en errichteten riegergedenksteins statt. Die Zahl zu dieser schlichten aber desto eden hee Feier . war so groß, daß kaum die Hälfte der⸗ selben in den Räumen des Windhofes ein wenn auch be⸗ scheidenes Plätzchen finden konnte. Nachdem Herr Oberst⸗ eutnant Bornemann das Kaiserhoch ausgebracht hatte, e Kafserhymne verklungen war 82 daran anschließend geuchelheimer Frauen und Jungfrauen das Terzett aus ias„Hebe deine Augen auf zu den Bergen“ in zu gerzen gehender Weise gesungen hatten, hielt Pfarrer Dörr die von vaterländischer Begeisterung getragene Weihe⸗ ede. Unter entsprechenden Worten erfolgte hierauf die iederlegung von Kränzen im Namen und Auftrage der azarettverwaltung, der auf dem Windhof wohnenden Ver⸗ wundeten, des Kriegervereins Heuchelheim, sowie der Ge⸗ meinde Heuchelheim und der Jugendwehr Gießen. Auch die rauen und Jungfrauen von Heuchelheim, die im Pflege⸗ dienst auf dem Windhof tätig sind, legten eine Kranzspende nieder. Zur Verschönerung und Hebung der ganzen Feier trugen ganz wesentlich außer dem oben angeführten Frauenchor noch die beiden unter Leitung des Lehrers Wolfschmidt mit den Verwundeten eingeübten Chöre „Mag auch die Liebe weinen“ und„Sturmbeschwörung“ bei. An die eigentliche 12 schloß sich ein zwangloses, 55 Treiben in den Räumen und auf dem Hofe des Windhofes an. Verwundete und Gäste wurden mit Kaffee und Bier bewirtet. Karten mit dem Bildnis des Denksteins, Blumenvasen, die von den Verwundeten in geschmackvoller Weise selbst hergestellt waren, sowie allerlei zum Kauf angebotene Bedarfsgegenstände fanden unter den Gästen reichlichen Absatz; der Reinertrag soll zur Be⸗ streitung der Denkmalherstellungskosten Verwendung finden. Da auch die Gießener Landsturmkapelle nicht mit ihren Vorträgen kargte, kam eine Feier zustande, die jedem Teil⸗ nehmer eine schöne Kriegserinnerung bleiben wird. FJIn dem besetzten Gebiete von Polen nehmen alle Orte der Kreise Bendzin, Czenstochau, Kalisch, Kolo, Konin, Lodz, Nieszawa, Lask⸗Pabianice. Sieradz, Slupca, Turek, Wielun und Wloclawek an dem Postverkehr mit Deutschland teil. Für Orte ohne Postanstalt vermitteln die deutschen Postämter der Kreishauptorte den Verkehr; nach dem Kreise Slupca be⸗ sorgt die Vermittlung das Postamt in Konin, nach dem Kreise Turek das in Kalisch, nach dem Kreise Nieszawa das in Wloclawek. eit der Sendungen ist stets der Name des Kreises anzugeben.. l Von der Technischen Hochschule in Darm⸗
en 1 Genesungsheims den gefallenen Kame⸗
stadt. Unsere Leser machen wir auf die im An⸗ zeigenteil unseres Blattes enthaltene Bekanntmachung der Technischen Hochschule zu Darmstadt aufmerksam. Dieselbe
gewährt eine vollständige wissenschaftliche und künstlerische Ausbildung für den technischen Beruf. Besonders 5 noch hervorzuheben, daß durch die eingerichteten Herbst⸗ und Osterkurse es möglich ist, zu Ostern oder im Herbst mit dem Studium zu be⸗ ginnen und somit ohne Zeitversäumnis nach je vier Semestern die prüfung und nach je acht Semestern die Hauptprüfung abzu⸗ legen. iz Storchenbesuch vor der Kinderklinik. Ein Zug Störche, der auf der Wanderschaft war, überflog am Samstag abend die Stadt. Ueber der Kinderklinik mochten einem Teile von ihnen liebe Erinnerungen an den Klapper⸗ 3 kommen, denn sieben Langbeine trennten sich von em Zuge und ließen sich gegenüber der Klinik auf einem Hausdach nieder, wo sie klappernd auf und ab stelzten und schließlich, da ihnen die Nachbarschaft wohl zu behagen schien, auf einem Bein die Nachtruhe begannen. Natürlich fanden die schwarz⸗weiß⸗roten Gäste zahlreiche Beobachter, die u. a. erwogen, ob es wohl ein Glück sei, daß der sieben⸗ fache. nicht in, sondern nur an der Klinik gelandet sei. Am Sonntag morgen breitete der Besuch die Schwingen und setzte die Reise fort.
Kreis Lauterbach.
Lauterbach, 8. Aug. Die hiesige Jugendkompagnie hielt verflossene Nacht im Gelände bei Bad-Salzschlirf eine 55 ebung gen, die Jugendwehr Landenhausen ab, die mit an⸗ schliezendem Biwak und Abkochen verbunden wurde. Für das N ager hatte eine hiesige Brauerei die nötigen Zelte gestellt und die 55 Wurstsabrik Duchardt stiftete das Fleisch zur Biwakskost. Ein 5 1 wurde durch die eigene Kapelle ausgeführt. Um
Uhr morgens wurde das Biwak abgebrochen und nach Einnahme 0 des Kaffees der Rückmarsch angetreten.
Kreis Schotten.
Aus dem Vogelsberg, 8. Aug. In banger Sorge sahen die Besitzer der Sommerfrischen dem diesjährigen Ge⸗ schäst entgegen. Wider Erwarten ist aber der Besuch aus den Städten gut, was hauptsächlich seinen Grund darin haben dürfte, daß die Regierung den Staatsbeamten empfohlen hat, ihre Ferien im Heimatlande zu verleben. Hochwaldhausen, Hartmannshain und Herchenhain sind stark besucht.
15 Kreis Friedberg. fc. Butzbach, 8. Aug. Zu Erntearbeiten wurden ieser Tage auch gefangene Kanadier aufs Land gebracht.
Starkenburg und Rheinhessen.
a vohner ohne Einrichtung beteiligen. Di Verkaufsstellen in Halbliterflaschen abgegeben werden.
5 Hessen⸗Nassau. wm. Neustadt, 8. Aug. Heute nachmittag gegen 4 Uhr brach be Behausung des Schuhmachers Faber ein Brand aus, der auf das angrenzende Hintergebäude, eine mit Heu und Stroh J Scheune, übersprang, welche bald in hellen Flammen stand. er schnell herbeigeeilten städtischen Feuerwehr gelang es, das Wohnhaus, von dem allerdings der Dachstuhl vollständig nieder⸗ annte, zum größten Teil zu retten. Infolge des starken Windes 155 das Feuer aber auf das angrenzende Besitztum des Heinrich Bauer über, das nebst einer Scheune dem Element 5 Opfer fiel. in großer Teil der Möbel, Betten, Wertsachen verbrannte, ebenso uch die ganzen Erntevorräte, die noch ungedroschen waren. —
Aus belgischen Archiven.
Berlin, 8. August. Die„Norddeutsche Allgemeine Zei- 5 fährt mit der Verbffentlichtang von Aktenstücken„Aus bel⸗ n Archiven“ fort. Im Jahr 1998 machte der Zusammenschluß Rußlands, Englands und Frankreichs weitere Fortschritte. Schon im Laufe März sprach die russische Presse von der Unvermeidlichleit eines eges mit Deutschland, und es mehrten sich die Anzeichen, daß dem Balkan ein Zusammengehen Oesterreich-Ungarns mit ßland schwierig geworden sei. Ende Mai erfolgte der Besuch Präsidenten der französischen Republik in England. Bei ser Gelegenheit trat im„Temps“ Herr Tardieu für die Ein⸗ rung der allgemeinen Wehrpflicht in England ein. Den Au⸗ dazu hatten die von König und Prifidenten gesprochenen e im Buckingham Palast gegeben. Der König hatte von permanente“ der Präsident von„entente resserrée“ ge⸗ en und die Forderung des„Temps“ machte den Eindruck, als
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werde von Frankreich eine Bedingung für Verwirklichung dieser auf ein Bündnis hindeutenden Reden gestellt. Von epochemachen⸗ der Bedeutung war der Besuch, den König Eduard am 9. Juni 1908 dem Zaren vor Reval machte. Er bezweckte die Ausschal⸗ tung Oesterreich⸗Ungarns aus den Balkanangelegenheiten und hatte die revolutionäre 17 in der Türkei zur Folge.
Der Revolution der Jungtürken folgte die Proklamation Bulgariens zum selbständigen Zartum, Oesterreich-Ungarn voll⸗ zog die Annexion von Bosnien und der Herzegowina, und da⸗ mit trat plötzlich eine serbisch⸗österreichisch-ungarische Frage in den Vordergrund, in welcher die Ententemächte gegen Oesterreich⸗ Ungarn Partei nahmen. Schon damals schien eine Weltkrisis kaum zu vermeiden. Daß sie trotzdenr vermieden wurde, lag an dem entschlossenen Eintreten Deutschlands für Oesterreich-Ungarn und daran, daß Rußland sich noch nicht stark genug fühlte, die Rolle zu übernehmen, die ihm zugedacht war. Im März 1909 konnte die Gefahr als überwunden gelten. b Am 9. Februar 1909 kam zwischen Deutschland und Frankreich ein Abkommen über Marokko zustande, in dem Deutschland die besonderen politischen Interessen Frankreichs anerkannte, wäh⸗ rend es andererseits die wirtschaftliche Betätigung Deutschlands in Marokko sscherstellen sollte.
Es ist überaus lehrreich, die Haltung zu verfolgen, welche die belgischen Gesandten in dieser Zeit einhielten.
Die Selbstverherrlichung Delcassés mit ihren verletzenden An⸗ spielungen auf Deutschland, die schon Baron Greindl treffend ge⸗ würdigt hatte, veranlaßte Herrn Leghait in Paris, die Frage aufzuwerfen, ob nicht die Neugruppierung der Mächte das Er⸗ gebnis eines umfassenden Programms sei, das in Lon⸗ don wundervoll erdacht wurde. Baron Greindl aber spricht sich am 29, Januar dahin aus, daß die Rede Delcassés deshalb Beifall gefunden habe, weil sie den geheimen Wünschen und den eingestandenen oder nicht eingestandenen Re⸗ vanchegelüsten der l entsprach. 5
Als der Deutsche Reichstag die Herabsetzung der Lebensdauer unserer Kriegsschiffe von 25 auf 20 Jahre einstimmig annahm, zog Greindl daraus den Schluß, daß das deutsche Volk den Ernst der Feindseligkeit Englands einsehe und deshalb ohne Murren die Kosten dieser Reform auf sich genommen habe.„Kein Mensch — schreibt er— hat hier jemals den absurden und unausführ⸗ baren Gedanken eines Angriffs gegen England gehegt, aber alle Welt befürchtet einen englischen Angriff.“:
nzwischen machte das vertragswidrige Vorgehen Frankreichs in Marokko weitere Fortschritte. Baron Greindl durchschaut klar die Methode des französischen Vorgehens. Aus Anlaß des Weiß⸗ buches über Marokko weist er darauf hin, in wie flagrantem Gegen- satz zu den humanitären Reden Frankreichs im Haag das Bom⸗ bardement einer offenen Stadt wie Casablanca stehe. 5
Die Unaufrichtigkeit der Politik Pichons verurteilt er bei dieser Gelegenheit mit folgenden Worten: 5
„Zweifellos mußte man in Paris vorhersehen, daß dieses
brutale Vorgehen nicht nur in Marokko, sondern in der ganzen
mohammedanischen Welt eine fremdenfeindliche und vor allem antifranzösische Bewegung hervorrufen werde, die den gewünschten
Vorwand zu einer Okkupation liefern sollte, die man zwar
offiziell als eine vorübergehende bezeichnet, die man aber offen⸗
bar zu einer dauernden zu machen gedenkt. Am Quai d'Orsay ist man zu der Politik Herrn Delcassés zurückgekehrt, hat ihr aber noch dazu den Mantel der Heuchelei umgehängt.
Doch selbst den beginnt man abzulegen.“ 8
In einem Bericht vom 13. Mai 1908 sagte er bezüglich der Abgesandten Mulay Hafids, die damals in Berlin zum großen Aerger der Pariser Regierung eingetroffen waren:„Gleich zu Anfang haben die Abgesandten erklärt, daß Mulay Hafid sein Reich allen Europäern öffnen werde, die alle gleiche Rechte hätten. Ich frage mich, ob sie die euxopäische Politik so wenig kennen, um nicht zu wissen, daß Frankreich keine gleichen Rechte für alle will(wir haben das zu unserem Schaden bei der Ernennung des Direktors der öffentlichen Arbeiten erfahren) und befürchtet, daß das Land sich beruhigt, statt es zu wünschen, weil es ihm den. Vorwand nehmen würde, den es sucht, um seine Eroberungs⸗ pläne verwirklichen zu können.“
Die Stellungnahme der deutschen Politik diesem illoyalen Vorgehen Frankreichs gegenüber kennzeichnet er unter Hinweis auf das deutsche Marokko folgendermaßen:„Das Weißbuch zeugt von Anfang bis zu Ende von dem eifrigen Bestreben der Kaiser⸗ lichen Regierung, den unwahrscheinlichsten Behauptungen des Herrn Pichon und des französischen Botschafters in Berlin Glauben zu . um nicht die marokkanische Frage erneut anschneiden zu müssen.“
Baron Greindl war in Beurteilung der Marokkopolitik Frank⸗ reichs scharfsichtiger als sein Pariser Kollege, der in seinem Bericht vom 19. Januar 1909 die Versicherung Herrn Pichons ernst! nimmt, daß die Regierung weder ein Protektorat noch die Erobe⸗ rung Marokkos wünsche()), sondern die Achtung vor den inter⸗ nationalen Vereinbarungen(!) und die Vorteile, auf die sie Frankreich ein Recht gäben.
Ueber den Besuch des Präsidenten Fallisres in Eng⸗ land und die Rede, mit der Sir E. Grey den bevorstehenden Besuch König Eduards in Rußland als gänzlich unpolitisch dar⸗ stellte, äußert sich Greindl am 30. Mai folgendermaßen: „Mau mag es Allianz, Entente nennen, oder wie man will, die vom König von England persönlich eingeleitete Gruppierung der Mächte besteht, und wenn sie auch nicht eine direkte und baldige Kriegsgefahr für Deutschland bedeutet (was zuviel gesagt wäre), so liegt in ihr nichtsdestoweni⸗ ger eine Verringerung der Sicherheit.
Die herkömmlichen friedlichen Versicherungen, die zweifellos auch in Reval wiederholt werden dürften, bedeuten recht wenig im Munde dreier Mächte, die eben erst, wie Rußland und England, wenn auch mit verschiedenem Erfolg, nur in dem Bestreben, sich zu vergrößern, ja ohne plausiblen Vorwand die Eroberungs⸗ kriege in der Mandschurei und in Transvaal geführt haben, oder die wie Frankreich gerade jetzt zur Eroberung Marokkos schreiten unter Nichtachtung feierlicher Versprechungen und ohne anderen Rechtstitel als die Uebertragung der Rechte Englands, die diese selbst nicht besaß. Es sind dieselben Mächte, die im Ver⸗ ein mit den Vereinigten Staaten, die kaum ihren Raubkrieg gegen Spanien hinter sich haben, im Haag als Ultrapazifizisten aufgetreten sind. 0 d
Der Dreibund hat während 30 Jahren den Weltfrie⸗ den gesichert, weil er unter Führung Deutschlands stand, das mit der politischen Gliederung Europas zufrieden war: Die neue Gruppierung bedroht ihn, weil sie aus Mächten besteht, die eine Revision des Statusquo anstreben, und zwar in so hohem Grade, daß die Gefühle jahrhundertelaugen Hasses zum Schweigen gebracht haben, um diesen Wunsch verwirklichen zu können.“
Daß die deutsche Politik sich über die Tragweite der engli⸗ schen Pläne nicht täuschte, zeigen die Berichte Greindls vom 12. Juni und 18. Juli. Der Staatssekretär von Schoen machte Greindl gegenüber aber kein Hehl daraus, daß er die englische Politik illohal finde. 5 5 l
Den Rücktritt des englischen Botschafters Sir Frank Lascelles, der sich durch 15 jährige Tätigkeit in Berlin das Vertrauen des Kaisers und der deutschen Regierung erworben hatte, erklärte Baron Greindl dadurch, daß man in London diesen Vertreter einer Politik der Annäherung zwischen Deutschland und England als unbequem habe beseitigen wollen:„Der Eifer, den er ent⸗ wickelt hat, um Mißverständnisse zu beseitigen, die er für töricht und für beide Reiche im hohen Grade nachteilig hält, entspricht nicht den politischen Ansichten seines Herrschers.“ 0.
Noch schärfer urteilt Greindl am 13. Februar 1909 über die englische Politik bei Gelegenheit des endlich erfolgten Besuches König Eduards in Berlin im Winter 1909. Er schreibt bei diesem An⸗ laß:„Der König von England versichert, daß die Erhaltung des Friedens immer das Ziel seiner Bemühungen gewesen sei; das hat er seit Beginn des erfolgreichen diplomatischen Feldzuges immer gesagt, den er in der Absicht geführt hat, Deutschland zu isolieren; aber es kann einem nicht entgehen, daß der Weltfrieden nie⸗ mals ernstlicher bedroht war, als seitdemder Kö nig von England ihn zu festigen trachtet.——
Der Besuch des Königs von England fällt mit einer er heb⸗ lichen Vergrößerung des Marinebudgets zusammen, mit dem Bau neuer Panzer vom Treadnoughttyp und mit der Bildung des
starksten Geschwaders, das es je gegeben hat, und dessen Heimats⸗ hasen der Punkt in der Nordsee ist, der den deutschen Küsten räumlich am nächsten gelegen ist. Geschieht dies lediglich zum
Schutz gegen einen etwaigen Angriff, den Deutschland gar
nicht in der Lage ist zu unternehmen?“. (Schluß folgt.)
Vermischtes. » Sitten, 8. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) In einem Steinbruch oberhalb Rarok, der das Material zum Umbau eines Tunnels der Lötschbergbahn liefert, erfolgte ein gewaltiger Bergrutsch. Von den dort beschäftigten 30 Arbeitern konnten lich 21 rechtzeitig in Sicherheit bringen, neun wurden unter den Felstrümmern begraben und getötet. Die Verungllückten sind meist Familienväter, sieben Schweizer und zwei Italiener. Der Abrutsch erfolgte 800 Meter von der Bahnlinie entfernt. Der Betrieb der Lötsehbergbahn wird dadurch nicht gestört.
Briefkasten der Redaktion. (Auonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) w. w. Die Zeichen bedeuten Garnisondienstfähigkeit wegen Mängel des Herzens. Einstweilen ist Felddienstfähigkeit aus⸗ geschlossen. Ob„sich das Leiden mit der Zeit hebt“, können wir natürlich nicht beurteilen.
— wöchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gießen. 29. Woche. Vom 11. bis 17. Juli 1915. Einwohnerzahl: angenommen zu 32 990(inkl. 1600 Mann Militär), Sterblichkeitsziffer: 17,38% Nach Abzug von 8 Ortsfremden: 4,74%.
— 2
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Er- Kinder rben an us. g. 5 Es starbe Zus. wachsene im 1 e* Angeborener Lebensschwäche 1(1)— 1040)— Altersschwäche 7 1—— Diphtherie 10—— 109 Miliartuberkulose 1(˖ 1)—— 10) Erkrankungen der Atmungs- organe 2(0 100— 1 Erkrantungen der Kreislauf- organe 2 1(0)— 10) Schlaganfall 1—— Krankheiten der Verdauungs⸗ organe 1110— 10)— Selbstmord 10˖) 1(J)—— Summa: 11(68) 5(30 209 4
Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie piel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen.
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Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen.
Ueber Deutschland lagert heute ziemlich gleichmäßig verteilter höherer Lustdruck, unter 1907 Einfluß wir morgen eine wesentliche Aenderung des Wetters nicht zu erwarten haben. 1 8
Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 10. August 1915: Wechselnd bewöllt, trocken, keine Temperaturänderung, westliche
Letzte Nachrichten.
— Die Aussichten des Vierverbandes. N Budapest, 9. Aug. Die Aussichten des Vierverbandes haben sich, wie„Az Est“ aus Sofia meldet, wesentlich verschlechtert. Der französische Sondergesandte Cruppi machte Be⸗ suche bei allen bulgarischen Staatsmännern, wo ihm überall bestätigt wurde, daß Bulgarien unbedingt auf der Rückgabe ganz Mazedoniens bestehe. Dazu meldet A Nap“, daß Fürst Trubetzkoi völlig darauf verzichtet habe, ö 8 n von Mazedonien zu bewegen.—„A Nap“ meldet aus Sofia: Die Bevölkerung der bulgarischen Hauptstadt er⸗ fuhr gestern nachmittag den Fall von Warschau durch Sonderaus⸗ gaben der Blätter. Darauf versammelten sich große Menschen⸗ mengen, die zuerst vor das österreichisch⸗ungarische und dann vor das deutsche Konsulat zogen und den beiden Zentralmächten be⸗ geisterte Kundgebungen darbrachten. 5
Untergang eines englischen Torpedojägers?
Wien, 9. Aug. Blättermeldungen aus Tonstantino pel zufolge wütete vorgestern in der 1 von Sila ein furchtbarer Sturm. In diesem N Wetter versuchte ein feindlicher Torpedojäger sich dem Ufer zu nähern, wobei er jedoch in einen Wasserstrudel geriet und unterging. Es soll sich um ein englisches Schiff handeln.
Straßenkundgebungen in Moskau. 5
Stockholm, 9. Aug. In Moskau hat bei der Ein⸗ R 22 19 jährigen eine Straßenkundgebung von Militär⸗ personen stattgefunden. Besonders auf dem Roten Platze rotteten sich niedere Militärchargen zusammen. Es wurden Rufe laut wie: Schlachtet keine Kinder! Nieder mit dem Krieg! Als die Poltzet sie auseinandertreiben wollte, leisteten sie mit den Waffen Wider⸗
and. a 1 Die Einberufung der griechischen Kammern. Kopenhagen, 9. August. Wie aus Paris gemeldet wird, wurden die griechischen Kammern zum 16. August einbe⸗ rufen. Der„Temps“ schreibt dazu: Venizelos kommende Macht⸗ stellung wird die bedrohliche Atmosphäre zerstreuen.
Ein italienischer Ministerrat.
Lugano, 9. Aug. In Ron fand gestern im Palast Bracchi ein Ministerrat statt, an welchem alle Minister teilnahmen. Trotzdem keine offizielle Mitteilung herausgegeben wurde, glaubt man zu wissen, daß der Ministerrat sich mit der Munitionsfrage
sowie mit Vorkehrungen ökonomischer Natur und Maßregeln
für die Zivilverwaltung der besetzten Gebiete befaßt habe.
Diebstähle in italienischen Staatsbetrieben.
Lugano, 9. Aug. In Mantua sind große Diebstähle an Militärproviant entdeckt worden. Seit Kriegsbeginn hatten Unterbeamte der Intendantur große Unterschlagungen begangen. Schließlich wurden sie immer kühner und schleppten
anze Säcke mit Kaffee, Reis, Makkaroni und Zucker in einen Laden. Für über 4000 Lire gestohlene Sachen wurden beschlag⸗ nahmt. Infolgedessen sind 11 Intendanturbeamte und Händler als Hehler verhaftet worden.
Italienische Feldpostbriefe.
Kanton Thurgau, 9. Aug. Trotz der schärfsten Zesur vermag es die italienische Militärbehörde nicht zu verhindern, daß nach und nach Mitteilungen über die Grenze nach der Schweiz gelangen, welche einen Rückschluß auf die furchtbaren Verluste zu⸗ lassen, welche die italienischen Truppen bei den letzten Kämpfen gegen die österreichische Front am Isonzo erlitten haben. Ein hie⸗ siger Reichsitaliener erzählt, er habe von einem Verwundeten einen Brief erhalten, in dem es heißt: Der Krieg gegen die Oesterreicher ist grauenhaft; viel, viel grauenhafter, als wir jemals geglaubt hatten. Unsere Verluste sind sehr schwer. Von 2 Regimentern fanden sich nach den fast ununterbrochenen Stürmen nur wenige Mann auf
dem Sammelplatz ein.— Der erwähnte Italiener will auch von anderer Seite die bestimmte Nachricht erhalten haben, daß die bisher bezahlten Blutopfer seiner Lands⸗ leute furchtbar seien.— Er bemerkt, daß es den ita⸗
lienischen Kommandanten einfach unmöglich wäre, die nach den ab⸗ gewiesenen Stürmen abgewiesenen und zurückflutenden Mann⸗ schaften zu einem neuen Sturm zu veranlassen. Letztere liefen wie irrsinnig umher und für längere Zeit seien sie für jede weiters militärische Aktion unfähig. Die Oberleitung müsse deshalb immer neue frische Truppen zu weiteren Stürmen bereit haben.
2——
Serbien zur Rückgabe
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