Ausgabe 
(27.10.1915) 253. Erstes Blatt
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Dies serbischen und die Truppen wurden zurück⸗ e eee verfolgt. Die Beschießung der bulgarischen Küste. Paris, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) DerTemps meldet aus Athen: Die Flugzeuge der Alliierten bombar⸗ dierten erneut Dedeag atsch und Porto Lagos. Berlin, 27. Okt. Daß die Flotte der Alliierten die Beschießung von Dedeagatsch und Porto Lagos fortsetzt, wird verschiedenen Morgenblättern zufolge aus Lon⸗ don gemeldet. Die Ausschiffung von Truppen in Dedeagatsch habe gestern begonnen. Die Stadt werde von den Türken verteidigt. Die Bahnverbindung zwischen Salo⸗ niki und Adrianopel sei unterbrochen.

Sir Edward Grey über seine Abfuhr in Griechenland.

London, 28. Okt.(WWB. Nichtamtlich.) Unterhaus. Auf eine Frage über das Angebot Cyperns an Grie⸗ chenland antwortete Sir Edward Grey: Wir fühlten uns verpflichtet, in der sehr kritischen Lage, in der sich die serbischen Verbündeten befanden, alles zu versuchen, um ihnen die einzige Hilfe, die sofort zur Verfügung stand, zu sichern. Die britische Regierung ließ deshalb wissen, daß, wenn Griechenland Serbien seine volle sofortige Unter⸗ stützung gewähre, Großbritannien bereit wäre, den Grie⸗ chen Cypern zu geben. Da Griechenland sich nicht in der Lage sah, Serbien zu unterstützen, wurde die Bedingung, unter der das Angebot gemacht wurde, nicht erfüllt. Das Angebot ist deshalb hinfällig.

Eine Kabinettskrisis in Griechenland?

Paris, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter er⸗ fahren auts Athen, daß die griechische Kammer sich ge⸗ weigert habe, den Antrag betr. Rückzedierung der Güter an Mohamedaner in Mazedonien zu unterstützen. Infolge dieser Weigerung wurde die Sitzung aufgehoben. In den Wandel⸗ gängen wurde angekündigt, daß die Regierung bei Wiederaufnahme der Sitzung die Vertrauensfrage stellen werde.

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Aus der türkischen Kammer.

Konstantinopel, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) In der gestrigen Sitzung der Kammer unter dem Vorsitz des Vize⸗ wräsidenten Hussein Djahid bestieg der Präsident Halil Bey die Rednertribüne und sagte, daß der Sultan ihn auf Vor⸗ schlag des Großwesirs zum Minister des Aeußern ernannt habe. Er übernehme die Verantwortung dieses sehr wichtigen Amtes auf der Grundlage des Vertrauens der Kammer. Unter andauern⸗ den Beifallsbezeugungen wünschte die Kammer dem neuen Minister besten Erfolg. Als der Vizepräsident den Tod des deutschen Botschafters Frhr. v. Wangenheim ankündigte und sagte: Die türkische Kammer vernimmt ohne Zweifel mit Bedauern den Tod dieses Diplomaten, der dem türkisch⸗deutschen Bündnis so große Dienste erwiesen hat, drückte die Kammer einstimmig ihr lebhaftes Beileid aus. Nachdem die Kammer als Zeichen der Trauer eine halbe Stunde die Sitzung unterbrochen hatte, schritt sie zur Wahl des Präsidenten und wählte den früheren Wali

von Adrianopel, Hadji Adil, der kürzlich zum Abgeordneten von Brussa gewählt worden war, mit 128 gegen 25 Stimmen zum Präsidenten.

Konstantinopel, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Partei für Einheit und Fortschritt hielt eine Ver⸗ sammlung ab, in deren Verlauf von dem Entschluß der Regierung Kenntnis genommen wurde, die Leitung des Ministeriums des Aeußern dem Ministerpräsidenten Halil Bey anzuvertrauen. Aus diesem Anlaß wurde von verschiedenen hervorragenden Mit⸗ gliedern der Partei hervorgehoben, daß Halil in Anbetracht seiner

Helegenheit zutage getreten seien, die berufenste Persönlichkeit sei, die Leitung des Ministeriums des Aeußern zu übernehmen, das eine 5 solche Bedeutung gewonnen habe.

Aus Rumänien.

Burkarest, 26. Okt.(WTB Nichtamtlich) In einem Leit⸗ artifel unter dem TitelZusammenbruch einer Champagne schreibt derBittorul in einer Besprechung der Vorgänge am Sonntag: Nicht einer der Versammlungsredner gab an, wa⸗ rum er den sofortigen Eintritt Rumäniens in den Krieg verlange. Hingegen ergingen sich alle in den heftigsten Angriffen gegen die Regierung, deren Rücktritt sie fordern. Sie zeigten damit, daß für sie der Eintritt des Landes in den Krieg nur der Sturz des Ministeriums bedeutet. Es ist begreiflich, daß unter solchen Um⸗ ständen die der Versammlung folgende Kundgebung ein Fiasko werden mußte. Bei einer kleinen Schlägerei, die zwischen der vordersten Gruppe der Manifestanten, deren Führer allerdings bereits verschwunden waren, und der Soldatenkette stattfand, wurde ein dreizehnjähriger Junge verwundet; er erlag gestern seinen Verletzungen. Außerdem sind vier junge Leute verwundet worden. Die Poltzei nahm keine Verhaftungen vor. Die Truppen wurden gegen Mitternacht zurrückgezogen, worauf die Manifestanten die

genster in den Räumen des BlattesMinerva im liberalen und in dem Klub von Marghiloman einschlugen. * 3 E 8

Eine energische Note Amerikas an England.

London, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Die Exchange Telegraphe Co, meldet aus Washington vom 24. Oktober: Die amexrikanische Note an England über die Blockade der deutschen Häfen und die Beschlagnahme amerikanischer Ladungen erklärt die englischen königlichen Verordnungen für völkerrechtlich ungesetzlich und nichtig. Sie behandelten außerdem die Länder verschieden insofern, als Skandinavien nach Deutschland aus⸗ führen könne, die Vereinigten Staaten jedoch nicht. Die Note betont, daß die Blockade Neutrale nicht bindet, wenn sie nicht tatsächlich durchgeführt wird. Die Note bestreitet, daß die ver⸗ mehrte amerikanische Ausfuhr beweise, daß Ladungen nach Deutsch⸗ land gehen, fernen daß die Beweislast den Exporteuren zufalle. Die Note besteht endlich darauf, daß Neutrale in jedem Falle das Recht haben, Güter, die keine Konterbande sind, nach Deutsch⸗ land auszuführen und enthält die nachdrückliche Forderung nach der Freiheit der Meere. l Amsterdam, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die hier ein⸗ getroffene ZeitungNew York World enthält bemerkenwerte Ein⸗ zelheiten über die willkürliche Behandlung der Kabel⸗ telegramme durch die britische Zensur. Hierdurch werde dem amerikanischen Handel ein Schaden zugefügt, der sich auf Millionen belaufen dürfte. Beispielsweise sei der Handel mit getrockneten Früchten zwischen den Vereinigten Staaten und Griechenland vollständig unterbunden worden. Telegraphische Auf⸗ träge von Amerika nach Europa und umgekehrt würden zurück⸗ gehalten. Die britische Zensur habe u. a. die ihr amtlich gewährte Einsicht in die amerikanischen Handelsbeziehungen dazu benutzt, um Munitionsaufträge, die eine unabhängige Firma erlangt hatte, ungültig zu machen und sie dem beglaubigten Vertreter der briti⸗ schen Regierung in Amerika, der Firma J. P. Morgan u. Co. zu übertragen. Alle bisherigen Einsprüche des amerikanischen Staats departements seien bisher vergeblich gewesen.

Die englische Stimmung.

London, 26. Okt(WTB. Nichtamtlich.) Die Presse fährt fort, die Regierung heftig anzugreifen. DieTi⸗ mes schreibt: Die Regierung in der gegenwärtigen Zusammen⸗ setzung steht sicherlich sar in Gefahr, zu stürzen. Die Gefahr liegt allein in der eigenen Schwerfälligkeit und Unfähigkeit, den Krieg unter Umständen zu führen, die Schnelligkeit und Ent⸗ schiedenheit besonders erheischen. Eine unmittelbare Ursache der

4 Eigenschaften und diplomatischen Fähigkeiten, die bei so mancher werde

Rücktritt Carsons veranlaßt habe. Es schadet nichts, vuß ern Hrise über eine Frage entstanden ist, die in jeder Ctappe die un⸗ heilvolle Wirkung der schlecht zusammengesetzten Regierung ent⸗ hüllt. Beide Häuser des Parlaments werden jetzt mit dem ent⸗ schiedenen Wunsche zusammentreten, unsere ganze Geschäftsführung von der Dardanellenexpedition bis zu den konfusen, halbent⸗ schlossenen Operationen bei Saloniki zu prüfen. Die NAussich⸗ ten draußen sind trübe und werden vielleicht noch trüber werden. Aehnlich schreibt dieMorning Post:Wir beklagen uns nicht nur über bloße Fehler der Regierung. Die Unfähigkeit, Deutschland zu blockieren, war kein Fehler, sondern sie kommt einem Verrate nahe; es war nicht nur ein Fehler, Bulgarien Vorteile auf Kosten unserer Freunde zu versprechen und Griechenland einen Teil des britischen Reiches anzubieten; es ist nicht nur ein Fehler, keinenEntschluß fassen zu können, während kostbare geit verloren geht. Das Blatt fordert Asquith auf, ehe es zu spät se, die Zahl der Mitglieder des Kabinetts auf etwa fünf zu vermindern und nicht die Parlaments⸗ debatten ins Kabinett zu verlegen. Nur derObser ver wendet sich gegen die Regierungsstürzer und schreibt, Asquith biete als Premierminister trotz unleugbarer Mängel Vorteile, die kein anderer aufweisen könne. Sein Rücktritt und der einiger Kollegen ersten Ranges würde Streitigkeiten entfesseln, die wäh⸗ rend des Krieges nie zur Ruhe kommen würden.

London, 26. Okt.(WT. Nichtamtlich.) Lovat Fra z er schreibt in derDaily Mail: Kein Zweifel kann bestehen, daß das Vertrauen der Nation zu der jetzigen Regierung merklich abgenommen hat. Die Regierung ist selbst daran schuld: sie verlangte Vertrauen, gewährte aber keines. Frazer erwähnt, daß ihm bei Kriegsbeginn von amtlicher Seite mitgeteilt worden war, daß die Hospital⸗Einrichtungen zu den Gegenständen gehörten, über die er nicht schreiben dürfe. Er führt das Urteil derNew York Tribune an, daß die britischen Schlachtberichte zum Spott der ganzen Welt geworden seien, was ganz richtig sei. Frazer kritisiert, daß nichts über das Entkommen des deutschen SchiffesGoeben verlautbar wurde, was vielleicht der größte Fehler der Engländer im Krieg gewesen sei. Ueber die Landung in der Suvlabai sollte die Wahrheit gesagt werden. Die Regierung hindere die Presse, die auswärtigen Fragen zu erörtern, das Publi⸗ lum wisse noch immer nicht, daß, wenn Nisch falle, die direkte Bahnverbindung nach Konstantinopel sofort möglich werde, was an den Dardanellen schnell fühlbar werden müsse. Der Verfasser des Aufsatzes fordert, die Regierung solle den Arg⸗ wohn beseitigen, daß sie die Zensur nicht sowohl aus militärischen Interessen benutze, als um unangenehme Tatsachen zu verheim⸗ lichen, die ihre eigene Stellung beeinflussen könnten.

Das Sinken des Sterlingkurses.

London, 26. Okt.(WTB Nichtamtlich.) DerDaily Tele⸗ graph meldet aus New Pork: Das Sinken des Sterling⸗ kurses hat nicht viel Ueberraschung erregt, da es durch die große Ausfuhr, namentlich von Baumwolle und Getreide, verur⸗ sacht wurde. Man erwartet ein beträchtlich weiteres Sinken, wenn nicht der Verkauf amerikanischer Wertpapiere in größerem Maß⸗ stab geschieht oder das Anleihesyndikat Hilfe gewährt. Der par⸗ lamentarische Mitarbeiter desDaily Chronicle teilt mit, daß die Zuschüsse Englands an die Alliierten am 31. März 1916 ver⸗ mutlich eine Summe von neunhundert Millionen Pfund über⸗ steigen werden.

Die Finanzlage Rußlands.

Kopenhagen, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)Berlingske Tidende meldet aus Petersburg: Der Finanzminister Bark empfing Vertreter der Presse Petersburgs und Moskaus, gab ihnen eine Uebersicht über die finanzielle La ge und er⸗ klärte, daß ein ausgearbeiteter vorläufiger Steuerüberschlag einem 11 5 Ausschuß zur Beratung überwiesen worden ist, der aus

eitgliedern der Duma, des Reichsrates, sowie aus Vertretern der leitenden Finanzinstitute zusammengesetzt sei. Der Kern der ge⸗ planten großen Finanzreform sei die Einführung der Einkom⸗ mensteuer, die die Duma bereits grundsätzlich genehmigt habe. Diese Steuer werde bedeutende Beträge einbringen. Allein die Einnahme aus der Textilindustrie werde auf 150 Millionen Rubel jährlich veranschlagt. In Verbindung mit der Einkommensteuer 0 die Einführung von Staatsmonopolen vorgeschlagen, die bereits sehr günstige Ergebnisse erzielt haben. Bisher sei die Einführung des Tee⸗, Streichholz⸗ und Zuckermonopols ge⸗ plant, aber es bestehe die Absicht, auf diesem Wege noch weiter⸗ b Bezüglich der inneren Anleihe äußerte sich der Minister dahin, er sei überzeugt, daß sie eine günstige Auf⸗ nahme im Publikum finden werde. Der russische Geldmarkt ver⸗ füge über gewaltige flüssige Mittel, die Einlagen der Banken und Sparkassen Aperschritlen vier Milliarden Rubel. Das letzte Jahr habe allein eine Vermehrung um 700 Millionen gebracht. Unter diesen Umständen sei man berechtigt, mit einem unbedingten Er⸗ folge zu rechnen, der es möglich machen werde, große Mengen der umlaufenden Reichsbanknoten einzuziehen, einen Teil der äußeren Anleihe von fünf Milliarden zu amortisieren, sowie neue sechs⸗ prozentige Schatzanweisungen auszustellen. Der Minister machte darauf aufmerksam, es sei für die russischen Kapitalisten vorteil⸗ haft, Geld in neu ausgestellten fünfprozentigen Staatsobligationen anzulegen, die von der Staatskasse garantiert und mit Kupons für dreimal zwölf Monate versehen sind, so daß die Inhaber sie mit einem Verdienste von einen Prozent realisieren könnten. Schließlich erklärte der Minister, es habe sich als unpraktisch er⸗ wiesen, Freimarken anstatt Scheidemünzen zu verwenden; er plane jetzt die Ausstellung von kleinen Noten, wie die jtalienischen Lire⸗Noten. Der Ausschuß für Flüchtlinge unter der Leitung Ehwostows habe dem Statthalter im Kaukasus eine halbe Million Rubel angewiesen und eine halbe Million zur Vorbeugung gegen Epidemien überwiesen, ferner 26 Millionen Rubel zur Deckung der Ausgaben der Semstwos Letztere hätten bereits einen Betrag von über drei Millionen Rubel zur Deckung von Staats⸗ ausgaben verauslagt.

Der Seekrieg.

Köln, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) DieKölnische Zei⸗ tung meldet aus Athen unter dem 24. Oktober: Der von einem deutschen Unterseebvot nahe der Bucht von Tsageszi torpedierte englische Trans portdampferMa v⸗ chetti hatte 1000 englische Soldaten, 20 Kranken⸗ pfleger, 12 Aerzte, 500 Maultiere und eine große Menge Munition für Saloniki an Bord. Nur 82 Mann wurden gerettet, die in Pappapuli ankamen. Zwei Zerstörer hatten den Dampfer bis kurz vor der Angriffsstelle begleitet, 5

Aus dem Reiche.

Der Kaiser über Wangenheim. Konstantinopel, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der deutsche Kaiser hat an Freifrau von Wan gen⸗ heim nachstehendes Beileidstelegramm gesandt: Ich bin tief erschüttert von dem Heimgange Ihres vortrefflichen Gemahls und spreche Ihnen meine allerherzlichste Teil⸗ nahme aus. Er hat mir und dem Vaterlande in den schwersten Lagen immer ausgezeichnete Dienste geleistet und vers auch, in Zukunft eine meiner besten Stützen zu we Seine hervorragenden Verdienste im letzten großenKriege sichern ihm für alle Zeiten bei mir ein dankbares Andenken. Gott tröste Sie in Ihrem schweren Leide. Die Haiser in schließt sich der aufrichtigen Teilnahme aus vollstem Herzen an. Wilhelm.

Die Haiserin drahtete: Tieferschüttert spreche ch Ihnen mein von Herzen kommendes Beileid aus. Gott stehe Ihnen bei in Ihrem schweren Kummer. Welch schwerer

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Beunruhigung ist natürlich die Balkanlage, die bereits den

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Schlag für den Kaiser ist der Tod Ihres Mannes, der so segensreich gewirkt hat. Auguste Viktoria. f

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Der pulgarische Minfsterpräsidens Rados lawonw richte eblafalls sein Beileid aus. Er werde n den letzten Aufenthalt des Frhrn. von Wangenheim in Sofia vergessen. Auch der König von Bulgarien sandt⸗ ein Beileidstelegramm. 5 5 1 5

Berlin, 26. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Der außer⸗ ordentlichen, durch die Verhältnisse nicht begründeten Steige⸗ rung der Preise für Dauergemüse und Zwiebeln wird voraussichtlich in allernächster Zeit durch die Festsetzung von Höchstpreisen begegnet werden, nachdem auch der zuständige Ausschuß des Beirats der Reichsprüfungsstelle für Lebensmittel eine solche Maßnahme für unerläßlich und dringend befürwortet hat. Eine ähnliche Regelung schwebt wegen des Buchweizens.. 5

Berlin, 26. Okt.(Priv.⸗Tel.) DieB. Z. am Mittag meldet: Wie verlautet, wird der Reichstag aller Voraus⸗ sicht nach am 9. Dezember zusammentreten, während das Abgeordnetenhaus seine neue Session am 11. Januar 1 11(Priv--Tel) g Lola

erlin, 26. Okt.(Priv.⸗Tel.) Dem, 5 erhielten der Oberbürgermeister Wer mu 19. Verfa als Vorsitzender des Deutschen Städtetages, und Oberbürger⸗ meister Dr. v. Borscht⸗ München als stellvertretender Vor⸗ sitzender des Städtetages vor einiger Zeit das Eiserne Kreuz mit dem schwarz⸗weißen Bande.

Berlin, 27. Okt. Der Deutsche Landwirt⸗ schaftsrat hat an die zuständigen Stellen die dringende Bitte gerichtet, daß für die Ablieferungen von Kar⸗

toffeln die erforderliche Anzahl Eisenbahnwagen

919 werden, wenn nicht in der Kartoffel⸗ n Winter Schwierigkeiten eintreten sollen. ůůů ů ů ů ů ä̃äů Aus Stadt und Cand. f Gießen, 27. Oktober 1915. Auf Herbstes Spuren.

Der braune Spätherbst mit seinem zerschlissenen, bunten Mantel ist ins Land gezogen und e Waldrand und hinter der Schlehenhecke, am Ackerrain und auf den Stop⸗ peln sein seltsam Schelmenlied. Zieht Ihr mit auf den

zur Verfügung versorgung für

Spuren des einsamen Spielmanns, der sich selber tanzend

sein Totenlied geigt? 5

Fröstelnd und schauernd in dem buntgeflickten Wams ist er schon am frühen, frühen Morgen ruhelos durch den dichten Nebel gestrichen. Die Sonne hat sich erst spät den Schlaf aus den müden Augen gerieben und einen unlustigen Kampf gegen das zähe Gespinst, das ihre Strahlen 127 und erblinden macht, aufgenommen. Durch die nasse Wiese, wo noch ein paar späte Zeitlosen ihre blassen Köpfchen heben, ist der Herbst in den Wald gegangen, der sich groß und farblos aus dem Nebel hebt. Es tropft von den Kiefern, daran wie mattblinkende, wassergesponnene Tüch⸗ lein die Spinnweben hängen. Es war fill und einsam zwischen den Stämmen. Das Fallaub duftete herb und raschelte bei jedem Schritt. Dem kranken Spielmann hat sich der verschwiegene Wald in der unbeschreiblich zarten Schönheit der im Nebelduft zerfließenden Farben gezeigt; langsam ist der stille Wanderer durch die Stille gegangen, in die nur der verschwimmende Hall ferner Morgenglocken e Wer seinem Wege folgte, hat ihn vorerst nur ahnen können. i

Dann trat der Weg aus dem Walde wieder ins Freie. Da sah man den Herbst in seiner wehmütigen Schönheit, denn die Sonne hatte kleine Lücken ins Nebelnetz gerissen, und es war Licht in die Landschaft gekommen. Und wer mit offenen Sinnen zu sehen und höven verstand, der schaute die verbrauchte Pracht von des Herbstes 2 10 kleid und hörte sein Lied. Nur auf kleinen Stellen ruhte di Sonne. Dort lag es in der Landschaft wie das kalte ten eines riesengroßen, flachen Edelsteins. Bald da, dort flammte ein hellgrünes Feld, eine fahlgelbe Wiese

unter den durch die Wolkenlücken irrenden Strahlen. Und

in den Nebel kam langsam ein Drängen und Bewegen, als ob ein unsichtbarer Besen ihn zusammenfege. Große Schwa⸗ den rissen sich los, die braunen Felder dampften, der Erd⸗ geruch erhob sich und weiter und immer weiter wurde der Blick. Krähenschwärme flogen mit mißtönendem ee davon. Dann hatte die Sonne den Kampf siegreich e heil er

Der Himmel kam allgemach zum Vorschein. Und je chter es wurde, um so zwingender wurde das Lied,

und li das der Spielmann Herbst auf seiner braunen ergeige strich. Wars nicht, als sehe man ihn selber an den Apfelbaum dort an der Wegscheide lehnen? Einen flamm⸗ roten Mantel trug er über der braunen Jacke und einen verschabten, zerbeulten Filz mit langer Feder auf dem wirren Haar; und seltsam, eine goldene Kette glitzerte dem nicht d eine son d 1 seischenbem Feuer nicht die eines Bettlers, sondern von hei 5 süß und verwegen, unheimlich und vertraut, bald in einem fremden Gassenhauer, bald in traurigem Abschiednehmen, bald in frechem Trotz, bald in rührender Bitte, klangen die Saiten 0 5 Das war um die Mittagsstunde, da der Wald znter der Sonne wie eitel Gold und Purpur glühte, die Fichten in tiefem Smaragdgrün prunkten und die Birken schlohweiß am Rande der Lichtung standen. Späte Blumen sah man am Straßenrand; Löwenzahn und Hornklee leuchteten wie gefallene goldene Sternlein; Glockenblumen und Pechnelke kosten mit den milden Sonnenstrahlen; ein Pfauenauge wiegte sich in der trügerischen Wärme. Ein einziger Teppich, phantastisch gewebt aus allen Farben, lag über dem Land. Dann sank die Sonne nach kurzem Lauf wieder nieder. Die Berge am Horizont schwanden langsam im Dunst. Aus den Wiesen krochen wieder die werdenden Nebelschleier, und die Kühle drang aus den Wäldern. Zwischen den Bäumen an der Landstraße tanzten Tausende und Abertausende von Mücken in der Abendsonne ihre Hochzeitsreigen. Rehe stan⸗ den in der Schneise, ein ganzer Sprung; vertraut äugten sie herüber und hatten es nicht eilig, als sie mit zwei, drei zierlichen Sprüngen ins Unterholz gingen. 5 Noch eiumal konnte man da den Spielmann vernehmen. Aber seine Weise klang zitternd und truͤb; es war keine Zu⸗ versicht mehr darinnen; von Abschiednehmen und Aller⸗ seelen, von Sterben und Verderben sang sie noch in immer schwächer werdenden Tönen und schwieg. Und der Herbst schlug den Mantel um die frierenden Schultern und ging langsamen Schritts mit traurig gesenktem Kopfe querfeldein, wo er im Nebel verschwand. * Zur Abwehr der Lebensmittelteuerung. Der Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen, der Gieße⸗ ner Hausfrauenverein und die hiesige Ortsgruppe des All⸗ gemeinen Deutschen Frauenvereins haben in vergangener Woche in einer gemeinsamen Vorstandssitzung die Mißftände auf dem Lebensmittelmarkt erneut zum Gegenstand einer ausgedehnten Besprechung gemacht. Als deren Er, 18 wurde die Aae Kundgebung, die inzwischen