Ausgabe 
(7.8.1915) 184. Erstes Blatt
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Erstes Blatt

iezener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; weimal wöchentl. Kreis- latt für den Kreis Gießen (Dienstag und. Kall, zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Feitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung112 Verlag, Geschäftsstelleö l Adrese für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr.

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Fortschritte an allen Fronten im Osten. Ein italienisches Unterseeboot und ein italienisches Luftschiff vernichtet!

(TB.) Großes Hauptquartier, 6. August.

(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Der Kampf am Lingekopf und südlich dauert an. a Durch unsere Abwehrgeschütze wurden vier feind⸗ liche Flugzeuge zum Landen gezwungen. Eins davon verbrannte, eins wurde zerschossen. An der Küste fiel ein französisches Wasserflug⸗ zeug mit seinen Insassen in unsere Hand. Oestlicher Kriegsschauplatz. In Kurland fanden in der Gegend von Popel (60 Kilometer nordöstlich von Poniewiez) und bei Kowarsk und Kurkle(nordöstlich von Wilkomierz) für uns er folg⸗ reiche Reiterkämpfe statt.

An der Narew⸗Front südlich von Lom za machten die deutschen Armeen trotz hartnäckigen Widerstandes der Russen weitere Fortschritte. g

Zwichsen Bugmündung und Nasielsk durch⸗ stießen Einschließungstruppen von Nowo⸗Georgiewsk eine feindliche Stellung suͤdlich von Blendostwo und drangen gegen den oberen Narew vor. 1

Unser Luftschiffgeschwader belegte die Bahn⸗ hofsanlagen von Bialystock mit Bomben.

noch

s abgesehen zu haben. Unse.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Unsere über die Weichsel vorgedrungenen Truppen gahmen einige feindliche Stellungen. Feindliche Gegenangriffe blieben erfolglos.

Die Armeen des Generalfeldmarschalls v. Macken sen setzten die Verfolgungskämpfe fort. Nordüstlich bon Nowo⸗Alexandrija wurde der Gegner von österreichisch-unga⸗ rischen Truppen, bei Sawin(nördlich von Cholm) von deutschen aus seinen Stellungen geworfen.

N Oberste Heeresleitung. 1** 5

Vom rechten Weichselufer aus haben die abziehenden Russen ihrer Wut noch einmal Luft gemacht, indem sie blind⸗ lings in das von den deutschen Truppen besetzte Stadtinnere Warschaus hineinschossen. Man darf vielleicht daraus die Annahme ableiten, daß sie die polnische Hauptstadt ein für allemal aufgeben, eine Wiederkehr des russischen Regiments selbst für unmöglich halten. Wo aber werden wir uns wieder⸗ sehen?, werden Prinz Leopold und seine Treuen bei diesem Abschiedssalut fragen, und einige Möglichkeit, daß die Blindschützen noch einmal aus nächster Nähe Be⸗ kanntschaft mit deutschen Soldaten machen wer⸗ den, besteht sicherlich. Auf allen Fronten an Narew und Weichsel drängen unsere Truppen dem Feinde nach; die Bahnhofsanlagen von Bialystock sind von unseren Luftschiffen mit Bomben beworfen worden mit der Absicht, ein Entkom⸗ men des südlich des Narew zurückweichenden Feindes nach Möglichkeit zu verhindern. Auch Mackensen rückt aus Süden weiter vor, wenn es auch immer noch scheint, als ob gerade dort die Russen ihre heftigsten Bemühungen machten, stand⸗ zuhalten, bis ihr Rückzug geordnet ist. Ob dies aber in vollem Umfange möglich sein wird, bezweifeln selbst eng⸗ lische Blätter, wie man aus den nachstehenden Meldungen entnehmen kann.

Im Norden bildet die Betrachtung des deutschen Auf⸗ marsches ein fesselndes Bild. Die deutsche Kavalleriefront zieht sich östlich von Poniewiez in gerader Linie von Süden nach Norden. General von Belows auf Dünaburg vor⸗ gehende Armee folgt der Reiterei dicht hintenauf. Kowarsk und Kurkle, wo die feindliche Reiterei geschlagen worden ist, liegen beide etwa 15 Kilometer südlich und südwestlich von Onikschty, wo am Donnerstag ein Gefecht gemeldet wurde. Da, so urteilt ein Mitarbeiter derKöln. Ztg., Kurkle dicht nördlich der großen Straße von Wilkomierz nach Dünaburg gelegen ist, haben wir die Hand auf diese gelegt und zugleich den Uebergang über die Wirinta erzwungen. Sie läuft von Osten nördlich von Kowarsk in die Swenta, einen Nebenfluß der bei Kowno in den Njemen mündenden Wilija. Auf dem linken Flügel erreichte die Heereskavallerie das 60 Klm. nord⸗ östlich von Poniewiez liegende Popel. Immer schärfer tritt so der Vormarsch der Armee Below hervor, der den englischen Blättern so große Sorge macht, so daß sie ihm allmählich

höhere Bedeutung für die Gestaltung der künftigen Lage bei⸗ messen möchten als der Offensive der Armeen unter dem Feld⸗ marschall v. Mackensen.

Auch der Feind an der österreichischen Südgrenze, der 8 ich wirklich mit dem Gedanken zu tragen scheint, vor den

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f Artilleriefeuer

Dardanellen bessere militärische Gehversuche anstellen zu können als in der Isonzo-Front, hat neuerdings Schlappen erlitten, die ihm seinen kleinen Vorrat an Prestige immer weiter zusammenschmelzen lassen. Der heutige österreichisch⸗ ungarische Tagesbericht ist in schlichten Sätzen abgefaßt, doch von der ersten bis zur letzten Zeile ein Triumph. Nicht allein daß die wiederholten Vorstöße der Italiener regelmäßig mit erheblichen Verlusten nach wie vor mit sicherer Regelmäßig⸗ keit zurückgewiesen werden, hat auch die italienische Flotte wieder einen blamablen Vexrlust erlitten. Der tüchtigere Gegner hat eines ihrer Unterseeboote mit der gleichen Waffe besiegt und wiederum in einem Zweikampf zwischen Unter⸗ seebooten bewiesen, wo die größere Geschicklichkeit liegt. Eben⸗ so ist ein italienisches Luftschiff österreichischen Schützen zum Opfer gefallen. So hoch im Lande Mignons der Lorbeer steht, im symbolischen Sinne wissen seine Bewohner nichts damit anzufangen; die Lorbeerblätter des Sieges sind ihnen ein Ausfuhrartikel, von dem sie selber nichts übrig behalten.

***

Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht.

Wien, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird

verlautbart: 6. Aug. 1915 mittags. Russischer Kriegsschauplatz.

Nordwestlich Jwangorod machten unsere Verbünde⸗ ten Fortschritte.

Zwischen Wei gungskämpfe an.

In Ostgalizien ist die Lage unverändert.

chsel und Bug dauern die Verfol⸗

sie 1 on un

1 zurückgetrieben oder, wenn sie diesem stand⸗ hält, durch unsere tapfere Infanterie unter großen Verlusten geworfen. Auch die durch den Feind geübte gründlichste und stärkste Artillerievorbereitung vermag an diesem Verlauf der Begebenheiten nichts zu ändern. So scheiterten in der Nacht zum 5. und gestern mehrere Angriffe, einer, der von Sagrado ausgeführt wurde, einer gegen die Höhe von Podgora, wo das Angriffsfeld mit italienischen Leichen bedeckt ist. Ebenso waren feindliche Vorstöße im Plava⸗ Abschnitt und im Krngebiet erfolglos. Ein der Artillerie- beobachtung dienender italienischer Fesselballon wurde bei Monfalcone herabgeholt..

In den karnischen Alpen haben unsere Truppen in der Gegend des Monte Paralba einige günstige Höhen⸗ stellungen auf italienischem Gebiet besetzt.

Auf der Tiroler Front wurde der Angriff eines feind⸗ lichen Bataillons gegen den Col di Lana GBuchenstein) abgewiesen. Eine unserer Patrouillen überfiel in einem ita⸗ lienischen Seitentale des Ortlergebietes eine Halb⸗ kompagnie des Feindes und brachte ihr erhebliche Ver⸗

luste bei. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See.

Eines unserer Unterseeboote hat gestern früh ein ita⸗ lienisches Unterseeboot, TypNautilius, bei Pelagosa anlanciert und versenkt.

Das italienische LuftschiffCitta di Jesi wurde um Mitternacht vom 5. auf den 6. August bei einem Versuche, über den Hafen von Pola zu fliegen, durch Schrapnellfeuer heruntergeholt, bevor es irgend einen Schaden anrichten konnte. Die gesamte Be⸗ mannung, bestehend aus drei Seroffizieren, einem Maschi⸗ nisten und zwei Mann, wurde gefangen. Das Luftschiff wurde nach Pola gebracht.

Flottenkommando.

(Das versenkte italienische Unterseeboot vom TypNautilus ist eine Unterseewaffe jüngsten Datums. Das Schiff stammt aus dem Jahre 1913, hat eine Länge von 41 Metern und eine Schnellig⸗ keit von 14 Knoten über und 9 Knoten unter Wasser. Die Be⸗ satzung betrug 17 Mann. Ein Schwesterfahrzeug ist das Unter⸗ seebootNereide.)

Die italienische Darstellung.

Rom, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agenzia Stefani. In der vergangenen Nacht warf unser LuftschiffVelta Bomben auf Pola, wohin be⸗ reits früher glückliche Streifzüge unternommen worden waren. Aus Gründen, welche man noch nicht feststellen konnte, fiel das Luftschiff ins Meer. Die Besatzung, welche aus 3 Offizieren und 13 Mann bestand, ist wohl⸗ behalten; sie wurde gefangen genommen.

***

Der Einzug in Warschau.

Berlin, 7. Aug. Wie der Sonderberichterstatter desBerl. Lokalanz. meldet, erfolgte am 5. August in aller Frühe der Einzug der deutschen Truppen in Warschau. Die Forts waren durch Drahtverhaue, Gruben, Minen und Gräben gegen Infanterie⸗ angriffe stark befestigt, und die Truppen hatten in den beiden letzten Tagen und Nächten noch beträchtliche Kämpfe zu bestehen.

Die Erdwerke wiesen mehrere Volltreffer deutscher Artillerie auf. Warschau ist also durchaus nicht kampflos geräumt worden. Die Zerstörung in der Stadt und in der Umgebung ist sehr gering⸗ fügig, da die Bevölkerung sich weigerte, den Zerstörungsbefehl der zurückweichenden Russen auszuführen. Beim Einzug waren die Straßen voll von Menschen, die allen deutschen Offizieren und Soldaten einen freu⸗ digen, ja jubelnden Empfang bereiteten. Fast alle Geschäfte sind geöffnet. Die elektrische Straßenbahn verkehrt wie gewöhnlich. In den Straßen tat während des Einzuges der Truppen Bürgermiliz Polizeidienst. 5

Berlin, 7. Aug. Wie dasBerliner Tageblatt mel⸗ det, hat der Kaiser dem Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern, dem Eroberer von Warschau, den Orden Pour le mérite verliehen.

Der neue Polizeipräfident.

Köln, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) DieKöln. Volks⸗ ztg. meldet: Der hiesige Polizeipräsident v. Glasenapp

ist in gleicher Eigenschaft an die deutsche Verwaltung in 4

Warschau berufen worden. Die englische Presse über den Fall von Warschau.

London, 6. August.(WTB. Nichtamtlich.) DieTimes schreibt über die Einnahme von Warschau: Es wäre

töricht, zu behaupten, daß die Einnahme von Warschau geringe

militärische und geringe politische Bedeutung habe. Der Verlust von Warschau hat zur Folge, daß die Möglichkeit des Wie⸗

derbeginns einer Offensive, durch die die Sicherheit 5 Deutschlands ernstlich bedroht würde, für un bestimmte Zeit

vorbei ist. Es ist beruhigend, daß die Deutschen das russische Heep nicht vernichtet haben.

Der militärische Mitarbeiter derMorning Post schreibt über den Rückzug der Russen: Die Schwierigkeiten eines solchen

Rückzuges haben sich bereits bei der Rückwärtsbewegung in Galizien

ser fühlbar gemacht. Da der Feind damals aber überall in der

Frontlinie aufmarschierte, bestand wenig Gefahr, daß große Trup⸗ penmassen abgeschnitten würden. Jetzt ist die Lage viel verwickel⸗

ter. Das Heer hält eine Front von 300 Meilen besetzt und ist, i

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umzingelt, den Angriffen aus Norden, Westen und Süden aus.

gesetzt. Es ist klar, daß ein gleichzeitiges Zurücknehmen aller Teile des Heeres zur Folge haben würde, daß die gesamte Streit⸗ macht ungefähr in der Mitte des besetzten Gebietes eingeschlossen

würde. Der Feind beabsichtigt offenbar eine Wiederholung 5

der Schlacht von Sedan im großen Stile.

Der Einzug des Erzherzogs Josef Ferdinand in Lublin.

Wien, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs⸗ pressequgrtier wird gemeldet: Der Armeekommandant, Ge⸗ neral der Infanterie Erzherzog Josef Ferdinand, zog gestern vormittag 11 Uhr an der Spitze der Truppen feierlich in Lublin ein. In den Straßen bildete Militär Spalier. Vor dem Automobil, welches Reiter flankierten, ritt ein Zug Kavallerie. Beim Regierungsgebäude war eine Ehreneskadron zu Pferde mit Regimentsmusik aufgestellt. Zum Empfange waren erschienen: Der Präsident der Stadt Lublin mit einer Abordnung des Ge⸗ meinderats, Vertreter der Provinz Lublin, der Präsident der freiwilligen Bürgermiliz und Vertreter der Geistlichkeit aller Be⸗ kenntnisse. Auf eine huldigende Ansprache des Stadtpräsi⸗

denten antwortete der Erzherzog folgendermaßen: Emp⸗

fangen Sie meinen Dank, Herr Präsident, für den Namens der Stadt entbotenen Gruß. Die verbündeten Armeen führen Krieg gegen die russische Wehrmacht, nicht aber gegen die friedliche Bevölkerung der von uns eroberten Gebiete. Volk und Stadt Lublin können meines Wohlwollens und Schutzes solange ver⸗ sichert sein, als sie sich jeder feindseligen Handlung und jedes Widerstandes enthalten und unseren berechtigten Forderungen ent⸗ sprechen. Hierauf zeichnete der Erzherzog alle erschienenen Be⸗ amten durch Ansprachen aus. Abends war Platzmusik.

Die Räumung Rigas.

London, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung derMorning Post aus Petersburg hat die Ent⸗ sernung der nichtmilitävischen Bevölkerung aus Riga vor einiger Zeit begonnen. Unerwünschte Elemente wurden in das Innere geschafft. Zuletzt wurden die Banken entfernt. Außer den russischen Behörden befindet sich in Riga und im ganzen Bezirk nur Militär.

Die französische Militärkritik über den russischen Rückzug.

Paris 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Französische Mili⸗ tärkritiker beschäftigen sich mit der Frage, ob der russische Rück⸗ zug ungefährdet ausgeführt werden kann. Sie erklären, daß in⸗ folge der Durchbrechung der Narew⸗Linie und der Eroberung der Eisenbahnlinie Lublin⸗Cholm die Lage der russischen Truppen, die noch im Raume von Warschau stehen, zu Besorgnis Anlaß gebe. Die Flankenbedrohung des russischen Heeres sei von den Deutschen verwirklicht worden. Man wisse nicht, welche Gegen⸗ maßregeln Großfürst Nikolai getroffen hat, um der Umklamme⸗ rung zu entgehen, und man dürfe sich keinen Illusionen hingeben. Die Wege in Polen seien wenig geeignet, um einen so gewaltigen Rückzug ohne Stauung zu bewerkstelligen. Das Problem, welches die Russen zu lösen hätten, um den Zusammenhang zwischen den Armeen aufrecht zu erhalten, sei schwierig.

Der russische Bericht.

Petersburg, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ge⸗ neralstab des Generalissimus teilt mit:.

Infolge der Verhältnisse der allgemeinen Lage erhielten unsere Truppen westlich Warschau den Befehl, auf das rechte Wei selufer zurückzugehen. Nach dem eingegangenen

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