nr. 255
Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
zweites Blatt
Die„Sießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Seit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweunal.
Gief
165. Jahrgang
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Aus dem Reiche.
Hindenburg⸗Feier in Berlin.
Berlin, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Hinden⸗ burgs 68. Geburtstag wurde hier am Bildwerk des „Eisernen Hindenburg“ auf dem Königsplatz vormittags mit einer Schulfeier begangen, die zu einer Volksfeier wuchs. Viele Tausende waren durch den herbstlichen Tier⸗ garten zu dem hölzernen Standbild gezogen, dessen Mantel unter den eisernen Nägeln immer mehr 80 einem Panzer wird. Die Tiergartenverwaltung hatte den Platz hübsch geschmückt und die Gärtnerei Hübner einen Riesengeburts⸗ tagsstvauß aufgebaut. Tausend Schulkinder, Knaben und Mädchen, huldigten dem großen Feldherrn durch Gesang. „Harre meine Seele“,„Die Wacht am Rhein“,„Das Hin⸗ denburglied“ e der Russenschreck),„Das Nieder⸗ ländische Dankgebet“ und andere Lieder klangen frisch und hell zum Himmel auf. Rektor Hofmann hielt eine An⸗ sprache, hierauf schlugen die tausend Schulkinder eiserne Nägel ein, eine Militärkapelle begann zu spielen, das Luftschiff„P. 4“ kreiste über dem Festplatz. 85
Berlin, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Graf Schwerin⸗Löwitz, hat an Generalfeldmarschall von Hindenburg folgendes Telegramm geschickt: Eurer Exzellenz gestatte ich mir namens des preußischen Abgeordnetenhauses, welches heute mit dem gesamten preußischen und deutschen Volk Ihrer besonders e gedenkt, die allerherzlichsten Glückwünsche zum Geburtstag zu senden. Möge Eurer Exzellenz Feld⸗ herrnkunst und jugendli⸗ Tatkraft auch weiterhin der Schrecken unserer Feinde bleiben und möge Ihnen zunächst als Geburtstagsgeschenk Dünaburg in den Schoß fallen.
Berlin, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Präsident des Deutschen Reichstages, Dr. Hämpf, telegraphierte an Generalfeldmarschall von Hindenburg:„Dem Befreier Ostpreußens, dem Bezwinger russischer Gewaltherrschaft und dem genialen Strategen, der mit seinen unvergleichlichen Truppen bein Uebermenschliches geleistet hat, bringe ich an seinem tigen Geburtstage Dank und herzlichen Glückwunsch dar.“ 8 a
Berlin, 2. Okt.(WTB. Amtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf einer Ver⸗ ordnung über das Verschroten des Brotgetrei⸗ des zu Futter zwecken die Zusti erteilt.— Der „Reichsanzeiger“ veröffentlicht die Ausführungsbestimmun⸗ gen zu der Bekanntmachung betreffend die Einfuhr von Getreide, Hülsenfrüchten, Mehl und Futtermitteln.
Berlin, 2. Okt(WTB. Nichtamtlich.) Das Armeever⸗ ordnungsblatt veröffentlicht eine Kaiserliche Verord⸗ nung vom 2. 1 1915, durch welche für die Ge⸗ meinden Elsaß⸗Lothringens, die bisher einen fran⸗ 1 Namen trugen, ein deutscher Name bestimmt wird.
Aus Hessen. Anfragen in der Zweiten Kammer.
Der Abg. Leun hat in der Zweiten Kammer folgende Anfrage eingereicht:
Ich frage an, ob es Großh. Regierung bekannt ist, daß ent⸗ gegen des letzten Absatzes des 5 5 des Reichs⸗Gesetzes vom 28. Fe⸗ bruar 1888 und 4. August 1914 manche Lieferungsverbände Unterstützungen von Privatpersonen anrechnen, und ob Großh. Regierung bereit ist zu veranlassen, daß nach einheit⸗ lichen Grundsätzen im Großherzogtum Hessen verfahren wird?
Die Abg. Korell⸗ Ingelheim und Dr. Wolf⸗Gonsen⸗ heim haben folgende Anfrage eingebracht:
Wir fragen bei der Großh. Regierung an: 1. ist es ihr be⸗ kannt, daß bis heute die im Herbste 1914 festgestellten Schäden an Feldfrüchten im Bereich der Festung Mainz nicht vergütet worden sind? 2. will sie bei der Reichsregierung Schritte tun, daß die Auszahlung alsbald erfolgt?
—
Aus Stadt und Cand. Gießen, 4. Oktober 1915.
Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.)
Musk. Fried: Grebe, Res.⸗Inf.⸗Regt. 252, aus Wolz⸗ hausen.— Einj.⸗Kriegsfreiw. Vizeseldw. Heinr. Ernst Haber⸗ mehl, aus Wallenrod.— Finanzasp. Karl Stieler, Res.⸗ Inl.⸗Regt. 168, aus Alsfeld.— Kanonier Karl Hofmann, Fuß⸗Art.⸗Regt. 3, aus Kinzenbach.— Landsturmm. Karl Wolf, Res.⸗Fuhrpark⸗Kolonne 60, aus Echgell. Pionier Heinrich Claes, Pionier⸗Batl. 21, aus Sechshelden.— Unteroff Aug. Freund, Inf.⸗Regt. 254, aus Nanzenbach.— Ers.⸗Ref. Friedr. Wilh. Kruppert, Inf.⸗Regt. 168, aus Schlitz.— Wacht⸗ meister Franz Martin, 4 Munitionskolonne, Fuß⸗Art.⸗Regt. 3, aus Offenbach a M.—Unteroff. Kosmas Kunz, Res.⸗Inf.⸗ Regt. 116, aus Bieber bei Offenbach.— Dragoner Karl Henrich aus Dauernheim.— Landwehrm. Karl Petri aus Reinheim. = Gefr. Schulverwalter Georg Büchler, Inf.⸗Regt. 115, aus
5* Personalnachrichten der Kaiserlichen Ober- Postdirektion in Darmstadt. Das Eiserne Kreuz weiter Klasse wurde dem Postsekretär Maykemper in Cber⸗ stadt dem Postassistenten Rodrian in Gießen und dem Tele⸗ graphenassistenten Budde in Mainz; die Hessische Tapfer⸗ keitsmedaille den Telegraphenassistenten Friedrich Hrä⸗ mer und Wilhelm Hrämer aus Darmstadt; das Großherzoglich Mecklenb. Schwerinsche Militär⸗Verdienstkreuz zweiter Klasse dem Telegraphenassistenten Schuldt in Gießen ver⸗ liehen.— Aus Anlaß des Scheidens aus dem Dienste wurde das Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen dem Postsekretär Buri in Offenbach, ferner: der Charakter als„Postsekretär“ den Ober⸗Postassistenten Borchardt und Massoth in Mainz und Adolf Vogel in Darmstadt; der Charakter als„Telegraphensekretär“ dem Ober⸗Telegraphen⸗ assistenten Roexig in Mainz; der Titel„Ober⸗Postafsistent“ dem Postassistenten Adam Müller in Mainz verliehen.— Zu Offizieren des Beurlaubtenstandes befördert wurden die Post⸗ assistenten Spitzfaden und Zürn.— Angenommen zu Telegraphengehilfinnen wurden die frühere Telegraphengehilfin elene Grützmacher, geb. Förste, in Mainz und Katharina ammer in Gießen.— Ekatsmäßig angestellt wur⸗ en: e ee Elfers aus Emden in Darmstadt, Tele⸗ raphengeht fin Hill in Alsfeld.— Versetzt wurden: Tele⸗
jener Anzeiger
Montag, 4. Oktober 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S 51, Schrift⸗
leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
graphensekretär Matt von Worms nach Kreuznach unter Ueber⸗ tragung einer Ober⸗Telegraphensekretärstelle, Postsekretät May⸗ lemper von Eberstadt nach Darmstadt, Postverwalter Föl⸗ ing von Berfelden nach Eberstadt unter Ernennung zum Ober⸗ Postassistenten, Ober⸗Postassistent Sala von Offenbach nach Beer⸗ felden unter Ernennung zum Postverwalter, Postassistent Vol⸗ pert von Mainz nach Gießen. Ernannt wurde zum Bureau⸗ beamten zweiter Klasse bei der Ober⸗Postdirektion Ober⸗Postassistent Schultheiß in Darmstadt. Freiwillig ausgeschieden sind die Telegraphengehilfinnen Karn in Darmstadt, Leu nru⸗ ger in Gleßen und Emilie Poepping geb. Dietz in Mainz. Gestorben ist Postassistent Kröll in Gießen.
** Brotlieferung für die Landsturm⸗ bataillone. Vom 1. Oktober ab wird für die Angehöri⸗ gen des Landsturm⸗Infanterie⸗Ersatz⸗Bataillons J 4.7 2., 3. und 4. Kompagnie) das Brot durch den Truppen⸗ teil geliefert. Die Quartierwirte haben demgemäß künftig weder Brot noch Brötchen zu verabfolgen. Die Vergütung beträgt vom 1. Oktober ab 1,85 Mk. statt wie bisher 2 Mk. Die Angehörigen des Landsturm⸗Infanterie⸗Ersatz⸗ Bataillons II(5. und 6. Kompagnie sowie Rekruten⸗Depot) erhalten das Brot wie bisher durch den Quartiergeber. Die Vergütung beträgt für diese 2 Mk.
Wer kennt die Diebin? Am gestrigen Sonntag⸗ vormittag, gegen 9 Uhr, entwendete in der Marktlauben⸗ straße ein größeres unbekanntes Mädchen, das roten Manteltrug, einem 4½ Jahre alten Kinde, das Fleisch holen sollte, aus seinem Portemonnaie einen Fünfmark⸗ schein. Es war das ganze Geld der Familie, deren Fa⸗ milienvater sich im Felde befindet. Sachdienliche Mittei⸗ lungen nimmt die Kriminalpolizei entgegen. 5
** Fahrraddiebstähle. Am 2. Oktober wurde am hiesigen Braunsteinbergwerk ein Fahrrad, Marke„Saal⸗ burg“, mit der Polizeinummer blaues G 5652 entwendet, ferner am 30. September aus dem Hofe eines hiesigen Fahr⸗ radhändlers ein kettenloses Damen-Fahrrad, Marke „Dürkopp“, mit der Polizeinummer schwarzes G 3023 ge⸗ stohlen. Sachdienliche Mitteilungen nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.
* Stenographie. Die Stenographen⸗Gesell⸗ schaft„Gabelsberger“ nebst Damen abteilung er⸗ öffnen morgen wieder einen Anfängerkursus in der Ga⸗ belsberger'schen Stenographie Die Kurzschrift, die in den letzten Jahrzehnten einen riesigen Aufschwung genommen hat, ist gerade jetzt bei dem Mangel an Arbeitskräften zu einem geradezu unent⸗ behrlichen Hilfsmittel in den kaufmännischen Betrieben, Bureaus usw. geworden. Da aber zu erwarten steht, daß nach Beendigung des Krieges eine noch stärkere Nachfrage nach tüchtigen Steno⸗ graphen eintreten wird, kann die rechtzeitige Erlernung der Kurz⸗ schrift nur empfohlen werden.(Siehe Anzeige in heutiger Nummer.)
* Die Nutzbarmachung der Eicheln⸗ und
Buchel nernte. Die Regierungen sind durch einen Erlaß al
des Kultusministers ermächtigt worden, den Schulkin⸗ dern zum Einsammeln der Eicheln und Bucheln weitgehenden Schulurlaub zu gewähren. Nach ober⸗ Bae en„Schätzungen liesern die deutschen Wälder in esem Jahr 400 000 Doppelzentner Bucheln und 100 000 Doppelzentner Eicheln, die der Speiseölbereitung und der Viehfütterung nutzbar gemacht werden sollen.
Die Einwinterung der Kartoffeln. Mit der Ernte der Kartoffeln tritt an den Landwirt die Sorge um ihre Aufbewahrung während des Winters heran. Die Kartoffel ist bekanntlich 4 empfindlich gegen Frost, sie erfriert schon bei 2—3 Grad Kälte. Die Sorge für den Schutz gegen Erfrieren gebietet daher vor allem eine frost⸗ 1 Lagerung. In zweiter Linie ist dafür Sorge zu tragen,
aß jeder Ueberschuß von Feuchtigkeit und Wärme am Ort der Lagerung vermieden und nötigenfalls durch geeignete Maßnahmen beseitigt wird. Die Frage, ob die Einlagerung[der Kartoffeln entweder im Keller oder in einer Miete erfolgt, wird sehr wesentlich von den wirt⸗ schaftlichen Verhältnissen abhängen. In Mittel⸗ und Ost⸗ deutschland ist fast durchweg das Einmieten üblich, im Westen dagegen werden die Vorräte vielerorts mit Vorliebe in den Keller gebracht. Für die Aufbewahrung der Pflanz⸗ kartoffeln dürfte das Einmieten wohl immer zweckmäßiger sein. Welche Gesichtspunkte bei der Anlage von Mieten und. der Aufbewahrung der Kartoffeln in Mieten einerseits, und bei der Einwinterung der Kartoffeln in Kellern und Feld⸗ scheunen andererseits, berücksichtigt werden müssen, ist in dem soeben erschienenen Flugblatt der Gesellschaft zur Förderung des Baues und der wirtschaftlich zweckmäßigen Verwendung der Kartoffeln„Die Einwinterung der Kar⸗ toffeln“ in dankenswerter Weise zusammengestellt. Dieses Flugblatt enthält aber auch beachtenswerte„ für eine Massenlagerung der Kartoffeln in den Städten, sowie für die Aufbewahrung kleinerer Vorräte von Speiscker⸗ toffeln in den städtischen Haushaltungen. Bedauerlicherweise sind, infolge unsachgemäßer Aufbewahrung im zurückliegen⸗ den Kriegsjahr, erhebliche Mengen von Kartoffeln, nament⸗ lich in den Städten, verloren gegangen. Es dürfte daher jedem dringend zu raten sein, sich das oben bezeichnete Flug⸗ blatt Nr. 16 von der Geschäftsstelle der Gesellschaft in Ber⸗ lin W. 9, Eichhornstr. 6, gegen Einsendung einer 10⸗Pfg.⸗ Marke, einzufordern.
Kreis Büdingen.
8 Berstadt, 3. Okt. Das Eiserne Kreuz erster Klasse erhielt der Unteroffizier Wolf im Res.⸗Inf.⸗Regt. 116. Im Westen erwarb sich derselbe schon das Eiserne Kreuz zweiter Klasse und die hessische Tapferkeitsmedaille.
Kreis Friedberg.
Rodheim v. d. H., 3. Okt. In voller Rüstigkeit feierten heute Waldarbeiter Ewald und Frau die Goldene Hoch⸗ 1 7— Im Kampfe fürs Vaterland fielen die beiden Söhne des
ahnarbeiters Imhof. 8 Kreis Wetzlar.
Wetzlar, 3. Okt. Heute sind einhundert Jahre verflossen, seitdem das Rheinische Jägerbataillon Nr. 8 errichtet wurde, das 1818 Wetzlar als Standort erhielt und bis zum 8. August 1877 dort garnisonierte. Seitdem steht das Bataillon im Elsaß und Wetzlar vermißt die Grünröcke, mit denen es so eng verbunden war, sehr. Die meisten Offiziere des Bataillons aus der Wetzlaxerzeit haben es später zu hervorragenden Stellun⸗ 955 25 der Armee, zum Generalleutnant und darüber hinaus ra 0 Hessen⸗Nassau.
D Marburg, 2. Okt. Die Brot⸗ und Mehl⸗
preise sind hier vom 4. Oktober ab ermäßigt. Der
Höchstpreis für 4 5 wurde auf 66 Pfg. und für 1 Pfund Weizenmehl auf 24 Pfg., beim Bezug von mehr als 10 Pfund auf 22 Pfg. festgesetzt. s
fc. Usingen, 3. Okt. Die zum ersten Male vom Pferde⸗ zuchtverein im Kreise Usingen in der Kreisstadt abgehaltene Foh⸗ lenschau verlief recht befriedigend. Es wurde beschlossen, eine solche Schau, die die Förderung der Pferdezucht höchst günstig beeinflußt, fernerhin in jedem Außer abzuhalten. An die Schau schloß sich eine Prämiierung. Außerdem wurden Vereins⸗ und Ehrenpreise an verschiedene Züchter verteilt.
m. Wiesbaden, 4. Okt. Die städtische Galerie, welche im Mittelbau des von Professor Theodor Fischer⸗ München geschaffenen und im Kriegsjahr 1914/15 fertig⸗ gestellten dreiflügeligen Museums⸗Neubaues unter⸗ gebracht ist, wurde am 2. Oktober von Oberbürgermeister Glässing 5 eröffnet. Die Vorderseite der Galerie ist im Charakter des ionischen Stiles gehalten und als sinn⸗ fälliger Hinßeis auf den Zweck des Baues gedacht. Der harmonische Zusammenklang, der sich aus der Gestaltung der Belichtung und der Ausstattung der Innenräume ergibt, ist das Resultat der auf dem Gebiete der Galeriebauten ge⸗ machten Erfahrungen. Das Hauptverdienst an der restlosen Lösung dieser schwierigen Aufgabe gebührt dem Maler Hans Völcker, der auch die Ueberleitung der Galeriebestände ins neue Haus übernommen hatte. Der Wert der Galerie besteht hauptsächlich in der Sammlung hervorragender deut⸗ scher Kunstwerke aus der Zeit der 60er und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Mit der Eröff⸗ nung der Galerie fand zugleich die Eröffnung einer großen deutschen Kunstausstellung durch Dr. Romeiß, den Vorsitzenden des Nassauischen Kunstvereins, statt. Diese Ausstellung erhält ihr einzigartiges Gepräge dadurch, daß sie ein fast lückenloses Bild vom modernen deutschen Kunst⸗ schaffen gewährt und unsere ersten Meister durch hervor⸗ ragende Neuschöpfungen vertreten sind. Bei der Schwere der Zeit einß nicht hoch genug einzuschätzende Kulturtat, die vorbildlich genannt werden darf.
Gießener Strafkammer. 777 th. Gießen, 1. Oktober.
Die Strafkammer verhandelte heute vormittag zuerst wegen eines angeblichen
Verstoßes gegen die Vorschriften für Aerzte.
Dr. P. von Lauterbach hat die. einer verstorbenen Frau e und als Todesursache Lungentuberkulose fest⸗ gestellt. Er soll sich eines Vergehens dadurch schuldig gemacht haben, daß er verabsäumt hat, den Tuberkulosefall der zuständigen Stelle anzuzeigen. Dr. P. wurde kostenlos freigesprochen, weil nach den gegebenen Vorschriften der behandelnde Arzt zur Anzeige des Falles verpflichtet ist, der Angeklagte aber lediglich 3 Leichenbeschauer mit dem Fall zu tun gehabt hat.
3 Standesamts vergehen.
Der Standesbeamte von Erlenbach hat ein Paar kopuliert, bei dem der junge Ehemann bayerischer Staatsbürger war, außer⸗ dem aber, ohne aus dem bayerischen Untertanenverbande aus⸗ zuscheiden, die hessischen Staatsbürgerrechte erworben hat, ohne daß die nötigen Formen(wegen des bekannten Reservatrechts des Königreichs Bayern) mit der Heimatsbehörde in Bayern gewahrt wurden. Da strittige rechtliche Fragen in den Fall hineinspielen, deren Entscheidung dem Angeklagten nicht anzusinnen war, er⸗ folgte Freisprechung.— Die Standesbeamten von Niedermos und von Metzlos haben Ehepaare aufgeboten und getraut, bei denen
der eine Teil verwitwet war, ohne daß vor der neuen Eheschließung
eine gerichtliche Auseinandersetzung mit den Kindern aus erster Ehe vorausgegangen war, wie es das Gesetz vorschreibt. Beide Standesbeamten wurden zu je einer Geldstrafe von 3 Mark ev. 1 Tag Haft und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Wegen Unterschlagung und Diebstahls
von Feldpostsendungen hatte sich der 50 Jahre alte Postschaffner Konr. W. von Gießen strafbar gemacht. Der Munn, welcher be⸗ reits seit 23 Jahren bei der Post tätig ist, hat, wie er gesteht, in den Tagen vom 1.—10. August d. J. zwei Sendungen, die er in amtlicher Eigenschaft in die Hände bekommen hatte, geöffnet, und daraus Zigarren entnommen. In zwei weiteren Fällen hat W. Sendungen, mit denen er eigentlich nichts zu tun hatte, an sich genommen und deren Inhalt für sich verwendet. Oberpostsekretär Weiß als Zeuge vernommen erklärt, es sei ihm unbegreiflich, wie W. dazu gekommen sei, wegen solcher Kleinigzeiten un⸗ ehrlich zu werden. Er sei ein tüchtiger Beamter, ein gefälliger Kollege gewesen, der einen auskömmlichen Lebensunterhalt habe. Ob der Angeklagte in mehr Fällen, als den vier unter Anklage stehenden gefehlt hat, sei nicht zu erweisen. W. bemerkte, es sei ihm heute selber unbegreiflich, wie er zu der Tat gekommen ist. Er will nach jeder einzelnen Tat dieselbe bitter bereut und jedes Mal sichs vorgenommen haben, von seinem Tun aß zulassen. Er habe aber immer wieder der Versuchung nicht widerstehen können. Der Vertreter der Anklage war zwar der Ausicht, daß mildernde Umstände zuzubilligen seien, beantragte aber e samtstrafe von 1 Jahr 6 Monate Gefängnis. Der Verteidiger des Angeklagten, Justizrat Dr. Jung, wollte die Verfehlungen des Angeklagten als eine fortgesetzte Handlung angesehen wissen. Es handele sich um die Entwendung von Genußmitteln, so daß man die Tat sehr wohl strafrechtlich als Mundraub bewerten kann. Dr. Jung wies darauf hin, daß es sich um einen bisher unbe⸗ straften Mann handelt, der von vornherein sein begangenes Un⸗ recht eingestanden hat, der aber auch schon hart bestraft ist, in⸗ dem er seine Stellung als Beamter durch seine Handlungsweise verwirkt hat. Der Verteidiger hält eine Strafe von 3 Monaten Ge⸗ fängnis für eine ausreeichende Sühne. Der Gerichtshof erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten.
vermischtes.
—
und Brüderlichkeit galten mir stets als etwas so Erhabenes, alles in der Welt menschlicher Einrichtungen glorreich Ueberstrahl des,
meinen sich nach Freiheit sehnenden deutschen Eltern als Sembol der Erlösung gegolten, und unter seinem Schutze gründeten sie das bescheidene Heim ihres jungen Glückes und lehrten uns das Land lieben, das sie so liebevoll aufgenommen hatte. So geleitet,
sogen wir die Vaterlandsliebe in vollen Zügen ein, und ich
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