Ausgabe 
(30.8.1915) 203. Zweites Blatt
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m. 208

dem 8

nächsten Augenblick hervor und schmeißt uns

Zweites Blatt Gesche Wett ie lursnahme des Souulaga. DieSießener Famistenblätter werden dem Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt, das Kreisblatt für den Kreis Gießen zweimal

wöchendich. Die. andwirtschaftlichen Fell⸗ fragen erscheinen monatlich zweimal.

Briefe vom UAriegsschauplatz in Polen.

Von aunserm zur Armee Mackensen entsandten Kriegsberichterstatter (unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten) Zwischen Weichsel und Bug. f

Südpolen, August 1915.

5 Nef 805 1 cht, ob elbe

IJ̃ nicht, ob es.

Thaddäus KosziuskoViertausend gegen ene

und das deshalb nach dem Li

von dem ich hier spreche, das au⸗ sten aller Bäume ebenfalls

wenn die theate Ende

5 hieß

Darüber, wel⸗ üsse sich aus der ü ich i hinaus⸗ 2 Schlüsse sich Tatsache e 75 gerüskt

in den polnischen Aufständen artum dem eigentl. geflossen ist.

genommen haben Auch das Darum und Daran hat sein

runde nur der Fluß. u 5 schlag. Dazu wurde, gegen Ende der Szene, etwas Militärmusik vernehmbar. Der Torgauer Marsch. Er sollte die anmarschierende Truppe dafür entschädigen, daß ihr Weg durch den fußtiefen Sand, der hier mieder einmal Landstraße hieß, vergeblich gewesen war. Das, was davon bis zu ihnen herüberklang, en die Pioniere für ihren Anteil als Trost nehmen, als sie ihren Baukasten wieder ein packen durften.Rin in die Kartoffeln!Raus aus die Kartoffeln! Jeder Soldat ist an das alte Befehlsschema gewöhnt. Aber ärgerlich bleibt es doch, wenn es, ohne daß Wahrnehmbares sich geändert hat, plötzlich heißtNu wieder raus! wo man sich doch eben erst

a Der Flieger. Von Max Bittrich Da der Himmel nach mehrtägiger völliger Bewölkung und

starkem Regen wieder schöne blaue Felder zeigte, so wagten

sich die Bewohner der. mit Bomben beworfenen Stadt auf die Straßen, um den

enschein zu atmen und zu be⸗ staunen, was sich in den Gärten an Knospen und Blüten auf⸗ getan hatte. 5 b Aber so sehr man des Frühlings Fortschritte auf Auge und Ohr wirken ließ: hin und wieder gingen die Blicke zu den sonnigen Himmelsbezirken nicht in lauterDankbarkeit, sondern der Kopf brummelte:Nun können sie wieder herflitzen! Wer weiß: vielleicht steckt schon Einer über den Wolken, schwirrt im e einen donnernden Gruß vor die Füße!

Und Bekannte schauten auch gemeinsam nach oben und lachten: Gleich werden sie wohl nicht wiederkommen!

Der Ton sollte Zweifel ausdrücken, doch man konnte manch⸗ 35 197 75 52 72 heraushören, von Furcht befreit zu werden guten Zuspruch. 5 5 Auf der schmalen Straße mit den üppig knospenden Kastanien starrte eine kleine Gruppe nach sonderbar geformten Wolken. Ein Herr hob den Stock und deutete die Richtung genauer an, in der er eine merkwürdige Erscheinung bemerkt haben wollte, etwas, das pfeilschnell von einer Wolke zur anderen, in der . sozusagen, geflogen, nein, sozusagen geschwirrt, gefli 4 5

Mehr Leute fanden sich dazu und horchten. Also doch wieder! 8 5 Vielleicht, meinte eine Dame, wollte so ein Luftfockey nur ein neues Ziel erkunden. Jedenfalls sei Vorsicht allemal gut vor den Luft⸗Nomaden. 5 Obwohl ihre blumige Rede nicht eindruckslos vorüberging, spannte ein nervöser Mensch den Schirm auf. Andere lachten und äußerten, sie seien ganz unbesorgt, so lange kein Warnungs⸗ schuß der Abwehrstelle ertöne, lasse man sich sein bischen Ruhe und 4 nicht nehmen, durch segelnde Vagabunden schon 97 5 Und außerdem: wenes treffen solle, den treffe 7* 3

Wobei jedoch die Augen fortwährend die Hohe absuchten wie

2 7

165. Jahrgang

Gießener Anzeig

General⸗Anzeiger für Oberhessen

ehrlich geplagt hat, um befehlsgemäßrin zu kommen. Nun, irgend was wird schon dos sein Was aber? Und man rät und rät und findet schließlich eine Löfung. Schade, daß man nicht fragen kann, ob sie richtig ist. Aber die Vorgesetzten haben nicht die Gewohnheit, ihre Befehle zu begründen, und so hat das Er⸗ gebnis vielseitigen Nachdenkens das wenig beneidenswerte Schicksal, weiter hinten als Grundlage für allerlei A. E. G.(ließ: Allge⸗ meines Eta ppen⸗Geschwätz) ruhmlos zu verklingen. Der Brückensteig für unsere Vorhut machte nicht viel Arbeit. Er konnte sich längs der Tragpfeiler der im Bau begriffenen Rirssenbrücke bequem einnisten. Daß deren Stämme angekohlt waren, tat nichts. Der Feind war, als er abzog, nicht mehr dazu so gründliche Arbeit zu tun, wie er es beim Niederbrennen der hölzernen Brückenpfeiler sonst es war bei einem schwächlichen Versuch lieben. Auch die Auf⸗ stellung einer Pontonbrücke hielt an sich nicht lange auf. Man braucht, wenn man an Ort und Stelle ist, eigentlich nur abzuladen. Die Richtstangen sind schnell eingeschlagen, und die Kähne fast

ebenso schnell zu Wasser gebracht. Beplankung und Querhölzer sind, nach ihrer N im Handumdrehen an⸗ und jnein⸗ ander gefügt; richtiggelernte Pioniere machen das sozufagen

im Schlaf, und auch der Ersatz hat Zusammengehörigkeit und Handgriffe schnell weg. Die Frage ist, wie man hinunter zu ihr kommt und drüben wieder hinguf, wenn der Fluß Steilufer hat. Auf Kletterpartien können sich die Infanterie und Reiterei mur unter Zeitverlust, und Artillerie und Munitionskolonnen meist überhaupt nicht einlassen. Man muß dann tragfähige Abstieg⸗ und Aufstiegrampen bauen, meist mitbehelfsmäßigem Material, was, besonders wenn es schnell gehen soll, nicht immer anz einfach ist. Hier aber sollte es schnell gehen, und die Steilufer 1 1 da.

. nsere Pioniere hatten sich ehrlich geplagt. Große Eile war ihnen, wie dem Divisions⸗Brückentrain zur besonderen Pflicht ge⸗ macht worden. Jenseits des Flusses war ein starker Feind im An⸗ marsch, während bis dahin nur ein Kosakenpulk drüben sein Wesen getrieben hatte. V. ppen hatten die ersten Dörfer auf der anderen Seite bereits erreicht. Der Bug ist tief. So galt es, ehe es pielleicht viel Blut kostete, noch schnell einen Uebergang zu schaffen, mit dessen Hilfe man den Gegner hindern konnte, sich, wie üblich, an den von ihm erreichten Punkten hinter einer quer durch die Schöpfung laufenden Erdböschung und dem dazu gehörigen Stacheldrahtgewirr häuslich einzurichten. In tapferem stunden⸗ langem Vorwärtsstampfen hatten Roß und Mann sich herangequält. Zweifel über die beste Uebergangsstelle konnte nicht bestehen. Die Russen hatten vorgearbeitet. Weit in das ausgedehnte Vorflut⸗ elände hinein standen sauber gerammt und wohl ausgerüstet die Träger aus mannsdickem Kiefernholz, die eine zweigeleisige Kriegs⸗ bahn über das Flußbett hinweg hatten stützen sollen. Halb voll⸗

ungefähr die russische Führung sich die Aufgaben der Brücken⸗ kopfstation gedacht hatte. Auch das Balkenlager der Brücke war zum Teil bereits fertig. Das Ganze, sie in solch wuchtiger Kernigkeit, in solchem Gleichmaß und lleber⸗ fluß nur die alten Wälder Polens hergeben. Die verschiedensten Kleinigkeiten ließen erkennen, daß die Russen bis zu threm erst vor kurzer Zeit erfolgtem Abmarsch mit allem Eifer vermutlich auch im Gefühl völliger Sicherheit an dem von ihnen in An⸗ griff genommenen ziemlich anspruchsvollen Werk gearbeitet hatten.

Absichben ihrer Auffassung der Lage ziehen lassen, Fitr un

Doch selbstverständlich wurde die Sache geschafft. Als der Herr Oberstleutnant eintraf, konnte er feststellen, daß gerade die letzte Hand angelegt wurde. Es war eine halbe Stunde vor der für den Beginn des Uebergangs angesetten Zeit. Er ritt weiter zu der anderen Kompagnie. Ich blieb ber dem Pionierhauptmann, dessen Leute die Brücke geschlagen hatten. Int Frieden war er Landrichter. Da baute er hieb⸗ und stichfeste Urteile; jetzt waren Brücken, Unterstände, Minengänge und derlei sein Fall.Ein. Jurist kann alles! meinte er behaglich. Sein Auge hing an dem wohlgelungenen Werk. Dieses wurde eben in Benutzung genommen. Ein Meldereiter von den Honveds polterte herüber. Eilig ritt er durch die Pioniere hindurch nach Dubienka, von wo die an⸗ rückende Truppe zu erwarten war. Im Hintergrund, neben dem vorschriftsmäßig aufgefahrenen Wagenpark des Brückentrains, qualmte schon lange ungeduldig die Feldküche. war der Zeitpunkt gekommen, die Pioniere zum Empfang ihrer Mahlzeit antreten zu lassen. Bald saßen sie in bunten Gruppen auf allerlei Gebälk herum und löffelten. Denn es gab, was es meistens gibt, etwas Flüssiges, nämlich eine Suppe mit nicht gerade üppig viel Fleisch, einer über ihres Lebens Mai längst hinaus gediehenen Kuh darin. Noch waren einige der üblichen Zwistigkeiben zwischen dem Koch und Mogelanten, die sich eine doppelte Portion erschleichen wollten, zu schlichten; dann konnte der Hauptmann daran denken,

laufen, so malte die Fliegerunruhe schwarze oder glitzernde Punkte an das Himmelsgewölbe, und schon ein in der Nebengasse zuge⸗ schlagenes Tor ließ aufhorchen: was war das? Und falls sich eine unschuldige Ursache ergab, lachte man wiederum sich und andere aus.

Ja, ja: wie auf Grammoohonplatten hatten sich in das Hirn feine Spuren eingegraben: jeder Sonnenstrahl rief die alte Weise wach:Vorsicht! Vorsicht! g

Und mechanisch suchte ein neuer Zuruf den ersten zu über⸗ tönen:Nur nicht ängstlich und zappelig werden! Wie wenig treffen! Wie viele krepieren nicht! Und wenn der Flieger genau über seinem Ziele die Bombe fallen läßt, so saust sie noch ein i 75 5 ihm her und trifft einen anderen Punkt.

ewiß!

Aber vielleicht gerade den, auf dem du stehst, den er gar nicht bombardieren wollte, setzten die Bedenken abermals ein.

Und eine neue Stimme rief:Alles zum Lachen! Niemand beschifft augenblicklich das Luftmeer auf Acols Fittigen!

Da ist er! gellte zwischen jegliche Ueberlegung eine Tenor⸗ stimme.Ich habe soeben den Schweif gesehen, oder wie gesagt, den 5 den Schwanz.

178 o?

Zwischen den beiden schwarzen Wolken. Gerade über den roten Dächern. In der nächsten Gasse oder auf dem Platz werden wir ihn besser in den Gesichtswinkel ziehen.

Ich sehe nicht. Ah, jetzt, freilich. Ganz recht. meinen Sie?

Nicht gerade links! Rechts! Ganz rechts! 5

Da sind die Schwingen! Jetzt saust er über die Dächer! Nächste Straße! Nächste!. 2

Ein paar Dutzend Leute rannten davon, ihn besser zu beob⸗ achten. Schon hatten sie deutlich wahrgenommen, wie die Schwin⸗ gen das blaue Himmelsfeld durchfurchten.

Und wie sicher! Er fließt förmlich. nicht sein! 8 5

Jetzt: man hört bereits die Schraube.

Du bist boch'ne Schraube! Ein Auto kommt!

Der Zweifler behielt recht. Doch dievoch'ne Schraube war, behauptete, sie habe sich nicht nur auf die Ohren verlassen, sondern auch die Augen gebraucht. Ganz deutlich habe der Apparat

Links

Nur die Gefahr sollte

wohnt ist; f.

endete Rampenbauten und Dammaufschütttungen verrieten, wie de

aus Stämmen gefügt, wie.

Montag, 50. August 1015

Rotationsdruck und Verlag der Brühl sschen Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.

Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗

straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: e 51, Schrist⸗

leitung: e112. Adreffe für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.

gehen. Vor einer Stunde voller Kosaken gewesen. Sie mußten

3.Befehl einzustellen. 1

gleich gesamte russische Gros hinter ihnen war. Dennoch freilich wohl zu spät um zu ver daß alle Lesarten, zu man vorn auf der einer Erkl g zunächst dem Wege des nichts! i

enschlags haben Steilufer eine Höhe von schon nahe dem Ufer 4 Me

̃

Aus dem Reiche. l Bundesratsbeschlüsse. Berlin, 29. Aug(WTB. Amtlich.) Der Bunde rat beschloß in seiner Sitzung vom 28. August den Crlaß

Unsinn! Er ging ja'runter] Es war eine förmliche Kadenz, rief der Tenor. 1 f 1 DieSchraube wollte nicht auf das letzte Wort i Er Hiderte ein wenig schlotterigl Wee 3 4 Die Spreizen lagen ruhig wie auf dem Feder⸗ e

1 1 ich habe deutlich die Schleppen ⸗Schwankung ge⸗ Schleppe? So kann nur ein Schneider reden! 1 Schneider oder nicht! Jedenfalls flog da ein Franzose! Wieso?

Ihre Dinger sind viel kürzer.

J wo: der Apparat sah ganz weiß aus. Ein Engländer Engländer oder Franzose! Aber weshalb schießt die Abwehr⸗ Maunschaft nicht? Schlamperei! Und des Tenors Stimme stieg 1 55 einer Rakete:Zu was stehen die Haubitzen au dem

erg? a 1 In diesem Augenblick warf die Sonne ihren Schein auf d segelnden Wanderers Schwingen.

O je! schrie ein Jüngling, rückte den Zwicker über der Brille zurecht und ließ seine Bücher fallen:O je! Das ist ja ein ganz arger Besuch, wenn auch bestimmt kein Franzose. 1 8 5 Ich erkenne ihn genau. Er gehört zur Klasse der Ciconiae. Glaub ich nicht! schrillte der Tenor.

Bin Fachmann. Er ist ein Deutscher, der Flieger. Heißt Ciconia alba.

Zweidecker?

Zweischwinger woll'n wir mal sagen. meine Herrschaften, ist ein ganz Wiesen⸗ und Klapperstorch! 8 Da senkte sich auch bereits der Adebar zum Gleitflug nach der Froschwiese in wunderbar sicherm Gefäll, und schön leuchtete sein roter Schnabel. 3 Haben recht! gestand der Tenor, und sein Ton selben schuebte gleich einem Vogel über allem Streit.Haben recht! Ist ja ein echter Deutscher! So was schicken uns die Franzosen nicht! Hahen ja selber keene! 1 Inzwischen stärkte sich der Adebar schon auf der Wiese. auch ihm war die Aufgabe geworden, und mit uns durchzuhalten.

Was sie da anstarren, gewöhnlicher Sumpf⸗ 7

auf, 8 Den an die Zukunft zu denken

wie sage man? 9szilliert.

nd wie eine gewisse M Alkohol den Augen n e Mbslenn beat, duch wo kin

Nee, sich geschaukelt!

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