Ausgabe 
(9.11.1915) 264. Erstes Blatt
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5 Frendelgung bestätigt wird. Nachdem sie den voraufgegangenen Angriff des Unterseebootes auf dieNicosian und das Verlassen 5 955 Schiffes beschrieben haben, sagen sie in ihrer eidlichen Er⸗

rung: Das Schiff, daß die amerikanische Flagge führte und das sich nachher als H. M. S.Baralong erwies, unter Füh⸗ rung des Kapitäns William Me Bride, kam hinter derNi⸗ cosian auf und hielt sich querab von ihr. Um diese Zeit fielen die Bretter unterhalb der Kommandobrücke, die amerikanische Flagge am Mast wurde niedergeholt und die eng⸗ lische statt ihrer gesetzt. Sofort wurde mit Handwaffen auf das Unterseeboot Feuer eröffnet, und der Geschützführer an Bord des Unterseebootes warf die Arme hoch und fiel rückwärts ins Wasser. Die deutschen See⸗ leute an Bord des Unterseebootes drängten nun alle nach dem Kommandoturm hin, und etlichen von ihnen gelang es, hinunter⸗ zukommen. Um diese Zeit eröffnete eines der schweren Geschütze derBavalong das Wale Der erste Schuß schien zu kurz zu gehen, muß a ein Prellschuß gewesen sein, da man bemerken bonnte, daß sich das Unterseeboot leicht nach Backbord überlegte. Die Deutschen, die unten waren, begannen wieder an zu steigen. Ein zweiter Schuß derBaralong riß dem deutschen

AUnterseeboot das Sehrohr und die Flagge weg. Diesmal verur⸗ sachte er schwere Schlagseite nach backbord. Der dritte Schuß der 0Baralong traf den Boden des Kommandoturms, riß ihn hin⸗ weg und mehrere Deutsche mit ihm. Der Rest der Deutschen, der oben war, stürzte nach dem Heck des Unterscebootes, das ungefähr 90 Meter lang war, und begann, die Kleider abzulegen. Das Unterseeboot sank jetzt langsam und die Leute standen bis zu den Hüften im Wasser. Elf von den deutschen Seeleuten, darunter der Kommandant, sprangen ins Wasser und schwammen zurNico⸗ sian. Fünfen gelang es, das Seefallreepy zu erreichen und an Bord zu klettern. Die andern sechs schwammen herum nach den Manntauen, die für die Rettungsboote benutzt herunterhingen, und ergriffen die Enden. Das konnte man ganz deutlich sehen. Inzwischen gingen alle umsere Boote längsseits derBaralong, und wir stiegen über das Fallreey an Deck. Der Kommandant der Baralong ging händeschüttelnd herum und schien hocherfreut

über das Ergebnis der Begegnung, da er nach seiner Behauptung zwei Monate lang herumgelreuzt war, um dieses Unterseeboot zu

5 5 Er befahl nun seinen Leuten, sich in einer Reihe an der Reeling aufzustellen. Sie begannen das Feuer und alle sechs Leute wurden kalten Blutes erschossen.

Es fiel die Bemerkung, daß fünf Leute gesehen worden waren, wie sie an Bord derNicosian kletterten, und der Kommandant derBaralong ließ sein Schiff längsseit derNicosian gehen.

Als es sie erreicht hatte, wurde es festgemacht, und die englischen Matrosen, begleitet von 1 1 Schiffsoffizieren derNicosian,

suchten die fünf Deutschen. Kapitän Me Bride befahl, als er die Seesoldaten unter Führung eines Unteroffiziers abschickte: Kriegt sie alle, macht keine Gefangenen!!!

Der Schiffszimmermann war einer der ersten an Bord der Nicpsian und voraus, die englischen Seesoldaten zu führen, während der erste Maschinist folgte. Einige von den Seesoldaten stürzten nach der Maschinenraumluke, während der Schiffszimmer⸗ mant und der Rest den Niedergang nach den Heizräumen hina ging. Der Zimmermann und die Scesoldaten, die den Niedergang zum Heizraum hinuntergegangen waren, kamen unten auseinander, bevor sie einen der Deutschen getroffen hatten. Der Zimmermann war ber erste, der die Deutschen anfiel. Er zielte mit dem Revolver auf einen von ihnen, befahl ihnen, die Hände hoch zu heben und zu ihm heranzukommen. Als der deutsche Matrose herankam, erschoß ihn der Zimmermann kalten Blutes. Er meldete dies dann Kapitän Manning mit dem Ruf:Einem von ihnen habe ich! und beschrieb das Schießen; später er⸗ zählte er jedem an Bord die Geschichte. 5 Der erste Maschinist rühmte sich, einen der drei übrigen erschossen zu haben, und die Seesoldaten taten den Rest ab um iche sie ihre Tat ordentlich vollbracht hatten, schossen

Kopf. Die letzten drei Leute, darunter der Kommandant des Anterseebootes, wurden folgendermaßen getötet Zwei der Leute tten den Gang zum Maschinenraum erreicht, während der Miaschinist ihnen auf den Fersen folgte. Sie liefen in einen der Bunker, und der Maschinist schloß die Tür hinter ihnen und rief die Seesoldaten mit den Worten herbei:Kommt, Jungens, ich habe zwei von ihnen hier drin! Der Maschinist öffnete die Tür und schoß selbst; der andere Mann wurde durch die Seesoldaten getötet. Der deutsche Kommandant lief nun nach der Reeling und sprang über Bord. Einer rief:Da ist einer von ihnen. Die Seesoldaten und Kapitän Manning gingen auf die Back des Schiffes. Der deutsche FTommandant schwamm auf dieBaralong Zu. Die Seesoldaten eröffneten das Jeuer von der Back derNico⸗ 93 ab die Kommandant sah herauf zurBaralong und hob die Hi. Mund gekkoffen und das Blut rann ihm das Kinn her⸗ er, Er biß die Zähne zusammen und wartete auf das Ende. Ein Schuß aus der nächsten Salbe traf ihn ins Genick. Er rollte tot auf dem Rücken, trieb eine Weile und versank. 125 Nachdem der Kommandant erschossen war, kehrten die Ma⸗ trosen auf ihr eigenes Schiff zurück und es herrschte großer Jubel unter ihnen. Der Steward unseres Schiffes öffnete eine Flasche Whisky und bot sie dem Geschützführer und seinen Freun⸗ den dar. Der Kommandant derBaralong schickte einen Brief an Kapitän Manning, den der Kapitän unserm Tierarzt zeigte, der ihn wiederum uns zu lesen gab. Der Brief ersuchte den Kapitän, den Leuten, besonders den Amerikanern an Bord, ein⸗ Zu schärfen, sie sollten nichts von der Geschichte, we⸗ der bei ihrer Ankunft in Liverpool, noch bei ihrer Rückkehr nach Amerika erzählen. Der Brief war unterzeichnet: Kapitän William Me Bride, H. M.

Baralong.

Die Auswanderung von Engländern im militärpflichtigen Alter.

London, 8. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Cunard Line hat gestern mit⸗ geteilt, daß sie keine englischen Reisenden an⸗ nehmen könne, die im militärpflichtigen Alter 1 5 Diese Verfügung gab Anlaß zu aufgeregten Szenen in Liverpool, als irische Auswanderer, die im Begriffe waren, abzureisen, an Bord des DampfersSaxonia 125 wollten. Die An⸗ werbungsagenten begannen ihre Arbeit, die Volksmenge pfiff die Irländer aus. Die Heizer derSaxonia kamen an Land und erklärten den Beamten der Cunard⸗Line, daß sie 175 weigerten, zu fahren, wenn die Irländer die Er⸗ laubnis bekämen, an Bord zu gehen. Die Gesellschaft wei⸗ gerte sich schließlich, die Irländer mitzunehmen.

0 Die Note Amerikas an England.

5 London, 8. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reuter⸗ . Bureau verbreitet solgende ausführlichere Meldung über die ameribanische Note an England: Die Note erklärt, die Behauptung Englands, es bestehe Gefahr, daß einige i 5 militärische Zwecke brauchbare Waren aus neutralen Ländern zum Feinde gelangen, könne nicht als gerechte geseßliche Grundlage für Gegenmaßregeln betrachtet wer⸗ 45 da sie zu viel Gelegenheit zu Mißbräuchen der Krieg⸗ hrenden gäbe. Bei der Anlegung eines solchen Maßstabes nten die Kriegsführenden das Recht der Neutralen auf die freie See ganz hinfällig m Die Vereinigten Staaten knnten sich mit einer solchen Bestimmung nicht zu⸗ frieden geben und verlangten das Recht, alle Güter, die neu⸗ trale Alder benötigten, zu ver aufen. Wenn die Güter, die bedingte Bannware sind, über ein neutrales Land nach dem e Lande bestimmt seien, so sei diese Tatsache allein nicht ausreichend, um die Beschlagnahme zu rechtfertigen.

8 18

b= meldet: Das englische DampfschiffLady Plymouth ist hier

. ehen, daß 8 U eebaen jedem toten Deutschen noch einen Schuß durch den ze

78 zum Zeichen der Uebergabe. Er wurde in den

nete die Versammlung namens der einladenden Vereine, a e f ie⸗

S

Die Vereinigten Staaten müßten deshalb gegen die Be⸗ schlagnahme von Schiffen auf bloßen Verdacht hin Be⸗ schwerde erheben. 0 die Blockade effektiv sei. Es wird aaf die bekannte Tatsache hingewiesen, daß die deutschen Häfen für den Ver⸗ kehr mit Skandinavien offenstehen. Die Note erklärt ferner, daß es keinen genauer umschriebenen Grundsatz des Völker⸗ rechts gebe, als den, der die Blockade neutraler Häfen in Kriegszeiten verbiete. Dann wird in der Note auseinander- geseht, daß die Prisengerichte für den Schaden, der den amerikanischen Kaufleuten zugefügt wird, keine genügende Vergütung zuerkennen. Die Regierung der Vereinigten Staaten macht die englische Regierung mit dem größten Nachdruck darauf aufmerksam, daß sie dabei beharren muß, daß die Beziehungen zwischen den beiden Regierungen nicht durch Zweckmäßigkeitsgründe, sondern durch die bestehenden Regeln des internationalen Verkehrs geordnet werden. Die Vereinigten Staaten nähmen ohne 3 die Aufgabe auf sich, für die Unverletzlichkeit der Rechte der Neutralen gegen die Ungesetzlichkeiten der Kriegführenden einzutreten, die durch den großen Kampf, der jetzt die Länder Europas ver⸗ wüstet, erbittert sind. 5

. 1 Die neue Regierung in Luxemburg.

Luxemburg, 8. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Die zurückgetretenen Generaldirektoren Thorn und Mon⸗ enast sind zum Präsidenten bezw. Vizepräsidenten des Staatsrates ernannt worden. Mongenast hat ein huldvolles Handschreiben der Großherzogin ere in dem diese ihm ftr seine 33jährigen aufopferungsvollen Dienste dankt. Die Großherzogin hat Mongenast die Brillanten zum Großkreuz des Adolfordens verliehen. Das Präsidium der neuen Regierung übernimmt der gestern zum Staatsminister er⸗ nannte Rechtsanwalt Loutsch. Dise Kammer wurde auf den 9. November einberufen.

Der Seekrieg.

Grimsby, 8. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus Das britische FischerfahrzeugTing Wil⸗ liam ist versenkt worden. Sieben Mann der Besatzung sind gerettet; der Kapitän und ein Matrose werden vermißt.

London, 8. Nov.(WTB. Nichtamtlich) Wie die Admirali⸗ tät mitteilt, ist am 5. November der bewaffnete Verpfle⸗ gungsdampferTara von zwei feindlichen Unterserbooten im Ilten Mittelmeer angegriffen und versenkt wor⸗ den; 34 Mann der Besatzung werden vermißt. 3

London, 8. Nov.(WTB. e Lloyds meldet: Der DampferWoolwich aus London ist ve worden; die Besatzung wurde gerettet.

London, 8. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Lloyds Agentur

Agentur rsenkt

mit 55 Mann von der Besatzung des französischen Dampfers Calvados an Bord eingelaufen. 5

Der englische PostdampferAlastair ist versenkt worden. Drei Mann von der Besatzung wurden gerettet. Die Leiche eines Steuermannes wurde geborgen.

Aus Hessen.

Der Landesausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei im Großherzogtum Hessen war am gestrigen Sonntag in Frankfurt a. M. zu einer Tagung versammelt, der im Auftrage der Berliner Partei⸗ ntrale der Reichstagsabgeordnete Kop ch beiwohnte. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles der agesordnung hielt Herr Kopsch einen Vortrag über die wee Lage. J einer angeregten Aussprache, an der sich eine große Anzahl Herren aus allen Teilen des Landes beteiligte, kam die einmütige ustimmung zu den von dem Referenten dargelegten Auf⸗ assungen der n Ausdruck. Der feste Ent⸗ schluß, die Organisationen der Partei durchzuhalten bis zu einer. nicht allzu fernen Zeit, wo sie wieder in volle Tätigkeit treten können, wurde bekräftigt durch den einstimmig gefaßten Beschluß, das Landesparteisekretariat auch fernerhin aufrecht zu erhalten. 0

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Aus Stadt und Cand. Gießen, 9. November 1915.

Kriegerheimstätten.

Im Großen Hörsaal der Universität 9 1 fun abend Generalsekretär Rüppel⸗ Berlin über die Schaffung von Kriegerheimstätten. Oberbibliolhekar Dr. Häuser eröff⸗

Evangelischen Arbeitervereins, der Ortsgruppe 85 des Verbandes der unteren Post⸗ und Telegraphen⸗ eamten sowie der Ortsgruppe des Deutschen Vortruppz⸗ vereins, welche sich als Mitglieder dem Hauptausschuß für Kriegerheimstätten angeschlossen haben.. 5 Generalsekretär Rüppel entwarf zunächst in großen 80 die historische Entwicklung des Wohnwesens und kam zu dem. luß, daß lange vor dem ege die en e bei uns in Deutschland einen Hohn auf unsere kulturelle Entwicklung gebildet habe. Die fortschreitende Erkenntnis dieser Tatsache hat dazu Eine die Förderung der Wohnungsfrage von einer anderen ite her schon jetzt in die Hand zu nehmen, um den heimkehrenden Kriegern, welche Haus und Hof, welche die vaterländische Scholle gegen die andringenden Feinde mit ihrem Blute verteidigt haben, ein eigenes Heim zu verschaffen. Es soll nicht wieder so gehen. wie nach dem glorreichen Kriege 1870/71, wo die Volksgenossen, die draußen den Feind bekämpft hatten, bei ihrer Heimkehr für sich und die Ihrigen kein Obdach finden konnten; wo die Wohnungs⸗ not in Berlin dazu zwang, für Zehntausende ein Unterkommen in Baracken zu schaffen. Damals schnellten die Preise für Bau⸗ stellen und für Häuser rapid in die Höhe, und damit ging Hand in Hand eine erschreckende Erhöhung der Mieten. Manchem Fa⸗ milienvater, der sieggekrönt aus dem Felde heimkehrte, wurde damals der Lohn zuteil, daß er die Wohnung gekündigt bekam, weil man seine 4 oder 5 Kinder im Hause nicht haben wollte. Das alles hat damals verhetzender gewirkt, als viele andere Widrigkeiten der Zeit. Schon heute zeigen sich wieder die Zeichen die bartun, daß sich die Spekulgtion rüstet, um hei Eintritt des Friedens an der verstärkten Nachfrage nach Wohngelegenheit sich zu bereichern. Würde man diesen Dingen nicht rechtzeiti begegnen, so würden wir wieder Verhältnisse bekommen, wie na dem 70er Kriege. Auf der einen Seite würde es große Not und großes Elend geben, und zwar besonders bei vielen der Tausende, die draußen im Felde für das Vaterland gekämpft und geblutet haben, auf der andern Seite würden sich breit machen Spekulation und die Profitwut, die später an der eigenen Fäulnis wieder zusamemenbreochen müßte. 8 So dürfen sich die 5 e nach dem Kriege, in dem unser Volk gezeigt hat, was es leisten kann, nicht wieder werden. Wir müssen Männern, denen die Daheimgebliebenen ihre Existenz und unendlichen Tank schulden, Stätten gewähren, pie ihnen das Leben und das von Frau und Kindern behaglich gestalten. Die Nstwendigkeit, daß nach dieser Richtung ener⸗ gisch Hand angelegt werden mu hat dahin geführt, der Be⸗ gründung von Krieger heimstätten näher zu treten, und es ist hscherfreulich, daß die Verwirklichung dieses Gedankens in allen Gauen und in allen Kreisen. Volkes Wurzel geschlagen hat. Es ist ein großer Gedanke, dessen Verwirklichung

Die Note wirft ferner die Frage auf, ob ha

Obdach und Erwerb zu

Die Heimsläktenfrage ist schon vor dem Kriege behandelt wor⸗ den; Amerika, England, die Schweiz und Serbien ben eine Heimstättengeseggebung. Ende März d. J. wurde bei uns in Deutschland der Hauptausschuß für Krieger

r mit 28 Verrinen gegründet, und ein Beweis, wis ehr der Gedanke gezündet hat, ist es, daß heute schon über 2000 Organssationen dem Hauptausschuß angehören, der Einzel personen als Mitglieder nicht annimmt. Der Reichsverband der deutschen Städte, zahlreiche Landgemeinden, Gewerkschaften, Ver⸗ eine aller Berufsklassen sind Mitglieder geworden. Tie Gründung

von Heimftätten soll keine reine Wohlfahrtseinrichtung für die damit bedachten Kriegsteilnehmer ein, sondern die ganze Organi⸗ sation foll einen geschäftlichen Anstrich belommen; dabei wird

aber vermieden werden jede Spekulation, die auf Gewinn abzielt. Jedem heimkehrenden Krioger, der von einer Heimstätte Gebrauch machen will, soll ein wohlbegründeter Rechtsanspruch darauf zugesichert werden. Zu dem Zweck ist in Aussicht genommen, ein Heimstätten⸗Gesetz zu verlangen, wonach die Möglichkeit bestetzt, dem Krieger eine Stätte im Deutschen Reich oder in den deutschen Kolonien zu überweisen, in der er gegen eine, mäßige Rente sein Leben verbringen kann. Geplant sind vorerst Heim⸗ slätten zur Betätigung als Landwirt, umsafsend 10 Hektar Fläche, solche für den gärtnerischen Betrieb, umfassend 2 Hektar Gelände, und Wohnstätten für Industriearbeiter in den Außenbezirken der Städte und für landwirtschaftliche Arbeiter auf dem Lande mit ca. 1000 Om. Flächengehalt. Beim Erwerb eines solchen Wohn⸗ sitzes ist eine Tapitalanzahlung natürlich von vornherein ausgeschlossen; es werden in allen Fällen nur gleichblei⸗ bende Renten verlangt Auch wird beim Tode des Familienhauptes der Witwe und den Kindern die Weiterbenutzung der Heimstätte überlassen. Dabei soll die Freizügigkeit des Benußers einer Heim⸗ stätte und die seiner Erben nicht beschränkt werden. Es ist Vorsorge zu treffen, daß bei einem Nee e niemand zu kurz kommt; ausgeschlossen ist natürlich bei einem solchen Wechsel die Zahlung jedes Konjunkturgewinnes. Es handelt ieh also bei dieser Heim⸗ stättengesetzgebung um die von der Bodenreform an estrebteEr b⸗ pacht, die allerdings durch ein Reichsgesetz mur für Kriegs⸗ teilnehmer festgelegt werden soll. 1

Der Redner erörterte weiter die Möglichkeit der Ausfüh⸗ rung des Gedankens, widerlegte die Einwendungen, die dagegen erhoben werden könnten, bekämpfte den Einwand, daß durch die Friegerheimstättenbewegung dem soliden Hausbesitz Schaden zugefügt werden könne, erörterte die Geldbeschaffung und wies darauf hin, daß in unserem Vaterland mehr als gemug Boden vorhanden fei, um Millionen von Menschen in der geplanten Weise 8 ewähren. Er schloß mit der Bitte, daß jeder der Anwesenden sich als Offizier betrachten möge, um Truppen sa werben, die dafür eintreten, ein Stück Heimat denen zu schaffen, die uns allen den vaterländischen Boden durch Einsatz ihres Lebens gesichert haben.

*

Die Hessische Ta pferkeitsmedaille erhielt Re⸗ gierungsbaumeister und Vorstand des Großh. Eisenbahnbetriebs⸗ 91 1 in Gießen Dr. Walloth, der als Rittmeister im Osten n Dekanatssynode. Die diesjährige Synode des evangelischen Dekanats Gießen findet heute Dienstag, den 9. d. Mts., nachm. 1 Uhr im Gemeindesaal der Johannes⸗ kirche statt. Die Eröffnungsansprache hält Pfarrer Bern⸗ beck⸗Wieseck. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen bildet ein Vortrag von Pfarrer Dörr⸗ Heuchelheim über Kriegsaufgaben in der Seelsorge, mit besonderer Berück⸗ sichtigung der Zukunft der Kirche. Die Verhandlungen sind öffentlich, und es sind alle evangelischen Bewohner des Dekanats willkommen..

* Kriegsfreiwilligen⸗Einstellung. Bei der III, Matrosen⸗Artillerie-Abteilung werden am 1. 1 1915 Kriegsfreiwillige eingestellt. Es kommen nur kräftig gebaute Leute in Frage, die noch keine Entscheidung über ihr Militärverhältnis erhalten haben und sich noch nicht zur Rekruten⸗Stammrolle anmelden mußten. Mindestmaß: 1,64 m. Gesuche mit ausführlichem Lebenslaufe, poliz. Füh⸗ rungszeugnisse und Einwilligungserklärung des Vaters oder Vormundes sind sofort an das Kommando der III. Matrosen⸗ Artillerie⸗Abteilung in Lehe a. d. Weser zu richten. Die ärztliche Untersuchung wird alsdann beim zuständigen Be⸗ zirkskommando veranlaßt. 5

* Liebesgaben für a deutsche Akademiker. Um kriegsgefangenen deutschen Studieren⸗ den Bücher, namentlich auch ihres Studienfaches, zuzuführen, 15 sich in Berlin ein besonderer Ausschuß gebildet, der durch ichere Vertrauensmänner in der Lage ist, Büchersendungen in die Gefangenenlager zu befördern. Da unter den in 1 schaft befindlichen deutschen Studenten nach nichts mehr Verlangen herrscht, als nach geistiger Kost, und gleichzeitig durch entsprechende Fachliteratur die Zeit des tatenlosen Harrens für das Studiung n r gemacht werden kann, ist eine Unterstützung des Ausschusses d e von Büchern oder Geld dringend er⸗ wünscht. Auch solche, die ihre akademischen Studien bereits vollendet haben, wie z. B. Oberlehrer, Referendare, Diplomingenieure sollen entsprechend bedacht werden. Spenden bittet man an den Aus⸗ chuß zu Versendung von Liebesgaben an kriegsgefangene deutsche Akademiker(Geschäftsführer Dr. Gerhard Niedermeyer, Berlin C2, Kleine Museumstraße 5 b, Bankkonto bei der Königlichen Seehand⸗ N fen. Staatsbank, unter Nummer B 17 164) gelangen zu lassen.

l Die Sammlung für die kriegsgefange⸗ nen Deutschen in Rußland in unserer Stadt hatte ein gutes Ergebnis. Die Büchsensammlung in den Häusern und auf den Straßen brachte, wie wir seinerzeit schon mit⸗ teilten, 8931.12 Mk. ein, bei den Sammelstellen wurden 1099.80 Mk. eingezahlt. Gemeinsam mit dem Kreis⸗ komitee für Rotes Kreuz und Kriegshilfe, das die Hälfte der Kosten trägt, wurde die Ausstattung 300 Kriegs⸗ e Feschafft und abgeschickt. Verausgabt wurden

afür 9982.37 Mk., so daß der Wert eines einzelnen Paketes sich auf 33.28 Mk. stellt. Die Verbringung in die einzelnen

Gefangenlager besorgen Angehörige des schwedischen Roten Kreuzes und zwar wird jeder einzelne Eisenbahnwagen von zwei Herren begleitet, die die Geschenke in den Lagern direkt an unsere Angehöri verteilen. Die erübrigten Geld⸗ beträge werden zu Barunterstützungen von Kriegs⸗ be e de i den-Spesialoeschat

Liebesgaben. ie Fi Zigarr pezia 2

Zum Alten Rathaus(Inhaber 5 P. Petersen) hier, Marktplatz 15, stiftete für die in hiesigen Lazavetten befindlichen Verwundeten aus Anlaß ihres dreijährigen Bestehens 1100 Beutel Zigaretten zu je 10 Stück.

Sinkende Viehpreise. Vom Frankfurter Vieh⸗ markt wird uns geschrieben: Der heute abgehaltene Vieh⸗ markt hatte einengroßen Tag: in jeder Viehgattung außer den Schweinen einen ganz bedeutenden Auf⸗ trieb und überall einen cb Preisrückgang. Vor einer Woche hatten die a te ae eine kaum gekannte 505 erklettert, heute sanken sie rasch um 416 Mk. den

entner. Auch bei den Kälbern machte sich der allgemeine

Rückgang bemerkbar. Am aa aber zeigte er sich bei den Schweinen. Die in einer oche in Kraft tretenden Höchstpreise bewirkten einen Preissturz beim 1 bis zu 15 Mk. und beim e bis zu 25 Mk., verschiedentlich gar bis 30 Mk. Die Händler versuchten ihre Ware um jeden Preis loszuschlagen, weil sie nach Ein⸗ tritt der Höchstpreise an den zu hohen Preisen eingekauften Tieren noch mehr einbüßten als 995 Die Metzger hielten

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angestrebt wird, aber große Ideen können, wie die Erfahrung lehrt, am besten in großer Zeit in die Tat umgesetzt werden.

mit ihren Einkäufen zurück, w e hoffen, am nächsten Fabi noch billiger einkaufen zu können. Wer nicht un⸗ edingt Schweine brauchte, kaufte nicht. 5 5