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Träsisalfon nach meiner Auffassung die Unkosten nicht perminderk, sondern vermehrt. Die Schwei neabschlachtung war ein Fehler, es jetzt an Fett, das Volk lechzt danach, man müßte eigentlich Fettverkauf geradezu kontingentieren. Ich schlage vor, die R auf 60, Prozent herabzusetzen, wir bekämen dann mehr und bessere Kleie, wir können uns das leisten.“
8 Ein Vertreter des Kriegsministers.
stent fest: Der Staatssekretär des Innern hat sich dahin ausge · sprochen, daß der Kriegsminister, als er die Untersuchung auf Grund ihm zugegangener anonymer Anzeigen angeordnet und durchgeführt habe, nichts davon gewußt habe, daß die Kriegs⸗ getretdegesellschaft von sich aus bereits mit dem stellvertretenden Generalkommando des 3. Armeekorps in Verbindung getreten war, um eine systematische Bereitstellung von Heerespflichtigen herbeizuführen. Im Namen des stellvertretenden Kriegs ministers kann ich sagen, daß dies zutreffend ist. 2
2 8 2 Abg. Weilnböck(Kons.) f In die rosige Erntestimmung des Abg. Koch kann ich leider nicht einstimmen. Gegen die Behauptung des Abg. Segitz, die Land⸗ wirtschaft habe bei der Durchführung der wirtschaftlichen Maßnah⸗ men, insbeßondere bei der Bestandsaufnahme, ein leichtes Gewissen gezeigt, muß ich energisch Verwahrung einlegen.(Sehr richtig! rechts.) Etwas behaupten und beweisen, ist zweierleil Wenn nicht ganz einwandfreie Fälle vorgekommen sind, die wir verurteilen, so gibt das kein Recht, einen ganzen Berufsstand einen so schweren Vorwurf zu machen!(Sehr richtig! rechts.) Die Kriegsgefangenen⸗ arbeit auf dem Lande ist so teuer, daß man sich vielfach weigert, sie zu benutzen. Die Barzahlung und die Beköstigung der Ge⸗ fangenen und der Bewachungsmannschaften a m einen Tage⸗ lohn für den Gefangenen von 1,80 bis 2 Mark. Ich schätze ihre Arbeitskraft hoch ein, wenn ich annehme, zwei Gefangene, leisten dasselbe wie ein einheimischer Arbeiter. Dann kommen 3 bis 4 Mark für den Arbeiter heraus. Ist das vielleicht billig? Die eigentliche Lebens mittelverteuerung beginnt vielfach erst in der Stadt. Das gilt auch für andere als landwirtschaftliche Ergeugnisse. Die Großmühlen haben zum Teil eine xiesige Dividende herauswirtschaften können.*
Unterstaatssekretär Dr. Michaelis:
Die Dividenden der Mühlen sind in einer Zeit berdienk wor⸗ den, als sich die Tätigkeit der Kriegsgetreide-Gesellschaft noch nicht bemerkbar machen konnte. Von den 71 großen Mühlen schließen 81 ihr Geschäftsjahr mit dem 31. Dezember ab, weitere 10 mit dem März oder April. Die Kriegsgetreide⸗Gesellschaft hat aber erst im März zum erstenmal Aufträge gegeben, so daß die Kriegs⸗ getreide⸗Gesellsehaft auf ihre Dividende keinen Einfluß gehabt hat. Die großen Dividenden erklären sich vielmehr daraus, daß sie ihr Getreide vielfach noch zu einem Preise eingekauft hatten, der niedriger war als der Höchstpreis. Für ihr Mehl erhielten sie aber den Höchstpreis. Man kann ihnen daraus doch keinen Vor⸗ wurf machen. Andererseits kann man aber auch nicht sagen, wie ich das gestern schon in der Unterkommission ausgeführt habe, 15 der Mahllohn der Kriegsgetreide⸗Gesellschaft unwirtschaftlich ho wäre. Die Spannung zwischen dem Getreidepreis und dem Mehl⸗ preis muß unter der bestehenden Gesetzgebung naturgemäß höher sein als in Friedenszeiten. Die Schuld hieran trifft aber weder bie Landwirtschaft noch die wirtschaftlichen Maßnahmen der Kriegs⸗ getreide⸗Gesellschaft. a
Abg. Behrens(Wirtsch. Vgg.):
Die verschiedenen Kriegsgesellschaften haben hervorragend nützlich gewirkt. Mängel entstanden hauptsächlich auf den Gebie⸗ ten, wo es keine ähnlichen Organisationen gab. Deshalb muß auch nach dem Kriege noch dem Zusammenschluß unserer Volks. wirtschaft eine besondere Bedeutung zuerkannt werden. Große Verdienste hat sich unsere Landwirtschaft erworben, die Vorwürfe gegen sie sind zumeist ungerecht. 75
Abg. Pfleger(Zenkr.):
Als ich die Vorgänge in der Kriegsgetreide⸗Gesellschaft im
Aus schuß zur Sprache brachte, hat der Kriegsminister die Be. hauptungen als im wesentlichen richtig angesehen, ohne dabei mit⸗ zuteilen, daß die Leitung der Kriegsgetreide⸗Gesellschaft ihrerseits 905 die früher reklamierten Angestellten zur Verfügung stellen wollte. Der Kriegsminister ist also über den latsächlichen Hergang unrichtig unterrichtet gewesen, und darum mußte auch ich un⸗ richtig unterrichtet sein. So weit in meinen gestrigen Ausfüh⸗ rungen der Vorwurf enthalten sein kann, daß die Leitung der Kriegsgetreide-Gesellschaft Heerespflichtige absichtlich zurückgehal⸗ ten habe, um sie der Heeresdienstpflicht zu entztehen, kann ich die⸗ sen Vorwurf nach den vorgebrachten Unterlagen nicht aufrecht erhalten, und nehme ihn ausdrücklich zurück.
Davon, daß meine gestrigen Ausführungen eine anti. semitische Tendenz hätten, kann nach ihrem Worklaut keine Rede sein. Das ist auch heute im Ausschuß anerkannt wor⸗ den. Der Staatssekretär hätte bei dem gegebenen Sachverhalt doch anerkennen müssen, daß ich nach Lage der Sache in gutem Glauben gehandelt habe, und er hatte zu der Form der itik, die er an meinen Aeußerungen geübt hat, demnach leinen Anlaß.
e Abg, Moe, Eine Gesellschaft wie die Kriegsgetreidegesellschafk gibt selbst⸗ berständlich ihr eingearbeitetes und achverständiges Personal nur ungern her. Gerade diese Sachkunde wird aber von denen, die ihre Ware verkaufen wollen, nicht besonders angenehm empfunden. (Sehr gut! links.) Wenn man schließlich jemand vorwirft, er sei Jude, so zeigt das, daß man eigentlich nicht recht etwas gegen ihn zu sagen weiß.(Sehr richtig! links.) Wir find gegen jede Drücke⸗ bergerei. Aber den gleichen Vorwurf könnte man auch gegen unsere Industrie erheben. Wollte man aus ihr alle waffenfähigen Män⸗ ner herausnehmen, so hätten wir wahrscheinlich leine Granaten mehr zu verschießen.(Sehr richtig! links.) Die Landwirtschaft arbeitet gewiß mit höheren Unkosten, aber sie bekommt auch sehr viel höhere Preise. Bei den Höchstpreisen für Getreide haben führ. Aufschläge zu einem künstlichen Zurückhalten der Vorräte geführt. 5 5
5 Abg. Dr. Stresemann(Natl.):
Die Hauptgrundlagen unserer bisherigen Wirtschafkspolitik sind durch den jetzigen Weltkrieg ins Schwanken gekommen, Ich weise auf die lebhaften Erörterungen in der Oeffentlichkeit über unser wirtschaftliches Verhältnis zu Oesterreich⸗ Ungarn hin und darauf, daß anscheinend ein wirtschaftspoljti⸗ sches Einvernehmen unserer Gegner gegen uns geplant ist. Bei der ee dieser Fragen möchte ich die Regierung bitten, ihnen
nicht nur rechtzeitig Rechnung zu tragen, sondern auch den be⸗
teiligten Kreisen, die bereits umfangreiche Vorarbeiten geleistet haben, Gelegenheit zu geben, sich zu äußern. Alle diese Fragen hängen mit der allgemeinen Frage der Ueberführung unserer
Wirtschaftsverhältnisse in den Friedenszustand zusammen.
Präsident Kaempf unterbricht den Redner, da seine Aus- führungen nicht mit den zur Beratung stehenden Ex nährungs⸗ fragen zusammenhingen. 5
Das Haus vertagt sich.
Nächste Sitzung: Mittwoch, 2 Uhr? Weiterberalung.
Schluß 7 Uhr.
Was wird Bulgarien tun?
„Das Heer erwarttt kaltblütig den entscheidenden Augenblick und wird seine Pflicht vollständig erfüllen!“ so erklärte der bulgarische Kriegsminister General Jekow dem Vertreter der Wiener„Neuen Freien Presse“. Was sollte damit gesagt sein? Galt es, in letzter Stunde einen Druck gegen die Türkei auszuüben? Nein, denn das bul⸗ garische Abkommen mit der Hohen Pforte war soeben in aller Freundschaft perfekt geworden. Um das Signal des bulgarischen Kriegsministers richtig zu verstehen und zu würdigen, erinnern wir an eine andere bulgarische Ver⸗ öffentlichung, an jene Erklärung, die der König der Bul⸗ garen am schmerzlichsten Tage seiner Herrscherlaufbahn kundgab:„Erschöpft und ermüdet, aber nicht besiegt, mußten wir unsere glorreichen Fahnen für bessere Zeiten zusammenfalten... Erzählet Euern Kindern und Enkeln von der Tapferkeit der bulgarischen Soldaten und bereitet sie vor, eines Tages das ruhmvolle Werk zum Abschluß zu bringen, das Ihr begonnen habt. Ferdinand.“
Ist dieser Tag jetzt nach der geschickten und glänzenden Einigung mit Konstantinopel nahe? Täglich kommen, so wird uns von einem Mitarbeiter über Wien geschrieben, Massen bulgarisch⸗mazedonischer Flüchtlinge über die ser⸗ bisch⸗bulgarische Grenze, und ihr Anblick, ihre Klagen über unerhörte serbische Greueltaten erregen das bulgarische Volk, auch die Friedfertigsten, aufs äußerste. Die Zahl der mazedonischen Flüchtlinge wächst mehr und mehr an. Schon haben sie etwa 50 000 wehrfähige Männer in ihren Reihen, die große Lust bezeigen, den Kampf gegen Serbien auf eigene Faust zu beginnen. In diesem Falle kann man in Sofia nicht mehr Gewehr bei Fuß zusehen. Denn bedeutende Volksteile Bulgariens würden ganz von selbst in den Krieg mitgerissen. Also erscheint es besser, mobil zu machen und den Krieg zu erklären. Wie denkt man an den leitenden Stellen in Sofia über das Kriegsproblem? Der König, so berichtet unser Mitarbeiter weiter, spricht noch mit Trauer und Schrecken von den Enttäuschungen des Jahres 1913. Er hoffte bisher, beim allgemeinen Frieden, ohne Blutvergießen das mazedonische Gebiet, das ihm im Bukarester Abschluß verloren ging, vollständig, womöglich vergrößert, zurück uerhalten, eine Hoffnung, die noch von manchem bulgari⸗ schen Politiker geteilt wird, gegen die sich aber vom Stand⸗ punkt des Außenstehenden manches einwenden läßt. Der Ministerpräsident Radoslawow ist zwar auch willens, die Neutralität Bulgariens so lange als möglich zu wahren, aber er sieht doch politisch klarer und tiefer. Seine Sym⸗ pathien sind, wie die aller seiner Minister, ganz besonders des Finanzministers Tonschew, aufssseiten des kämpfenden
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Zweibundes. Er spricht, nebenbei gesagt, recht gut deutsch, er hat es in Prag gelernt, wo er studierte, und ist ein persönlicher Freund des österreichisch-ungarischen Gesandten, des Grafen Tarnowski. 0
Es ist jedenfalls sehr erfreulich, daß die bulgarische Intelligenz 7 die beiden Zentralmächte ungemein ein⸗ genommen ist und ganz gewiß zu mindestens vier Fünftel auf deutsch⸗österreichischer Seite steht, es ist ferner erfreu⸗ lich, daß auch das Offizierskorps, obwohl ein großer Teil von ihm in Rußland seine Ausbildung genossen hat, durch die Erfahrungen des letzten Krieges belehrt, in seiner großen Mehrheit für Oesterreich, noch mehr vielleicht für Deutsch⸗ land, eingenommen ist. Hindenburg hat in Bulgarien tausende von begeisterten Verehrern, Endlich ist mit großer Genugtuung festzustellen, daß die größere bulgarische Presse, vor allem„Kambana“, Dnevnik“ und„Utro“, auf deutsch⸗ österreichischer Seite stehen, da der„Mir“, der sonst russo⸗ phil war, wie mehrere andere russophile Blätter, nach und nach in etwas ihre Ansichten zu revedieren beginnen, kurz und gut, daß überall Fortschritte in der Gesinnung der Bevölkerung konstatiert werden können.
Was Bulgarien will, wenn es in den Krieg eintreten sollte, hat das offiziöse Blatt Kambana kürzlich in folgende Worte zusammengefaßt:„Wir sind entschlossen, das ganze Mazedonien bis zum Fluß Bitritza zu besetzen. Von der Türkei haben wir nichts zu verlangen, und mit Ru⸗ mänien können wir in Frieden leben. Es liegt in unserm eigenen Interesse, daß ein starkes Rumänien zwischen uns und dem russischen Bären liegt.“
Soweit die bulgarischen Stimmen. Und vom Stand⸗ punkte der siegreichen Zentralmächte kann man nur hinzu⸗ fügen: Wie ganz anders könnte Bulgarien auftreten, wenn es ie i 159 5, an die österreichisch-ungarische Monarchie grenzte, und wie Rent anders wird 1 Zukunft um das e Balkanproblem stehen, wenn, wie zu hoffen ist, eine solche Angrenzung her⸗ beigeführt wird, sei es im Kriege selbst oder im Friebens⸗ vertrage! Bulgariens Politik strebt nach dieser Abgrenzung! Die bulgarische Armee steht schlagfertig da, genau so schlag⸗ fertig wie damals am Vorabend von Kirkilisse. Aber— das Ziel ist ein anderes, und es wird eine von den vielen Ueber⸗ raschungen dieses Weltkrieges geben, wenn Radoslawow seinen nächsten Schachzug tut.
Das Kabinett Venizelos.
Athen, 24. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Die„Agence d'Athenes“ meldet: Das neue Kabinett setzt sich wie folgt zusammen: Venizelos Ministerpräsident und Mi⸗ nister des Aeußern, General Danglis Kriegsminister, Fre⸗ gattenkapitän Miaulis Marineminister, Mikhalakopulos Volkswirtschaftsminister, Repulis Finanzminister, Diaman⸗ tidis Verkehrsminister, Teiromokos Unterrichts- und Kul⸗ tusminister, Cafantaris Minister des Innern, Rectivan Justizminister. Außer Danglis und Cafantaris haben alle Minister dem alten Kabinett Venizelos an⸗ gehört. Das Kabinett leistete gestern abend den Eid.
Serbien und der Vierverband.
Berlin, 24. Aug.(Priv.⸗Tel.) Die„B. Z.“ meldet aus Sofia: Hiesige russophile Blätter melden aus Nisch: Nach der Geheimsitzung der Skupschtina sei mit Sic heit anzunehmen, daß Serbien den Ententemäch⸗ ten keine befriedigende Antwort erteilen werde. Das hie⸗ sige extrem russophile Organ„Duma“ sagt, die Aktion Entente sei als gescheitert zu betrachten.
Aus Hessen.
Aus dem Kriegsausschuß der Zweiten Kammer.
rb. Darmstadt, 24. Aug. Der Kriegsausschuß der Zweiten Kammer trat heute vormittag zu seiner sechsten Sitzung zusammen, der als Regierungsvertreter die Herren: Minister des Innern v. Hombergk, Ministerialrat Schliephake und Geh. Landesölonomierat Müller beiwohnten. Zunächst erstattete Abg. v. Helmolt einen ausführlichen Bericht über die Frage der Versorgung mit Futtermitteln. Er gab eine Uebersicht über den Futtermittelmarkt, der überall eine starre Futtermittel⸗ knappheit erkennen lasse, welche ihre nachteiligen Einflüsse auf die Viehhaltung und natürlich auch auf die von der Viehhaltung ab⸗ hängige Milch- und Fleischproduktion äußere. Die Erhöhung der Milchpreise insbesondere werd zu Unrecht auf zu hohe Produzenten⸗ gewinne zurückgeführt. Der Berichterstatter erörterte dann ausführ⸗ lich die Gründe des Rückganges in der Milchproduktion und be⸗
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Kuunst und wissenschaft.
— Eine Kriegserinnerung an Brest⸗Litowsk. Der eiserne deutsche Ring, der sich jetzt um Brest⸗Litowsk schließt, erinnert daran, daß hier schon einmal, vor 120 Jahren, um die Befreiung Polens vom russischen Joche erbittert gestritten wurde. Damals herrschte als Zarin aller Reußen Katharina II., die in ihren späten Lebenstagen. ganz unter dem Einfluß von Platon Zubow und anderen Günstlingen aus alttatarischem e stand. Ter Nationalheld Polens, Thaddäus Kosziusko, hatte nun, sein Volk in den Verzweiflungskampf gegen die damals übermäch⸗ tigen halbasiatischen Horden geführt. Die Begeisterung der Polen war ungeheuer: im Lager Koszins tos sah die durch ihre Memoiren
bekannte Gräfin Potocka„schöne Damen mit den schief sitzenden polnischen Mützen auf dem schwarzen Gelock Karren schieben, die mit Erde für die Verschanzun gefüllt waren“. Sie„beneidete sie“, und ihr„Kinder schlug 5 bei den Nachrichten von unseren Siegen“. Aber das sollten alles Eintagssiege bleiben. Als der Herbst kam, wurde die Kaiserin von der drohenden Türkengefahr in Südrußland, der unheimlichen Erbschaft des dämonischen Po⸗ temkin, befreit und konnte nun ihrem besten Feldherrn, dem be⸗ rühmten Suwarow, Befehl geben, sich mit seinem Armeekorps Fife Warschau, den Mittelpunkt der Insurrektion, zu wenden. Zwischen Brest⸗Litowsk Eu deutsch: litauisch-Brest), das später um die Mitte des 19. Jahrhunderts bei Anlage der ge⸗ waltigen Festungswerke an derselben Stelle völlig neu aufgebaut wurde, und Kobryn, bei dem Dorfe Kruptschiz oder Krupzhee,
kam es am 18. und 19. September zu einer Schlacht, die eigentlich
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über das Schicksal der Revolution schon entschied. Auf polnischer Seite kommandierte Sierakowski, dessen persönliche Tapferkeit leider erfolglos blieb gegen die überlegene Strategie Suwarows. Am Abend des 18. waren die polnischen Truppen trotz helden hafter Gegenwehr nach Brest⸗Litowsk zurückgedrängt; die Russen folgten über den Bug und vernichteten den Rest der Armee am 19. Sep⸗ tember. Die Polen hatten sich wie immer tapfer geschlagen, aber ihre ganze Artillerie war verloren, und der Weg nach Warschau stand den Russen offen. Heute klingt der Tubaton der Welt⸗ lehrte anders, und der Fall von st⸗Litowsk mag eine späte Vergeltung für die Greuel sein, die die Russen hier vor vier Menschenaltern an den Kämpfern für ein freies Polen verübten.
— Die wilden Büffel von Bielowice. Die deut⸗ schen Truppen, die jetzt die Bahnlinie Bielostok—Brest⸗Litowsk überschritten haben, nahen nunmehr dem berühmten Wal de von Bielowice, der eine der seltsamsten und eigenartigsten Naturerscheinungen in ganz Europa darstellt. Während das Bie⸗ lowice umschließende Gebiet der alten litauischen Provinz Grodno die Gestalt einer spärlich bevölkerten, zum größten Teil baum⸗ losen Ebene hat, ist der im Mittelpunkt dieses Landstriches liegende Wald von Bielowice ein Kleinod eigentümlichster Art. Es ist ein echt nordischer Urwald von 50 Kilometer Länge und 40 Kilometer Breite, also 2000 Quadratkilometer Flächeninhalt.
Er liegt abgesondert für sich, einer Insel vergleichbar, umgeben von Feldmarken, Torfschaften und öden Heiden. Im Inneren des ldes finden sich nur einige wenige Ansiedelungen der Menschen, in denen aber keine Landbauern, sondern bloß Forst⸗ leute und Jagdbauern wohnen. Der Wald besteht zum größten Teile aus Kiefern, daneben auch aus Eichen, Linden, Birken und Weiden. Die Bäume erreichten hier ein unerhörtes Alter, eine wunderbare Höhe und gewaltige Stärke. Der Wald zeigt heute noch dasselbe Gepräge wie vor Jahrhunderten, vielleicht vor Jahr⸗ tausenden. Und diese Wildnis, die sich aus der ältesten Zeit bis in unsere Tage erhalten hat, beherbergt heute noch das größte Säugetier des europäischen Festlandes— den Büffel, den ge⸗ waltigen Bisonstier. Ter Bison lebt gegenwärtig nur noch hier und in einigen Waldungen des Kaukasus, auf der übrigen Erde ist er ausgerottet worden. Im Walde von Bielowice werden die Büffel durch strenge Gesetze geschützt, und wenn diese Gesetze nicht durch Jahrhunderte hindurch beobachtet worden wären, hätte der Büffel sicherlich aufgehört, ein europäisches Tier zu sein. Die Könige und Großen des Reiches Polen und Litauen ließen. sich die Erhaltung des Bison mit Eifer angelegen sein, und auch heute noch wird er durch strenge Vorschriften des Zaren geschützt. Jetzt aber dringt der Lärm des Krieges bis in diese letzten Schlupf⸗ winkel ungebändigter Natur. Noch ist das Schicksal der Büffel von Bielowice unbekannt. Werden sie von den Russen gefangen nach Minsk gebracht? Oder werden die Könige des Urwaldes in das Bereich der Geschütze kommen, deren dumpfes Grollen bereits bis in das Diclicht ihrer wilden Hermat dröhnt?
— Das Grab Fra Angelicos entdeckt. Das Grab des großen Malers der Frührenaissance, dem seine Zeit den Namen eines„engelgleichen Bruders“ beigelegt hat, ist, wie aus Rom gemeldet wird, jetzt wiederaufgesunden worden. stand außer Zweifel, daß die Kirche Santa Maria sopra Minerva in. Rom die irdischen Ueberreste des Dominikanermönches Fra Giovanni da Fiesole beherbergte, aber der Umbau einer Kapelle der Kirche, in der sich der Grabstein des Malers befand, im Jubiläumsjahre 1600, hatte die Spuren der Grabstätte verwischt. Man vermutete, daß das Grab sich gar nicht in ammittelbarer Nähe der heutigen Stelle des Grabsteins befände, aber alle angestellten Nachforschungen in den unterirdischen Gewölben der Kirche blieben erfolglos, bis man schließlich an die Ausgrabung der ursprünglichen Grabkapelle ging. Dort stieß man, etwa zwei Meter von dem eingemauerten Grabstein entfernt und in einer Tiefe von 1,30 Meter unterhalb des gegenwärtigen Bodenniveaus der Kirche auf ein Mauerwerk, das in seiner künstlerischen An⸗ lage auf ein Grabmal des Quattrocento schließen ließ. Wirk⸗ lich fand man hier einen Sarg, der einen noch fast unversehrten Schädel mit vier Zähnen enthielt. Da aber andere hier entdeckte Reste menschlicher Knochen auf die Existenz von zwei Gräbern an dieser Stelle hinwiesen, mußte man seit der Identifikation äußerst vorsichtig zu Werke gehen. Ein genauer anatomischer
Vergleich erst des Totenschädels mit dem Kopf des Künstlers,
Es] diesf
der auf dem Grabstein wahrscheinlich nach der Totenmaske mo⸗ delliert wurde, stellte mit einiger Sicherheit fest, daß es sich hier wirklich um das Grab des Künstlers handelt. Der Toten⸗ schädel ist bereits in einen Schrein. geborgen, der die Ausschrift trägt:„Schädel, zugeschrieben Fra Giovanni Fiesole bei der Wiederauffindung 21. Juli 1915.“ Der Grabstein wurde an einer Stelle eingemauert, die der neuaufgefundenen Grabstätte entspricht. Zur Seite wurden vier kleine Bronzesäulen ange⸗ bracht, die das ursprüngliche Grabmal zierten, das in seiner strengen Schlichtheit von großem künstlerischem Wert ist. Man beabsichtigt, die Mauerwand, in der der Grabstein sich befindet, mit der Kopie eines Freskos von Fra Angelico zu schmücken.
— Die englischen Seebäder im Kriege. Das Leben in England ist durchaus nicht so unberührt vom Kriege geblieben, wie die Engländer es sich in optimistischer Ueberhebung ausmalten. Die Londoner Straße trägt den bunten und erregten Stempel bewegter Tage, das soziale, Leben muß mehr als einen harten Eingriff spüren, und auch auf dem Lande und an den Küsten hat die Art des Lebens einen durch den Krieg merklich veränderten Charakter angenommen. Selbst die bekanntesten Bade⸗ orte an der Südküste— wie Hastings, Bognor, Brighton— die wegen ihrer, der Hauptstadt nahen Lage der Lieblingsaufenthalt der Londoner im Sommer sind, diese lauten Erholungsstätten begüterter Leute, konnten sich nicht den Einwirkungen des Krieges entziehen, wie sich aus einer Schilderung in der„Times“ ent⸗ nehmen läßt:„Die Südküste bietet beim ersten Anblick; das sommerliche Bild, das wir gewohnt sind. Die Hotels und Miet⸗ häuser sind voll, und man möchte glauben, daß die Leute hier wie sonst reichlich viel Geld ausgeben. Aber dieser erste Eindruck
ist trügerisch, denn das Ferienleben an der Südküste weist in inungen auf, die neu und
iesem Jahre eine Menge von Ers 5 in bezeichnend sind. Vor allem sind die Besucher nicht mehr die⸗ selben wie in friedlichen Zeiten. 5. sonst während ihres Urlaubs weite Reisen ins Ausland zu unter⸗ nehmen pflegten; und auch die sonstigen Besucher der Ostküste haben sich wegen der
und man sieht viele Badegäste, die sich früher mindestens in
Trouville zu vergnügen pflegten. Besonders Brighton ist star r
besucht, aber— un ein außerordentlich ruhig. Auffallend ist der Mangel an Männern. Nur zehn Prozent der Badegäste sind Männer, und es sind meist bejahrte Leute. Die jungen Leute sind selten, und sie werden nicht sehr freudig oder liebenswürdig betrachtet, man wünscht sie an einem wichtigeren und ehrenvolleren Platz. Darum ist es auch nicht verwunderlich, daß die Lustigkeit der jungen Mädchen stark gedämpft erscheint. Ja es ist wirklich erstaunlich, mit Stille alle sonst so fröhlich lärmenden Feriengä 60 0
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Es sind viele Leute hier, die
Bedrohung zur See diesmal mit dem Gebiet um Brighton begnügt. Eastbourne z. B. ist voller Leute, die unter anderen Umständen wohl viel weiter gereist wären. Und auch die Orte, die keine vorteilhaften Strandanlagen für Kinder besitzen, sind diesmal Ai dir ich von Kindern überfüllt,
dies ist eine Merkwürdigkeit— es ist
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