Ausgabe 
(9.9.1915) 212. Zweites Blatt
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zweites Blatt

Ur. A2 5 Erschetnt tglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSießener Famillenblätterwerden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das

165. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Donnerstag, 9. September 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschaͤftsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗

leitung: 8112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Die deutsch⸗englischen Verhandlungen von 1012.

Berlin, 8. Sept.(WTB Nichtamtlich.) DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt: Die Mitteilungen des Londoner Aus⸗ wärtigen Amtes über die deutsch-englischen Verhandlungen im Jahre 1912 liegen mmmehr im Wortlaut vor. handelt sich um einen der englischen Regierung, das englische Publi⸗ kum und die von der einfachen klaren Tatsache abzulenken, daß die deutschenim Winter 1912 mit England zu einer den Weltfrieden sichernden Verständigung zu gelangen, an der positiven Weigerung des englischen Kabinetts scheiterten, Deutschland die Neutralität auch nur für den Fall zu⸗ zusdaß ihm ein Krieg aufg des Grafen

gen werden follte. Aus der etternich vom Winter 1912 geht Har hervor, 9 Mimister damals

Face

umwunden 5 die ke 5 7

Rußl. altung ausschlaggebend Ber A nage en beer beiden Berichte Metternichs mögen dies erweisen:

London, den 15. Februur 1912. Lord Haldane machte mir

ich über seine Untervedungen in Berlin Mitteilung. E

712 ausführl Ich konnte dabei konstatieren, daß die mir von Eurer Exzellenz zu⸗ gegangene Information genan mit Haldanes Aeußerungen über⸗ einstimmt. Der Minister bemerkte, daß seine aus Berlin zarrück⸗ gebrachten Eindrücke und Mitteilungen auf Grey, den Premier⸗ minister und seine übrigen Kollegen den besten Eindruck machten, und daß das Kabinett den dringendsten Wunsch habe, daß eine 7 zustande komme. Er verhehle sich allerdings nicht e gro tralitätsabkommen und die Flottennovelle, in sich schlössen. Die englische Regierung könne mit Bezug auf die Neu⸗ Tralitätserklärung unsere Fassung nicht annehmen, weil sie ihr Freundschaftsverhältnis zu Frankreich und Rußland nicht in Frage stellen wolle. Er glaube aber, daß eine Faffung in der Art, wie sie von ihm vorgeschlagen, von großer segensreicher Wirkung auf die Beziehungen der beiden Völker sein werde, und daß ein solches Abkommen ebenfalls der übrigen Welt den festen Entschluß der beiden Regierungen beweisen werde, in Frieden und. chaft, N zu leben. Auch würde ein solches Abkommen te Ecken Scharfen Face Ententeverhältnissen uns gegenüber entstehen könnten. die von ihm

CCC. 0 4 e darr ung ti freundschaftlichen Beziehungen haben müsse gez. Metternich

Deudon, 17 Mürz 1912. Zur Erlänterimg des Abkommens, das urtr heute Grey nach einer erneuten Mristerratsfitzung für den Fall einer Einiqung Über die Flottennoveile vorgeschl hat Wortlaut

mir

englische Regierung Astund nehme, das

Neutrafital t vorgeschlageneg Abkommen i die' N

lachsenden S de geplanten Flottennovelle eine stärkung er⸗ seine bisherigen Freund⸗

Neutralitätsabkommen

unbedingt die französische Empfindlichkeit reizen. Dies müss die englische Regierung vermeiden Er könne nicht soweit 255 die Freundschaft mit Frankreich zu gefährden, insbe⸗ onder, nicht aus folgenden Gesichts: Er sei bei das er im die Person und die Politik des

zlers setze, der festen Ueberzeugung, daß die Beziehungen

igkeiten, welche die beiden Punkte, das Neu⸗ Def

zwischen Deutschland und England sich bessern würden. Er sei serner der festen Ueberzeugung, daß unter diesen Umständen etwaige Schwierigkeiten, die zwischen den beiden Regierungen entstehen könnten, keine unerfreulichen Dimensionen annehmen würden. Er gehe noch weiter und verbürge sich, daß die eng⸗ lische Politik im Sinne des von ihm vorgeschlagenen Abkommens eführt werde, auch wenn der Abschluß eines Abkommens für den Augenblick an der Flottennovelle scheitern sollte. Ein Neutralitäts⸗ abkommen sei aber in seinen Wirkungen unabhängig von Persön⸗ lichkeiten. Die englische Regierung müsse daher auch an den Fall denken, daß einmal eine Aenderung in der verantwortlichen Leitung der Reichspolitik eintreten werde. Daher könne sie über das vorgeschlagene Abkommen nicht hinausgehen und nicht das Risiko laufen, eines Tages die französische Freundschaft verscherzt zu haben und zwischen zwei Stühlen zu sitzen. Das Abkommen dagegen genüge, um vertrauensvolle, ohne daß England seine bestehenden Freundschaften gefährde. Seine Politik sei darauf gerichtet, die erneute Gruppierung der Mächte in zwei Lager zu vermeiden. Diese werde mit der Zeit ihre Früchte tragen. Gez.: Metternich.

Metternich wurde angewiesen, den Minister darauf aufmerksam zu machen, daß die auswärtige Politik in Deutschland nicht wie in ngland ausschließlich von der jeweiligen Regierung bezw. Par⸗ lamentsmajorität abhängig sei, vielmehr biete die Person des Kaisers eine Bürgschaft dafür, daß die deutsche Politik auch weiterhin in den friedlichen Bahnen wandeln werde, die sie unter der Regierung Seiner Majestät niemals verließ. Der Minister mute aber Deutschland zu, von den geplanten Rüstungsmaßnahmen Abstand zu nehmen, die nach Ansicht der zuständigen deutschen militärischen Stellen für eine wirksame efensive gegen einen Angriff der vereinigten Flotten der Entente⸗ mächte absolut erforderlich seien, ohne gleichzeitig die erforder⸗ lichen Garantien gegen einen solchen Angriff geben zu wollen. Jedenfalls sei die von Grey gebotene Formel in dieser Hinsicht wert⸗ los. Wenn der Minister ferner auf die Möglichkeit eines Wechsels in der Richtung der deutschen Politik in der Zukunft hinweise, so übersehe er, daß auch wir durch ein etwaiges, jedenfalls auf längere Zeit zu treffendes Abkommen in unserer Politik nicht weniger gebunden sein würden als England. Wenn wir also jetzt auf die Durchfüh⸗ rung der Flottennovelle in dem beabsichtigten Umfange verzichten sollten, so würden wir uns im Falle eines Wechsels in der eng⸗ lischen Politik gegenüber den Mächten der Triple⸗Entente in einem 2 maritimer Unterlegenheit befinden. Das Risiko sei da⸗ her beiderseits das gleiche Metternich möge daher der englischen Regierung keinen Zweifel darüber belassen, daß das Zustande⸗ kommen einer auf ein gegenseitiges Schutzabkommen hinauslaufenden, die englische Neutralität in weitgehender Weise sicherstellenden Vereinbarung die absolute Voraussetzung dafür bilde, unter der allein der Reichskanzler bei dem Kaiser den Ver⸗ zicht auf wesentliche Bestandteile der Flottennovelle befürworten und der öffentlichen Meinung in Deutschland gegenüber würde

gem rechtfertigen können. Metternich glaubte, diese Instruktionen dahin

auslegen zu sollen, daß nur ein die absolute Neutralität arantierendes Abkommen diesen Voraussetzungen entsprechen werde. prach sich, wie die englische Veröffentlichung zutreffend erwähnt,

auch in diesem Sinne gegen Grey aus. Daß aber der Botschafter diese Forderung nachträglich, und zwar auf die Wei⸗ rs, zurückzog, erwähnt dasForeign

ung des Reichskan J

erni am 28. 5 er eng⸗

lische Ministerrat die endgültige Entscheidung tresse, betonen werde, daß die deutschen Formeln mur eine relative Neutralität vor⸗ sähen, und daß deutscherseits die Zusicherung absoluter Neutrali⸗ tät von England nicht erwartet werde. Er glaube, daß dies die Möglichkeit einer Verständigung wieder in größere Nähe rücke. Die Hoffnung des Botschafters sollte sich nicht verwirklichen, wie aus nachstehendem Bericht hervorgeht: London, den 29. März 1912. Die Frage über den Inhalt einer politischen Vereinba⸗ rung mit uns lag im Ministerrat wiederum vor. Die englische Regierung will nicht über die von ihr vorgeschlagene Formel hin⸗ ausgehen. Grey bemängelte den mir von Berlin aus zugegangenen Entwurf für ein Neutralitätsabkommen, weil er Anlaß zu ver⸗ schiedenartiger Auslegung geben könne. Ein solches Abkommen würde weitergehen als irgend ein Vertrag, den die englische Re⸗ gierung mit einer europäischen Macht, mit Ausnahme des alten portugiesischen Bündnisses, abschloß. Unser Entwurf komme einem

rieden sichernde Beziehungen zwischen uns zu schaffen, f

Bündnis nahe. Ich hätte kürzlich den Wunsch nach einem Ab⸗ kommen ausgedrückt, das eine weitgehende Neutralität in sich schließe. Ein Abkommen mit absoluter Bindung für die Neutrali⸗ tät werde bei den anderen Mächten Mißdeutung erfahren und könne die Beziehungen Englands zu ihnen schädigen, was die eng⸗ lische Politik zu vermeiden wünsche. Die englische Formel da⸗ gegen sei klar und enthalte ebenfalls die Absicht der Neutralität im Falle eines unprovozierten Angriffs von dritter Seite.(Eng⸗ land will neither wake nor join any unprovoked attack.Eng⸗ land will keine unprovozierten Angriffe machen oder sich an einem solchen beteiligen.) Ich erwiderte, ich hätte ihm doch vor einigen Tagen gesagt, daß es uns nicht auf den Wortlaut, son⸗ dern auf den Inhalt der englischen Zusicherungen ankomme, aber daß wir die englische Neutralität haben müßten in einem uns von dritter Seite aufgezwungenen Kriege. Wenn, wie er sagte, in der englischen Formel die Neutralität impliziert sei, ei es, gerade um die Zweideutigkeit, von der er spreche, zu ver⸗ meiden, erforderlich, daß die Neutralität klar zum Ausdruck komme. Infolgedessen schlug ich wiederum den Zusatz zu der eng⸗ lischen Formel vor, den ich schon früher angab.(England will therfore, as a matter of course, observe an attitude of benevolent neutrality, should war be forced upon Germany.England wird daher selbstverständlich wohlwollende Neutralität beobachten, sollte Deutschland ein Krieg aufgezwungen werden. Dieser Zusatz ent⸗ halte kein Bündnis, wohl aber, worauf es uns allein ankomme, den klaren Ausdruck des Willens zur Neutralität im Falle eines Angriffs von dritter Seite. Es bestehe ein bedeutender Unterschied zwischen dem Versprechen, sich nicht gegenseitig zu schädigen, und dem, sich gegenseitig zu helfen. Wenn er darauf hinweife, daß Eng⸗ land weder mit Frankreich noch mit Rußland, noch mit irgend einem anderen Lande ein Neutralitätsabkommen abschloß, hielt ich dem gegenüber, daß die englische Politik den Franzosen seit einer Reihe von Jahren keinen Anlaß gab, an der englischen Neutrali⸗ tät zu zweifeln, dagegen aber den Glauben aun eine eventuelle englische Unterstützung erweckte. Die Gewißheit eng⸗ lischer Neutralität hatte Deutschland aber seit einer Reihe von Jahren nicht. Es ergaben sich im Gegenteil im Laufe der letzten Jahre, so noch vergangenen Sommer, Situ⸗ ationen, die eine eventuelle englische militärische Hilfe bei unseren Gegner hätte voraussehen lassen. Daher sei ein Neutralitäts⸗ abkommen zwischen England und Frankreich überflüssig, zwischen uns aber erforderlich. Grey widersprach der bei uns genährten Ansicht, daß England im vergangenen Jahre einen Angriff auf uns plante. Ich erwiderte, daß ich nicht von Uebertreibungen der öffentlichen Meinungen auf beiden Seiten spräche, sondern von der Tatsache, daß England und Deutschland mehrmals während der letzten Jahre, besonders im vergangenen Sommer, in Gefahr kriegerischer Verwickelungen miteinander gerieten. Dies sollte durch das Neutralitätsabkommen vermieden werden. Die eng⸗ lische Formel genüge nicht zur Vermeidung dieser Gefahr in der Zukunft. Sie genüge auch nicht, um eventuell eine Aenderung in unserer Flottennovelle vorzunehmen. 8

Der Minister bemerkte hierzu, irgendein Hinausgehen über das bestehende Flottengesetz gestatte der englischen Regierung nicht, in diesem Augenblick ein politisches Abkommen mit uns einzugehen. Ein völliges Aufgeben der Novelle liege aber wohl nicht im Bereiche der Diskussion. Wenn nun aber auch die auf beiden Seiten beabsichtigten Flotten maßnahmen uneingeschränkt in An⸗ Feil genommen würden, erklärte er doch ausdrücklich, daß er

shalb nicht ein lleulassen der Verhandlungen beabsichtige oder wünsche. Er vielmehr daß die angebahnten vertrauens⸗ vollen Beziehungen weiter ausgebaut würden, daß die Verständi⸗ gung in kolonialen und territorialen Fragen weiter betrieben werde und daß nach Ablauf einer gewissen Zeit die lungen über ein politisches Abkommen, ähnlich von englischer Seite vorgeschlagenen, wieder aufgenommen würden. Nachdem über die vorliegenden Flottenfragen wieder Ruhe eingetreten sei, werde ein politisches Abkommen, das den vorhandenen guten Willen bei beiden Regierungen beweise, im Verein mit einer Ver⸗ ständigung über die koloniale Frage ihre günstige Wirkung auf die öffentliche Meinung in den beiden Ländern nicht verfehlen und, wie er hoffe, dann auch indirekt die Rüstungsfrage beeinflussen. Ich bemerkte zum Schlusse, daß die Kaiserliche Regierung in der englischen Formel für das Abkommen nicht die Voraussetzungen erblicke, welche zu dem von Sir Edward Grey gewünschten . Ergebnis führen würden. Gez.: Metternich. Metternich wurde nunmehr beauftragt, der englischen Regie⸗

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Houston Stewart Chamberlain. * 60. Geburtstage, 9. September.

Wäre Houston Stewart Chamberlain auch nicht schon als Denker un! Schriftsteller voller Beachtung würdig, so dürfte er doch allem im feines freimütigen Betenntnisses zur deutschen Sache un Wferer Dankbarkeit gewiß sein. Er zählt zu den wenigen Ausl.die aus freier Entwicklung heraus Wahl⸗ deut sche sind und sich als solche in unserem geistigen Leben eine erworben Chamberlain ist Vollblut⸗

Art, indem er in eitung eines deutschen Lehrers, des jetzigen Professors Kuntze u Stalsund, einige Jahre lang Reisen unter⸗ nahm, wobei er is der deutschen Sprache und des deutschen

5 achte sich nun der wissen⸗ schaftlichen Laufbahn zu widmen, ließ sich 1879 als Student 20 der i ieb dort eifrig natur⸗

Wendung seines Lel er Gesundheitszustand nötigte ihn unter Auf⸗ län sich ganz der schriftstellerischen Tätigkeit nun gesckah es etwa um diese Zeit, daß das große

ein Jahrzehnt darauf aber Wohnfi 8 re N Er ist mit einer Tochter den n zählt 1 engsten Kreife Wahnfrieds, wo er auch

hat. Ueber die wissenschaftliche und literarische Bedeutung und San ebene heut noch nicht Zeh ein Artell ab u⸗ geben, 5 1 darüber noch 1 8 Die uneingeschra nerkennung haben allen sein t i die über Richerd Wagner gefintben, die sich durch ein

fleses, höchst verstandnisvolses Eindringen in die Geistes⸗ und dunstvelt des Nesers auszeichnen, Histritener it fein vielge a es und itetesdie bekanntenGrund⸗ N br hunderts, Kenntnisse,

dungen

bilden die Vorzüge dieser von Gobineau befruchteten Darstellung des Werdeganges der modernen Welt; überall ist das Buch inter⸗ essant, oft fordert es zum Widerspruche heraus; was ihm am meisten zum Vorworrfe gemacht worden ist, ist die nicht immer vor⸗ sichtige Handhabung der Rassentheorie, bei der Chamberlain dazu neigt, die Grenzlinie zwischen Hypothese und Tatsache zu verwischen. Immer aber bleibt bestehen, daß in diesem Werke eine originelle, durch und durch ernste Persönlichkeit sich mit den großen geistigen Problemen unserer Zeit selbständig auseinander zu setzen bestrebt zeigt. In seinem später erschienenen Werke über Goethe hat er die tragische Seite der Persönlichkeit des Dichters treffend und schärfer hervorgehoben, als dies wohl von irgend einer Seite vorher

schehen war. Ein besonders feines Stück Chamberlainscher Sergei o octe ist seine Einleitung zum Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe, in der er sehr glücklich betont hat, welch außerordentlich wichtige und anregende Bedeutung Schiller für Goethe in einer kritischen Zeit seines Lebens gehabt hat. An die Kriegsschriften Chamberlains endlich braucht hier nur eben er⸗ innert zu werden, da sie ja. erschienen und allgemein bekannt sind. Die Reihe dieser Kriegsschriften ist übrigens noch nicht abgeschlossen: zu erwarten steht von Chamberlain eine neue, durch den Weltkrieg angeregte Arbeit, die den TitelPolitische Ideale führen sein politisches Glaubensbekenntnis weiter ausbauen wird.

* Eine Uriegsbilder⸗Ausstellung.

Aus München wird uns geschrieben: Die Leitung der Kgl. Graphischen Sammlung(vorm. Kupferstich⸗Kabinett) veranstaltet in den unteren Sälen der Kgl. Alten Pinakothek eine Serie von Ausstellungen der Erzeugnisse graphischer Kunst, die in irgend einer Beziehung zu den jetzigen Kriegsereignissen stehen. Der Rahmen dieser Ausstellungen ist weit gefaßt, indem er auch die Vorge⸗

[schichte aller derjenigen Gebiete, in denen heut das große Ringen

sich vollzieht, einschließt. Dem Direktor Dr. Pallmann und seinen wissenschaftlichen Hilfskräften stehen leider bis heut für der⸗ artige Veranstaltungen nur sehr unvollkommene Räumlichkeiten zur Verfügung. In den zwei ziemlich kleinen Sälen kann daher immer nur eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Blättern aus dem reichen Bestande der Staatssammlungen zur Schau gestellt werden, und man muß sich mit der serienweisen Vorführung behelfen. 8 2 3 Die erste Abteilung der Kriegsbilderausstellung, die in diesen Tagen der öffentlichen Besichtigung zugänglich gemacht wird, ist hauptsächlich den Ansichten der Kriegsschauplätze gewidmet, während später dann noch Ausstellungen von Porträts, Karikaturen, Ge⸗ denkblättern, Allegorien, Karten und Plänen folgen werden. Schon die jetzige erste Ausstellung, um die sich der Kgl. Konservator Pro⸗ fessor Tr. Bredt besonders verdient gemacht hat, bietet in ihrer Anordnung und Auswahl ein überaus fesselndes Studienmaterial. Wir finden da in anregendem Wechsel alte und neue Blätter von bedeutendem Kunstwert, Illustrationen aus Bilderatlanten, Büchern und Zeitschrften, sowie auch billige volkstümliche Bilderbogen. 1

Alle Arten der Reproduktionstechnik sind neben Originalblättern in Zeichenstift⸗ und Wasserfarbenausführung vertreten.

Der erste Saal bringt hauptsächlich Bilder aus Belgien, wäh⸗ rend der zweite Nordfrankreich und die übrigen Kriegsschauplätze umfaßt. Von Lüttich, Namur, Brüssel, Mecheln, Antwerpen, Löwen, Gent, Ypern sind in Kupferstich und Radierung zahlreiche Ansichten aus älterer Zeit vorhanden, so von Leclerc, Cop⸗ vens, Hollar, de Hoog he, Barrière, Cochin. Ein geschichtlich, wie künstlerisch hervorragend interessantes Blatt ist ein ßer Kupferstich von A. Coppens, der den großen Platz Brussels nach seiner Zerstörung durch die Franzosen im Jahre 1695 zeigt, jenen durch des bayrischen Kurfürsten Max Emanuel Frei⸗ gebigkeit in seiner wundervollen Schönheit wiedererstandenen Stadt⸗ platz. Die ungemein saubere Reproduktion einer Silberstistzeick⸗ nung von A. Dürer aus dem Jahre 1520 zeigt den Antwerpener Hafen jener Zeit, von dessen Gebäulichkeiten noch heute einiges erhalten geblieben ist trotz der riesigen Umwälzungen, die dieser alte Handelshafen im Laufe des vergangenen Jahrhunderts durch den Bau moderner Quaianlagen erfahren hat. Unter den vielen älteren Schlachtenbildern verdient ein Stich von Sutherland nach Heath aus 1815 hervorgehoben zu werden, der die Schlacht von Waterloo veranschaulicht. Ein Kupferstich CTochins aus 1654 zeigt das damalige schöne Arras, das heute so ziemlich ganz vom Erdboden vertilgt worden ist, gekrönt von einem Bildnis des jugendlichen Ludwig XIV. im Harnisch mit darübergelegter breiter Schärpe.

Zwischen den alten Kunstblättern verteilt, begegnen wir in der Ausstellung sodann allerneuesten bildlichen Berichten von den heutigen Kriegsschauplätzen, so als Leihgabe des Malers Haus von Hayek einer Neujahrs⸗Wachtparade in Lille von 1915 nebst verschiedenen anderen Zeichnungen aus dem Felde. Aus dem Be⸗ stande der jüngsten Ankäufe der Kgl. Graphischen Sammlung seien Originalzeichnungen, Radierungen, Holzschnitte und Lithographien von R. Schilling, H. Kaiser, E. Büttner, F. Klemmer, K. Thiemann, F. Brang wy n u. a. hervorgehoben, ferner Landschafts⸗ und Städtebilder von Rugen das, von dem die Kgl. Graphische Sammlung drei⸗ bis viertausend Arbeiten besitzt. Eine gute Ergänzung erhielt die Kriegsbilder⸗Sammlung durch Illustrationsbeilagen der Berliner KunstzeitschriftWieland, deren Ertrags⸗Ueberschüsse dem Roten Kreuze zugute kommen. Schließ⸗ lich sei noch erwähnt, daß auch einige besonders charakteristische

Bilddrucke derLiller Kriegszeitung in die Ausstellung eingereiht wurden.

* London, 8. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Trotz der hef⸗ tigen Agitation gegen die deutsche Musik, die in einem Teil der Londoner Presse stattgefunden hat, enthielt das gestrige Promenadenkonzert in der Queens Hall fast ausschließ⸗ lich Wagnersche Musikstücke. Das Haus war derDailg Mail zufolge völlig ausverkauft.