Ausgabe 
(31.8.1915) 204. Zweites Blatt
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g gedenkt auch Nikolaus II.

öFdeites Blatt Erscheint taal mit Ausnahme des Senntags

DieSlehener Famillenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Ureis Gießen zweimal wöchentlich. DieLandwirtschaftlichen Zeit⸗ tagen erscheinen monatlich zweimal.

Flucht des Zaren.

von A und Irland, so . Nike seine Residenz zu wechseln. Scheinbar freiwillig, natürlich. 8 soll ee ge⸗ schoben werden. Eine Pilgerfahrt nach Kiew zum Beispiel, oder eine Erholungsreise nach der Krim wäre kein übler Vorwand. Der Zar ist gesundheitlich völlig zusammen⸗ gebrochen, heißt es. Großfürst Generalissimus Nikolai war vorige Woche wieder am Petersburger Hofe und hatte eine lange Unterredung unter vier Augen mit Väterchen. Da kann man den Zuervlichen Zusammenbruch des Zaren schon verstehen. Offiziell wird es heißen, der Zar müsse in einer stilleven Uu ung Heilung von der Nervenkrisis suchen. Der he mliche Zweck aber ist erreicht: Nikolaus ist aus dem Bereiche anderer, vielleicht zum Frieden geneigter Berater gebracht, allen sonstigen persönlichen Einflüssen entzogen Nikolai⸗Nikolajewitsch aber herrscht unbeschränlt und treibt mit seinem zum Wahnwitz entarteten Starrsinn Rußland dem völligen Verderben entgegen. Wer trägt die Verantworturg für das, was sich nun weiter ereignet? Man wirft mir stets meine Schwäche vor, aber diese kommt nur daher, weil man mich von jeher in völliger Willen⸗ losigkeit gehasten und mir gewissermaßen verboten hat, ohne besonde: 2 Erlgubnis auch nur einen Finger zu be⸗ wegen, so äußerte sich Nikolaus II. einst im bitteren Zorn über seine geknechtete Jugend. Vollkommen durchsetzt von der barbarischen Lebensanschauung Zar Alexanders, dul⸗ deten die zieher auch nicht daß geringste geistige Auf⸗ flammen des jun Thronfolgers. Unvorbereitet für die schwere Aufgabe, die ihm in dem Alleinherrschen über alle Reußen bevorstand, sah er sich plötzlich an der Bahre seines Vaters, des Mannes, dem er auf alle Wünsche und Fragen immer nur geantwortet hatte:Wie Du es befiehlst, Väter⸗ chen.. Und als dieser Vater auf dem Sterbebette den Wunsch äußerte, das Russische Reich in den Bahnen weiterzuleiten, wie er es getan hatte in den Bahnen einer e, panflawistisch⸗gehässigen Politik, da wußte Nikolaj auch nichts anderes zu stammeln als:Wie Du be⸗ fiehlst, Väterchen DiesesWie Du willst, Väterchen war nun die Richtschmur seines Handelns, alles geschah im Sinne des Vaters. Er ü das Beamtentum des Vaters, die Polizeiherrschaft und das deutschfeindliche Mi⸗ nisterium. Immer mehr wurde er nicht nur von der Klique der Großfürsten und der Zarin⸗Mutter(die auch in einem ständigen Krieg mit der Zarin⸗Gattin lag) umsponnen, sondern er wurde auch aus Furcht vor Revolution und

Die Wie Georg V.

Attentaten herzlos. Sein ganzes Leben ist beherrscht von i

5 a 5 riez we Unter⸗ Arbeit roduktion in Furcht. Leo Tolstoi sprach vomZaren als von einem R e e* e Rubel armen, scheuen, jungen Manne Dumont nannte ihn Lebensmittel 3052 22450 154 einfurchtsames, scheues und melancholisches Geschöpf. Gewebe 1166 150 300 341 Seine Urteils- und Denkkraft ist so gering, daß man ihm 1918 25 440 48 unausgesetzt iese in die Rocktaschen und ins Bett. 1510 62 000 110 schnuggeln donnte, daß er auf den Gedanken fam, und Hütten 5 1700 5 daß die gen in seiner 5 Umgebung zu finden 5 67 15 400 25 en D gane de sich au bie Pasduktten der wihtinsen Zweige wenn er sich 1. Leibdiener einmal auf russische Weise der polnischen Induslrie beziehen, sind für: 3 Es ist beinahe natürlich, daß eine so ängstliche,. 6000 0 8

Rohei 426 000 nen

chwache und 1 Persönlichheit, die inmitten von Angst um das eigene n dieSelbstherrschaft über das Riesenvolk der Reußen zu führen hat, im Kriege, im Welt⸗ kriege vollständig versagt. An die Stelle seines Befehls trat der seines willenskräftigen Vetters, des Hünen von der gesünderen Linie der Romanows, des Führers der Groß⸗ fürstenpartei. An jenem 25. Juli 1914, der für Rußlands Schicksal entscheidend wurde, erschien Nikolajewitsch beim Zaren und stellte ihm das Ultimatum: Entweder abdanken oder die Mobilmachungsorder unterschreiben. Väterchen unterschrieb, mußte sich einschließen und durfte weder Sa⸗ sonow noch den Kriegsminister vorlassen. So konnte dieser und der russische Generalstabschef ihr berüchtigtes

wort abgeben, es sei kein Mobilmachungs befehl ergangen. Aber der Vetter des Zaren hatte das Papier in der Tasche. Und der Vetter machte dann alles. Wer trägt die Verant⸗ wortung? Vor der Geschichte beide. Unfähig, die entsetz⸗ lichen Folgen seines Schrittes zu begreifen, schwankte der

5 105. Jahrgang

Gießener Anzeiger

General⸗Anzeiger für Oberhessen

Zar auch weiterhin von einem Entschluß zum andern, ließ sich Unterschriften unter Schriftstücke entlocken, deren In⸗ halt er nicht kannte, deren Wirkung er sich nicht die Mühe nahm, vorauszuberechuen. Kaum, daß er sich über dies oder jenes einen knappen Vortrag halten ließ. Drohte ein selb⸗ ständiger Gedanke im Schreibzimmer des Gossudars auf⸗ . gleich hielt das Auto des Generalissimus vor em Zarenpalast, und die erlassenen Befehle wurden rück⸗ hieß es gemacht.Der Kaiser hat es sich anders überlegt, sieß es. Nikolai war da gewesen. Nikolai ist die Revolution von oben. Während der Zar vielleicht immer noch die Revo⸗ lution von unten, jetzt als Folge der Kriegsniederlagen, fürchtet, sieht er nicht die Schlinge, die ihm von oben uber den 1 55 geworfen werden soll. Der Krieg ist für Nikolaje⸗ witsch der Umweg zur Entthronung des Zaren und zur Entmündigung des Thronfolgers. Dieser Plan bestand, so⸗ lange die russische Dampfwalze nach Ostpreu hinein und über Galizien hinfuhr, Dieser Plan besteht heute erst recht, da alles schief geht undNikys Regierung zusammenbricht. Nikolaus II. Entfernung aus Petersburg ist vielleicht schon der erste Schritt zum Ausbruch der Palastrevolution, das Signal zu einer Familien⸗ und Throntragödie, die neben dem furchtbaren Drama des Krieges einhergeht.

Statistisches über Warschau.

Die dritte Hauptstadt des russischen Reiches mit rund einer Million Einwohner wurde durch ihre Lage an der Weichsel, dem so wichtigen Wasserweg, und durch die Nähe des Kohlen⸗ und Erz⸗ distrikts sehr schnell zum Mittel punkt der Industrie und des Han⸗ dels, als Rußland in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts zum Schutzzollsystem überging. Dieses Zollsystem veranlaßte auch die Uebersiedlung industrieller Unternehmungen aus Deutschland nach Russisch⸗Polen. Auf diese Weise entstand die mächtige Webe⸗ industrie in Lodz und die Metallindustrie, deren Handelszentrum Warschau wurde.. 1

Diese wirtschaftliche Entwicklung des westlichen Teiles von Polen beruht hauptsächlich auf der sehr intensiven Bewirtschastung dieses Landes, in welchem auf ein Kilometer viermal so viele Ein⸗ wohner und zweimal so viele Bahnen kommen wie in Rußland.

Nach der letzten amtlichen Statistik besitzt Polen 10 953 indu⸗ strielle Unternehmungen, die rund 400 000 Arbeiter beschäftigen. 5 18 85 der industriellen Produktion beträgt 923 Millionen

el.

Seitdem diese Zahlen festgestellt wurden, entwickelten sich der Handel und die Industrie in Polen weiter, besonders die Webe⸗ industrie. In diesem Industriezweig gab es im Jahre 1910 1116, im Jahre 1913 bereits 11 412 Unternehmungen.

Die Daten über die wichtigsten Industriezweige in Polen sind folgende: 8

oheisen Eiserne Halbfabrkkate Fertige eiserne Fabrikate Spiritusindustrie Zuckerindustrie

605 000 Tonnen 451000 Tonnen 79 50 2 terzentn. Erdstärkeindustrie 1 200 000 Pud Zementindustrie 1 900 000 Tonnen. Die jährliche Produktion Warschaus wird auf 100 Millionen Rubel, die von Lodz auf 250 Millionen Rubel geschätzt. Hat die industrielle Produktion Warschaus einen geringeren Geldwert als die Produktion von Lodz, so ist diese Erscheinung darauf zurück⸗ zuführen, daß Warschau eine große Anzahl kleiner industrieller Unternehmungen besitt, während sich in Lodz ausschließlich Unter⸗ nehmungen großen Stils befinden. Besonders in der Baumwoll⸗ industrie gibt es keine kleinen und mittelgroßen Unternehmungen. Es existieren fast ausschließlich große Unternehmungen, die die Hilfs⸗ und Neben produktion mit der Hauptproduktion vereinigen. In der Metallindustrie, die in Warschau eine sehr große Rolle spielt, tritt eine solche Tendenz nicht so stark auf. Jedoch hat Warschau an großen Fabrikunternehmungen mehr als dreihundert.

Dienstag, 3]. August 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

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straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 5l, Schrift⸗

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Warschau nimmt auch im Handel eine hervorragende Stel⸗ lung ein. Der Septembermarkt für Hopfen, die Junimärkte für Wolle sind von großer Bedeutung. Die Wollmärkte haben in den letzten Jahren zwar abgenommen, weil die Schafzucht sich ver⸗ ringert hat, dagegen ist der Holzhandel bedeutend gestiegen. Der Hauptabnehmer ist Deutschland, nach diesem Oesterreich⸗Ungarn. Welchen Umfang der Abtransport der großen Fabriken nach 1 9 angenommen hat, wird sich in allernächster Zeit her⸗ ausstellen.

Gerichtsfaal. Kriegsschwindeleien.

Angetan mit einer Bootsmannsmaat⸗Uniform und dem Abzeichen als Marineflieger, die Brust stolz geschmückt mit der Chinamedaille und den Tapferkeitsauszeichnungen, bereiste er ganz Deut sch land. Ueberall ließ er sich von den Pflegestationen des Roten Kreuzes bewirten, knüpfte Reisebekanntschaften an und verstand es ausgezeichnet, diese für sich auszunützen. Die Leute waren von der Schilderung seiner Heldentaten und der erduldeten Strapazen gerührt, und sie überboten sich demHelden gegenüber in Wohl⸗ taten aller Art. Dieser füllte ihm die Taschen mit Rauchwaren, jener quartierte ihn auf seine Kosten in einem guten Gasthause

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Leipzig, 30. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reichs gericht verwarf die Revision des Arbeiters David Lucht und dessen Ehefrau, die vom Schwurgericht Bielefeld am 5. Juli 19 wegen Mordes zum Tode verurteilt worden waren. Die A geklagten hatten am 8. Mai 1914 gemeinschastlich die dreijährige vorehelich geborene Tochter Martha zu Jöllenbeck ermordet und außerdem der Ehemann am 18. Februar 1915 zu Oberjöllenbech das eheliche Kind beider Angeklagten, die neun Monate alt Tochter Frieda. 5

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ener

von Bergmann& Co., Radebeul, für zarte weisle Haut und blendend schönen Teint, à Stück 50 Pfg. Uberall zu haben.

Der Gesang der Gefangenen. Von Fritz Mack..

Es war während des Rundgangs durch das große Lager, das zehntausend gefangene Russen aufnahm, Abend geworden. Die Somme stand rotglühend über einer schwarzen Kieferuwand hinten am Horizont. Ihre letzten Strahlen schlichen sich eben durch die schmalen Oberlichtfenster in eine der großen, halb in die Erde eingebauten Wohnbaracken der Russen und tauchten das lebhaft⸗ bewegte Bild in eim beinahe feierliches Licht. um die Altäre unserer Kirchen schwebt, wenn die Sonne durch bunte Spitzbogenfenster gedämpft wird. Die Russen saßen oder standen plaudernd in Gruppen umher, die meisten von ihnen barfuß. Sie batten die Stiefel neben ihre Lagerstätten gestellt und ließen sich den warmen, märkischen Sand wohlig über die Füße rieseln. Das Ganze ein Bild, wie es Max Liebermann gut malen müßte. Niemand läßt sich durch unsere Anwesenheit stören. Erst als

ein blonder, untersetzter Russe, feingliedrig und mit einem etwas

weichlichen Gesichtsausdruck, im Rahmen des Eingangs erscheint,

aut alles auf. Es ist der Aufseher dieses Gefangenenhofes, ein 5 1 0 der ziemlich fließend deutsch spricht. Er ruft die Sänger zum religiösen Abendgesang. Eine Schar von knapp zwei Dutzend Russen mee sich um einen schlanken, schwarzgelockten Russen mit einem prachtvoll rassigen Kopf, in dessen Augen ein heißes slawisches Temperament glüht. Er ist im Zivilberuf Opern⸗ sänger in Odessa und hat hier unter seinen Kameraden offenbar einen kleinen Chor zusammengebracht, der seinen musikalischen und erzieherischen Fähigkeiten alle Ehre macht. Er selbst übt neben dem Amt d trigenten das eines Vorsängers, wie wir es in unseren Synagogen sehen. 5 5 Die Russen, die nicht mitsingen, haben sich neben den Ein⸗ gängen in ihre Baracken aufgestellt und nehmen jetzt mit den Sängern ihre Mützen ab. Der metallische, ungemein wohlklingende Tenor des Vorsängers ertönt jetzt weit in die abendliche Stille hinein Der Sänger legt Seele in sein Lied, und als der Chor, nach Art eines gutgeschulten Männerchors, pünktlich und sicher einsetzt, fühlt man die innerliche Art des Vortrags. Es ist ein veligiöses Lied, eine schwermütige, getragene Weise, die in dieser besonderen Umgebung, in Anblick der vielen hundert andächtig chenden Russen und bei der feierlichen Ruhe der abendlichen 15 seltsam ergreifend wirkt. Neben dem Eingang einer a Mon⸗

gelben und schlürtte seine Abendsuppe

So etwa, wie es läß

Augen verlieren den stumpfen Ausdruck. Scheu, wie schuldbewußt, sieht er sich um, beobachtet seine Kameraden, dann haben die heimatlichen Töne auch seine Seele in ihren Bann gezwungen. Auch wir, wohl alle in dem Gedanken an unsere gefangenen deutschen Brüder in Feindesland, sind nachdenklich geworden. Auch sie werden manchesmal, genau wie diese Russen hier, im heimat⸗ lichen Lied Trost und Vergessen für ihre Leiden finden.

Der lebhaftere Rhythmus eines Soldatenliedes, aus dem russisch⸗japanischen Krieg, wie uns der blonde Referendar erklärt, äßt uns erneut aufhorchen. Wieder singt der glutäugige Opern⸗ sänger aus Odessa vor, und wieder setzen die anderen, sicher und ohne Schwanken ein; keiner kommt zu früh, keiner hängt nach. Auch ein Liebeslied,Poltawa, das die Russen jetzt an⸗ stimmen, singen sie in derselben Weise. An den benachbarten Sammelhöfen drängen sich die Gefangenen an die Stacheldraht⸗ umwehrungen und lauschen herüber. Einem baumlangen Basch⸗ kiren, den die Lammfellmütze noch größer erscheinen läßt, schim⸗ mern die Augen feucht, und nach einer Weile zittert ein Tropfen in seinen struppigen Bart. Der kleine Referendar hat ein ge⸗ zwungenes Lächeln im Gesicht. 1 5

Wir sind weitergegangen. Die frische Stimme klingt auch aus der Ferne noch deutlich an unser Ohr. Gedämpft tönt der Gesang der anderen herüber. Ich muß mich gegen eine plötz⸗ lich aufsteigende weiche Regung wehren. Diese Russen hier sind Gefangene aus der Schlacht von Tannenberg. Damals waren sie plündernd, sengend und mordend in unser Ostpreußen ein⸗ gefallen, hatten gehaust dort wie Wilde. Und heute singen sie weiche Liebeslieder! Und weinen dabei! Rätsel der Volksseele!

*

Das Grab derKönigsberg im Palmen hain. Eine anschauliche Schilderung vom Untergang derKönigsberg wird von einem Augenzeugen in der New Yorker Times gegeben; sie verdient trotz der vielen Erzählungen, die wir schon über den Heldentod des Schiffes und seiner tapferen Mannschaft ge⸗ hört haben, ihrer wirkungsvollen Lebendigkeit wegen besonderxe Be⸗ achtung. Der Schreiber schildert den abgelegenen von Urwaldsfrie⸗ den erfüllten Ort im afrikanischen Dschungel, zu der noch kein Laut von dem durch die Welt brausenden Krdegslärm gedrungen war.Seit langer, langer Zeit hat sich hier nichts ereignet; viel⸗ leicht ist hier überhaupt noch niemals etwas passiert. Da kommt eines Tages den verborgenen Fluß vom Meere her ein Schiff herauf, so groß, daß es die Wasser über die User treten läßt. Es

in den ruhigen Himmel recken. Das Schiff macht Halt; Leute dom⸗ men an Land; sie führen Erdarbeiten aus zu irgendeinem geheim nisvollen Zweck. So manchen Tag arbeiten sie und richten si im Urwald ein, und als ihre Arbeit getan ist, ruhen sie aus in der paradiesischen Natur. Wochen vergehen. Das Schiff paßt sich der Landschaft an, wächst gleichsam hinein in den Rahmen des großen Palmenhains, der es umgibt. Die merkwürdigen Leute, die darauf ankamen, sind auch hineingewachsen in die Sti i dieser lieblichen Flußufer, erscheinen wie friedliche Ansiedler, d hier eine freundliche Muße genießen. Und so geht die Zeit ihren Gang, lautlos und langsam, bis plötzlich in den Wolken etwas erscheint, etwas, das einem Vogel ähnlich sieht, aber größer und größer wird. Die Leute von dem Schiff sind augenscheinlich aber⸗ gläubisch. Sie sehen in diesem dunkelkreisenden Vogel ein Zeichen des Unglücks und schießen auf ihn. Doch der Vogel entschwebt, und wieder breitet sich der idyllische Friede des Urwaldes aus, kei Zeichen drohender Gefahr am Himmel. Und doch haben die Leute recht gehabt, denn es dauert nicht lange, da zerreißen furchtbare

Töne die Urwaldstille. Wolken tauchen auf, hinter denen es blitzt wie bei einem Gewitter. Eine verheerende Gewalt bricht in den

Palmenhain und reißt alles nieder. Ein Eisen gel daher aus der Ferne. Die Leute im Urwald 1 2 Gleices i Gleichem; auch sie fenden große blitzzuckende Wolken in die Rich⸗ tung, von der die andern kamen. Als das Feuer aufhört, ist das Schiff schwer beschädigt, so mancher ist tot, und Hunderte von schönen Palmenbäumen liegen entwurzelt da. Wieder tritt Ruhe din, aber es ist die unheimlich schwüle Ruhe vor dem Sturm. Eine Woche später erscheint der Unheilsvogel von neuem; wieder don⸗ nert's und saust brüllend durch den Palmenhain, und diesmal kommen die vernichtenden Geschosse immer schneller, immer näher; immer langsamer und immer seltener antwortet es von dem Schiffe, bis schließlich das Schiff eine hilflose Masse ist. Dann fliegt der große Vogel sort, und mit einer Art grausiger Befriedigung scheint er die Stätte der Vernichtung zu verlassen. Etwas Seltsantes i da im Palmenhain an dem verborgenen Fluß in Afrika geschehen, und es liegt nicht viel von der schaurigen Größe und Gewalt dieses Ereignisses in dem Bericht der britischen Admiralität, den man am nächsten Tag in den Zeitungen liest und der mit dürren Worten besagt, daß der deutsche KreuzerKönigsberg, der sich in den Rufiji⸗Fluß in Ostafrika, von dichten Palmen verdeckt, gerettet hatte, von einem Flugzeug aufgespürt und von englischen Mont⸗ toren zusammengeschossen wurde. N 0

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acken sal; 3 Russe mit einem tet sich mit einem Male auf, und seine 0 3.

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ist noch höher als die hohen Palmen, die ihre Wipfel so friedevoll

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