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Haftpflicht zu Großen⸗Linden eingetragen: Ludwig
Ein KRusse über England.
Im Jahre 1881 erschien bei Wilh. Friedrich in Leipzig eine Schrift:„Rußland und England, äußere und innere Gegensätze.“ Der Berfasser war ein hoher russischer Militär und nannte sich E. von Ugény. Jetzt hat der Verlag Georg Müller in München denjenigen Teil der Arbeit, der sich mit England beschäftigt, neu herausgebracht. Da Ugeny sich bei seinen Ausführungen im wesentlichen auf englische Selbsterzeugnisse beruft, erhielt die Pub⸗ likation, zu der der Nationalökonom Franz Oppenheimer eine Einleitung schrieb, den Titel„Engländer über England“. Der russische Autor sucht das Gesicht John Bulls zu zeichnen, wie es sich für den Kontinentalen darstellt, wenn er Englands poli⸗ tische Geschichte betrachtet. Diese physiognomische Studie zeigt Verbrecherzüge mit höllischer Bosheit und Widernatürlichkeit. Der alte Wicking, der sich vor 800 Jahren auf der Briteninsel festsetzte, lann von der Seeräuberei nicht lassen; aber er hat ein einträg⸗ liches Handelsgeschäft daraus gemacht, und dieser niedrige Krämer⸗ geist hat den alten Heldencharakter verdorben. Als Karl der Große eines Tages eine Normännerflotte auf dem Meere kreuzen sah, ward er bekümmert, und seine Augen füllten sich mit Tränen. „Ich denke an die Uebel, welche diese über meine Nachkommen bringen werden,“ sprach er. Nun, Piraterie ist der Inhalt von England Geschichte geblieben. Aber die Uebel begannen erst, als der alte Wicking sich zu John Bull, dem egoistischen, kalt⸗ herzigen, verschlagenen Krämer wandelte. Oppenheimer zitiert den Wiener Volkswirtschaftler Philippowich, der einmal schreibt: Die innere und äußere Entwicklung Englands beruht auf Ge⸗ walt. Auch in der auswärtigen Politik ist Raub und Gewalt das Mittel der Ausdehnung englischer Macht und englischen Reichtums. Der Engländer hält die ganze Welt außer England für einen Kehrichthaufen. Er sieht, wie Swedenborg sagt,„auf Fremde, wie jemand von dem Dache eines Palastes mit einem
ernrohr auf die sieht, welche außerhalb der Stadt wohnen, und ich umhertreiben.“ Der Insularismus, jene Abgeschlossenheit, die den Egoismus, der Ich mit einem großen J schreibt, er⸗ zeugt, ist für Ugény einer der richtunggebenden Faktoren von Eng-
lands Politik. Der andere ist das praktisch orientierm Macht⸗ streben, das in der Schätzung des Reichtums gipfelt als des höchsten Ausdrucks der Macht. Aus diesen beiden Antrieben erklärt der Russe Englands politisches Denken und Handeln, das ein Sprecher im Unterhaus selbst mit den Worten kennseichnete: „Unser Hochmut beleidigt alle Völker, wir kennen nur gemeine Gewinnsucht, andere Rücksichten kennen wir nicht.“ Ugény charak⸗ terisiert nun an der Hand historischer Tatsachen die Mittel, durch die diese Politik des sich selbst anbetenden, rücksichtslosen Egoismus oder Insularismus zur Erscheinung kommt. Kein. Mittel ist so schändlich, daß es nicht von England gegen andere Staaten, gegen Feinde wie gegen Bundesgenossen, angewandt worden wäre, wenn es nur seinen eigenen Vorteil dabei erreichen konnte. John Bull kocht in Seelenruhe ein Ei am Feuer, das seines Nachbars Haus verzehrt.„Ja, es heißt wohl nicht zu weit gehen, wenn wir sagen, daß der ganze Bestand des britischen Reiches und seine noch immer fortschreitende Vergrößerung Mitteln zuzuschreiben ist, die jedes andere Volk verdammt, die keine andere Regierung anzuwenden wagen dürfte, ohne sich im eigenen Lande unmöglich zu machen.“ Daß ein solches Volk, dem der Fremde eben ein Niemand ist, bei den Grausamkeiten, die seine Söldner in Indien begehen, auch nicht mit der Wimper zuckt, ist selbst⸗ verständlich. Ugeny kommt zu dem Schluß, daß für die Völker des Kontinents England, der„perfidie anglaise“ gegenüber Miß⸗ trauen und Argwohn nötig sei;„denn man muß auf alles gefaßt sein, auf Ueberraschungen aller Art, auf Hinterlist, Verrat und Treulosigkeit,“ und er erinnert an Talleyrand, der Shake⸗ speares
Wöchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gießen. 39. Woche. Vom 8. bis 14. August 1915. N Einwohnerzahl: angenommen zu 32 990(inkl. 1500 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 14,22%. 3 Nach Abzug von 7 Ortsfremden: 3,16%
Er⸗ Kinder 8 n 5 5 5 Es starben a Zuf wachsene 1 8 Altersschwäche 2() 2() 85— Diphtherie 1(0)—— 10 Tuberkulose 2(2) 2(2)—— Lungenentzündung 1(˖) 1009—— Derzkrantheiten 2(1) 2(1)—— Nierenentzündung 11 1(00—— Summa: 9(7) 8(6)— 10)
Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
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Bekanntmachung. 7 In der Zeit vom 1. bis 15. l. Mts. wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1. Milchkanne, 1 Brosche, 1 Regenschirm, ein Portemonnaie mit Inhalt, 1 Paar Strümpfe; i verloren: 2 Fünfmarkscheine, 1 Nickeluhr mit Kette, ein goldenes Medaillon mit Bild und Kette, 1 Damenporte⸗ monnaie mit Zwanzigmarkschein, 1 Zweimarkstück(Bildnis Kaiser Wilhelm) mit Einfassung als Uhrkettenanhänger;
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entlaufen: 1 Jagdhund, auf den Namen„Graffon“ hörend.
Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände be- lieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen.
Die Abholung der gefundenen Gegenstände kann an jedem Wochentag von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uh mittags bei unterzeichneter Behörde,
Gießen, den 21. August 1915. Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
5 r nach⸗ immer Nr. 1, erfolgen
Hemmerde.
Bekanntmachung.
Nachdem die Stücke der fünfprozentigen Reichsschatzanweisungen der zweiten Kriegs— unleihe bereits vor einiger Zeit vollständig an die Zeichnungsstellen ausgegeben worden sind, werden wir im Laufe dieses Monats von den Stücken der fünfprozentigen Reichsanleihe wieder einen größeren Teilbetrag als dritte Rate zur Verteilung bringen. wir Ende September die vierte Rate und Ende Oktober den Rest folgen lassen zu können. Wir sind zwar bemüht, die Zeichner sobald als irgend möglich in den Besitz der gezeichneten Stücke zu bringen; trotzdem dürfte aber die Schlußverteilung vor dem genannten Zeitpunkt leider nicht möglich sein, weil uns der Rest der Stücke wegen der mit der Herstellung und Ausfertigung von annähernd 7 Millionen Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen und ebenso vielen Zinsscheinbogen verbundenen übergroßen Arbeit nicht früher geliefert werden kann. Wir richten daher an die Zeichner die Bitte, auf die durch die gegenwärtigen Zeit— verhältnisse geschaffene Lage Rücksicht zu nehmen und sich vorläufig mit der Mitteilung ihrer Vermittlungsstelle, daß die Zeichnung für sie getätigt und der Gegenwert gezahlt ist, zu
begnügen.
Berlin, im August 1915.
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