Ausgabe 
(28.9.1915) 228. Zweites Blatt
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Schneeschuhläuferpatrouillen gegangen. Die feinen Spuren ihrer

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Ur. 228 zhoeites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSießener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Dienstag, 28. September 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul-

straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrift-

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Stunden später war er gewesen, und die feindliche Grabarbeit von Wochen war vergeblich aufgewendet worden. Ein Dorfrand erscheint auf der Leinwand. Obstgärten und Weiden senken sich zu einem kleinen Bachtal, alles ist von Schützen⸗ räben zersägt bis an die Ufer des Baches heran, drüben die eindlichen, hüben die unserigen. Ernst tönt die Stimme des Oberbefehlshabers durch die Dunkelheit des Saales:Hier wird nacht gekämpft: in jedem dieser vorderen Gräben fließt chon um diese Stunde Blut. Andächtig schauen alle auf das Bild, das einen Augenblick ruhig stehen bleibt. Dann verschwindet es, und auf dem Leinwandplan erscheint ein Bild, das man sich zuerst nicht erklären kann. Es sieht aus, wie die Polsterung einer alten Seegrasmatratze, die eben neu durchgehechelt wurde. Das ist der einzige Vergleich, der für diesen Anblick der wahn⸗ sinnigsten Unordnung möglich erscheint. Jeder Strich scheint alles, was die übrigen Striche sagen wollen, zu verneinen. Das ist eines der Schlachtfelder des. Hier ist, in Wochen und in Monaten, auf der Höhe Nr. achthundert und so und soviel, eine der Entscheidungen dieses Welt! 2 zwischen gleichen Gegnern erzielt worden. Wir waren die Sieger. Aber wo sind unsere Stellungen, wo die des Feindes?! Der in das Kometenhafte vergrößerte Durchschnitt eines Rotkrautkopfes ist eine geometrische Figur gegenüber diesem Gewirr. Ein Offizier, der an entscheiden⸗ der Stelle mitgekämpft hat, beginnt es zu erklären. Nach zwei Minuten ist er verwirrt. Er weiß bei ganz entscheidenden Stellen nicht mehr, zu welcher Stunde sie uns, zu welcher Stunde sie dem Gegner gehört haben. Die Fliegerphotographie zeigt alles. Aber sie bleibt stumm. 5 Aber nun erzählt sie mehr. Der Luftwanderer hat die Vogesen weit überquert. Nun ist er über einer der großen Festungen des Feindes, er hat seinen nächsten Feind, den gegnerischen Flug⸗ zeughafen gefunden. Der hat auf solchen Besuch nicht gewartet. Denn eben stehen 4 Farman⸗Doppeldecker, kleinen bleichsüchtigen Libellen vergleichbar, zum Aufstieg bereit vor den Schuppen des indes. f dem nächsten Bilde stehen sie noch unbeweglich. ber ein paar Zentimeter von ihnen quillt eine weiße Wolke auf.

Ariegsbriefe aus dem Westen.

Von unferm Kriegsberichterstatter. (unberechtigter Nachdruck, auch auszucsweise. verboben)

Fliegeraufklärung im Hochgebirge. Großes Hauptquartier, am 22. Sept.

Eigentlich hatte ich selbst im Flugzeug aufstei sollen, um an einem Uebungsfluge teilzunehmen. Aber das Wetter, das in der Ebene ziemlich still erschien, war in den Höhen so böig, daß keine Flüge möglich waren. Am folgenden Tage war es noch schlimmer und dann mußte ich nach dem Großen Hauptquartier zurückkehren. Um mich für die Enttäuschung einigermaßen zu entschädigen, lud mich der Oberbefehlshaber ein, auf dem Armee⸗ Oberkommando dem Lichtbildervortrage einer seiner Fliegerabtei⸗ bee e e Deen f

tatt der Propeller icht zu surren, aber wahrscheinlich habe ich bei der Vorführung auserwählt guter Fliegeraufnahmen aus den Tausenden der Bestände mehr zu sehen bekommen, als ich mit ungeübtem Auge aus dem Sitz des Flug⸗ zeuges 4 wahrnehmen können.

Auf der weißen Leinwand erschien ein Flugzeug in dämmern⸗ dem Abendlicht. Es war kein Aufklärungswetter, und die Wolken hingen tief. Aber ein Doppeldecker, der auch in der Dämmerung den ö lösen konnte, der ihm erteilt worden war, schraubte sich schnell in die Höhe, bis über die schwarzen, zer⸗ fetzten Wolken, und verschwand dann über der Vogesenkette.

Einige Aufnahmen aus dem vergangenen Winterfeldzuge folg⸗ ten. Aus über 2200 Meter Höhe gesehen tauchen die Gipfelflächen 1 8 3 7 121 W

Vasens auf. ach wie enpapier zeichnen si ie Höhen ab, die zur den bedeutendsten der deutschen Mittelgebirge gehören, und als dicke schwarze Tuschkleckse, abenteuerlich und verzerrt wie die N 0 5 Massen 5 die Ab⸗

nge Felsklippen, die in ihren Massiven die Sonnenglut des Unser Flieger hat inzwischen durch einen Bombenwurf das Benzin⸗ Sommers noch hinreichend aufgespeichert haben, um den Schnee magazin des Feindes in Flammen gesetzt, und in der allgemeinen abschmelzen zu lassen. Aber zwischen diesen Tintenfleckinseln sieht Aufregung vergessen die seindlichen Löschmannschaften, die Flug⸗ man zarte, spinnenwebartige, wirr verzweigte Netze: hier sind S N Das ist ein Kapitel, bei dem es sich lohnt, zu bleiben. Ganz

zeuge in Sicherheit zu bringen 8 um der Nachwelt den geschichtlichen Anblick zu über⸗ iefern, hat unser Flieger ein feindliches Fort, sehr nahe unserer Westgrenze, aufgenommen. Wenige Minuten später hat er es wieder geknipst, um die Wirkungen seiner Bomben festzustellen. Das Fort ist ein Trümmerhaufen..

Oder ein Angriff auf die Munitionslager der stärksten fran⸗ 0 f um zösischen Westfestung. Der französische Generalstabsbericht hat mit⸗ Sommer durch geschickte Laubverkleidung kaum festzustellen, läßt geteilt, daß dabeieiniges Pulver verbrannt sei. Es macht im Schmee jede einzelne seiner Hütten erkennen. Und mehr als allerdings ein wenig so den Eindruck. Auf der ersten Aufnahme das. Beim Vergleich der täglich aufgenommenen Photographien nach dem Bombenabwurf sieht man inmitten der großen Stadt

Skier malen sich dem Flieger droben, der sie mehr als zwer Kilo⸗ meter hoch überquert, scharf und deutlich ab.

Ueberhaupt, der Schmee bewährt sich hier als der große Ver⸗ räter, als den ihn der Jäger kennt. Eine Bergbahn des Feindes, die im Sommer und noch als das Laub fiel, so gut versteckt lag, erscheint sofort wie auf einem Architektenplan, als der erste Schnee fällt. Ein französisches Lager auf einer der Hochflächen, im

sieht man welchen Kampf der hier oben auf einen zwecklosen Posten] eine quellende weiße Rauchwolke, die auf jeder folgenden Auf⸗ estellte Feind gegen den Winter kämpft, wie er jeden Tag neue nahme immer größer wird. Auf der letzten der Aufnahmen sieht Bee im den Schnee schaufeln mußte, die grofenteils am folgenden 7 Stadt und Festu

olke.

man von der nichts mehr als eine

schon wieder verwischt und verweht waren. 8 einzige weiße Das mußte allerdingseiniges Pulver Die Vergleichung zweier Bilder, die an verschiedenen Tagen gewesen sein. Danach ist der Flieger beruhigt nach Hause ge⸗

von derselben Stelle mmen sind, ist überraschend und flogen.

lehrreich. Auf den ersten flüchtigen Anblick scheinen sie sich voll⸗Das sind so die beliebtesten Ausflugsorte unserer Flieger,

kommen zu gl Aber beim genauen Nachmessen hat man sagt gemütlich der Oberkommandierende.Im Fri hatte man

den Punkt en auf den es andere Ausflugsorte.

122 dem verwirrenden ist ein Strich, der

Und es i i 5 4 N erscheint zum Schlusse ein Bild, welches einen der

e Reigen Stadtleute und Do im Sountags putz dre und gleich darauf kommt dasselbe Bild, aus Fliegerhöhen gesehen, wie es min aussieht, wo auf dem Tanzplatz eine schwere Batterie⸗ stellung mit Laufgräben und Unterständen ge worden ist, wo 2 n 1. 1 anz ausspielt, mehr als einem le e Tänzer ruft. W. Scheuermannn, Kriegsberichterstatter. macht worden ist, dieselbe 0 1 gslos verlassen in dem N U viel verwirrteren Schützengräben liegen. zeichnet eine vielen, der unzählbaren Tragödien des Krieges, die vielleicht viel Blut gedostet haben und von denen niemand reden wird.

Man muß scharf zusehen und man findet, daß die Flieger⸗ photographien, die zuerst so rätselhaft in einer fremden Sprache zu reden schienen, igen, der sie anhören will, mit weit⸗ geöffnetem Munde die größten Geheimnisse zuschreien. Da hatten . Franzosen jn einem unterirdischen Wege unter unsagbaren

hen kilometerweit herangrarbeitet. Plötzlich widerstand der glas⸗ harte Felsen ihrem Schweiß. Es war nur eine schmale Ader. Vielleicht 12, vielleicht 15 Meter breit. Aber da kann man unter der Erde nicht durch, man mußte einen oberirdischen Weg bauen, den man so gut, als es irgend anging, zudeckte. Aber wie das große Auge eines Fixsternes, das sich jede Nacht auf dieselbe] wegen kleine Erdfläche richtet,

Gießener Strafkammer.

th. Gießen, 28. Sept. Die letzten Strafkammerverhandlungen hatten gestern ge⸗ wissermaßen am Vormittag ein Spezialprogramm. itt wurde nur eine große Sache mit zahlreichen Zeugen v 2 Beim ersten Teil am Vormittag handelte es sich um mehrere Seuchen vergehen, 1755 deren nicht weniger als 18 Angeklagte, Männlein und Weiblein, große und junge Burschen beschuldigt wurden. Der Viehhändler N. St. von Friedberg war von der Strafkammer zu einer Geld⸗ strafe von 30 Mk. eptl. 6 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er die Vorschriften zur Seuchenverhütung in feiner Eigenschaft als Viehhändler außer acht gelassen, und weil er in Dorheim Klauen⸗ vieh ohne polizeiliche Erlaubnis eingeführt hatte, obgleich dies der in dieser Gemarkung ausgebrochenen Seuche verboten war. Das Reichsgericht hat eine Revision gegen dies Urteil für begründet erklärt und dasselbe aufgehoben. In der neuen gestrigen 3 m

so ging die weitsichtige Zeiß⸗Linse des Fliegerapparates jeden Tag über dieselbe Fläche, und nach jener Nacht der heimlichen Arbeit sah sie den kleinen Strich, den der gedeckte Weg darstellte und verriet ihn unserer Artillerie. Ein paar

wies St. nach, daß er sein Gewerbe als Viehhändler ch der Maul- und Klauenseuche um Friedberg

hat sich um das ganze Geschäft weiter ni üm 5 raf kammer war der Ansicht, daß unter diesen Umständen eine Straf⸗ barkeit überhaupt nicht gegeben war und sprach den bisher un⸗ bestraften Angeklagten von Strafe und Kosten frei. Harl W. und 16 Genossen von Nieder⸗Ohmen hatten sich zu verantworten, weil sie, obschon in Nieder⸗Ohmen die Maul⸗ und Klauenseuche ausgebrochen war und Gehöftsperre bestand, mit ihren Kühen nach dem Acker gefahren waren, um Kleefutter zu holen. Die An⸗ geklagten entschuldigten ihr Tun damit, daß sie sich in großer Notlage befanden. Sie hatten für ihre Tiere kein Futter im Haus; sie wollen auch nicht gewußt haben, daß der Bürger meister ihnen vom Kreisamt eine Erlaubnis zum Futterholen hätte er⸗ wirken können. In der Gemeinde seien übrigens alle Landwirte aufs Feld gefahren, Pferde habe man nicht gehabt. Selbst der Ortsgerichtsmann und der Gemeinderechner hätten mit Kühen Klee vom Acker geholt, und da dies die Männer der Obrigkeit getan haben, hätte man ein Unrecht darin nicht gesehen. Der Ge⸗ richtshof sah den Fall sehr milde an, mußte aber nach Lage des Falles strafen und erkannte gegen jeden der 17 Angeklagten auf eine Geldstrafe von 1 Mark evtl. 1 Tag Haft, wozu allerdings noch die Kosten kommen.

Gefährdung eines Eisenbahntrans ports.

In der Nacht vom 9. zum 10. November v. Is. gegen 2 Uhr fuhr der Postzug von Frankfurt a. M. nach Kassel unterwegs innerhalb der Station Friedberg in einen auf dem Durchgangsgleis stehenden Wagen park, der 5.30 Uhr in der Frühe als Personenzug nach Marburg abrollen sollte. Menschen wurden bei dem Anprall nicht verletzt, wohl aber entstand ein Materialschaden von 1800 Mark. Für diesen Vorfall wurden verantwortlich gemacht der Eisenbahn⸗Unterassistent Hch. Kl. von Bruchenbrücken und der Eisenbahnassistent Ernst Hch. W. von Friedberg, die als Fahrdienstaufseher auf den Stellwerken 3 und 2 die allein verantwortlichen Beamten für die Sicherheit des Ver⸗ kehrs auf Bahnhof iedberg hatten. Die Angeklagten ver⸗ teidigten sich damit, daß die Verantwortlichkeitsbezirke auf Station

men mit dem Postz demienigen Teil des Bahnhoßs stand, der zu seinem Bezirk ge⸗ hört; er habe auch kurz vorher, ehe der Postzug einlaufen konnte, von der Stellwerksbrücke aus die Strecke übersehen und dabei beobachtet, daß das Gleis frei Es müsse das Verkehrshinder⸗ auf Gleis geschoben worden sein. wohl gewußt, daß beim 5 in das Durchgangsgleis ge⸗ i darauf wieder herausgelom⸗ e tun. Er habe angenommen, es

ngterzug,

eine Beltlang eingestellt ge⸗

Mal wieder gefahren worden;

Nacht

andern en einige Tage vorher die rchfahrt 5 auch bekannt 2 ni inuten, hat. Es war i jener Nacht sehr nebelig, außerdem

waren sämtliche elektrischen Lampen des Bahnhofs wegen der Flieger⸗ gefahr damals darnfel. a ae eee

Bahnkörpers überfehen, dabei stand hindernis mindestens 700 Meter 4 seiner Dienst

00, Mark Geldstrafe beantragt. Der Vorsitzende, Landgerichts⸗ direktor Schmeckenbecher führte bei Begründung des Urteils aus,

5 sich und ohne Bitterkeit. Der Erinn Glücks wird Leonies Einsamkeit mit milder Wärme bis ans Ende begleiten. Dieser rot aufflammende und verglühende Spätherbst der reifen Frau, das ist der Inhalt der schildernden Plauderei. Ein Stück dieser Art, das reich ist an geheimen Klippen und heiklen Punkten die Sil Vara nicht immer zu vermeiden wußte bietet der Darstellung keine leichte Aufgabe. Solche Auseinander⸗ setzungen sind leichter zu lesen, als zu sprechen oder gar zu spielen. Das Komödienhaus unterzog sich der zweischneidigen Aufgabe mit Können und Geschmack. ZJelene Fehdmer als Leonie, in Erscheinung und Ton den Wünschen des Autors entsprechend, gab einer gut charakterisierten Gestalt empfundenes Leben; gleich wirksam in dem Stampfen und Rauschen des befreiten Liebes⸗ Fin ls und in dem lächelnden Schmerz der Entsagung Bruno rastner als schwanker, aumworbener Jüngling hielt ziemlich sicher die einfache Mitte. Als Nichte Grete fiel Fräulein Agda Nils son sehr vorteilhaft auf. Schlank, biegsam, schmiegsam, zugleich bewußt ihres Gestaltungsvermögens, belichtete sie den Abend mit einer schauspielerischen Elastizität, der die allerbesten Möglichkeiten offen stehen. Das ziemlich vollzählig erschienene Premierenpublikum spendete temperierten Beifall.

Eine Jahrhundertausstellung deutscher Kunst in Leipzig. Aus Leipzig wird uns geschrieben: Der Leipziger Kunstverein hat sich, zugleich im Dienste der Wohltätigkeit, durch eine Ausstellung deutscher Kunst des Neun⸗ zehnten Jahrhunderts betätigt, die viele wertvolle Werke be⸗ kannter und wenig bekannter Meister aus Leipziger Privatbesitz vereinigt. Es ist dies in einer Zeit wie der jetzigen ein dankens⸗ wertes Unternehmen. Die Ausstellung wird wegen der Fülle des zur Verfügung stehenden Materials in zwer Teile zerlegt. Der erste, der jetzt der Besichtigung offensteht, gehört den ersten Jahrzehnten des Neunzehnten Jahrhunderts an, und vornehmlich ist hier die Schule der Nazarener berücksichtigt. Nur im Ein⸗ gangssaale wird eine Gruppe neuerer Meister zusammengestellt. Im übrigen bleiben die späteren Jahrzehnte des Neunzehnten

Berliner Theaterbrief:Die Frauvonvier⸗ zig Jahren. Sil Vara, der Autor des dreiaktigen Schau⸗ spielsDie Frau von vierzig Jahren, das Samstag am Komödienhaus zum erstenmal über die Bretter ging, ist ein geschickter Journalist und ein kluger Schriftsteller Auch auf der Bühne ist er kein Fremder: ein oder zwei lebendig ge⸗ staltete Komödien und die Uebersetzung und Bearbeitung moderner 9 Gesellschaftsdramatiker haben sich, ohne geradezu auf⸗ zufallen, immerhin vorteilhaft bemerkbar gDie Frau 5. Jahren 7 7 1 7 57 auf einem, N 3

ege in seiner ganzen sympathisch ruhigen, nachdenklichen Art. Der Titel des Dreiakters der nebenbei bemerkt erfreulicherweise nichts mit dem gleichnamigen und über Gebühr bekannt ge⸗ wordenen Roman der Karin 1 hat läßt ein Problemstück erwarten. Und auch die technisch etwas unverhüllte Exposition scheint diese Vermutung zu rechtfertigen. Beim Ver⸗ 2 n der hübsch gewendeten Dialoge aber wird man bald gewahr,

1 es sich nicht um Feuer und Wasser, um das schroff gegenein⸗ ander gestellte Ja und Nein einer hartnäckig ausgeschürften Ten⸗ denz It, sondern um eine schildernde Plauderei zwischen weich, aber sicher umrissenen Personen, um ein 1 75 ge, das nichtwirksam genug ist, um platt zu sein, zugleich aber nicht langweilig genug, um sich in modern⸗gesellschaftlichen Tiefen zu verlieren. Da ist Leoni, die Frau von vierzig Jahren, die in gefährlicher Friedlichkeit mit ihrem 20jährigen Pflegesohn lebt. Zwanzig Jahre ist ein Alteraufgestapelter Lebenslust, aber dierzig Jahre bei einer Frau, die noch kein Mann zur Frau erweckt hat sind nicht minder reich an Strömen des Blutes. Felix 13 59 und Leoni ist es zum zweiten Male: am Ende des ersten es sagen sie einander die erwarteten Liebesworte. Im zweiten Aufzug trägt Leoni weiße Kleider, auch ihr Herz und ihre Seele leuchten im Weiß des späten und ach so jungen Glücks. Aber eine Frau von vierzig Jahren kann einen Knaben wohl fesseln, doch niemals halten. Besonders nicht, wenn die Jugend die spät: te kommt, in Gestalt der 17 jährigen Nichte Grete. Leonie ver⸗] Jahrhunderts dem zweiten Teil der Ausstellung vorbehalten. Da 5 Grete werden ein Paar. Nun erst ist die Frau ist Ernst Zacharias Platner und Johann Christian Rein⸗ n wirklich vierzig Jahre alt. Doch diese[ hart, die in enger Beziehung zu Leipzig standen. Platners

.

Kunst und wissenschaft. Lösung und dies ist der sympathische Wert, geht ohne Pathos] großangelegtes FiqrrengemäldeVertreibung

der Hagar zeigt

innerungsschimmer genossenen] typisch den italdenischen Einfluß. Von Philipp Veit sind in⸗

teressante Früharbeiten zu sehen, soJudith mit dem Haupt des Holofernes. Dann fällt vor allem eine wunderbar beseelte Fdeal⸗ Landschaft auf, ein Idyll darstellend. Eine Bäuerin kniet wie in Andacht; ihr Kind liegt neben weidenden Lämmern auf der Wiese. Ein reitender Ritter schaut zurück nach dem lieblichen Bilde. Die Komposition der Gestalten ebenso wie die Tönung der Farben ist von wundersamer Innigkeit. In der Beobachtung des Ermzelnen ist etwas von der Liebe zund kerndeutschen Art Dürers lebendig. Der Meister, der dieses Werk schuf, heißt Ferdinand von Oli⸗ vier und lebte von 17851841 in Dessau, Wien und München. Sonst erscheinen noch besonders bemerkenswert das Bildnis cines Jägers von dem Leipziger Alademielehrer G. A. Hennig, ein prachtvoll qusgeführtes Brustbild des Freiherrn Max Speck von Sternburg von dem Oesterreicher Friedrich vun Amerling, Jof. Karl Roeßlers Bildnis einer Dane mit Kind, ferner das Portrait von Christiane Krug von Nidda in trefflicher und beseelter Abtönung von dem Dresdener Carl Wilhelm Julius Sattler. Aus dem vielen Wertvollen trat in besonders tiefer Wirkung Waldmüllers Beethoven hervor. Dr. F. S.

Deutsche Kunst in Polen. Uns wird geschrieben: Das Deutsche Theater in Lodz, das seit anderthalb Jah⸗ ren geschlossen war, eröffnet in den nächsten Tagen unter der Direktion Walter Wassermann nunmehr definitiv seine Pfor⸗ ten. Als Eröffnungstag ist Hindenburgs Geburtstag, der 2. Ok⸗ tober, vorgesehen, als Eröffnungsvorstellung geht das erfolg⸗ reiche LustspielAls ich noch im Flügelkleide.. in Szene, ein⸗ geleitet durch einen der besonderen Bedeutung des Tages ange⸗ paßten Prolog. Mit der Wahl des Stückes entspricht die Direktion einem Wunsche der deutschen Behörden nach heiteren Gaben, denen später auch klassische und modern⸗literarische Werke folgen sollen. Der Berliner Schriftsteller Erich Köhrer, der seit emigen Wochen zur militärischen Dienstleistung eingezogen war, ist von der vorgesezten Behörde für die nächsten Monate beurlaubt wor⸗ den, um bei der Organisation der Deutschen Theater in Lodz und Warschau tätig zu sein.

fir de 1 ein fand kompliziertes.

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