Ausgabe 
(30.9.1915) 230. Erstes Blatt
Seite
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Nr. 250

Der Sleßener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen:

Erstes Blatt

viermal wöchentlich Slehener Familienblätter; 3 wöchentl. Krels⸗ latt für den Ureis Gießen (Dienstag und Freitag): zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Feitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstellebl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Sießen. Annahme don An für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Gießene

105. Jahtgang

Anzeiger

General⸗Anzeiger für Gberhessen

Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.

Donnerstag, 50. September 1915

Bezugsprei monatl. 75 Pf., viertel jährl. Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2. viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf. Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge- richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Die französisch⸗englischen durchbruchsversuche abgeschlagen. die Bresche bei Loos zum Teil wieder ausgefüllt.

WTB.) Großes Hauptquartier, 29. Sept.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.

Die feindlichen Durchbruchsversuche wurden auf den bis⸗ herigen Angriffsabschnitten mit Erbitterung fortgesetzt. Ein Gegenangriff nach einem abermals gescheiterten englischen Gasangriff führte zum Wiedergewiun eines Teiles des nördlich von Loos aufgegebenen Geländes. Heftige engli che Angriffe aus der Gegend Loos brachen unter starken Verlusten zusammen. Wiederholte erbitterte französische Angriffe in Gegend Souchez-Neuville wurden teilweise durch heftige Feng zurückgewiesen. Auch in der Gegend Champagne blieben alle feindlichen Durchbruchs⸗ 3 721 erfolglos. Ihr einziges Ergebnis war, daß der Feind nordwestlich Sou ain in einer Strecke von 100 Metern noch nicht wieder aus unserem Graben vertrieben werden konnte. An dem unbeugsamen Widerstaud badischer Bataillone, sowie des rheinischen Reserve-Regiments Nr. 65 und des westfälischen Infauterie⸗Regiments Nr. 158 brachen sich die unausgesetzt vordringenden französischen Angriffswellen. Die schweren Verluste, die sich der Feind beim oft wieder⸗ holten Sturm gegen die Höhen bei Massiges zuzog, waren 58 Die Höhen sind restlos von unseren Truppen ge⸗

alten.

Die Versuche der Franzosen, bei Fillemorte ver⸗ lorene Gräben zurückzuerobern, scheiterten. Die Ge fangenenzahl erhöhte sich.

In Flandern wurden zwei englische Flugzeuge bheruntergeschossen; die Insassen gefangengenommen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.

Der Angriff südwestlich von Dünaburg ist bis in die Nähe des Swenten⸗Sees vorgedrungen. Südlich des Driswjaty⸗Sees und bei Postawy daneru die Kavalleriegefechte an. Unsere Kavallerie hat, nachdem sie die Operationen der Armee des Generalobersten von Eichhorn durch Vorgehen gegen die Flanke des Feindes wirksam unterstützt hatte, die Gegend bei und östlich von Wilejka verlasseu. Der Gegner blieb untätig. Westlich von Wilejka

wurden unvorsichtig vorgehende feindliche Kolonnen durch Artilleriefeuer zersprengt.

Zwischen Smorgon und Wischnew sind unsere Truppen im siegreichen Vorschreiten. 5

Bei den Heeresgruppen des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern und des Generalfeldmarschalls von Mackensen hat sich nichts Wesentliches ereignet.

Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Die Russen sind hinter den Kormin und die Putilowka geworfen. Oberste Heeres leitung.

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* . Die Lage, die unsere Feinde infolge ihrer Offensive im Westen umgewendet wähnten, hat plötzlich wieder ihr altes Aussehen. Alle Durchbruchsversuche sind abgeschla gen, und nördlich von Loos haben die deutschen Gegen angriffe zur Zurückeroberung eines Teiles des verlorenen Geländes geführt. Die französische Meldung, wonach im Artois deutsche Truppen festgestellt worden seien, die kürz⸗ lich noch im Osten gefochten hätten, beweist, vorausgesetzt, daß die Feststellung den Tatsachen entspricht, daß von deutscher Seite rechtzeitig für eine Verstärkung der West⸗ front gesorgt worden ist. Der französische Ofen, in den der Generalissimus Joffre nur zögernd und den Forderungen des Ministerrates gehorchend das brennende Zündholz ge⸗ halten haben soll, zieht nicht mehr. Er bleibt kalt und rauchend, obgleich der Zar Nikolaus sich beeilt hat, durch ein Glückwunschtelegramm an den Präsidenten der Repu⸗ blik mit seinem Atem die Funken wieder anzufachen.

Es ist schon eine Enttäuschung in den feindlichen Län⸗ dern bemerkbar. Die englische Presse gibt zu, daß noch nichts erreicht worden ist, dieTimes sagt bestimmter: Wir hätten mit dem Angriff lieber noch etwas gewartet, aber die allgemeine Lage verbot einen längeren Aufschub. Die allgemeine Lage verbot den Engländern vermutlich auch, über den Stand der Dinge an der französischen Ostfront der vollen Wahrheit die Ehre zu geben. In derKöln. Ztg. wird nämlich festgestellt, daß die englischen Blätter die amtlichen 5 und französischen Berichte mit Sperr⸗ druck in vollem Wortlaut wiedergeben, dahinter aber die amtlichen deutschen Berichte tendenziös gekürzt. DieKölnische Zeitung führt an, welche bedeu⸗

vollen Sätze in dem von England verbrei⸗ teten angeblichen Wortlaut der deutschen Heeresberichte 22 So wurde dreist die Feststellung unterschlagen, daß e Engländer die Benutzung von Gasen und Stinkbomben versuchten. Auch in der Darstellung über die Angriffsver⸗ schel der englischen Schiffe auf Zeebrügge fehlte der ent⸗ cheidende Satz:Nachdem ein Schiff gesunken und zwei andere beschädigt waren, zogen sie sich zurück. Der Schluß des zweiten Abschnitts des deutschen Berichts meldet?Wir

. hier über 1000 Gefangene, darunter einen englischen Bri mandeur und mehrere Offiziere, gemacht und

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10 Maschinengewehre erbeutet. In der englischen Uebersetzung wird dieser Satz unterschlagen. Was den Engländern aber recht ist, ist den verbündeten Franzosen billig. Der dritte Abschnitt des deutschen

Berichtes, der von dem Vorstoß in der Champagne handelt, schließt:Mehr als 3750 Franzosen, darunter 39 Offiziere, wurden gefangen genommen. Die englische Uebersetzung verschweigt di Satz. Und selbst in der Luft darf es keine englischen Niederlagen geben. Im letzten Abschnitt melden wir:Im Luftkampf hatten unsere Flie⸗ ger gute Erfolge. Ein Kampfflieger schoß ein englisches Flugzeug westlich Cambrai ab. In der Uebersetzung ist das Wörtchenenglisch gestrichen.

Das englische c e e wieder, und

vielleicht werden die alten Klagen über die Zensur dabei wiederkehren. Was das englische Volk jetzt noch nicht er⸗ fahren darf, kann man aus Asquiths neuer Aeußerung ent⸗ nehmen. Obgleich alle Welt darauf verweist, daß in diesen Tagen die Entscheidungen des großen Krieges heranreifen, sagt dieser leitende Minister über die wichtigste innerpoli⸗ tische Frage der allgemeinen Dienstpflicht noch immer nichts! Wieder die alte Vertröstung auf später! Dagegen hat Sir Edward Grey über die verworrene Balkanlage eine englische Leuchtkugel aufsteigen lassen, deren Leuchtkraft unsere Leser an der nachstehend wiedergegebenen Rede des Ministers prüfen können. In seiner vorsichtigen Art erhebt er gegen Bulgarien drohend den Finger: Wir sind gegebenenfalls bereit,unseren Freunden dem Balkan alle Hilfe zu leisten,soweit wir können fügt er hinzu. Ja, wo sind aber gegenwärtig die Freunde Englands auf dem Balkan? Hat man die dortigen Völker nicht mit Drohungen und Ver⸗ sprechungen durcheinandergejagt? Auf einmal soll Deutsch⸗ land dieEinigkeit des Balkans zu stören beabsichtigen. Der große Gleichgewichtspolit ker Grey wird durch seine nach Sofia gerichtete Drohungz ebensowenig erreichen, wie durch andere Manöver. Bekanntlich soll den Regierungen Griechenlands und Rumäniens mitgeteilt worden sein, daß England und Frankreich entschlossen seien, zum Schutze ihres serbischen Bundesgenossen und zur Sicherung ihrer Ver⸗ bündeten Truppen auf dem Balkan zu landen, und zwar hätten danach die Bulgaren mit einer Truppen⸗ Landung in Dedeagatsch, die Griechen mit einer solchen in Saloniki zu rechnen. Nun, die Bulgaren werden sich zu wehren wissen. Der Weg von Dedeagatsch nach Kon stantinopel ist mindestens so dornenvoll wie der über die Dardanellen. Wir glauben nicht, daß es an der bulgarischen Küste überhaupt zu einer Landung kommen wird, höchstens wird die feindliche Flotte eine ihrer beliebtenDemonstra tionen bewirken. Griechenland hat schon Aeußerungen ver lauten lassen, daß es einen Durchzug von Truppen durch sein Gebiet nicht gestatten werde. Will Sir Grey seine Drohung ausführen, so müßte er zuvor Griechenland in den Kampf gegen Bulgarien stürzen. Ob ihm dies gelingt, steht noch dahin. Die Rechnung wird nicht ohne Mitwirkung Rumäniens gemacht werden können. Und dort ist noch keinerlei Klärung eingetreten, die uns bange machen könnte. Ja, wenn mit der Drohung Greys auch aus Bukarest eine Kriegsandrohung an Bulgarien gerichtet würde, könnte man sagen, daß dieEntente das Spiel noch nicht völlig verloren hätte. Aber gerade am Dienstag hat der rumä⸗ nische Ministerpräsident Bratianu die bei ihm erschienene russenfreundliche Opposition belehrt, daß er ihrer Politik nicht zu folgen in der Lage sei.[ Sir Edward Grey wird, wenn das gefürchtete Vorgehen Bulgariens wirklich dem nächst eintreten sollte, in arger Verlegenheit sein, wo der

englische Hilfshebel anzusetzen sei.

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Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.

Wien, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird

verlautbart: 29. September 1915. Russischer Kriegsschauplatz.

Die Lage in Ostgalizien und an der Ikwa ist un⸗ verändert. Feindliche Abteilungen, die westlich von Tarno pol gegen unsere Hindernisse vorzudringen versuchten, wur den durch unser Feuer vertrieben.

Im wolhynischen Festungsgebiet warfen unsere Truppen den Gegner aus allen westlich der oberen Putilowka eingerichteten Nachhutstellungen. Weiter nördlich erstürmten sie das zäh verteidigte Dorf Boguslawka.

Bei den k. und k. Streitkräften in Litauen verlief der Tag ruhig.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Im Stilfser⸗Joch⸗Gebiete vernichtete unser Artilleriefeuer mehrere feindliche Geschütze. Ein auf der Hochfläche von Vilgereuth nördlich des Coston angesetz⸗ ter italienischer Angriff brach nach kurzem Feuergefecht zu sammen. Gegen den Mrzli Vrh und den Tolmeiner Brückenkopf begann gestern nachmittag ein sehr heftiges Ar⸗ tilleriefeuer, dem abends je ein Angriff auf den genannten Berg und bei Dolje folgte. Beide Angriffe wurden an unseren Hindernissen abgeschlagen. Bei Dolje warfen unsero Truppen den durch zerschossene Hindernisse in die Stellungen eingedrungenen Feind sogleich wieder hinaus. Wie immer blieben alle Stellungen fest in unserem Besitz. Im übrigen ging die Gefechtstätigkeit auch an der küsten⸗ ländischen Front über das gewöhnliche Geschützfeuer und Ge⸗ plänkel nicht hinaus.

Südöstlicher Kriegsschauplaz. Keine besonderen Ereignisse.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. **

* Der franzöfische Bericht.

Paris, 29. September.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag:

Im Artois gewannen wir abends und im Laufe der Nacht ruckweise Gelände gegen die Kämme östlich und südöstlich Souchez. In der Champagne s widerstehen die Teutschen auf ihren Auf⸗ nahmestellungen, die durch ausgedehnte und versteckte Draht⸗ hindernisse geschützt sind. Wir erzielten einige neue Fortschritte gegen die Höhe 185 westlich der Navarinfarm und gegen La Justice nördlich Massiges. In den Argonnen führten die gestern vom Feinde mit sechs bis acht Bataillonen ausgeführten erbitterten Angriffe gegen unsere Schützengräben der ersten Linie von La Fille Morte Bolante zu einer ernstlichen Schlappe. Die von uns im Laufe der Nacht ausgeführten Gegenangriffe gestatteten uns, die deutschen Infanteristen aus beinahe allen Stellen zu vertreiben, an denen sie in das Gelände vor unseren Schützengräben eindringen konnten, die von feindlichen Toten belegt sind. Auf der übrigen Front war die Nacht verhältnismäßig ruhig.

Paris, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Abend⸗ bericht vom 28. September:

Am Tage des 28. September fuhren unsere Truppen fort, Fuß um Fuß gegen die Kämme von Souchez zu gewinnen. Es wurden etwa hundert Gefangene gemacht, darunter Mannschaften des vor einigen Tagen von der russischen Front zurückgeschafften Gardekorps. In der Champagne wurden ebenfalls neue Fort⸗ schritte erzielt, besonders nördlich Massiges, wo wir noch 800 Ge⸗ fangene gemacht haben. Der Feind richtete gegen unsere Schützen⸗ gräben in den Argonnen eine heftige Beschießumg, die wir wirksam beantworteten, aber er versuchte keine Infanterieunter⸗ nehmung. Kämpfe mit Handgranaten gestatteten uns, einige Stücke unserer ersten Linie wiederzugewinnen, in der sich der Feind gestern behauptet hatte. Zeitweise aussetzende Kanonade im Prie⸗ sterwald und im Gebiet von Ban⸗de⸗Sapt. 0

Freuchs Bericht.

London, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich) Feldmarschall French meldet:

Die heftigen Kämpfe um Loos und nördlich davon dauern fort. Wir besetzten jetzt das ganze Gelände nördlich des Hügels 70, das am Samstag vom Feinde zurückerobert worden war. Wir machten Fortschritte südlich von Loos und nahmen noch eine Kanone, so daß wir im ganzen 21 erbeutet haben, außerdem stehen noch mehr verlassene Kanonen zwischen unsern Stellungen und denen des Feindes. Die Anzahl der Gefangenen beträgt mehr als 3000. Wir erbeuteten 40 Maschinengewehre, andere wurden durch Beschießung zerstört. Die genommene Linie ist ungewöhnlich stark; sie desband aus einer doppelten Front, in welcher zwei große Verstärkungswerke, die Hohenzollern⸗ und die Kaiser⸗Wil⸗ helm⸗Redoute, eingebaut waren, die ein Netzwerk von Laufgräben und bombensicheren Unterständen von vielen hundert Metern Aus⸗ dehnung umfassen. Die zweite Linie verlief westlich. Im Augen⸗ blick sind wir damit beschäftigt, die dritte Linie anzugreifen.

Unsere Flieger bombardierten heute die Bahnlinie bei Ba vau me,

vernichteten einen Zug und beschädigten die Bahnlinie bei Achiet⸗ le⸗grand.

Ein Glückwunschtelegramm des Zaren.

Paris, 28. Sept. Präsjdent Poincars erhielt fol⸗ gendes Glückwunschtelegramm des Zaren:

Wir erfahren die Nachricht von dem großen, durch die ruhm⸗ reiche französische Armee davongetragenen Erfolge. Ich ergreife mit Vergnügen die glückliche Gelegenheit, Ihnen ebenso wie der tapferen französischen Armee meine heißesten Glückwünsche auszudrücken und meine aufrichtigsten Wünsche für das fernere unerschütterliche Gedeihen Frankreichs. gez. Nikolaus,

Präsident Poincaré hat geantwortet:

Ich danke Ew. Majestät für die Glückwünsche, die Sie an unsere Armeen zu richten geruhten aus Anlaß des schönen Er⸗ folges, den sie mit Hilfe unserer Alliierten über den gemeinsamen Feind davongetragen haben. Ich bitte Ew. Majestät, auch meiner seits meine heiße sten Komplimente entgegenzunehmen für die prächtige Tapferkeit, welche die russischen Truppen tagtäglick bezeugen und welche die ganze Welt bewundert. Poincaré.

Vom russischen Minsterrat.

Petersburg, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ministerrat ist gestern nach dem Großen Haupt- quartier abgereist.

Kuropatkin.

London, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) DieTr⸗ mes erfahren aus Petersburg, daß Kuropatkin das Kommando eines Armeekorps erhalten hat.

Selbstmord eines russischen Verbrechers.

Berlin, 30. Sept. In verschiedenen Morgenblättern wird gesagt: Als russische Truppen vom 270. Infanterie⸗ Regiment am 13. September 1914 in Schillgallen bei Tilsit von den deutschen Truppen angegriffen und schwer bedrängt wurden, haben sie fünf friedliche Einwohner des Ortes aufgegriffen, mit Stricken gebunden, zwei davon durch Bajonettstiche getötet und zwei durch Bajonettstiche ver wundet. Dem fünften Gefangenen gelang es, mit den Ver- wundeten den Russen zu entkommen. Der Urheber dieser schändlichen Roheit, Oberst Wolkom vom 270. Infan⸗ terie-Regiment, ist in deutßsche Gefangenschaft ge⸗ raten und hat, nachdem er zur Entlastung seines Gewissens sein Verbrechen eingestanden hatte, Selbstmord verübt.

Eine Aeußerung Giolittis. Berlin, 30. Sept. DieAugsb. Volksztg. veröffent⸗ licht eine Aeußerung Giolittis, nach welcher es bei der

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