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Für, Hafer und Gerste haben wir die Preise erhöht) wn der Landwirtschaft die Beschaffung der teuren Aale u — A ant Nö Wunsch auf eine Erhöhung der Ge⸗ 1 2 reise mit Rücksicht auf das allgemei i
eren Pune. 0 gemeine Wohl nicht haben Eine besondere Rolle spielen die Kartoffeln, die vor dem Krieg gleichgeitig menschliche Nahrungsmittel und unentbehrliches Futtermittel waren. Die Verhältnisse des vorigen Jahres haben die Schwierigkeiten offenbart. Setzen wir Höchstpreise zu niedrig fest, so kommen keine Kartoffeln auf den Markt, setzen wir sie zu hoch fest, so wird die Versorgung der Kommunen und des Reiches mit den größten Schwierigkeiten verknüpft und die Masse der Be⸗ völkerung kann fich keine Kortoffeln kaufen. Jedenfalls muß die Herbstversorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln ordnungsmäßig, ausreichend und zu erschwinglichen Preisen stattfinden, und für das Frühjahr muß eine hinreichende Rücklage vorhanden sein, um überall da helfend einzugreifen, wo nach Lage der Verhältnisse die Kartoffeln knapp werden. Dieses Ziel muß mit allen Mitteln er⸗ strebt werden. Vorläufig habe ich die Hoffnung, daß wir der Sache Herr werden und daß wir mit der Organisation der Pro⸗ duzenten und einer zu beschaffenden Organisation des Groß⸗ handels gemeinsam in den Kommunen vielleicht zu einer Lösung kommen, die uns der Unbequemlichkeit der Höchstpreise und der
N Beschlagnahme enthebt.
Wenn alle die Versuche fehlschlagen, wenn die Marktpreise der Kartoffeln uns weglaufen, zu phantastischer Höhe anschwellen, dann bleibt nichts anderes übrig, als das mangelhafte, aber durchgreifende Mit⸗ tel der Höchstpreise und eventuell der Beschlag⸗ nahme. Jedenfalls soll sich der Handel darüber nicht täuschen, daß ich persönlich auch vor diesem Mittel nicht zurückschrecke, wern auf andere Weise die Preise nicht zu halten sind. Reich, Kommunen, Produzenten und Konsumenten, mögen die Herren auf der Rechten, der Linken oder in der Mitte des Hauses sitzen, wir haben an der Lösung des Problems, das gleiche, große, all⸗ gemeine ve tende Interesse.(Sehr richtig!) Erheblich zurück⸗ gegangen ist der Bestand an Milch. Wir werden unter allen Umständen Maßnahmen treffen müssen, um die Ernährung der Säuglinge und Kranken durch Einschränkung des Allgemeinver⸗ brauches sicherzustellen. Höchstpreise für das ganze Reich lassen sich für Milch nicht einführen; dazu schwanken die Preise zu sehr in den einzelnen Gegenden. Vielleicht gelingt es durch Verhand⸗ Jungen mit dem Großhandel zu gewissen Richtlinien zu kommen. Ohne örtliche sorgsame Organisationen werden wir auch auf die⸗ em Gebiete nicht auskommen,
Selbstverständlich muß man dazu den Gemeinden die erfor⸗ derlichen Forderungen und Freiheiten geben. Kritik kann hier nur erwünscht sein. Wir lernen alle darauf. Wir werden alle Anregungen prüfen und wenn möglich erfüllen. Wir können keine Konsumenten⸗ und keine Produzentenpolitik machen, son⸗ dern müssen beide vereinigen unter dem Gesichtspunkt der höhe⸗ ren allgemeinen vaterländischen Interessen, die ja in. Kriege überall voranleuchten. Mit aller Entschiedenheit spreche ich hier nber aus, wir sind ausgekommen mit unseren Kartoffeln, wir haben sogar einen erheblichen Ueberschuß in das neue Jahr hin⸗ zingebracht.
Wir wissen, daß wir auch sonst unter allen Umständen durch⸗ halten werden, daß wir auch im neuen Erntejahr voll gesichert sind, und daß wir Erleichterungen sowohl für den Produzenten wie für den Verbraucher werden einführen können. Daß wir dies Er⸗ gebnis erreicht haben und erreichen, ist kein Verdienst der Regie- rung. Das beruht auf der Intelligenz, dem Fleiß. der An⸗ 1 des ganzen Volkes. Solche Eingriffe, wie wir
sie anwandten, versteht und trägt nur ein in allen Schichten ge⸗ bildetes Volk.(Lebhafte Zustimmung.) So bat jeder seinen An⸗ teil an den Erfolgen, die wir feststellen konnten. Daß Erfolge nicht ohne Opfer erreicht werden können, liegt auf der Hand, und am schwersten tragen sie die kleinen Produzenten und die kleinen Verbraucher. Am schwersten werden getroffen die zurück⸗ * Frauen, die ohne männliche Hilfe sich hier zu Hause urchschlagen müssen.
Die Bauernfrau, die auf dem Lande mit ihren Kindern und wenigen weiblichen Gehilfen die Scholle bestellt, den stillen Hel. benmut, mit dem die Arbeiterfrau sich und ihre Kinder durch. bringt, wird das deutsche Vaterland nicht vergessen. Die Frauen, die so im Dienste ihres Vaterlandes tätig sind, füllen die Schützen⸗ 1 des wirtschaftlichen Kampfes. Wir werden ihnen ewig
für dankbar sein, und es ist unsere ernste Pflicht, in den Gren⸗ zen des Möglichen diesen stillen heldenmütigen Kampf in der Heimat zu erleichtern.(Lebhafter Beifall.)
Abg. Gothein(Vp.): 5 Die Teuerung berrscht nicht nur bei uns, sondern auch im feindlichen und neutralen Auslande. Die Ursachen sind schwer zu ergründen. Jedenfalls zweifelt niemand an dem guten Willen unserer Regierung. Wir erkennen gern die große Arbeitsleistung des Staatssekretärs des Innern und seiner Beamten an.(Beifall.) Das darf uns allerdings nicht von der Kritik abhalten. So ist es e ob die Schaffung der Reichsgetreidestelle eine Ver⸗ esserung gegenüber der Kriegsgetreide-Gesellschaft bedeutet. Man darf aber nicht immer ändern. Bei der Getreide⸗ und Mehlver⸗ sorgung hat man von vornherein den Handel zu sehr ausgeschal⸗ tet. So hat man es vielfach verstanden, durch Ausschaltung des Candels den Großgrundbesitzern die Kommissionsgebühr von zwei CRD
Mark zuzuwenden.(Hört! Hört!) Das widerspricht dem Geiste des Gesetzes und bedeutet eine künstliche Verteuerung des Ge⸗ treides.(Sehr richtig!)
Die Reichsgetreidestelle darf nicht nur die Großbetriebe im Müllereigewerbe beschäftigen. Die Spannung zwischen dem Ge⸗ treidepreise und dem Mehlpreise beruht darauf, daß die Höchst⸗ preise für Getreide nicht etwa den früheren Durchschnittspreisen entsprechen, sondern lediglich den Preis darstellen, den der Pro. duzent an seinem Verladungsort bekommt. Dazu tritt noch das Ortsinteresse und die Verzinsung für die notwendige Aufstape. lung großer Vorräte. Die Erhöhung der Brotration ist dringend erwünscht. Einige Vorsicht ist allerdings geboten. Wir wissen nicht, ob wir allein auf unsere Ernte angewiesen sind. Ru mä⸗ nien gestattet zwar die Ausfuhr, erhebt aber hierfür einen Zoll, der diese Erlaubnis so ziemlich illusorisch macht.
An der Ernte ist großer Schaden durch das Wild angerichtet worden. Hier muß zwangsweise abgeschossen werden. Höchstpreise dürfen nicht in Form von Richtpreisen für die Gemeinden fest⸗ gesetzt werden, sondern müssen von Reichs wegen für den Groß⸗ handel festgelegt sein, damit nicht in den Zuschlägen ein Wett⸗ rennen der Gemeinden stattfindet, nur um Waren zu bekommen. Es ist zweifelhaft, ob die wirtschaftlichen Maßnahmen besser wer⸗ den würden, wenn ein Vollzugsausschuß hinzukommen würde. Da würde recht viel geredet werden, aber Taten? Im Kriege kommt man im Interesse der Einheitlichkeit zu einer gewissen Diktatur, darum haben wir dem Bundesrat eine Art Blankovollmacht ausgestellt. Jedenfalls müssen wir eine Ueberteuerung vermeiden.
Das Haus vertagt sich.
Nächste Sitzung: Montag, 2 Uhr, Weiterberatung.
Schluß 77 Uhr.
Italiens Kriegsgründe.
Ueber die letzten Verhandlungen, die der Kriegserklä⸗ rung Italiens an die Türkei vorangingen, wird in Berliner diplomatischen Kreisen noch folgendes bekannt: Die Hohe Pforte hat sich dem italienischen Botschafter Marquis Gar⸗ roni gegenüber wiederholt ausdrücklich bereit erklärt, sämt⸗ liche Italiener, die den türkischen Boden verlassen wollen, sich in Smyrna versammeln zu lassen und dann in großen Schiffstransporten in die Heimat zu schicken. Jede Woche sollte ein Transport abgehen. In vier Wochen etwa wäre kein Italiener mehr in Kleinasien gewesen. Rascher hätte der Abtransport mangels des geeigneten Schiffsmaterials und bei den schwierigen Verhältnissen der Kriegslage im ägäischen Meere nicht von statten gehen können. Garroni ging auf diese Vorschläge aber gar nicht näher ein, sondern behauptete, die türkische Regierung meine es nicht ernst. Sie wolle überhaupt nicht abtransportieren, sondern die 8000 Italiener in Smyrna als Geiseln zurückhalten.
Dieses Benehmen zeigt deutlicher noch als alle sonstigen Winkelzüge, daß es gerade Italien nicht mehr ernst mit den Verhandlungen war. Es wollte den Krieg, und alle ver⸗ nünftigen Vorschläge waren wie bei den Verhandlungen, die dem Kriege mit Oesterreich⸗Ungarn vorangingen, einfach in den Wind gesprochen. Nun mag also das Schicksal seinen Lauf gehen. Die 8000 Italiener in Kleinasien sind nun wirklich Geiseln der türkischen Regierung geworden, ein willkommenes Faustpfand, noch ehe der erste Schuß fällt. Den Verbündeten der Türkei aber, insbesondere der öster⸗ reichisch-ungarischen Heeresleitung kann nichts angenehmer sein, als wenn Cadorna seine Kräfte zersplittern, von seinen „kampferprobten“, aber wenig sieggewohnten Truppen be⸗ trächtliche Teile für das ägäische Abenteuer abgeben muß. Und wie wenig man in Konstantinopel den neuen Feind fürchtet, das haben die leitenden Männer der türkischen Kriegführung in den letzten Wochen wiederholt angedeutet. Wenn die Ausschiffungen vor den Dardanellen sich auch noch vielfach vergrößern sollten, so äußerten sich Enver Pascha, v. d. Goltz und andere, die Mauer der Verteidiger von Byzanz ist nicht einzurennen. Das Ergebnis sind immer und immer wieder nur blutige Köpfe auf seiten der Angreifer. Sollten aber die Polentaesser ihre Operationsbasis im Dodekanesos, auf Rhodos und den. Inseln ein⸗ richten, so dürften ihnen bei Smyrna und anderen Punkten so starke Aufgebote türkischer Kerntruppen entgegentreten, daß sie bald wieder zu„mamma mia“ nach Hause zurück⸗ kehren werden. Worauf die Italiener es in Kleinasien ab⸗ gesehen haben, weiß man ja, und ohne dieses ihr„Kriegs⸗ ziel“ wäre das neue Unternehmen überhaupt nichts anderes, als politische Geisteskrankheit. Mit der Besetzung des Dode⸗ kanes fingen die Wünsche an. Mit dem Ausbau des Hafens Adalia an der Südküste von Kleinasien, nordwestlich Cypern und mit den Plänen eines Eisenbahnnetzes von Adalia nach
Mailand, 22. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Corriere della Sera“ teilt mit, daß der Schutz der türkischen Interessen in Italien heute von der spanischen Bot⸗ schaft in Rom übernommen werden wird. 0
Bern, 22. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der römische Korre⸗ spondent der„Stampa“ gibt zu der Kriegserklärung Italiens folgende Ausführungen: Die Regierung hat sich energischer gezeigt, als man vorausgesehen hat. Während sie es lediglich zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen hätte kommen lassen können, zog sie ohne weiteres die Kriegserklärung vor, eine Entscheidung, die besonders von Sonnino warm vertreten und natür⸗ lich von den Verbündeten günstig aufgenommen wurde.— Ferner meldet die„Stampa“: Salandra sei im Begriffe, nach der Front zu reisen, um dem König über die neue Kriegstätigkeit des Landes zu unterrichten. Die„Stampa“ vermutet, Naby Bey werde heute abend mit dem Botschaftspersonal Rom verlassen und sich vorerst nach der Schweiz begeben. egs⸗ erklärung sei natürlich von den Diplomaten des Drei⸗ verbandes günstig aufgenommen worden. Man wisse aber nicht, ob sie in Berlin Rückwirkungen diploma⸗ tischer Art haben werde. In amtlichen Kreisen hege man wegen Libyens, wo bereits seit langer Zeit gegen Italien der heilige Krieg erklärt worden sei, keinerlei Vesurchern Die feste Hand Ameglios gebe die Sicherheit für die Lage der Kolonien. Ebensowenig herrscht in amtlichen Kreisen Besorgnis wegen der italienischan Kolonien in Kleinasien, welche die Regierung bereits zu sichern bedacht wäre.—„Secolo“ t zu der Kriegserklärung die Ansicht, daß sie militärisch mög⸗ licherweise geringe Bedeutung, an sich jedoch große
moralische Rückwirkungen haben werde. — m——
Aus dem Reiche.
Kaiser und Kanzler.
Berlin, 21. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Die„Nordd. Allgem. Ztg.“ teilt mit: Der Kaiser hat an den Reichs⸗ kanzler folgendes Telegramm gerichtet:„Dank dem gnä⸗ digen Beistand Gottes und der bewährten Führung des Eroberers von Antwerpen, Generals v. Beseler, sowie der heldenhaften Tapferkeit unserer prächtigen Truppen
der deutschen Anatolischen Bahn und der englischen Eisen⸗ bahn Smyrna⸗Aidin ging es weiter. Natürlich erregte man.
und der vortrefflichen deutschen und österxeichisch⸗ungari⸗ schen Belagerungsartillerie ist die stärkste und modernste
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Ferdinand Georg Waldmüller. Zu seinem 50. Todestage, 23. August.
Jeder Freund der neueren deutschen Kunst kennt und liebt heute Ferdinand Georg Waldmüller als einen ihrer originalen Meister; aber noch vor etwa 20 Jahren sah z. B. Muther in ihm nicht mehr als einen Vertreter der normalen Wiener Genre⸗
malerei, von dessen Schaffen er nicht ganz ohne Irpnie sprechen
zu dürfen meinte. Aber der künstlerische Schwerpunkt von Wald⸗ müllers Wirksamkeit ist nicht in seinen Genrebildern, sondern in
seinen Bildnissen und in seiner Landschaftskunst zu suchen. Als
Sohn eines biederen Wiener Weinwirtes geboren, mußte der junge Waldmüller auf alle Unterstützung durch seine Eltern verzichten, als er sich entschloß, seinem künstlerischen Drange Folge zu leisten. Notdürftig erwarb er sich durch Kolorieren von„Zuckerln“, was er zum Leben brauchte, aber bald fand er durch seine Miniatur⸗ bildnisse Anerkennung und Aufträge, ja er kam so zu Ruf, daß der Banus von Krogtien, Graf Gyulay, ihn als den Zeichenlehrer seiner Kinder nach Agram berief. Die Annahme dieser Einladung wurde für Waldmüller zum Unsegen. Drei Jahre verlebte er in Agram fern von aller künstlerischen Anregung, und da er sich in
der kroatischen Hauptstadt mit einer schönen Sängerin verheiratet
hatte, so schlossen sich noch volle vier Jahre eines unfruchtbaren komödiantischen Wanderlebens an. Aber nach Wien zurückgekehrt, warf Waldmüller sich mit verdoppelter Kraft auf das Studium, eignete sich durch rastloses Kopieren nach den Werken der alten Meister eine schlagfertige Technik an, und errang sich bald durch seine Genrebilder, deren Realismus damals— in den zwanziger Jahren — bereits Aufsehen und allerhand Schütteln des Kopfes erregte, neuen Ruf. Doch die entscheidende Wendung seiner künstlerischen Laufbahn lag damals noch vor ihm: es war die Wendung zur Natur. Zuerst waren es die landschaftlichen Hintergründe seiner Bildnisse, die ihn zum Naturstudium anregten; dann aber war es ein Bildnisauftrag, der ihm die letzten Binden löste. Es war der Auftrag eines Hauptmanns, der von Waldmüller das Porträt seiner Mutter„genau so, wie sie ist“ wünschte. Waldmüller ver⸗ suchte diesen Auftrag in der vollen Wahrheit des Wortes zu er⸗ füllen, sich bei diesem Porträt nur an die Natur zu halten— es gelang, und damit der Bann gebrochen. Jetzt befreite er sich in schneller Entwicklung mehr und mehr von der akademischen Routine und drang in freiem, schöpferischem Studium in den Geist der Naturerscheinungen selbständig ein. Aus einem Enkel wurde nach Lionardos bekanntem Worte ein Sohn der Natur. Da Waldmüller eine echte Bekenner⸗ nud Kämpfernatur war, so drängte es ihn, was er gefunden hatte, auch öffentlich zu ver⸗ treten, zu verbreiten, nutzbar zu machen. Seit 1830 Prosessor an der Kunstakademie Wien, trat er zu zwei Malen mit kraftvollen
riften hervor, in denen er den Schlendrian des akademischen Lehrverfahrens geißelte und einer Erneuerung des Kunstbetriebes
Herren Kollegen den größten Anstoß und man machte diesem Hechte im Karpfenteich geradezu den Prozeß. Das erste Mal rettete ihn noch Metternich, indem er in vornehmer Gesinnung erklärte, die Akademie sei keine Zwangsanstalt, die dem Lehrer wie dem Schüler verbieten könne, im künstlerischen Wirken dem eigenen Genius zu folgen; aber das zweite Mal erreichten seine Feinde ihr Ziel besser und Waldmüller wurde zwangsweise pen⸗ sioniert und auf Halbsold gesetzt. Er hat diese Niederlage schwer empfunden und hat seine Wiederherstellung noch erleben dürfen. Aber die volle Bedeutung der künstlerischen Wirksamkeit Wald⸗ müllers hat doch erst die Neuzeit erfaßt. Es ist wahr, daß er seine Herkunft von der Miniaturmalerei nie ganz verleugnet; seine Bilder sind immer aufs seinste, zuweilen bis zur Peinlichkeit durchgebildet; und sie machen manchmal beinahe den Eindruck mosaikartiger Arbeit.
In seinen Genrebildern tritt das novellistische Moment, der altwiener Ueberlieferung getreu, oft noch sehr nachdrücklich in den Vorder d, allein zugleich zeigt doch bereits eine ganze Reihe von diesen Bildern eine überraschende Frische und Originalität der Be⸗ obachtung. Ganz offenbart sich dann diese größte Seite der Kunst Waldmüllers erst in seinen Landschaften. Seine Praterbilder sind an innerer Wahrhaftigkeit der Naturerfassung in ihrer Art ohne Vorgang in der neueren deutschen Kunst, seine Studien aus den Alpen erinnern in ihrer Unmittelbarkeit an die von Friedrich Wasmann. Und in seinen Bildnissen hat er mit unbestechlichem Auge und meisterlicher Hand eine Reihe wundervoll lebendiger Menschen geschaffen; und wenn ihnen allen ein Rest jener gemüt⸗ lichen, vormärzlichen Atmosphäre anhaftet, so trägt dieser Zug nur 5 bei, Waldmüllers Bildnissen den Halt eines festen Stiles zu geben.
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— Gabriel von Max. Am 23. August wird Gabriel Max, der seit Jahrzehnten in München lebt, 75 Jahre alt. Der Künstler ist zu Prag als Sohn des seinerzeit geschätzten Bildhauers Joseph Max geboren. Seine Ausbildung er in München, in der jede Art von Talent fördernden le Pilotys. Hans Makart war sein Mitschüler. Max hatte immer einen träumerischen Zug, ein Streben nach dem Uebersinnlichen, eine Hinneigung zum Mystizismus, gelegentlich sogar spiritistische Anwandlungen, die sich in seinen Darstellungen kundgeben. Er hat ja auch Justinus Kerners„Seherin von Prévorst“ gemalt, eine seiner chelsten und ergreifendsten Schöpfungen. Viele seiner religiösen Gemälde sind durch Nachbildungen jeder Art sehr verbreitet, namentlich das tief empfundene Werk:„Christus erweckt Jairi Töchterlein.“ Sehr bekannt wurde auch:„Der Anatom“. In den 70er Jahren machte das„Schweißtuch der heiligen Veronika“ großes Aufsehen, weil der Maler den ästhetisch kaum zu rechtfertigenden Kunstgriff ange⸗ wendet hatte, das Haupt des leidenden Heilandes mit geschlossenen
bie Pupille auf die Lider malte. Novellistisch sind seine beliebten, künstlerisch immerhin ansechtbaren Bilder wie:„Die Löw 975 „Gretchens Erscheinung in der Walpurgisnacht“,„Das blinde Mäd⸗ chen als Lichtverkäuferin am felsigen Eingang der Katakomben“ und„Die Märtyrerin auf dem Scheiterhaufen“, Schöpfungen, die ihrer Wirkung auf ein leicht gerührtes Publikum gewiß sind. Seine zahllosen weiblichen Studienköpfe sind einander ziemlich ähnlich; sie haben ihren eigenen schmerzlich⸗ lächelnden Ausdruck von müder, tränenschwerer, traumseliger, gleichsam latenter Sinnlichkeit. Aus⸗ gezeichnet virtuos und nicht ohne satirische en sind seine Affenbilder, und seit Chardin sind wohl Affen nicht mit solch innerer Naturwahrheit und boshafter Menschenähnlichkeit gemalt worden. Man bann leider in des. Gesamtwerk unter⸗ scheiden zwischen Arbeiten, die um der Kunst willen und solcher, die des Geschäfts wegen gemalt sind. Daß in der ersten Gruppe viel Eigenartiges, malerisch, namentlich koloristisch Wertvolles sich findet, verbietet, ihn nur nach den letzteren zu beurteilen.
Kuriositäten der Londoner City. Die Londoner City, die jetzt den in ihrer Geschichte seit undenklicher Zeit un⸗ erhörten Vorgang eines feindlichen Angriffes erlebt hat, ist, man darf wohl sagen, das wunderlichste Stadtgebilde der Welt. Ein kleiner, sehr kleiner Teil der Riesenstadt, der doch in gewisser Weise die ganze Stadt ist und beherrscht, ein Erde, das doch die Welt umspannt: eine Riesenspinne, die aus allen Teilen der bewohnten Erde Blut saugt. Und dabei mischen sich in der Londoner City in ganz wundersamer Weise Aeltestes und
heut natürlich längst völlig bebaut ist. Dafür hat die City im November jedes Jahres an den jeweiligen König von England
merkwürdigen Feierlichkeit, die unter großem, altfränkischem Pompe kleinen Schei⸗
stattfindet. Die Rente für Salop besteht in— zwei ten Holz, die der Schatzmeister der City dem Richter vorlegt, um sie dann mit einer kleinen Hacke e ählt
er ihm noch aus einem seidenen Sacke 25 Hufeisen und 61 Ha nägel vor, die der Richter 5 nachzählt. Alsdann fragt Vertreter der City, ob Se. jestät wegen der Hacke weiter. Befehle erteilt habe. Der Richter antwortet:„Ich nehme sie und halte sie zur Verfügung Sr. Majestät.“ Damit endet die Förm⸗ lichkeit und die City ist in ihren Lehen für ein weiteres I. a
Wort redete. Das erregte natürlich bei den
und zugleich offenen Augen darzustellen, indem er mit Lasurfarben
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Modernstes, Poesie und Nüchternheit, Weisheit und Narrheit. An Kuriositäten ist die City überreich. So ist sie z. B. noch von den Zeiten König Eduards II. her Lehnsträger der englischen Krone, und zwar bestehen ihre Lehen in dem Landgute Salop in Shropshire und in einem großen Grundstücke im Strand, das
ihre Pacht zu entrichten. Das geschieht im Justizpalaste in einer


