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aufgenommen worden sind.
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AFZweites Blatt
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5 80 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags.
Die„Gießener Famlillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen deit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal.
165. Jahrgang
Bießener Anzeiger
General⸗Anzeiger für Oberhessen
Samstag, 28. August 1015
Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen.
Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗
straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrift⸗
leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Hinter Brest⸗Litowsk. Der Buschkampf im Sumpfgebiet.
Mit dem Falle von Brest⸗Litowsk hat sich den Verbün⸗ deten das Hinterland dieser Festung geöffnet, die bereits vielgenannte„Polesie“, das größte Sumpfgebiet Europas. Man nennt es auch die Pripetsümpfe. Es bildet eine zum Pripetflusse leicht abfallende Ebene, die größtenteils mit dichtem Wald bedeckt ist. Die ausgedehnten Sumpf⸗ flächen und die zahlreichen, in sumpfigen Tälern langsam dahinfließenden Zuflüsse erschweren nicht nur in den meisten Bezirken militärische Unternehmungen größeren Stiles, son⸗ dern schließen sie geradezu aus. Ebenso ungünstig wie für die Bewegungen großer Heeresmassen liegen die Verhält⸗ nisse für Verpflegung und Unterkunft in diesem ärmlichen und dünnbevölkerten Landstrich. So ist an militärischen Unternehmungen im allgemeinen hier nur der kleine Krieg denkbar. Dieser kleine Krieg hat schon vor dem Falle von Brest⸗Litowsk begonnen. Als die ungarischen Truppen längs des Ostufers des Bug vormarschierten, ent⸗ wickelte sich auf dem dort beginnenden Sumpfgebiet die neue Art der Kriegführung, die man am besten als erwei⸗ terten Buschkampf charakterisieren lönnte. Das Gelände läßt nicht das Einsetzen größerer Kräfte zu. Fortwährend müssen Schleichbewegungen gemacht werden, deren Aus- führung äußerst schwierig ist. Mann kämpft gegen Mann auf schmalen Wegen, die die Sümpfe durchziehen. Auch die Verwendung von Artillerie ist auf diesem eigenartigen Ge⸗ lände sehr erschwert. Die Russen verlegen sich besonders darauf, jeden einzelnen Hügel, jeden schmalen Weg zu halten, die ihnen in nur schrittweise vorschreitendem Kampf entrissen werden müssen. Es scheint, daß die Russen mög⸗ lichst lange die nach Osten führenden sumpsigen Wege halten wollen, um Truppenbewegungen und Rücktransporte mit einiger Sicherheit vornehmen zu können. 8 Nur zwei Bahnlinien durchschneiden die Polesie: in nordsüdlicher Richtung die Linie Wilna—Rowno und in westöstlicher Richtung die Linie Brest⸗Litowsk Homel (8weigeleisig). Schnittpunkt beider Strecken ist das 10 Km. nördlich des Pripet liegende Luninez. Die südlichen Aus⸗ läufer der Polesie durchschnekden die Linie Kowel Kiew, die bei Sarny die Strecke Wilna—Rowno kreuzt. An der nordöstlichen Grenze der Polesie verläuft die Linie Homel— Bobruisk(mit der südwestlich verlaufenden Abzweigung Ossipowitschi—Uretschije) und an der westlichen Seite die Strecke Brest⸗Litowsk Kowel. In dem wegearmen, schwer gangbaren Sumpfgebiete kam namentlich den beiden zuerst erwähnten Bahnlinien eine ganz besondere militärische Be— deutung zu. Sie allein ermöglichten Truppenverschiebungen größeren Maßstabs in westöstlicher und nordsüdlicher Rich⸗ tung und umgekehrt, und gewährleisteten eine Verbindung wise Polen und dem nordwestlichen Kriegsschauplatze einerseits und den reichen Gebieten des Südens andererseits. Auch an Wegen ist die ie sehr arm, namentlich in der Mitte und im Osten. Die einzige Chaussee, welche das Gebiet aufweist, ist die von Rowno auf Minsk führende, die bei Ljubjasi den Pripet auf einer Steinbrücke überquert. Nun darf man sich aber die Geländeverhältnisse des Hinter⸗ landes von Brest⸗Litowsk nicht überall gleichartig vor⸗ stellen; sie sind vielmehr im allgemeinen im Westen we⸗ niger ungünstig als im Osten. Im Westen beschränken sich die ungangbaren Sumpfstrecken in der Hauptsache auf das breite Pripettal selbst, und der auf weite Strecken neuer⸗ dings trocken gelegte Boden gestattet im Frieden den Acker⸗ bau und im Krieg den Kampf. Manche der dort befindlichen Wasseradern haben jetzt trockene Ufer, das Wegenetz ist im Vergleich zur östlichen Hälfte bis zu einem gewissen Grade entwickelt, auch Ansiedelungen sind Pane Im östlichen, sich immer mehr verbreiternden Teile dagegen hemmen ausgedehnte offene Sümpfe und sumpfige Forsten die Kriegführung in hohem Grade. Für militärische Opera⸗ tionen, und auch hier nur in bedingtem Maße, ist also nur das westliche Drittel geeignet, während in der Mitte und im Osten ein Operieren größerer Truppenkörper so gut
wie ausgeschlossen erscheint. Vielleicht bildet man sich in Petersburg oder an anderen leitenden Stellen des Vier- verbands ein, daß man die Verbündeten in die Rokitno⸗ sümpfe locken und ihnen dort ein Schicksal bereiten könne ähnlich dem, das die russischen Einfallstruppen an den masurischen Seen gefunden. Es wäre eine kindische Hoff— nung, ebenso kindisch wie die Spekulation auf eine Kata⸗ strophe, wie sie das napoleonische Heer 1812 erlebte. Die geniale Heeresleitung der Verbündeten ist bis jetzt aller Schwierigkeiten und Gefahren Herr geworden, auch da, wo die Natur zum Bundesgenossen des Gegners wurde. Sie wird auch wissen, wie man hinter Brest-Litowsk kämpft und siegt.
Aus dem Reiche.
Die dritte Kriegsanleihe.
Berlin, 27. August. Der Kurs der dritten Kriegsanleihe ist nunmehr bestimmt worden. Die dritte Kriegsanleihe wird zwischen 99 vom Hundert ausgegeben. Die Zeichnungen auf Forderungen werden spä— testens Montag erscheinen.
Kommunalverbände und Getreideüberschüsse.
Berlin, 27. Aug.(WTB. Amtlich.) Nach einer Bundes⸗ ratsverordnung über den Verkehr mit Brotgetreide setzt die Reichsgetreidestelle für jeden Kommunalverband die von ihm abzuliefernde Getreidemenge und bei den selbst⸗ wirtschaftenden Kommunalverbänden außerdem noch den Bedarfsanteil fest. Außerhalb dieser beiden für bestimmte Zwecke festgelegten Mengen kann es kein Brotgetreide in einem Kommunalverband geben, denn sobald in seinem Bezirke z. B. durch Mehrerdrusch von der Ernteschätzung nicht erfaßte Brotgetreidemengen vorhanden sind, müssen sie der Reichsgetreidestelle zur Verfügung gestellt werden. Danach hat ein Kommunalverband überhaupt keine Möglichkeit, Brotgetreide zur Verfütterung oder zur Verschrotung für Vieh futter freizugeben. Er würde sonst entweder seinen Bedarfsanteil zuungunsten seiner Be⸗ völkerung beeinträchtigen oder seiner Lieferungspflicht an die Reichsgetreidestelle nicht genügen können. Die einzige Ausnahme ergibt sich für Hinterkorn, worüber die Reichs⸗ getreidestelle besondere Vorschriften erläßt. Anträge ein⸗ zelner Besitzer an Kommunalverbände, ihnen nicht mahl⸗ fähiges Brotgetreide zur Verfütterung freizugeben, sind also zwecklos, da der Kommunalverband ihnen nicht entsprechen darf.
Die Kriegsfürsorgetätigkeit der wirtschaftlichen Verbände amtlich festzustellen, wünscht eine Eingabe, die der Ver- band reisender Kaufleute Deutschlands soeben an. das Reichsamt des Innern gerichtet hat. In der Eingabe wird da⸗ ran erinnert, daß das wirtschaftliche Durchhalten gerade der mittleren und weniger begüterten Schichten unserer Bevölkerung nicht zuletzt durch die umfangreiche Hilfe ermöglicht wor⸗ den sei, mit der die Berufsverbände die Unterstützungen des Reiches und der Gemeinden ergänzt hätten. In keinem anderen kriegführenden Lande sei eine derartige Fürsorge der Verbände zu bemerken, wie bei uns. Auch in diesen Dingen sei Deutsch⸗ land Vorbild und Muster! Vereinzelt seien ja bereits Angaben über die Hilfstätigkeit der Verbände erfolgt, aber sie seien sehr zerstreut und böten kein übersicheliches Bild. Im wirtschaftlichen Interesse läge es aber, festzustellen, welche Leistungen die Berufsverbände übernommen hätten, vielfach, ohne dazu satzungs⸗ gemäß verpflichtet gewesen zu sein, nicht nur für die Gegen⸗ wart, sondern auch für die Zutunft, weil sich hieraus wichtige Folgerungen für das zukünftige Zusammenarbeiten der Reichs- regierung mit den Verbänden ergeben müßten. Das abgelaufene e sei der beste Zeitpunkt, mit der Erhebung zu eginnen.
Infanterieregiment von Hindenburg.
Berlin, 27. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Se. Majestät der Kaiser hat aus Anlaß der Wiederkehr des Tages von Tannenberg ein Dauktelegramm an Gencralfeld⸗ marschall v. Hindenburg gerichtet, worin er ihm mit⸗ teilt, daß das 2. masurische Infanterie-Regiment Nr. 147, zu dessen Chef der Kaiser Hindenburg unlängst ernannt hat,
die Bezeichnung„Infanterie⸗ Regiment General⸗ feldmarschall v. Hindenburg“(2. masurisches) Nr. 147 führen soll.
Aus Hessen.
. Zweite Kammer.
Die siebente Sitzung des Kriegsausschusses der Zwetten Kammer fand heute vormittag in Anwesenheit der Herren Staats⸗ minister von Ewald, Minister des Innern von H ombergk, Ministerialrat Schliephake und Geh. Landesökonomierat Müller statt. Zu Beginn der vom Abg. Dr. Osann geleiteten Sitzung erfolgte eine Besprechung darüber, in welcher Weise die im Kriegsausschusse behandelten Fragen und Anträge im Ple⸗ num der Kammer zu behandeln sind. Es wurde verein⸗ bart, die Verhandlungen des Ausschusses und die Art der Er⸗ ledigung der gestellten Anträge durch einen umfassenden Be⸗ richt zur Kenntnis der Mitglieder der Zweiten Kammer zu bringen, um zugleich dadurch auf eine Abkürzung der Ver⸗ handlungen im Plenum hinzuwirken. Im Anschluß an die An⸗ frage des Abg. Henrich und Genossen, die Unterstützung not⸗ leidender Staatsbeamten, Gewerbtreibenden und Staatsarbeiter betreffend, fand eine Erörterung darüber statt, in welcher Forms diese— zunächst nur für die Verhandlung im Kriegsausschuß bestimmte Anfrage zu behandeln ist. Es wurde sodann in der Verhandlung der Futtermittelfrage fortgesahren. In der Debatte wurde darguf hingewiesen, daß in der Frage der Er⸗ haltung der Rindviehbestände, vor allem mit Rücksicht auf die Milchproduktion, die Landwirtschaft das gleiche Interesse hat wie die Konsumenten; dem kann aber nur genügend Rechnung getragen werden, wenn genügend Futtermittel beschafft werden. Weiter wurde über die Frage der Zusatzmarken für Selbstver⸗ sorgung, die Verteilung von Kleie verhandelt, auch darüber, ob die deutsche Landwirtschaft in der Lage ist, die Getrride⸗, Fleisch⸗ und Futtermittelversorgung des Reichs unter Ausschluß des Auslandes selbst zu beschaffen. l
Von den vorliegenden Anträgen wurden angenommen: 5
1. der Antrag Dr. Weber und Genossen, wonach nicht nur die
Hälfte der selbsterzeugten Gerste, sondern bei geringerer Pro⸗ duktion mindestens 10 Zentner von der Beschlagnahme
Uriegssommer in Alt⸗Heidelberg.
Aus Heidelberg wird uns geschrieben: Im schimmernden Glanze der Spätsommersonne hat Alt⸗Heidelberg alljährlich frohe Festtage gefeiert. Das waren Tage voll und unbesiegbarer Bupschen⸗ fröhlichkeit, wenn drüben am Ludwigsplatz das alte Kollegien⸗ gebäude geschlossen wurde und aus allen Städten und Städtchen des Reiches die„Alten Herren“ herbeiströmten, um mit der Schar der Aktivitas das Stiftungsfest ihres Korps, ihrer Burschenschaft, ihrer Landsmannschaft zu feiern. Wenn aus den Verbindungs⸗ häusern Kommersgesang schallte, am Abend durch die Hauptstraße nach dem Karlstor lodernde Fackeln sich schlängelten, droben vom Schloßberg die alte Ruine den strahlenden Schein der schon historisch gewordenen Schloßbeleuchtung auf den Spiegel des Neckars warf, und aus dem Tal herauf das„Alt⸗Heidelberg du Feine“ klang, dann freuten sich die Heidelberger. Die Jungen lächelten, und jubelten, und die behäbigen Alten nickten zufrieden:„Ja, das ist Heidelbergisch.“
Nun ist auch hier alles anders geworden. Still, ruhig und verträumt liegt die Neckarstadt da.„Der Sang ist verschollen, der Wein ist verraucht“... Wie hat sich das Straßenbild ver⸗ ändert. Verschwunden ist das farbenfrohe Bild der bunten Mützen, verschwunden sind die schmucken Pekeschenträger. Feldgrau gibt auch hier den Ton an. Die tapferen Streiter sind zu Hunderten in den hiesigen Lazaretten untergebracht, und auf Schritt und Tritt begegnet man in den Straßen und am Ufer des Neckars den genesenden Helden, die hier von Stadt und Bürgerschaft freudig
Von manchen Studentenhäusern weht statt der dreifarbenen Verbindungsfahne die weiße Fahne mit dem roten Kreuz. Im Hause der Burschenschaft Allemania ist ein Lazarett untergebracht. Haus und Garten der Schwaben ist in ein Kriegernachmittagsheim umgewandelt, und auf dem Riesenstein, auf dem sonst die Saxo⸗ borussen ihr Heim hatten, hat das Rote Kreuz eine Auslunftsstelle über Kriegsgefangene aufgeschlagen. Und andere Verbindungshäuser wie das der Franken und Leonenser stehen zur Aufnahme von Verwundeten bereit. ig erinnert mehr an die Burschenherr⸗ lichkeit. Kürzlich, da gab es in der Hauptstraße so etwas wie Sensation. Die Leute blieben stehen und schauten einem älteren en nach, der über die Hauptstraße ging: ein leibhaftiger„Alter der über der Brust das grün⸗weiß⸗schwarze Band der en trug und wahrscheinlich zu einem wichtigen Konvent eilte. haben die wenigen Studenten, die hier geblieben sind, darauf
Cpuleur zu tragen, und in nichts mehr unterscheidet
sich der Corpsier vom Buxenschafter und Kletterbuxen. Auch im Hörsaal und auf der Straße gibt es nicht nur keine Parteien mehr, sondern auch keine Verbindungen.
Mancher von denen, die vor einem Jahre von hier auszogen, wird seine alte Musenstadt am Neckar nimmer sehen..„Der Sang ist verschollen...“ Die Ehrgutafeln, die hier in den Zeitungen. veröffentlicht werden, haben schon so viele alte Semester als„ge⸗ sallen“ melden müssen, die draußen den Burschenschwur der Treue besiegelt haben:„Halten will ich es auf Ehre— stets ein treuer Bursche sein.“ 8
Den Feldgrauen, die nach Heidelberg kommen, sucht man es so schön und gut zu machen, daß auch sie etwas vom Zauber Alt⸗ Heidelbergs, vom genius loci verspüren. Im Stadtgarten hat die Stadt mit dem Roten Kreuz sogar eine richtige Brunnenkur ein⸗ gerichtet. Heidelberg als Bäderstadt. Verwundete, Genesende und Gesunde sitzen da in den ersten Morgenstunden bei ihrem Krug Rhenser oder Emser und schließen sich dann nachher für eine Stunde einem Rundgang durch den Stadtgarten an, oder gehen allein auf einsamem Wege zu ihrer Erholung. Wer von den feuchtfrohen Musensöhnen, die jetzt draußen im Schützengraben mit Sehnsucht nach der Neckarstadt zurückdenken, hätte das je ge⸗ dacht, daß in Alt⸗Heidelberg einmal— Wasser Trumpf würde, ja Wasser. Und wenn erst die Thermalquellen, nach denen man eben bohrt, laufen und die Thermalquelle sprudelt, dann ist Heidelberg eine wirkliche Bäderstadt und wetteifert mit ihrer badischen Schwester an der Oos.
Wenn man vordem vom Schloßaltan aufs Neckaxtal geschaut hat, da haben einem am rechten Neckarufer, vom Scheffelhaus zwei Schilder geleuchtet:„Schauplatz von Alt⸗Heidelberg“ und vom Balkon des Hauses:„Käthe— Heinz“. Der Schauplatz ist ge⸗ blieben, aber das„Käthe⸗Heinz“ ist verschwunden, und vom Balkon wimpeln österreichische und deutsche Fahnen, die aufs Schloß hinüber die Siege im Osten und Westen und auf dem Meere verkünden. Und die Karl-Heinz, die sonst das Scheffel haus be⸗ völkert haben, sind im Kriege. Genesende Offiziere und brave bürgerliche Familien sitzen im Garten unter den Platanen.
Draußen im Feld hat man Alt⸗Heidelberg, nicht nur Heidel⸗ berg, sondern auch Alt-Heidelberg nicht vergessen. Vor einigen Tagen kam ja aus Frankreich die Kunde, daß wackere Burschen im Gedanken an„die Stadt am Neckar“ aus den zerschossenen Häusern eines Dorfes ein„Neu⸗Heidelberg“ gegründet haben. Sogar die Schloßruine und der Neclar, der da freilich ein kleiner Bach ist, fehlen nicht. F.
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frei bleiben; 5 8 5
2. der Antrag Lang und Genossen, der eine Aufklärung über
bensmittel fordert; 4 3. der Antrag Brauer und Genossen, den Selbstversorgern Bevölkerung zu gewähren; 8 4. der Antrag Dr. von Helmolt und Genossen, der Maßnah⸗ teilung der Futtermittel fordert. Der Satz des An⸗ trags, der die Einfuhr von Erzeugnissen aus dem Ausland Handel mit eingeführten Futtermitteln verboten wissen will, wurde gegen eine Stimme angenommen. gern, die nicht mit ihrem Brotgetreide ausreichen, Getreide statt Mehl zu überweisen, wurde abgelehnt. . 0 sen haben folgenden An⸗ trag, betr. die Festsetzung von Höch
Wir beantragen: der Ausschuß wolle beschließen: 0
1. Die Festsetzung von Höchstpreisen für Milch in Höhe der und undurchführbar, zumal hierdurch eine empfindliche Rückwirkung auf die Milcherzeugung und damit die Milchversorgung der Städte
2. Die Frischmilchpreise entsprechen nicht mehr den Erzeugungs⸗ kosten, da diese infolge des Krieges erheblich gestiegen, es ist eine
Ueber diesen Antrag soll in der morgen vormittag statt⸗ findenden Sitzung abgestimmt werden.
Trotz aller rigorosen Maßnahmen der italienischen Zensur dringen immer von neuem beunruhigende Nachrichten über die italienischen Volkes, die einen tiefen Eindruck hervorrufen. In letzter Zeit mehren sich die Klagen über die furchtbaren Wir⸗ heutigen Kämpfe immer empfindlicher wird, und gegen die die italienischen Soldaten nur ganz ungenügend geschützt sind. Mit
Auf einem französischen Schlachtschiff vor den Dardanellen. Schiffes der französischen Dardanellenflotte entwirft der Sonder⸗ berichterstatter Andes Tudesa im„Journal“:„Bevor sie die Offiziere dürftige Blumen, wo immer sie sie finden, um sie auf die Fahrt mitzunehmen. Als wir mit den derart geschmückten See⸗ Raum an, in dem bereits die für die Nacht aufgehängten langen gestreiften Hängematten schaukelten, die man bei stürmischem Wetter
die Ursachen der Preissteigerungen für Le⸗ ebenfalls die Zusatzmarken für die schwer arbeitende men zugunsten einer billigeren Beschaffung und besseren Ver⸗ lediglich der Reichsregierung überlassen und den freien Der Autrag der Abgg. Leun und Fenchel, den Selbstversor⸗ Die Abg. von Helmolt und preisen für Milch, eingebracht, welcher lautet: seitherigen Preise durch die Stadtverwaltungen ist nicht zweckmäßig zu befürchten ist. entsprechende Steigerung gegebenenfalls gerechtfertigt. winterfurcht in Italien. großen Verluste und die Leiden der Soldaten in weite Kreise des kungen der Kälte, die in den verschneiten Gebirgsregionen der banger Sorge sieht daher Italien, so schreibt uns ein Mitarbeiter, Eine interessante Schilderung der Eindrücke an Bord eines den festen Boden für lange Tage und Nächte verlassen, pfluͤcken leuten an Bord kamen, wies man uns den für uns bestimmten zu benützen pflegt. Der gewaltige Panzerkreuzer brummte und
summte von tausend verschiedenartigen Geräuschen. Man schließt.
die Türme der Geschütze und die Kasematten. Man verrammelt die Stückpforten und rollt die Apparate an ihren Platz. Der Wach⸗ ruf der Signale mischt sich in die rauhen Töne der Sirene. Da⸗ zwischen erschallt die dröhnende Stimme eines Quartiermeisters; und auf den Wandelgängen über unseren Köpfen klappert ein toller Galopp genagelter Schuhe.„703... 2151...“— Zahlen werden ausgerufen— Zahlen, die auf dem Meere die wahren Namen der Matrosen ersetzen. Denn 800. Mann leben an Bord: wer könnte sie alle kennen?.. Pfeifensignale lösen einander ab— scharf, gezogen, gellend und nervös. Welch wunderbares Durcheinander! Geräusche wie die Schläge auf einem Amboß kommen von der ge⸗ panzerten Brücke, Flötentöne dringen von der Zwischenbrücke her⸗ auf, dumpf gurgeln die Schrauben, die Ventilatoren drehen sich sausend. Und über diesen zahllosen Lauten schwimmen die Rufe der Mannschaften in den merkwürdigsten Dialekten.. Abendessen in der Offiziersmesse. Einige Zeit später, während draußen auf Deck noch die letzten Takte der Marseillaise ertönen, beugen die Offiziere sich beratend und plaudernd über die ausgebreiteten Kar⸗ ten. Der Abend ist erstichend. Alle Lichter sind geblendet. Kein, Wind, kein Lufthauch. Der Vorsteher der Messe hat uns die vor⸗ schriftsmäßigen Rettungsgürtel überreicht. Es sind Säcke aus rotem Kautschuk, die mit Luft aufgeblasen werden. Sie sind unsere äußerste Hilfe im Falle einer Torpedierung. Alle, Offiziere und Matrosen, tragen sie.„Es ist besser, sie unter den Achseln anzubringen,“ erklärt uns der Kapitän;„wenn man sie um den Hals trägt, läuft man beim Sturz in die Wellen Gefahr, sich die Halswirbel knochen zu brechen..“ Und nun wandeln wir tastend durch die dunklen Gänge. Einige mit Laternen versehene Matrosen kratzen
mit Eisenstücken die ände ab, um die Oelfarbe fortzubringen, die
im Falle eines Brandes dem Feuer zu gute Nahrung geben würde. Andere kleben kreuzweise Papierstreisen über die Glasplatten der
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