Ausgabe 
(6.9.1915) 209. Erstes Blatt
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Besprechungen unter dem Vorsitz des Zaren.

Petersburg; 4. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. Heute früh fand unter dem itz des Kaisers die Eröffnung einer Reihe besonderer esprechungen statt, welche eine Vereinheitlichung der Maß⸗ nahmen zur nationalen Verteidigung zum Gegenstand haben. Die Beratungen sollen sich beziehen 1. auf eine Organisation der Trans⸗ portmittel derjenigen öffentlichen Einrichtungen, die in den Be⸗ bdürfiissen der Landes verteidigung liegen; 2. auf Fragen der Lebensmittel versorgung: 3. auf Herbeischaffung von Kriegsmaterial und Mumition. Zuerst sprach der Kaiser, welchem der Kriegs. minister Polfwanow, der Präsident des Reichsrats Kulgmzino und der Dumapräsident Rodzianko antworteten. Nach Schluß der Versammlung wurden die Mitglieder von dem Kaiser, der Kaiserin 5 und dem Kronprinzen empfangen. . Petersburg, 5. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Ueber Kopen⸗ hagen. Der Kaiser hielt am 4. September bei der Eröff⸗ nung der Besprechungen über die Heeresversorgung und Herstellung * von Munition folgende Ansprache: 5 Die Frage, deren Lösung Ihren besonderen Besprechungen anvertraut ist, nämlich die nationale Verteidigung, ist in der gegen⸗ wärtigen Stunde die schwierigste und wichtigste. Sie betrifft eine umfangreichere Versorgung des Heeres mit Munition und damit den einzigen Gegenstand, auf den unsere Trup⸗ pen warten, um die fremde Invasion anzuhalten und den Er⸗ folg von neuem an unsere Waffen zu fesseln. Die gesetzgeben⸗ den Körperschaften, die ich zu der Sitzung zusammenbe⸗ rufen habe, haben mir fest und ohne im geringsten zu zögern, die einzige Antwort gegeben, die Rußlands würdig ist und die ich erwartet habe, nämlich, daß der Krieg bis zum voll⸗ ständigen Siege fortgesetzt werden muß. Ich zweifle nicht, daß dies die Stimme von ganz Rußland ist. Indessen 5 legt uns der große Entschluß, den wir gefaßt haben, auch größeren Eifer in unseren Anstrengungen auf. Dieser Gedanke ist bereits all⸗ gemein geworden. Es ist indessen notwendig, ihn auf dem schnellsten WVege in die Tat umzusetzen, Ihre Besprechungen sollen gerade dazu dienen. Diese Besprechungen vereinen zu gemeinsamer, einiger Arbeit Regierung, Abgesandte der gesetzgebenden Körperschaften und öffentlichen Einrichtungen, sowie unsere Industriellen, mit einem Worte, die Vertreter von ganz Rußland. Bei den Arbeiten, zu denen ich Sie mit vollem Vertrauen zusammenberufen und mit Vollmachten von außerordentlicher Ausdehnung ausgestattet habe, werde ich Ihnen stets mit tiefer Aufmerksamkeit folgen und werde, wo es nötig, persönlich daran teilnehmen. Wir eine große Aufgabe vor uns und werden darauf alle llebendigen Kräfte des ganzen Landes richten. Lassen wir für den

Augenblick jede andere Ueberlegung beiseite, wenn sie im Interesse des Staates noch so wichtig wäre, wofern sie nicht für den- gegenwärtigen Augenblick wesentlich ist. Nichts soll unsere Gedanken, unseren Willen und unsere Kräfte von dem jetzt einzig vor uns stehenden Ziele ablenken, nämlich, den Feind aus unseremLande zu vertreiben In diesem Augenblick müssen wir vor allen Dingen die volle militärische Ausrüstung unserer aktiven Armee sichern, ebenso die der zu den Fahnen einberufenen Mannschaften. Diese Aufgabe ist Ihnen von jetzt ab anvertraut. Meine Herren! Ich weiß, daß Sie alle Ihre Kräfte und alle Ihre Vaterlandsliebe zu ihrer Vollendung widmen werden. Darum ans Werk mit Gottes Hilfe! Kriegsminister Poliwanow gab in seiner Rede, einen Ueberblick über die von der Sonder Konferenz in ihrer früheren Zusammensetzung getroffenen Maßnahmen. Diese Konferenz hat die weitesten Kreise der Bevölkerung, Körper⸗ schaften, wie Semstwos und Gemeindevertretungen, die Industriel⸗ len und kleinen Gewerbeleute, sowie Vertreter von Wissenschaft und 4 zur Teilnahme an ihren Arbeiten eingeladen. Die frühere Konferenz habe sich nicht darauf beschränkt, die bestehen⸗ den technischen Hilfsmittel nutzbar zu machen und zu erweitern, sie sei an die Errichtung neuer Munitionsfabriken 8 Ne habe Privatunternehmungen große Kreditvor⸗ schüsse gewährt und den Fabriken die Lieferung von Brenn⸗ material gesichert. Sie sorgte ferner für die Vermehrung fach⸗ maännisch ausgebildeter Arbeiter und für die Erzeugnisse zur Re⸗ gelung des Transportes: auch nahm sie im militärischen Interesse die notwendige Räumung von industriellen Unternehmungen in

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Der Prädent der Duma, Rodzianko, erhob mit größtem Nachdruck Einspruch gegen den Gedanken eines Fridens⸗ schlusses, bevor der Feind nicht besiegt und endgültig zer⸗ chmettert sei. Die moralische Kraft der Nation sei durch die Mißgeschicke des Krieges nicht gebrochen: es bleibe fest und un⸗ erschütterlich. Der Redner forderte den Kaiser auf, das ganze russische Volk zur Teilnahme an der heiligen Arbeit aufzurufen. Unter der festen und geschickten Leitung einer das Vertrauen der Monarchie und der Nation genießenden Regierung sei das C Selbsvertchg damm fußt. Sas 2 re, renzter stverleugnung fähig. Das russische Volk sei fest entschlossen, für immer die verhaßten deutschen Ketten zu brechen. 1 Berlin, 6. Sept. Wie dieVossische Zeitung indirekt aus Petersburg vom 5. September erfährt, hat die Reichsduma J in geheimer Sitzung dem von der Regierung vorgelegten Gesetz⸗ entwurf, betreffend die Einberufung des Landsturms 1 zweiten Aufgebots, gegen die Stimmen der Sozialdemo⸗ 5 kraten und bei Stimmenthaltung der Arbeiterpartei zugestimmt. DieVossische Zeitung bemerkt dazu: Für die Batterien fehlen die Geschütze, für die Kavallerie die Pferde. Kavallerie und Ar⸗ fillerie kommen auch wegen der Länge der Ausbildungszeit kaum in Betracht. Es bleibt die Möglichkeit, gegen eine halbe Million In⸗ fanterie einzuberufen, was gegenüber den riesigen russischen Ver⸗ lusten kaum ins Gewicht fällt. 5

4 Der Zar an der Front.

Petersb5. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der * in en de Sunn d gereit. 8225

Russischer Gesandtenwechsel in Sosia.

* Sofia, 4. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Das russophile

BlattDuma meldet, daß der russische Gesandte Sa⸗ winsky abberufen und wahrscheinlich durch den Leiter des Drientdepartements im Ministerium des Auswärtigen, Gulkewitsch, krsetzt werden wird. Nach demselben Blatt sollen die Vierver⸗ beandsdiplomaten in Sofia mit der Antwort Serbiens auf die 5 Vorschläge des Vierverbandes sehr unzuftieden sein, selbst die besten 5 eunde Serbiens. Es heiße, daß der Vierverband jetzt darüber berate, ob man Zwangsmaßregeln gegen Serbien anwenden solle. Sofia, 4. Sept.(Priv.⸗Tel., 17 Frlft.) Die Gerüchte über die Abberufung Sawinskys werden bestätigt. Sein . Gulkewit sch, der Chef des Orientdepartements im russischen Ministerium des Aeußeren, gilt als leidenschaftlicher Bulgarenfreund.

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Rumänien.

Zürich, 5. Sept. WTB Nichtamtlich.) DieNeue Zür. meldet aus Genf: Die in der Schweiz sich aufhalten⸗ umänen, die der Reserve oder der aktiven Armee an⸗ haben Befehl erhalten, zu ihren Truppenteilen ein⸗ zurücken.

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Paris, 5. Sept.(WTB. Nicht amt 0 meldet aus Madrid: Die Besatzuns des von einem d Unterseeboot versenkten spa nischen Dampfers

do re sist in Nilbao eingetrossen. Ministerprä Dato. klärte, daß die deutsche Regterung angebe, es sehle ihr G55 richten über die Versenkung des Schisses, so daß sie den Ein der spanischen Regierung noch nicht beantworten könne.

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Ein Dementi.

Paris, 5. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der japanische Botschafter Baron Ihfii reiste gestern abend nach Marseille ab, um sich dort nach Japan einzuschiffen. Meldungen über eine Reise nach London entbehren jeglicher Begründung.

* 1* Der türkische Bericht. Ein feindliches Unterseeboot versenkt.

Konstantinopel, 4. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier gibt bekannt: Unser Küstenwachschiff Bahresfid versenkte mit seiner Artillerie im Mar⸗ mara⸗Meer südwestlich von Armudluein feindliches Unter⸗ seeboot. Die Besatzung konnte nicht gerettet werden.

An der Dardan llenfront fand am 2. September in den Abschnitten Anaforka und Ari Burnu schwaches beiderseitiges Geschütz⸗ und Gewehrfeuer statt. Die Artillerie des rechten Flügels zersprengte ein feindliches übendes Bataillon. In der Nacht zum 2. September drangen unsere Aufklärungsabtellungen in einen feindlichen Schützengraben ein und erbeuteten eine Menge Ge⸗ wehre und Kriegsbedarf. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr besatzten wir einen 90 Meter langen feindlichen Schützengraben vor unserem Zen⸗ trum, kurz nachdem er gegraben worden war. Auf dem linken Flügel brachten wir in der Umgebung von Kerevisdere zwei feindliche Geschütze zum Schweigen. Sonst nichts von Bedeutung.

Konstantinopel, 4. Septbr.(WTB. Nichtamtlich.) Be⸗ richt des Hauptquartiers. Auf der Dardanellenfront im Abschnitt von Anaforta zerstörte unsere Artillerie sũdlich von Azamkdere ein feindliches Maschinengewehr. Unsere Aufklärungs⸗ kolonnen überraschten an verschiedenen Stellen feindliche Gräben und erbeuteten eine Anzahl Kriegsgerät und Telephonmatertal. Bei Ari Bur nu nichts von Bedeutung. Bei Seddeül Bahr beschoß der Feind am 2. September zu Lande und von der See aus während zweier Stunden ergebnislos Atchitepe und Umgebung. Auf dem linken Flügel verursachte unser Feuer eine Explosion in der Stellung der feindlichen Minenwerfer. Eine Mine, die wir zur Explosion brachten, zerstörte Stacheldrahtanlagen des Feindes, die zum Schutze gegen unsere Bombenwürfe dienen sollten. Sonst nichts von Bedeutung.

Konstantinopel, 5. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Wie aus Erzerum gemeldet wird, versuchte der Feind nördlich Araxes einen nächtlichen Ueberfall auf die kürkischen Truppen. In einem kräftigen Gegenangriff wurden die Russen zurückge⸗ schlagen, auf ihrer regellosen Flucht mit Bombenwürfen bis zu ihren Verschanzungen verfolgt, wobei sie große Verluste erlitten. 400 Russen, die kürzlich gefangen genommen wurden, sind in Siwas eingetroffen.

Ein Telegrammwechsel des Kronprinzen mit Enver Pascha.

Konstantinopel, 5. Sept.(WTB. Nichtamtlich) Der deutsche Kronprinz richtete an den Kriegsminister Enver Pascha ein Telegramm, indem er ihn zu den letzten glän⸗ den Erfolgen der türkischen Truppen beglückwünscht, und seinen Stolz auf die türkischen Kameraden und die Zuversicht auf den endgültigen Sieg ausdrückt. Der Kriegs minister dankt in seiner Antwort dem deutschen Kronprinzen für das Telegramm und drückt ihm seine Bewunderung für die Erfolge des deutschen Heeres im Osten aus, die ein vernichtendes Ergebnis für die an Zahl weit überlegenen Feinde haben würden, und die nur errungen werden lonnten Dank der Tapferkeit der deutschen Truppen im Westen, die wie eine feste, unerschütterliche Mauer dem an Zahl weit überlegenen Feinde Widerstand leisten. Der Minister sagte: Die Osmanen sind stolz darauf, zu den Erfolgen der Verbündeten durch ihren Widerstand an den Dardanellen beizutragen, hoffen aber, die Engländer und Franzosen bald ins Meer zu werfen. Der Minister gratuliert zu den beständigen Erfolgen der Armeen des Kronprinzen.

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Die Beschießung der Stadt Münster.

Straßburg i. E., 4. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Ein neues Beispiel für die Kampfesweise der Franzosen ist die anhaltende Beschießung der Stadt Mün⸗ ste r. Trotzdem die Stadt schon seit einigen Tagen vollständig 1 ist, wird sie nach wie vor von den Franzosen in r sinnlosesten Weise beschossen. In der letzten Nacht brann⸗ ten 14 Häuser nieder. Dabei wurde auch die Kirche nicht verschont. a 1 Der englische Thronfolger an der Front.

Berlin, 6. Sept. Wie derDeutschen Tageszeitung aus Paris gemeldet wird, erwartet man in Frankreich das Wiedereintreffen des englischen Thronfolgers an der britischen Front. Man bringt dessen Ankunft mik Gerüchten in Zusammenhang, nach denen das englisch-französische Ober⸗ kommando wieder einmal einen großen Vorstoß gegen die deutschen Linien im Schilde führen soll.

England und der Friede.

London, 4. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der Heraus⸗ geber des ArbeiterblattesIndependent fragte die Mi⸗ nister Asquith, Selborne, Carson und Long, ob sie sich mit der 1 8 dern Lloyd George's ein⸗ verstan erklärten, daß kein länder von Frieden träumen würde, solange sich nur ein einziger deutscher Soldat auf französischem oder belgischem Boden befände. Die Minister antworteten, daß sie die Aeußerung unter⸗ schrieben.

Die Kohlenproduktion in England.

London, 4. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Die KFohlen⸗ produktion ist im ersten Halbjahr 1915 um 12 448 000 Tonnen zurückgegangen, gleich 6,9 Prozent gegen den gleichen Zeitraum im Vorjahr

Amerika und England.

London, 5. Sept.(Ws. Nichtamtlich.) Die Blätter melden aus New York:New Pork World beantwortet die Artikel der englischen Presse mit folgenden Ausführungen: Die amerikanische g hat getan, was sie beabsichtigte, und hat das Völkerrecht aufrecht erhalten. Wenn England unbefriedigt ist, so steht es ihm frei, den Sieg bis zum letzten Ende zu erringen, was ja der Zweck der britischen Flotte sein soll. Die Auffassung der Londoner Presse, daß die. Diplomatie die britische Schiffahrt vor allen Gefahren deutscher An⸗ griffe schützen solle, ist bezeichnend für die Ideen der Engländer von heute. Wenn ein Engländer von einem kriegführenden Aus⸗ länder in irgendwelchem Weltteile eines auf den Kopf bekommt, so erhebt sich die britische Presse in feierlicher Würde und ruft dramatisch aus: Was beabsichtigen die Vereinigten Staaten gegen solche Infamie zu tun! Wenn die Vereinigten Staaten, fährt das Blatt fort, in diesem Kriege als Englands Hüter handeln und englische Schlachten ausfechten sollen, müssen sie zunächst fordern, daß die britische Regierung Wilson übertragen würde.

Der Seekrieg.

London, 4. Sept(WTB. Nichtamtlich.) Der e DampferChurston, 2470 Tonnen groß, ist versefkkt worden. Vie Besatzung ist gerettet..

Zeichnet 8 die dritte Kriegsanleihe! CCCCCCTFPPFPFPPFPPPPPPFPVPCCCVPTTVVTTTVTTT

Aus Stadt und Cand.. Gieß etz, 6. September 19 n Lazarette und wir. 14 Es ist noch nicht gar so lange her, da hat in einen großen Lazarett der leitende Arzt an den Betten derer, die Ruhe haben mußten, Schilder mit der säuberlichen In⸗ schrift anbringen lassen: Heute zu angegriffen, um gepflegt zu werden. Und wo anders hat ein braver Soldat auf das Anerbieten einer jungen Dame, ihm das Gesicht zu waschen. emeint: Er möchts ihr ja net gern abschlag n; aber wann's och vielleicht den Nebenmann waschen möcht, den hätt's heut erst neunmal troffen und ihn schon zwölfmal Obs wahr ist oder nicht, kann man nicht genau wissen. Es hat aber in den Zeitungen gestanden. Jedenfalls ist beides ein lieber, lustiger Beweis davon, wie man sich wie gesagt, ists noch nicht lange her um die in den Lazaretten sast gestritten hat, ihnen was Gutes anzutun. a Das war jene schöne Zeit, da liefen die kleinen Mädel mit Riesensträußen an die Lazaretteingänge und warteten mit heißen Backen, bis ihnen einer vom Roten Kreuz die bunte Last abnahm; da buk Mutter zu Hause nicht Zwet⸗ .. ohne* Quadratmeter ein pacg n weiter zum en Kreuz zu schicken; da schwankten hochbeladen vom Lande die Wagen herein und hielten vor der Alten Klinik oder sonstwo, wo man feldgraue Pfleglinge wußte, und luden Gemüse und Kartoffeln nach vielen Zent⸗ nern ab; korbweis schleppte man Eier und Aepfel, Birnen und Zwetschen und sonstige Dinge, die Leib und Seele zu⸗ sammenhalten, in die Anstaltsküchen; Speck, Marmelade, Wurst, Butter alles wanderte in schönem Wettstreit ins Lazarett, und der Hausvater brauchte nur: Dankend er⸗ halten! zu sagen. Oh da hatten die Insassen gute Zeit und mancher Vaterlandsverteidiger fährt heut noch unter seligem Schmunzeln mit der Hand nach der Magengegend, wenn er jener Schlaraffentage in stiller Stunde E Inzwischen ist der Krieg seinen langen g weiter⸗ gegangen und wir wollens nicht leugnen hat aut die Lazarette, die ansangs von dem hellen Schein des frisch⸗ lodernden vaterländischen Feuers umglänzt waren, mehr in die Beleuchtung des Alltags gerückt. Und was wichti g ist: die Zahl unserer Kämpfer und damit die der Kranken und Wunden hat sich ins Unermessene gesteigert; kein Haus, das nicht einem von ihnen durch Famiktenbande verpflichtet ist. Im gleichen Maß haben sich die Lasten für den einzelnen gemehrt, und wer noch vor einem Jahre, wenn er verwundet in die Heimat kehrte, von jung und alt verwöhnt und um⸗ sorgt wurde, der muß diese Liebe und Sorge heute mit so vielen seinesgleichen vor ihm und nach ihm teilen, daß auf den einzelnen ganz von selber weniger entfällt. Und schließ⸗ lich: Was wir damals mit vollen Händen und ohne langes Ueberlegen in die Lazarette gaben, das müssen wir uns heute selbst mit Mitteln sichern, an die wir vor Jahresfrist noch nicht gedacht haben. Wenn drum die Quellen weniger reich fließen als früher, so wollen wir dieser Dinge nicht 8 5. unsere e woran es iegt, wenn z. B. Speisezettel im rett heute ni mehr alle die Aunehmallchlelen der ersten 1

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EinAber hat die Sache aber doch. Das liegt wo anders, und dem könnte man recht wohl Tenne, gehen. Das ist jene bitterböse Selbstsicherheit des Genuggetanhabens; jene Abgestumpftheit, die sich auch dem Außergewöhnlichen gegenüber nach und nach einstellt; jene achselzuckende Ueber⸗ zeugung des Den⸗andern⸗überlassen⸗könnens. Für die ver⸗ änderten Verhältnisse können wir nichts; aber 1 keit haben unsere Feldgrauen nicht verdient, und hier 0 es wohl ein wenig anders sein. Ach, da stellen sich so leicht große Worte von der schuldigen Dankbarkeit des Volks gegenüber seinen Helden ein und von der Ehre und dem Ansehen, die die Nation ihnen erweisen muß. Aber die großen Worte sind kalt und erinnern an Steindenkmäler

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und Lorbeerkränze. 5 a Aber stellen wir uns doch einmal vor, wie's uns sel⸗ ber zu Sinn war, wenn unser Blick vom Krankenlager auf einen Busch bunter Blumen traf, die eine li Hand ins Zimmer gestellt hatte, wie die Gedanken mit jeder Blume hinaus ins Freie gingen und dem müden Kör⸗ per lächelnd 1 doch ja bald zu folgen. Wie wir so herzlich dankbar waren und uns nur so krank vor⸗ kamen, wenn der Nachbar ein Täubchen oder eine Flasche alten Rheinwein oder die Nachbarin einen Teller 15 gebackenes zum Probieren herüberschickten; wenn der ein B oder jener einen Gruß und einen Wunsch für die Wiedergenesung sandte, oder wenn dieser sich erkundigen ließ, wies denn mit dem Kranken stehe. Kam da nicht Sonne ins Zimmer? Und dann denken wir noch einmal ernstlich drüber nach, ob wir den Kranken, die es heuer am ersten verdienen, nicht auch zu unserm Teil ein wenig Freude f und Licht in die Stuben tragen können. Sollte der 2 nicht manches Brünnlein, aus dem allerhand Frohsinn und Lebensmut in die; ette s ln könnte, im Laufe der langen Wochen seit August 1914 verschüttet haben? Heimat, das ist denen draußen im Graben oder auf dem Felde das Zauberwort, das sie treibt und hält; kann ihnen heut die Heimat noch nicht den Eichentranz flechten, 2 lann sie ihnen doch, kommen sie mit ihren Wunden, mi allen. des Herzens danken und ihnen ei en, daß an ihrer Wiedergenesung nicht nur der Verstand, bern vor allem das deutsche Gemüt beteiligt ist. 5

Bergturnen des Gaues Hessen. 1

Auf dem Schiffenberg fand gestern das für dieses Jahr beschlossene und zuerst wegen des Krieges in Fra gestellte Bergturnen des Gaues Hessen statt. die Veranstaltung zeitgemäß war, bewies der über alle E wartung starke Besuch, welcher um so mehr von rein rischem Interesse zeugte, als jede auf Vergnügen g Nebenabsicht der Zeitumstände wegen ausgeschaltet ers

Mit den Frühzügen trafen die Turner aus den n verzweigten Orten des Gaues in Gießen ein, um vom B hof unter Vorantritt einer Trommler- und e