Herzogtum, wiederum wider⸗ rechtlich, an deren Neffen Herzog Anton von Burgund aus dem i 218 der französischen Kapetin über. König Ruprecht von

r Pfalz und sein Nachfol⸗ ismund, der als Lu; iht Aarechte auf die Keie

rger zu haben glaubte, er

ver⸗

arburger Archiwar Dr. Karl Knetsch in einem be⸗ i

gebens Einspruch. Jahrzehntelang kämpften die deutschen Könige nur mit Protesten. Zum offenen Krieg mit dem mächtigen Hause der Herzöge von Burgund kam es erst 1437. Daß Sigismund dann mit der Wiedereroberung Brabants fürs Reich gerade den Vandgrafen Ludwig I.

das Stammland auf eig gefaßt. 1431, als der Tod sicht stand, hatte er eine auf Hin⸗

Landgraf Ludwig, der an dem

sich in Aachen der brabantischen Hoerscharen, die in einem raschen Gegenstoße Ver⸗ erwehren. Der Plan Kaiser Sigis⸗ Der Landgraf kehrte unverrichteter

zu machen. Vergessen waren sie nicht. Von hessischen Geschichts⸗ schreibern wird ihrer gelegentlich gedacht. Von Philipp dem Groß⸗ mütigen hören wird, daß er von der Wiederherstellung der alten brabantischen Herrlichkeit geträumt hat. Erst der spanische Erb⸗ folgekricg gab den beiden regierenden Landgrafen, Ernst Ludwig

und Denkschriften über die hessischen Erbrechte auf Brabant war das einzige Ergebnis. Brabant wurde österreichisch. 5

Als 1740 der letzte männliche Habsburger, Kaiser Karl VI.

starb, als seine Tochter Maria Theresia von Preußen, Bayern

ankreich in ihrem Erbe angefochten wurde, lebte in Hessen die rinnerung an Brabant wieder auf. Diesmal unter günstigeren Aussichten als 1700 und 1437 Hessen⸗Kassel, das damals schon über eine ansehnliche Militärmacht verfügte, stellte sich auf die Seite der Gegner Oesterreichs. Im Juni 1744 schloß Landgraf Wilhelm VIII.) mit Bayern, dessen Kurfürst Karl Albrecht inzwischen als aiser Karl VII. den deutschen Kaiserthron bestiegen hatte, Preußen und Frankreich ein Bündnis, in dem ihm Brabant Karl VII. wurde aber geschlagen. Hessen ging in dem Frieden in Kassel und Darmstadt doch nicht den Mut verlor und auf bessere Zeiten hoffte, geht aus in den nächsten Jahren er⸗ schienenen Literatur über die Erbfolgefrage hervor.

Wieder vergingen Jahrzehnte, Ansprüche auf Brabant noch einmal, zum letztenmal Ende der 8er Jahre des 18.

Die kirchlichen und po⸗

auflebte.

oder eine ausreichende Entschädigung zugesichert wurde. Kaiser U wieder leer aus. Die Niederlande blieben österreichisch Daß man M

die Frage der hessischen 3 Jahrhunderts entstanden in den V

österxeichischen Niederlanden Unruhen. litischen Reformen Kaiser Jose⸗ II. fanden den erbittertsten Wiberstand bei Klerus, Wel und Volk. Unter dem Einfluß der

Dienstag, 9. November 1915

Rotationsdrud und Verlag der Brühl'schen Universuäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

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Der Abend brachte Verstärkungen und bis zum frühen Morgen des 7. war das östliche Drittel der Großen Zigeunzr⸗Insel in deut⸗ schem Besitz. Unverzüglich wurde der Uebergang auf serbisches Festland jetzt sortgesetzt, das Säubern der Insel von dem noch haltenden Feind war nunmehr in zweite Linie gerückt, der Vor⸗ marsch zu den die Stadt beherrschenden Höhen war in den Vorder⸗ grund getreten. Aber auch dieser Weg mußte den sich zäh ver⸗ teidigenden Serben mit Blut entrissen werden. es wieder die schweren Kaliber, die der Infanterie den Weg 80

Siege ebneten. Ihre verheerende Wirkung war den Serben bis dahin nicht bekaunt. Am Abend des 8. stand die Infanterie eines deutschen Armeekorps auf den Topeider⸗Höhen und besiegelte damit den Fall der Stadt Belgrad. Dort kämpften österreichisch⸗ ungarische Truppen am Nordrand um die Zitadelle einen erbit⸗ terten Straßen⸗ und Häuser⸗Tampf. Eine von Topaider aus zur Verbindung mit den Verbündeten entfandte deutsche Ab/ teilung erreichte am frühen Morgen die Mitte der Stadt, Ihr Führer war jener Hauptmann, der in den August⸗ tagen in Südpolen als erster mit seiner Truppe eines der West⸗ werke von Brest⸗Litowsk erstiegen hatte. Er erstürmte am 9. Oktober bei Tagesanbruch das serbische Königsschloß, das noch vom Feinde besetzt gehalten wurde, und hißte auf ihm die deutsche Flagge. Gleichzeitig hatten sich die Verbündeten den Zugang zum Kalimegdan erkämpft und die Zitadelle mit der österreichischen Kaiserstandarte gekrönt. Um dem Druck der Um⸗ 2 zu weichen, hatten die Serben Hals über Kopf ihre Haupt⸗

t äumt.

Von Belgrad und der Gorica⸗Höhe schritt die Offensive lang⸗ sam vorwärts. In der berechtigten Annahme, der Feind werde dorthin die Kräfte seiner Nordfront zusammenziehen, konnte zur schwierigsten Arbeit, dem Uebergang gegenüber der Mo⸗ rava⸗Mün dung geschritten werden. In einem deckungslosen, beiderseits des Stromez von Sümpfen durchsetzten Gelände, ohne ausreichende Artilleriestellungen von serbischen Höhen überragt, mußte hier der Strom überwunden werden. Branden bu 9 und Bayern sollten an jener Stelle Schulter an Schulter den Feind deutsche Ausdauer und Kraft lehren. Die einsetzende Kossavg exhöhte die Schwierigkeit. Nach mehrtägigem Ringen mit mensch⸗ licher und elementarer Kraft wurde auch bier die Arbeit vollbracht. Im Ansckluß an die Truppen, die mittlerweile in mehr oder weni⸗ ger leichten Kämpfen die Anatema⸗Höl⸗ überschritten hatten, ging es in fortschreitendem Angriff nach Süden weiter, während sich Teile nach dem stark bene dige Semendrig und dem nestlich ge⸗ legenen, vom Feinde besetzten Höhengelände wendeten. Es kam jetzt darauf an, möglichst schnell die Verbindung mit dem linken Flügel der Armee Koeveß herzustellen, um den Donauweg von Belgrad her frei zu machen und der Armee Gillwitz das stromauf⸗ wärts bereitgehaltene Brückenmaterial zuführen zu können. Tat⸗ kräftig konnte hier die Donauflottille, die sich schon bei Belgrad Lorbeeren erworben hatte, die Kämpfe auf dem Lande unterstützen. Am 18. Oktober räumte der Feind die hartnäckig verteidigten Höhen bei Grocka. Die Verbindung der beiden Armeeflügel war hergestellt, das Donauufer von Belgrad bis Bazias vom Feinde frei. Der Weg zur 11. Armee war offen.

Nunmehr schien den Serben die Erkenntnis zu kommen, daß ein starkes Heer mehr von ihnen fordere als sie geahnt hatten. Aus allen Teilen des Reiches wurde herangeschafft, was irgend⸗ wie verfügbar war. Aber selbst bei den kurzen Entfernungen war es nicht möglich, mit den mangelhaften Beförderungsmitteln und den trostlosen Wegeverhältnissen Truppen schnell zu verschieben. Immerhin wuchs die Aussicht, einen starken Feind vor die Klinge zu bekommen und damit, ihm einen entscheidenden Schlag zu ver⸗ setzen. Von der Drina wurden Truppen herangezogen, die Macva

Ideen, die im benachbarten Frankreich zur Revolution führten, kam der Gedanke an den Zusammenschluß der niederländischen Provinzen Oesterreichs. 5 unabhängigen Staate mit Brabant und Brüssel als Mittelpunkt, zu einem neuen Herzogtum Brabant in Aufnahme. Wo er entstand, wer zuerst einen 211 e Prinzen als künfti n Herzog vorschlug, müßte noch festgestellt werden. Die erste Nachricht davon bringt ein von Dr. Knetsch übersehener Brief des kaiserlichen Ministers in den österreichischen Nieder⸗ landen, des Grafen von Trauttmansdorff, an Kaiser Joseph II.

Am 23. August 1789 berichtet der Minister über die Versuche der Rebellen, ein Heer zu bilden. Sie hofften dabei auf die Hilfe der Preußen, Holländer und Hessen. Es ginge das Gerücht von der Wahl eines hessischen Prinzen zum Herzog von Brabant. Er solle die Tochter des Herzogs von Arenberg, eines Führers derPatrioten heiraten. Man habe dabei den Sohn des Landgrafen von Hessen im Auge, der freilich erst 10 bis 12 Jahre alt seß Der Kasser möge sich aber über diese Gerüchte nicht weiter e Die Sache sei solange ungefährlich, als den Patrioten ie ausländische Hilfe fehle, und es ihnen nicht gelinge, die niederländischen Provinzen unter einen Hut zu bringen. Beides sei aber vorerst durchaus unwahrscheinlich.

Nach dieser Nachricht ist der Gedanke, einen Herzog von Brabant aus dem Hause Hessen zu wählen, im Kreise der Patrio⸗ Kei selbst aufgekommen und ihnen nicht etwa erst von preußischer oder hessischer Seite suggeriert worden. Jedenfalls ist Landgraf Wilhelm I. von Hessen⸗Kassel, der Vater des nach Trauttmann⸗ dorff für den brabantischen Herzogsstuhl in Aussicht genommenen Prinzen, erst Ende 1789 mit der Sache befaßt worden. Vielleicht hat sich der Minister aber auch in der Person des Prinzen geirrt, und i t ein hessen⸗kasselischer, sondern ein hessen⸗darm⸗ städtischer Prinz zum Herzog von Brabant und Gatten der damals 13 jährigen Prinzessin von Axenberg ausersehen gewesen. Der jüngste der Söhne Landgraf Ludwigs IX., Landgraf Christian. der 1789 26 Jahre alt war, war holländischer General und Gouverneur der an der Grenze Brabauts gelegenen 7 estung Grave. Er hatte sich in den holländischen Wirren durch Tapferkeit und Umsicht einen Namen gemacht und war der Schwager König Friedrich Wilhelms IV. von Preußen und dem Erbstatthalter der Niederlande und dem Herzog von Arenberg befreundet. Daß man sich auch in Darmstadt in damaliger Zeit mit der Frage der brabantischen Erbschaft befaßt hat, 6155 aus dem Briefe des Erb⸗ prinzen Ludwig, des späteren Großherzogs Ludewig I. vom 5, März 1790 hervor, in dem er den Vetter von der älteren Linie, Landgraf Wilhelm IX. von Hessen⸗Kassel, zum gemeinsamen Vor⸗ gehen in der Brabanter Sache auffordert.

Erst Ende 1789 hat der preußische Gouverneur von Wesel, der ehemalige hessische Minister, Generalleutnant von Schlieffen, Kasseler Landgrafen auf die Aussichten, die ihm der wichen andi he

ndgraf Wilhelm ging mit starke, ausgerüstete Heer, fügte, stärkten seine Zuversicht

England waren Die österreichischen Fahnen u einer Eroberung der alten Stammlande mit eigener Kraft war der Landgraf zu s 7 0 ersuch, in Brabant Fuß zu fassen, aufgeben. Wenige Jahre danach

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