nr. 259 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gießener Famillendlätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen seit⸗ fragen“ erscheimen monatlich zwernal.
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inzei
General-Anzeiger für Oberhessen
Kragufevaz, Serbiens Stolz.
„Beegrade halud tebi hvala, kadie tebi Kragufevaß graya!““—
D Belgrad, nichtig ist dein Lob, solange Kragujevaz dein Haupt ist!“ sagt ein serbisches Sprichwort und kennzeichnet damit die alte Residenz des ersten Serbenfürsten Milosch Obrenowitsch als die bedeutendste Stadt des Landes. Kragujevaz, das den Kulturvölkern Europas erst durch Leopold v. Rankes klassische Schilderung der serbischen Revolution bekaunt und vertraut wurde, ist eigentlich erst eine Stadt des letztverflossenen Jahrhunderts, trotzdem prä⸗ historische Funde auf dem Konakplatz schon von einer vorgeschicht⸗ lichen Niederlassung an dieser Stätte Kunde geben. Eine erste vor⸗ Übergehende Bedeutung erlangte es während der österreichischen Okkupation Serbiens 1718—1739. Dann ward es durch die ver⸗ hängnisvollen Tagung der eben geschaffenen Skupschtina berühmt, als der„Patriot“ und Bandenführer Karageorg, der Vorfahr des jetzigen Königshauses, 1813 die erneute Unterwerfung unter die Herrschaft des Sultan Mahmed II. empfahl, des Reformers, der später Moltke nach der Türkei berief. Die idyllisch gelegene, von wigcheirren Wäldern umkränzte Stadt war der Lieblingssitz jenes Jürsten Milosch, dessen interessanter„Konak“, der allerdings mur ein sehr primitiver Palast war, von König Milan recht pietätlos in ein Offizierkasino umgewandelt wurde. Noch heute zieren Reste der orientalischen Pracht, an der der Emporkömmling Milosch seine Freude hatte, die Gemächer. Hier im weltabgelegenen Kragujevaz schaltete Milosch als unumschränkter Herr über Gut, Leben, Weib und Ehre seiner„befreiten“ Landsleute, und mancher Ehemann ward ohne irgendeine langweilige gerichtliche Prozedur an dem berühmten Birnbaum vor dem Konak aufgeknüpft. Als Merk⸗ würdigkeit sei noch erwähnt, daß ein deutscher Maler im Stile des Scheffelschen Fludribus die Konakzimmer mit Bildern schmückte und im Schlafgemach der Fürstin den treuherzig unorthographischen Spruch anbrachte:„Die Gotteshand sögnet den keinen Milan“— in deutscher Sprache, die weder der alte Milosch noch der junge Milan je verstehen lernten Im übrigen ist die Stadt ste's sehr radikal gewesen, hat politisch stets für die äußerste Linke gestimmt, ohne sich dadurch behindert zu füh en, auf den einstigen Regenten erbiens den zahmen Liberalen Ristitsch, sehr stolz zu sein, der hier anno 1831 geboren ward Er war einer der wenigen ehrlichen Deutschenfreunde des Balkan, sprach fertig deutsch und schrieb in deutscher Sprache über„die neuere Literatur der Serben“. Ueber allen historischen Erinnerungen bleibt heute das Wich⸗ tigste, daß Kragujevaz Serbiens größter Waffenplatz ist, der ein etwa 20 ar bedeckendes Arsenal mit Laboratorien für Geschütz⸗ und Infanterie⸗Munition, pyrotechnischem Inst'tut und ustigen modernen Anlagen besitzt. Nacheinander haben sich Russen, gier, Franzosen und Italiener abgemüht, die Leistungsfähigkeit des serbischen Landesarsenals auf die Höke zu bringen, Zuerst ent⸗ stand die„Topolivnica“, die Kanonengießerei, an der der rus⸗ ische Ingenieur Nieprek sich vergeblich abmühte. Er wurde 1849 ortgejagt, und im folgenden Jahre der belgische Maschinenmeister ssaint de Lours mit der Leitung des Unternehmens betraut, der vor allem eine Dampfmaschine beschafft und von der Regierung Kaiser Napoleons III. 1852 die Entsendung eines erfahrenen Gießmeisters durchsetzte. Jeet im Herbst vor 60 Jahren glückte nach vielen umständlichen Versuchen endlich der Guß der ersten glatten Kanone, die zwar auch für die damalige Zeit kein Meister⸗ werk war, aber doch einen gewaltigen Fortschritt gegen die vietäͤt⸗ voll bewahrten, mit Eisenbändern umschlossenen Birnholzrohre darstellte, mit denen sich der Vandeführer und Vorsahr des ledigen Königs Peter, Karagcorg(17631817), begnügen mußte. wei Italiener schließlich, Zanolini und Ciochetti, führten in jevaz die ust der Herstellung ener Geschütze ein, wurden aber sehr bald, wie alle anderen Ingenieure, durch Serben ersetzt, von denen der eine tüchtige technische Leiter Todor Seleskoviti in Deutschland vorgebildet war. Mit der Her⸗ stellung der Geschütze ging man freilich durchaus behaglich vor. So brachte z. B. die Geschützgießerei von 18631876 nach der Statistik von Theodor Kanitz glücklich vier Batterien Haubitzen, vier Batterien Vierpfünder und dreißig leichte Gebirgsbatterien zu je vier Geschützen und ganze 300 Geschosse pro Kanone fertig. Diese idyllischen Zeiten wurden freilich unter der energischen Lei⸗ tung der im Ausland vorgebildeten Direktoren Giga und Seles⸗ koviti überwunden, und im 20. Jahrhundert, seit das Rüstungs⸗ fieber auf dem Balkan chronisch wurde, haben die Arsenalfabrifen ungeheure Mengen an Kriegsmaterial jeder Art hergestellt. Mit
dem Fall von Kragujevaz ist Serbien der Möglichkeit beraubt, Seschütze und Munition in ausreichendem Maße Lande herstellen zu können, d.
i weiter im eigenen h., sein letzter Lebensnerv ist
durchschnitten. Diese Wichtigkeit des Platzes hat das Volk in⸗ stinktiv erfaßt, als es das eingangs erwähnte stolze Sprichwort schuf, auf das übrigens höchstwahrscheinlich die Tatsache nicht ohne Einfluß geblieben ist, daß der Nationalheld Georg Czerny, genannt„Karageorg“,„schwarzer Georg“, dicht bei Kragujevaz in Wischewzi geboren ist.
l Aus dem Reiche.
Die Regelung der Lebensmittelpreise. Berlin, 2. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Der Beirat der Reichsprüfungsstelle für die Lebensmittel⸗ preise setzte am 26. Oktober in seinem Ausschuß für Vieh, Fleisch, Wurstwaren und Fische die Beratungen unter dem Unterstaatssekretär Richter fort. Die in Aussicht gestellte baldige Preisregelung von Schlachtschweinen und Schweinefleisch fand allgemeine Zustimmung. Dabei wurde betont, daß der Anreiz zur Aufzucht von Fettschwei⸗ nen nicht unterdrückt werden dürfe. Für Großvieh sei eine sofortige Preisregelung nur vereinzelt gewünscht wor⸗ den, aber für den Fall unberechtigter Preissteigerungen soll trotz der vorhandenen Schwierigkeiten ein Eingreifen auf der Grundlage der jetzigen Preise vorgeschlagen werden, ebenso gegebenenfalls eine Festsetzung von Mindest⸗ gewichten für Rindviehschlachtungen. Angeregt wurde auch eine baldige Regelung der Preise auf dem Ge⸗ biete des Wildhandels. Eine Fleisch⸗ und Fett⸗ verbrauchsregelung in Gastwirtschaften wurde in Aussicht gestellt und eine Erweiterung dieser Regelung mehrfach gewünscht. Ueber die Bemessung der Preise für Schlachtschweine und Schweinefleisch und über die Span⸗ nung zwischen beiden Preisen fand eine eingehende Aus⸗ sprache statt.
Berlin, 2. Nov.(WTB. Amtlich.) Wie sich aus ver⸗ schiedenen Anzeichen ergibt, bestehen im Publikum vielfach irrige Auffassungen über die neue Verordnung betreffend die Regelung der Kartoffelpreise vom 28. Ok⸗ tober 1915. Die Produzentenböchstpreise gelten für alle Arten und Sorten der Kartoffeln, also auch für Saat⸗, Salat-, Eierkartoffeln und dergleichen; sie gelten auch nicht nur für die bis 29. Februar 1916 für Kommunalverbände zu reservierenden Vorräte(10 Prozent), sondern für die gesamte Kartoffelernte. Sogenannte Reports, Vermehrungs⸗ gebühren usw. gibt es nach der neuen Verordnung nicht. Es ist also ratsam, die Kartoffeln so rasch als möglich an den Markt zu bringen, da ein längeres Aufbe⸗ wahren keinerlei Vorteile, sondern nur Nachteile für den Landwirt bringt.
Aus Stadt und Cand. Gießen, 3. November 1915.
Anf dem Felde der Ehre gefallen.
(Aus Hessen und den Nachbargebieten.) * Hermann Hudel, I. Garderegt. z. F., Allendorf (Dillkr.).— Leutn. Kgl. Regierungslandmesser Karl Keßler aus Wetzlar.— Res. Ludw. Bepler, Res.⸗Inf.⸗Regt. 81, aus Atzbach.— Ers.⸗Res. Edmund Sievers, Inf.⸗Regt. 343, aus Wetzlar.— Hauptmann der von Jonquières aus Limburg.— Musk. Heinrich Schwarz. Res.⸗Inf.⸗Reat. 250, aus Kleingladenbach.— Ers.⸗Res. Carl Heinz, Inf.⸗Regt 80. aus Eibelshausen.— Res. Wilh. Reichard, Res.⸗Inf.⸗Regt. 88, aus Hainchen.— Wehrmann Friedr. Eckhard, Ers.⸗Batl. Inf. Regt 87, aus Wetzlar.— Armierungssoldat Ed. Nahrgang 77. Batl., aus Ohmes.— Ers.⸗Res. Karl Schäfer, Inf ⸗Regt 81, aus Alsfeld.— Musk. Johs. Voget, Inf.⸗Regt. 186, aus Homberg a. d. Ohm.— Landsturmmann Joh. Jak Tröster aus Griedel.— Gefr. Res. Otto Spengler aus Nidda.— Land- sturmmann Wilh. Schmidt, Inf.⸗Regt. 333, aus Michel nau — Musk. Ferdin. Kröll, Inf. Regt. 49, aus Rodheim bei Hungen.— Grenadier Joh Hangen, Kaiser Alexander⸗Garde Regt. aus Oberscheld— Leutn. Paul Möbus, Füs.⸗Regt. 222. aus Oberscheld.— Pionier Otto Wehrmann aus Bieden⸗
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Brabant und hessen.“
III.
Die Zwitterstellung Niederlothringens seit dem Zerfall des Karolingerreiches, seine Eigenschaft als Grenzland zwischen zwei oßen Völkern und Kulturen, die in ihm ineinander übergriffen, setet eine Erklärung für den sprichwörtlich gewordenen Wankelmut seiner Fürsten. Wollten die Herzöge von Brabant, von Limburg und von Luxemburg, die Grafen vom Hennegau diesseits, die Grafen von Flandern jenseits der deutsch⸗französischen Grenze das große Maß von Unabhängigkeit, dessen sie sich seit dem Aus⸗ gange der Karolingerzeit erfreuten, auch weiterhin nach allen Seiten wahren und womöglich noch erweitern, wollten sie nicht zwischen den großen Mächten zerrieben werden, 10 waren sie auf eine Politik des Schaukelns zwischen Frankreich und Deutschland und späterhin guch England angewiesen. Der ewige Front⸗ und Parteiwechsel seiner Fürsten und Grafen ist eine stehende Erscheinung der mittel⸗ alterlichen Geschichte Niederlothringens..
In dieser Schaukelpolitik, die strenge Richter wankelmütig und treulos nennen, sind die Glieder des Hauses Brabant von Graf Giselbert im Maasgau bis herab auf den letzten des Herzogstammes, Johann III., Meister gewesen. Kaiser und Reich haben sie sich immer nur soweit gefügt, als es sich mit ihrem und ihres Landes Vorteil pertrug. Ihr trotziger Unabhängigkeitssinn drückt sich aus in der Geschichte des Landes Brabant, das so reich an inneren und äußeren Kämpfen, an Auflehnungen 3 Reich ist, wie kaum eine andere deutsche Landschaft, so veich aber auch zugleich an starken, glänzenden und ungewöhnlichen Persönlichkeiten.
Am Eingang der Hausgeschichte der Herzöge von Brabant steht, noch halb im Halbdunkel einer überlieferungsarmen Zeit, Graf Giselbert vom Maasgau, der Entführer der karolingischen Kaiser⸗ tochter. Schärfer hebt sich der wilde Reginar, sein Sohn, den man den Langhals nennt, aus der Schar seiner Zeitgenossen, „die erste gewaltige Gestalt der niederländischen Feudalgeschichte, der vollkommenste Typus eines lothringischen Dynasten“.
Reginar I, hat die Grundlage zu der gewaltigen Hausmacht der Brabanter gelegt. Von den Ardennen bis über die Sambre, guf beiden Üfern der Maas bis fast zu den Rheinmündungen lagen fate Eigengüter und saßen seine nach Tausenden zählenden Va⸗ allen Die ehemaligen karolingischen Wald⸗ und 125 ddomänen zu Mersen, Herstal und Landen mit ihren Kaiserp 79055 waren in seiner Hand. Die Abteien von St. Sexvatius in Maastricht, von Stablo und Echternach beherrschte und plünderte er als
) Infolge bisheriger Verhinderung des Verfassers ist es uns erst heute möglich, in der Veröffentlichung der in Nr. 219 be⸗ gonnenen Aufsätze über die Geschichte unseres hessischen Fürsten⸗
hauses fortzufahren.
Laienabt. Rechts und links der Maas waltete er in einer Reihe von Grafschaften des Grafenamts. Das Ungewöhnliche seiner Stellung drückt sich darin aus, daß ihn die Geschichtsschreiber der Zeit abwechselnd Graf, Königsbote, Markgraf und Herzog nennen. Seine Grafschaften und Eigengüter waren etwa zur Hälfte von Wallonen, zur Hälfte von Flamen bewohnt. Auf der Grenzscheide zwischen dem westfränkisch⸗französischen und ost⸗ fränkisch⸗deutschen Reiche stehend, hat er in seiner Zeit, in der die Zugehörigkeit der Lande zwischen Maas und Schelde zu Frankreich oder Deutschland noch zweifelhaft war, die Vorteile seiner Lage rücksichtslos und verschlagen ausgenutzt, um sich, bald mit dieser, bald mit jener Partei verbündet, immer nur den Vorteil und die Größe seines Hauses im Auge, schließlich eine königähnliche, fast unabhängige Stellung zu erringen. Seine Haus⸗ macht war bei seinem Tode so fest begründet, daß sie die schweren Rückschläge, die ihr der Abfall seiner Söhne und Enkel von den deutschen Kaisern Otto I. und II. brachte, ohne sonderliche Ein⸗ buße überstanden hat.
Der bedeutendste unter Reginars Söhnen, Herzog Giselbert, hat die kühne und gefährliche Politik seines Vaters fortgesetzt, auch er eine gewaltige scharfumrissene Persönlichkeit. Sein tra⸗ gisches Geschick ist bekannt. Nach einem kämpfe⸗ und siegereichen Leben hat er, den Kaiser Otto I., sein Schwager, zum ersten Herzog von Lothringen bestellt hatte, im Kampfe gegen das Reich als Aufrührer 939 in den Wellen des Rheines seinen Tod gefunden.
„Tapfer, wagemutig und hochherzig“ wird Herzog Giselbert von einem seiner Zeitgenossen genannt. Das sind Eigenschaften, die sich im Brabanter Stamm bis hinab auf den letzten des älteren Hauses, Herzog Johann III., vererbt haben. Von rund fünfzig männlichen Gliedern der Familie, die uns der Stammbaum des Herzoghauses von Graf Giselbert bis hinab auf Johann III
nennt, sind nur zehn— für ein mittelalterliches Fürstenhaus eine erstaunlich geringe Anzahl!— geistlich geworden. Nicht
weniger als zehn, also rund ein Viertel der weltlich Gebliebenen, sind aber keines natürlichen Todes, sondern auf dem Schlachtfeld oder im Turnier gestorben. Fehdelustig sind sie alle gewesen. Von ihren ritterlichen Taten wissen die Minnesänger und die Reimchronisten der Zeit zu singen. Sie werden von ihnen als Muster der Ritterlichkeit und Courtoisie gepriesen. Ihr Hof zu Brüssel galt als die Pflanzschule des Rittertums und der höfischen Bildung An Reichtum und Glanz wurde er von keinem Hofe jener Zeit übertroffen. Er war eine her ende Heimstätte der ritterlichen und später auch der bürgerlichen Dichtkunst. Hein⸗ rich III. hat in französischer, Johann I. in flämischer Sprache gedichtet. Von Johann J besitzen wir neun Minnelieder. Die Anfänge der flämischen Malerei und Bilbhauerkunst reichen in die Zeit der Herzöge von Brabant aus dem Haufe Giselberts zurück. Auch die Baukunst, kirchliche wie weltliche, blühte unter dem Schutze des Brabanter Löwen. Eine große Anzahl herr⸗
Mittwoch, 3. November 1915
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckeret: Schul⸗
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S8 5lʃ, Schrist⸗
leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichtem Anzeiger Gießen.
ger
kopf.— Landsturmmann Wilh. Steiger, Fuhrparkkolonne 95) aus Pohl⸗Göns.— Wehrm. Heinr. Naumann, Inf.⸗Regt. 81, aus Wetzlar⸗Niedergirmes.— Flieger⸗Ers.⸗Res. Friedrich Hugo Schwarz aus Wetzlar.— Res. Konr. Jak. Hensel, Res.⸗ In].⸗Regt. 253, aus Hörnsheim.— Unteroff. Heinr. Schatz, Inf.⸗Regt. 186, aus Blasbach.— Musk. Karl Tropp, Inf. ⸗ Regt. 129, aus Ehringshausen.— Ers.⸗Res. Karl Schäfer, Inf Regt. 81, aus Schwabenrod.— Munitionsführer Karl Schmidt, Fuß⸗Art.⸗Regt. 3, aus Schwabenrod.— Landwehrm. Wilh. Reif, Inf.⸗Regt. 116, aus Butzbach.— Landwehrm. Jos. Stäblein, Inf.⸗Regt. 168, aus Butzbach.— Landsturm⸗ mann Heinrich Schmidt, Res.⸗Inf.⸗Regt. 81, aus Nieder⸗ Breidenbach.— Res. Otto Altvater aus Heegheim.— Unter⸗ off. Otto Braunwarth, Inf.⸗Regt. 116, aus Friedberg.— Gefr. Dragoner Heinr. Bohl aus Pfordt.— Musk. Heinr. Büttner, Inf.⸗Regt. 140, aus Wetzlar.— Armierungssoldat Fritz Schäfer, 45. Batl., aus Nauborn.— Leutn. d. R. Paul Heep, Res.⸗Jägerbat. 23 aus Limburg. Gardist Wilh. Engel, Garde⸗Grenadier⸗Regt. 1, aus Groß⸗Rechtenbach.— N Unteroff. Karl Hofmann, Inf.⸗Regt. 116, aus Zell. — Unteroff, Heinr. Köhler aus Storndors.— Einj.⸗Musketier 1555 Duchardt aus Lauterbach.— Res. Johs. Seibert aus ahmen.
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* Kriegerheimstätten. Auf Veranlassung des Hauptausschusses für KHriegerheimstätten in Berlin wurde nun auch in Frankfurt a. M der Rhein⸗ Mainische Ausschuß für Kriegerheimstätten (Adresse: Theaterplatz 14) gegründet, welcher von dem gleichen Bestreben ausgeht, den heimkehrenden Kriegern als Dank des Vaterlandes die Möglichkeit der Errichtung einer Heimstätte auf deutschem Boden darzubieten. Während aber der Hauptausschuß in Berlin seine Tätigkeit darauf be⸗ schränkt, ein dahin zielendes Reichsgesetz zu unterstützen und die öffentliche Meinung für das, von ihm aufgestellte, seinen Grundsätzen entsprechende Programm zu gewinnen, hat man es in Frankfurt dem Charakter seiner Fürsorge⸗Organisa⸗ tionen nicht entsprechend gefunden, sich auf die agitakorische Tätigkeit zu beschränken, sondern die Aufgabe auf eine prafkische Wirksamkeit für den angegebenen Zweck ausgedehnt.— Es bedarf kaum des Hinweises, welche hohe Bedeutung diesem Gebiete der Kriegsfürsorge für den nach dem Kriege zu erwartenden sozialen Aufschwung, sowie für die gesundheitliche und sittliche Stärkung des Volkstums zugemessen werden muß.— Ueber die Gründung von Zweig⸗ Organisationen in verschiedenen Städten und Ortschaften des Gebietes werden wir demnächst weiter berichten. Mit⸗ teilungen und Anfragen können an die obige Adresse gerich⸗
tet werden. Landkreis Gießen.
Wa. Odenhausen, 2. Nov. Der Sohn des Poltzeidieners Peter, welcher seit Beginn des Krieges im Westen kämpft, er⸗ hielt die Hessische Tapferkeiitsmedaille. Zweit ältere Früder von ihm stehen als Unteroffiziere d. R. ebenfalls so lange im Felde. Der Sohn des Bahnhofs⸗Aufsehers Weber, der als Leu nant und Kompagnieführer am Kriege teilnimmt, erhielt eben⸗ salls die pessische Tapferkeitsmedaille. Das Eiserne
Kreuz erbielt er schon vor einem Jahre.
Lich 1. Nov. Der Lehrer Karl Heller, welcher vor Friegsausdruch in Nieder- lorstadt amtierte, wurde mit der hessischen Tapserteitsmedaille ausgezeichnet.
Kreis Wetzlar.
ra. Krofdorl, 1. Nobo. Ersag⸗Reservist Karl Bender galt seit den schweren Septemberkämpfen in der Champagne als ver- mißt, hat aber jetzt zur Freude seiner Angehörigen Nachricht aus französischer Gefangenschaft gegeben. In großer Sorsoe lebt noch die Jamilie des Postagenten Müller; ihr Sohn gilt jetzt gleichfalls als ver mißt.
ra Aßlar, l. Nobo. Lehrer Ulmer, Leutnant im Land- wehr-Infanterse-Regiment Nr. 87, wurde mit den Eisernen Kreuz ausgezeichnet.
ra Blasbach, 1. Nov. Lehrer Ochs ist nach 14jähriger Tätigteil an hiesiger Schule nach Niedergirmes-Wetzlar versetzt.
licher Kirchenbauten verdanken den Herzögen und ihren Gattinnen ihre Entstehung. 5
Bei aller Lust am Abenteuerlichen, wie sie das Ideal des Rittertums verlangte, blieben die Brabanter Grafen und Herzöge immer und überall kühle Rechner, kluge Diplomaten und vor⸗ treffliche Haushalter. Den Vorteil ihres Pause und Landes haben sie nie aus dem Auge verloren. So ist es ihnen gelungen, ihre Herrschaft über immer größere Teile Niederlothringens auszu⸗ dehnen. Rechnen wir die Gebiete hinzu, die nur zeitweise im Be⸗ sitz ihrer Familie waren, so hat ihnen das heutige Belgien bis auf die Provinzen West⸗ und Ostflandern und Luxemburg, also etwa zu zwei Dritteln, von Holland aber etwa ein Viertel, die heutigen Propinzen Nordbrabant und Limburg, einmal gehört. Löwen und Brüssel, die aus karolingischem Erbe an sie fielen, sind brabantisch gewesen, ebenso Antwerpen und zeitweise auch Gent. Reiche Städte, weit ausgedehnte Domänen, eine schier unermeßliche Zahl von Vasallen und zahlreiche reich begüterte Hausklöster bildeten die Grundlage ihrer Hausmacht.
Verfolgten die Herzöge nach außen eine keitaussehende Real⸗
politik, so faßten sie im Innern mit starker Faust alle Kräfte des Landes zusammen. Adel und Geistlichkeit hielten sie darnieder, während sie die Blüte ihrer Städte in jeder Weise förderten. Schon zu einer Zeit in der bei uns die Landeshoheit der Fürsten noch in ihren ersten Anfängen stak, hatten sie sich einen festgefügten Staat geschaffen. Ihre Gesetzgebung, Rechtspflege und Vernaltung ind für andere Territorien vorbildlich gewesen. Handel und Wandel blühten unter i Schutze auf. Industrie und Handwerk ge⸗ diehen. Der Reichtum des Landes, das dank ihrer Fürsorge für den Schnttz und die Erschließung der Handelsstraßen zum Durch⸗ gangsland für den Handel von ganz Westdeutschland wurde, die Macht seiner Fürsten wuchs von Jahr zu Jahr. Eine große Zukunft schien vor dem Geschlechte Giselberts zu liegen. Ein tragisches Geschick hat es gefügt, daß das mächtige Herzogs haus, dessen Macht und Ansehen unter Johann III. ihren Höhepunkt erreicht hatten, mit eben diesem Herzog ausstarb, daß Brabant nach denr Tode von Johanns Tochter in die Hände der landfremden Herzöge von Burgund aus dem Hause der Kapetinger geriet, und so dem deutschen Reiche entfremdet wurde.
Die Schuld an dieser Entfremdung e einmal Herzog Jo⸗ hann III. selbst, der wider das in Deutschland gültige Lehn⸗ und Erbrecht die Erbfolgeordwung zugunsten seiner Tochter umstieß, dann aber die gewissenlose Hauspolitik Kaiser Karls[V. aus dem Hause Luxemburg. Den Schaden aber trugen das deutsche Reich und der inzwischen im Herzen Deutschlands festgewurzelte Neben⸗ zreig des Hauses Brabant, das Haus Hessen, das so um die reiche brabantische Erbschaft betrogen wurde. Die Versuche, die später⸗ hin von diesem Hause zum Rückgewinn des Verlovenen gemacht wurden, sind gescheitert.
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