iber die Weichsel. Als die Russen diese Bewegung bemerkten, räumten sie schleunigst ihre Stellungen und Praga ging in die Hände der Deutschen über. Vor dem Verlassen dieser Vorstadt setzte der Feind den dortigen Bahn⸗ hof und die Häuser und Vorräte in Brand.
Ein russischer Raub.
Berlin, 10. Aug. Aus London kommt, wie verschie⸗ denen Morgenblättern berichtet wird, die Nachricht, daß eine von den Russen während der Ostpreußenzeit geraubte Bismarck⸗ Bronzefigur im Gewicht von 900 Pfund in Moskau eingetroffen sei. Die Statue sei von einem kaiserlichen Gut in Ostpreußen geraubt worden.
Von der russischen Duma.
Petersburg, 9. August.(WTB. Nichtamtlich.) Im Aelte⸗ stenrat der Reichsduma brachte einer der Führer der revo⸗ lutionären Bauernschaft Trudowiki, namens Kerenski, eine Be⸗ schwerde vor, daß ein Passus seiner Rede über die Friedens⸗ wünsche aus dem amtlichen Stenogramm gestrichen worden sei. Hierzu bemerkt Markoff: Wenn Kerenski nicht Mitglied der Duma wäre, verdiente er, für seine Aeußerung gehängt zu wer⸗ den. Der Aeltestenrat hat festgestellt, daß der Kriegsoberzensor, General Svonikoff, den Dumasitzungen beiwohnte, um gemein⸗ sam mit dem Präsidenten zu bestimmen, was von dem Steno⸗ gramm zu veröffentlichen sei.— Ungefähr 10 Gouver⸗ neure, die nicht energisch genug sind, werden jetzt vom Minister des Innern abgesetzt.
Der russische Bericht.
Petersburg, 9. August.(Zens. Frkft.) Mitteilung des Großen Generalstabs vom 8. Aug. 8 Uhr abends:
In der Richtung von Riga haben wir den Feind aus der Gegend zwischen der Dwina und dem Eckauflusse vertrieben. Auf dem Unterlauf der Aa und auf der Straße östlich von Ponie⸗ wiez dauern die Kämpfe wie bisher ohne wesentliche Aende⸗ rung fort. Die Angriffe des Feindes gegen Kowno und Osso⸗ wie z, die am 6. August abgewiesen wurden, wurden tags darauf nicht erneuert. Von der Narewlinie aus fährt der Feind fort, kräftige Angriffe auf der ganzen Front zu unternehmen, indem eine große Masse von Feinden gegen den Abschnitt Lomza— Ostrowo gerichtet war. Rechts der mittleren Weichsel verlief der Tag vom 7. ohne bedeutende Gefechte. Links der Wieprz und dem Bug keine wesentlichen Aenderungen. Rechts des Bug zwischen den Flüssen Turija und Lug a haben wir mit Erfolg auf einer breiten Front die feindlichen Vorhuten durchstoßen. Am oberen Bug an der Zlota⸗ Lipa und am Dnujestr stellenweise Artilleriefeuer mit Unter⸗ brechungen.
Ein Mordanschlag auf Sasonow.
Mailand, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Ein Sonder⸗ berichterstatter des„Secolo“ meldet aus Petersburg: Ein. ehemaliger Beamter des Ministeriums des Auswärtigen betrat das Arbeitszimmer des Ministers und versuchte, diesen mit einem Beil zu töten. Der Diener nahm ihn sofort ge⸗
fangen. Der Urheber ist anscheinend ner venkrank.
New Norker Pressestimmen über die Einnahme von Warschau.
New Pork, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Vertreter des WTB. meldet durch Funkspruch: Die amerikanische Prefse würdigt vollauf die strategische, politische und moralische Bedeutung der Einnahme von Warschau; sie spricht jetzt von der deutschen Dampfwalze anstatt wie bisher von der russischen.— „Sun“ bezeichnet den Versuch der Freunde der Alliierten, diesen roßen Triumph zu verkleinern, als eine Vogelstraußpolitik. War⸗ 5 5 bedeute mehr als die Einnahme von Calais.—„Evening Post“ erklärt es für müßig, die Bedeutung des letzten deutschen Erfolges in materieller und moralischer Hinsicht zu leugnen, Nach der Marneschlacht habe Deutschland angeblich dem Problem der Aushungerung gegenübergestanden. Es habe aber ein Jahr lang durchgehalten und gewinne jetzt den glänzendsten Sieg am Vorabend der neuen Ernte.—„World“ führt den Ausspruch eines amexikanischen Seeofftziers an, der meint, dies sei der politische Zeitpunkt für Kitchener gewesen, loszuschlagen. Daß dies nicht geschehen sei, sei der beste Beweis dafür, daß er nicht über die vermutete Truppenstärke verfüge.— Die„Times“ bezeichnen die Einnahme von Warschau als eine glänzende Waffen⸗ tat deutscher Strategie und zäher Ausdauer.
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Der türkische Bericht.
Konstantinopel, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An den Dardanellen landete der Feind in der Nacht zum 7. August unter dem Schutze seiner Flotte einen Teil frischer Streitkräfte in der Umgebung von Karatchali im Norden des Golfes von Saros und den Rest an zwei Orten nördlich von Ari Burnu. Wir vertrieben den bei Karatchali gelandeten Feind vollständig. Er floh und ließ etwa 20 Tote zurück. Die nördlich von Ari Bur nu gelandeten Truppen rückten unter dem Schutz der Flotte am 7. August ein wenig vor. Abends hielten wir das feindliche Vorrücken durch Gegenangriffe auf. Heute früh schlugen wir die Angriffe des Feindes zurück und brachten ihm erhebliche Verluste bei. Wir machten einige Soldaten und Offiziere zu Gefangenen. Bei Sed⸗ ül⸗Bahr trieben wir einen Teil eines Grabens auf unserem rechten Flügel etwa 40 Meter gegen den Feind vor. Am 6. Aug. schlugen wir den Feind zurück, der bei zwei fruchtlosen Angriffen gegen diesen Flügel 2000 Tote vor den Gräben ließ. Am 7. August wiesen wir drei lange, aber fruchtlose Angriffe, die der Feind gegen diese Laufgräben und in Massen gegen unser Zentrum und gegen unseren linken Flügel unternahm, zurück. Wir trieben den Feind voll ständig in seine alten Stel⸗ lungen zurück. Nicht zufrieden damit, diese wiederholten Angriffe zum Scheitern gebracht zu haben, drangen unsere Truppen in einen Teil der feindlichen Gräben ein und richteten sie gegen den Feind ein. Wir machten 110 Gefangene.
Ein feindliches Unterseeboot versenkte heute früh das Linienschiff„Barbarossa Haireddin“. Ein großer Teil der Besatzung ist gerettet. Der Untergang des „Barbarossa“, so bedauerlich er an sich ist, regt uns nicht über⸗ mäßig auf, nur daß er das Stärkeverhältnis unsever Schiffe zu den feindlichen wie eins zu zehn gestaltet. Wir heben noch hervor, daß unsere übrigen Schiffe dieselbe Tätigkeit entfalten werden und daß ihre von glühender Vaterlandsliebe beseelten Mannschaften durch ihre Geschicklichkeit und ihre Aufopferung dem Feinde den⸗ selben Schaden zuzufügen wissen werden, wie ihre Kameraden.
„Barbarossa Haireddin“ gehörte unter dem Namen „Kurfürst Friedrich Wilhelm“ früher der deutschen Flotte an Die Panzerschiffe dieser Klasse verdrängten 10 060 nen, haben 10000 Pferdekräfte und laufen 17 Knoten. Sie sind im Jahre 1891 vom Stapel 1 und wurden im Jahre 1908 an die Türkei verkauft, als wir zum Dreadnought⸗Typ übergegangen waren. Die Schiffe führen sechs 28⸗Zentimeter⸗ und acht 10, 5⸗ . ferner acht 8,8⸗Zentimeter⸗Geschütze, außerdem vier Maschinengewehre und zwei Unterwasser⸗Torpedorohre. Die Be⸗ satzung bestand aus 900 Mann.
Konstantinopel, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ort Karatschali, in dessen Umgebung nach dem gestrigen Be⸗ richt des türkischen Hauptquartiers die Landung frischer feind⸗ licher Truppen stattfand, die jedoch in die Schiffe zurückgetrieben wurden, liegt an der Nordküste des Golses von Saros, ungefähr
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gegenuver der gleichnamigen kleinen Insel zwischen den Mün⸗ dungen zweier kleiner Flüsse, 15 Kilometer westlich des Ortes Kadikocj, der durch die Angriffe der Bulgaren gegen Bulair während des ersten Balkankrieges bekannt wurde.
Konstantinopel, 9. Aug.(WDB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront brachte heute früh 5 Uhr 50 Minuten eines unserer Wasser⸗ 1 durch Bomben ein feindliches Untersee⸗ boot vor Bulair zum Sinken. Bei Ari Bur nu warfen wir 2 wiederholte Angriffe des Feindes zurück und fügten ihm Verluste bei. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr zerstörten wir eine feind⸗ liche Bombenwerferstellung. Auf den übrigen Fronten nichts von Bedeutung.
Aus Konstantinopel.
„Konstantinopel, 9. August.(WTB. Nichtamtlich.) Anläßlich der„Nacht der göttlichen Entschlüsse“(Kadir⸗ gedschis; des Monats Ramasan wurden in der gedrängt vollen Hagia Sophia zum ersten Male feier liche Gebete nicht nur für die osmanischen Waffen, sondern auch für die Heere 980 verbündeten Nationen verrichtet. Annähernd 20000 Personen wohnten dem Gottesdienst bei.
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Ein italienischer Minister über die Aussichten
des Krieges mit Oesterreich.
Zürich, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Neue Zürcher Zeitung“ veröffentlicht im Auszug ein Gespräch von dem von der Front zurückgekehrten italienischen Justizminister Orlando mit dem Vertreter eines sizilianischen Blattes. Der Minister schildert die Lage auf dem österreichischen Kriegsschauplatze in den düstersten Farben. Die Verteidigungswerke und Schützengräben und die vielen natürlichen Hindernisse, welche die Oesterreicher trefflich ausnutzten und die vorzügliche feindliche Artillerie, in fast unauffindbaren Stellungen befindlich, alles trage dazu bei, den Vormarsch der Italiener zu ver⸗ langsamen. Geduld sei die erste Siegesbedingung an⸗ gesichts eines solchen Gegners.
Ein entlassener italienischer General.
Zürich, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Neue Zürcher
eitung“ meldet: Dem italienischen Militärblatt zufolge ist der kommandant des ersten italienischen Armeekorps, Generalleutnant Ragni, seines Kommandos enthoben und zur Disposition gestellt worden. Ragni war früher General⸗ gouverneur von Tripolis und genoß in militärischen Kreisen ein großes Ansehen. Es müssen schwerwiegende Gründe gewesen sein, die zu seiner Entlassung geführt haben. Die Stimmung in Italien.
Mailand, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Secolo“ meldet aus Florenz über eine Tagung der parlamentarischen Gruppe der sozialistischen Partei. Bezüglich der Getreidefrage be⸗ dauern die Sozialisten, daß keine Maßnahmen zur Verhinderung der Umtriebe der Getreidespekulanten getroffen worden sind. Sie fordern die Regierung auf, große Getreideankäufe im Auslande zu machen und sie auf Whnderen Tampfern nach Italien zu brin⸗ gen. Die dem Staat dabei erwachsenden Verluste soll er als be⸗ sondere Kriegsausgabe tragen.
Zur politischen Lage wurde eine lange Entschließung mit verschiedenen Vorschlägen und Einwänden angenommen, deren vollständige Veröffentlichung die Zensur jedoch verhindert hat. Aus Mitteilungen des„Secolo“ ist zu entnehmen, daß ein normales Weiterarbeiten des italienischen Parlaments ver⸗ langt wird, denn dort werde jede Klasse und jede Partei ihr Pro⸗ gramm entwickeln und die Verantwortlichkeit vor dem Lande über⸗ nehmen. Eine andere Entschließung über das Problem der Ar⸗ beitslosigkeit, e schlimme Folgen sich immer deutlicher zeigen, bedauert das vollständige Versagen der Regierungsmaß⸗ nahmen zur Finanzierung der öffentlichen Arbeiten. Es soll ein Sonderausschuß eingesetzt werden, der der Regierung noch einmal die ganze Schwere der Probleme nahelegen soll. Nach einem Be⸗ richt Morgaris über seine Auslandsreise wurden schließlich alle An⸗ strengungen derer, die auf einen künftigen Frieden hinarbeiten, gebilligt.
Ein Aufruhr in Mailand?
Zürich, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Neue Zürcher Zeitung“ meldet aus Mailand: Am Freitag wurden am hellen Tage auf der Straße zwei Wächter von der Wache des königlichen Schlosses hinterrücks überfallen. Von allen Seiten sprangen Helfershelfer hinzu, so daß angenommen wird, daß es sich um ein Komplott handelte. Beim Einschreiten der Polizei entspann sich ein Handgemenge. Schließlich wurden zwölf Personen verhaftet. Die Mailänder Presse bezeichnet das Ereignis als einen offenen Aufruhr.
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Das Kriegsbrot in Frankreich.
Paris, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Dem„Petit Parisien“ zufolge hat die Kammer am Samstag einen Gesetzesantrag des Sozialisten Long angenommen zu dem Antrage über den Ankauf und Verkauf von Getreide und Mehl, wonach künftig zur Brotherstellung nur bis zu 74 Prozent ausgemahlenes Mehl verwendet werden darf. Außerdem muß das Mehl bei der Brotherstellung einen Zusatz von mindestens 5 Proz. Roggen, Mais- oder Ma⸗ nicomehl enthalten.
Paris, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ wendet sich heftig gegen den von der Kammer angenommenen Gesetzantrag bezüglich des Ankaufs von Getreide und Mehl sowie gegen den Zusatzantrag, betreffend die Mehl⸗ mischung für die Brotherstellung. Der„Temps“ hofft, daß der Senat den Antrag verwerfen werde, denn der Antrag verhindere das Fallen des Getreidepreises. Es bestehe für Frankreich leine Notwendigkeit, Kriegsbrot zu essen, denn die Verbündeten besäßen die Seeherrschaft. Man hätte nicht nötig gehabt, das deutsche K⸗Brot nachzuahmen, über das man sich in Frankreich zur Genüge lustig gemacht habe.
Belgische Flüchtlinge in Holland.
Berlin, 9. Aug.(Priv.⸗Tel.) Die„Vossische Zeitung“ mel⸗ det aus Amsterdam: Nach einer amtlichen Mitteilung sind Fa 4 noch 18000 belgische Flüchtlinge in Massen⸗ agern, 74 800 andere Flüchtlinge wurden in Holland unter⸗ gebracht. Die Kosten der Unterhaltung der Flüchtlinge beliefen sich bisher auf 7½ Millionen Gulden.
Der„Lokalanzeiger“ meldet aus Amsterdam: Um dem be⸗ denklichen Arbeitermangel auch an weiblichen Kräften in der Baumwollin dustrie abzuhelfen, verlangen die Baumwoll⸗ industriellen und Vertreter ihrer Arbeiter in Manchester die Herab⸗ setzung des gesetzlichen Alters für Kinderarbeit, und zwar auf el 1 1 hulbe Tagesarbeit und zwölf Jahre für volle tägliche
rbeitszeit. Ein schweizerischer Offizier über die Lage.
Basel, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Der militärische Mitarbeiter der„Basler Nachrichten“ schließt eine Be⸗ trachtung über den westlichen und italienischen Kriegsschauplatz mit folgenden Worten: Die gegenwärtige Lage des Vierverbandes ist auf den Schlachtfeldern keineswegs erfreulich. Im Osten sind die Russen im vollen Rückzuge, auf dem westlichen, italienischen und Dardanellen⸗Kriegsschauplatz liegen seine Heere vor starken Stellungen fest und kommen nicht vorwärts. Die Gründe, die trotz der zahlenmäßigen Uebermacht des Vierverbandes zu diesem Zustande geführt haben, sind hauptsächlich der Mangel an einem
Die bulgarische Anleige.
Sofia, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Finanz⸗ minister veröffentlicht folgende Mitteilung über die N ungen des Abkommens betreffend die Anleihe von 500 Mil⸗ lionen Francs, das mit einem Syndikat deutschen und österreichisch⸗ungarischer Banken getroffen wor⸗ den ist. Die Finanzgruppe hatte sich bis zum 1. August zu er⸗ klären, ob sie zur Ausübung der Option auf den ersten Teil der un: leihe im Betrage von 250 Millionen gewillt wäre. Das Syndikat hat sich hierzu bereit erklärt. Da der Krieg aber eine öffentliche Emission der Anleihe nicht gestattet, so wurde diese bis spätestens auf ein Jahr nach Friedensschluß verschoben. Inzwischen wird die Bankengruppe die bei ihnen untergebrachten 120 Millionen Francs Schatzscheine einlösen. Der bulgarische Staat wird 1 5 für an Zinsen 1 Prozent über den jeweiligen Stand der Deutschen Reichsbank und zwar nicht unter 6 Prozent und nicht über 6 Prozent zuzüglich einer Provision von/ Proz pro Quartal zah⸗ len. 75 Millionen Francs, die Bulgarien der Banque de Paris et des Paye-Bas schuldet, werden aus dem Erlös der Emission der ersten Option bezahlt werden. Die der Russisch⸗Asiatischen Bank schuldigen, 30 Millionen befinden sich zur Verfügung dieser Bank bei der Diskonto⸗Gesellschaft in Berlin; sie werden der erstgenann⸗ ten Bank überwiesen werden, sobald dies nach dem Friedensschluß möglich ist. 5
Montenegrinisches Geflunker.
Lyon, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Wie„Progres“ aus Cetinje meldet, wurde die militärische Untätigkeit Serbiens und Montenegros von Rußland angeraten, da man dort die ser⸗ bischen und montenegrischen Heere nicht opfern wollte, ohne eines Erfolges gewiß zu sein. Die Untätigkeit werde aufhören. Man erwarte in Belgrad und Cetinje nur den Befeh laus Peters⸗ burg, um die Offensive wieder aufzunehmen, die mit den ita⸗ lienischen militärischen Operationen in Einklang gebracht werden soll. Wahrscheinlich wird die Besetzung von Triest und Görz das Zeichen für die Aufnahme einer gemeinsamen Offensive Ita⸗ liens, Serbiens, Montenegros und Rußlands sein.
Der Ausstand der amerikanischen Munitionsarbeiter.
Berlin, 10. Aug. Nach einer New Porker Meldung des„Rotterdamschen Courant“ befinden sich laut„Tägl. Rundschau“ 11000 Munitionsarbeiter wegen Lohnstreitigkeiten im Ausstand; das sei ein Sechstel der gesamten Munitionsarbeiter in den Privatbetrieben der Vereinigten Staaten.
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E Der Seekrieg.
Ein englischer Hilfskreuzer torpediert? Kopenhagen, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Ritzausche Bureau meldet aus Kristiania: Hier ein⸗ getroffenen Nachrichten zufolge wurde gestern abend der englische Hilfskreuzer„India“, 7900 Tonnen, nördlich von Bodoe beim Einlaufen in den Vestfjord tor⸗ pediert. Der schwedische Dampfer„Goestea⸗ land“ ging mit 80 Mann der Besatzung nach Narwik ab. Etwa 72 Mann wurden bei Helligvaerk gelandet. Die Mili⸗
tärbehörden haben die nötigen Maßnahmen getroffen.
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London, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Lloyds⸗ Meldung sind der schwedische Dampfer„Walmland“ von 3676 Tonnen, der Dampfer„Glen ra vel“ von 1092 Tonnen aus Belfast und der Fischdampfer„Ocean Queen“ versenkt wor⸗ den. Die Besatzungen wurden gerettet.(Demnach ist anzunehmen, daß der Dampfer„Malmland“ Bannware führte.) 5
Nybor g, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der dänische Dampfer„Lynn“ landete hier sieben Mann und eine Frau von der Besatzung des Gotenburger Dampfers„Mai“, der, von Schweden nach England mit Grubenholz unterwegs, am Freitag in der Nordsee von einem deutschen Unter⸗ seeboot in Grund gebohrt worden war. Die Be⸗ satzung war in zwei Boote gegangen. Die Insassen des einen Bootes sind am Samstag von dem„Lynn“ aufgenom⸗ men worden. In dem zweiten Boote befanden sich der Kapi⸗ tän und neun Mann, deren Schicksal unbekannt ist.(Gru⸗ benholz ist Bannware.) f a 5
Ehristiania, 9. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die norwegische eiserne Segelbark„Norman“ 995 Tonnen
roß, mit Holzlast, also Bannware, unterwegs nach dem Tyne, wurde von einem deutschen Unterseeboot quer ab von Arendal, sechs Seemeilen vom Lande entfernt, vers e
Aus belgischen Archiven.
(Schluß.) a Die stetig weiter fortschreitende Verschärfung der Gegensätze läßt sic an der Hand aller Berichte Greindls im Frühjahr 1909
verfolgen. 0 den Marinedebatten in der Budget⸗
Eine Parallele zwischen 5 U kommission des Reichstags und den Verhandlungen im englischen „Ich möchte nur bemerken,
Unterhause führt zu folgendem Schluß: 0. wenn man die Redner hört, die in London erörtert haben, wie die englischen Seestreitkräfte beschaffen sein müssen, um jeder Gefahr gewachsen zu sein, man könnte glauben, daß außer Großbritannien Deutschland die einzige Macht ist, die überhaupt eine Kriegsmarine besitzt Man hat von ihr gesprochen, als ob die anderen nicht existierten, und das einen Monat nach dem Besuch des Königs von England in Berlin, bei dem so herzliche Reden gewechselt den. Diese einseitige, geradezu bend iche Furcht sagt mehr, als die obligaten offiziellen Höflichkeiten, ozne die gewiß Grund zur Beunruhigung vorliegt, die aber an und für sich nicht das Geringste bedeuten. Nach wie vor besteht die ane Annäherung beider Länder in einem tiefen gegenseitigen ißtrauen.“ 5
Am 31. März schreibt er:„Die Verfassung der Gemüter in England erinnert an die in Frankreich während der Jahre 1866 bis Acad 8 1 1125 Sen, führt ee Deutschland an der Wiederherstellung seiner Ein zu. hindern, weil sie darin eine 1 der Vorherrschaft sahen, die Frankreich bis dahin auf dem Festlande ausgeübt hatte. Ebenso betrachtet man heut ein London die ee sich vertraglich dazu zu verpflichten, von der Gngde Englands ab⸗ hängig N 2 7. Akt und eine Bedrohung des Friedens.“ 75
Als im Oktober 1908 die englische und französische Presse in höchste Aufregung über die Annexion von Bosnien und Herze⸗ gowinga geriet, war Herr Leghait in Sorgen, daß der Plan Jswolskis, auf einer ad hoe berufenen Konferenz den„Berliner
Vertrag zu zerreißen“, die Unterstützung Frankreichs und Eng⸗ lands fin. Die Sorge war unnötig, aber Herr Leghait war einseitig genug, zu erkennen, von welcher Seite die Gefahr drohte.
U Auch ein Bericht Baron Greindls vom 1. April 1909 zeigt, daß er 0 lediglich der mangelnden Kriegsbereitschaft Rußlands zuschreibt, wenn der Krieg damals nicht ausbrach, den die eng⸗ lische Politik in nächste Nähe rückte. Talsächlich hat, als dauk dem Eingreifen Deutschlands die Krisis überstanden wurde, die englische Regierung in St. 1 ernste Vor⸗ stellungen darüber erhoben, daß Rußland der Anregung des W 1 gefolgt war, die die Annexionsfrage aus der Welt 1. 5 Baron Greindl schreibt:„Es ist meiner Ansicht nach nicht weifelhaft, daß Rußland und Frankreich von dem aufrichtigen Wunsch beseelt waren, einen allgemeinen europäischen Brand
Zusammenarheiten der verschiedenen Staaten und ungenügende Kriegsbereitschaft.
u vermeiden. Rußland hat nichts von dem, was man zum Rriegführen braucht, und solange ihre englischen Freunde nicht n 125 22 8


