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Seebädern ist die Front zum Strande in lichtlose Schwärze
Dr. Al
6 e folgenden Antrag der Abgg. v. 9 orell. Angenrod, Ue bel, Dr. Web er 100 Genossen „Wir beantragen: die Gr. Regierung zu ersuchen, nach⸗
7 e durchzuführen, bezw. beim Bundesrat zu.
10 Fleisch- und Milch sind den Lan
lmolt, Lang,
läßt, ist stimmten
chloß sich eine ausgiebige Erörterung an, an welcher ich aut die Regierungsvertreter beteiligten. Verschiedene Redner babligten in einer besseren Organisation des Milchhandels in den Städten ein erfolgreiches Mittel gegen allzuhohe Milchpreise. Auch die genossenschaftliche Organisation des Milch- und Fleischverkaufs wurde von einem der Redner in Anregung gebracht. Zum Schlusse wurden noch einige Mißstände gerügt, die bei der Brotverforgung und bei der Kleienverteilung zutage getreten sind. Die Großh. 995 1 S nach n 55 Sande dieser
0 ge tragen zu wollen. Die nächste Sitzun⸗ Aus⸗ schusses findet am Freitag, den 27. August statt. 1
new Vork zur Uriegszeit. 5 Eine länderin, die in den letzten Monaten die Vereinigten Staaten bereiste, veröffentlicht in den„Daily News“ eine inter⸗ essante Schilderung des New Porker Lebens während des Welt⸗
krieges:„Aeußerlich scheint New Pork nur wenig vom Kriege be⸗
xii zu sein. Außerordentlich stark wirkt der Gegensatz zwischen dieter Dollarstadt und London— dem London von 412 5 seinen überall auftauchenden Gruppen von jun, Leuten in Khaki, mit den verwundeten Soldaten, in deren Augen sich noch Bilder des Schreckens zu spiegeln scheinen, mit der Dunkelheit, den vor den Zeppelinen verhüllten Nächten und mit der jetzt auf⸗ erstandenen Entwicklung des geistigen Lebens, das sich mit anderen Dingen beschäftigt als dem Aufhäufen von Geld und der vein materiellen e den nächsten Tag. Am Abend meiner Ankunft in New k erschien mir der Broadway wie ein Pfad durch Geld abgestumpfter Seelen. Der Inhalt der zahllosen Licht⸗ reklamen betonte diese Atmosphäre des geistigen Todes. Jeder Satz, der von Vorübergehenden ausgesprochen wurde, enthielt das Wort„Dollar“. Es ist unglaublich, wie oft man dieses Wort hier an einem einzigen Tage zu hören bekommt. Der größte Krieg, den die Welt jemals sah,— hier in New Pork erscheint er weit, weit entfernt und ganz unwirklich, wie etwas, das auf einem anderen Planeten vor sich geht. Und es gibt ja auch nichts, was den Leuten hier die Schlachtfelder Europas lebendig vor Augen zu bringen vermöchte. Die Zeitungen bringen die Kriegs⸗ ereignisse in rein geschäftsmäßiger Darstellung. Lokalgeschehnisse — wie die des Polizeileutnants Becker und die Frei⸗ lassung des Mörders— erregen weit mehr Interesse als die Nachrichten von einer Schlacht oder dem Untergang eines Schiffes. Das sse der New Vorker an kriminellen Sen⸗ sationen ist durch den Krieg nicht verringert worden. Allerdings
n die meisten Buchläden besondere Schaufenster mit englischer, französischer und deutscher Kriegsliteratur eingerichtet — und diese Bücher auch von ernsthaften Leuten gelesen.
Aber im Grunde hört man doch überall von den Leuten auf der Straße, daß sie„ g vom Krieg haben“; sie wünschen alle, daß die Kriegfi den„Schluß machen“. Ich habe vielen Straßen⸗ rednern zugehört, die von zahllosen Neugierigen umdrängt waren. Keiner all dieser öffentlichen Redner beschäftigte sich mit dem Thema des Krieges. Mitteilungen über Rockefeller und Abhand⸗ lungen über Bibelstellen schienen ihnen weitaus wichtiger zu sein. Ueberall sind Suffragetten an der Arbeit, um die Begeisterung des Publikums vor den für den 2. November angesetzten Wahlen aufzustacheln. Ihre Methoden sind oft äußerst seltsam. So erlebte ich in einer großen Freiluft⸗Versammlung, wie ein Preis von. zwei Hühnern für 1 der Versammlung ausgesetzt wurde, das am besten die Wahlberechtigung der Frauen darzulegen wußte. Und die Menge hat ihre Freude daran, denn sie kommt nicht, um Belehrung anzunehmen, sondern um sich nach Möglich⸗ keit zu unterhalten. Die Suffragetten spielen in ihren Reden öfters auf den Krieg an, doch nur, um ihre persönliche Sache besser zu ü Sie sagen:„Eine Regierung, die den Frauen gegen⸗ über ebenso verantwortlich ist wie den Männern, würde es sich viel gründlicher überlegen, ohne zwingendste Notwendigkeit einen i u beginnen. Darum laßt die Mütter wählen!“. In e e vermag. Die Za im Handel erhältli ost⸗
2 Generälen und anderen bekannten Militärs ist ver⸗ schwindend klein. Die Frauen 12 dem immerhin durch größere Sparsamkeit Rechnung. Wie ein Kaufmann mir mitteilte, werden zwar ebensopiel Kleider wie früher gekauft, aber zu billigeren Preisen. Doch auch diese Bewegung gleicht mehr einer Art Vor⸗ sicht, als wirklich durch den Krieg bedungener ernsthafter Sparsam⸗ keit. Die Ansichten über die Frage, ob die Vereinigten Staaten noch in den Krieg hineingezogen werden könnten, sind so geteilt,
Die Stimmen scheinen an Klang verloren zu haben, man hört kaum helles Gelächter— besonders abends, wenn über dem im Dunkel verborgenen Meere die Sterne leuchten. Hier und in den anderen
E= taucht. Der Besuch von Badeorten wird als Notwendigkeit für die Gesundheit betrachtet, er hat aufgehört, Luxus und Vergnügen
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— Zur Charakteristik unserer heutigen Sol⸗ datensprache. Im Feuilleton der Nummer 189 unseres Blattes erschien unter der angegebenen Spitzmarke ein kleiner Auf⸗ satz, der die Wichtigkeit der neubildenden Kraft unserer Soldaten⸗ sprache betonte und unter diesem Gesichtspunkt dazu aufforderte, einschlägiges Material zu einem Sammelwerke beizusteuern, das
1 fred Wolff in dem Grenzboten angekündigt hat. Aus unserem Leserkreife macht man uns darauf aufmerksam, daß bereits im Jahre 1905 der inzwischen verstorbene Straßburger Professor der kranischen Sprachwissenschaft Paul Horn, der als Reserveoffizier das Thema ebenso wie als Sprachforscher beherrschte, ein Werkchen über die deutsche Soldatensprache geschrieben hat, das übrigens im Verlage von Alfred Töpelmann in Gießen erschienen ist. Das Büchlein, das nebenbei eine ige Lektüre bildet, enthält eine Fülle wertvollen Materials für die deutsche Wortforschung. Bereits zu Beginn des Krieges sa t nun Prof. Dr. Karl Bergmann in Darmstadt, Mathildenstraße 26, alles neue Ma⸗ terial, um das Büchlein, um dieses bereichert, nach Friedensschluß in neuer vervollkommneter Gestalt ausgehen zu lassen. Er hat in der Presse schon wiederholt Aufrufe veröffentlicht, man möge seine bereits recht ansehnliche Sammlung neuer Ausdrücke bereichern helfen, und er hat auch in mancherlei Zeitschriften, so in der Zeit⸗ schrift des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins, in der Zeitschrift für den deutschen Unterricht, in den Artilleristischen Monatsheften usw., für seinen Plan geworben. Man wird also wohl behaupten dürfen, daß auch bei ihm, dem außerdem die von Horn hinter⸗ lassenen überreichen handschriftlichen Nachträge zur Verfügung
stehen, die systematische Sammlung des gesantten Materials in — allerbesten Händen liege. 5 5 0 5—̃
daß sich in diesem Punkte keine bestimmte Stimmung herausfinden läßt. Man erzählte mir hier mehr als einmal von der großen, Anzahl ju Leute aus England, die während des Krieges nach Amerika gekommen sind und hier als Studenten oder Angestellte leben. Der Krieg scheint die Deutschamerikaner geschäftlich kaum geschädigt 15 haben. Und man kann nicht zweifeln, daß die meisten ihrem ein 19 05 Vaterland treu geblieben sind. Man frage den deutschen Kellner im„Hofbräu⸗Haus“, wie der Krieg enden werde; sofort antwortet er:„England wird geschlagen— es ist bereits schwer geschlagen!“ Und so ist es fast bei allen Deutschen.“
Im felde
crwarten unsere Angehörigen den regelmäßigen eingang des beimat⸗ blattes. Um eine Unterbrechung in der Zustellung zu vermeiden, wolle man
den feldpost/Bezug
d. Gleßener Anzeigers für monat Sept.
Ichon jetzt erneuern
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Geschäftsstelle des bichener Anzeigers
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In der Rigaer Bucht.
Nicht zum ersten Male hat die große Bucht, die hinter ihrem natürlichen Schutzdamme vorgelagerter Inseln sich tief ins baltische Land hineingräbt, ihre Wasser von Kriegsfahrzeugen durchpflügen sehen. Noch in den 2 1853 bis 1855, während des Krim⸗ krieges, haben englische Kriegsschiffe wiederholt bei der Insel Runs gelegen, um die Küsten Kurlands, Livlands und Estlands von hier aus unter Beobachtung zu halten. Für gewöhnlich freilich ist die Rigaer Bucht vielmehr der Schauplatz eines friedlichen Schiffs- verkehrs, der ihre stillen Wasser rege belebt; wie ein Magnet das Eisen, so zieht die stattliche Menge der die Bucht befahrenden Schiffe Riga, die große Dünastadt, an, also daß der Kurs, den die die Rigaer Bucht befahrenden Schiffe einschlagen, in der großen Mehrzahl der Fälle immer derselbe ist: sie fahren vom Eingange der Bucht nach Riga oder sie steuern von Riga auf den Ausgang der Bucht zu. Wer aus der offenen Ostsee zur Rigaer Bucht will, der muß die verhältnismäßig schmale Einfahrt zwischen der kuri⸗ schen Küste und der Insel Oesel passieren. Die kurische Küste wird von dem kräftig gebildeten dicht bewaldeten Vorgebirge Domesnäs beherrscht, während die Insel Oesel mit einer langgestreckten Halbinsel die Einfahrt begrenzt. Zu beiden Seiten liegt hier deutsches Land. Denn die elaner sind ein Menschenschlag deut⸗ scher Zunge, einst, in grauer Vorzeit, als Seeräuber und kühne Seefahrer gefürchtet, noch heute als besonders kräftig und intelli⸗ gent bekannt. Die harten Männer der Insel Oesel haben sich nur zögernd und widerwillig dem Kreuze und Schwerte der deut⸗ schen Ordensritter gebeugt, um dann mit der Geschichte des Deutsch⸗ tums in Livland dessen hauptsächliche Wandelungen und Ent⸗ wickelungen zu teilen. Zwei Tage verzeichnet die Geschichte von Oesel, deren Schreckensgedächtnis noch heute in der Erinnerung der Inselbewohner fortlebt. Der eine ist der 23. Juli des Jahres 1343, als die Esten nach heimlicher Borbereitung sich erhoben und an einem Tage alle Deutschen mordeten, alle Kirchen und Klöster zer⸗ störten und eine Schreckensherrschaft antraten, die sie dreiviertel Jahre inne hatten. Der zweite Unglückstag von Oesel fiel in das Jahr 1710: das war, als Scheremetjew mit russischen Truppen. über den gefrorenen Sund rückte und alles, was er fand, ver⸗ nichtete. Damals wurde auch der Hauptort der Insel, Arensburg, mit der Domkirche verbrannt, nur Schloß und Festung wider⸗ standen. Das Bischofsschloß, ein massiger, schmuckloser Bau, steht noch heute und Aren g ist gegenwärtig eine freundliche Klein⸗ stadt, die als Seebad recht besucht und beliebt ist.
Hat das Schiff die Einfahrt zur Bucht durchsteuert und Oesel zur Linken hinter sich gelassen, so treten die Küsten bald aus⸗ einander, um schließlich nur noch in verschwimmenden Linien fern sichtbar zu bleiben. Die Küsten der Rigaer Bucht zeigen ver⸗ schiedene Bildung und verschiedene Bilder. Ihren größten Reiz entwickeln sie zweifelsohne an der Westseite, am kurischen Strande. Dort begleitet die Bucht ein waldiges, liebliches Hügelland, das zwischen Tukkum und Dondangen manchen statt⸗ lichen Herrenhof in seiner Einsamkeit birgt und dessen blaue Kämme das Bild der Bucht auf dieser Seite gar anmutig abschließen. Anders ist der Charakter der Ostküste des livländischen Strandes. Dort lagern sich öde, hügelartige Sandwülste und tausendjährige Dünenbildungen um das Meer herum bis tief ins Land hinein, und die Vegetation wird neben weiten Heide⸗ flächen von düsteren eintönigen Nadelwäldern beherrscht. In solcher landschaftlich nicht eben hervorragender Umgebung liegt denn auch die einzige größere Stadt der Rigaer Bucht, Riga selbst natürlich a. mmen. Das ist Per nau mit seiner wohlgeschützten Bucht, Livlands beliebtester Seebadeort, wo für die Behaglichkeit der Sommergäste in geschmackvoller Weise gesorgt ist. Eine Gründung aus dem 13. Jahrhundert bietet Pernau in seiner Geschichte die Eigenheit, daß es mehreremal die von Gustav Adolf gestiftete Universität Dorpat hat beherbergen müssen. Als die Stadt 1710 vor den Russen kapitulieren mußte, befand sich ade wieder ein Teil der aus Dorpat geflüchteten Professoren in Pernau, und noch heute erinnert an Pernaus akademische Zeit der sogenannte Aka⸗ demiespeicher, d. h. das in einen Speicher verwandelte einstige Akademiegebäude. Bis 1830 ist Pernau Festung gewesen, aber vor allem war es immer eine rege Handelsstadt, deren Ausfuhr noch am Ausgange des 18. Jahrhunderts die Revals übertraf. Heute ist es ein freundliches, reges Städtchen, das bei der Einfahrt mit seinen Kirchtürmen und Anlagen ein hübsches Bild bietet.
Es ist mur ein kleiner Teil der die Rigaer Bucht befahrenden
iffe, der seinen Weg nach Pernau findet; das große Fahr⸗ wasser führt westlich der Insel Runö der Dünamündung zu. Aber obgleich das eben genannte Eiland an dieser großen See⸗ verkehrsstraße liegt, so ist es doch ein völlig weltentlegenes Stück Erde. Von einem in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts leben⸗ den Runöer Pastor wird erzählt, daß er nur einmal im Jahre Kunde vom Festlande erhalten habe, aber auch heute noch emp⸗ fangen die Runber nicht öfters als einmal im Monat ihre Brief⸗ post. Sie sind Schweden von Abkunft und sprechen eine Abart des Schwedischen. Das Gewerbe, das sie neben Ackerbau und Vieh⸗ zucht am liebsten treiben, ist der Seehundfang, dessen Erlös sie meist einmal jährlich auf ihren eigenartigen, halb en, mit zwei Masten versehenen Schiffen nach Riga führen. Eine anmutige,
abwechslungsreiche Insel ist es, an deren Küsten sich dank der viel⸗ jach vorgelagerten gewaltigen erratischen Blöcke die Wucht der Wellen bricht. Ihr Dorf, das etwa in der Mitte der Insel ge⸗ legen ist, besteht aus 27 Gehöften mit etwa 250 Bewohnern und
weist ein ehrwürdiges Holzkirchlein vom Jahre 1644 auf, das der
1 Magdalene gewidmet ist. Viel Urtümliches hat sich im beben der Runöer noch erhalten. Fremde Dienstleute finden sich im Hofe wenig oder gar nicht; die Bewohner des Hauses und des Hofel bilden in der Regel nur eine Familie, unter denen ein Familienkommunismus herrscht, der durch den geringen Familien⸗ zuwachs ermöglicht wird. Die Runöer heiraten viel untereinander und vielleicht trägt dieser Umstand zum Rückgange der Bevölkerung bei. Aber sie wohnen auch so weltentlegen— wo sollten sie sich andere Frauen herholen? Diebstahl ist auf Runö unbekannt, und die Feldstücke der einzelnen Besitzer sind weder durch Grenzsteine noch durch Feldraine getrennt. 0
Weit und still ist die Rigaer Bucht noch in der Gegend von Runö, dessen gefährliche„Gründe“ das Schiff vorsichtig meiden muß. Je mehr es sich aber der Dünamündung nähert, um so belebter wird die Bucht und mehr und mehr nähert sich auf beiden Seiten das Land. Schon kommt die uralte, längst in Trümmer; gesunkene Zisterzienserabtei Dünamünde in Sicht, am Strande werden die von den Rigaern bevorzugten Badeorte erkeunbar und nun öffnet sich breit und majestätisch das Bett der Düna und.
schlank vom Himmel zeichnet sich in der Ferne der Petriturm ab.
Riga ist in Sicht! Aus Stadt und Cand. Gießen, 25. August 1915. Die Zaungäste der Obsternte.
Nach den angenehmen Wochen der süßen— und sauren— Kirschen und all der saftigen Beeren ist jetzt die Zeit der Fruchternte gekommen. Ganze Berge von Pflau⸗ men, Trauben, Aepfeln und Birnen locken mit ihren Farben und ihrem Duft in den Schaufenstern und drohen wieder einmal das mühsam in der Schwebe gehaltene wirtschaftliche Gleichgewicht unserer Hausfrauen zu stören. Natürlich üben diese Früchte auch wieder eine unwiderstehliche Lockung auf allerlei Obstdiebse aus, und nicht jeder der Bestohlenen mag darüber so nachsichtig und verständnisinnig urteilen, wie der weiland Husumer Amtsrichter Theodor Storm, der eines Tages„inserierte“: Die verehrlichen Jungen, welche heuer meine Aepfel und Birnen zu stehlen gedenken, ersuche ich höflichst, bei diesem Vergnügen womöglich in⸗ soweit sich zu beschränken, daß sie daneben auf den Beeten mir die Wurzeln und Erbsen nicht zertreten.
Trotzdem, trotz aller Warnungen, Verbote und Strafen, stirbt aber die Sippschaft der Obstdiebe wahrscheinlich nie aus. Es liegt uns gewissermaßen im Blute, das Obstmausen, seit unsere Ahnfrau, Frau Eva, im Paradiese die erste ver⸗ botene Frucht naschte. Frisch vom Baum gepflückt schmeckt eben alles besser. Eine dritte Gruppe von„Interessenten“ sind die Zaungäste. Ja, wem gehört denn eigentlich das überhängende Obst? Darauf sei geantwortet: Solange es noch hängt, dem, an dessen Baum oder Strauch es fest⸗
sitzt; sobald es aber abfällt, dem, auf dessen Grunde es
liegt. Das Auflesen fallenden Obstes von Landstraßen⸗ bäumen wird freilich nicht mit gleicher Duldsamkeit be⸗ handelt. Denn wer ist hier„Nachbar“? an kann sich doch
nicht gut als„Allerweltsnachbar“ aufspielen. Und es hilft
auch nichts, wenn man sich etwa darauf beruft, daß doch 5 der Obstgenuß als höchst bekömmlich empfohlen Wird
Schon in unserm alten deutschen Recht waren in diesen Dingen ziemlich enge Grenzen bodega. Wer reiste, mußte sich— wo es durch einen Wal Wege halten oder ein Horn blasen, um nicht für einen
d ging— auf gebahntem
Dieb angesehen zu werden. Dagegen durfte er, wenn sein
Wagen unterwegs schadhaft wurde, unangefochten Holz hauen, um ihn auszubessern. War es ihm nicht möglich, vor Anbruch der Nacht eine Herberge zu erreichen, so war es
ihm vergönnt, Speise für sich und Futter für sein Pferd 95
aus der Mark zu nehmen. Ferner er sich, wenn er Appetit darauf hatte, ein Gericht Fische oder Krebse fan
und ein Feuer anmachen, sie zu sieden, doch mußte er alles an Ort und Stelle verzehren, und durfte nichts aus der Mark mitnehmen. Im allgemeinen galt für solche unge⸗ ladene Gäste der Rechtssatz: drei sind frei. Der Reisende durfte sich drei Aepfel vom Baume brechen, drei— oder
vier— Trauben in die Hand schneiden und den Handschuh
voll Nüsse pflücken. Mit überhängenden Zweigen aber wur⸗
den nicht viel Umstände gemacht. Jeder, dem solche irgendwo
im Wege waren, durfte mit einem Leiterwagen oder
Schlitten darunterfahren und mit einer Axt weghauen, was
er konnte; was dabei auf sein Fuhrwerk fiel, durfte er
mitnehmen, das andere sollte er liegen lassen. Wer heut⸗
zutage nach diesen Grundsätzen verführe, könnte den schön⸗
sten Prozeß besehen.
*
Auf dem Felde der Ehre gefallen.
(Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Ersatzreservist Gustav Siebenborn, Inf.⸗Rgt. 121, aus Geiß-Nidda.— Unteroffizier Hermenn Ganz, Res.-Inf.-Rgt. 222, aus Darmstadt.— Kriegsfreiw. Fred Liß, Inf.-Rgt. 221, aus Eberstadt bei Darmstadt.— Musk. Chr. Lenhardt, Inf. Rgt. 49, aus Offenbach a. M.— Leutnant d. Res. Heinz Schlörb,
Jnf.-Rgt. 115, aus Bensheim.— Füsilier(Lehrer) Phil. Martin,
Elisabeth-Regiment Nr. 3, aus Büttelborn. Müller, Inf.-Rgt. 174, aus Wetzlar.
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* Vermißtenermittelung. Die e ee igen der bei Le Quesnoy(31. Oktober bis 2. November) Ver⸗ mißten werden, wie man uns mitzuteilen bittet, zu einer Besprechung auf Sonntag, den 29. August, 2 Uhr in den„Felsenkeller“ 7 Gießen eingeladen. Da Ermitt⸗ lungen bis jetzt erfolglos waren, wird ein Zusammenschluß der Betroffenen zum Zwecke gemeinsamen Vorgehens be⸗ absichtigt. 5
** Der Hessische Schutzverband für entlas⸗ 11 Gefangene hat soeben den Rechenschafts⸗Bericht für das Jahr 1914/15 herausgegeben. Die Einnahmen des Vereins im Jahre 1914 sind danach gegenüber den Vorjahren nur um ein Geringes zurückgegangen, sie betrugen 11 706,86 Mark. Die Haupteinnahmequelle, die Mitgliederbeiträge, hielt sich fast auf gleicher Höhe. Zurückgegangen sind die Einnahmen an„zurück⸗ empfangenen Kapitalien“ und an„Geschenken“. Beide Rückgänge sind auch durch die Zeit leicht erklärlich. Die Darlehensempfänger konnten in Anbetracht der durch den Krieg hervorgerufenen Ver⸗ hältnisse, insbesondere infolge der Teuerung, das Scherflein nicht erübrigen, das sie dem Schutzverein vertraglich zugesichert und meist pünktlich abgezahlt hatten. Im Berichtsjahre wurden ins⸗ gesamt an Unterstützungen 7059,65 Mark verausgabt. An außer⸗ ordentlichen Unterstützungen für Nichtpfleglinge wurden veraus⸗ gabt in 1911: 286,55 Mark, in 1912: 122,43, in 1913: 44,90 Mk., in 1914; 138 Mark. Die Gesamtausgaben betrugen 9955,96 Mk. Ueber die persönlichen Verhältnisse der Pfleglinge des Jahres 1914 sei folgendes bemerkt: Von den 166 aufgenommenen Pfeg⸗ lingen wurden im Laufe des Jahres 6 wieder gestrichen, so daß für die statistischen Zwecke nur 160(1913: 210) zu berück⸗ sichtigen waren. Unter diesen waren 25(39 im Jahre 1913) weibliche Gefangene(18,4 Proz. gegen 18,6 Proz. im orjahre). Dem Familienstand nach waren 46(61) Pfleglinge noch ledig, 109(141) verheiratet, 2(5) verwitwet und.
Musketier Wilh.
3 c geschteden.


