Dem Generalseldmarschall v. Hindenburg,
ten, so eindringlich zur Flucht ermahnt, daß kaum viel anderes Abrig blieb. als den Mahnungen zu folgen. Trotzdem macht Bialy⸗ stok einen recht volksreichen Eindruck. Auf den beiden Haupt⸗ straßen drängt sich in den Abendstunden eine große Menge, die un Raum zum Durchschreiten läßt. Militäxautos fahren da⸗ zwischen, Kolonnen ziehen, Bataillone marschieren.
Es ist ein eigenartiger Zufall, daß die beiden Heerführer Exzellenz von Scholz und Exzellenz v. Gallwitz, die sich in Bialpstok trafen, demselben Negiment angehörten, zusammen 70/71 bei derselben Batterie im Feuer standen und die Stube teilten. Der Wind, der in diesem Kriege zusammen- und auseinanderweht, hat nun beide Schulter an Schulter gebracht, se daß die beiden alten Regimentskameraden nicht mehr von den Nachbargeschützen, aber von den Nachbar⸗Armeen sich grüßen können.
*
5„ Eben— es ist neun Uhr abends— tönt der Zapfen⸗ streich durch die dunklen Straßen.„Zu Bett, zu Bett! Die Gaxde steht am Kupfergraben, zu Bett, zu Bett. Sie will die Trafta⸗ mente haben, zu Bett, zu Bett!“ Ich trete auf den Balton, unten gehen eilfertig die Komitee⸗Leute mit der weiß⸗grünen Binde durch die leeren Straßen. Eine Kibitka mit dem Drosch⸗ kenkutscher, die hier schon echt russisch mit Faltenrock und breiter Binde aussehen, tackelt vorüber.„Zu Bett, zu Bett!“ Aus den Fenstern kommt gelbes Lampenlicht. Eine Munitionskolonne rat⸗ tert über das holprige Pflaster. Es wird ganz still, man sieht die Sterne über der häßlichen Stadt, in die zwei, drei schöne weiße Steinhäuser den neuen Weg zeigen. In einer breiten Häuserlücke ragen unschön schwarz und steil zwei Riesenschornsteine in die goldene Herbstbläue des Himmels. Wahrzeichen von Bialnystok,
die Einmarsch und Leben hier grüßen. Rolf Brandt,
vermischtes.
»Ein neuer Ehrenbürgerbrief für Hindenburg. der bekanntlich vor kurzem Ehrenbürger der Stadt Hannover geworden ist, wird in diesen Tagen, so schreibt uns ein Mitarbeiter, eine Ehrung ähn- licher Art zuteil werden. Aus einem eigenartigen Anlaß hat das
Kriegsberichterstatter.
kleine, nordwestlich der masurischen Seenplatte gelegene Kreis- städtchen Rössel beschlossen, dem großen Heerführer das Ehren-
bürgerrecht zu verleihen. Es war am 7. September 1914, als Hindenburg im Schlosse zu Rössel Aufenthalt nahm, um von hier aus schwere Schläge gegen die eingedrungenen Russen zu führen, deren 22. Armeekorps am 11. September bei Lyck völlig geschlagen wurde. In den Verfolgungskämpsen fielen den Deutschen nicht weniger als 30 000 Gefangene und 150 Geschütze in die Hände. Zur Erinnerung an diese glorreichen Tage hat die Stadt Rössel nunmehr durch den Gymnasialzeichenlehrer Ellinger einen geschmack— vollen Ehrenbürgerbrief für den Befreier Ostpreußens anfertigen lassen. Die in einer Ledermappe befindliche Urkunde besteht aus zwei Blättern und trägt neben einer Abbildung des Schlosses zu Rössel die solgende Widmung:„Euer Exzellenz ernennt die Stadt Rössel in dankbarer Erinnerung an die Errettung aus Feindeshand
und in stolzem Jubel darüber, daß in den Tagen vom 7. bis
11. September 1914 in ihren Mauern die Werkstätte stand, von der aus der Lenker der Entscheidungsschlacht an den Masurischen Seen zugleich der Befreier der Provinz Ostpreußen wurde, zu ihrem
Ehrenbürger und hat darüber diese Urkunde ausgefertigt.“ —e—i⅜ p e..————
Eingesandt.
(Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)
Hundeplage.
Schon seit Monaten werden die Bewohner der oberen Ludwig⸗ und Wilhelmstraße durch sortwährendes Gebell und Geheul von dunden geplagt. Für den gesunden Menschen ist dieser Radau unerträglich; wie viel mehr für den Leidenden. Es ist hohe Zeit, daß sich die Aussichtsbehörde dieser Sache annimmt. Auch wäre in den jetzigen schweren Zeiten bei der Knappheit aller Nahrungsmittel wohl eine bessere Verwendung für Brot, Milch und Speisereste, womit man unnütze Köter füttert, zu finden. Die Zahl der Hunde, die in der Stadt Gießen gehalten werden, beträgt ca. 900. Wenn man für jeden Hund neben den Speise⸗ resten— die es aber jetzt in keinem Haushalt geben sollte— nur ganz gering genommen 4 Schoppen Milch und 30 Gramm Brot pro Tag rechnet, so ergibt dies im Monat 6750 Schoppen Milch und 810 Kg. Brot, die zu ersparen wären. Man sollte deshalb, wenn auch die Steuer wegfällt, darauf dringen, daß wenigstens die zwecklos gehaltenen Hunde, die, nebenbei, die Bürgersteige ekel⸗
hast verunreinigen, abgeschafft werden.* Märkte. Gießen, 7. Sept. Marktbericht. Auf dem heutigen
Wochenmarkte kostete: Butter das Pid. 1,70 0,00, Hübnereier das Stück 15 Pfg., Köse das Stück 7—9 Pig. Käsematte 2 Stück 6—0 Pig. Tauben das Paar 1,40—0,00 Mk., Hühner das Stück 2,50—3,00 Mk., Hahnen das Stück 1,50 2,50 Mk., Ochsen⸗ fleisch das Pfund Mk. 1,16—1,20, Kuhfleisch 96—00 Pfg. das Pfund, Rindfleisch das Pfund 1,16— 1,20 Mk., Schweine fleisch das Pfund 1,70—0,00 Mk., Kalbfleisch das Pid. 1,00- 1,04 Mk., Hammelfleisch das Pfund 96—110 Pfg. Kartoffeln 100 Kilo 8 bis 8,50 Mark, Milch das Liter 24 Pfg.; Wirtschaftsäpfel das Pfd. 710 Pfg., bessere 10—15 Pfg. Gurken große 10—20, kl. 3—5 Pfg. Bohnen 15—18 Pig. das Pid.: Spinat 15 bis 20 Pig. das Pfund; Wirsing 1020 Pfg. das Stück, Gelberüben 6—8 Pfennig das Päckchen, Rotkraut 10—20 Pfennig das Stück, Kohlrabi 6—8 Psennig das Stück, Weißkraut 10—20 Pfg. das Stück, Wirtschaftsbirnen“ bis 12 Pig., bessere 12—20 Pfennig das Pfund, rote Rüben 6—8 Pfg., römisch Kohl 5—8 Pfennig. Zwiebeln der Zentner 15—00 Mk.— Marktzeit von 7 bis 1 Uhr.
Amtlicher Wetterbericht. Wetteraussichten in Hessen am Mitt woch, den 8. Sept. 1915: Ziemlich heiter, trocken, Temperatur wenig geändert.
„
Istaelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Donnerstag, den 9, u. Freitag, den 10. Sept br. 1915: Neujahrsfest.
1. Tag: Vorabend: 6.30 Uhr. Predigt. Morgeus: 7.30 Uhr. Predigt 9 Uhr. Nachmittags: 4 Uhr.
2. Tag: Vorabend: 7.30 Uhr.
Morgens: 7.30 uhr. Abends: 6.30 Uhr. NB. Während der Predigt ist der Eintritt nicht gestattet.
Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Donnerstag, den 9. u. Freitag, den 10. Septbr. 1915: Neujahrsfest. 5
1. Tag: Vorabend 6.35 Predigt. Morgens 6.00 Predigt. Nachmitlags 4.00. 2. Tag: Vorabend 7.35. Morgens 6.00.
Cetzte Nachrichten.
Die politische Englandreise des russischen Finanzministers. Haag, 7. Sept. Der„Manchester Guardian“ schreibt über die bevorstehende Ankunft des russischen Finanzministers Bark: Kaum je hatte eine Reise solche große Alielsche Bedeutung. Der schlechten militärischen Lage steht die verschlechterte finanz Lage Rußlands gegenüber. In der Duma hat 1 un⸗ verblümt zu verstehen gegeben, daß an eine innere Anleihe nicht u denken ist. Wie sich die wirtschaftliche und militärische Lage Rußlands noch gestaltet, bleibt ein Rätsel. Helsen kann hier nur England. Es wird einer großen Anspannung bedürfen, um Ruß⸗ land über Wasser zu halten. Unter diesen Umständen ist es zu verstehen, daß man in Rußland in gewissen Kreisen an einen vorteilhaften Sonderfrieden denkt, was aber unbedingt vermieden werden muß. England muß deshalb alles tun, um Rußland un⸗ beschränkte finanzielle Hilfe zu gewähren, die es so nötig hat.
Deutschland, Oesterreich⸗Ungarn und Rumänien.
Haag, 7. Sept Aus Sofia meldet die„Agence Havas“: Es scheint, daß die deutsche und österreichisch⸗ungarische Regie⸗ rung mit der rumänischen Regierung Verständigungen angeknüpft haben, um Korn aus Rumänien in Oesterrei⸗ Deutschland aufzunehmen. Tafür müsse jedoch Rumänien die „ von deutschen Kohlen nach Bulgarien ge⸗ statten.
Die Italiener frieren. i
Zürich, 7. Sept. Aus Mailand wird gemeldet: Minister⸗ präsident Salandra hatte gestern auf seiner Rückreise nach Rom eine Unterredung in Treviso mit dem Generalintendanten des Heeres, die sich auf die winterliche Ausrüstung der Truppen bezog. Augenblicklich sollen die italienischen Truppen, wie in Como versichert wird, wegen ihrer leichten sommerlichen Kleidung schon sehr unter der Kälte in den gebirgigen Gegenden leidem
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