Ausgabe 
(28.10.1915) 254. Erstes Blatt
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5 von nun an durch den bulgarischen Staat erfolgen w

Berlin, 28. Okt. Budapester Blättern zufolge greift Ge⸗ neral Bojadjeff in der Grovica⸗Stellung die sich erbittert verteidigenden Serben an. Im Nischowa⸗Abschnitt sind die Bul⸗ garen im steten Vordringen. Die von Uesküb her angreifenden Bulgaren gelangten hart an Tetovo. Um die Stellungen vor dieser Stadt wird gekämpft. Die bulgarische Artillerie unterstützt kräftig die Angrisse der Infanterie. Die serbischen Linien kommen, nacheinander ins Schwanken. Die Mazedonier kämpfen mit Kraft und Todesmut. Vor Prilep steht der Kampf. Auch in der un⸗ mittelbaren Nähe der Stadt Strumitza drängen Mazedonier und Türken kräftig die vorrückenden französischen und eng⸗ lischen Kräfte zurück. Die bulgarischen und türkischen Berg⸗ batterien errangen wichtige Vorteile über die Feinde, die auch den ungestümen mazedonischen Sturmangriffen kaum standhalten können.

Zur Bereinigung der Verbündeten mit 5 der Armee Bojadjeff. 1 Berlin, 28. Okt. Zur Vereinigung der deutschen 5 And österreichischen Heere mät den bulgarischen Trup⸗ pen heißt es imBerl. Lokalanzeiger: Ein lang erwartetes von unseren Gegnern gefürchtetes Ereignis, ist zur Tat gewor⸗ den. Seine strategische Bedeutung kann zwar erst zur vollsten Wirksamkeit kommen, sobald die von Norden und Osten gegen das 8 Morava⸗Tal vordringenden Heere sich vereinigt haben und die Bahnlinie beherrschen, die von Belgrad über Nisch und Pirot nach Sofia führt und auf deren Schienen im Frieden der Orient⸗ Krxpreß von Berlin nach Konstantinopel rollte, und nun bald wie⸗ der rollen wird. Aber durch diesen ersten frohen Gruß, der zwi⸗ schen den Heeren der verbündeten Mittelmächte und den Truppen des Königs Ferdinand ausgetauscht wird, kommt doch unseren Feinden und allen neutralen Ländern schon jetzt das Bewußtsein, daß die vier Verbündeten, die bisher auf allen Schlachtfeldern im Angriff und in der Verteidigung siegreich blieben, nun auch räumlich untereinander verbunden sind und daß dadurch eine ungeheure Steigerung ihrer Ueberlegenheit bewirkt worden ist. Aus der griechischen Kammer. 5 Lyon, 27. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)Progress meldet aus Athen: In der Kammer wurde von einer Gruppe von türkischen Deputierten eine Frage gestellt betr. die Türken ge⸗ 1 Güter, die von der türkischen Regierung nach dem Balkan⸗ iege beschlagnahmt worden waren. Bei der Erörterung dieser 0 E ergab sich eine Mein ungsverschiedenheit zwi⸗

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schen dem Finanzminister Dragumis und Venizelos wegen 8 mit der türkischen Regierung abgeschlossenen Abkommens über den Austausch der von beiden Ländern beschlagnahmten Güter. Venizelos wurde während seiner Rede ständig von den Mitgliedern der Regierungspartei unterbrochen. Er erklärte darauf, die Re⸗ gierung hänge von seiner Partei ab, die die Mehrheit besitze. Es eutstand ein sehr großer Lärm. Die Sitzung wurde auf eine Stunde unterbrochen. In dieser Zeit hielt das Kabinett einen

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starken Gebäuden auf den beherrschenden Punkten der Stadt Ur fa und eröffneten ein Feuer gegen unsere Gendarmeriepatrouillen, von denen zwei Mann getötet und acht verwundet wurden. Unsere Gendarmerie wurde überall mit Feuer empfangen. Nachdem die Armenier sich der fremden Niederlassungen bemäch⸗ tigt hatten und die Besitzer mit Gewalt zurückhielten, stellten sie dort Schießscharten her. Da diese Tatsachen bewiesen, daß die auf⸗ rührerischen Banden entschlossen waren, bewaffneten Widerstand zu leisten und die Unzulänglichkeit der in geringer Zahl vor⸗ handenen Gendarmerie auszunützen, und da sie schließlich sich der Stadtteile der Muselmanen bemächligten und die Einwohner nieder⸗ zumetzeln begannen, wurden einige für die Front bestimmte Trup⸗ pen nach Urfa abgeschickt. Die Schlupfwinkel der Banden wurden zerstört und der Aufruhr am 3. Oktober unterdrückt. Die Zahl der bei diesem Vorfall getöteten Soldaten und Gendarmen be⸗ trägt 20, der verwundeten 50. a

Der Zweck, den die Banden mit dem Aufruhr verfolgten, war einerseits der, Schaden anzurichten, fremde Niederlassungen zu zerstören und die Untertanen der mit der Türkei im Kriege befindlichen Staaten zu töten, um die Folge dieser Morde auf die Türkei abzuwälzen. Andererfeits wollten sie einen Teil der kaiser⸗ lichen Truppen an einen befestigten Schlupfwinkel fessesn und sie vom Kriegsschauplatze abziehen. Dank den schnellen kräftigen Maß⸗ nahmen der kaiserlichen Behörden hatte der Aufruhr nicht den gewünschten Erfolg, Er wurde unterdrückt, ohne daß den Unter⸗ tanen der mit der Türkei sich im Kriege befindlichen Länder oder neutralen Staaten ein Schaden zugefügk wurde.

Der erste ständige amerikanische Vertreter iu Sofia.

bulgarischen Depeschenagentur. Der Sonderagent der amerikanischen Botschaft in Konstantinopel, Ein⸗ stein, ist zum Geschäftsträger in Sofia ernannt worden. Er ist der erste ständige amerikanische Vertreter n Sofia. Die Vereinigten Staaten hatten bisher einen gemeinsamen diplomatischen Vertreter für Rumänien und Bulgarien.

3 Amerikanische Blätter über die 1 griechische Neutralität.

Amsterdam, 27. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Hier ein⸗ getroffene amerikanische Blätter befassen sich in Leitartikeln mit der Verletzung der griechischen Neutrali⸗ tät durch die Alliierten. Bemerkenswert ist, daß selbst aus⸗ gesprochen englandfreundliche Blätter das Vorgehen der Entente verurteilen. DieNew Pork World schreibt: Was wird nun aus Roosevelts phantastischer Theorje, daß es nach der Haager Konvention von 1907 die gesetzliche Pflicht der Vereinigten Staaten gewesen wäre, gegen die deutsche Verletzung der belgischen Neutralität ein⸗ zuschreiten. Die beiden Fälle sind, was die Vereinig⸗ ten Staaten betrifft, im Wesen gleich, da die Briten und Franzosen in Griechenland den ersten und zweiten Artikel der Konvention übertreten haben. DieNew Pork Sun bemerkt: Es besteht kein Zweifel, daß die Franzosen und Briten durch die Truppenlandung in Salonikt die griechische Neutralität vorsätzlich verletzt haben. DieEvening Post schreibt: Wenn die Entsendung der Truppen der

Ministerrat ab. Nach Wiederaufnahme der Sitzung gab Dra⸗ gaumis eine verbindliche Erklärung ab, in der er erklärte, die Rede 5 Benizelos entspräche seinen eigenen Anschauungen, abgesehen von ennigen Vorbehalten, die er geltend machen müsse. So wurde eine Krisis vermieden.

2 Das bulgarische Parlament.

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. 5 27. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Meldung der Bulgarischen Telegraphen⸗Agentur: Die Sobranje, die

übermorgen zusammentreten sollte, ist auf den 28. Dezember vertagt worden.

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5 5* 2 Der türkische Bericht.

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* n Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das

Pauptquartier teilt mit: Auf der Dar danellenfront mach⸗ den bei Anaforta unsere Patronillen, indem sie sich den feind⸗ lichen Gräben näherten, einen Teil der feindlichen Soldaten mit Handbomben nieder, die bei Verschanzungsarbeiten beschäftigt waren, verhinderten deren Wiederherstellung und brachten die DPrahtverhaue einiger feindlichen Gräben als Beute mit. Bei An a⸗ forta und Ari Burnu fand Artilleriekampf zwischen un⸗ fserer Artillerie und den Land⸗ und Schiffsgeschützen des Feindes statt. Feindliche Verproviantierungskolonnen, die bei dem Aus⸗ schiffungspunkt von Ari Burnn gesichtet wurden, wurden durch 3 unsere Artillerie zersprengt. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr warf der * 15 gegen unsere Schteengr üben am linken Flügel ungefähr 700 Granaten und Bomben, ohne ein Ergebnis zu erzielen.

Auf der Front am Kaukasus am rechten Flügel wurde nach einem Gefecht zwischen unseren Patrouillen und feindlichen

Kompagnien der Feind gezwungen, sich zurückzuziehen. Sonst nichts Neues.

Die Trauerfeier für Wangenheim.

neben dem Sarge deutsche Matrosen mit Kränzen schritten, be⸗ 7 sich durch das Spalier der Leibwache hinab zum Bospurus⸗ tal, wo eine Pinasse wartete. Während eine türkische Batterie

Deutschlands finanzielle Hilfe für die Türkei.

Honstantinopel, 27. Okt.(WB. Nichtamtlich.) Die Kammer hat im Dringlichkeitswege ein Gesetz ge⸗ nehmigt, durch das die Regierung zur Aufnahme eines von der deutschen Regierung gewährten Vorschusses in Höhe von sechs Millionen Pfund ermächtigt wird. Weiter wurde ein Gesetz angenommen, durch das die Regierung auf Grund dieses Vorschusses ermächtigt wird, auf Gold lautende Kassenanweisungen in der gleichen Höhe auszugeben, die vollständig durch Schatzanweisungen der deutschen Regierung an die Verwaltung der osmanischen Staatsschulden gedeckt u Diese Schatzanweisungen wer⸗ den in der ganzen Titrkei einen Zwangskurs haben und in 5 3 ein Jahr nach Friedensschluß rückzahlbar sein. 0 5 Unter allgemeinem Beifall genehmigte die Kammer ferner das seit Oktober 1914 vorläufig angewendete Gesetz betreffend Aufhebung der Bestimmungen 55 auf Kapi⸗ tulationen berul n osmanischen Gesetze, sowie ein Gesetz, durch das für Rechtsstreitigkeiten zwischen Osmanen und Ausländern ein neues Gerichtsverfahren eingeführt wird.

Ein unterdrückter Aufstand der Armenier. Berlin, 27. Okt(WTB. Nichtamtlich.) Die Kaiserlich Türkische Botschaft teilt mit:

Alliierten nach Serbien über Saloniki gegen den Willen der Griechen und somit eine Verletzung neutralen Territoriums ist, würde eine sehr ernste Frage aufgeworfen. Es würde ein Bruch des Völkerrechts und der Haager Konvention vor⸗

liegen.

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Der französische Präsident und der englische König.

Paris, 27. Okt.(WT. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas: Präsident Poincars verließ am Sonntag in Begleitung des Kriegsministers Millerand Paris, um sich zur Armee zu begeben. Er kam dort am Montag mit dem König von England und dem Prinzen von Wales zusammen und besichtigte am Dienstag zwei 10 5 zösische Armeen. Der König wohnte der Parade der Kolo⸗ nialtruppen bei. Poincars verlieh dem Prinzen von Wales das Kriegskreuz.

Frankreichs Luftschlösser.

Paris, 27. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Wie die Agence Havas meldet, hat sich eine französische Luftschiffliga ge⸗ bildet, die sich zun Ziel setzt, Frankreich die Oberherrschaft in der Luft zu verschaffen. Sie beabsichtigt, ein Luftheer von mehre⸗ ren Tausend Flugzeugen zu bilden. a

Die Rekrutierung in England.

London, 27. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die, sagt, daß die fungen Männer im wehr pf Alter nicht nur durch Auswanderung, sondern auch

Daily Mail lichtigen durch

suchen. Die Heiraten nahmen in den volkreichen Bezirken von ee in den letzten drei bis vier Monaten um 50 rozent zu.

DieTimes über den englischen und den deutschen Nachrichten dienst.

London, 27. Okt.(WTB Nichtamtlich.) DieTimes klagen, daß durch die fünfzehn Monate lang geübte fehler⸗ hafte und ungenügende e e scher Nachrichten an die Presse in der ganzen Welt Englands Name und die Sache der Verbündeten geschädigt sind. Der Artikel stellt dem Ungeschick der britischen Behörden die erfolgreichen deutschen Methoden gegenüber und sagt: die Londoner Vertreter von Zeitungen der Alliierten und Neutralen sind, nachdem sie fünfzehn Monate mit dem Pressebureau kämpften, hoffnungslos und entmutigt. Ihre anfängliche Energie ist erschöpft. Die Be⸗ richte der amerikanischen Berichterstatter aus Deutschland sind besser geschrieben, wertvoller und eindrucksvoller als aus England, die vom Zensor zusammengestrichen werden, der sogar Zitate aus der englischen Presse unterdrückt. Aus diesem Grunde werden auch die englischen Nachrichten in Amerika mit Arg wohn angesehen. Aehnlich ist es in Südamerika. England darf das Eindringen des Feindes in die Spalten der südamerikanischen Blätter nicht widerstandslos über sich ergehen lassen. Das roma⸗ nisch⸗amerikanische Nachrichtenbureau in Washington mit Zweig⸗ anstalten in New Jork und Chicago telegraphiert deutschfreundliche Nachrichten in gutem journalistischem Spanisch an die meisten großen und kleinen Blättern in zwanzig Staaten des romanischen Amerika und fügt Karten und Photographien bei. Drei Blätter in Buenos Aires machen das SchlagwortGibraltar für Spanien volkstümlich. Die Deutschen wenden dieselbe Methode erfolgreich in Spanien an. Das Wolffbureau errang soeben einen großen Triumph in Bulgarien Es versorgte die bulgarische Presse mit Artikeln, die alle den Kehrreim hatten: die Deutschen siegen, sie können nicht geschlagen werden. Das bulgarische Volk war bereits bekehrt, als König Ferdinand das entscheidende Wort sprach, Die Deutschen bearbeiten jetzt Rumänien und Grie⸗ chenland, ebenso Holland, die Schweiz und Skandi⸗ navien. Inzwischen tat England nichts. Der Artikel verlangt schließlich, nach fünfzehn Kriegsmonaten eine wirksame Nachrichten⸗ abteilung zu gründen, um der ganzen Welt einen zusammenhängen⸗ den und namentlich schnellen Nachrichtendienst zu liefern.

Das Flüchtlingselend in Rußland.

Moskau, 27. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)Rußkoje Slowo meldet: Der Hauptausschuß der Flüchtlinge befindet sich in einer tragischen Lage, da er kein Geld hat und das

Ministerium gegenüber seinen Bitten um Geld ganz taub

15 der Nacht vom 16. September veranstalteten ar me⸗ niche Banden einen Aufruhr. Sie verschanzten sich in

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bleibt. Von allen Provinzabteilungen treffen Gefuche um Unterstützung ein. Der Ausschuß hat aber kein Geld. Aus

Sofia, 27. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Meldung der

schnelles Heiraten sich dem Militärdienst zu entziehen S

dem Gouvernement Witewsk nach dem Gouvernement Twer sind 400 000 Flüchtlinge unterwegs. 15 Stadt Tscheljabinsk in Sibirien lagern 5000 Flüchtlinge unter freiem Himmel. Ein Aufruf an die Deutsch⸗Amerikaner. Amsterdam, 27. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Hier ein⸗ etroffene amerikanische Blätter melden: Hermann Ridder hat in derStaatszeitung einen Aufruf an die Deutsch⸗Amerikaner veröffentlicht, eine große Na⸗ tionalbank zu gründen, deren Gelder der britischen Regierung unzugänglich wären. 8 New Nork, 27. Okt.(WTB. Nichtamtlich) DieAssocia⸗ ted Preß meldet aus Chicago, daß in New Pork, Chicago und Cincinnati deutsche Banken in Gründung de sind, die sich besonders mit deutschen und österreichischen eldtransaktionen befassen werden. ö 5 5

der Seektieg.

Die Beschießung desHvalen.

Berlin, 27. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Ueber die Be⸗ schießung des schwedischen UnterseebootesHvalen durch ein deutsches Vorpostenboot geht uns von unterrichteter Seite folgende Darstellung zu: Am 21. Oktober zwischen 7 und 8 Uhr vormittags sichtete der Kommandant eines deutschen Bewachungsbootes ein verdächtiges Fahrzeug südlich der schwedischen Küste zwischen Trelleborg und Ystadt. Er erkannte, daß es ein Unterfeebootl war, worauf trotz schärfster Beobachtung keine Flagge ausgemacht werden konnte. Der Kommandant wußte, daß in diesen Tagen ein schwedisches Unterseeboot auf dieser Strecke passseren sollte 0 fuhr daher, ehe er zum Angriff ansetzte, aus Vorsicht erst noch an 1600 Meter heran, um eine Verwechselung auszuschließen. Auch auf diese sehr nahe Entfernung wurde keine Flagge auf dem U-Boot gesichtet; ein Begleilfahrzeug, wie es für das schwedische U-Boot zur Kenntlichmachung in Aussicht gestellt worden war, war nicht zu sehen. Nur einige Handelsschiffe waren in verschie⸗ denen Entfernungen zu erkennen. So mußte der Kommandant des Wachtbootes zu der Ueberzeugung kommen, ein feindliches U⸗Boot vor sich zu haben. Hierin wurde er bestärkt, als er bemerkte, daß es stellenweise in der ziemlich bewegten See verschwand, etwa so, wie ein U⸗Boot, das wegtaucht, wenn es sich zum Angriff anschickt. So stand es für den Kommandanten, seine Vorgesetzten das Zeugnis eines ruhigen und entschlossfenen Cha⸗ rakters geben, fest, daß er sich einem Feind gegenüber befand, den zu vernichten seine höchste Pflicht sei. Er entschloß sich daher, das Feuer zu eröffnen und fuhr gleichzeitig mit höchster Fahrt auf das U-Boot los, um es durch Rammen zu vernichten. Auf 300 Meter vor dem Ü⸗Boot wurde plötzlich einekleine Flagge sichtbar, die bisher durch den Turm desu Bootes verdeckt wor den war. Nach Einstellung des Feuers wurde sie als die schwedische Kriegsflagge ausgemacht. Inzwischen hatte sich auch ein Fahrzeug, das 1 etwa 4 Seemeilen von dem U-Boot entfernt war und für ein Handelsschiff gehalten worden war auf eineinhalb Seemeilen genähert. Es trat mit dem U⸗Boot in Signalverkehr; es war das schwedische WerkstattschiffBlenda Der Kommandant des Vorpostenbootes bemerkte auf Befragen des schwedischen U⸗Bootskommandanten, ob er denn die Flagge nicht gesehen habe, mit dem Ausdruck des Bedauerns, daß weder er noch seine Mannschaften die Flagge gesehen hätten, sonst wäre selbst⸗ verständlich die Beschießung unterblieben. Die sofort angebotene Hilfeleistung wollte der schwedische U⸗Bootskommandant nicht an⸗ nehmen. Der Ort des Vorkommnisses liegt etwa 4% Seemeilen von der schwedischen Küste entfernt, wie durch einwandfreie Doppel⸗ peilung eines herbeigeeilten zweiten Wachtschiffes am Orte des U-Bootes festgestellt wurde. Demgemäß entsprechen auswärtige Pressenachrichten über eine Verletzung der schwedischen Hoheits⸗ gewässer nicht der Tatsache. Mit lebhaftem Bedauern erfahren wir heute, daß der verwundete Steuermann des schwedischen Untersee⸗ bootes leider seinen Verletzungen erlegen ist. 5 955 5

London, 27. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Kriegs⸗ amt meldet: Der englische Transportdampfer Marguette ist im Aegäischen Meere torpediert worden. Wie verlautet, werden nur 99 Mann vermißt. (Notiz: Der Vergleich mit unseren, am 25. und 27. dieses Monats veröffentlichten Meldungen über die Versenkung des Schiffes Jeiste daß die e gehaltene englische Mitteilung über die Zahl dabei zugrunde gangenen Mannschaften nicht richtig sein kann. Nach. ren übereinstimmenden Meldungen sind von tausend Sol⸗ daten, die an Bord des Schiffes waren, nur 82 gerettet

worden.) Aus dem Reiche.

Die Regelung des Lebensmittelmarktes.

Berlin, 27. Okt.(Nichtamtlich.) Für die nächsten Tage stehen Maßnahmen des Bundesrats für folgende Lebens⸗ mittel in Aussicht: Butter, Milch, Käse und sonstige peisefette, mehrere Sorten Fleisch, Eier, Wild, Fische, Gemüse, Kakao und Zucker.

Berlin, 27, Okt.(WTB. Amtlich.) Der Beirat der Reichs⸗ prüfun 9s stelle für Lebens mittelpreise trat gestern nachmittag in seinem Ausschuß für Kolonigl⸗ Teigwaren zu einer Sitzung unter dem Vorsitz des Ministerialdirektors Lu⸗ sensky zusammen, Zur möglichsten Vermeidung einer wesentlichen Steigerung der Kaffeepreise und zur Sicherung der Lieferungs⸗ regelung nach allen Teilen Deutschlands wurde die Gründung eines Einkaufssyndikats für Kaffee allgemein ge⸗ wünscht. Für Tee wurde jedes Eingreifen für A ig erachtet, da ausreichende Vorräte vorhanden sind. Von einigen Seiten wurde eine Verbrauchsregelung für Kakao gewünscht. Für alle drei

Warengruppen wurden Bestandsaufnahmen angeregt. Die für Teigwaren, Grieß und Roggenkaffee in die Wege ge⸗

leitete Regelung, insbesondere die Preisgestaltung, wurde mit Genugtuung begrüßt. 5 5. Sozialdemokratie und Kolonialpolitik.

In den e e Ludwig Quessel einen Artikel überDeutschlands Kolo⸗ nialarbeit, in dem es heißt: l 5

. Nur ein völlig niedergerungenes Deutschland würde sich mit den britischen Annektierungsplänen unserer lonjen ab⸗ finden. Für Deutschland, das sich der Uebermacht seiner Feinde zu wehren vermag, ist die Zurückgewinnung seines Kolonfalxeiches, wenn auch in anderer(und wir hoffen: besserer) Gestalt eine conditio sine qua non, Deutschland kann als Großmacht ohne ein eigenes Kolonialreich, das sich selbst verteidigen kann und im a sich zu behaupten vermag, ebensowenig auskommen wie England. Das ist die Lehre, die uns dieser Krieg mit seurigem Eisen ins Bewußtsein gebrannt hat, und die auch dem schlichtesten Mann unseres Volkes in hundert Friedensjahren nicht mehr ver⸗ een e f

Nachdem dann die bisherigen Leistungen in unseren Kolonien lobend hervorgehoben sind, schließt der Artikel:

Deutschland ist nicht nur auf Grund seiner großen kulturellen Leistungen in seinen Kolonien im Interesse des menschlichen Fort⸗ schrittes berechtigt, nach einem ausreichenden Kolonialbesitz zu streben, sondern auch im proletarischen Interesse geradezu hierzu genötigt. Die deutsche Bourgeoisie kann sich schließlich mit einem koloniallosen Zustand abfinden, das deutsche Prole⸗ tariat aber, das in seiner Existenz von der tropischen Land⸗ wirtschaft und der kolonialen Rohstofferzeugung abhängig ge⸗ worden ist, muß in dem Maße, wie die fremden Kolonjen sich uns verschließen, die Grundlage seiner Existenz in eigenen Kolonien

suchen. 5 DerVorwärts macht dazu folgende grimmige Be⸗ merkung:Genosse Quessel muß uns schon die Feststellung

prole⸗