Ausgabe 
(18.8.1915) 193. Erstes Blatt
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Ur. 10õ Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; zwennal wöchentl. Kreis- blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und a zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Seitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung112 Verlag, Geschäftsstelleö1 Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

Erstes Blatt

die Forts der Südwestfront von Nowno erobert. Einbruch in den Fortgürtel von Nowo⸗Georgiewsk.

TB.) Großes Hauptquartier, 17. August. (Amtlich.) 12 f Westlicher Kriegsschauplatz. Vor Ostende vertrieb unsere Küstenartillerie zwei feindliche Zerstö rer. In den Ost⸗Argonnen wurde bei La Fille Morte ein französischer Graben genommen. Bei Bapaume fiel ein englisches Flugzeug in unsere Hand. Die Insassen, zwei Offiziere, sind gefangen genommen.

Oestlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg.

Weitere Kämpfe in der Gegend von Kupischky waren erfolgreich. 625 Gefangene, darunter drei Offiziere, und drei Maschinengewehre fielen in unsere Hand. Truppen der Armee des Generalobersten v. Eichhorn unter Führung des Generals Litzmann erstürmten die zwischen Nsemen und Jesia gelegenen Forts der Südwestfront von Kowno. Ueber 4500 Russen wurden zu Gefange⸗ nen gemacht. 240 Geschütze und zahlreiches sonstiges Gerät erbeutet.

Die Armeen der Generale v. Scholtz und v. Gall⸗ witz warfen unter fortgesetzten Kämpfen den Gegner weiter

in östlicher Richtung zurück. 1800 Russen, darunter 11. Offiziere, wurden gefangen genommen, 1 Geschütz und 10 Maschinengewehre eingebracht. a

Auf der Nordostfront von Nowo⸗Georgiewsk wur⸗ den ein großes Fort und zwei Zwischenwerke im Sturm genommen. Auf den übrigen Fronten gelang es fast überall, den Gegner weiter zurückzudrängen. Es wurden 2400 Gefangene gemacht, 19 Geschütze und sonstiges Material erobert.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen

Leopold von Bauern und Heeresgruppe des General⸗ feldmarschalls v. Mackensen sind in weiterem siegreichen Fortschreiten. 1

In ihrem amtlichen Bericht vom 16. Auguft behauptet die russische Heeresleitung, daß russische Vorhuten am 43. August bei Dunajow an der Zlota⸗Lipa zwei Reihen deutscher Gräben erobert und deren Verteidiger niedergemacht hätten. Unferen an dieser Stelle kämpfenden Truppen ist nur eine russische Patrouillenunternehmung in der Nacht vom 12. zum 13. August bekannt, die völlig scheiterte und bei der der Gegner vier Tote und zwei Ver⸗ wundete vor unserer Stellung ließ und die uns keine Ver⸗ luste brachte. f

Oberste Heeresleitung. * ö

Heute ist der Jahrestag der bei Gravelotte, und unsere neueste Zeitgeschichte hat diesem Ruhmestag der deutschen Waffen neuen Glanz verliehen. Die Mauern der Festung Kowno sind erstürmt, und vielleicht vollendet der heutige Tag, was der gestrige Tagesbericht uns= sagte. Nicht weniger als 240 Geschütze wurden in Kowno erobert, und das wiegt schwerer als die ebenfalls beträcht⸗ liche Zahl der Gefangenen, die dabei noch gemacht wurden. Noch vor wenigen Tagen sprachen unsere Feinde von der völlig gebrochenen Offensive bei Kowno, und die russische Telegraphen⸗Agentur ließ noch gestern in einer neuen Ab⸗ leugnung der Falserhen auch die Kämpfe bei Kowno und an der Düna in einem für Rußland günstigen Licht er⸗ scheinen. Hatte der russische Oberkommandierende wirklich mit einem längeren, erfolgreichen Widerstand bei der 1 N Festung am Njemen gerechnet? Fast scheint es so,

enn die 240 Geschütze sprechen in dieser Beziehung eine beredte, wenn auch nicht ihre ursprüngliche Aufgabe er⸗ füllende Sprache. Es ist die Sprache bittersten Leides über Rußlands Unglück, über das e des großen Rück⸗ zuges und die Anstauung so vielen Kriegsmaterials, das in Ermangelung der nötigsten Transportmittel jetzt in die Hände des Feindes fallen mußte. l

Der Sieger, General Litzmann, gehört, wie wir der Köln. Ztg. entnehmen, zu den Offizieren außer Dienst, die beim Ausbruch des Krieges wieder in Dienst traten. Er galt als hervorragender Militärschriftsteller und war auch Direktor der Kriegsatademie gewesen. Als Divisions⸗ kommandeur zeichnete er süch bei dem berühmten Durch⸗ bruch bei Brziny östlich von Lodz besonders aus und erhielt dann ein Korps, mit dem er an der Winterschlacht in Masuren teilnahm. Jetzt hat er sich neuen Ruhm er⸗ worben. Die höchste preußische militärische Auszeichnung, den Orden Pour le Merite, erhielt er schon früher. Sein jetziger Erfolg wird wohl bald von der Gewinnung der ganzen Festung Kowno gekrönt sein, die den Eckpfeiler der Niemenlinie bildet und die Bahn von Eydtkuhnen nach Wilna wie die Straße von Suwalki nach Wilkomierz sperrt. Zugleich stellt sie einen doppelten Brückenkopf über den Niemen und die Wilija dar. Welchen Wert die Russen auf ihren Besitz legten, zeigt nicht nur der Ausbau der Befestigungen, deren Besatzung früher für den Kriegsfall mit 36 000 Mann und gegen 1000 Geschütze berechnet wurde, sondern auch die wiederholten Versuche, die Belagerung durch Flankenstöße gegen ihre rückwärtigen Verbindungen und die sie deckenden Feldtruppen zu stören.

General-Anzeiger für Oberhessen

Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7.

Geburtstag des Kaisers Franz Josef ihren Siegessalut, Nowo⸗Georgiewsk, wo bereits ein großes Fort und zwei Zwischenwerke gewonnen wurden, wird sich nur noch ganz kurze Zeit halten können. Brest⸗Litowsk, bis vor kurzem noch die hoffnungsvolle Stütze der russischen Heere, ist so rasch in der Gefahr der andrängenden deutschen und österreichisch⸗ ungarischen Truppen versunken wie ein stolzes Schiff, das, schwer getroffen, das Wasser höher und höher steigen sieht und kaum noch Zeit gewährt, die Besatzung vor'm Untergang zu bewahren. Stellenweise sind unsere Trup⸗ pen nur noch einen Tagemarsch von der Festung entfernt, und der österreichisch⸗ungarische Bericht ergänzt in sehr er⸗ freulicher Weise den Bericht der deutschen Heeresleitung.

*

die in Nat io⸗

für zweckmäßig und erlaubt, schon heute die all gem einen, großen Ziele zu verweisen. Auch der Worklaut der fortschrittlichen Kund⸗ gebung stimmt im wesentlichen mit dem mehrfach besproche⸗ nen Programm des Kaisers und Kanzlers überein und ist in seiner Klarheit und Deutlichkeit mit lebhafter Zustim⸗ mung zu begrüßen. Uferlose Annexionspläne find von jedem verständigen Deutschen in der Tat von der Hand zu weisen. Aber der Friedensschluß muß auf Sicherheiten beruhen, die auchnotwendige Gebietserweiterungen einschließen. Die fortschrittlichen Fraktionsvertreter waren ebenfalls ent⸗ fernt davon, etwa schon jetzt zu fordern, daß Deutschland die Hand zum Frieden ausstrecken soll. Es sollen vielmehr, wie es in der Kundgebung heißt,wie bisher in treuem Zu⸗ sammenhalten, ohne Wanken, alle Kräfte eingesetzt werden, bis ein ehrenvoller und dauernder Friede gesichert ist. Nun hoffen wir von der Regierung, daß sie, um mit den Worten der nationalliberalen Entschließung zu sprechen,mit un⸗ beugsamer Festigkeit diese Ziele verfolgt!Das Mögliche soll der Beschluß beherzt beim Schopfe Rasser

Eine fortschrittliche Kundgebung über die Kriegsziele.

Berlin, 17. Aug.(Zens. Bln.) Die Reichstags⸗ fraktion der Fortschrittlichen Volkspartei hat sich in eingehenden Beratungen mit den Aufgaben be⸗ schäftigt, die der Volksvertretung durch den Gang der ge⸗ schichtlichen Ereignisse zugewiesen werden. Sie hat die im Hinblick auf das Kriegsziel erhobenen Forderungen künf⸗ tiger Grenzfestsetzungen und staatsrechtlicher Neublene sorgsam geprüft, erachtet aber nach gewissenhafter Erwä⸗ gung die Zeit noch nicht für gekommen, ein bestimmtes Programm mit fest umgrenzten Einzelforderun⸗ gen für den Abschluß des Friedens aufzustellen. Ebenso entfernt von der grundsätzlichen Ablehnung jedes Landerwerbes, wie von uferlosen Anne⸗ rionsplänen hält die Fraktion es für unbedingt geboten, das Reich durch militärische und wirtschaftliche Maßnah⸗ men, wie 9 3 notwendige Gebietserweiterun⸗ gen für die Zukunft zu 1 und für den friedlichen Wettstreit der Völker Bedingungen zu schaffen, die in der Heimat wie auf dem freien Meere die Entfaltung der vollen Kraft des deutschen Volkes gewährleisten.

Es wurde einhellig die Erwartung ausgesprochen, daß die Reichsregierung in vertrauensvollem Zusammenwirken mit der Volksvertretung zur gegebenen Zeit eine offene Aussprache über die Grundlagen des Friedens- schlusses herbeiführen werde, und es wurde die feste Zuversicht bekundet, daß Volk, Heer und Flotte im Be⸗ wußtsein der weltgeschichtlichen Bedeutung dieser schweren Kämpfe, wie bisher in treuem Zusammenhalten, ohne Wan⸗ ken, alle Kräfte einsetzen werden, bis ein ehrenvollen und dauernder Friede gesichert ist. Die Fraktion ist bereit, die Regierung zu unterstützen, die nach den Worten des Kaisers vom 31. Juli 1915 sich die Aufgabe stellt, auf erprobten alten und vertrauensvoll betretenen neuen Bah⸗ nen vorwärts zu schreiten.

Berlin, 17. Aug.(Zens. Bln.) Die Führer der einzelnen Reichstagsfraktionen waren gestern abend 6 Uhr beim Reichskanzler, um mit ihm die Er⸗ ledigung der Reichstagsvorlagen und die allgemeine Lage zu erörtern. Die Vorstände der sozialdemokratischen Fraktion waren durch ihre Fraktionssitzung an der Teil⸗ nahme verhindert.(B. T.)

Auch an den anderen Plätzen der ausgedehnten Front

znnerten die Geschütze der verbündeten Heere zum

ners sind von den K. und K. Truppen die unter dem Kom⸗ Dobrynka 20 Kilometer südwestlich von Brest⸗ bei Piszozac Stellung gefaßt hatte, wurde von ungari⸗

General v.

unsere Tiroler Werke Schwächere feindliche Infanterieabteilungen, die im Va Sugana bis Garzano(nordöstlich Borgo) vorgekommen waren, wurden über den Maso⸗Bach zurückgeworfen.

liener ihre Vorstöße gegen unsere Stellungen zwischen dem Krn und Tolmein mit stärkeren Kräften fort, wurden aber überallblutigabgewiesen. Das Plateau von Doberdo e nachmittag wieder unter ziemlich heftigem Ge⸗

ütz feuer. 1

neralstab des Generalissimus teilt mit: drängten unsere Truppen in der Nacht die Deutschen zum Flusse Aa. zurückgewiesen. In der Richtung Jacobstadt keine wesentlichen Veränderungen. dauert ohne Nachlassen an. Die Deutschen greifen hartnäckig die Befestigungen im westlichen und Bug wurden am 14. und 15. Erbitterung geliefert. 3 großen Verlusten für den Feind abgeschlagen. Auf dem. inken

Abschnitten der Gesamtheit unserer Front stellenweise und Geschützfeuer. Kein irgendwie bedeutendes Gefecht.

Ein italienisches Märchen über,, Deutsche8erschwörung! g 5

colo meldet aus Rom: Nach Nachrichten aus London und anderer Hauptstädten des Vierverbandes ist in Rußland eine weit ver⸗ zweigte deutsche Ver scheine erwiesen, daß Deutschland unterhielt, die ihre Netze selbst bis Landesverteidigung aus den baltischen denen für den Fall eines deutschen Kurlands und Esthlands Reichtümer wurden. So war es möglich, daß Kriegsausbruch auf das Genaueste über den Bestand der russischen Artillerie und Munition unterrichtet war und daß nach dem Plan des Generals Suchomlinow nahme neuer Fabriken bevorstand, durch die die Herstellung von Munition vervierfacht werden würden. Tas war einer der Gründe für Deutschland, den Krieg zu überstürzen, da man wußte, die russischen Munitionsvorräte in 7 bis 8 sein müßten Die Kriegserklärung Großbritanniens wurde aber in Berlin schmerzlich empfunden, da England und dessen Verbün⸗ deter Japan die Meere beherrschen konnten und so die Rußlands mit englischer und japanischer Um diesen Vorteil zu beschneiden, wurde wirren hineingezogen, so daß

und Wladiwostok Seezufuhr hatte. Zeit mehrere Agenten deutscher Abstammung Komplotte angezektelt haben, durch die die

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daß sie weit weniger Mumttio

Mittwoch, 18. August 1915

Bezugs y reis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2. viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf. Haupt⸗ schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen.

Der Geburtstag des Uaisers Franz Josef.

Berlin, 18. Aug. Sämtliche Morgenblätter bringen an hervorragender Stelle Artikel zum Geburtstag des Kaisers Franz Josef.

DerBerliner Lokal⸗Anz. schreibt: Fahnen wehen und grüßen den alten Kaiser von dem angestammten Heimatsboden zweier Reiche und von dem Boden siegreich Meier Erde in West und Ost. Die Melodie des alten Meisters Haydn klingt aus den vom Kriege bewahrten Hei⸗ matstädten und klingt aus den Schützengräben in Flandern, am Bug und am Isonzo und überall, wo Freunde wohnen: Gott erhalte, Gott beschütze unseren lieben Kaiser Franz.

DieTägl. Rundschau führt aus: Mit drei Ge⸗ schlechtern ist diese Kaisergestalt so verwachsen, daß heute kaum jemand sich Oesterreich ohne ihn denken kann, denn wer heute auf das Leben des Kaisers Franz Josef zurück⸗ sieht, dem wird es offenbar, daß er und seine Zeit trotz aller Wirrnisse und Irrnisse Segen für Oesterreich waren. Darum ist ihm nach einer so endlosen Saat von Leiden und Unglück Liebe über Liebe entgegengeblüht; anders war sein Dasein mit seinen Lasten von schwerstem Erleben kaum zu tragen.

Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.

Wien, 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 17. August 1915..

Russischer Kriegsschauplatz. 1 In scharfer Verfolgung des unablässig weichenden Geg⸗

mando des Feldmarschalleutnants von Arz stehenden bis Litowsk, vorgedrungen. Eine russische Nachhut, die scher Landwehr geworfen. Die von Erzherzog Josef Ferdinand

geführten Kräfte sind im Vorrücken auf Janoe am Bug. veß hat den Feind in der Gegend von Ko

Italienischer Kriegsschauplatz. i Das Feuer der italienischen schweren Artillerie geg hielt gestern tagsüber an.

An der küstenländischen Front setzten die Ita⸗

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. N 5

Der russische Bericht.

Petersburg 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ge⸗ In der Gegend von Baufk cht zum 15. August von neuem Feindliche Gegenangriffe wurden . t Düng urg Die Beschießung Kownos

Abschnitt an. Zwischen Narew 4 August Kämpfe mit großer Eine Reihe feindlicher Angriffe wurde Bugufer keine wesentlichen Veränderungen. In den übrigen Gewehr⸗

in Rußland.

MWafland 17. Augu.(Ur michtamtlich) Der Se⸗

schwörung aufgedeckt worden. Es seit mehreren Jahren Agenten st in die geheimsten Aemter der spannen. Hauptsächlich waren deutsche Junker Provinzen an der Verschwörung beteiligt, Sieges und einer Annektton und Ehrenstellen versprochen der deutsche Generalstab bei

Bescheid wußte, die Inbetrieb⸗

daß Monaten erschöpft

Versorgung Munition gesichert war. die Türkei ein die Kriegs⸗ Rußland nur noch von Archangelsg Man versichert, daß in letzter

Munitionsfabrilen so

eschädigt worden sejen, n herstellen konnten, als

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