Ausgabe 
(1.10.1915) 231. Zweites Blatt
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zweites Blatt

Ur. 21

Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSießener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Seit⸗ fragen erschemmen monatlich zweimal.

105. Jahrgang a

zener!

inzeige

General⸗Anzeiger für Gberhessen

Freitag, J. Oktober 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrift-

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen.

Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen

Frauenvereins. N 0 Den 1 über die Ferdinand⸗ und Luise⸗Lenz⸗Stiftung erstattet Frau änd Zentralstelle für Gemeindeämter der

vigtländer, denjenigen über die Arbeit der 1(Frankfurt a. M.) die Leiterin Frau Apolant. Die Inan pruchnahme der Zentral⸗ stelle stieg in erfreulicher Weise, und zwar sowohl die von pri⸗ vater, als auch die von behördlicher Seite. Bemerkenswerten Ansteigen der Vakanzen innerhalb der kommunal⸗sozialen Für⸗ sorge zeigt die Erkenntnis der 1 von der Notwendig⸗ keit einer stärkeren Heranziehung sozial geschulter Berufsarbeiterin⸗ nen. In einer Umfrage an 579 Stadte und Landgemeindeti wurden die Verwaltungen gebeten, über die Verschiedenheit der Kriegsfürsorge⸗Organisationen und die Einreihung der Frauen in diese Auskunft zu en; durch eine zweite Umfrage wurde der neueste Stand der kommunalen Frauenarbeit in den deutschen Großstädten festgestellt. Die Ergebnisse dieser letzten Umfrage er⸗ gänzten das aus den Jahren 1910 und 1913 vorliegende authen⸗ tische Material. Das Ganze ist für die Leipziger Tagung tabella⸗ risch und graphisch bearbeitet worden. Auf vier großen Karten kommt die höchst erfreuliche Entwicklung der ehrenamtlichen und besoldeten kommunalen Frauenarbeit Deutschlands in den letzten fünf Jahren zur deutlichen Darstellung. Die Ziffern sind inter⸗ essant genug, um sie wiederzugeben. Entwicklung der kommunalen Frauenarbeit in 45 deutschen Großstädten. Stand 1910, 1913, 1915. A. Ehrenamtliche Arbeit. 1910/ 1918s 19185% Armenpflege... 1679 23,3 2085 28.9 2608 36,1 55 Walsenpflege.. 4645 64,3 6592 91,3 7220 100 55%

Deputationen u. Kom⸗ 58 0,8 205 2,8 254 3,5. 388%

missionen Kuratorien u. dergl. 104 1,4 237 3,3 330 4,6 217

Schulpflege. 46, 0,6 43 0, 654% Wohn ungs pflege. 16 0,2 47 0,6 62 0.9 2877 0 B. Besoldete Arbeit. 1919 ½ 1918/ 118% Wohnunasinspektion u. Wohnungspflege renn e Schulpflege 2 0,1 44 0, 84 1,2 (45 Schw.,(32 Schw.,(67 Schw., 5 Aerzt.) 10 Aerzt., 12 Aerzt., 2 Zahnärzt.) 5 Zahnärzt.) Armen⸗, Waisen⸗, Säuglingspflege 318 4,4 4683 6,4 577 8 143% Arbeitsnachweis 79 1,1 124 1,7 141 2 T 78% Polizeipflege.. 12 0, 20 0,3 36 0,5 200%

Es folgte der Vortrag von Margarete Treuge über

Frauendienstpflicht. Die Grundporaussetzung gibt nur da dem hauswirtschaftlichen Jahr als Dienstjahr Berechtigung, wo hauswirtschaftliche Tätigkeit zugleich eine stung für die

Allgemeinheit ist, wo erst eingehende Schulung Ersparnis volkswirtschaftlicher Güter und Erhaltung der Volkskraft erreicht werden kann: vor allem bei der Frau des Arbeitsstandes. Zwei anscheinend unüberwindliche Schwierigkeiten verlieren bei näherer Untersuchung etwas von ihrer einschränkenden Bedeutung: 1. Die Kosten der Ausbildung, die für die breiten Volksschichten der Staat zu tragen hätte, machen sich zum Teil wieder durch in der Vorbereitungzeit geleistete Arbeit bezahlt. 2. Die Verlegung des Dienstjahres in die Zeit vom 17.20. Jahre, in der bereits die Eheschließung gestattet ist, tut doch der Gesamtziffer der zum Dienstfreien keinen wesentlichen Abbruch, da nur etwa ein DTreißigstel Mädchen in so jugendlichem Alter heiratete.(Sta⸗ tistisch nachzuweisen.) i

Größere Gegensätze der Auffassungen und Meinungen scheinen sich bei der Behandlung der Mädchen, die aus den höheren Schulen kommen, zu entwickeln. Während auf der einen Seite auch hier nur das hauswirtschaftliche Jahr gefordert wird, um der Wichtigkeit hauswirtschaftlicher Kenntnisse willen oder aus Miß⸗

trauen der allgemeinen sozialen Betätigung der Frau gegenüber, hat

wird von der anderen Seite die Vorbereitung der Mädchen auf den sozialen Helferdienst gefordert. Diese letzte Auffassung, die von der Rednerin. wurde, stützt sich nicht nur auf die Erfahrungen des Krieges, in dem sich die Notwendigkeit vieler, für die Allgemeinheit geschulter, zum Dienst an der Ge⸗ meinschaft befähigter Frauen erwiesen hat, sondern sie kann auch die Vielgestaltigkeit sozialer Arbeit nachweisen, die sich zum min⸗ desten in drei Gruppen gliedert: Krankenpflege, Bureau⸗ dienst und die eigentliche Fürsorgetätigkeit.

die S.

Ueber die Mitarbeit der Frauen bei der Kriegs beschädig⸗ tenfürsorge entspann sich im Anschluß an einen Antrag der Ortsgruppe Darmstadt, begründet von Frau Balser, eine lebhafte Besprechung. Es wurde Uebereinstimmung erzielt über folgende Grundsätze: Die Mitarbeit der Frauen kann nur im Anschluß an die schon geschaffenen staatlichen,(provinzialen) und kommunalen Organisationen geschehen. In ihrem Rahmen sollten die Frauen, soweit es erforderlich ist, die Familienfürsorge für die Kriegsbeschädigten übernehmen. Die beste Form wären besondere Kommissionen, die den bestehenden Orts⸗ oder Pro⸗ vinzialausschüssen angegliedert würden. Ein lebhafter Meinungsaustausch knüpfte sich an den von Frl. Bonfort begründeten Antrag, der Allgemeine Deutsche . möge seinen Vereinen Richtlinien für eine stärkere nteilnahme der Frauen bei der Gestaltung einer deutschen Mode geben. Als Mittel wurden genannt: Hebung des weib⸗ lichen Handwerks, auch durch bessere technische Schulung der in der Bekleidung arbeitenden künstlerischen Kräfte, bessere Erziehung der Frauen in Material- und Qualitätsbeurteilung(Aufgabe der Frauenschule!), Fühlungnahme der Konsumentinnen mit künst⸗ lerischen und Produzentenkreisen in örtlichen Vereinigungen(Mode⸗ bund. Es wurde ein Ausschuß eingesetzt, der diese Anregungen zu festen Richtlinien verarbeiten sollte. In zwei öffentlichen Abendversammlungen sprachen Frau Voß⸗Zietz überDie Hausfrau im deutschen Volkshaushalt und Dr. Gertrud Bäumer überDie Bürgerin im zu⸗ künftigen Deutschland.

Im Lande der Sch warzhäupter. In den kussischen Ostseeprovinzen, die jetzt das Operations⸗ gebiet eines Teiles unserer Heeresgruppen im Osten bilden, be⸗ sonders in Livland, hat sich in vielen Städten ein eigentümlicher Rest mittelalterlichen Klublebens in die Gegenwart gerettet. Es sind die Gesellschaften derSchwarzhäupter, die vor allem in Riga und Reva! zu hoher Bedeutung gelangt sind. Ursprünglich eine Vereinigung der unverehelichten deutschen, noch nicht selbst⸗ ständigen Kaufleute(Kaufgesellen), die sich unter den Schutz⸗ patronen St. Georg und St. Mauritius zusammenfanden, führen sie ihren sonderbaren Namen auf den Mohrenkopf des hl. Mauri⸗ tius in ihrem Wappen zurück; sie sind bemerkenswert genug in einem Lande, wo sich das Deutschtum auf Vorposten ständig seiner Haut wehren mußte politisch kaum hervorgetreten, wenn⸗ schon die Revaler Schwarzhäupter gelegentlich in Helm und Har⸗ nisch zur Abwehr feindlicher Angriffe auf die Stadt mit den Bür⸗ gern gemeinsam ausritten. Die Rigaische Gesellschaft kann im näch⸗ sten Jahre ihr halbtausendjähriges Bestehen feiern, da sie 1416 ihren Bestätigungsbrief oderSchragen erhielt; älter, die älteste überhaupt ist die zu Reval, die bereits zu Ende des 14. Jahr⸗ hunderts bestand und 1407 offiziell vom Rat anerkannt würde. Durch ihr altes Heim, das Schwarzhäupterhaus am Marktplatz, sind die Rigaer Brüder eng mit der großen Katastrophe der Stadt anno 1330 verwachsen. Damals eroberte der scharf vorgehende Hochmeister des Deutschritterordens, Eberhard von Monhemo, Riga und beschlagnahmte auch die beiden sog. Gildstuben, wo Rat und Bürgerschaft die städtischen Angelegenheiten in weiser Zwie⸗ sprach zu erörtern pflegten Nun waren die Väter der Stadt obdachlos; sie bedachten sich aber nicht lange und stellten am Marktdat nye Hus hin, das sie zwanzig Jahre lang benutzen mußten, bis der gute Meister Goswin von Hericke gegen Zahlung eines tüchtigen Batzens Gold die alben Gildstuben zurückgab. Das Hauptgeschoß diesesnyen Huses nun ward seit etwa 1475 den chwarzhäuptern gegen eine jährliche Rente von 40 Mk. zu sieben Lot Silber vermielet; 1713, drei Jahre nachdem der Feldmarschall Peters des Großen, Graf Scheremetjew, die drei Pfund schweren goldenen Schlüssel Rigas empfangen hatte, ging das ganze Gebäude in ihren Besitz über. Später mehrfach im einzelnen umgebaut, hat es durch vorgebaute Läden heute viel von seiner Monumentali⸗ tät eingebüßt. Es ist ebenso wie das Revaler Schwarzhäupterhaus mit schönen alten Erinnerungen angefüllt, unter denen der kosthare Silberschatz bei dem skrupellosen Zugreifen der flüchtenden Russen leider ernst gefährdet ist. Sowohl die Rigaer wie Revaler Silber⸗ kammer birgt wundervolle Stücke, die Wilhelm Neumann in seiner Monographie über Riga und Reval weiteren Kreisen geschildert Als ältestes Stück ist ein Religuiar hervorzuheben, eme 5 600 Gramm schwere silberne Statue des hl. Georg; ihm reihen sich an Pracht und Schönheit zwer silberne Tafelaufsätze an, das Werk bekannter Augsburger Goldschmiede; der eine stellt den hl. Mauritius dar, auf einem Seepferd reitend, der andere König Gustav Adolf zu Pferde, ein Geschenk des schwedischen General⸗ gouverneurs von Livland, Grafen Gustav Horn, das er gelegentlich der Aufnahme seines Sohnes in die Gesellschaft der Schwarzhäupter dieser verehrte. Kulturhistorisch wertvoll sind ferner die zur Er⸗ innerung an die Siege Karls XII. gearbeiteten getriebenen Hum⸗

Berliner Schützengraben.

Uns wird geschrieben: Wenn auch wir in der Heimat Ge⸗ bliebenen weder an Erlebnissen noch Erfahrungen, noch sonstwie mit unseren Brüdern und Freunden im Felde zu konkurieren ver⸗ mögen, so haben wir doch Ehrgeiz genug, um nicht der Unter⸗ schätzung anheimfallen zu wollen. Zwar wissen wir nichts von Alarm, Ausschwärmen und Horchposten, und selbst der Begriff von Etappen ist uns fremd. Aber einen Schützengraben o, einen Schützengraben haben wir auch! Ich meine nicht etwa den friedlich gegrabenen Laufgang, der dort, wo Charlottenburg an den Grunewald grenzt, für ganze zehn Pfennige Eintritts⸗ geld dem wißbegierigen Bürger zur Besichtigung freisteht. Nein, wir verfügen über einen richtigen Schützengraben, der aus purer Notwendigkeit entstanden ist; einen Graben mit Quergängen und Wällen, mit Deckungen und Unterständen. Und das Hervorragende ist, daß diese zeitgemäße Anlage sich sogar mitten in der Stadt, sozusagen in ihrem Herzen befindet, nämlich in der Friedrich⸗ straße. Doch diesmal ist es kein Graben zum Kampf gegen Men⸗ schen, es wird hier weder geschossen, noch werden Minen ge⸗ schleudert; es ist nur ein Kampf gegen den Asphalt und die Erde, ein Kampf, der nicht zerstört, sondern Neues aufbaut. Und doch ist auch dieser den Verkehr über den Haufen werfende Graben ein Zeichen unserer Kraft im Kriege, der Kraft, die auch in dieser Zeit nicht lahm gelegt werden konnte. Der Kampfplatz besteht wie gesagt aus dem Unterbereich der Friedrichstadt, die Offiziere sind Ingenieure und Bauleiter, die Truppen sind Ar⸗ beiter, und die alles beherrschende und verantwortende oberste Heeresleitung ist die Untergrundbahn gesellschaft. Wäh⸗ rend wir nach Ansicht und Wunsch unserer Gegener bereits der Not ausgesetzt und aller wie immer gearteten Mittel entblößt sein sollten, während im Osten, Westen und Süden unsere Armeen gegen den Feind streiten, besitzen wir Kraft genug, ein Werk zu Ende zu führen, das selbst in Friedenszeit ein nicht für jede Stadt er⸗ schwingliches Unternehmen bedeutet.

Unbeirrt und ungehemmt, als sei der Krieg etwas ganz Fern⸗ liegendes, Unwahrschemliches, geht Berlin weiter seinen Gang rast⸗ loser Arbeit und Entwickelung. Alle Unternehmungen, alle Pro⸗ jekte, die im Frieden beabsichtigt waren, werden pünktlich in der vorgesehenen Zeit ausgeführt. Weder London noch Paris ber gar Petersburg könnte sich gegenwärtig den Bau ein ellen Untergrundbahnstrecke leisten. Der Kampfplatz der Technik, ber

Millionenwerkes zu einer Zeit, da ringsum der Krieg in vollstem Gange ist, löst mehr als einen Gedanken aus. Diese Baggermaschi⸗ nen und Hammeranlagen, diese Höhlen und Drähte, diese Holz⸗ bohlen und Eisenbarren, diese Techniker und Arbeiter, die gegen⸗ wärtig das Bild unserer Hauptverkehrsstraße von Grund aus 1 haben, sprechen eine beredte Sprache. Sie künden von

unbezwungenen und unbezwinglichen Vollkraft der Reichs⸗ hauptstadt, sie geben ein greifbares und hörbares Bild dessen, was die Anderen das deutsche Geheimnis nennen. Sie zeigen, daß der Puls des großen, in Emsigkeit keuchenden Berlin nicht um eine Sekunde langsamer schlägt, daß Berlin auch im Kriege vermag, was es im Frieden zu leisten fähig war. Noch braust und dröhnt draußen der Apparat des Krieges; und noch fauchen und stoßen in der Friedrichstraße die Baumaschinen, und die guten alten Pferdeomnibusse rumpeln 8 5 letzten Fahrten hin und her zwr⸗ schen den abgesperrten Straßenteilen. Aber einmal wird der Krieg

wesenheit heimkehren, werden sie die Friedrichstraße unverändert wiederfinden: äußerlich unverändert, denn während dann wieder Autobus hinter Autobus über den glatten Asphalt rattert, saust tief unten in glatten, mattbeleuchteten Gängen das elektrische Un⸗ getüm der neugeschaffenen Untergrundlinie. Ja, das ist gewißlich auch ein Teil des vielerörterten deutschen Geheimnisses, und sicher⸗ lich nicht der unbedeutendste.

Der Organismus unserer Reichshauptstadt braucht eine neue elektrische Ader; nun wohl, an die Arbeit, hier gibt es keinen Krieg. Der Krieg ist weit, weit draußen, außerhalb der Landes⸗ grenzen, fern von Berlin. Hier gibt es keinen Einhalt, keine Verzögerung, deine Schwäche. Wir bauen unsere Untergrundbahnen wann und wo es uns gefällt. Das lehrt uns der Schützengraben in der Friedrichstadt. 5 A. B.

GoethesGeschwister undStella in Wei⸗ mar. Man schreibt uns aus Weimar: Als feinsinniger Regis⸗ seur führte sich der von seiner Tätigkeit in Bremen 1 Waldemar Jürgens, der Nachfolger Theodor Brandts, durch eine trefflich inszenierte Aufführung der beiden Goetheschen Stücke am hiesigen 90 fh eater ein, von denenStella seit ahren fast in Vergessenheit geraten ist und erst neuerdings wieder, so auch in Frankfurt a. M., Leipzig und am Berliner Lessingtheater, neu einftudiert wird. Man muß sich in die Wertherstimmung der Ent⸗ stehungszejt jener Dramen hineinversetzen, um den Gefühlsüber⸗ schwang, den oft unwahrscheinlichen Edelmut und die Redselig⸗

Industrie und des 9 9 den die Untergeundbahn sich in der Friedrichstadt wählt hat, die Ausführung eines solchen

keit der handelnden Personen richtig zu würdigen. Immerhin

beendet sein; und wenn unsere Feldgrauen nach vielmonatiger Ab⸗

pendeckel und die Revaler Rehfuß⸗Trinkgefäße, deren eines rus dem Ende des 16. Jahrhunderts 1,045 Meter Höhe hat, während die beiden anderen von der noch immer stattlichen Höhe von einem

halben Meter Geschenke der Zaren Peter 155 und Alexander! sind. Im Interesse der Kunst und eines zukünftigen wohltätigen Wirkens

der Klubs, die durch die Jahrhunderte hindurch viel stille Kultur⸗ arbeit geleistet haben, wäre zu wünschen, daß die Schwarzhäupter und ihre silbergeschmiedeten Schätze die Wirren des Krieges glück⸗ lich überstehen und von der plündernden oderin Sicher heit brin⸗ genden russischen Soldateska verschont bleiben.

Gießener Herbst⸗pferdemarkt. a Gießen, 30. September

Wir tragen heute das Ergebnis der Prämiierung vom Herbstpferdemarkt nach, über dessen Verlauf in der gestrigen Nummer desGieß. Anz. berichtet war:

Schwere Arbeitsschläge, paarweise zu prä⸗

miieren: S. Kaufmann, Nieder⸗Weisel(für 3 jähr. belgische braune Stute und Wallach) 2. Preis. Leichte Arbeitsschläge paarweise zu prä⸗ miieren: S. Kaufmann, Nieder⸗Weisel(3 jähr. belgische Fuchs⸗ stuten) 1. Preis. Aug. Frensdorf, Gießen(braune belgische Wal⸗ lache) 2. Preis.

Schwere Arbeitsschläge, einzeln: S. Kaufmann, Nieder⸗Weisel(3 jähr. Rotschimmelstute, Belgier) 2. Preis M. Heching, Kirchhain(3 jähr braune belgische Stute 3. Preis.

Leichte Arbeits schläge, einzeln: Aug. Frensdorf, Gießen(belg. Wallach, Goldfuchs) 1. Preis. Derselbe(belg. Wal⸗ lach, dunkelbraun) 2. Preis. Derselbe(dunkelbr oldenburg. Stute) 5. Preis. S. Michel, Gießen(5 jähr. Münsterländer Fuchs wallach) 2. Preis. Derselbe(6 jähr. hannoversche Rappstute) 4. Preis. Schwere Arbeitsschläge, einzeln zu prämi⸗ ieren. Diese Pferde müssen mindestens 6 Monate im Besitz von Landwirten sein, die dem Landes⸗Pferdezuchtverein oder einem landwirtschaftlichen Bezirksverein des Großherzogtums angehören. K. J. Düringer, Ober⸗Hörgern(9jähr. hellbraune Stute), 1. Preis. Joh. Aug. Heinz, Nieder⸗Weisel(4jährig. Fuchsstute), 2. Preis. 855 Vorbach, Eberstadt(Sjähr. Fuchsstute), 3. Preis. Joh, Hch. Häuser, Nieder⸗Weisel(3jähr, braune Stute), 4. Preis. Ludw⸗ Tasch, Abbach(Sjähr. dunkelbr. Stute), 5. Preis. Gg. Bill II. Nieder⸗Weisel(10jähr. hellbraune Stute), 6. Preis. Es erhielten noch Anerkennungen: Aloysius, Dorn⸗Assenheim(10 jähr. Rot⸗ schimmel), Ludw. Hahn, Nieder⸗Weisel(Sjähr. Kohlfuchs), Frei⸗ herr E. v. Diemer, Eberstadt(jähr. Fuchsstute), Gg. Bill II., Nieder⸗Weisel(10jähr. hellbr. Stute), Aug. Petry, Hatten rod (6jähr. Fuck sstute), Hch. Erb II.Schadenbach(A4jähr Kohlfuchsstute), Bürgermeister Balser, Albach(Hähr. dunkelbr. Stute), und Wilh. Müller I., Kirchgöns(3jähr, hellbr. belg. Stute mit Keilstern).

Leichte Arbeitsschläge, einzeln zu prämi⸗ ieren. Diese Pferde müssen mindestens 6 Monate im Besitz von Landwirten sein, die dem Landes⸗Pferdezuchtverein oder einem landw. Bez.⸗V. des Großherzogtums angehören. Otto Gg. Walter, 55 5(S jähr. Rappstute) 1. Preis. Hch. Heller I. Echzell(Jähr. br. Stute) 2. Preis. H. W. Straßheim, Griedel(8 jähr. br. Stute) 3. Preis. Och Langsdorf, Albach(4jähr. br. Stute) 4. Preis. Kasp. Langsdorf IV., Leihgestern(3 jähr. Fuchsstute) 5. Preis. Gg. K. Müller Wwe., Griedel(11 jähr. braune Stute 6. Preis.

Arbeitsschläge, paarweise zuprämiieren Diese Pferde müssen mindestens 6 Monate im Besitz von Landwirten sein, die dem Landes⸗Pferdezuchtverein oder einem landwirtschaft⸗ schaftlichen Bezirksverein des Großherzogtums angehören. Joh. Och. Häuser, Nieder⸗Weisel(2⸗ und 3 jähr. br. Stuten) 1. Preis. 30 Ruth, Nieder⸗Walgern(3 jähr. Schwarzbrauner und Fuchs)

Preis.

3jährige Fohlen, geb. 1912, Wagenschläge⸗ Joh. Ruth, Nieder⸗Walgern(Fuchsstute) 1. Preis. Derselbe (schwarzbraune Stute) 2. Preis.

Dreijährige Fohlen, geboren 1912, Arbeits schläge: Hch. Pferrer, Weckesheim(Fuchsstute), 1. Preis. Wilh. Müller I., Kirchgöns(3jähr. hellbr. Stute mit Keilstern), 2. Preis. Ludw. Efau, Gr.⸗Buseck(braune Stute), 3. Preis,(brauner Wal⸗ 1 9 e Kasp. Langsdorf IV., Leihgestern(Fuchsstute),

Preis.

Zweijährige Fohlen, geboren 1913, Wagen⸗ : Peter Wagner, Gießen(braune Stute), 3. Preis. I., Echzell(brauner Wallach), 4. Preis. 5.

Hauser,. geboren 1913, Arbeits⸗ Hauser, Nieder⸗Weisel(br. Stute), 1. Preis

5 2 = 2 85 7 2 * 3 2 E 85 85 8 V. 2 . 5 2 8 = = 77 0 8 . 0 85 8 8

Fr. Vorbach, Eberstadt(br. Stute), 2. Preis. Aloysius, Dorn⸗ Assenheim(br. Stute), 3. Preis. Aug. Petri, Hattenrod(Fuchs⸗

könnten einige Striche, namentlich in den Monologen, nicht f 3 Die Bühnenbilder gaben einen wirksamen Rahmen für die Stim⸗ mung. Sehr gut wurden die Frauencharaktere auseinandergehalten: die herbe, still duldende Entsagungskraft Cäciliens, die von Helene Achterberg mit starker Empfindung verkörpert wurde, und die leidenschastliche Glut Stellas, deren Darstellerin Ilse Ghiber t i⸗ freilich erst im letzten Akt tiefer zu packen verstand. Der zwischen beiden Frauen schwankende Fernando, Hans Illiger, brachte die Haltlosigkeit dieser Clavigonatur zu glaubhafterem Ausdruck, als die gelegentlichen Reueanwandlungen. In erfrischendem Gegen⸗ satz zu der Verstiegenheit diesesSchauspiels für Liebende stehen die öfters gegebenenGeschwister die den Abend einlei und mit ihrer knappen, schlichten Sprache und feinen Seelenschilde⸗ rung das Publikum entzückten. Einen wesentlichen Anteil daran hatte die von innerer Wärme getragene Darstellung des Wilhelm durch Johannes Riemann, sowie die muntere Marianne von Dora Schlüter. Die Inszenierung von Waldemar Jürgens sorgte dafür, daß der altmodische Raum, in dem dieseGeschwister hausten, eine behagliche Atmosphäre ausströmte. Dr. A. St.

Ein ermordeter Ostafrika⸗Forsche r. Am 2. Oka tober ist ein halbes Jahrhundert 18 seitdem der aus der

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der Decken ein Opfer seines Forschungsdranges wurde. Zu Kotzen am 8. August 1833 geboren, war er 1851 in den hannoverschen Militärdienst getreten, den er aber schon 1860 verließ, um sich der Erforschung Afrikas zu widmen, wobei ihm der Afrikaforscher Barth die Wege ebnete. Nachdem er auf der ersten Reise, die er im Oktober 1860 nach dem Nyassasee unternahm, durch die Treu f eines arabischen Führers zur Umkehr gezwungen ward, hat im Mar 1861 mit einer zweiten Expedition mehr Glück; sie er⸗ brachte wichtige Ergebnisse über den Kilimandscharo, den er auf einer dritten Expedition, die er im Oktober 1862 im Verein mit

Expedition sollte der Erforschung afrikanischer Flüsse gelten. Von Sansibar aus war er im Juni 1865 zur Dschubamündung vor⸗ gedrungen und hatte auf einem Dampfer am 19. 0

Berdera erreicht. Da das Schiff ein Leck erhielt, mußte lassen und auf dem Landwege mit seinen Leuten nach Be zurückkehren, um Hilfe zu holen. Dort aber wurde er mitsamt

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Sansibar brachten, retten konnten.

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O. Kersten unternahm, erstieg. Die im Juli 1864 begonnene vierte

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Mark Brandenburg stammende Afrikareisende Farl Klaus von

dreien seiner europäischen Begleiter von Somalinegern ermordet⸗ während sich fünf Teilnehmer der Expedition, die die Kunde nach

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