nr. 252
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Dienstag, 26. Oktober 10915
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Der Ureuzer Prinz Adalbert untergegangen. Swei englische Cransportschiffe versenkt.
(TB.) Großes Hauptquartier, 25. Oktober. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
In der Champagne griffen die Franzosen bei Ta⸗ hure und gegen unsere nördlich von Le Mesnil vorgebogene Stellung nach stärkster Feuervorbereitung an. Bei Tahure kamen ihre Angriffe in unserem Feuer nicht zur vollen Durchführung. Am späten Abend wurde an der vorspringen⸗ den Ecke nördlich von Le Mesnil noch heftig gekämpft, nördlich und östlich davon waren die Angriffe unter schweren Verlusten für die Franzosen abgeschlagen.
. Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.
Südlich von Kekkau(südöftlich von Riga) wurden russische Vorstöße abgewiesen. Gegenangriffe gegen die von uns am 23. Oktober genommenen Stellungen nordwestlich von Dünaburg scheiterten. Die Zahl der Gefangenen er⸗ höhte sich auf 22 Offiziere, 3705 Mann, die Beute auf zwölf Maschinengewehre, einen Minen⸗ werfer. Schwache deutsche Kräfte, die nördlich von Illuxt über den gleichnamigen Abschnitt vorgedrungen waren, wichen vor überlegenem Angriff wieder auf das West⸗ ufer aus. Nördlich des Driswjaty⸗Sees blieben russi⸗ sche Angriffe gegen unsere Stellungen bei Gateni⸗Grenztal erfolglos.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls 5 Prinzen Leopold von Bayern. Die Lage ist unverändert.
Heeresgruppe des Generals v.Linsingen. Weftlich von Komarow sind österrrichische Truppen in die feindliche Stellung auf viereinhalb Kilometer ein⸗ gedrungen. Balkan⸗Kriegsschauplatz.
Bei Visegrad ist der gewonnene Brückenkopf er⸗ weitert. Oestlich und westlich Kolubara wurden die Tam⸗ nava⸗Uebergänge nordwestlich von Üb in Besitz genommen.
Die Armee des Generals v. Köveß hat die allgemeine Linie Lazarevac— nördlich von Arangjelovac— Ra⸗ brovac(westlich von Ratari) erreicht.
Die Armee des Generals v. Gallwitz hat südlich der Jasenica die beherrschenden Höhen östlich von Banicina gestürmt, hat in der Moravaebene in hef⸗ tigen Kämpfen Dl. Livadica und Zabari gewonnen und ist östlich davon bis zur Linie Presedna⸗Höhe— südlich von Petrovacr— westlich von Meljnica gelangt.
Im Pek⸗Tale wurden die Höhen westlich und nord⸗ westlich von Kucevo besetzt.
Die bei Orsowa übergegangenen Truppen sind weiter nach Süden vorgedrungen und haben mit ihrem linken Flügel Sip(an der Donau) erreicht. 8
Die bulgarische Armee des Generals Bojadjeff hat den Kamm zwischen den Gipfeln Drenovaglava und des Mir⸗ konac(20 Kilometer nördlich von Pirot) genommen.
Oberste Heeresleitung.
Berlin, 25. Okt. 1915.(WB. Amtlich.) Am 23. Okt. wurde der große Kreuzer„Prinz Adalbert“ durch zwei Schüsse eines feindlichen Unterseebootes bei Libau zum Sinken gebracht. Leider konnte nur ein kleiner Teil der Besatzung des Schiffes gerettet werden.
Der Chef des Admiralstabes der Marine.
Das Küstenpanzerschiff„Prinz Aderbert“ ist im Jahre 1901 in Dienst gestellt worden. Es war ein westerschiff von dem 1902 vom Stapel gegangenen„Friedrich Karl“. Diese Schiffs⸗ gattung verdrängt 9000 Tonnen bei einer Geschwindigkeit von 21 Knoten bei 16 200 Pferdestärken. Die Bewaffnung dieser Schiffe besteht aus vier 21 Zentimetern, zehn 15 Zentimetern, zwölf 8,8 Zentimetern, zwei Maschinengewehren und vier Unterwasser⸗ Torpedorohren. Die Besatzungsstärle betrug 591 Mann.
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Mit tiefem Bedauern wird im Volke die Nachricht vom Verlust eines deutschen Kreuzers e er wer⸗ den, aber noch größer ist die Trauer über den Tod mehrerer
ndert Mann von der Besatzung. Der materielle Verlust
Aber sind nicht bei anderen Gelegenheiten noch
99 verhältnismäßig klein und ist zu vers 5 und zu n. hr tapfere Kämpfer auf einmal den Heldentod ge⸗
storben? Wir trösten uns damit, daß alle Opfer, die das deutsche Volk bisher an Gut und Blut dargebracht hat, nicht vergeblich gewesen sind, sondern vom Siege der deutschen
[Waffen über unsere Feinde begleitet waren. Auch in dieser
Stunde eines bedauerlichen Verlustes richten uns andere Geschehnisse, die unseren Feinden zum Verderben ge⸗ reichen, wieder auf. Auch die Engländer werden schließlich daran nicht zugrunde gehen, daß sie in den letzten Tagen durch deutsche Torpedoschüsse zwei Transportschiffe ver⸗ loren haben, wobei eine zahlreichere Mannschaft das Leben eingebüßt haben mag, als der„Prinz Adalbert“ sie u Schlimmer ist es, wenn einem Volke die großen Lebenshoff⸗ nungen versenkt werden, wie es bei dem Britenreiche der Fall ist. Lebenshoffnungen, die hier jedoch auf ererbte An⸗ maßung, Hochmut und rücksichtslosen, ideallosen Egoismus gegründet waren, so daß alle Tragik fehlt.„Wer besitzt, der lerne verlieren“; mit tapferer Ruhe wollen wir den Verlust eines schönen Kampfschisfes ertragen und nicht müde werden, die harte Arbeit zum Triumph 25 deutschen Sache ohne Wanken fortzusetzen. *
Alles ruft nach einer starken Hand auch im Innern des Reiches. Die Veröffentlichung der Höchstpreise für Butter und die übrigen Maßnahmen der Reichsregierung werden in der Presse verschiedenster Richtungen von Warnungen und Mahnungen begleitet. Man findet die Butterhöchstpreise zu hoch und bedauert, daß die Entscheidung in so wichtigen Lebensfragen nicht früher gefallen ist, als die Spekulation noch nicht ihren Kulminationspunkt erreicht hatte. Eine wich⸗ tige Aufgabe harrt jetzt noch unserer Aemter: Wir müssen die teure ausländische Butter besser von der im In⸗ lande produzierten unterscheiden. Auch in unserem lokalen Umkreise häufen sich die Beschwerden, daß im Handel diese Unterschiede verwischt oder gefält werden. Im„Tag“ bespricht der Potsdamer Bürgermeister Rauscher die Butternot und fordert die Verstaatlichung des Butterhandels für die Dauer des Krieges. Das wird sich schwer durch⸗ führen lassen, denn die Buttererzeugung ist auf schwanken⸗ dere Grundlagen und Antriebe estellt als etwa die Produk⸗ tion von Getreide. Rauscher stellt fest, daß die Butterversor⸗ g 0 schon vor dem Kriege zu einem beträchtlichen Teil auf
ie Einfuhr aus Dänemark, Schweden und Sibirien ange⸗
wiesen war. Er meint, die Einfuhr dürfe nicht vermindert werden und die vom Ausland geforderten Preise müßten gezahlt werden. Dagegen lasse sich kein Mittel finden. Er fährt dann fort: f ö
Der gesamte Butterhandel muß für die Dauer des Krieges ver⸗ staatlicht werden, wie schon seit dem 25. Januar 1915 der Handel mit Brotgetreide und Mehl mit ausgezeichnetem Erfolge verstaat⸗ licht worden ist. Dabei muß das Reich für die Auslandsbutter — und seien sie noch so hoch— diejenigen Preise zahlen, die sich aus der internationalen Marktlage ergeben. Durch Vermittelung einer Reichsbutterstelle muß das Reich die solchergestalt beschafften Butterbestände fortlaufend über die Kommunalverbände den Ver⸗ brauchern zuführen. Insoweit die vom Reich für die Beschaffung der Butter aufgewandten Kosten diejenige Grenze übersteigen, die vom Standpunkt der Verbraucher aus noch als erschwinglich gelten können(d. h etwa 2 Mark für das Pfund), muß das Reich den Mehrpreis gewissermaßen als Kriegskosten auf seine Rechnung übernehmen und nach dem triege durch allmähliche Tilgung wieder⸗ einbringen. Damit würde die Wirkung der Kriegsteuerung bei einem Nahrungsmittel, das nach dem umgedeuteten Worte„der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ unentbehrlich ist, auf eine längere Zeit von Friedensjahren verteilt und dem Volke das Durchhalten fühlbar erleichtert werden. 8
Es kann zugegeben werden, daß dem inländischen Butterproduzenten insolge des Mangels an wohlfeilem Krastfutter im Vergleich zu Friedenszeiten höhere Gestehungs⸗ kosten erwachsen. Daß aber die rung der gewaltigen Steige⸗ rung der Preise für Auslandsbutter gleichtommt, wird im Ernste niemand behaupten wollen. Eine solche Behauptung würde auch schlagend widerlegt werden durch das leider vereinzelte Bei⸗ spiel einiger Produktionsgebiete(ich erinnere nur an Delmen⸗ horst), in denen die Hersteller der Butter erklärt haben, aus der allgemeinen Marktlage keine ungerechtfertigten Uebergewinne erzielen, sondern es im wesentlichen bei den bisherigen Preisen bewenden lassen zu wollen. Man wird also nicht fehlgehen mit der Feststellung, daß die Mehrheit der inländischen Butterproduzenten, wenn sie mit ihren Butterpreisen die steile Kurve der Preisstei⸗ gerung für Auslandsbutter mitgemacht haben, nicht der Not ge⸗ horchten, sondern der Versuchung erlagen.
Für die inländischen Buttererzeuger fordert auch Rauscher die Festsetzung von Höchstpreisen mit Enteignungs⸗ d 0 und Maßnahmen zur Verhinderung des Einschlach⸗ tens der Milchviehbestände. Es sei ein Irrtum, zu glauben, daß die Höhe der Milchpreise die primäre, diejenige der Butterpreise die sekundäre Erscheinung sei; die Entwicklung habe sich in Wahrheit umgekehrt vollzogen. Die angekündigte Festsetzung von Höchstpreisen hat nun auf die Preise der aus⸗ ländischen Einfuhr bereits günstig eingewirkt. Schade, daß die Maßregel reichlich spät kam. Wie die Dinge jetzt liegen, wird es gut sein, wenn die Verbraucher ihren Bedarf möglichst ein⸗ schränken und durch das alte volkswirtschaftliche Gesetz der Nachfrage auch an ihrem Teile die Preise regeln helfen. Die jetzt allmählich ins Leben tretenden Preisbildungs⸗ und Kon⸗ trollausschüsse aber müssen sich kräftig regen und Sorge tragen helfen, daß die bestehenden gesetzlichen Handhaben gegen Wucher und spekulative Aufkäufe mit voller Schärfe angewendet werden.
Berlin, 25. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Eine am 1. No⸗
vember in Kraft tretende Bekanntmachung des Reichskanzlers über die Festsetzung eines Grundpreises für Butter usw be⸗ stimmt: Erstens: Der Butterpreis, den der Hersteller beim Verkauf im Großhandel frei Berlin einschließlich Verpackung fordern kann (Grundpreis), wird bis auf Weiteres für Handelsware J auf höchstens 240 Mark, für Handelsware II auf höchstens 230 Mark, für Handelsware III auf höchstens 215 Mark, für abfallende Ware auf höchstens 180 Mark für 50 Kilogramm festgesetzt; zweitens: der Zuschlag für den Weiterverkauf darf höchstens betragen: beim Verkauf im Großhandel 4 Mark, im Kleinhandel 11 Mark auf 50 Kilogramm. Berlin, 25. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Am Samstug er⸗ ärterte der Landwirtschaftsminister die schwebenden Volksernährungsfragen mit den Vorsitzenden aller preu⸗ ßischen Landwirtschaftskammern. Einmütig wurde, wie wir hören, die Ansicht ausgedrückt, daß die Ernährung unseres Volkes im kommenden Winter völlig gesichert sei. Einmütig und entschieden wurden aber auch die Preistreibereien auf dem Lebens⸗ mittelmarkte verurteilt. Zwar müsse die schwierige Lage der Land⸗ wirtschaft, die besonders in der Futtermittelknappheit zum Ausdruck komme, eine Verteuerung aller Erzeugnisse des Bodens und der Viehzucht zur Folge haben. Unbegründet und zu verurteilen seien aber die sprunghaften Preiserhöhungen der letzten Wochen, die lediglich durch Spekulationen hervorgerufen worden seien. Dieso Vorgänge widersprächen den Interessen der Land⸗ wirtschaft. Eine allgemeine Festsetzung von Butterpreisen durch die Staatsregierung wäre deshalb mit Freude zu begrüßen, zumal dadurch der Verteuerung der inländischen Butter durch ausländische ein Ende bereitet würde. 7
Wenngleich mit einem Rückgange der Milcher zeugung zu rechnen sei, so genüge doch die heimische Erzeugung völlig, um Kinder, Kranke und Schwache zu versorgen. Erforderlichen⸗ falls würden wir sogar ohne Butter⸗ und Käse⸗Zufuhr aus dem Auslande durchhalten, wenn die Kommunen sich der Verbrauchs⸗ regelung nachdrücklich annähmen. Die E Milch⸗ karten sei eine praktische Maßnahme Mit der vom dwirtschafts⸗ minister vorgeschlagenen Regelung des Marktverkehrs mit Schwei⸗ nen erklärten sich die Landwirtschaftskammerpräsidenten einver⸗ standen, wenn gleichzeitig mit der Festsetzung von Schweinepreisen eine allgemeine Festlegung der Schweinefleischpreise verbunden werde. Die gegenwärtige Gestaltung der Schweinepreise sei der Landwirtschaft durchaus imnerwünscht; ihre Vertretung ei nicht in der Lage, sie zu beeinflussen, da sich der Markt ihrer Ein⸗ wirkung entzöge. N ö
Dringend gewarnt aber wurde allseitig vor einem staatlichen Eingriff in den Rindermarkt. Weder sei dieser nach der Marktlage geboten, noch lasse er sich bei der Eigenart des Groß⸗ viehhandels ohne. Aufzucht und Milcherzeu⸗ gung praktisch durchführen. Bei Erörterung der Kartoffel a frage wurde allgemein die Ansicht vertreten, daß zu einer Beunruhigung überhaupt kein Grund vorliege. Wenn hier und da in den letzten Wochen Knappheit und Teuerung im Kartoffel⸗ handel eingetreten seien, so liege dies daran, daß die Ernte in den wichtigsten Kartoffelbaugebieten noch nicht im Gange gewesen und bedeutend schwieriger als in Friedenszeiten einzubringen sei. Ob⸗ wohl die Kartoffeln in einem weit größeren Maße als sonst zu r herangezogen werden müssen, verbleiben doch reich⸗
iche Kartoffelmengen für die menschliche Ernährung. Die
Preise der Reichskartoffelstelle seien allerdings im Verhältnis zu den Futtermittelpreisen als niedrig zu bezeichnen. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die Reichskartoffelstelle und die Ge⸗ meinden trotzdem nach Kräften von der deutschen Landwirtschaft bei der Kartoffel versorgung unterstützt wurden.
Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.
Wien, 25. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 25. Oktober 1915.
Russischer Kriegsschauplatz.
Die Angriffe westlich von Czartorysk nehmen einen günstigen Fortgang. Der Feind wird trotz heftigen Wider⸗ standes gegen den Styr zurückgedrängt. Gestrige Beute in diesen Kümpfen: zwei Offiziere, 1000 Mann, vier Ma⸗ schinengewehre. Sonst im Nordosten nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplaß.
Die Isonzoschlacht dauert fort. Auch am gestrigen Tage, am vierten der großen Infanteriekämpfe, schlugen die Verteidiger alle italienischen Angriffe, die nicht schon im Feuer unserer Artillerie zusammenbrachen, unter schwersten Verlusten des Feindes zurück und behaupteten überall ihre Stellungen. 5
An der Tiroler Front griffen mehrere Bataillone unsere Verteidigungslinie auf der Hochfläche von Vilgereuth (wie immer vergebens) an. Ebenso scheiterten feindliche An⸗ griffe auf die Cima di Mezzodi, den Ort Sief und im ober⸗ sten Rienz⸗Tal.
Am Krn wurde ein Angriff gestern, ein zweiter heute nacht abgewiesen. Auch gegen den Mrzli⸗Vrh mißlangen 054 Vorstöße unter besonders schweren Verlusten der Ita⸗ iener. Südöstlich dieses Berges drang der Feind in ein kurzes Grabenstück ein, wurde aber durch einen Gegen⸗ angriff wieder hinausgeworfen. Ein neuer Vorstoß von zwei Alpini⸗Bataillonen brach hier in unserem Feuer zusammen. Diese feindlichen Abteilungen wurden fast vollständig auf⸗ gerieben. a
Vor dem Tolmeiner Brückenkopf richteten sich die Angriffe hauptsächlich gegen unsere Stellungen auf dem Rücken westlich von Santa Lucia und bei Sela, die sämtlich in unserem Besitze blieben.
Der Abschnitt von Pla va stand unter schwerem Ge⸗ schützfeuer. Ansammlungen des Feindes bei Plava wurden
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