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Nr. 204
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General⸗Anzeiger für Oberhessen
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Dienstag, 9. November 1015
Beznasvreis: monatl. 85 Pf., viertel ⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.
die besetzung von Urusevac.
(WT B.) Großes Hauptquartier, 8. Nov.
(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
In den Vogesen schlossen sich nordöstlich von Celles an die Besctzung eines feindlichen Minentrichters durch unsere Truppen lebhafte Nahlämpfe mit Handgranaten und Minen an.
Am Hilsenfirst wurde dem Gegner ein vorgeschobenes Grabenstück entrissen.
Leutu ent Immelmann schoß gestern westlich von Douai das sechste feindliche Flugzeug ab, einen mit drei Maschinengewehren ausgerüsteten euglischen Bristol⸗Doppeldeckee.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
Südlich und südöstlich von Riga, ferner westlich von Jakobstadt beiderselts der Eisenbahn Mitau—akobstadt und vor Dünaburg griffen die Russen nach starker Fenuer⸗ vorbereitung mit erheblichen Kräften an. Ihre Angriffe sind teilweise unter schweren Verlusten für sie abgeschlagen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Keine weseutlichen Ereignisse.
Heeresgruppe des Generals u. Linsingen.
Russische Angriffe nordwestlich von Czartoryst blieben erfolglos. Drei Offiziere, 271 Mann fielen gefangen in unsere Hand.
. Balkan⸗Kriegsschauplatz.
e Truppen haben Iwanjica und den Vijmae(896 Meter), 7 Kilometer nordöst— lich davon, erreicht.
Deuische Truppen sind im Angriff auf die Höhen füdlich von Kraljewo.
Zwischen Kraljewo und Krusevat ist die westliche Morava an mehreren Stellen überschritten.
Krusevac wurde bereits in der Nacht vom 6. zum
7. November besetzt.
Ueber dreitansend Serben sind unverwundet ge⸗ fangen genommen, über fünfzehnhundert Ver⸗ wunde te wurden in Lazaretten gefunden.
Die Beute besteht, soweit bisher festst⸗ht, in zehn Ge⸗ schützen, viel Munition und Material, sowie erheblichen Verpflegungsvorräten.
Im Tal der südlichen(Binacka⸗) Morava wurde Pra⸗
skopce durchschritten. i 0 Oberste deereslettun gg
„ auch das gestern schon genannte Frusevac, die letzte Fergie im Tal der Golijska Morawa, der Armee Gallwitz in die Hände gefallen, und auch die Bul⸗ aren stehen nach ihrem Vordringen in das Becken von eskovae vor ihrem Endziel, wenn die Entente nicht noch eine Expedition großen Stiles nach der bulgarischen Front richtet, was wenig 1 1 erscheint. Es ist immer noch dunkel, mit welcher Aufgabe Lord Kitchener betraut worden ist. Zunächst hat er wieder einige Tage in Paris versäumt, und daß bei diesem Besuche die französische Presse aufs neue von einer glücklich erreichten Uebereinstimmung spricht, wirkt auf frische und unbefangene Gemüter nur erheiternd
Nun ist
— soweit sich diese Gemüter zu den Zentralmächten rechnen,
denn sonst müßten sie Stimmungen unterliegen, wie jener französische Abgeordnete Delafosse, der in einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten Briand ein festes Auf⸗ treten Frankreichs auch gegenüber seinen Verbündeten, Eng⸗ land, Rußland und Italien, verlangt und die Ueber eugung ausspricht, man müsse die Säumigen zu kühnen Entschlüssen zwingen und deren Ausführung überwachen.
Die endgültige Ueberwindung Serbiens ist nur noch eine 1 von Tagen. Aus der zusammenfassenden amtli chen
arstellung über die von deutschen und österreichisch⸗ ungarischen Truppen Un den alten Widersacher eingelei⸗ tete Offensive(siehe 2. Blatt!) ist zu ersehen, wie plan⸗ mäßig unsere Heere vorgegangen sind und wie wenig man sich dabei um die großen Gebärden unserer Hauptfeinde be⸗ kümmert hat. Der Berner„Bund“ stellt folgendes Urteil zusammen, das wie eine Ergänzung zu der genannten deut⸗ schen amtlichen Darstellung zu lesen ist; er schreibt:
Mit der Eroberung von Nisch, Kragujevac und Kral⸗ je wo sind die lebendigen Widerstandszentren Serbiens gefallen, der weitere Feldzug wird sich, sobald der Mündungswinkel der beiden Morawen ausgeräumt und der letzte Lebenspunkt an der bulgarischen Morawa, Stadt und Landschaft Leskovac, genommen ist, abseits der Hauptschlagader des Landes im Sand⸗ schak Novibazar und in der Landschaft Kossowo abspielen. Nur noch wenige Tage und die Orientlinie Belgrad⸗Nisch⸗Sofia⸗Kon⸗ stantinopel ist vollständig in den Händen der Zentralmächte und Bulgarien und wird mit ihrem vollen Puls die Offensiv⸗ und Defensivkraft Deutschlands und Oesterreichs sowie Bulgariens und der Türkei zur höchsten Entfaltung bringen.
In Anpassung an die Verhältnisse ist der Feldzug, der am 5. Oltober an der Donau begann und in der Kombination des . Vor marsches von drei Seiten mustergültig bleibt, ohne eberstürzung, aber mit unbezwinglicher
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Energie geführt worden. Bis an die Knie im Schlamm der Karrenwege, die Wagenkolonnen mit Ochsen bespannt, haben sich die 0 durch das verkarstete Gebirge gerungen. Ihre schwere Artillerie zerbrach alle Sperrstellungen, die zudem durch die Ueberflügelung unhaltbar wrden. Das serbische Heer hat dieses aussichtslose Ringen im Vertrauen auf die Hilfe des Vierverbandes bis auf den heutigen Tag heroisch durchgehalten und ist auch jetzt noch, nach einem Verlust von 20—25 Prozent seiner Feldstärke und eines großen Artillerieparkes, ein beachtens⸗ werter Faktor, aber zum Exodus in der Richtung der albanisch⸗ montenegrinischen Grenze genötigt, was die völlige Preisgabe des strategisch wichtigen Gebietes bedeutet. Der Korridor von Belgrad nach Sofia ist gestoßen; ob die strategischen Verhältnisse auf dem Balkan durch die Entente redressiert werden können, ist mehr als zweifelhaft.
In Griechenland haben die in englischem Solde stehenden Hetzer einige antidynastische Kundgebungen an⸗ gezettelt, was indessen nicht viel besagen will, da dem König der Generalstab und das Heer treu zur Seite stehen. Das neue Kabinett, in dem Zaimis aus taktischen Gründen keinen Sitz mehr eingenommen hat, ist zweifellos auf dem Wege. die Politik der bisherigen Regierung fortzuführen. Noch immer paßt auf die 1055 jenes hübsche Bild, das eines un⸗ serer lustigen Blätter dieser Tage gebracht hat: Odysseus (König Konstantin) hält seinen ehernen Bogen in den Hän⸗ den, indem er die Freier Penelopes, die freilich heute kein sehr stolzes Gebaren zeigen, abwartend beobachtet. Wird die Stunde kommen, wo er seine Waffe hellauf erklingen läßt und sein Haus von übermütigen Eindringlingen säubert? Und hat er nicht schon den dreisten Bettler und Umschmeichler der Freier, Venizelos, mit starken Armen auf den Hof gesetzt?
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Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.
Wien, 8. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 8. November 1915.
Russischer Kriegsschauplatz.
Bei Sapanomw an der Ikwa, am Kormin⸗Bach und west⸗ lich von Chartorysk wurden russische Angriffe abgeschlagen. Sonst nichts Neues. g.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Die Ruhe an der Südwestfront hielt im allgemeinen auch gestern an. Im Nordabschnitte, an der Hochfläche von Doberdo hatten unsere Truppen wieder einzelne Vorstöße des Feindes abzuweisen. Um den Col di Lana wurde heftig gekämpft. Nachmittags fiel die Spitze dieses Berges in die Hände der Italiener; abends wurde sie von unseren Truppen durch einen Gegenangriff zurückgewonnen. Die feindliche Artillerie hat das Feuer auf die Südwestfront von Riva
eröffnet. Südöstlicher Kriegsschauplatz.
„Die beiderseits des Moravica⸗Tales vordringenden öster⸗ reichisch⸗ungarischen Kolonnen warfen den Feind aus seinen Höhenstellungen nördlich von Ivanjica.
Die deutschen Truppen der Armee des Generals der nfanterie v. Köpeß kämpfen auf den Höhen südlich von aljevo. Flußabwärts, bei Trstenik, haben sich unsere
Streitkräfte den Uebergang über die hochgehende Morava er⸗ kämpft. Krusevacr und die Höhen östlich davon sind in der Hand des Generals v. Gallwitz. 5
Die bulgarische Armee gewinnt im erfolgreichen Fort⸗
schreiten die Ausgünge in das Becken von Leskovac.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
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f Zum Falle von Nisch.
Sofia, 8. Nov.(WTB Nichtamtlich) Meldung der „Agence Bulgare“. Anläßlich des Falles von Nisch telegraphierte der Geueralissimus Schekow an den Kö⸗ nig:„Ich bin überaus glücklich, Eurer Majestät berichten zu können, daß heute 3 Uhr nachmittags die Festung Nisch, ein befestigter Platz erster Ordnung, unter den Schlägen der siegreichen, Eurer Majestät unerschütterlich ergebenen Truppen unserer ersten Armee gefallen ist. Nach dreitägigen, hartnäckigen Kämpfen gehört nun die Stadt Nisch für immer zum bulgarischen Königreiche und wird die Krone unseres verehrten obersten Führers schmücken. Schekow.“— Der König erwiderte:„Ich beglückwünsche Sie auf das Wärmste zu dem Falle von Nisch, der Hochburg von Treulosigkeit und Lüge. Gott segne die Truppen.“
König Peter.
Berlin, 9. Nov. Ueber den König von Serbien wird verschiedenen Morgenblättern aus dem k. k. Kriegs⸗ pressequartier unter dem 7. November gemeldet: König Peter hat am 1. November noch in Jagodina geweilt, wo er eine Parade der Schumadia⸗Division ersten Aufgebots abhielt. Die Division ist von vier Regimentern auf ein ein⸗ ziges zusammengeschmolzen. Am 5. November passierte
König Peter Krusevac und setzte von dort die Flucht in
südwestlicher Richtung nach Kurschumlija fort.
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Die Engländer Paris, 8. Nov.(WTB. Nichtamtlich.)„Petit Parisien“ berichtet aus Athen: Der englische Gesandte in Athen meldet, daß zwei englische Divisionen nach der bulgarischen Front unterwegs sind; andere Kon⸗ tingente sollen folgen. Ferner wird gemeldet, da die Alliier⸗ ten täglich 15 bis 18 Eisenbahnzüge mit Truppen von Salbo⸗
niki an die Front abgehen lassen können.
Paris, 8. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Blättermeldun⸗ gen aus Saloniki zufolge sind die Bewegungen des Ex⸗ peditionskorps in Südmazedonien wegen des Mangels an Eisenbahnen und Straßen äußerst W Die Hilfsquellen des Landes sind außerdem durch die Balkan⸗ kriege erschöpft. Man begegnet immer wieder unerwarteten Schwierigkeiten. Kürzlich mußten die Franzosen, da keine Pferde vorhanden waren, ihre Batterien mit Büffeln in Stellung bringen. Ferner ist die Witterung äußerst un⸗ günstig. Alle Straßen und Wege sind von den letzten Regengüssen aufgeweicht und grundlos.
Antidynastische Kundgebungen in Griechenland.
Lyon, 9. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Wie der„Repu⸗ blicain“ aus Saloniki meldet, wurde durch die letzten Ereignisse in Griechenland eine antidynastische Bewe⸗ gung wachgerufen, welche an die Bewegung des Jahres 1907 erinnert. Die Agitationsherde befinden sich auf Kreta (der Heimat Venizelos'), Korfu und Mytilene. In Kandia sagt man offen, der König müsse abdanken und in Verbannung gehen, da er der nationalen Politik Veni⸗ zelos' abhold sei. Auf Korfu zerstörte die Menge einen Teil des Achilleions. Sie beendete die Zerstörung nicht dank dem Eingreifen einiger Notabeln, welchen es gelang, die Gemüter zu beruhigen. In Larissa und Korinth fanden öffentliche Versamm lungen statt, in denen Tagesordnungen angenommen wurden, in denen die Ab- setzung des Herrscherhauses und die Einsetzung eines wirklich nationalen Regimes gefordert wurde.
Berlin, 8. Nov.(Priv.⸗Tel.) Die 5 Ztg.“ meldet aus Bukarest: Venizelos erklärte sich bereit, das Ka⸗ binett Skuludis zu unterstützen, um einer Auflösung der Kammer vorzubeugen.
Athen, 8. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Ministerpräsi⸗ dent Skudulis hatte eine Unterredung mit dem Athener Berichterstatter der„Times“, in welcher er sagte, er beab⸗
sichtige, gegenüber den Mächten des Vierverbandes die Haltung ehr wohlwollender Neutralität einzu⸗ nehmen.
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Die Ermordung einer deutschen Unter feebootsbesatzung.
Es liegt nunmehr der Wortlaut der eidlichen Zeugenaussagen amerikanischen Bürger Curran, Clark, Hightower und Crosby durch die der bereits gemeldete Mord einer dautschen Untere
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