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Nr. 214 Der Sleßener Anzel erschemt täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; weimal wöchentl. Kreis- latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); Pieisgaldlcde Seligen wir r. Fernsprech ⸗Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.
Erstes Blatt
Gießener
General⸗Anzeiger fin
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei n.
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105. Jahrgang 4
jährl. Mk. 2.20;
Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz.
Oberhessen
Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.
Samstag, I. September 1015
Bezugsprei⸗ monatl. 75 Pf., viertel- durch
Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz: für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.
Fortschritte in Ost und Weft. Ein Luftangriff auf Baltisch⸗Hort. Die deutsche Aufklärung de
10. Sept.
GTB.) Großes Hauptquartier, (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz.
Nördlich von Souchez wurde ein vorgeschobener fran⸗ zösischer Graben genommen und eingeebnet. Die Besatzung
fiel bis auf einige Gefangene im Bajonettkampf.
In den Vogesen wurden nahe vor unseren Stellun⸗ gen am Schratzmännle und Hartmannsweilerkopf liegende Gräben gestürmt und dabei zwei Offiziere und 109 Mann gefangen genommen, sechs Maschinengewehre, ein Minen⸗
werfer erbeutet.
Ein Gegenangriff am Schratzmännle wurde blutig ab⸗
geschlagen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
In Gefechten südöstlich von Friedrichstadt und bei Wilkomierz machten unsere Abteilungen(ge Hundert Gefangene; sonst ist die Lage zwischen der Casee und dem
Njemen bei Merecz im wesentlichen unverändert.
5 Bei Skidel und am Zelwianka⸗-Abschnitt ist der Kampf
noch im Gange.
Die Höhen bei Pieski(an der Zelwianka) wurden ge⸗ stürmt; im Laufe des Tages sind 1400 Gefangene ein⸗
gebracht und 7 Maschinengewehre erbeutet.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
Die Heeresgruppe ist im Angriff gegen feindliche Stel⸗
lungen an der oberen Zelwianka und östlich der Rozanka. Olezancka ist genommen.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Mackensen.
Unfere Verfolgungskolonnen nähern sich dem Bahnhof Kossow. An der Straße von Kobrin—Milowidy(beiderseits
der Bahn nach Pinsk) erreichten wir die Linie Tula⸗ tycze— Owzicze.
Südöstlicher Kriegsschauplatz. Deutsche Truppen warfen die Russen aus Bueniow (am Sereth südlich von Tarnopol). Südweftlich von Bucniow und bei Tarnopol sind heftige feindliche Angriffe ab⸗
geschlagen. Oberste Heeresleitung.
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Auch nach dem neuesten deutschen Tagesbericht sind an
der gesamten Ostfront wieder kleinere oder größere Fort- schritte gemacht worden. Wir in der Heimat Zurückgeblie⸗
benen, die wir voll Bewunderung über die Riesenleistungen
unserer Heere sind, haben uus keine eigenen Zeitmaßstäbe
zurechtgemacht, nach denen Hindenburg sein Werk krönen soll. Riga, Dünaburg und Wilna werden und müssen wohl fallen, aber wir haben das freudige Vertrauen, daß diese Voll- endung der Siege im Osten ganz zu dem von unserer
Heeresleitung bestimmten Zeitpunkt sich ereignen wird. Wir vermögen eben die vielfachen Wechselbeziehungen nicht zu
überblicken, auf die unsere einheitliche Kriegführung unter allen Umständen sich einrichten muß.
Das neue Zarenkommando setzt seine Schwindeltaktik fort. Es wird auch bei der Lektüre der nachstehenden Schön⸗ malereien und amtlichen Gefechtsberichte sehr klar, daß die
verängstigten Soldatenhorden getröstet und angefeuert wer⸗
den sollen. Daher solche Sätze wie:„Die Deutschen halten
unseren Bajonettangriffen nicht stand“, oder„die uns treu
verbündete französische Armee beschießt seit 14 Tagen
mit furchtbarer Heftigkeit die deutsche Front“. Dieser Bericht
ist also nur für die eigenen verzagten Gemüter bestimmt. 5.
Der mit Spannung erwartete deutsche amtliche Bericht über den Untergang der„Arabic“ ist heute veröffentlicht worden. Es war danach wirklich ein deutsches Unter- seeboot, dem das Schiff zum Opfer gefallen ist, aber
unter Umständen, die keinen Schatten auf das deutsche Vor⸗ 27 werfen, sondern im Gegenteil die Gefahren der en g⸗ ischen Taktik neu beleuchten. Der betreffende deutsche 3 erklärt, in der Ueberzeugung gehandelt zu„daß die„Arabic“, wohl um das deutsche U-Boot zu rammen, in feindlicher Absicht auf dieses zugefahren sei. Er verweist auch darauf, daß kurze Zeit vorher ein an- deres englisches Passagierschiff, obgleich es weder ange⸗ griffen noch angehalten worden war, schon von weitem Schüsse abgegeben hat. An diesen Feststellungen hat Präsident Wilson seinen Standpunkt zu revidieren.„Arabic“ fühte kleine Flagge und kein Neutralitätsabzeichen; es wäre gut, das kann nur wiederholt werden, wenn amerikanische Bürger solchen Schiffen fern blieben. Ob die„Arabic“ auch bewaff— net war, ist noch nicht mit Sicherheit festgestellt. Die deutsche Regierung bestätigt nochmals ihren Standpunkt, daß Schiffe ohne Warnung nicht angegriffen werden sollen, wonach auch der Versenker der„Arabic“ sich gerichtet habe. Der Sturm in der englischen und amerikanischen Presse wird sich also legen müssen. Daß Deutschland keine Ent⸗ 0 ädigung zu leisten gadenkt, ist begreiflich und wohl auch
elbstverständlich. Die„Arabic“ ist ja keiner feindlichen Ab- icht, sondern nur einem verhängnisvollen Vorfall, wie er ich auf Kriegsgebieten ereignen kann, zum Opfer gefallen. nd wer will nachweisen, daß die Torpedierung des Schiffes notwendig war, daß es nicht wirklich die Absicht ehabt Hat, das deutsche U-Boot zu rammen? Die
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1 deutsche Regierung hat angeboten, Peer Frage, die sich dann auch um einen Entschädigungsanspruch Amerikas handeln muß, sich einem Schiedsurteil 5 unterwerfen. Wir sind nun gespannt darauf, von welcher Gesinnung her Herr Wil son den Fall zu behandeln gedenkt. Seine neueste Ent- scheidung Oesterreich-Ungarn gegenüber, dessen Botschafter, Dr. Dumba, er nicht mehr empfangen ill, verrät nicht viel Loyalität. Dr. Dumba hatte bekanntlich seine Landsleute gewarnt, in amerikanischen Waffenfabriken zu arbeiten und auf diese Weise die Interessen des nationalen Heimatsstaates zu schädigen. Ob er mehr getan hat, als dies, ist mindestens nicht erwiesen. Nach der„Frankf. Ztg.“ lautet die Note, die der amerikanische Botschafter in dieser Frage in Wien überreicht hat, ihrem Inhalt nach wie folgt:
Die amerikanische Note an Oesterreic-Ungarn wegen des Botschafters Dr. Dumba sagt, daß Dr. Dumba seiner Regierung Vorschläge gemacht habe, in den amerikanischen Fabriken, die mit der Anfertigung von Kriegsmunition best äftigt sind, Streiks bervorzurufen. Die Regierung erhielt diese Mitteilungen durch die Abschrift eines Briefes des Botschafters an seine Regierung. Der Ueberbringer des Briefes war ein amerikanischer Burger, der mit amerikanischem Paß reiste. Der Botschafter benutzte diesen amerikanischen Bürger Archibald, um offizielle Depeschen an die österreichisch-ungarische Regierung gelangen zu lassen. Nachdem Dr. Dumba erklärt hat, eine Art Verschwörung einge leitet zu haben, um die gesetzmäßigen ner in den Vereinigten Staaten ihrer Arbeiter zu berauben und den gesetzmäfi⸗ gen Handel zu stören, und nachdem er auf diese Weise die diplo⸗ matische Sitte verletzt hat, indem er einem amerikanischen Bürger, der durch einen amezjkanischen Paß geschützt war, als Ueberbringer
reich-Ungarn benutzte, beauftragt mich der Präsident, Ihnen mit⸗ zuteilen, daß Dr. Dumba für die Regierung der Vereinigten Staaten als Botschafter seiner Kaiserlichen und Königlichen Majestät in Washington nicht länger zugelassen wer⸗ den kann. In der Hoffnung, daß die Ka iche und König⸗ liche Regierung begreifen wird, daß der Regier! er Vereinigten Staaten kein anderer Weg offen stand, Abberufung Dumbas wegen seines unzulässigen Retro fordern, be⸗ zeugt die Regierung der Vereinigten Staaten ihr tiefes Bedauern, daß ihre Handlungsweise notwendig geworden ist, und sie ver⸗ sichert Oesterreich aufrichtig, daß sie die herzlichen und freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Ver⸗ 2— 9 Staaten und Oesterreich-Ungarn dauerhaft fortzusetzen wünscht.
Das Schriftstück soll nach einer Reuter⸗Meldung so lauten. Jedenfalls ist es eigentümlich, daß Präsident Wilson
sohne vorherige Erörterung mit den Wiener amtlichen Stel-
len diese Entscheidung gefällt hat. Allerdings wäre ihm dort vielleicht ein Standpunkt entgegengetreten, mit dem er sich in peinlicher Weise hätte auseinandersetzen müssen. Der Bot- schafter Dr. Dumba hat unseres Erachtens durchaus ein— wandfrei berechtigte Interessen seines Landes vertreten.
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Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
Wien, 10. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 10. September 1915. 1
Russischer Kriegsschauplatz.
Die im Raume westlich von Rowno kämpfenden russi⸗ schen Kräfte wurden über die Stubiek-Miederung geworfen. Unsere von Zalosce vorbrechenden Truppen drängten den Feind in der Richtung gegen Zbaraz zurück. Bei Tarno— pol schlugen österreichisch-ungarische und deutsche Bataillone mehrere russische Angriffe zurück. Unsere Verbündeten nah— men das Dorf Bocniow. Westlich des mittleren Sereth traten neuerlich feindliche Verstärkungen ins Gefecht; es wird dort heftig gekämpft. Oestlich der Sereth-Mündung und an der bessarabischen Grenze herrscht Ruhe. l
Die k. k. Streitkräfte in Litauen haben das weite Sumpf— gebiet der Jasiolda und der Orla vollends überschritten und kämpfend den Raum östlich von Rozany gewonnen.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Gestern nachmittag und abends griffen die Italiener den Tolmeiner Brückenkopf mehrmals heftig an, wurden jedoch jedesmal unter schweren Verlusten an unseren Hindernissen zurückgeschlagen. Im Abschnitte ron Doberdo wiesen unsere Truppen die üblichen Annäherungsversuche des Feindes wie immer ab. Die Gesamtlage ist unverändert.
Der Stellvertreter des Chefs des Generaistabs * v. Höfer, Feldmarschalleutnant.
Ereignisse zur See. Gestern wurde bei einer Rekognoszierung unser Tor— bedoboot„5 von einem feindlichen Unterseeboot tor⸗ pediert und am Bug beschädigt. Das Torpedoboot ist in
seinen Basishafen eingelaufen. Flottenkommando.
Baltischport beschossen!
Berlin, 10. Sept.(WTB. Amtlich.) In der Nacht vom 9. zum 10. September hat eines unserer Marineluft⸗ schiffe auf den russischen Flottenstützpunkt Baltisch⸗ port und auf seine Eisenbahnanlagen eine Anzahl Bom— ben mit gutem Erfolg geworfen. Das Luftschiff wurde vom Gegner mehrfach wirkungslos beschossen und ist unbeschädigt zurückgekehrt. Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Die Verfolgungskämpfe im Osten.
Berlin, 11. Sept. Die Russen setzen, wie das„Ber— liner Tageblatt“ meldet, mit starken konzentrierten Kräften die Gegenangriffe auf der Serethlinie fort, ohne durch ihre numerische Ueberlegenheit mehr als voxüber—
offizieller Depeschen durch die Linien des Feindes nach Oester⸗
S„Arabic“⸗-Falles.
gehende Teilerfolge zu erzielen. Die Verfolgung der fliehen⸗ den russischen Truppen durch die Sümpfe auf Pinsk zu schreitet rüstig fort. An mehreren Stellen versuchte nach einer Meldung des„Az Est“ der Feind, den Vormarsch auf⸗ zuhalten, wurde aber nach heftigen Kämpfen aus allen be⸗ zogenen Stellungen geworfen. Die fliehenden russischen Heere haben die Schleusen der durch die Sümpfe führenden Kanäle geöffnet, um den siegreich fol⸗ genden deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen ein Hindernis entgegenzustellen. Das trockene und schöne Wetter vereitelte diesen Plan, und der Regen, der jetzt fällt, kann den Verbündeten nicht mehr schädlich entgegenwirken. Der staunenswert funktionierende Mechanismus der Kriegfüh⸗ rung überbrückte, wie das ungarische Blatt sagt, alle Hinder— nisse.— An der bessarabischen Grenze gewinnen, wie der„Pester Lloyd“ schreibt, die Kämpfe an Heftigkeit. Es
scheint, daß die Russen die bessarabische Grenze mehr aus
politischen als aus strategischen Gründen zu halten sich be—
mühen. Der russische Bericht.
Petersburg, 10. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der Große Generalstab teilt unterm 9. September mit: In der Gegend von Rsiga und bei Friedrichstadt keine wesentliche Ver⸗ änderung. Zwischen Jakobstadt und dem Flusse Daudes werden 15 Kämpfe mit gleicher Hartnäckigkeit fortgesetzt. Die Deut⸗ schen fen nicht standhalten.() Der Feind unternimmt eine Reihe Angriffe, deren Zweck augenscheinlich ist, uns auf das rechte Dünaufer zu werfen. In der Richtung auf Düna⸗ burg bei Abeli heftiges Gewehrfeuer. Auf den Straßen nach Wilna ist die Lage im allgemeinen unverändert. Der Feind verschanzt sich kräftig. In der Richtung südöstlich Grodno, bei Skidel und längs des linken Njemenufers, in der Gegend der Mündung des Roß, hielten unsere Truppen am 8. Septem⸗ ber durch heftige Kämpfe die Offensive des Feindes auf und brachten ihm Verluste bei. Der Feind macht besonders heftige Angriffe gegen unsere Front in der Gegend von Skidel. Wir setzen unseren Rückzug vollkommen planmäßig fort und gehen von Zeit zu Zeit zu Gegenangriffen über, so bei Kochowo, west⸗ lich Skidel. Die Deutschen fliehen vor unseren Gegenangriffen. Zwischen Niemen und Pripjet ziehen sich unsere Trup⸗ pen in die Gegend zwischen dem Fluß Selwjanka und dem Flecken Roshany zurück. Am linken Ufer des Pripjet hielten wir eine starke Offensive feindlicher Infanterie und Kavallerie auf der Straße Kamenkaschirski—Pinsk auf. Auf den Straßen nach Rowno hielten unsere Truppen am 8. September nach einem Kampf mit bedeutenden feindlichen Kräften, die an der Eisenbahn Olyka—Klevan vorrückten, das Vordringen dieser Kräfte in ihren Stellungen oberhalb der Flüsse Stubel und Ikwa auf. Der Feind unterstützt seine Offensive durch heftiges Ar⸗ tilleriefeuer, dem unsere Truppen tapfer standhalten. Am Se⸗ reth in der Gegend südwestlich Trembowla entwickelt sich unsere Offensive immer weiter. Sie führte am 7. September zu einem Erfolg, der dieselbe Bedeutung hat wie derjenige bei Tarnopol. Wir mächten hier am 7. und 8. September 150 Offiziere und 7000 Soldaten zu Gefangenen, erbeuteten drei Kanonen und 36 Maschinengewehre. Unsere Verluste sind unbedeutend. Ant 8. September abends zog sich der Feind eiligst zurück, von uns bis jenseits der Strypa verfolgt. Insgesamt brachte uns unser Erfolg seit dem 3. September an der gesamten Serethfront 383 Offiziere, über 17000 Soldaten, 14 schwere und 19 leichte Geschütze, 66 Maschinengewehre und 15 Artillerie munitionswagen als Beute ein. Insgesamt führen unsere Heere fest entschlossen die planmäßigen Bewegungen durch und sehen vertrauensvoll der Zukunft entgegen. Die uns treu ver⸗ bündete französische Armee beschießt seit vier- kehn Tagen mit furchtbarer Heftigkeitdiedeutsche Front.(ö)
Die Zarenfamilie in der Krim.
Berlin, 9. Sept.(Zens. Bln.) Aus Kopenhagen mel⸗ det die„Tägl. Runsschau“: Die Petersburger Agentur meldet amtlich die bevorstehende Erholungsreise der Zarenfamilie nach der Krim.
Das Programm der russischen Duma.
Paris, 10. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Mel⸗ dung des Petersburger Korrespondenten des„Temps“ haben die gemäßigten Parteien der Duma mit den liberalen Elementen des Reichsrates eine parlamentarische Gruppe mit einem fort- schrittlichen Programm gebildet. Die Gruppe, die eine sehr starke Mehrheit in der Duma hat, nämlich die nationalistischen Progressisten, die Zentrumsvartei, die beiden Fraktionen der Okto⸗ bristen, die Progressisten und Kadetten und im Reichsrate das Zentrum, die Unabhängigen und die akademische Gruppe umfaßt, hat nach Verhandlungen, die zwei Wochen in Anspruch genommen haben, folgendes Programm in angenommen:
J. Bildung einer geeinigten Regierung aus Persönlichkeiten, die das Vertrauen des Landes genießen; 2. Erneuerung des Personals der Provinzverwaltungen; 3. Prak- tische Befolgung einer Politik, um die Einigkeit herzustellen“ und Streitigkeiten zwischen den Nationalitäten und Klassen im Reiche zu unterdrücken; 4. Befreiung und Wiedereinsetzung in ihre Rechte von wegen politischer und religiöser Gründe Bestraften; 5. So- fortige Prüfung einer Autonomie Polens; 6. Aufhebung der Aufenthaltszonen der Juden; 7. Eine friedliche Politik gegenüber
Finnland; 8. Wiederherstellung der kleinrussischen Arbeiterpresse;
9. Wiederherstellung der Arbeitsverbände; 10. Rechtliche Gleich⸗ stellung, der Bauern; 11. Endgültiges Alkoholverbot.
Der Berichterstatter des„Temps“ erklärt: Die Bildung eines liberalen Blocks ist kennzeichnend für die Stimmung des Landes, Rußland wolle sich von allen Fesseln befreien, die bisher einen Teil seiner Kräfte brach gelegt hätten.
Kabinettswechsel in Rußland.
London, 10. Sept.(WTB. Nichtamtl.) Die„Times“ meldet aus Petersburg: Die Ernennung des Kriegs- ministers Poliwanow zum Ministerpräsidenten steht nahe bevor. 8
können unseren Bajonett⸗Gegenangrif⸗
Form einer Erklärung
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