Ausgabe 
(14.10.1915) 242. Erstes Blatt
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85 Reserven verfüge, diese nicht gegen Bulgarien und die ürkei schicke. Ein guter Wille und ein gesunder Menschen⸗ verstand müßten zu einer Lösung führen, die den Alliierten durch die Gemeinsamkeit ihrer Interessen nahegelegt würde und zwar rechtzeitig, ehe die Verzögerung einer Verständigung den Erfolg unmöglich gemacht habe. Eine russische Denkschrift. Petersburg, 13. Okt. WTB. Nichtamtlich.) DieRjetsch meldet: Die amtliche Denkschriftüber die Lage am Bal⸗ kan führt aus: Unsere Balkanpolitik war in erster Linie darauf gerichtet, einen Balkanblock gegen Deutschland und Oesterreich⸗ Ungarn zu schaffen. Dies war nur möglich durch eine Versöh⸗ nung Bulgariens und Serbiens und die Erfüllung nationaler Forderungen. Im Juli 1914 teilte die russische Regie⸗ rung Bulgarien mit, daß ein Anschluß an Rußland für Bulgarien vorteilhaft sein würde. Den Aufruhr in Mazedonien und die Be⸗ günstigung des Bandenkrieges durch Bulgarien würde Rußland als einen feindlichen Schritt ansehen. Serbien wurde zu gewissen Opfern veranlaßt, und am 29. August 1914 richtete Rußland be⸗ reits eine Note an Serbien, in der es erklärte, daß es Bulgarien für einen Angriff auf die Türkei serbische Gebietsteile in Aussicht gestellt habe. Am 1. September traf eine zustimmende Note Ser⸗ biens ein, in der Entschädigungen aus österreichisch-ungarischen Gebieten verlangt wurden. Ende Oktober, nach Beginn des Krie⸗ ges mit der Türkei, wurden Bulgaxien greifbare Vorschläge ge⸗ macht. Bulgarien versprach nur die Einhaltung strenger Neutrali⸗ tät. Durch ihren Sieg über die Oesterreicher wurden die Serben dann widerspenstig. Im Januar 1915 machten die Alliier⸗ ten neue Vorschläge, die jedoch infolge der Hartnäckigkeit der Ser⸗ ben keinen Erfolg hatten. Am 29. Mai wurden Bulgarien fol⸗ gende bestimmte Vorschläge gemacht: Falls es die Türkei bekrie⸗ gen wollte, wurde die Erwerbung Thraziens bis an die inie Enos⸗Midia, die Erwerbung eines Teiles Mazedo⸗ niens mit Egri Malanka und Soppot, der Ochridalinie und Monastir nach Kriegsende durch die Verbandsmächte garantiert unter der Bedingung, daß es diese Gebiete nicht vor Friedens⸗ schluß besetze, dafür aber finanzielle Hilfe erhalte. Am 15. Juli verlangte Bulgarien nähere Auskünfte über einzelne Punkte und erhielt am 4. August die gewünschte Antwort mit der Erklärung, daß Serbien keinen Gebietszuwachs erhalten werde, solange Bul⸗ garien die ihm zugesagten Gebiete nicht erhalten habe. Rußland verlangte dabei eine genaue Angabe, wann Bulgarien gegen die Türkei vorgehen werde. Serbien gab die gewünschte Zusage am 1. September. Die Alliierten wiederholten infolge der Verzögerung der bulgarischen Antwort ihre Angebote am 14. September mit dem ganz bestimmten Verlangen, daß Bulgarien sofort eine gegen die Türkei gerichtete Militärkonvention abschließen solle, andern⸗ falls würden die ihm gemachten Angebote hinfällig. Bulgarien aber antwortete nicht, sondern machte am 23. September mobil; deutsche Offiziere traten in seine Armee ein. Diese Herausforde⸗ rung konnte nicht unbeantwortet bleiben. Deshalb wurde in der Note die Demobilmachung gefordert. Da Bulgariens Antwort hier⸗ auf unbefriedigend ausgefallen ist, wurden die diplomatischen Be⸗ ziehungen abgebrochen. Aus dem englischen Unterhaus.

London, 13. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Im Unterhaus kündigte Asquith an, daß Grey am 14. Oktober Mitteilung über den Balkan machen werde. Me. Kenna wies bei Ein⸗ bringung des Gesetzes zur Legalisierung der amerikanischen Anleihe nachdrücklichst auf die große Bedeutung der Anleihe hin. Durch sie werde der Wechselkurs verbessert und sie sei eine Handelstrans⸗ aktion unter billigen ehrlichen Bedingungen. Der General postmeister teilte mit, daß die Halbpennypost nicht abgeschafft würde. Das Anleihegesetz wurde in allen Lesungen angenommen.

Ans Saloniki.

Lyon, 14. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)Nouvelliste de Lyon meldet aus Athen: Neue englische Truppenkontin⸗ gente sind vorgestern in Saloniki eingetroffen. Die höheren englischen Offiziere haben Villen und Hotels zur Unterbringung ihrer Stäbe gemietet und die Miete für sechs Monate voraus⸗ bezahlt.

Ein Brief des Königs Konstantin an König Ferdinand.

Berlin, 14. Okt. Nach einer Sofioter Meldung ver⸗ schiedener Morgenblätter empfing König Ferdinand von Bulgarien den früheren griechischen Minister Sophuis, der einen eigenhändigen Brief des Königs Konstantin an den bulgarischen König überbrachte. Die Audienz habe längere Zeit gedauert.

Köln, 13. Okt.(WTB. Nichtamtlich) DieKölnische Zeitung meldet aus Konstantinopel: Nach Berichten aus Athen ist die Lage in Griechenland sehr günstig für die türkischen Interessen.

Ein bulgarisches Grünbuch.

Wien, 13. Okt.(WTB. Nichtamtlich) DieSüd⸗ slavische Korrespond. meldet aus Sofia: Nach einer halb⸗ amtlichen Mitteilung bereitet das Ministerium des Aeußern die Veröffentlichung eines Grün buches vor. Alle amt⸗ lichen Schriftstücke über die Verhandlungen Bulgariens mit den Mächten, insbesondere über die letzten Ver andlungen der mazedonischen Frage, sind darin enthalten. Das Grün⸗ buch wird in den nächsten Tagen erscheinen.

Rumänien bleibt neutral.

Berlin, 14. Okt. Aus Bukarest wird demBer⸗ liner Lokalanzeiger gemeldet, daß in einem Minister⸗ rat, der am 12. Oktober stattfand, die internationale Lage besprochen wurde. Es sei kein Grund gefunden worden, um eine Aenderung in der Haltung Rumäniens eintreten zu lassen. Rumänien bleibe also auch weiter neutral.

Ein montenegrischer Bericht. . Paris, 14. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) DerTemps veröffentlicht einen montenegrinischen Kriegs⸗ bericht vom 4. Oktober aus Cetinje, der besagt: Die öster⸗ reichisch⸗ungarischen Truppen nahmen überall die Offensive auf der ganzen montenegrinischen Front auf. Sie bemühen sich, die Drina gleichzeitig an drei Stellen zu überschreiten und greifen heftig die in Bosnien operierenden montenegrinischen Truppen an. Gleichzeitig griffen die Oesterreicher Grahowa an, aber sie wurden nach lebhaftem Kampfe mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. König Peter.

Berlin, 13. Okt.(Priv.⸗Tel.) DerBerl. Lokalanz. meldet aus Budapest: Wie aus Prischtina gemeldet wird, haben die Aerzte dem König Peter empfohlen, sich mehr Ruhe als bisher zu n sich nach einem Badeort Süditaliens zu begeben. Die griechische Presse

aubt nicht an die Meldung von der Krankheit König eters und ist der Ansicht, daß man den König vor dem orstehenden Zusammenbruch des Landes in Sicherheit bringen wolle. Freudige Stimmung in Wien.

Wien, 13. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ober⸗ bürgermeister Weiskirchner erklärte gestern abend in einer Versammlungsrede, es sei gewiß eine glänzende Waf⸗

unseres zwar nicht größten, aber wohl boswilligsten Feindes eindrangen. Auf die Glückwunschtelegramme des Oberbürger⸗ meisters namens der Stadt Wien antwortete Mackensen: Ich danke für die willkommene Beglückwünschung. Die Ein⸗ nahme Belgrads durch die Truppen beider Länder wird der Waffenbrüderschaft der Heere Oesterreich-Ungarns und Deutschlands für alle Zeiten eine fortwirkende volkstümliche Weihe geben. General v. Köveß antwortete auf ein Glück⸗ wunschtelegramm gleichfalls mit warmen Worten. Die Dankesdepesche und die Verlesung der Telegramme wurden mit stürmischem Beifall aufgenommen. Der Oberbürger⸗ meister fuhr fort: Wir haben gesiegt infolge der Einigkeit zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn. Auch auf wirtschaftlichem Gebiete muß jene Einigkeit und Einheit herrschen, um zum Ziele zu führen.(Stürmischer Beifall.) Aus den blutigen Schlachtfeldern soll ein neues Oesterreich erblühen, das in einer wirtschaftlichen Verbin⸗ dung mit Deutschland seine wirtschaftliche Blüte erlangt. Es ist notwendig, daß dem durch das Blut gekitteten Kriegs⸗ bündnis ein wirtschaftliches Bündnis folge.

Die Hessen bei Semendria.

(TB.) Darmstadt, 13. Okt. Nichtamtlich.) Auf die telegraphische Mitteilung, daß hessische Truppen mit stür⸗ mender Hand Zitadelle und Stadt Semendria genommen haben, antwortete der Großherzog:

Mit stolzer Freude vernehme ich die Meldung der neuen Ruhmestat. Dankbaren Herzens gedenke ich der tapfe⸗ ren Söhne meines Hessenlandes, die erneut beitrugen zum Ruhme des geliebten deutschen Vaterlandes. 5

Ernst Ludwig.

Der türkische Bericht.

Konstantinopel, 13. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellen⸗ front beschoß unsere Artillerie ein feindliches Lager in der Gegend von Buyuk Kemikli und verursachte schwere Ver⸗ luste. Bei Ariburnu und Sedd⸗ül⸗Bahr war gegen⸗ seitiges schwaches Infanterie⸗, Artillerie⸗ und Bomben⸗ feuer. Am 10. Oktober wurde ein feindlicher Flieger, der in der Gegend östlich von Elarich einen Erkundungsflug

erbeutet, die Insassen gefangen genommen. Sonst ist nichts zu melden. Die Stimmung der arabischen Bevölkerung.

Konstantinopel, 13. Okt.. Nichtamtlich.) Die Blätter bringen über den hiesigen Aufenthalt der Abordnung syrischer Geistlicher und Schriftsteller Einzelheiten. Die Reden, die gestern bei den Besuchen der Abordnung bei dem Großwesir und bei den Ministern gehalten wurden, zeigen, daß der Besuch eine neue Kundgebung der Ergebenheit, Vaterlands⸗ liebe und Anhänglichkeit der arabischen Bevölkerung veranlaßte. Bei dem Besuche des Kriegsministers hielt ein Mitglied der Abordnung eine Ansprache, in der es für die Umgestaltung der türkischen Armee und für die dem Vaterland geleisteten Dienste dankte. Kriegsminister Enver Pascha antwortete u. a.:Wenn wir in vollkommener Einigkeit arbeiten, wird uns Gott stets helfen. Er ließ uns bis heute nicht erröten, er wird es auch zu⸗ künftig nicht tun. Bei dem von dem Thronfolger gege⸗ benen Festmahle lud die Abordnung den Prinzen zu einem Be⸗ suche Syriens ein. Der Prinz sprach seine Freude über die Ein⸗ tracht der Nation aus, die ihm die volle Zuversicht des end⸗ lichen Sieges einflöße. Er fügte hinzu, er werde sich bei nächster Gelegenheit an die heiligen Stätten des Islams und nach Syrien

begeben. i Die Dienstpflichtfrage in England.

London, 13. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) DieDaily News erfährt: Gestern ist die Dienstpflichtfrage im Ministerrat besprochen worden. Die Minister, die für die Dienstpflicht sind, beschlossen, die Diskussion heute wieder aufzunehmen und auf eine Entscheidung zu dringen. Sie hoffen, Einstimmigkeit zugunsten der Dienstpflicht zu er⸗ reichen. Ob, falls dies nicht gelingt, einige ihr Amt nieder⸗ legen werden, ist nicht bekannt. Churchill und Curzow sind die eifrigsten Anhänger der Dienstpflicht. Lloyd George huldigt einer gemäßigteren Auffassung, macht aber kein Hehl daraus, daß er einen Zwang für notwendig hält. Die Anhänger der Dienstpflicht verlangen nicht deren so⸗ fortige Durchführung auf Grund der Lage am Balkan, sondern weil es Kitchener nicht gelingen wird, die nötigen Mannschaften durch das Freiwilligensystem aufzutreiben. Diese Begründung setzt die Mehrheit des Kabinetts in Erstaunen, da der neuernannte Leiter der Rekrutierung, Lord Derby, eben erst mit den Führern der Arbeitergewerk⸗ schaften über die Organisierung der neuen Rekrutierung beraten hat. Die Anhänger der Dienstpflicht glauben selbst, daß der Werbefeldzug 35000 Rekruten wöchentlich liefern wird. Die erklären, daß man sich dem Zeitpunkt nähert, wo die Industrien nicht weiter ihrer Arbeitskräfte beraubt werden dürfen, wenn nicht die Produktionskraft leiden soll. Dadurch aber würde die Finanzierung der Ver⸗ bündeten in Frage gestellt werden und es würden innere Schwierigkeiten entstehen.

Arbeiterbewegungen in England.

London, 13. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) In Dublin ist ein Hafenarbeiterstreik ausgebrochen, von dem pier Dampferlinien betroffen werden. Mehrere einlaufende Dampfer sind nicht ausgeladen worden. Man fürchtet, daß die Bewegung, die durch die Nichtbewilligung von Lohnforderungen entstanden ist, sich auch auf andere Linien ausdehnen wird. In Bradford haben die Aufseher der Webereien, deren Lohnforderungen nicht bewilligt worden sind, auf den 14. Oktober gekündigt. Sollten, was man als wahrscheinlich annimmt, die Ar⸗ beitgeber die Werke schließen, so würden Tausende von Arbeitern be⸗ schäftigungslos werden.

Ein neues Prenzip der Steuereintreibung in England. Hag, 13. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)Nieuwe Cou⸗ rant meldet aus London: In dem gestern im Unter⸗ hause eingebrachten Finanzgesetz wird bestimmt, daß, wenn Angestellte die Sinkommensteuer nicht bin⸗ nen einem Monat nach dem Verfalltage bezahlt haben, die Arbeitgeber den Betrag vom Gehalt al zuziehen haben. Da⸗ durch würde für England ein vollständig neues Prinzip der Steuereintreibung eingeführt werden. 8

Der Seekrieg.

London, 13. Okt.(WB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Nachricht, daß der N Halizones von der Houston⸗Linie(5093 Bruttotonnen) fate ich. und die Besatzung gerettet worden ist, be⸗ tätigt sich. N

32 ndon, 13. Okt.(WT Nichtamtlich.) Das Fischer⸗ fahrzeugVultura aus Grimsby ist in der Nordsee

fentat unserer Verbündeten Armeen, daß sie in das Land

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versenkt worden. Man glaubt, daß die Besatzung von

unternahm, von uns herabgeschossen. Das Flugzeug wurde L

10 Mann ertrunken ist; drei Letchen sind bereits gefunden Amsterdam, 13. Okt.. Nichtamtlich.) Der niederländische Konsul in Archangelsk meldet, daß der SchleppdampferHolland, von Rotterdam nach Ar⸗ changelsk unterwegs, im Weißen Meer gesunken ist. Die Besatzung ist gerettet. 5

Aus dem Reiche.

Die bayerische Finanzpolitik. 5

München, 13. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Im Finanz⸗ ausschuß der Tammer der Abgeordneten erklärte bei der fortgesetzten allgemeinen Budgetdebatte Finanzminister Breunig u. a., das vorliegende Budget sei ein völlig neu durchgearbeitetes Budget. Die Annahme der Kriegsbeendigung noch im Jahre 1915 und dem entsprechender wirtschaftlicher Verhältnisse für das Jahr 1916 gebe der Fortführung des Staatshaushaltes eine feste Grund⸗ lage. Ein anderer Weg für die Aufstellung des Budgets bestehe nicht, außer, man wolle ein reines Kriegsbudget aufstellen, bei dem die vorgeschriebene Bilanzierung nicht, oder nur durch eine wesentlich stärkere Steuererhöhung als die mäßige von 25 Prozent bewirkt werden könnte. Die vorgeschlagene Steuererhöhung von 25 Proz. sei unbedingt notwendig, da der ausgewiesene Fehlbetrag ja schon bei einem normal günstigen Verlaufe im Jahre 1916/17 sich ergebe. Neue Quellen zur Vermehrung der Staatseinnahmen hätten von dem Redner nicht gezeigt werden können. Für die Annahme einer Vermögenssteuervorlage bestünde keine Aussicht. Auch in Württemberg denke man an eine wesentliche Erhöhung der Einkommensteuer. Gegenüber der Frage hinsichtlich der fi⸗ nanziellen Zukunft Bayerns müsse er vor allem her⸗ vorheben, daß schon in Friedenszeiten das Gleichgewicht nicht sergestellt und aufrecht erhalten werden könne ohne eine wesent⸗ iche Erhöhung. Ueber die Deckung der Fehlbeträge, die eine Folge des Krieges seien, zu sprechen, sei zurzeit zwecklos. Be⸗ ruhigen könne nur die Tatsache, daß unter dem Völkerkriege unsere Feinde noch schwerer litten und die Zuversicht, daß, wie man die Kraft zur Abwehr der Feinde gefunden, man auch die Kraft finden werde, sich wirtschaftlich wieder emporzuringen, die schweren Lasten, die noch kämen, zu tragen und nach und nach tun⸗ lichst bald die Schulden wieder abzubürden.

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* Berlin, 13. Okt.(WTB Nichtamtlich) Der Kaiser hat dem Staatssekretär Dr. Helfferich das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen. f Leipzig, 13. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Wie das eipzigerTageblatt meldet, ist der Vorsitzende der Deut⸗ schen Turnerschaft Geheimer Sanitätsrat Ferdinand Goetz heute im Alter von 89 Jahren gestorben.. Mit Ferdinand Goetz, dem allbekannten Mitbegründer der Deutschen Turnerschaft, verschwindet eine der volks⸗ tümlichsten Gestalten Deutschlands aus dem Leben. Ueber⸗ raschend und schmerzlich trifft uns die Kunde von dem Tode dieses alten deutschen Recken, der trotz seines hohen Alters immer noch zu den Rüstigsten zählte. Am 24. Mai 1826 zu Leipzig geboren, wo er(in Leipzig⸗Lindenau) seit 1855 als Arzt wirkte, legte er in den Jahren 1858 bis 1864 den Grundstock zum Archiv der Deutschen Turnerschaft und erließ im Verein mit Georgii und anderen den Ruf zur Sammlung, der zur Gründung der Deutschen Turnerschaft führte. Die Deutsche Turnerschaft ernannte ihn 1861 zu ihrem Geschäftsführer und 1895 zu ihrem Vorsitzenden. Auch die Jahnstiftung ist eine Schöpfung vonder uls literarische Arbeiten außer Aufsätzen und Gedichten ein Handbuch der Deutschen Turnerschaft hinterläßt. Ferdi⸗ nand Goetz hat auch am politischen Leben regen Anteil genommen; er wurde 1867 in den Norddeuts und 1887 in den Deutschen Reichstag gewählt, wo er national⸗ liberalen Fraktion angehörte.

Beer und Flotte.

Berlin, 13. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Dem Gene⸗ ralobersten v. Eichhorn und dem General der Artillerie v. Gallwitz, beide Oberbefehlshaber einer Armee, ist das Eichenlaub zum Orden Pour le mérite verliehen worden..

Aus Stadt und Cand. Gießen, 14. Oktober 1915.

Eine Stadtverordneten⸗Versammlung findet am Freitag, den 15. Oktober 1915, nachmittags 5 Uhr, statt. Aus der Tagesordnung stehen folgende Punkte: 1. Mitteilungen. 2. Errichtung von eee uf dem Grundstück Seltersweg 83 durch Franz Schmidt. 3. Ge⸗ such des Bäckermeisters Karl Sommer um Erlaubnis zum Betrieb einer Kaffeewirtschaft im Haus Bismarckstraße 28. 4. Desgleichen des Gerhard Kampen zum Betrieb einer Schankwirtschaft im Haus Kanzleiberg 5. 5. Herstellungen im städtischen Gebäude Wolkengasse 11. 6. Kreditbewilligung für die Feuer⸗ und Diebstahl⸗Versicherung der Dr. Hans⸗ Bock⸗Gedächtnis⸗Stiftung. 7. Gesuch des Ausschusses für die militärische Ausbildung der Jugend um Gewährung eines Zuschusses für die Beschaffung von Uebungskleidung. 8. Einführung des 1 Uhr⸗Ladenschlusses an Sonntagen. 9. Weiterversicherung städt. Arbeiter bei der Ortskrankenkasse. 10. Kreditbewilligung für Kriegszwecke.

* Stadttheater. Man schreibt uns aus der Theater⸗ kanzlei: Trotz der Schwierigkeit, die der Mangel an technischem Personal verursacht, hat der Spielleiter der Eröffnungsvorstel⸗ lung(Direktor Steingoetter) Sorge getragen, daß die 9 Bilder desHerzog Ernst von Schwaben sich am Freitag in rascher Folge abwickeln werden. Auch sonst wurde die Vorstellung sorgfältig vorbereitet. Für die Masken der Hauptdarsteller z. B. wurden Abbildungen von Siegeln und Münzen zu Rate ge⸗ zogen, da andere Ueberlieferungen für die betreffende Zeit ver⸗

sagen.

** Künstlerabendder Freilichtbühne. Ihrem Grundsatze, während des Krieges in ihrem Sinne für den Krieg zu arbeiten, bleibt die Freilichtbühne treu, wenn sie ihre vielen Freunde für Samstag, den 23. Oktober, in die Neue Aula zu einem Künstlerabend einlädt. Zu der Veranstaltung ist mit aller Sorgfalt viel Schönes und Eigenartiges zusammengestellt worden. Zu Beginn des Abends wird Frl. Gretel Leist einen von Alfred Bock eigens zu dem Zweck gedichteten Prolog sprechen, der den 2 ergessenen⸗ gilt, also denen, für die die Freilichtbühne eine Weihnachtsfreude plant. Frau Anny Flohn⸗Burck⸗ hard aus Frankfurt dürfte sich mit ihrem frischen, un⸗ verbrauchten Sopran bei ihrem ersten Auftreten in Gießen einen schönen Erfolg holen. Die Rezitationen des Abends stehen ebenfalls in i Wechselwirkung zu Ort und

eit; so wird Frl. Schild vom hiesigen Stadttheater bei⸗ fel gheise Dichtungen Friedrich Lienhards, der kürz⸗ lich seinen 50. Geburtstag beging, vortragen; ferner Lyrik der heimischen Dichterin Sophie Nebel von Türk⸗ heim, während ein feldgrauer Künstler, der gegenwärti in einem hiesigen Lazarett weilende Hofschauspieler 155 Reserveleutnant Haffner mit der Rezitation gedruckter und ungedruckter Poesie und Prosa aufwarten wird. Die Mitwirkung von Frau Nebelung⸗Knapp am Flügel,