Ausgabe 
(27.10.1915) 253. Erstes Blatt
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bereits an die in Betracht kommenden Stellen weiter⸗ gegeben worden ist, eschlossen: f 1 0 Die gemeinschaftlich tagenden Vorstände des Hriegs⸗ aus schusses für KHonsumenteninteressen als Vertreters von 20 großen wirtschaftlichen Vereinen der Stadt Gießen, des Hausfrauenvereins Gießen und des Allgemeinen Deutschen Frauen vereins, Ortsgruppe Gießen, sind der U ng, daß die gegen⸗ wärtigen Verhältnisse auf dem Lebensmittelmarkt eine 1 r für die Ernährung und den inneren Frie⸗ den deuts. Volkes und damit für seine Kraft und seinen a Durchhalten bedeuten. Nach eingehender Aussprache sind sie zu der wohl begründeten 0 gekom⸗ men, daß die 1 Verordnungen und Maßnahmen des Bundesrates und unterstellten Behörden nicht aus⸗ reichen, um die bereits bestehende, fast unerträgliche Lebens⸗ mittelteuerung zu mäßigen bezw. einer noch drohenden Steigerung derselben vorzubeugen. Die Anwesenden glau⸗ ben, daß erträgliche Verhältnisse erst dann eintreten, wenn es ech ahr, den rat zu veranlassen, daß er unver⸗ züglich Anordnungen machstehenden Inhalts trifft: a

1. Herabsetzung der jeßigen ungerechtfertigt hohen Preise für die notwendigsten Lebensmittel auf angemessene Höhe durch Festsetzung von Höchstpreisen für ganz Deutschland nach größeren, bestimmt ab⸗ gegrenzten Bezirken bei gleichzeitigem Ausfuhr⸗ verbot aus den Bezirken.

2. 118 Beschlagnahme aller Fette und

ele.

8. Sofortige Beschlagnahme aller Kartoffelvor⸗ räte bei Händlern und Erzeugern, die mehr als 3 Hektar mit Kartoffeln bepflanzt haben.

4. Festsetzung von Gefängnisstrafen für Verheim⸗ lichung von vorhandenen Vorräten.

5. Ausgabe von Verbrauchs marken, wie sie für Brot und Mehl mit vollem Erfolg schon seit Jahres⸗ frist im Gebrauch sind.

Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen. Hausfrauenverein Gießen.. Allgemeiner Deutscher Frauenverein, Ortsgruppe Gießen.

* Die Kartoffelversorgung. Die Stadtver⸗ waltung fordert in einer Bekanntmachung dazu auf, sich ihrer Vermittlung beim Kartoffeleinkauf zu bedienen. Wer seinen Winterbedarf an Kartoffeln noch nicht beschafft hat, kann denselben bei den zuständigen Brotmarkenaus⸗ gabestellen anmelden und verpflichtet sich damit zur Abnahme der betreffenden Menge. Die Stadt betont aus⸗ drücklich, daß es sich um Abgabe guter Speisekartoffeln zu Selbstkostenpreisen handelt. 5

Kreis Büdingen.

A Büdingen, 26. Okt. Vom Kreisausschuß wurden folgende Butterhöchstpreise sestgesetzt: Molkereibutter 2,40 Mk., Land⸗ butter 2 Mk. pro Pfund bester Qualität.

A Bingenheim, 26. Okt. Die Hessische Tapferkeits- medaille erhielt Pionier Sargk.

wie sie sich ohne Scheu selbst in einer größeren Stadt hätten sehen lassen können. Aus Lauterbach

hobene Tellersammlung für die Kriegsblinden er⸗ brachte an lauter freiwilligen Gaben, die dankbare Hände dar⸗ reichten, den schönen Betrag von über 200 Mark.

M. Bermuthshain, 27. Okt. Gestern abend traf die seit Kriegsbeginn im Gefangenenlager zu Angers(Frankreich) inter- nert gewesene Ehesrau des von hier stammenden Georg Dietrich nit ihren fünf Kindern im Alter von 14 bis Jahren hier ein. Sie war mit noch 660 Frauen und Kindern, die dasselbe Schicksal mit ihr teilten, über die Schweiz nach der Heimat befördert worden. Der Mann wurde, weil noch im kriegspflichtigen Alter, im Ge⸗ fangenenlager zurückbehalten. Die Frau klagt über schlechte Be⸗ handlung in dem Lager; nur wenn die Franzosen einen Sieg zu verzeichnen hatten, seien sie etwas höflicher gewesen.

Kreis Friedberg. 25 Friedberg, 26. Okt. Die Hessische Tapferkeits- medaille erhielt Leutnant Nöding. a Holzhausen, 26. Okt. Im Lazarett zu Mainz starb n einer schweren Verwundung der Landsturmrekrut Wall im Infanterie-Regiment 118.

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Kreis Wetzlar.

ra. Aus dem Kreise Wetzlar, 25. Okt. Den Ehrentod für das Vaterland starben bis jetzt 8 Lehrer und Schulamts⸗ kandidaten unseres Kreises, zuletzt Schulamtsbewerber Laur in Klein-Rechtenbach. Durch Verleihung des Etsernen Kreuzes konnten bis heute 11 Lehrer und Schulbewerber ausgezeichnet werden.

ra. Dutenhosen 25. Okt. Wehrmann Wilhelm Hahn (Res.-Inf.-Regt. 81, 10. Komp.), starb im 30. Lebensjahr den Tod

fürs Vaterland. 5 Hessen⸗Nassau. a

ra. Rodheim a. d. Bieber, 26. Okt. Den Ehrentod starb der 20jährige Philipp Schmidt(Ins.⸗Regt. Nr. 250), Sohn des Bergmanns Georg Ludwig Schmidt. Es stehen noch 4 Söhne dieser Familie im Dienste des Vaterlandes.

ul. Limburg, 26. Okt. Seitens der beiden Bürgervereine und dem Zentrumsverein ist ein Abkommen getroffen worden, wonach bei den im November stattfindenden Stadt verord⸗ netenwahlen jede Uneinigkeit beseitigt ist.

Kirche und Schule.

Oberhessischer Verein für die Baseler Mission.

tt. Gießen, 26. Okt. Der Oberhessische Verein für die Baseler Mission hielt heute nachmittag im oberen Gemeinde⸗ saal, Kirchstraße 9, seine diesjährige Jahres versammlung ab, die von vielen Mitgliedern und Missionsfreunden besucht war. Der Vorsitzende, Dekan Gußmann⸗ Kirchberg, sprach im An⸗ schluß an Psalm 145, Vers 18 ein kurzes Eröffnungwort und Gebet. Darnach erstattete er den Jahresbericht und der Rechner die Rechnungsablage. 5

An Stelle des durch die Grenzsperre zurückgehaltenen Direktors der Baseler Mission, Dipper, sprach darauf Pfarrer Würz⸗ Basel über den Einfluß des Weltkrieges auf die Baseler Mission. Er berichtete, daß die Arbeit der Baseler Mission mit Ausnahme von China auf den meisten Gebieten Aten ist. Von allen deutschen Missionsgesellschaften, zu denen die Baseler nach Vergangenheit und Gegenwart gehört, ist sie gleich von Anfang des Krieges an am. schwersten getroffen worden. Viele Missionsarbeiter sind in feind⸗ licher Gefangenschaft, über 100 stehen unter den Waffen, wovon schon 20 gefallen sind. Das Küstengebiet von Kamerun ist in Feindeshand, die Missionsstationen geplündert, nur im Inneren des Landes befinden sich noch einige Miffionare auf ihren Arbeitsgebieten; doch liegen keine näheren Nachrichten von ihnen vor. Auf der Goldküste kann die Ar⸗ beit infolge der freundlichen Haltung des dortigen englischen Statthalters, der ein katholischer Irländer ist, zurzeit ruhig weitergehen, doch ist sie nur geduldet. In Indien stand es in den ersten Kriegsmonaten günstig, doch entstand mit der Zeit. durch den britischen Lügenfeldzug ein Sturm gegen die deutschen Missionare, die darauf interniert worden sind und in die Heimat abgeschoben werden sollen. Dies betrifft etwa 300 Personen, wo⸗ von etwa 100 der Baseler Mission angehören. Die dortige Ar⸗ beit wird zurzeit von einigen schweizerischen Missionaren zur Not zusammengehalten. Die Einnahmen der Mission sind naturgemäß bedeutend zurückgegangen, doch findet sich immerhin noch große Liebe zu dem schönen Gotteswerk der Mission, dem selbst aus den Schützengräben Gaben zufließen. Beim Blick auf die Zukunft der Missionsarbeit wird es heißen: Wie Gott will! Doch bei aller Unklarheit darüber wird die deutsche Christenheit bedenken müssen, daß sie im Sinne Jesu ein Schuldner der Heiden ist, daher umso tatkräftiger für die Ausbreitung des Evangeliums eintreten muß.

Mit einem herzlichen, von Missionsprediger Greel-Frank⸗ furt a. M. gesprochenen Gebet wurde die Versammlung geschlossen.

Dekanatssynode in Nidda.

qu. Nidda, 26. Okt. Gestern nachmittag tagte hier im Saal der Kleinkinderschule die Dekanatssynode des Dekanates Nidda. Eingeleitet wurde die Tagung durch den gemeinschaftlichen Gesang des LiedesEin feste Burg Die erbauliche Ansprache hielt sodann nach vorausgegangenem Gebet Pfarrer Dr. Koch- Langd. Die Verhandlungen wurden eröffnet mit einer der Zeitlage ent⸗ sprechenden Ansprache des Vorsitzenden der Tagung, des Dekans Brill⸗Ober⸗Widdersheim. Die Feststellung der Anwesenheits⸗ liste ergab die Anwesenheit von 14 geistlichen und 19 weltlichen Mitgliedern der Synode. Zu Schriftführern der 55 wurden die Pfarrer Naumann ⸗Schwickartshausen und eidner⸗

Ober⸗Lais bestimmt.

Die Ersatzwahl des weltlichen Abgeordneten zur Dekanats⸗ synode für Gettenau wurde von der Synode genehmigt. Darauf erfolgte die Mitteilung des Synodalbescheides Großh. Oberkon⸗ sistoriums zur Synode 1914. Bei der Wahl eines stellvertreten⸗ den geistlichen Mitgliedes des Dekanats⸗Ausschusses wurde Pfar⸗ rer Werner⸗Nidda gewählt. Ueber die äußere Mission erstattete näheren Bericht Pfarrer Wiegel⸗Bingenheim. Er konnte mit⸗ teilen, daß im Kriegsjahr für die äußere Mission, die bekannt⸗ lich durch den Weltkrieg in große Not gekommen ist, 1563,53 Mk. im Dekanat gespendet wurden. Ueber die innere Mission berich⸗ tete Dekan Brill, über den Gustav⸗Adolf⸗Verein Pfarrer Wer⸗ ner⸗ Nidda, über den evangelischen Bund Pfarrer Hamann⸗ Nidda und über den Erziehungsverein Pfarrer Naumann Schwickartshausen. 5 5

Aus dem Jahresbericht über den kirchlichen und religiös⸗ sittlichen Zustand der Gemeinden des Dekanates Nidda im Jahre 1914 ist folgendes besonders erwähnenswert: Das kirchliche Leben

des Dekanates hat während der Kriegszeit in Bezug auf den

Ein Jahr Frankfurter Universität.

Frankfurt a. M., 26, Okt. Die Frankfurter Uni⸗ versität beging heute unter den üblichen akabemischen Zerrmonien die Feier des ersten Rektoratswechsels. Der scheidende Rektor, Prof. Dr. Wachsmuth, dankte in seiner Abschieds⸗ rede den Streitern im Felde dafür, daß sie das Verschwinden des deutschen Geisteslebens von der Erde verhindert haben. Die Zahl der Studierenden, die am Schluß der ersten Immatrikulation 500 überstieg, betrug am Jahresende 854. Der Redner gedachte der Verluste der Universität, vor allem des verstorbenen Oberbürger⸗ meisters Adickes, dessen lebensgroße Büste von Konsul Koßen⸗ berg der Universität geschenkt wurde. Die Namen der gefallenen Lehrer, Beamten und Studierenden werden in der Vorhalle ver⸗ ewigt; später soll den Helden ein Denkmal gesetzt werden. So⸗ dann überreichte Prof. Dr. Wachsmuth seinem Amtsnachfolger, Prof. Dr. Pohle als Zeichen der Amtswürde die goldene Amts⸗ kette. Prof, Dr. Pohle hielt seine Antrittsrede über denEin⸗ fluß des Weltkrieges auf die Gestaltung des Zinsfußes und die voraussichtliche Lage des Kapitalmarktes nach dem Kriege

Die Universitätsneubauten mit ihren zahlreichen oͤrsälen werden morgen in Benutzung genommen. Neu eingerichtet sind auch ein Arbeitssaal, in dem während der kollegienfreien Zeit Studierende arbeiten können, eine stattliche Handbibliothek und schließlich ein großer Speisesaal, in dem Mittag⸗ und Abend⸗ essen berabfolgt wird. Für die studierenden Damen wurde eim 1 8 85 Damenzimmer und ein besonderes Schreibzimmer ge⸗ haffen.

ä ů ů ů ů Gerichtsfaal. Berlin, 27. Okt. der vor 5 Jahren am Comer See seine Frau, die Marie Scott ermordete und ihre Leiche in einem Koffer in dem See versenkte, ist laut einer Meldung desBerliner Lokalanzeigers aus Chiasso unter Zubilligung mildernder Umstände zu sechs Jahren acht Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er werde infolge der gewährten Amnestie am 21. November seine Freiheit wiedergewinnen.!

Vermischtes.

Die größte unterseeische Hochspannungs anlage der Welt. Eine elektrische Krastanlage größten Stiles ist gegenwärtig in Skandinavien im Werke und bereits der Vollendung nahe. Es ist dies die Anlage, die vom Lagan-Falle in der schwe⸗ dischen Landschaft Schonen den elekrischen Strom unter dem Sunde hindurch nach Nordseeland, also nach Dänemark, überführen oll. Das dieser Anlage dienende unterseeische Kabel ist schon seit langer Zeit gelegt; in den letzten Wochen wurde mit großem Nachdruck an der Fertigstellung der Leitung zwischen Lagan und Helsingborg gearbeitet. Vor kurzem waren die Arbeiten auch an diesem Teile der Strecke abgeschlossen und kurz darauf wurde eine erste Probe auf dieser größten unterseeischen Hochspannungsanlage der Welt unternommen. Als Zuverlässigkeitsprobe wurde ein bedeutend stärkerer Strom durch das Kabel geschickt als der, der in der Regel zur Anwendung gelangen wird. Die Prüfung bezog sich zuerst auf eine Spannung von 25 000 Volt, die später bis auf 40 000 Volt erhöht wurde. Ueber das Ergebnis des Probebetriebes ist bisher jede Auskunft verweigert worden, woraus wohl zu schließen ist, daß die Anlage noch weiterer Regelung bedarf, um vollkommen befriedigend zu arbeiten.

..

i Märkte. je. Frankfurt a. M. Schweinemarktbertcht vom 27. Okt. Ausgetrieben waren 592 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 137.00 145.00 Mk., Schlachtgewicht 179.00 180.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 135.00140.00 Mt. Schlachtgewicht 160.00 170.00 Me. vollfleischige Schweine von 100120 kg Schlachtgewicht 170.00180 Mk., vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 136.00 145.00 Mt., Schlachtgewicht 170.00 180.00 Mk. Geschäft mittelmäßig. fe. Frankfurt a. M., 27. Okt. Frucht⸗ und Futter mittel- markt. Aeußerst lebhafter Handel bei sesten Preisen und nicht genügendem Angebot. Kokoskuchen 64 bis 65,50 Mk., Raps. kuchen 50,5052 Mark. Alles für 100 Kg. fe. Frankfurt a. M., 27. Okt. Kartoffelmarkt. Kar⸗ toffeln Industrie und Up u to date) 7,50 7,70 Mk. für 100 Kg. ab Station Frankfurt a. M.

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In treuer Pflichterfüllung starb am 21. Ok⸗ tober den Heldentod fürs Vaterland mein lieber Sohn, unser guter Enkel und Neffe

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