Ausgabe 
(9.9.1915) 212. Erstes Blatt
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man darauf rechnen kann, das Geld für die Tilgung des Darlehens und für die Einlösung der verpfändeten Schuld⸗ verschreibungen in absehbarer Zeit aufzubringen. Der Zweck bieser Aushilfe besteht im allgemeinen nicht darin, daß die Pfänder oder die Kriegsanleihe spüter verkauft werden.

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* Auszeichnungen. Techniker Louis Werner von hier im L.-J.-Rgt. 118, der im November 1914 das Eiserne Kreuz erhielt, wurde nunmehr auch mit der Hessischen Tapferkeits⸗ medaille ausgezeichnet. Dem Schützen Heinrich Schwarz aus Gießen im aktiven Garde-Schützen⸗Bataillon, 3. Komp., wurde

das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. * Obst⸗ und Gemüsemarkt. Infolge der starken

Anfuhr von Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt am Brandplatz werden vom Samstag, den 11. September an die mit Obst und Gemüse beladenen Wagen wieder auf Oswaldsgarten aufgestellt.

* Kartoffelausstellung. Eine interessante Aus⸗ stellung wird, wie gestern schon in Kürze mitgeteilt, am Samstag, den 11. September, im Palmengarten zu Frank⸗ furt a. M. eröffnet werden und zwar eine solche von Kar⸗ toffeln. Außer dem sehr reichhaltigen Sortiment, das der Palmengarten selbst versuchsweise in diesem Jahre an⸗ gebaut hat, und der 1 des Landwirtschaftlichen Justitutes der Universität Gießen werden auch andere Züchter bewährte Sorten aus verschiedenen Lagen und Ge⸗ genden bringen. Neben den Kartoffeln findet eine hervor⸗ ragende Auswahl von Tomaten Platz, ferner die ver⸗ schiedenartigen Wurzelgemüse, Bohnen, Küchen⸗ kräuter usw. Jdenfalls wird alles vorhanden sein, um die Ausstellung, die in den Gewächshäusern des Kultur⸗

sartens untergebracht ist, so belehrend wie möglich zu ge⸗ talten und dem Rahmen der Kriegsgemüsezucht im Palmen⸗ rten anzupassen. Die ee e hat den Eintrittspreis über die Dauer der Ausstellung von Samstag, den 11. bis einschl. Sonntag, den 26. September für den Besuch des Gartens und der Ausstellung sehr billig gestellt, und so 5 es auch an Zuspruch seitens der inter⸗ essierten Kreise nicht fehlen. Landkreis Gießen.

* Dorf⸗Gill, 9. Sept. Dem Unteroffizier Schäfer von

hier wurde die Hess. Tapferkeitsmedaille verliehen.

Kreis Alsfeld. 5

[ Ruppertenrod, 7. Sept. Am vorgestrigen Sonntag fand in der hiesigen Kirche eine Gedächtnis⸗ feier statt für drei Helden aus unserer Gemeinde, die in Rußlands Erde liegen. Es sind dies die Musketiere August Horst, Karl Seim und Otto Weber. August Horst wurde am 15. Juni im Gefecht bei dem Gehöfte Zymuntow in der Nähe von Kalwarja durch einen Bauchschuß schwer verwundet. Er starb noch an demselben Tag auf dem Ver⸗ bandplatz. Unter militärischen Ehren wurde er auf dem Friedhof zu Trempiny beerdigt. Karl Seim erlitt bei einem Sturmangriff auf die Höhe 145 durch einen Brustschuß den Heldentod. In der Nähe des Dorfes Wengra bei Prasz⸗ nysz deckt den einzigen Sohn seiner Eltern die russische Erde. Otto Weber nahm in Galizien an 6 Gefechten teil. Bei einem Patrouillengang am 4. Juni wurde er in der Nähe der Stadt Stanislau durch einen Oberschenkelschuß und Beinbruch schwer verwundet. Er kam in das Lazarett nach Stry, wo er am 6. Juli verstarb. Die Kirche war bei der Gedenkfeier überfüllt. Die Gedächtnisrede hielt Herr Pfarrer Jung von Ober⸗Ohmen. Die gestrige Gemeinde⸗

Dostverstergecalng erbrachte den bisher hier noch nie⸗ mals erzielten Betrag von 700 Mk. Das Obst, in der Hauptsache Aepfel, war sehr begehrt und wurde gut bezahlt.

A Aus dem Ohmtal, 8. Sept. Die Grummeternte ist in vollem Gange. An Quantität übertrisst sie die Heuernte. Nur die Qualität leidet unter dem bewölkten Himmel, der trotz hohem Varometerstand keine Sonne durchscheinen läßt. Die Preise für das Grummetgras waren hoch. An Grünfutter sehlt es nirgends, der Stand des Klees ist vortrefflich.

Kreis Lauterbach.

Aus dem oberen Vogelsberg, 8. Sept. Die Erute ist immer noch nicht ganz beendet. Abgemäht ist wohl alles, nur konnte wegen der ungünstigen Witterung noch nicht alles Getreide eingefahren werden. Nach fsast zweimonatiger Abwesenheit haben sich die Stare wieder eingesunden. In Scharen fliegen sie

wieder umher. Kreis Schotten.

Eichelfsachsen, 7. Sept. Auf dem benachbarten Hofgute Zwiefalten, im weiteren UmkreiseKirschberg enannt, brannten in der Samstagsnacht sämtliche irtschaftsgebäude nieder. Das Wohnhaus, ein ehemaliges Jagdschloß des hessischen Landgrafen Lud⸗ wig VIII., konnte vor dem verheerenden Elemente bewahrt werden. Die Ernte, soweit sie in den Scheunen war, ist ver⸗ nichtet. Der Besitzer, Gutsbesitzer Fischer, ist Inhaber eines Zuchthofes für Rinder der Vogelsberger Rasse; die Tiere etwa 50 an der Zahl konnten ettet werden. Ueber Entstehung des Brandes verlautet nichts. Die Familie Fischer ist schon sehr lange auf dem Gute ansässig. Dasselbe

war früher hessische Domäne.

Starkenburg und Rheinhessen.

O Offenbach, 9. Sept. Der durch Urteil des Schwur⸗ gerichts vom 17. Juni d. Js. wegen Mordes zum Tode verurteilte Hausbursche Adam Funk in Offenbach wurde durch den Groß- herzog zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Funk, der nach sachverständigem Urteil geistig minderwertig ist und bei Begehung der Tat unter dem starken Einfluß der wegen Bei- hilse zum Morde zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilten Haushälterin Scheuermann stand, war von den Geschworenen einstimmig der Gnade empfohlen worden. 8

Kreis Wetzlar. Hörnsheim, 9. Sept. Dem Gefreiten Schmitt von hier wurde die Hess. Tapferkeitsmedaille verliehen.

Hessen⸗Nassau. Marburg, 8. Sept. Professor Trommers- hausen, eine durch 5 hervorragende Betätigung auf allen Gebieten des sozialen Lebens weitbekannte Persönlich⸗

keit, feierte gestern seinen 70. Geburtstag. Professor

Trommershausen wohnte bis vor zwei Jahren in Frank⸗ furt a. M. und war hier Lehrer und längere Jahre auch Mitglied der Stadtverordnetenversammlung.

Hünfeld, 8. Sept. Die beiden Nachbargemeinden Kirchhasel und Roßbach feierten ihr elfhundert⸗

jähriges Bestehen durch eine dem Ernst der Zeit au⸗ seh

gemessene Feier. Der Kirchturm von Kirchhasel ist nach weislich älter als 1000 Jahre.

u. Limburg, 8. Sept. Der gestrige Viehmarkt ist wegen Feststellung der Maul- und Klauenseuche bei aus⸗ getriebenem Vieh aufgehoben worden. Die Straßen, durch die Vieh aufgetrieben wurde, sind mit Karbolsäuremischung besprengt worden. Im Rekrutendepot des hiesigen Landsturm-Ersatz⸗ Bataillons 2 befindet sich eine Anzahl Rekruten, die im Zivilberuf den schönen Künsten obliegen. Man kam deshalb auf den Ge- danken, das Limburger Publikum mit einer künstlerischen Ver⸗ anstaltung zu überraschen, und so wurde bereits am 1. September ein Wohltätigkeits abend zum Besten des Roten Kreuzes veranstaltet. Da die Zuhörer nicht alle Platz finden konnten, sand

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aul Montag eine Wiedergotung malt. Tiese endete mut gleichem durchschlagenden Erfolge. Der Reinerlös der beiden Ver anstaltungen beträgt weit über 1000 Mark.

Vermischtes. München, 8. Sept.(Priv.⸗Tel.) Aus dem Zoologischen Garten brachen zwei Wölfe aus, während der Wärter den Käfig reinigte. Einer fiel den Wärter sofort von hinten an und brachte ihm einen tiesen Biß in das Genick und mehrere in den Oberschenkel bei. Der Wärter wurde schwer verletzt. Ein Soldat eilte zu Hilse, schlug mit dem Säbel auf das Tier und traf dabei auch den Wärter. Der Wolf wurde von einem anderen Wärter durch einen Schuß getötet.

d Das zweite Tier wurde nach einiger Zeit wieder eingefangen.

Handel. Essen(Ruhr), 8. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Das Rheinisch-Westfälische Kohlensyndikat ladet seine

Mitglieder auf den 14. September ein zu einer weiteren Zechen⸗ besitzerversammlung, deren Tagesordnung noch nicht festgesetzt ist. äꝛNAUTGñw-Q Ü ù2ůB(VU Q(( ů tt

Amtlicher Wetterbericht. Deffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 10. Sept. 1915: Fortdauer der bestehenden Witterung: Ziemlich heiter, trocken, tagsüber warm.

LELeetzte Nachrichten.

Zum Sturze Nikolajewitschs.

i. Köln, 9. Sept. DieKöln. Ztg. schreibt zu dem Armeebefehl des Zaren, derselbe bedeute das amtliche Eingeständnis des Mißerfolges der 1 85 schen Waffen, das Bekenntnis, daß der Großfürst Organisator der russischen Niederlagen gewesen ist. Damit hat für den Krieg einer der bedeutsamsten Ab⸗ schnitte angefangen. Bei den Verbündeten dürfte der Entschluß einen niederschlagenden Eindruck machen. Die Ent⸗ sendung des Großfürsten nach Tiflis bedeutet eine Verab⸗ schiedung in aller Form. Wir dürfen uns indessen nicht der Täuschung hingeben, daß die Enthebung des Großfürsten vom Oberbefehl nun der erste Schritt zum Frieden sei, jeden⸗ falls dürfen aber unsere Heerführer und Truppen das Er⸗ eignis neben ihren Schlachtensiegen als einen politischen Erfolg buchen.

Amerikas Munitionslieferungen ein verkanntes englisches Hetzmittel?

i. Köln, 9. Sept. Dr. Karl Bachem bringt in derKöln. Volksztg. einen längeren, die Meldungen von großen ameri- kanischen Munitionslieferungen kritisierenden Ar⸗ tikel und erklärt, daß ihm jüngst ein zuverlässiger, hochstehender A kaner mit aller Bestimmtheit berichtet habe, die amerikani⸗ chen Munitionslieferungen hätten auch nicht annähernd den Umfang, wie dies die deutschen Zeitungen annähmen. Bisher sei nur Munition für et geliefert worden, aber keine einzige Granate.(Und die Feststellungen der Deutschen Heeresleitung? Red. d. Gieß. Anz.) Automobile seien allerdings in erheblichem Umfange zur Ablieferung gekommen. Bachem meint, der Gedanke liege nahe, daß hinter den Angaben von ungeheuren amerikani- schen Munitionslieferungen ein englisches System stecke daß wir systematisch aufgehetzt und in einen Krieg mit Amerik getrieben werden sollen. Es sei jedenfalls die Pflicht eines jeden politisch denkenden Staatsbürgers, Vorsicht und Zurück⸗ haltung bei der Beurteilung der Maßnahmen der amerikani⸗ schen Regierung zu beobachten.

Aus Anlaß der Auflegung der dritten Kriegsanleihe findet

Dienstag, den 14. Sept. 1915, abends 8 Uhr

in der neuen Aula

Oeffentliche versammlung

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statt über

(Eingang von der Ludwigstraße oder Goethestraße)

1. Vortrag des Herrn Professor Dr. Skalweit: 5

Warum zeichnen wir die Kriegsanleihe? 3 2. Schlußwort: Herr Oberbürgermeister Keller.

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