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Der Sießener Anzelger erscheint täglich, 3 5
Sonntags.— Beilagen:
viermal wöchentlich Sietzener Familienblätter; 2 wöchentl. Kreis⸗
latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); Nie e deere wirts e Zeitfragen Fernsprech Amichlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäjtsstelleöl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gleßen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer
bis vormittags 9 Uhr.
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er für Oberhessen
Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und steindrucerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7.
Donnerstag, 9. September 1915
Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel ⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausro. 20 Pf.— Haupt⸗ schriftleiter: Aug. Goetz. Berantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal! Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sarntlich in Gießen.
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Stoßfürtt Nilolai Nisolafewissch in den aukasus geschict!“ der Far übernimmt den Gberbefehl.
STB.) Croßes Hauptquartier,
(Amtlich.) 5
i Westlicher Kriegsschauplatz.
Eine Anzahl feindlicher Schiffe erschien gestern früh vor Middelkerke, beschoß vormittags Westende und nachmittags Ostende. Vor dem Feuer unserer Küstenbatterien zogen sich die Schiffe wieder zurück. Militärischer Schaden ist nicht angerichtet. In Ostende wurden zwei belgische Ein⸗ wohner getötet, einer verletzt.
An der Front verlief der Tag im übrigen ohne besondere Ereignisse.
Ein bewaffnetes französisches Flugzeug wurde nördlich von Le Mesnil(in der Champagne) von einem deutschen Kampfflieger abgeschosse n. Es stürzte bren⸗ nend ab. Die Insassen sind tot.
Ein feindlicher Fliegerangriff auf Freiburg im Breisgau verlief ergebnislos.
Oestlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.
In der Gegend von Daudsewas sind unsere Ab⸗ teilungen im weiteren Vorgehen. Truppen des Ge⸗ nerals v. Eichhorn setzten sich nach Kampf in den Besitz einiger Seeengen bei Troki⸗Nowe(südwestlich von Wilna).
8. Sept.
Wolkowyskselbst unddie 15 5b l*
ene gemacht und vier Ma⸗
urden 2800 Gefang schinengewehre erbeutet.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern.
In der Gegend von Izabelin(südöstlich von Wolko⸗ wysk) ist der Feind geworfen. Weiter südlich ist die Heeresgruppe im Vorgehen gegen die Abschnitte der Zel⸗ wianka und Rozanka. Nordöftlich von Pruzana dringen österreichisch- ungarische Truppen durch das Sumpfgebiet nach Norden vor. Es wurden rund 1000 Gefangene ge⸗ macht.
Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls
v. Mackensen.
Die Kämpfe an der Jasiolda und östlich von Dro⸗ hiczyn dauern an.
Südöstlicher Kriegsschauplatz.
Russische Angriffe bei Tarnopol sind abgeschla⸗ gen. Weiter südlich in der Gegend westlich von O st ro w ist ein Vorgehen des Feindes durch den Gegenstoß deutscher Truppen zum Stehen gebracht.
err. N L
Die heutige russische Veröffentlichung über die Nieder⸗ lage von zwei deutschen Divisionen, Gefangennahme von 150 Soldaten und die Eroberung von 30 deutschen Geschützen und vielen Maschinengewehren ist frei erfunden. Kein deutscher Soldat ist auch nur einen Schritt gewichen; kein Ge⸗ schütz oder Maschinengewehr ist in Feindeshand gefallen. Hingegen warf der erwähnte Gegenstoß deutscher Regimenter den vordringenden Feind weithin zurück. Eins davon machte 250 Gefangene.
Oberste Heeresleitung.
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Klio hält ein wenig den Atem an: sie hat die Ereignisse vorbereitet und weiß, wo sie hinauslaufen, aber über dem
Knalleffekt des Kommandowechsels in Rußland bleibt sie einige Augenblicke Zauderer und
der russischen Heere!
Volk ausgesprochen wird, dem in düsterer t ein neuer Vorhang den e
ezogen ha d ich 0 einsehen, daß er schon aus äußeren Gründen einem Andern machen mußte. Ein erfolgloser Feldherr darf nicht* im Kommando bleiben; das verlangt die Rücksicht auf die ab⸗
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Zwischen Jeziory und Wolkowysk schreitet der
genommen.
zu sein, denn er hat, trotz lauer Worte des Dankes an seinen Oheim, diesen sichtbarlich abgesetzt und ihm, damit sein Name nicht unheilvoll weiter in dem Entscheidungskampfe umgehe, den Platz in dem ent⸗ legenen Kaukasus angewiesen, und nach Sibirien konnte man einen kaiserlichen Prinzen nicht wohl schicken. Hebt man die rhetorischen Ranken des Zarenerlasses an Nikolajewitsch hinweg, so erkennt man, daß die Absicht ganz verständlich ist. Der Zar wird seinen Beratern folgen, er wird formell den Oberbefehl führen, aber nicht wirklich. Nur so war die Absetzung des Großfürsten denkbar, dem kein anderer Sterblicher, vielleicht gar schon von ihm Geohrfeigter, im hohen Range folgen durfte. Der Zar hat aber diesem natürlichen Trank noch eine mystische Gabe bei⸗ gemischt und seinem von hoher Bildung noch nicht an⸗ gekränkelten Volke die Gebärde des gottbegnadeten Zauberers gezeigt. Wie Jeanne d'Arc, die göttliche Jungfrau, die Frankreichs Oriflamme gegen den Feind trug, auf göttliche Weisung ihre zarte Brust mit Stahl bedeckte, so will auch Zar Nikolaus den Mut des Cherubim fühlen und sich dem frommen Knaben Isais vergleichen, der von Gott als Hirte zum Streiter ausersehen wurde. Wer glaubt es dem Ver⸗ messenen aber, daß er einer innersten Soldatenneigung folgt? Viel eher findet man es begreiflich, daß er in seinem Schreiben an den Großfürsten e Konzentration aller militärischen und bürgerlichen den verweist, über die der gewesene Oberbefehlshab e Schritten hinweggegan
der 2255 geda gen habe, als die Von solchem Ver nur sch he 5
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schlägen gefolgt sein mag, nur ein weiteres Zeichen von Rußlands sichtbarem Niedergang. Das Schreckens⸗ espenst der militärischen Niederlagen wird sich nicht ver⸗ scheuchen lassen, und wenn die 4 5 Geister des heiligen Rußlands sich ihren Gedanken überlassen, so werden sie auch bei dem Wechsel im Oberkommando erschreckt zu Klio, der alles Ueberblickenden, aufschauen:„Weh mir, ich kanns nicht sassen und sagen, wie es so schnell sich erfüllend genaht.“
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Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.
Wien, 8. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 8. September 1915.
Russischer Kriegsschauplatz.
Im wolhynischen Festungsgebiet blieb gestern die Lage unverändert. Einige russische Gegenangriffe brachen unter unserem Feuer zusammen. Weiter südlich haben unsere Siege bei Podkamien und Radziwilow den Feind in einer Frontausdehnung von 90 Kilometern zum Rückzug hinter den Ikwa gezwungen. Unsere Truppen verfolgen. Am Sereth kam es zu erbitterten Kämpfen. Der Gegner brach mit überlegenen Kräften aus seinen bei Tarnopol und Strusow eingerichteten brückenkopfartigen Verschanzungen hervor. Die bei Tarnopol vordringenden Russen wurden durch einen Gegenangriff deutscher Trupnen zurückgeworfen. Im Raume westlich und südwestlich von Trembowla ist der Kampf noch im Gange. Nächst der Serethmündung er⸗ stürmten die unter Befehl der Generale Benigni und Fürst Schönburg stehenden k. und k. Truppen die feindliche Stel⸗ lung nordwestlich von Szuparka, wobei 20 russische Offiziere und 4000 Mann gefangen genommen und sieben Maschinengewehre erbeutet wurden. Bei den österreichisch⸗ungarischen Streitkräften an der Jasiolda nichts Neues.
Italienischer Kriegsschauplatz.
Im Raume des Kreuzbergsattels trat nach der vorgestrigen Niederlage der Italiener Ruhe ein. Ihre Ver⸗ lufte waren größer, als anfänglich angenommen wurde. Denn beim Aufräumen des Gefechtsfeldes zählten unsere
ö Truppen allein vor der Pannspitze, der Cima Frufnoni und
dem Eisenreichkamm über 400 Feindesleichen. Die Lage auf dem italienischen Kriegsschauplatz ist durchaus un⸗ veründert. Im Abschnitt von Doberdo wiesen unsere Truppen heute früh einen feindlichen Vorstoß gegen den vor⸗ springenden Teil der Karsthochfläche zurück. Italienische In⸗ fanterie, die sich östlich Vermegliano vorarbeiten wollte, wurde mit Handgranaten verjagt.
Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant.—
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auch der neueste Entf chluß des Zaren, der mancherlei Rat⸗
I Zent uss und Mitglieder des Reichsrates, haben nach einer Reihe
Der Zar übernimmt den Oberbefehl!
Petersburg, 8. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der Zar hat bei der Uebernahme des Oberbefehls den bisherigen Generalissimus Großfürsten Nikolai Niko lajewitsch zum Vizekönig des Kaukasus und Oberbefehlshaber der Kaukasusarmee ernannt.
Petersburg, 8. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Ein Armeebefehl des Zaren, datiert vom 5. September aus dem Hauptquartier, besagt:„Heute habe ich den Oberbefehl über alle Streitkräfte zu Lande und zu Wasser auf den Kriegsschauplätzen übernommen. Mit festem Vertrauen auf die Gnade Gottes und mi! der unerschütterlicher Sicherheit des endlicher Sieges werden wir unsere heilige Pflicht, das Vaterland bi⸗ zum Aeußersten zu verteidigen, erfüllen und Rußland keine Unehre machen.“
Petersburg, 8. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der Zar hat an den Oberbefehlshaber Großfürsten Nicolai Nicolajewitsch einen Erlaß gerichtet, welcher besagt:
Zu Beginn des Krieges verhinderten höhere Erwägungen mich, meiner innersten Neigung zu folgen und mich an die Spitze meiner Armee zu stellen, deshalb beauftragte ich Si⸗ mit dem Oberbefehl über alle Streitkräfte zu Lande und zur See. Unter den Augen von ganz Rußland gaben Ew. Kaiser⸗ iche Hoheit im Laufe des Krieges Beweise nnerschütterlicher
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eingedrungen ist, den
aktiven Truppen zu übernehmen, mit meinem Heer⸗
die Anstrengungen des Krieges zu teilen und mit ihm die
russische Erde gegen die Angriffe des Feindes zu schützen. Die
Wege der Vorsehung sind unbekannt, aber meine Pflicht und mein Verlangen bestärken mich in diesem Entschlusse, der auf Erwägungen des Nußens für den Staat beruht. Der feindliche Einbruch von Westen her, der sich immer mehr verschärft, verlangt vorallemdie stärkste Kon⸗ zentration aller militärischen unde bürger⸗ lichen Behörden, sowie die Vereinigung des Ober⸗ befehls im Kriege mit der allgemeinen Tätig keit aller Verwaltungszweige der Regierung was unsere Aufmerksamkeit von der Südfront ablenkt. Bei diesem Stand der Dinge erkenne ich die Notwendigkeit Ihrer Hilfe un Ihres Rates auf unserer Südfront an undernenne Ste zun Vizekönig des Kaukasus und Oberbefehlshaber der tapferen Kaukasusarmee. Ich drücke Ew. Kaiser⸗ lichen Hoheit meine tiefe Dankbarkeit für die Anstrengungen in dem bisherigen Teile des Krieges aus.
Petersburg, 8. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. Der Zar richtete an den Grafen Woronzow⸗Daschkow, Vizekönig des Kaukasus, einen Erlaß, worin er die Bemühungen und Anstrengungen an⸗ erkennt, die der Graf zur Verwaltung des Landes sowie zur Stär⸗ kung der alten Traditionen der glorreichen Truppen des Kaukasus angewandt hat. Der Zar erklärt, er gébe seiner Bitte nach, sein Kräfte einer seinem Gesundheitszustande mehr entsprechenden Arbei! widmen zu dürfen. Er enthebe ihn seines Postens als Vizekönig des Kaukasus und attachiere ihn seiner eigenen Person.
Ein Tagesbefehl des Großfürsten.
Petersburg, 8. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der Groß fürst Generalissimus hat an die Truppen folgenden Tages be⸗ fehl gerichtet:
„Tapferes Heer und tapfere Flotte: Heute stellt sich euer erhabener oberster Kriegsherr, der Kaiser, selbst an Eure Spitze Ich neige mich vor Eurem Heldenmut, den Ihr seit mehr als einem Jahre bewiesen, und drücke Euch meine herzliche, wärmste und aufrichtigste Dankbarkeit aus. Ich bin fest davon überzeugt, daß Ihr von dem Zeitpunkt an, an dem der Zar, dem Ihr den Fahneneid geschworen, Euch führt, neue beispiellose Taten voll⸗ führen werdet. Ich glaube, daß Gott vom heutigen Tage ab seinem Erwählten seine allmächtige, zum Siege führende Hilfe angedeihen lassen wird. Generaladjutant Nikolaus.“
Das neue Programm der inneren Politik Rußlands.
Paris, 8. Sept. WTB. Nichtamtlich.) Der„Matin“ meldet aus Petersburg: Das gemeinsame Programm der Progressistenpartei der Duma und des Staatsrates umfaßt außer der Bildung eines Ministe⸗ riums des öffentlichen Vertrauens eine Reihe administra⸗ tiver, politischer, sozialer und religiöser Reformen.
Kopenhagen, 8. Sept.(WTB. Nichtamtlich.)„Berlingske Tidende“ meldet aus Petersburg: 24 Vertreter der Mehr- heitsparteien der Duma, von den nationalen Progressisten bis zu den Kabetten und äußersten Fortschrittlern, sowie Mitglieder des
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