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(24.8.1915) 198. Zweites Blatt
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noch einmal feststellen, daß die Kommis⸗

8 Ich wollte hier 7505 sion zu dem luß gekommen ist, es ergebe sich aus den Unter⸗

lagen der Reichsgetreidestelle nicht, daß sie unwirtschaft⸗ lich vorgehe und ihre Maßnahmen zu einer Verteuerung des Mehles führen. Sollte die Berechnung sich als zu vorsichtig erwei⸗ sen, dann würde selbstverständlich die Reichsgetreidestelle im Laufe des Jahres, nachdem sie zur klaren Erkenntnis der Lage gekom⸗ men ist, eine Herabsetzung vornehmen. Das hängt sehr vom Wet⸗ ter ab. Wenn wir weiter solchen Regen behalten hätten, wie estern, dann war vielleicht unsere Kalkulation nicht vorsichtig. sondern zu optimistisch. Wenn das aber nicht eintritt, wenn wir in der Behandlung des Getreides vom Wetter begünstigt werden, And es sich herausstellt, daß wir die Mehlpreise zu vorsichtig kal⸗ kuliert haben, dann wird selbstverständlich eine Herabsetzung erfolgen. Denn das ist die erste Aufgabe, daß wir die Bevölkerung mit dem Mehlpreise so wenig als möglich belasten. Das darf un⸗ bedingt als die Absicht der Reichsleitung ausgesprochen werden.

Beifall.)

2 5 Abg. Segitz(Soz.): 5 Die bewegten Schilderungen des Abg. Gamp über die Opfer der Landwirte werden außerhalb des Hauses nicht ungeteilten Glauben finden. Allgemeine Fastentage nach österreichischem Muster würden nur die Minderbemittelten treffen. Für Kar⸗ 3. Eier und Petroleum fordert man vielfach geradezu Phan⸗

˖ reise. Gegen die Halunken, die das Volk auswuchern, muß aufs Schärfste vorgegangen werden.

75 Abg. Dr. Pfleger(Zentr.):

5 Wie die neue Kartoffelernte ausfallen wird, wissen wir nicht. Wir müssen also vorsichtig sein. Vor allem dürfen wir aber diesmal das regellose Eingreifen der Gemeinden nicht noch

5 einmal erleben. 1 bote Sibung bauert nach foct) QM? s

Die Flucht Georgs V. Berlin, 23. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Mit⸗ teilung der Blätter verlegt die englische Königsfamilie ihren Wohnsitz in nächster Zeit nach Nord⸗England, Diese Tatsache wird mit der Wirkung der letzten Zeppelin⸗Angriffe auf die Londoner City in Verbindung gebracht. Zu der Verlegung der Hofhaltung König Georgs V. nag Nordnet schreibt uns ein gelegentlicher Mit⸗ arbeiter:Wach auf, England! ist das einzige geflügelte Vort, das von Englands heutigem König bekannt geworden. Er hat diesen Ausspruch früher einmal auf dem Rathaus der City von London getan, als er noch Prinz von Wales oder noch nicht einmal dies war. Bei seiner Thronbesteigung machte man viel Aufhebens von jenem Ausspruch, um den Gegensatz im Charakter zu Eduard VII. etwas auszu⸗ gleichen. Aber bald sagten sich die innerlich stets pietät⸗ losen Briten, daß tausend andere Engländer schon tausend ähnliche Rufe ertönen ließen. Und schließlich hieß es:Wenn der König uns darin nur mit seinem erlauchten Beispiel vorangehen wollte! Heute, im Krieg, scheint der Britenkönig endlich auf⸗ gewacht zu sein. Die Zeppelinbomben, die letzthin wieder auf die Londoner City fielen, haben ihn aufgeweckt. Der eng⸗ lische Hof verläßt London. Lediglich die Sorge für das persönliche Wohl des Königs scheint nicht bestimmend ge⸗ wesen zu sein. Denn erstens ist des Königs Residenz den Sommer über nicht in London, sondern auf dem behag⸗ lichen Landsitz Sandringham, nordöstlich von Kings Lynn, im Westen von Norfolk(östliches England) aufgeschlagen. And zweitens ist Georg V. Soldat, Seemann seit seiner frichesten Jugend, Inhaber und Führer mehrerer Regi⸗ menter. Es dürfte den denkbar ten Eindruck Persal wenn Britanniensoberster Kriegsherr aus ganz 5 nlicher Furcht vor deutschen Luftgeschwadern nach dem hohen Norden seines Landes entfliehen würde, wo man ihn, nebenbei gesagt, unter Umständen auch noch erreichen kann. Nein, der Eutschluß, die Hofhaltung zu verlegen, ist 1 scheinlich der 3 entsprungen, daß die in den Lon⸗ 8 ö o 5

doner Kro Werte das Opfer der Luft⸗ deer könnten und daß sie vielleicht eher das * Angriffe sind, wenn und solange die Hofhaltung Dort aufrecht erhalten wird. Letzteres eine durchaus un⸗

berechtigte Angst, denn das Ziel der deutschen Angriffe sind die mlkirisch wichtigen Gebete nd Antag lso die königlichen Werften, die zahlreichen Privatwerften, ie umfangreichen Ausrüstungsmagazine, die in der Themse liegenden 2 und Handelsschiffe, die Themse⸗ brücken, die senale, Kasernen, Bahnhöfe und Eisen⸗ bahnlinien. Aber da man aus 9 nicht so ziel⸗ sicher schießen kann, wie aus Belagerungsgeschützen, 1 die Sorge berechtigt erscheinen, daß auch Ge⸗ n

der englischen Sdarng mal eins abbekommen. 1 t kommt in erster Linie der Buckingham⸗ palast am westlichen Ende von St. James Park, der lang⸗

jährige Wohnsitz des 819 Eduard VII. mit seinen großen Marställen, der 1825 auf Befehl Georgs IV. errichtet wurde. Daneben erscheint aber auch der Palast von St. James 1 rdet, in dem 1913 die Londoner Friedenskonferenz kagte. Der alte Backsteinbau, obschon offizielle Residenz der Hergbehe⸗ Großbritanniens, führte Ie gen ziem⸗ lich ver Dasein. 1809 hatte ein Brand den ganzen Odstf, und mit ihm bis auf geringe Reste die ältesten

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Teile des Palastes vernichtet. Aber man hat manches wieder heergestellt und vieles historisch Wertvolle in dem alten

Bau untergebracht, was jetzt vielleicht auf Fuhren verladen außerhalb Londons in Sicherheit gebracht wird. Vielleicht urettet man auch den alten 7 1 Hronschatz, die englischen Kroninsignien aus dem alten Kloster von West⸗ minster; sie ruhen hinter einer alten Doppeltür, deren sieben 5 1 sich nur in den Händen der sog. Lords of the feht der S ster, befinden. Mit diesen . qchätz ieht vielleicht auch die Record Office, das Stantsarchiv in Chancery Lane. Es ist zwar in einem gewaltigen, schon im Frieden gegen engen besonders gesicherten Gebäude untergebracht. JuDecken, und Fensterrahmen sind von Eisen, die Tirren von

. 4 Kein Zimmer ist mit dem andern verbunden. Aber man kann nicht wissen. Alle wichtigen und geheimnisvollen Staatsurkunden sind bisher dort e wesen. r 5 ungen jösen aus den Brüsseler 5 wen. Wird Geor f gißt er auch das wichtigste nicht, daswandelnde Geheim⸗ nis, seinen Privatsekretär Lord Nnollys, der schon zu Lebzeiten Eduards VII. der Mitwisser aller geheimsten Din Ibions war? Im Jahre 1912 kam ein amerikanischer Verleger zu Lord Knollys, legte ihm eine unausgefüllte

Zahlungsanweisung auf den Tisch und bat ihn, selbst an⸗ . geben, wieviel er verlangte, wenn er seine Memoiren 5 2Fünf Millionen Dollar! antwortete Lord Knol⸗ ius, ohne mit der Wimper zu zucken.Mein Gott! rief der Hankee entsetzt,sprechen Sie denn im Ernst, Lord Knollys? Da sagteFrancie(so pflegte Eduard VII. diesen intimsten seiner Intimen zu nennen) mit einem vielsagenden Lächeln:Lieber Herr, wenn ich alles sagen wollte, was ich weiß, aber nicht sagen kann, würde das

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5 1

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V. alles das mitnehmen? Und ver⸗⸗

noch zehnmal mehr wert sein. Wir wissen nicht, vb Knollys mit seinen Memoiren begonnen hat. Aber wenn ein Manu⸗ skript in seinem Schreibtisch liegt, wird es das erste sein, was sein König auf der Flucht nach Nordengland mitnimmt.

Ueiegsbriefe aus dem Often

Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Zum Fall von Nowo⸗Georgiewsk.

Fort Zegrze, 19. Aug.

An einem Wald entlaug, der nach dem Festungsplan durch- aus micht stehen dürfte die Versuche, ihn im letzten Augenblick. abzubrennen, mißlangen, führt die feste Militärstraße von Dembe weiter nach Fort 16a, das wie 16 und 16b gestern in die Hand der Sturmkolonnen kam. Alle die Forts sind ziemlich mo⸗ dern, gut betoniert, mit elektrischen Lichtanlagen, ausgezeichneten Schützenständen, und sie waren hinreichend armiert. Nach den un⸗ geheuren Schlägen der Batterien haben nur zwei den. deutschen Infanteriesturm abgewartet. Fort 16a, das dicht am Narew und ebenso dicht an der Straße liegt, wurde vorher aufgegeben. Heute, im Morgengrauen schoß die Artillerie von Werk 3 noch gelegent⸗ lich ungezielte Schüsse in Richtung des erorberten Forts und auf die Straße. Zu erkennen war nichts, weder hüben noch drüben. Dicker Nebel quoll über dem Narewtal, und die massige, orthodoxe Mili⸗ tärkirche von Aleksandyjska und die schlanke polnische Kirche von . wirkten wie gespenstige dunkle Riesen in dem flattrigen

rau.

Gegen neun Uhr setzte allmählich die Artillerie ein. Von dem eroberten Fort 164 war eine ausgezeichnete Batteriebeobachtung auf das große Werk, das letzte, das an dieser Stelle die eigentliche Zitadelle noch deckte. Ueber die Riesentrichter der 42er. konnte man auf die Böschung klettern und sah bei langsam klarer werdender Ferne jeden Aufschlag der schweren und schwersten Mör⸗ ser. Einmal versuchte die Festung das Feuer aus schweren Stücken zu eröffnen. Man erkannte das Aufblitzen drüben an dem lang⸗ gestreckten grünen Wall, aber bald sprang eine hohe Rauchsäule von der Stelle hoch, da die Schüsse geblitzt hatten; ein großer Brummer war scheinbar mitten in die Batterie geflogen. Bald schien das ganze Werk unter Rauch und Nebel zu versinken, und hinter dem Fort schwangen sich mächtige Rauchsäulen hoch, die auf Sprengungen schließen ließen. Wie das Sausen eines Eisen⸗ bahnzuges hörte sich der Lärm der Riesengranaten an, wenn sie im absteigenden Ast in die Richtung ihres Zieles gingen. 0 In das Heulen und Dröhnen des Artillerielärms mischte sich gegen ½ 1 Uhr das Knattern des Infanteriesturms, und der trockene Ton russischer Maschinengewehre setzte ein. Man sah Infanterie an dem Waldrand links vor dem Werk erscheinen. Die beiden Kirchen außerhalb des Walles waxen besetzt, und etwas nach ½2 Uhr endlich stiegen dicht vor dem Hindernis die Leucht⸗ kugeln, die das Vorrücken der Infanterie anzeigten, hoch. Es hieß in diesem Augenblick, das Fort habe die weiße Fahne gezeigt, also los! Kurz vor den Wällen an der Brücke über die Wkra, die bald darauf den Narew erreicht, muß das Auto halten, weil die Brücke natürlich verbrannt war. Von dem höher gelegenen rechten Wkra⸗Ufer konnte man den Festungswall und das Drahthindernis in jeder Einzelheit erkennen. Mit der weißen Fahne schienen die Russen wie oft nur die Meinung irgend einer kleiner Abteilung haben andeuten wollen; denn das Infanteriefeuer flatterte plötzlich lebhaft auf. Einzelne Grup⸗ pen, die ziemlich unbekümmert an dem schrägen Wall herausge⸗ stürmt waren, warfen sich nieder, Maschinengewehre streuten in rasendem Hämmern, aber von der anderen Seite waren schon Gruppen in die Festung eingedrungen, und aus dem Wald rechts neben mir kamen jetzt helle Kommandos und Schützenschwärme. Offiziere, den Degen hoch voraus, sprangen den schrägen Rasen hoch, man hörte das durchdringendeHurra und dann sah man die schwarze Silhouette einen Augenblick auf der Wallspitze. Linüber! Werk 2 schoß in diesem Augenblick seine letzten Schüsse vor der Einnahme flankierend auf die Straße und den Wkra⸗Einschnitt, so daß die Reserven und Pioniere, neben denen ich stand, eiligst auseinanderspritzten. Auf Bohlen konnte man, die Wkra überschreiten. Noch einmal fing Infanteriefeuer aus einem Wäldchen hinter dem Fort an, aber die Batterien lagen bald über dem Wald und dem Abschnitt dahinter. Die Besatzung hob inzwischen die Hände. An einer Seite der hohen weitläufigen 2 wurde sie zur Reihe rduet; es war etwas mehr als ein Bataillon, was da mit den so sichtlich zufriedenen Gesichtern russischer Gefangener abtransportiert wurde. Die Offi⸗ ziere, ich zählte nur sechs, sahen müde und gleichgültig aus.

In dem Augenblick, da sich der Kommandant des Werkes ergab, sah man aus der Zitadelle Nowo⸗Georgiewsk einen Freiballon hochsteigen. Der Festungskomman dant, sagte der gefangene Offizier und zuckte die Achseln. Ich weiß nicht, ob tatsächlich der Kommandant in Nowo⸗Georgiewsk sich in dem Freiballon befand. Daß sein Unterführer diese Meinung hatte, genügte mir für die Beurteilung des letzten stes von Widerstand, der noch 1 warten ist. Im übrigen war günstiger Wind, und der lon verschwand ziemlich schnell nach Osten.

Die Wirkung unserer Artillerie war an dem eben genommenen Werk nicht so eindringlich zu sehen wie in den übrigen Forts, weil die Anlagen allzu ausgedehnt waren. Ein Schuß war mitten in eines der großen Munitionslager gegangen. Er muß gräßliche Sprengwirkungen gehabt haben. Fendune haben die Russen die kleinen auf Schienen laufenden Eisenwagen, die die Granaten zu der Artillerie bringen sollten, nicht mehr benutzt, weil Wagen und Schienen und Granaten zerrissen waren. In allen Gewölben fanden sich gewaltige Vorräte von Munition jeden Kalibers. Die Menge läßt sich nicht leicht abschätzen, ist aber erstaunlich groß. Die einziehenden Truppen freuten sich außerdem über die vielen Kisten von Konserven, die ihnen in die Hand fielen. Geschütze wurden, so viel ich ges habe, es ist aber leicht möglich, daß die Zahl nicht stimmt, acht erbeutet und etwa ein Dußend Maschinengewehre. Ueberall waren die weißen Zettel mit 5 des betreffenden Bataillons, das die Beute gemacht

Ununterbrochen sausten inzwischen die deutschen Granaten über das Fort der Zitadelle zu, und ich glaube, ein biederer alter Land⸗ wehrmann, der langsam eine russische Fleischkonserve, beurteilte die Sachlage ziemlich richtig, als er plötzlich in einer Eßpause den Pariser Einzugsmarsch zu pfeifen versuchte Das pfeift man doch beim Einmarsch in 7 gen und so, und er zeigte mit dem Daumen nach Nowo⸗Georgiewsk. Da wir außerordentlich geringe Verluste bei der Einnahme hatten, war die Stimmung des Regi⸗ mentes, das nun in harten Tagen hintereinander drei Forts ge⸗ 2 hatte, ganz besonders glänzend, und als der Oberst in as genommene Werk eintritt und den Offizieren des zuerst ein⸗ gedrungenen Bataillons zurief:Ich gratuliere dem Bataillon!, . 7 des hundsmiserablen Wetters die ganzen Stürmer vom Forts 3.

In Nowo⸗Georgiewsk waren inzwischen Detonationen zu hören, hohe schwarze Rauchwolken stiegen auf, bald aber wer jede sicht wieder verhängt. Die Infanterie arbeitet sich weiter. Am d spät endlich fällt Nowo⸗Georgiewsk.

Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter.

Weichsel⸗Uebergang.

Bei ihrem Rückzuge in der zweiten Hälfte des Juli aus West⸗ polen fanden die Russen in den Festungen Iwangorod und War⸗ schau und der sie verbindenden eichsellinie eine feste Aufnahme; den nachdrängenden deutschen Truppen war zunächst Halt geboten. Dieser Halt durfte aber nicht lange währen, um dem Feinde die Möglichkeit zu nehmen, die Masse seiner hinter die Weichsel zurückgegangenen Kräfte an anderer Stelle gegen eine unseren Heeresgruppen auf den Flügel einzusetzen.

Ein Angriff auf Iwangorod konnte raschen Erfolg in diesem Sinne nicht bringen, denn die Eigenart der Festung ist ja gerade, daß ihr Verteidiger mit schwachen Kräften auskommt. Daher beschloß die Heeresleitung den gewaltsamen Weichselübergang nörd⸗ lich Iwangorod in der Gegend der Radomka-Mündung. Zur

Ausführung wurden die deutschen Truppen der Armee⸗

Abteilung Wohyrsch bestimmt, die bisher geben standen. Sie mußten demnach wesentlich nach Norden Agesche

werden. Eine derartige Seitwärtsschiebung stärkerer Truppen stellt

hohe Anforderungen an alle Befehlsstellen. Der Linksabmarsch

war in diesem Falle besonders schwierig, er schnell erfolgen

und der Stromübergang sich ihm unmittelbar anschließen mußte,

da sonst nicht darauf zu rechnen war, den Feind zu überraschen

rd 25 Ueberraschung lag der Schwerpunkt und die Aussicht auf rfolg. f

Alle erdenklichen Maßregeln zur Geheimhaltung des Ueberganges wurden getroffen. Alle Bewohner im weiteren Be⸗ reiche der Uebergangsstellen mußten ihre Dörfer räumen, von denen allerdings die Russen nur wenige übrig gelassen hatten. Das meiste war planvoller Brandstiftung an eimgefallen. Die 11. 15 immer 50 1 Neid 5

2. inge e Untersuchungen nach ver! en 1 Fernsprechleitungen fanden statt, allerdings ohne Erfolg, so der Führer nie ganz die Sorge verlor, die Russen würden noch Kenntnis von dem Unternehmen erhalten.

Die Armeeleitung Woyrsch hatte den Führer des Landwehr⸗ 5155 5 75 15 K 1 8 mit 1755 weisungen versehen, ihm die Ausführung eberganges über⸗ tragen und die nötigen Hilfsmittel, namentlich wude Brücken⸗ träne, auch solche unserer Verbündeten, überwiesen, die sich unter

der Leitung ihres unermüdlichen Führers, des K. und K. Pionier⸗

Obersten Mischek, trefflich bewährten.

Am 28. Juli abends waren alle Vorbereitungen fertig: Er⸗ lkundung der Anmarschwege für die Pontons zu den zehn Uebersez⸗ stellen, die in mehreren Gruppen in ziemlicher Entfernung von⸗ einander gewählt waren, damit, wenn der Uebergang an einer Stelle nicht gelang, dieser an einer anderen gewährleistet wurde. Bereitstellung der Infanterie und Artillerie, so daß sie ohne Kreu⸗ zung rasch ihre Uebersetzstellen erreichen konnten. Besprechungen mit den höheren Pionier⸗ und Artillerieofftzieren hatten im Hauptquartier des Führers stattgefunden, und alles war bis auf die kleinsten Nebenumstände geregelt. 5

Am 29. Juli um 1,30 Uhr morgens sollten an allen Stellen

die Truppen das Weichfelufer erreicht haben, um sofort mit dem

Uebersetzen beginnen zu können. Die Weichsel hat in dieser Gegend eine durchschnittliche Breite von 1000 Meter. Zahlreiche Sand⸗

eee sie, so daß für Pontons die Gefahr eines Auf⸗ aufens bestand.

Wie der Feind hinter dem Flusse stand, in welcher Stärke,

in welcher Kräfteverteilung, war pöllig unbekannt. Es galt,

einen Stoß ins Dunkle zu führen. Begreiflich daher die Spannung.

Bei einem Gefecht unter gewöhnlichen Verhältnissen entwickelt sich solche allmählich e der langsam heranreifenden Ent⸗ scheidung, Bei einem Flußübergang setzt die Handli mit der 1 Spannung ein. Eine knappe halbe Stunde muß die Ent⸗ cheidung 1 75 Es gilt nur ein Entweder Oder, Entweder man erreicht das gegenseitige Ufer und behauptet sich auf ihm, oder die Truppen erhalten beim Uebersetzen derartiges Feuer, daß sie nicht hinüberkommen, oder was noch schlimmer ist, der starke Feind wirft die zuerst i esetzten Truppen, die natur⸗ denten nur schwach sind, in den Strom zurück, was gleichbe⸗ eutend mit Vernichtung ist. Die begreifliche Spannung wurde noch vermehrt durch das Dunkel der Nacht und den fehlenden Ge⸗ benen durch die völlige Lautlosigkeit, die dem Sprunge vorausging. 5

1,30 Uhr vormittags. Jetzt brechen überall die Truppen aus den letzten Deckungen am Ufer hervor. Höchste Kraftanstrengung Was die schweren Pontons schnell vorwärts. Jetzt wird das Wasser erreicht Jet stoßen sie ab.. Noch alles ruhig, ein

eichen... 1,45 ihr. Plößzlich stark einsezendes Arkilleriefeuer Der Feind ist an einer Stelle also aufmerksam n, und ber seinen ersten Schüssen hat unsere bereitstehe Artillerie das Feuer gegen das feindliche Ufer aufgenommen, dadurch der woch 5 8 befindlichen Infanterie einen wirksamen Feuer lutz gebend. 5

Endlich löst sich die Spannung: Die erste n trifft ein: Sveben kehren die Pontons zurück, die erste Staffel ist 15

Man atmet auf. Nun sind wir drüben. Und wo die Armee⸗Abteilung Woyrsch einmal Fuß gefaßt hat, da hält sie

Nun sind wir drüben. Dieser Gedanke kehrt immer wieder, verstärkt sich immer mrehr bei jeder neuen Meldung, daß ein weiteres Bataillon übergesetzt ist. Es ist hell geworden, unsere Artillerie spricht jetzt entscheidend mit bei den Kämpfen, die den letzten Widerstand des überraschten Feindes brechen sollen.

Die ersten 200 Gefangene werden gemeldet. Alles geht gut

liegt noch vor uns. Wohl unmittelbar

e

ö wir die 1 Sit

3 Seine Reserven weiter rückwärts gilt es aber noch zu ihm

man bald. Aus Iwangorod un. er immer mehr Truppen zusammen, um uns wieder u⸗ werfen. War der d 9 er mußte trotzdem ange⸗

Brückenkopf mußte derart erweitert

each des Generals der In⸗ N ch⸗ungarischen Truppen der Armee ⸗Abteilun, Erfolg vor Iwangorod er⸗ rungen. Sie hatten die sehr stark ausgebaute und zähe verteidigt Festungsstellung durchbrochen und dem auf das den Gegner noch 2300 Gefangene und 32 Geschütze abgenommen.

Die größte Genugtuung ward aber den Truppen der Armee⸗ Abteilung zuteil, als bekannt wird, daß die Russen einen Tag nach dem Weichselübergange mit der allmählichen Räun

ds begonnen haben und im Begriffe sind, die elende Blonielinie und die Lubliner Stellung.( 9 hat also die Bezwingung der Weichsel einen ßen fruß au] weite Teile der Front ausgeübt.

Aus belgischen Archiven.

Berlin, 22. Aug.(W 7B.) DieNorddeutsche Alk⸗

eine Zeitung veröffentlicht heute re Dokumente dus belgischen Archiven und bemerkt dazu: Der ungeheure Lärm, den die Ententemächte aus Anlaß der ssäre ange⸗ schlagen haben, und der negative Verlauf der von ihnen auf⸗

gebauschten Aktion, wobei wir namentlich an die vom Kapitän Fa⸗ ber enthüllten englischen Flottenmaßnahmen denken, führten natur⸗

emäß zu einer Ernüchterung in England und in Frankreich zu ae Mimisterpechsel Man ließ Herrn Poincars an Caillaur!

Stelle an die Spitze des franz schien auch in England nicht Lust, haben, Sir Gd e 1 man nicht 9 5 220 5 gef 0 er deutsch⸗englischen Beziehungen gab, ondern au vorwarf, seine persische Politik eine Slang englischer Interessen bedeute Diese Angriffe in den angesehensten englischen Blätt 0 einen so ernsten Charakter an, daß das englische Kabinett 7 ge⸗ nötigt sah, Entgegenkommen gegen Deutschland an den a0 legen. So entstand die Mission Lord Haldanes nach Berlin, die daran scheiterte, daß die englische Regierung sich nicht entschließen konnte, in der grundsäglichen Richtung ihrer Politik eine Aen⸗ derung eintreten zu lassen. Tatsächlich datiert von dem Haldaue⸗ schen 0 eine gnalsee unn Aid d N ziehungen, Aber der engli rs blieb derselbe. a 8 zie Tie belgischen Gesandten haben diese Tatsache sestgestellt und ihre Folgen dean e In der Vorstellung, daß der seit der Ernennung Poincarés zum Ministerpräsidenten steigende nismus Frankreichs und die Tendenz der Politik Gan eine Ge⸗ fahr für den Frieden bedeute, sind ste alle eines Sinnes, gleich⸗ viel, ob Graf Lalaing aus London, Baron Guillaume aus Paris oder Greindl und sein Nachfolger Beyens aus Berlin berichten. Die Ententepolitik guand mͤme wurde fortgesetzt und die Folge war, daß die politische Spannung stieg. Baron Greindl bat in dem letzten seiner hier veröffentlichten Berichte anläßlich mütigkeit, mit der der Reichstag die Vorlagen! mehrung von Heer und Flotte bewilligt hatte,;

französischen Ministeriums treten und

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