Ausgabe 
(3.9.1915) 207. Zweites Blatt
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zweites Blatt Erscheint töglich mit Ausnahme des Sonntags.

DieSießener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Areisblatt fir den Kreis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

5 165. Jahrgang

ießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Freitag, 5. September 1915

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrift⸗

leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

Die dritte Kriegsanleihe.

Mehr noch als in den Tagen, da die beiden ersten Kriegsanleihen zur Neben aufgelegt wurden, hat sich die Erkenntnis von der Stärke der deutschen Volks⸗ und Wirtschaftskraft vertieft. Glänzend hat die deutsche Volks⸗ wirtschaft über die Aushungerungspläne der Gegner trium⸗ phiert. Das Erscheinen der dritten Kriegsanleihe folgt dem Abschluß der Bilanz des ersten Kriegsjahres; und daß sich einen ansehnlichen Gewinn auf neue Rech⸗ nung buchen konnte, wird sogar in Feindesland zugegeben. Die Feinde haben das Deutsche Reich wirtschaftlich isoliert, haben ihm den Weg über das Meer gesperrt und glaubten, i des 1. 3 lt wirksamsten Trumpf ausgespielt zu 5 it gefehlt. Die Produktionskraft des deutschen Wirtschaftskapitals wuchs unter dem Druck, der von außen gegen sie geübt wurde, und der Geist der Technik sorgte überall für Ersatz, wo der Feind verwundbare Stellen, durch Entziehung der Rohstoffzufuhr, zu schaffen suchte. Eine Folge der gesunden Anpassung unserer ganzen Wirtschaftsweise an die Lebens⸗ bedingungen Krieges sind die glänzenden Ergebnisse der deutschen Kriegsanleihen. Keiner unserer Gegner kann sich eines auch nur annähernd ähnlichen Erfolges rühmen, wie ihn die deutsche Regierung mit ihren Emissionen er⸗ zielt hat. Und das ist zum Teil der Taktik der Feinde zu danken, die das deutsche Geld zwangen, im Lande zu blei⸗ ben. Während England viele Hunderte von Millionen an Amerika zu zahlen hat, lebt das Deutsche Reich ausschließlich von den Produkten seines Bodens und seiner Fabriken. So blieb der Geldumlauf innerhalb der Landesgrenzen, und es war möglich, die Liquidität des eigenen Vermögens durch den Verkauf fremdländischer Wertpapiere ans Aus⸗ land noch zu steigern.

Die Bedingungen für den Erfolg der dritten Kriegs⸗ anleihe sind denkbar günstig. Die Industrie hat neue Bank⸗

thaben angesammelt; die Banken verfügen über große

ummen von Depositengeldern; bei den Sparkassen sind die Einlagen gewachsen und betragen fast 21 Milliarden Mark; und im Besitz des Publikums befinden sich noch immer, trotz dem dauernden Steigen des Goldvorrates bei der Reichsbank, Hunderte von Millionen Mark in Gold. Die Hauptsache aber ist, daß das deutsche Volk die fünf⸗ prozentige Reichsanleihe als sicherste und vorteilhafteste Kapitalsanlage 9 die ihm

che

Diefes Mal t es sich um eine einheitli 5 von Schuldverschrel ie beiden 3

Wahl. Es hat 55 r ganzen nur um umme te e A Millionen) gehandelt, ie je Mehrzah ichner offenbar größeren Vorteil E Papier mit längerer. er⸗ blickt. Wenn man sichere fünf Prozent Zinsen bekommt, so ist es natürlich sehr ünscht, sie möglichst lange zu haben. Für die Reichsfinanzverwaltung aber ist es wichtig, daß sie durch bestimmte Rückzahlungsverpflichtungen zu nahe

2 8 folgenden Terminen zu sehr überlastet wird.

Unter solchen Umständen ist der Verzicht auf Schatzanweisun⸗ gen leicht zu erklären. l f Die fünfprozentigen Schuldverschreibungen sind seitens des Reichs bis zum 1. Oktober 1924 unkündbar, gewähren also 9 Jahre lang einen Zinsgenuß von fünf Prozent und außerdem einen sicheren Kapitalgewinn von 1 Prozent, falls nach A f‚der Unkündbarteit der Zinsfuß herabgesetzt werden 8 du in diesem Falle die Anleihestücke auf Ver⸗ gen zem Kals von 100 Prozent geen werden. Daß zinanzverwaltung sich entschließen durfte, den

Ausgabepreis der dritten Kriegsanleihe zu erhöhen, nachdem schon die zweite Emission, zu 98½ Prozent, um 1 Prozent teurer war als die erste, ist der beste Beweis für die gute Aufnahme der fünfprozentigen Schuldverschreibungen. Trotzdem ist auch der Preis der dritten Kriegsanleihe für den Zeichner ein ungemein günstiger. Ein Vergleich der egenwärtigen Preise der vierprozentigen Papiere mit dem . der fünfprozentigen Reichsanleihe recht⸗ fertigt die Erwartung, daß ein Ausgleich in der Verzinsung eider Anleihegruppen durch eine Steigerung des Kurses der fünfprozentigen herbeigeführt werden wird. Man könnte einwenden, die Größe des Gesamtbetrages der Kriegs⸗ anleihen werde eine Erhöhung des Kurses hindern, da jeder Nachfrage immer reichliches Material zur Verfügung stehen würde. Dieser Einwand ist leicht zu widerlegen: wer fünf⸗ prozentige Reichsanleihe billig gekauft hat, hält sie fest. Denn niemand weiß, wie nach dem Kriege die Rente des ge⸗ werblichen Kapitals sein wird. Nur die fünf Prozent der Reichsanleihe sind sicher; alles andere ist zweifelhaft.

Es versteht sich von selbst, daß die Unkündbarkeit bis 1924 nicht etwa gleichbedeutend ist mit Unverkäuflichkeit. Durch die Frist ist nur das Reich, nicht auch der Besitzer der Schuldverschreibungen gebunden. Diesem steht es, nachdem er die Anleihetitel erworben und bezahlt hat, frei, über sie jederzeit wie über ein beliebiges anderes Wertpapier zu verfügen; er kann sie verkaufen oder verpfänden. Diese Gewißheit nimmt dem Entschluß zur Zeichnung der Anleihe jede Schwierigkeit. Niemand braucht sich, wenn er Bedenken hat, er könne das Geld zu anderen Zwecken nötig haben, auf lange Zeit von seinen Barmitteln zu trennen. Aber solche Erwägungen sollten gar nicht in Frage kommen. Das deutsche Volk ist reich genug, um sich eine fünfprozentige Reichsanleihe als dauernde Kapitalsanlage zu⸗ legen zu können. Eines solchen Besitzes entäußert man sich nicht vor der Zeit, sondern hält an ihm fest, so lange wie die Gunst der Umstände es gestattet.

Die Regierung ist, um die Anleihe zueinem wahren Volksbesitz zu machen, in den Zahlungsbedingungen so liberal wie möglich. Die Termine erstrecken sich dieses Mal über einen Zeitraum von drei Monaten(vom 18. Ok⸗ tober 1915 bis 22. Januar 1916). Die überraschend schnelle Abwicklung der zweiten Kriegsanleihe(schon am ersten Einzahlungstermin waren statt 30 Prozent 67 Prozent bar erledigt) hat gezeigt, daß eine zu weite Dehnung der Zahlfristen(sie überspannten vier Monate) nicht nötig ist. Mit drei Monaten kommt man reichlich aus, besonders wenn zwischen dem letzten Zeichnungs⸗ und dem ersten Zahltag ein Raum von fast einem Monat liegt. Ein besonderes Entgegenkommen wird diesmal den kleinen Sparern erzeigt, damit auch sie an dem Nutzen einer so außer⸗ gewöhnlich günstigen Rente teilnehmen können. Niemand soll sagen dürfen, er habe die Anleihe nicht zeichnen können, weil die Bedingungen seinen Besitzverhältnissen nicht ent⸗ sprachen. Der kleinste Anteil beträgt 100 Mk.; und die Mehrheit der Bevölkerung wird dieses kleine Kapital auf⸗ bringen können. Aber selbst die 100 Mk. brauchen nicht gleich gezahlt zu werden. a die heiden ersten Emissionen die Bedingung enthielten, daß Zeichnungen bis zu 1000 Mk. am ersten Termin voll bezahlt werden mußten, braucht diesmal die Zahlung erst geleistet zu werden, wenn die Summe der fällig gewordenen N wenigstens 100 Mk. ergibt. Wer nur 100 Mk.. ann, braucht also erst am letzten Zahlungstage, 22. Januar 1916, zu zahlen. Wer 400 Mk. übernimmt, hat an jedem der vier Zahltage 100 Mk. zu zahlen. Für die Zeichnungen sind 19 Tage vorgesehen. Das entspricht der Anordnung, die bei der zweiten Anleihe gegolten hat. Diese Zeit reicht aus, um einen Entschluß zu fassen, der um so leichter zu be⸗ werkstelligen ist, als zunächst kein bares Geld gebraucht wird. Man kann also ganz rung auf die Zinsen⸗ und Miet⸗ eingänge, auf die Gehälter und sonstigen Einnahmen, die erst am 1. Oktober fällig werden, warten, wie es denn überhaupt nicht nötig ist, daß einer das Geld für den Erwerb der Reichsanleihe zu Haus liegen haben muß. Die Sparkassen und Banken besorgen die Ueberweisung der von

ihrer Kundschaft bei ihnen gezeichneten Anleihebeträge ohne weiteres aus den Guthaben des einzelnen Auftraggebers. Ist in den Erfolg der dritten Kriesanleihe auch nur der kleinste Zweifel zu setzen? Die Frage kann, ohne langes Ueberlegen, verneint werden. Auf die ersten beiden Anleihen sind rund 13600 Millionen Mark gezahlt worden, und dieses Kapital wurde in Bewegung gesetzt, ohne daß der geringste Zwang ausgeübt wurde. Es versteht sich nun ganz von selbst, daß die Ueberschüsse des Volksvermögens auf Zinsen und Arbeitsvertrag nicht erschöpft sein können, weil ja die Kapitalserneuerung unausgesetzt vor sich 55 Es sammelt sich also immer neues Geld an, das Unterkunft sucht; und da es keine bessere Anlage gibt, als die fünf⸗ prozentige Reichsanleihe, so findet jede Emission bei ihrem Erscheinen eine Ane een Js Kapitalreserve vor. An die vaterländischen Pflichten des Volkes zu appellie⸗ ren, sollte sich, angesichts des materiellen Nutzens, den der Ankauf von Kriegsanleihe gewährt, erübrigen. Die Zu⸗ kunft der deutschen Wirtschaft, die Größe des Reiches, das Ansehen der Nation in der Welt hängen vom Erfolg des Krieges ab. Das Geld gehört zu den Waffen, mit denen wir siegen. Wer zur Geldrüstung des Reiches beiträgt, sorgt für den eigenen Vesitz; denn jedes Privatvermögen wurzelt in der Finanzkraft und im Kredit des Reiches. Wer die Kriegs⸗ anleihe zeichnet, steigert den Ertrag seines eigenen Spar⸗ kapitals und kräftigt das Ansehen und die Macht des Reiches, auf dem die Sicherheit der Schuldverschreibungen ruht. Wer möchte es verantworten, eine solche Gelegenheit, dem Reich und sich zu dienen, ungenützt vorübergehen zu lassen!

Aus OGesterreich⸗Ungarn. Wien, 1. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Unter Führung des ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Tisza und des kroatischen Banus Skerlecz trafen heute abend etwa 470 Mitglieder sämtlicher Munizipien Ungarps, Kroatiens und Slawoniens hier ein, um morgen dem Kaiser zu huldigen. Die Stadt ist festlich beflaggt. Die Gäste wur⸗ den vom Publikum lebhaft begrüßt. Am Abend fand ein von dem österreichischen Ministerpräsidenten Grafen Stuergkh veranstalteter Empfang statt, bei dem Graf Stuergkh eine Begrüßungsrede hielt, in der er unter anderem sagte: Meine sehr verehrten Gäste: Es entspricht dem großen Geiste der Stunde, wenn ich die Ueberzeugung ausdrücke, daß der in der pragmatischen Sanktion niedergelegte erhabene Gedanke der wechfel⸗ seitigen Verteidigung, der für uns alle das erste Axiom des politischen Denkens bildet, sich gerade in unseren Zeiten wunderbar bewährt hat, daß er aus seiner stets ver⸗ jüngenden Kraft heraus volles Leben geworden ist und daß er heute mit der ganzen Wucht eines wahrhaft entscheidenden Prinzips in den Geschicken der Völker vor uns steht. Gerade diese Zeit hat uns wie keine andere gezeigt, was Ungarn und Oesterreich sich sein können nach Eigenart und Nachhaltigkeit ihrer inneren Kräfte, was sie sich sein sollen nach dem klaren Willen einer vielhundertjährigen Geschichte, und, ich bekenne es mit hoher Freude, was sie sich wirklich sind Dank der Stetigkeit und Treue

ihres Zufammenwirkens. Lassen Sie mich darum meine teuren 2

Gäste, wenn ich Ihnen nochmals den herzlichsten Willkommengruß

biete und den Anlaß preise, der mir die Freude Ihrer Gegenwart bereitet, in ihm zugleich ein Symbol erblicken unseres weiteren, von dem echten Gefühl historischer Zusammengehörig⸗ keit, von den warmen Empfindungen der Freundschaft und Liebe, von tiefstem wechselseitigem Verständnis getragenen Fortarbeitens zum Heile beider Staaten, zum Segen der Monarchie, zum Glanz und Ruhm des all geliebten Herrscherhauses

Auf die Rede des Ministerpräsidenten Stuergkh ant⸗

wortete der ungarische Ministerpräsident Graf Tis za, von

lebhaftem Beifall begrüßt, in einer Ansprache, in der er 5 e haben wir gesiegt, weil wir tar!

u. a. sagte: a

In diesem großen Kampf, g und einig waren.(Lebhafte Bravo⸗Rufe.) Und, meine Herren, ich weiß nicht, ob uns diese großen Anstrengungen, die Leiden und Opfer dieses. wenn wir den Glauben an unsere Kraft und Einigkeit nicht selbst zerstört hätten durch den Eindruck, den die Gegensätze und die Zerfahrenheit in den Zuständen der Monarchie im Auslande hervorgerufen hatten. Meine Herren, vergessen wir das nicht! Wenn wir jetzt einig sind in diesem Kampfe, diesen Kampf einig, Schulter an Schulter, in gegenseitiger Liebe, in gegenseitigem

der zweimaligen Belagerung von Przemysl, die an

und die Ausdauer der Eingeschlossenen besonders

hohe Anforderungen stellte, erstand den Kameraden ein Helfer, Tröster und Führer in der Person eines ungarischen Dichters, dessen Lieder eine der eigenartigsten und bedeutendsten Blüten in der Literatur des Weltkrieges darstellen. Seine Verse gingen Faun in Abschriften von Hand zu Hand. Sein Name, der in ingarn schon vorher bekannt gewesen, wurde nun auch den Besagungstruppen pon Przemysl und allen Einwohnern vertraut. Auf den Blätt as man die Unterschrift: Gyoni Geza. Geza ist der Vorname des Dichters, der bekanntlich im Ungarischen

der dichterheld von przemysl. den Sagen

nachgesetzt wird, Gyoni sein Dichtername; die Familie heißt Achim, und seine Heimat ist Sorbodko, früher Theresienstadt, in der frucht⸗

baren Ebene zwischen Donau und Theiß. In einem Aussatz der

So geht Rede und Gegenrede durch eine Reil

Grenzboten, der sich mit dem Dichterhelden von Przemysl be⸗ beschäftigt, bietet uns der bekannte Uebersetzer Sigmar Mehring

ceinige Gedichte dieseszweiten Petöfi in gelungenen Uebersetzun⸗

en, die auf Grund der wörtlichen Verdeutschungen durch Prof. hlbach den ungarischen Originalen nachgeformt sind, und macht uns so mit diesem interessanten Kriegsdichter bekannt. Unermüd⸗ lich predigte er in seinen Liedern den Kameraden Mut und Geduld, so z. B. in einem Zwiegespräch zwischen einem schon entmutigten

und einem hoffnungsfrohen Soldaten:

Ewiger Nebel ballt sich! Wann erst zeigt ein Spalt sich, Koowatsch, o wein Kamerad? Das Gewölk durchschlitzen 2 da

au! der Bomben Feuerpfad!. Wie in Lehm gebacken l 8 uns're Jacken,

ichts von Farben ist zu seh'n!

Wenn wir ihn berennen, Wird kein Feind erkennen, Wo wir steh'n und vorwärts geh'n! prächtiger Strophen,

es zuletzt heißt:

Jetzt ist Satan Pate! Teufel! Die Granate Höhlt in unserm Zelt ein Loch! Wem ich bei mir hätte Eine Zigarette, Gabs zun Rauchen Feuer doch!

Eine, will's dir schmecken, 1 Wird im Rucksack stecken,. Wenn sie nicht schon fraß die Maus. Bist du einst zur Jause Gast in meinem Hause, Such' dir'ne Havanna aus!

Mit dem gleichen kecken Galgenhumor schildert der Dichter die in kurzen Schlaf gefunkenen Krieger mitten in den grimmigsten Nahkämpfen bei den Sturmangriffen der Russen und malt uns die Träume der einzelnen aus, die in den Freuden und Genüssen der Heimat schwelgen. In einemBrief aus dem Russenlager stellt er der eigenen aus Freiheits- und Vaterlandsliebe erglommenen Kampfbegeisterung die Verzweiflung der zu Sklaven herabgewür⸗ digten Feinde entgegen und findet Töne des feierlichsten, Pathos in dem tragischen ichtGebet auf dem Polenhügel, das den Heldentod eines Kameraden besingt und in die Schl. ßstrophe

aus mündet: Lodre, lodre, du mein süßer Fluch! l Amen! Amen! Und nun drauf und dran! Drauf! Dem Feind zu trutzigem Besuch! Drauf! Stürmt kühn und blutig an, Wo dem Sieger volle Ernte lacht! Nur noch einmal deine Hand gib mir Bruder, treuer, der du hier 3 Mit dem Tod mich hast vertraut gemacht!

Gyonis Gedichte wurden noch während der Belagerung Przemysls, die sie durch all ihre Phasen mit anfeuernden und er⸗ hebenden Versen begleiten, in der belagerten Stadt selbst gedruckt. Sie fanden so stürmische Aufnahme, daß schon im Februar 1915 die 10. Auflage erscheinen konnte. Einen Teil des Honorars für die ersten 10 000 Exemplare, 5000 Kronen, bestimmte der Dichter zu wohltätigen Zwecken für die leidenden Kameraden und Armen der Stadt. Einzelne Exemplare wurden durch Flieger aus der Festung geschmuggelt; Budapester Zeitungen brachten daraus die ersten Gedichte zur allgemeinen Kenntnis, und bald gewann ganz Ungarn seine Verse lieb, die nun ihre Kraft und Schönheit auch

über des engeren Vaterlandes Grenzen hinaus ertönen lassen. Wäh⸗ B

rend ihm so ein hoher Dichterruhm erblüht, schmachtet aber der Held selbst in russischer Gefangenschaft in Alatyr, einer kleinen Kreisstadt südlich von Nischni-Nowgorod.

* 1 8 In 3 8 5 vor dem Ausbru⸗ s jetzi Krieges ienenen dritten Ba des v. Altenschen ugbuches für Heer und Flotte findet man

und Süddeutschland gebräuchlicher Ausdruck für empfangen, z. B. Essen fassen. Diese Erklärung trifft heute nicht mehr zu; während der einjährigen Dauer des Krieges hat sich das Wortfassen

in der gesamten deutbschen Millionenarmee festgesetzt, ja es stellt

heute einen Lieblingsausdruck unserer Feldgrauen dar. Man be⸗ gegenet ihm unzählige Male in Feldpostbriefen, in den Berichten von den Kriegsschauplätzen usw. Nicht nur der Süddeutsche und Westdeutsche faßt heute Essen, Kaffee, Bier, Wollsachen und alle anderen schönen Dinge, sondern auch der Berliner, der Ostpreuße, der Schlesier, der Sachse, der Thüringer usw. In einem Feldpost⸗ briefe, der dieser Tage durch die Presse ging, sprach ein Schleswig⸗

Holsteiner sogar seine Genugtuung aus über die guten Quar⸗

nicht erspart geblieben wären,

unter dem StichworteFassen folgende Erklärung:In West⸗

tiere, die er mit seinen Kameraden gefaßt hatte. Der Aus⸗ 5

druck stammt ohne jeden Zweifel aus Süddeutschland; er iu. nicht militärischen Ursprungs, und ist aus der Sprache der Kauf⸗ leute und Gewerbetreibenden in die Soldatensprache gewandert. In Süddeutschland und Oesterreich gebraucht man schon längst das Wortfassen im Sinne vonladen man spricht dort von Zucker fassen,Kohlen fassen usw. Es ist nicht unmöglich, daß dieser Ausdruck ursprünglich nur ein Schifferwort gewesen ist. Das Wortfassen wandte man anfänglich wohl nur in Bezug auf Dinge an, die in einem Gefäß Aufnahme fanden; wenn der Schiffer Kohle faßt, so faßt er sein Schiff eben als Gefäß auf. Die erste Anwendung des Wortes im Soldatenleben weist ebenfalls die Beziehung zu Gefäßen auf, wie die Ausdrücke Essen fassen, Kaffee fassen usw. zeigen. Bei der großen Be⸗ deutung, die 8 Feldgrauen erlangt hat, konnte es nicht ausbleiben, daß es auch schon in die Sprache der Nicht⸗Soldaten gewandert ist. Der Schulknabe faßt seine Stulle, der Zivilstratege faßt am Stamm tisch seinen Frühschoppen oder Abendschoppen, ja sogar Back⸗ fische sprechen ihr Bedauern darüb eraus, daß sie den Apfelkuchen von jetzt ab ohne Schlagsahne fassen müssen. Das Allermerk⸗ würdigste bei diesem Ausdruck, der bei unseren Feldgrauen sowohl im Bereich der Gulaschkanone als auch über diese hinaus eine so große Bedeutung erlangt hat, ist aber die Tatsache, daß er in ezug auf eine Sache gar nicht angewandt wird, die der Soldat am allernotwendigsten braucht. Man hat noch nie etwas darüber gehört, daß unsere Soldaten Mut gefaßt haben, oder Mut fassen mußten. 3 verfügt der Soldat über einen so großen Vorrat an Tapferkeit, daß es für ihn vollkommen überflüͤssig ist, Mut zusassen.

Wortfassen im Leben unserer wackeren